Der Wettflug der Nationen - Hans Dominik - ebook

Der Wettflug der Nationen ebook

Hans Dominik

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Opis

Der Wettflug der Nationen ist ein weltumspannendes Ereignis. 50 Millionen Dollar beträgt das Preisgeld für den schnellsten Flug um die Erde. Die verschiedenen Nationen treten an, um auf unterschiedlichen Routen die Welt zu umrunden und jeder will mit einem Sieg die Prämie für sich gewinnen. Sieger des Fluges ist derjenige, der seinen Startpunkt zuerst wieder erreicht. Es gibt nur einen Sieger und nur einen Preis. Neben vielen Ländern beteiligen sich auch die deutschen Eggerth-Werke mit ihrer „Seeschwalbe” am Wettflug. Leider versuchen Japan und Russland statt mit schnellen, verlässlichen Flugzeugen lieber durch heimtückische Sabotageakte ans Ziel zu gelangen. Doch sie haben nicht mit der weisen Voraussicht von Professor Eggerth gerechnet.

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Hans Dominik

Der Wettflug der Nationen

Warschau 2018

Inhalt

1. EIN TESTAMENT WIRD ERÖFFNET

2. IN DEN EGGERTH-WERKEN

3. IN DER CITY VON NEW YORK

4. WIEDER IN DEN EGGERTH-WERKEN

5. DER STARTSCHUß FÄLLT

6. DAS RENNEN GEHT WEITER

7. SABOTAGE AM WERK

8. EINE STURMNACHT

9. DIE LETZTEN KILOMETER

10. AUSKLANG

1. EIN TESTAMENT WIRD ERÖFFNET

DER große Saal im 30. Stockwerk des Reading-Hauses in New York war bis auf den letzten Platz gefüllt. Hier wurden gewöhnlich die Generalversammlungen der vielen zum Reading-Konzern gehörenden Gesellschaften abgehalten. Heute aber lag ein anderer Anlaß vor und anders war auch die Gesellschaft zusammengesetzt, die sich eingefunden hatte.

Man bemerkte unter den Erschienenen die meisten führenden Männer des Konzerns. Da fiel in der vordersten Reihe der scharf geschnittene durchgeistigte Philosophenkopf Frank Kellys, des Generaldirektors der Reading-Flugzeugwerke auf. In seiner Nähe saß Henrik Dahl Juve. Dessen vierschrötige Gestalt, sein breites von Gesundheit strotzendes Gesicht, hätten ganz gut zu einem Weizenfarmer aus den Weststaaten gepaßt und verrieten in keiner Weise, daß Henrik Juve sozusagen der Finanzminister des Reading-Konzerns und ein genialer Bankfachmann war. Man sah weiter Francis Flagg, der die Eisenbahninteressen des Konzerns verwaltete und äußerlich wie ein Methodistenpfarrer wirkte. In einer Gruppe standen James Harrow, Jack Gibson und Theodor Addington zusammen, denen die Betreuung der Bodenwerte des Konzerns in den verschiedenen amerikanischen Großstädten oblag. Aber der Schöpfer und langjährige Leiter dieses riesenhaften Wirtschaftsgebildes, Morgan Reading, selbst war nicht hier. Sein lebensgroßes Bild hing schwarz umflort an der Saalwand hinter dem Präsidententisch.

Die überwiegende Mehrzahl der Versammelten gehörte der Presse an. Alle großen amerikanischen Blätter waren durch ihre Berichterstatter vertreten. Die Telegraphenbüros aller Erdteile hatten ihre Korrespondenten entsandt. Alle Maßnahmen waren getroffen, um das, was sich hier ereignen sollte, schon wenige Minuten später in der ganzen Welt bekanntzugeben.

Gesprächsfetzen flogen hier und da durch den Raum... Also doch ein Testament!... Wem wird der alte Mann seine Millionen vermacht haben?... Milden Stiftungen... vielleicht der Heilsarmee?... oder dem Milchfonds?...

Gewaltig war die allgemeine Überraschung, als John Sharp, der Syndikus des Konzerns und mit dem Verstorbenen eng befreundet, die Weltpresse vor vierundzwanzig Stunden einlud, heute hierher zu kommen und der Eröffnung des Testamentes von Morgan Reading beizuwohnen. In dicken Schlagzeilen hatten die amerikanischen Blätter ihren Lesern sofort die Tatsache mitgeteilt, daß ein Testament vorhanden war, aber des Rätselratens war darum nicht weniger geworden. Man wußte ja, daß der Verstorbene keine direkten Erben besaß und frei über seinen Reichtum verfügen konnte. So blieb auch jetzt noch die Frage offen, wem die vielen Dollar-Millionen zufallen sollten.

Langsam waren die Zeiger der Saaluhr weiter gerückt. Jetzt hob sie zum Schlage aus. Vier helle, zwölf dunklere Schläge. Die Mittagsstunde, zu der die Eröffnung stattfinden sollte, war da. Noch zitterte der Klang des letzten Schlages durch den Raum, als John Sharp sich aus seinem Sessel am Präsidententisch erhob. Eine kurze knappe Verbeugung der fast überlangen hageren Gestalt gegen die Versammlung. Mit einem kurzen Ruck schob er die scharfen Brillengläser dichter an die Augen. Seine Linke griff nach einem mit fünf schweren Siegeln verschlossenen Briefumschlag. Unmittelbar danach begann er zu sprechen.

»Meine Herren, ich eröffne in Ihrer Gegenwart das Testament des verstorbenen Charles Francis Morgan Reading.« Während er die Worte sagte, schnitt er den Umschlag auf, zog ein Dokument heraus und entfaltete es. Fuhr dann fort: »In Übereinstimmung mit dem Willen des Heimgegangenen gebe ich den Inhalt seiner letztwilligen Verfügung jetzt einer breiten Öffentlichkeit bekannt.«

Hundert Bleistifte standen über den Notizblocks gezückt bereit, jedes Wort festzuhalten, das jetzt kommen mußte. Doch vorläufig gab es noch nichts zum Schreiben. Das war ja kaum ein Testament, was John Sharp dort vorlas. Viel eher eine philosophische Abhandlung über die Vorzüge und Nachteile des Reichtums und die Verpflichtungen, die er seinem Besitzer auferlegt. Derartige Gedanken und Anwandlungen hätten die wenigsten der Hörer dem Toten zugetraut. Doch nun wurde es interessanter.

»Ich habe«, las John Sharp weiter, »immer die hochherzige Stiftung des schwedischen Ingenieurs Alfred Nobel bewundert, der die Erträgnisse seines Vermögens denen vermachte, die sich um die Fortschritte der Wissenschaft und die Verbrüderung der Völker besonderes Verdienst erwerben. Es ist meine Absicht, das von mir erworbene Vermögen in ähnlicher Weise in den Dienst der Menschheit zu stellen...«

Jetzt kamen Bleistifte und Füllfederhalter in fieberhafte Bewegung und ließen keines der Worte aus, die von Sharps Lippen fielen. Der las weiter:

»Meine Lebensarbeit galt besonders der Entwicklung des Flugwesens. Meine letzten Pläne, in langjähriger Arbeit entwickelt, sind für die Ausführung reif. Der Berufenste soll sie nach meinem Tode verwirklichen. Ich bestimme deshalb folgendes: Mein Testamentsvollstrecker John Sharp wird eine Woche nach der Eröffnung meines Testamentes einen internationalen Wettbewerb, den Wettflug der Nationen um die Welt, ausschreiben. Der Start zu diesem Flug soll am ersten Jahrestag meines Todes stattfinden. Weitere Bestimmungen über alle Einzelheiten des Wettbewerbes hat mein Testamentsvollstrecker in einem besonderen Schriftstück von mir erhalten.

Sieger des Fluges ist derjenige, der seinen Startpunkt zuerst wieder erreicht. Es gibt nur einen Sieger und nur einen Preis. Unter Umständen wird die Sekunde entscheiden.

Als Preis setze ich mein Vermögen aus. Nach Erfüllung aller gesetzlichen Verpflichtungen und nach Abzug der nachstehend aufgezählten Legate an einige mir nahestehende Personen wird es immer noch größer sein als die Summe, die Alfred Nobel in seine Stiftung gab.

Zu meinem Vermögen gehören die Reading-Flugzeugwerke in Bay City und meine zur Ausführung reifen Pläne für ein Stratosphären-Flugzeug. Der Sieger soll verpflichtet sein, diese Pläne unter vollem Einsatz der ihm als Preis zufallenden Vermögenswerte zur Ausführung zu bringen. Dieser Bedingung haben sich alle Teilnehmer an dem Wettbewerb vorher schriftlich zu unterwerfen. Ich hoffe, durch diese meine Stiftung dem Fortschritt und der friedlichen Entwicklung der Menschen am besten zu dienen.«

John Sharp ließ das Schriftstück sinken. »Das, meine Herren, ist vorläufig alles. Heute in acht Tagen werde ich hier in demselben Saal die genauen Bedingungen für den Wettflug der Nationen bekanntgeben...«

Schon während seiner letzten Worte stürmten die Pressevertreter hinaus, um ihren Redaktionen durch Telephone und Telegraphen das Testament Morgan Readings bekanntzugeben. Nur die Angehörigen des Konzerns selbst blieben zurück.

Henrik Juve schüttelte unwillig den massigen Schädel. »Eine nette Überraschung, die uns der alte Mann bereitet hat, Sharp. Ein ganzes Jahr lang werden wir nicht wissen, wem der Reading-Konzern gehört, wer hier Koch oder Kellner ist.« Frank Kelly war nähergetreten und nickte Juve beistimmend zu.

John Sharp funkelte die beiden durch seine scharfen Brillengläser an. »Für das nächste Jahr ist der Konzern mir, als dem Testamentsvollstrecker zu treuen Händen überantwortet. Sie und die übrigen Herren werden Ihre Posten nach wie vor nach bestem Wissen und Gewissen verwalten. Die wöchentliche Sitzung der Konzernleiter wird wie bisher im Reading-Haus, doch von jetzt an unter meinem Vorsitz stattfinden. Im übrigen wird für das nächste Jahr alles beim alten bleiben. Wir sehen uns in drei Tagen bei der ersten Konferenz.«

Der Testamentsvollstrecker schüttelte den anderen die Hand zum Abschied und zog den Direktor der Flugwerke mit sich.

»Sie bekommen von mir noch die Quittung über die Pläne des Stratosphären-Flugzeuges, Kelly. Hier, bitte nehmen Sie sie. Übrigens... jedem von uns kann etwas Menschliches zustoßen. Ich muß Sie über die Aufbewahrung dieser Schriftstücke informieren. Wollen Sie mich begleiten.«

Im Rapid-Lift fuhren die beiden Herren vom 30. Stockwerk bis in den dritten Tiefkeller des Reading-Hauses hinab und schritten einen langen, tunnelartigen Gang zwischen meterstarken Betonwänden entlang. An einer Stelle schien der Gang blind zu enden. Nur die schwache Umrißlinie eines etwa metergroßen Kreises zeichnete sich auf der Stirnwand ab. Drei kleine Bronzerosetten befanden sich innerhalb der Kreislinie an der Wandfläche.

John Sharp zog seine Uhr. »Fünf Minuten nach eins. Von eins bis zwei Uhr nachmittags geben die Zeitschlösser den Schrank frei.« Aus der einen Rocktasche holte er ein Lederetui und entnahm ihm drei komplizierte Schlüssel. Dann drehte er die Rosetten zur Seite, führte die drei Schlüssel in drei freiwerdende Schlüssellöcher ein und schloß. Drückte danach auf einen Knopf an der Wand. Das Surren eines Elektromotors wurde hörbar, langsam schwenkte eine schwere, kreisförmige Stahltür aus der Stirnwand nach außen und gab den Blick in das Innere eines Panzerschrankes frei, der hier schon beim Bau des Reading-Hauses in die Betonfundamente eingegossen worden war.

John Sharp griff nach einem größeren, mehrfach versiegelten Paket und hielt es dem anderen hin. »Sie sehen, Kelly, hier liegen die Pläne noch ebenso verpackt und eingesiegelt, wie Sie sie mir übergaben. Ich fürchte, in den kommenden Monaten wird der sicherste Platz eben gerade sicher genug dafür sein. Nach dem Bekanntwerden von Readings Testament dürften sich mehr Leute für diese Dokumente interessieren als uns lieb ist.«

Er legte das Paket in den Schrank zurück und drückte auf einen anderen Knopf. Die schwere Tür schloß sich. John Sharp drehte die drei Schlüssel herum, zog sie aus der Wand und ließ die Rosetten wieder über die Schlüssellöcher fallen.

»Ich will so verfahren, Kelly! Den einen Schlüssel hier bekommen Sie und nehmen ihn mit nach Bay City. Den anderen behalte ich. Der dritte wird in meinem Privatsafe in der First Saving-Bank deponiert. Berücksichtigen wir die Zeitschlösser, die den Tresor nur die eine Mittagsstunde freigeben und außerdem gewisse andere kleine Überraschungen, die wir hier für ungebetene Gäste vorgesehen haben, so haben wir wohl alles Menschenmögliche getan, um uns gegen einen Verlust der Pläne zu schützen.«

Frank Kelly verbarg den feinen Stahlschlüssel sorgfältig in seiner Brieftasche.

»Gut, ich nehme ihn mit nach Bay City. Da will ich ihn verwahren, bis die neuen Herren ihn übers Jahr von uns fordern werden. Wenn nicht... ja, Sharp, was hindert eigentlich die Reading-Werke in Bay City, sich an dem Wettflug zu beteiligen...?«

»Nichts, Kelly! Natürlich! Sie können es, und ich erwarte stark, daß sie es tun werden. Es wäre nicht die schlechteste Lösung, wenn der große Reading-Preis an die Reading-Werke fiele.«

Als Frank Kelly kurze Zeit darauf vor dem Haus in seinen Kraftwagen stieg, um nach Bay City zurückzufahren, verkauften die Zeitungsboys schon die neuesten Ausgaben mit allen Einzelheiten über das Testament Morgan Readings. »Riesenstiftung des verstorbenen Millionärs« leuchtete es ihm in starken Schlagzeilen aus allen Blättern entgegen. Und nicht anders als hier in New York war es zur gleichen Zeit in allen anderen amerikanischen Städten, war es einige Stunden später auch in den Morgenausgaben der europäischen Zeitungen zu lesen. Wie ein Lauffeuer flog die Kunde von Morgan Readings Vermächtnis um den Erdball.

*

Direktor Kelly hatte seinen Wagen glücklich aus dem Gewühl der Hudson-Metropole herausgebracht. Die letzten Häuser von Jersey City lagen hinter ihm. Jetzt, auf der neuen großen Autostraße nach Pittsburg konnte er endlich Vollgas geben und seine starke Maschine laufen lassen, was sie hergab. Mit 120 Stundenkilometern brauste der Wagen über den spiegelglatten Makadam nach Westen, wie Schatten huschten die Bäume und Kilometersteine an dem Fahrer vorüber.

Nach zweistündiger Fahrt kam Harriesburg in Sicht. Kelly warf einen Blick auf die Benzinuhr. Nur noch Betriebsstoff für eine Stunde. An der nächsten Tankstelle machte er halt. Während der Wärter mit dem Einfüllen begann, stieg Kelly aus dem Wagen. Er spürte das Bedürfnis, sich die Beine zu vertreten und eine Zigarette zu rauchen. Noch suchte er nach Feuer, als ein zweiter Wagen vor der Tankstelle anhielt. Einer der Insassen sprang hinaus und hielt dem Direktor dienstbereit ein brennendes Streichholz hin.

»Bitte, Mr. Kelly, bedienen Sie sich.«

Mit tiefen Zügen sog der Direktor den Rauch ein. Dann erst kam ihm zum Bewußtsein, daß der andere ihn mit seinem Namen angeredet hatte.

»Sie kennen mich, Herr... Herr?«

»Tredjakoff ist mein Name. Wer sollte Sie nicht kennen, Herr Direktor? Das Bild des Leiters der Reading-Werke von Bay City war ja erst heute wieder in allen New Yorker Zeitungen zu sehen.«

Frank Kelly lachte. »Also sozusagen über Nacht berühmt geworden. Ja... ja, die Zeitungen machen jetzt viel mit uns her, Herr... Herr, Verzeihung, wie war Ihr Name?«

»Tredjakoff, russischer Emigrant. Ich hatte bereits die Ehre Ihrer Bekanntschaft, Mr. Kelly. Vielleicht erinnern Sie sich?... Vor zwei Monaten bei einem Empfangsabend des französischen Generalkonsuls in New York?«

Schattenhaft kam dem Direktor ein kurzes damaliges Zusammentreffen wieder ins Gedächtnis.

»Ganz recht, ja. Jetzt erkenne ich Sie wieder, Mr. Tredjakoff, wir haben damals kurze Zeit miteinander gesprochen.«

»Ja, damals, Herr Direktor. Wie viel hat sich seit dem geändert. Damals lebte Morgan Reading noch in voller Gesundheit. Niemand konnte ahnen, daß sein Ende so nahe war.« Während der Russe immer lebhafter sprach und Frank Kelly schnell in Rede und Gegenrede verwickelte, schlenderten sie ein Stück neben der Autostraße entlang. Nach einigen Minuten blieb Tredjakoff stehen und meinte scherzend: »Auf die Weise laufen wir so langsam zu Fuß nach New York zurück, Mr. Kelly. Wir wollen umkehren. Unsere Tanks dürften inzwischen gefüllt sein. Sie machen die lange Fahrt nach Bay City ganz allein, Mr. Kelly?«

»Ja, Herr Tredjakoff. Ich ziehe es vor, meinen Wagen selbst zu steuern.« –

Kurze Zeit danach sauste Kellys Wagen schon wieder auf der großen Straße nach Westen. Das langsamere Gefährt, in dem Tredjakoff mit zwei Landsleuten ihm folgte, blieb zurück. Schnell war Harriesburg passiert. Danach wurde die Landschaft hügelig, die Straße hatte die letzten Ausläufer der Alleghanies zu überwinden. –

Unruhig schaute Frank Kelly auf den Kilometerzeiger und horchte auf das Motorgeräusch. Irgend etwas schien da nicht in Ordnung zu sein. Die Maschine gab nur noch knapp 100 Kilometer her, begann hier und da Zündungen auszulassen. Zum Teufel, was war das? Hatte ihm der Tankwärter gepanschtes Benzin verkauft? War ein Tropfen Wasser in den Vergaser geraten, oder war am Magneten etwas in Unordnung?

Immer unregelmäßiger wurden die Zündungen und dann setzten sie ganz aus. Der Wagen blieb stehen. Mit einem Fluch zog Kelly die Bremse und stieg aus. Schöne Schweinerei! Weit und breit kein Haus in Sicht. Jetzt konnte er sich hier selber an die Arbeit machen und den Fehler suchen. Ärgerlich zog er den Rock aus, warf ihn in den Wagenfond und klappte die Motorhaube auf. Eben beugte er sich über den Vergaser, als ein anderes Auto dicht hinter ihm stoppte. Es war der Wagen Tredjakoffs und seiner Freunde.

»Eine Panne, Mr. Kelly? Hoffentlich nichts Ernsthaftes. Darf ich Ihnen behilflich sein?«

Ohne die Antwort abzuwarten verließen die drei Russen ihr Auto und traten an Kellys Wagen heran. Mit geschickten Handgriffen, die volle Kennerschaft verrieten, begann Tredjakoff die einzelnen Teile des Motors zu überprüfen, während seine Gefährten sich an anderen Stellen des Wagens zu schaffen machten.

»Scheint doch irgendein Kurzschluß oder Nebenschluß im Magneten zu sein«, meinte Tredjakoff achselzuckend zu Kelly. »Wir müssen die Stromleitung im einzelnen verfolgen.«

Tief steckten die beiden ihre Köpfe unter die Motorhaube. So konnte der Direktor nicht sehen, wie die Hände des zweiten Russen mit einer zauberhaften Fixigkeit die Taschen seines Rockes im Wagenfond durchsuchten, wie eine Brieftasche aufklappte und ein kleiner blanker Stahlschlüssel in zwei Sekunden auf einem Wachsblock abgedrückt wurde. Dann waren Schlüssel und Tasche wieder an ihrem alten Ort.

»Haben Sie schon den Stromverteiler untersucht?« fragte der fingerfertige Russe danach Tredjakoff.

»Noch nicht, Perow, ich werde es gleich tun.« Tredjakoff beugte sich über den Stromverteiler, zupfte an den Zuführungskabeln und wischte dabei unauffällig ein wenig Öl, das merkwürdig metallisch schimmerte, von der Verteilerscheibe ab.

»Vielleicht lag der Fehler hier, Mr. Kelly. Wir wollen den Motor noch einmal anlassen.«

Diensteifrig drückte der als Perow Angeredete auf den Startknopf. Die Maschine sprang an, der Motor lief wieder mit vollen Touren.

»Was ist es denn gewesen?« fragte Kelly.

»Eine harmlose Sache. Ein Wackelkontakt in einem der Verteilerkabel. Ich habe die Schrauben etwas nachgezogen, ich denke, Sie werden jetzt ohne Zwischenfall bis Bay City durchfahren können.«

Der Direktor bedankte sich für die wirksame Hilfe, bestieg seinen Wagen und suchte durch beschleunigtes Tempo den Zeitverlust wieder einzuholen. Die drei Russen warteten, bis er ihren Blicken entschwunden war. Dann machten sie mit ihrem Wagen kehrt und fuhren zurück nach New York.

»Das ging verdammt schnell, Perow. Ich war überrascht, als Sie mir schon so bald das Stichwort gaben.«

»Alles in bester Ordnung, Tredjakoff. War ja nur Kinderspiel. Wäre schwerer gewesen, wenn er den Schlüssel in der Hosentasche gehabt hätte. Dann wäre es an Bunnin gewesen, seine Kunst zu zeigen, aber dazu hätten wir den Herrn Direktor erst veranlassen müssen, unter seinen Wagen zu kriechen.

War schon besser so. Der Abdruck ist tadellos. Morgen bekommen Sie den Schlüssel. Unter Garantie auf den Hundertstel Millimeter genau.«

»Gute Idee von Ihnen, Perow, da an der Tankstelle ein paar Tropfen kolloidaler Kupferlösung auf den Stromverteiler von Kellys Wagen zu spritzen«, sagte Bunnin, der dritte Russe. »Die Panne ist auf die Minute genau eingetreten. Hoffen wir, daß alles andere ebenso klappt.«

Tredjakoff krauste die Stirn. »Das war nur das erste und leichteste Stück. Vergessen Sie nicht, daß wir den zweiten Schlüssel bei John Sharp und den dritten aus der Saving-Bank holen müssen... und dann mit den drei Schlüsseln die Dokumente aus dem Tresor des Reading-Hauses. Es ist der schwierigste Auftrag, den ich jemals von Moskau bekommen habe.«

Bunnin pfiff vor sich hin. »Ah bah, Tredjakoff, vielleicht gewinnen unsere Landsleute den Wettflug. Dann erledigt sich unser Auftrag von selbst.«

Tredjakoff schüttelt den Kopf. »Sie sind im Irrtum, Bunnin. Wir müssen die Pläne haben, bevor der Wettflug entschieden ist. Nachher würde es zu spät sein. Es hilft nichts, wir müssen in New York sofort überlegen, wie wir weiter vorgehen wollen. Unser nächstes Ziel muß die Brieftasche von John Sharp sein.«

Die anderen nickten. Das Gespräch verstummte. Schweigend legten sie den Rest des Weges zurück.

*

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