Ein Brautkleid aus Warschau - Lot Vekemans - ebook

Ein Brautkleid aus Warschau ebook

Lot Vekemans

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Opis

Die Stücke der niederländischen Autorin werden auf vielen deutschen Bühnen mit großem Erfolg gespielt. In ihrem ersten Roman erweist sie sich als großartige Erzählerin. Marlena, Mitte zwanzig, wohnt in Polen auf dem platten Land und ist zum Kummer ihrer Mutter noch immer nicht verheiratet. Dann verliebt sie sich plötzlich bis über beide Ohren in einen Amerikaner, der als Journalist über die Zeit nach dem Kommunismus berichtet. Marlena hat das Glück, zu lieben und geliebt zu werden, aber sie weiß es nicht, oder wenigstens: Sie kann es nicht glauben. Und so ähnlich geht es ihrem Geliebten auch, der schließlich nach Amerika zurückkehrt. Dass sie ein Kind erwartet, wird er nie erfahren. Ein melancholischer Schleier scheint über Marlenas Leben zu liegen; stets bricht etwas entzwei, ohne dass es eigentlich eine Schuld gibt oder gar einen Schuldigen. Alle sind schuldlos Schuldige: Liebende, die tragisch verkettet sind in Verhältnisse, die sie nicht durchschauen. Drei Männern begegnet Marlena, die jeder auf seine Weise ihrem Leben eine entscheidende Richtungsänderung geben. Ihr Weg führt sie aus dem Dorf nach Warschau, über eine Heiratsvermittlung in die Niederlande zu einem Bauern, Jahre später zurück nach Polen. Lot Vekemans erzählt aus drei Perspektiven über das Verlangen, seinem Leben eine Richtung zu geben, und über die unvorhersehbaren Folgen, die es hat, wenn man es wirklich wagt. Ihre Charaktere, Marlena, drei Männer und ein Junge, gehen einem nicht mehr aus dem Kopf.

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Liczba stron: 302

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Lot Vekemans

Ein Brautkleidaus Warschau

Roman

Aus dem Niederländischen

von Eva M. Pieper und

Alexandra Schmiedebach

Originaltitel:

Lot Vekemans: Een bruidsjurk uit Warschau. Roman

© 2012 Cossee, Amsterdam; Lot Vekemans

Die Übersetzung dieses Buches wurde von der

niederländischen Stiftung für Literatur gefördert.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese

Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet

über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© Wallstein Verlag, Göttingen 2016

www.wallstein-verlag.de

Vom Verlag gesetzt aus der Stempel Garamond

Umschlaggestaltung: Eden und Höflich

unter Verwendung von Vektorgrafiken

© Victor Metelskiy, Irina Kostynk, aarows, shutterstock

Druck und Verarbeitung: Pustet, Regensburg

ISBN (Print) 978-3-8353-1601-0

ISBN (E-Book, pdf) 978-3-8353-2963-8

ISBN (E-Book, epub) 978-3-8353-2964-5

Inhalt

Erster Teil. Die Geschichte von Marlena

Zweiter Teil. Die Geschichte von Andries

Dritter Teil. Die Geschichte von Szymon

ERSTER TEILDie Geschichte von Marlena

1

Es war Juni und viel zu warm für die Jahreszeit. Wir hatten die Fenster des Autos von Nachbar Wiesław heruntergedreht, aber die Hitze schlug uns immer noch ins Gesicht. Ich saß mit meiner Mutter und meiner Schwester Irena auf dem Rücksitz, eine Pobacke schief gegen die Seitenwand des Autos gequetscht und mit gebeugtem Kopf, damit ich nicht bei jedem Schlagloch gegen die Decke stieß.

Neben mir saß meine Mutter, unsere Hüften waren aneinandergepresst, als wären wir dort miteinander verwachsen. Auf der anderen Seite meiner Mutter saß Irena. Ab und zu beugte sie sich vor, steckte den Kopf aus Nachbar Wiesławs Fenster und schrie allen Autos zu, die uns entgegenkamen. Mutter schlug ihr mit der flachen Hand auf die nackten Schenkel, um sie zum Schweigen zu bringen. Vergeblich. Auf dem Schoß hatten wir fünf gelbweiße Fahnen. Vor mir saß unsere Nachbarin Pola, breitbeinig, die Hände auf dem Armaturenbrett. Sie schrie Nachbar Wiesław zu, er solle achtgeben auf die Schlaglöcher, sich in Acht nehmen vor einer Kuh am Wegesrand oder vor einem alten Mann, der plötzlich auf die Straße lief.

Nachbar Wiesław schwieg. Undeutlich brummelnd verfluchte er meinen Vater, der im letzten Augenblick beschlossen hatte, nicht mitzufahren, weshalb wir plötzlich alle zusammen in seinem winzigen Fiat saßen. Mein Zicklein, nannte er sein Auto liebevoll. Das Ding war schon fünfzehn Jahre alt und im Laufe der Zeit von Rot zu Fahlrot verblichen, aber Wiesław war stolz darauf, als wäre es der neueste Volkswagen. Er wusch es jede Woche und berührte sein kleines Zicklein mit mehr Zärtlichkeit, als ich es ihn je bei Nachbarin Pola hatte tun sehen.

Wir waren auf dem Rückweg aus Warschau, wo wir den Papst gesehen hatten. Zusammen mit Tausenden von Menschen am Straßenrand hatten wir dem Papamobil mit den gelbweißen Fahnen zugewinkt. Aus den Lautsprechern, die an Laternenpfählen aufgehängt waren, erklang entlang der ganzen Straße das »Barka«, das Lieblingslied des Papstes. Irena hatte es lauthals mitgesungen. Ich sang nicht gern. Meine Mutter und Nachbarin Pola standen unter einem Regenschirm, der sie vor der prallen Sonne schützte. Meine Mutter klagte, der Papst sei viel zu spät dran, ihr Kleid sei zu eng und sie könne kaum etwas sehen. Nachbar Wiesław hatte sich auf einen Grünstreifen am Straßenrand gesetzt und schälte eine Birne. Was ihn anging, konnte der Zirkus so schnell wie möglich wieder vorbei sein. Mein Vater und mein Bruder Miłosz waren zu Hause geblieben. Sie hatten den Papst erst vor zwei Jahren gesehen. Mutter konnte damals nicht mit, weil sie sich den Knöchel verstaucht hatte. Bei jedem Schritt schrie sie vor Schmerzen. Es war passiert, als sie die Kellertreppe hinunterging, um Kartoffeln zu holen. Hunderttausend Mal war sie schon die Treppe hinuntergegangen, um Kartoffeln, Möhren oder Kohl zu holen. Und jetzt trat sie fehl. Sie stieß einen Schrei aus und lag am Fuß der Treppe im Keller. Miłosz war zu Hause. Er trug sie nach oben und wollte den Arzt holen. »Keinen Arzt«, sagte meine Mutter. Miłosz drückte vorsichtig auf ihren Knöchel, und Mutter schrie wie am Spieß. »Keinen Arzt!« Sie durfte den Fuß vier Wochen nicht belasten. Sie lief mit Krücken herum und fluchte, dass es eine wahre Freude war.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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