Atlan 338: Kollision im Nichts - Harvey Patton - ebook

Atlan 338: Kollision im Nichts ebook

Harvey Patton

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Opis

Die Erde ist wieder einmal davongekommen. Pthor, das Stück von Atlantis, dessen zum Angriff bereitstehende Horden Terra überfallen sollten, hat sich dank Atlans und Razamons Eingreifen wieder in die unbekannten Dimensionen zurückgezogen, aus denen der Kontinent des Schreckens urplötzlich materialisiert war. Atlan und Razamon, die die Bedrohung von Terra nahmen, gelang es allerdings nicht, Pthor vor dem neuen Start zu verlassen. Zusammen mit dem Kontinent und seinen seltsamen Bewohnern befinden sie sich auf einer ungesteuerten Reise ins Ungewisse. An eine Kursbestimmung von Pthor ist noch nicht zu denken, und so werden es Algonkin-Yatta und seine exotische Gefährtin, die beiden Reisenden durch Zeit und Raum, die seit langem nach Atlan suchen und die den Arkoniden, als er noch auf der Erde weilte, nur knapp verfehlten, es schwer haben, sich weiter an seine Fersen zu heften. Der Arkonide ist jedoch kein Mann, der in Tatenlosigkeit verharrt. Während Odins Söhne nach dem Tod der Herren der FESTUNG ihre Herrschaftsansprüche auf Pthor geltend machen, beginnt Atlan, nach dem verborgenen Steuermechanismus des "Dimensionsfahrstuhls" zu suchen. Doch gleichzeitig naht das Unheil. Pthor und ein großes, unbekanntes Objekt prallen aufeinander - und es kommt zur KOLLISION IM NICHTS ...

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Nr. 338

Kollision im Nichts

Begegnung mit dem Raumschiff der Aggiaren

von Harvey Patton

Die Erde ist wieder einmal davongekommen. Pthor, das Stück von Atlantis, dessen zum Angriff bereitstehende Horden Terra überfallen sollten, hat sich dank Atlans und Razamons Eingreifen wieder in die unbekannten Dimensionen zurückgezogen, aus denen der Kontinent des Schreckens urplötzlich materialisiert war.

Atlan und Razamon, die die Bedrohung von Terra nahmen, gelang es allerdings nicht, Pthor vor dem neuen Start zu verlassen. Zusammen mit dem Kontinent und seinen seltsamen Bewohnern befinden sie sich auf einer ungesteuerten Reise ins Ungewisse.

An eine Kursbestimmung von Pthor ist noch nicht zu denken, und so werden es Algonkin-Yatta und seine exotische Gefährtin, die beiden Reisenden durch Zeit und Raum, die seit langem nach Atlan suchen und die den Arkoniden, als er noch auf der Erde weilte, nur knapp verfehlten, es schwer haben, sich weiter an seine Fersen zu heften.

Der Arkonide ist jedoch kein Mann, der in Tatenlosigkeit verharrt. Während Odins Söhne nach dem Tod der Herren der FESTUNG ihre Herrschaftsansprüche auf Pthor geltend machen, beginnt Atlan, nach dem verborgenen Steuermechanismus des »Dimensionsfahrstuhls« zu suchen.

Die Hauptpersonen des Romans

La'Mghor – Kommandant der ARMOSTUZ, eines Raumschiffs der Aggiaren.

Re'Gahn, Zo'Nrag und Xe'Bnorg – Besatzungsmitglieder der ARMOSTUZ.

Atlan – Der Arkonide erreicht die »Seele von Pthor«.

Thalia, Razamon und Kolphyr – Sie gehen auf die Suche nach Atlan.

Heimdall, Sigurd und Balduur – Die neuen Herren der FESTUNG.

1.

Die Antriebsaggregate der ARMOSTUZ summten ruhig und gleichmäßig. La'Mghor, der Kommandant des Forschungsraumers, schwenkte einen seiner Sinnesäste zur Seite und führte das daran sitzende Auge über die Instrumentenkonsole hinweg. Was er sah, befriedigte ihn.

Das Schiff lag genau auf dem Kurs zu der Sonne, zu der ihn sein Auftrag führte. Sie besaß, soweit das aus dieser Entfernung festzustellen war, mindestens sechs Planeten, die es zu untersuchen und zu katalogisieren galt. Vielleicht konnte einer davon später von den Aggiaren besiedelt werden, sofern er geeignet war und die Rasse neuen Lebensraum benötigte.

Der zu dem Gestirn führende Gravitationsstrom, den er selbst ausgelotet hatte, zeichnete sich als mattsilbern schimmerndes Band auf einem Spezialbildschirm ab. Wenn nun weiterhin alles gut ging, musste die ARMOSTUZ das System innerhalb einer Dekade erreichen.

La'Mghor bewegte einen seiner Greifäste und schaltete den Autopiloten ein. Dann drehte er sich zur Seite und wandte sich an den Astrogator, der wartend hinter ihm stand.

»Für die nächsten zehn Zeiteinheiten gibt es hier praktisch so gut wie nichts zu tun«, sagte er befriedigt. »Nimm solange meinen Platz ein und beobachte die Instrumente, verändere jedoch nichts daran. Ich ziehe mich jetzt zurück, um zu ruhen und Nahrung zu saugen. Störe mich nur dann, wenn es Kursabweichungen geben sollte, die so schwerwiegend sind, dass ich mich selbst darum kümmern muss.«

»Ich habe verstanden, Kommandant«, gab der Astrogator zurück. Langsam wandte sich La'Mghor um und bewegte sich auf den Hauptausgang der Steuerzentrale zu. Seine Wurzelfüße schlurften über den Boden, die Gelenke seiner Beinextremitäten knarrten leise. Er konzentrierte sich kurz, sandte einen telepathischen Befehl aus, und das Schott schnurrte zur Seite. Draußen angekommen, betrat er das Laufband und ließ sich zu seiner Kabine tragen.

Für einen Menschen hätte er, wie alle Mitglieder seiner Rasse, einen befremdlichen Anblick geboten. Die Aggiaren glichen in ihrem Aussehen kurzen, wandelnden Baumstämmen, und etwas Ähnliches waren sie im Grunde auch.

Ihre Vorfahren waren, irgendwann in grauer Vorzeit, tatsächlich Pflanzen gewesen. Eine seltsame Laune der Natur hatte es zuwege gebracht, dass diese Gewächse im Lauf der Zeit lernten, ihre Wurzeln aus dem Boden zu lösen und sich fortzubewegen, sofern die Umweltbedingungen es erforderten.

Das war zunächst nur rein instinktmäßig geschehen, doch die Evolution hatte sich damit nicht begnügt. Allmählich hatten die Aggiaren Intelligenz entwickelt und gelernt, die Umwelt nach ihren Bedürfnissen zu formen. Sie hatten begriffen, dass sie auf einem Planeten lebten, und dass es draußen im Universum zahlreiche andere Welten dieser Art gab.

Die logische Folge war gewesen, dass sie Raumfahrzeuge bauten, als ihre zivilisatorische Entwicklung weit genug fortgeschritten war. Es hatte die üblichen Rückschläge gegeben, von denen keine Rasse verschont blieb, aber sie hatten alle Schwierigkeiten gemeistert. Nun bewohnten sie bereits mehrere Planeten in verschiedenen Sonnensystemen ihrer Heimatgalaxis und breiteten sich nach und nach immer weiter aus.

Auch ihr Aussehen hatte sich im Lauf der Jahrtausende gewandelt. Sie besaßen keine Belaubung mehr, ihre Äste waren verkümmert und hatten sich zu Extremitäten umgebildet. Einige davon liefen in rudimentären Zweigen aus, die ihnen nun als Greifwerkzeuge dienten. An anderen saßen knotenförmige Verdickungen, die zu Sinneswerkzeugen ausgebildet waren, mit denen sie sehen, hören und riechen konnten.

Da ihnen die Blätter fehlten, basierte ihr Stoffwechsel auch nicht mehr auf der Kohlenstoffassimilation durch Photosynthese. Nach wie vor nahmen sie ihre Nahrung durch Wurzeln auf, aber sie besaßen auch Lungen und die dazu gehörigen Atemöffnungen in ihrer rindenartigen graubraunen Haut. So war es nicht ausgeblieben, dass sie gelernt hatten, sich akustisch zu verständigen, indem sie mit den Mündern zischelnde Laute bildeten.

Es gab jedoch auch, hervorgerufen durch besondere Umwelteinflüsse, anders geartete Individuen unter ihnen, die besondere Fähigkeiten besaßen. Auf der Erde hätte man sie als Mutanten bezeichnet, und auch unter den Aggiaren besaßen sie einen ähnlichen Status.

La'Mghor gehörte zu dieser Kategorie.

Er besaß nicht nur die seltene Fähigkeit, sich anderen Artgenossen telepathisch mitteilen zu können, sondern war außerdem ein Gravitationsspürer. Seine mutierten Sinne waren dazu imstande, die überall im Weltraum vorhandenen Gravitationsströme auszuloten und ihren Verlauf über große Entfernungen hin zu verfolgen. Damit war er hervorragend als Raumschiffkommandant geeignet.

Die Antriebe der ellipsoiden Raumschiffe der Aggiaren basierten dann, wenn es größere Entfernungen zu überwinden galt, vor allem auf der Ausnutzung dieser Gravitationsströme. Gelang es, ein Fahrzeug in eine dieser unsichtbaren Linien »einzufädeln«, bedeutete das ein erheblich rascheres Vorankommen bei gleichzeitiger Treibstoffersparnis. Folglich waren alle Kommandanten von Fernraumern Mutanten, wie auch hier in der ARMOSTUZ.

La'Mghor hatte sein Ziel erreicht und verließ das Laufband. Mit einem telepathischen Impuls öffnete er die Tür seiner Kabine und schlurfte hinein. Zuerst bewegte er sich auf die Kästen zu, in denen er eine Anzahl normaler, unintelligenter Gewächse sozusagen als Haustiere hielt. Er kontrollierte die Strahlung der Sonnenlampen und öffnete eine Leitung, durch die mit Spurenelementen versetztes Wasser in die Kästen floss. Erst als seine Pflanzen versorgt waren, dachte er an sich selbst.

Er begab sich in einen Nebenraum, dessen Boden mit einer humusartigen, etwa einen halben Meter dicken braunen Schicht bedeckt war. Während aus unter der Decke angebrachten Düsen ein feiner Wasserschleier auf ihn herabsprühte, senkte er seine Laufwurzeln hinein, und gleichzeitig öffneten sich in ihnen Poren, die der Nahrungsaufnahme dienten.

Etwa eine halbe Zeiteinheit lang blieb er dann unbeweglich stehen. Das Wasser aus den Düsen reinigte seinen Körper und machte gleichzeitig die Rinde wieder geschmeidig, die Poren in den Wurzeln saugten Nährstoffe aus der Humusschicht. La'Mghor schaltete während dieses Vorgangs geistig fast vollkommen ab und gab sich ganz dem Wohlbehagen hin, das durch ihn ausgelöst wurde.

Fast widerwillig löste er sich dann wieder aus seiner Starre, zog die Wurzeln aus dem Nährboden und bewegte sich in die Kabine zurück. Dort legte er sich in ein hängemattenähnliches Gebilde und schloss die Augen an seinen Sinnesästen, um zu ruhen. Wesen seiner Art brauchten keinen Schlaf wie Menschen oder Tiere. Ihnen genügte eine Ruhephase, während der sich die Nahrungsstoffe im Körper verteilten und die geöffneten Poren allmählich wieder schlossen.

Sein Geist arbeitete indessen weiter. Seine telepathischen Sinne durchforschten die Räume des Schiffes und nahmen die Gedanken der Besatzung auf. Die ARMOSTUZ hatte einhundert Aggiaren an Bord, von denen siebzig als Techniker verschiedener Fachrichtungen Verwendung fanden. Die anderen dreißig waren Wissenschaftler, deren Aufgabe in der Erforschung fremder Planeten bestand.

Keiner von ihnen spürte die heimliche Kontrolle, der er gerade durch den Schiffsführer unterzogen wurde. Allerdings wussten alle an Bord um seine besonderen Fähigkeiten und hatten sich längst damit abgefunden, dass La'Mghor stets über alles informiert war, was sie dachten oder taten. Er war der Kommandant und ein Mutant dazu, stand also weit über ihnen und hatte alle Rechte.

Zugleich trug er aber auch in erhöhtem Maße die Verantwortung für sie. Von seiner Begabung als Gravitationsspürer hing es auf Fernflügen ab, wie gut oder schlecht das Schiff manövriert wurde. Bisher hatte sich jedoch noch niemand über ihn beklagen können, er erledigte seine Aufgabe mit vorbildlicher Zuverlässigkeit.

Diesmal war das Schicksal jedoch gegen ihn.

La'Mghors gedankliche Sondierungen wurden abrupt unterbrochen, als ein gravitatorischer Impuls von ungewohnter Stärke seine Sinne erreichte. Augenblicklich wusste der Kommandant, was das zu bedeuten hatte: Störungen aus einer übergeordneten Dimension hatten die Raumkrümmung durchbrochen und tobten sich nun im Normaluniversum aus! Die Sicherheit der ARMOSTUZ war aufs höchste gefährdet.

Hastig stemmte der Kommandant seine Greifäste gegen den Rand der Hängematte und senkte seine Wurzelfüße auf den Boden. Dieser hob sich im nächsten Moment, als ein schwerer Stoß das Schiff aus dem Kurs warf. La'Mghor stürzte und war für kurze Zeit benommen, aber er raffte sich sofort wieder auf. Er musste in die Steuerzentrale und versuchen, das drohende Unheil abzuwenden.

Als der vom Astrogator ausgelöste Alarm in seiner Kabine aufklang, war er bereits unterwegs.

*

Während ihn das schnellste Laufband der Zentrale entgegentrug, konzentrierte er sich und sandte mit voller Kraft eine Telepathiebotschaft an die Schiffsinsassen aus.

»Höchste Gefahr für alle! Die ARMOSTUZ wurde durch Hyperkräfte aus der Gravitationslinie geworfen und treibt nun unkontrolliert dahin. Notfallplan Grüner Ast tritt sofort in Kraft, alle darin vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen sind zu treffen. Ich werde versuchen, das Schiff aus dem Bereich der Anomalie zu bringen und es wieder in einen anderen Gravitationsstrom einzuschleusen.«

Er erreichte den Steuerraum nur unter Schwierigkeiten, denn nun hatte der Raumer wild zu schlingern begonnen. Der Schutzschirm der ARMOSTUZ hatte sich beim Auftreten der Störungen sofort automatisch eingeschaltet und konnte von den Hyperenergien nicht durchdrungen werden, weil er selbst aus fünfdimensionaler Energie bestand. Er bildete eine stabile Blase um das einhundert Meter lange und in der Mitte sechzig Meter durchmessende Ellipsenschiff, aber in der augenblicklichen Situation hatte das auch beträchtliche Nachteile. Die Hyperkräfte, die zum größten Teil gravitatorischer Art waren, schleuderten es hin und her. Jeder neue Stoß wirkte sich aus, die Absorberfelder konnten Energien solcher Stärke nur zu einem kleinen Teil neutralisieren.

»Es steht nicht gut, Kommandant«, sagte der Astrogator, als La'Mghor beim Pilotenpult eingetroffen war.

Der Schiffsführer verankerte einige Greifäste in den dafür vorgesehenen Ösen, um einigermaßen festen Halt zu haben. Inzwischen schwenkten bereits die Sinnesäste mit den Augen über die Instrumentenkonsole, und dann kam ein stöhnender Laut aus seinem Mund.

Dutzende von Störungslampen blinkten hektisch, sämtliche Anzeigen spielten vollkommen verrückt. Auf den Bildschirmen war kein Stern mehr zu sehen, statt dessen waberte ein fahlblaues Leuchten um das Schiff und brach sich an dem Schutzschirm. Der Antrieb lief noch, die Konverter und Generatoren arbeiteten mit Volllast, ein dumpfes Grollen klang vom Triebwerkssektor her.

Rasch griff La'Mghor zu und schaltete sämtliche Aggregate ab. Sie waren in dieser Lage nicht nur nutzlos geworden, sondern trugen noch dazu bei, die Schlingerbewegungen des Schiffes zu verstärken. Es war bereits zu ersten Energierückschlägen gekommen, die die Gefahr einer verheerenden Explosion in sich bargen, die den Raumer restlos zerrissen hätte.

Der Kommandant dachte nicht daran, dem Astrogator Vorwürfe zu machen, weil dieser die Maßnahme nicht von sich aus getroffen hatte. Ein normaler Aggiare war durch die turbulenten Ereignisse restlos überfordert, weil er ihren Ursprung nicht begriff. Nur ein Mutant »sah« die zerstörerischen Gravitationskräfte, die sich in der Umgebung des Raumers ballten.

Das laute Grollen im Hinterschiff erstarb, eine geisterhaft anmutende Stille breitete sich aus. Sie wurde nur durch die dumpfen Stöße unterbrochen, wenn eine neue Welle der Kräfte aus dem Hyperraum die ARMOSTUZ traf und wie einen Spielball umherschleuderte. Dann jaulten auch die Andruckabsorber auf, denen La'Mghor zusätzliche Energien zugeführt hatte, um die Wucht der Auswirkungen auf die Besatzung auf ein tragbares Maß herabzumindern.

Was war nun weiter zu tun? Wie ließ sich die dem Schiff drohende Zerstörung noch abwenden?

Der Kommandant nutzte einen Moment relativer Ruhe aus.

Er aktivierte seinen Spürsinn und versuchte, die chaotischen Gravitationsballungen auszuloten. Der Schutzschirm beeinträchtigte seine Fähigkeiten jedoch stark, so dass er nur die nähere Umgebung durchforschen konnte. Nur die besonders stark strahlende Zone des Strukturrisses, durch den die fremden Energien einfielen, war für seine mutierten Sinne wie ein grelles Leuchtfeuer zu erkennen.

Von ihm gingen spiralförmige »Äste« von Gravostrahlung aus, die sich in einem ständigen rasenden Wirbel drehten. Von der Gravitationslinie, in der sich die ARMOSTUZ zuvor bewegt hatte, war nun nichts mehr zu spüren, sie war von den weit stärkeren Hyperkräften einfach eliminiert worden.

La'Mghor wusste, dass die Störungen andauern würden, solange der Strukturriss bestand. Er war ungewöhnlich kräftig und würde sich noch über mehrere Stunden hinweg halten, das war dem erfahrenen Mutanten klar. Es musste ihm irgendwie gelingen, das Schiff aus dieser Zone zu bringen, sonst war es mitsamt seiner Besatzung verloren. Der immer neuen Belastung durch die Stoßfronten konnte auch die stabile Schiffshülle nicht lange standhalten. Schon jetzt waren in den Verstrebungen immer wieder verdächtig knisternde Geräusche zu hören, obwohl die annähernde Eiform ein guter Stabilisationsfaktor war.

Der Kommandant zog seine Sinnesäste ein und schloss alle daran sitzenden Augen. Er konzentrierte sich nun vollständig auf das Bild der Gravitationsfelder, das vor seinem »inneren Auge« erstand. Mit ihm verfolgte er den Verlauf der energetischen Spiralen und suchte nach einem relativ ruhigen Punkt zwischen ihnen.

Neue Stöße, die den Raumer durchliefen, störten immer wieder sein Bemühen. Trotzdem ließ sich La'Mghor nicht entmutigen – er trug nicht nur die Verantwortung für die hundert Aggiaren an Bord, sondern hing auch selbst an seinem Leben.

Allmählich gelang es ihm dann doch, ein gewisses Schema in den scheinbar chaotischen Bewegungen der Spiralfelder zu entdecken. Zwei von ihnen strebten gerade aufeinander zu, mussten sich in Kürze kreuzen, um sich dann im Zuge ihrer konträren Bewegungen wieder von einander zu entfernen. Auf diese Weise würde genau dort für einige Minuten eine energetisch »tote« Zone entstehen, und das war eine Entkommenschance für die ARMOSTUZ!

Eine geringe Chance nur, darüber war sich der Kommandant klar. Sie war jedoch für absehbare Zeit die einzige, das sagte ihm die Extrapolation für die übrigen Gravitationsballungen, die er jetzt rasch vornahm. Sie trieben das Schiff im Augenblick vor sich her, genau auf den in Frage kommenden Sektor zu.

Schnelles Handeln war geboten, und La'Mghor zögerte nun keinen Augenblick mehr.

Hastig streckte er einen der Greifäste aus und betätigte damit den Sammelschalter, der alle Funktionen von Antriebsanlagen und Andruckabsorbern in der Instrumentenkonsole vor ihm vereinigte. Der Autopilot war im Augenblick vollkommen nutzlos, er besaß keine Programmierung für einen solchen Extremfall. Der Kommandant musste die ARMOSTUZ manuell steuern, im Vertrauen auf seine besonderen Fähigkeiten und sein rasches Reaktionsvermögen.

Ein Hebeldruck, und der Antrieb lief wieder an. Der Astrogator ließ ein erschrecktes Aufstöhnen hören, denn La'Mghor lenkte das Schiff genau auf eine Zone zu, die auf den Bildschirmen zur Zeit besonders grell leuchtete. Dort tobten jetzt noch die Energien der beiden Hyperspiralen, deren Kreuzung eben im Gange war.

Stampfend und schlingernd setzte sich der Raumer in Bewegung und schoss mit voller Maschinenkraft darauf zu. Nur unter Einsatz aller Greifäste konnte der Kommandant ihn auf einem halbwegs geraden Kurs halten. Die Konverter und Generatoren summten und dröhnten so laut, dass alle Aggiaren an Bord die Öffnung ihrer Hörorgane schlossen und ihr Ende bereits gekommen glaubten.

La'Mghor dagegen war geradezu anomal ruhig. Er hatte um seinen Körper herum ein Stasisfeld erzeugt, das seinen »Stamm« festhielt, ungeachtet aller Schwingungen und Stöße. Die ARMOSTUZ wurde rasch schneller, ihr Antrieb war mit fast fünfzig Prozent überlastet. Falls es wirklich gelang, sie aus der Zone der vernichtenden Energien zu bringen, würden viele Aggregate nur noch besserer Schrott sein, mehr nicht.

Ein Zehntel Zeiteinheit, das betreffende Gebiet war fast erreicht. Doch noch immer tobten sich dort die Kräfte der beiden Gravitationsspiralen aus, und nun verließ selbst den Schiffsführer der Mut. Hatte er vielleicht doch falsch kalkuliert – steuerte er das Schiff geradewegs in die endgültige Vernichtung hinein ...?

Mit unsäglicher Erleichterung erkannte er dann, dass seine Extrapolation doch richtig gewesen war.

Gerade zum richtigen Zeitpunkt strebten die Spiralen auseinander, eine energetisch und gravitatorisch freie Zone entstand. In diese stieß nun die ARMOSTUZ hinein und wurde immer schneller, zugleich nahmen ihre unkontrollierten Schlingerbewegungen merklich ab. La'Mghor entspannte sich, unwillkürlich kam ein pfeifender Laut der Erleichterung aus seinem Atemorgan.

2.

Vereinzelt griffen immer noch Ausläufer des Hyperausbruchs nach dem Raumer, konnten ihm jedoch nichts mehr anhaben. Sie rüttelten ihn lediglich durch, aber mit dieser Belastung wurden die Absorber spielend fertig. Das Leuchten des Strukturrisses wurde schwächer und blieb immer weiter zurück.