Perry Rhodan 747: Die Körperlosen von Grosocht - Harvey Patton - ebook

Perry Rhodan 747: Die Körperlosen von Grosocht ebook

Harvey Patton

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Opis

Zwei Mutanten der SOL im Einsatz - ein Notruf führt sie zur Welt der unsichtbaren Götter Überall dort im Kosmos, wohin Teile der Menschheit verschlagen wurden, gibt es Gefahren und Konflikte. Da sind die Terraner und deren Nachkommen, die auf vielen Planeten der Galaxis verstreut leben. Die meisten von ihnen führen ein Sklavendasein, andere wieder müssen sich der Nachstellungen der Laren und ihrer Vollzugsorgane, der Überschweren, erwehren. Nur die unter Atlans und Julian Tifflors Führung in die Dunkelwolke Provcon-Faust evakuierten Bürger des Neuen Einsteinschen Imperiums (NEI) können sich einer relativ gesicherten Existenz erfreuen. Jene Milliarden Terraner aber, die mit ihrem Heimatplaneten und seinem Trabanten durch den Soltransmitter gingen und im Mahlstrom landeten, gerieten fast zur Gänze in den Bannkreis der Aphilie, die sie und ihre Kinder in Geschöpfe ohne Nächstenliebe verwandelt hat. Sie müssen jetzt darum bangen, dass Terra in Bälde vom "Schlund" verschlungen wird. Die SOL hingegen, mit Perry Rhodan und Tausenden seiner Getreuen an Bord, hat seit ihrem Start aus dem Mahlstrom der Sterne eine jahrzehntelange Odyssee hinter sich, bis endlich, nach dem Verlassen der Dakkardim-Zone der Zgmahkonen, der Weg zur Heimatgalaxis frei wurde. Dennoch gibt es vor dem Weiterflug zur Milchstraße noch einen Aufenthalt. Schuld daran ist Gucky, der mit seinen Parasinnen seltsame Impulse auffängt, die ihn zum Besuch eines unbekannten Planeten bewegen. Der Ilt und Fellmer Lloyd verlassen die SOL in einem Beiboot und stoßen auf DIE KÖRPERLOSEN VON GROSOCHT ...

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Nr. 747

Die Körperlosen von Grosocht

Zwei Mutanten der SOL im Einsatz – ein Notruf führt sie zur Welt der unsichtbaren Götter

von HARVEY PATTON

Überall dort im Kosmos, wohin Teile der Menschheit verschlagen wurden, gibt es Gefahren und Konflikte.

Da sind die Terraner und deren Nachkommen, die auf vielen Planeten der Galaxis verstreut leben. Die meisten von ihnen führen ein Sklavendasein, andere wieder müssen sich der Nachstellungen der Laren und ihrer Vollzugsorgane, der Überschweren, erwehren.

Nur die unter Atlans und Julian Tifflors Führung in die Dunkelwolke Provcon-Faust evakuierten Bürger des Neuen Einsteinschen Imperiums (NEI) können sich einer relativ gesicherten Existenz erfreuen.

Jene Milliarden Terraner aber, die mit ihrem Heimatplaneten und seinem Trabanten durch den Soltransmitter gingen und im Mahlstrom landeten, gerieten fast zur Gänze in den Bannkreis der Aphilie, die sie und ihre Kinder in Geschöpfe ohne Nächstenliebe verwandelt hat. Sie müssen jetzt darum bangen, dass Terra in Bälde vom »Schlund« verschlungen wird.

Die SOL hingegen, mit Perry Rhodan und Tausenden seiner Getreuen an Bord, hat seit ihrem Start aus dem Mahlstrom der Sterne eine jahrzehntelange Odyssee hinter sich, bis endlich, nach dem Verlassen der Dakkardim-Zone der Zgmahkonen, der Weg zur Heimatgalaxis frei wurde.

Dennoch gibt es vor dem Weiterflug zur Milchstraße noch einen Aufenthalt. Schuld daran ist Gucky, der mit seinen Parasinnen seltsame Impulse auffängt, die ihn zum Besuch eines unbekannten Planeten bewegen.

Die Hauptpersonen des Romans

Gucky und Fellmer Lloyd – Der Mausbiber und der Telepath in schwerer Bedrängnis.

Die Körperlosen – Die unheimliche Macht von Grosocht.

Lowis – Ein Artgenosse Guckys.

Erwisch und Preschtan – Zwei neugierige Seeleute.

Keschimm

1.

Wie ein Phantom, direkt aus dem Nichts, erschien plötzlich ein Körper im leeren Raum zwischen den Sternen. Nichts hatte sein Kommen angekündigt. Übergangslos, von einer Mikrosekunde zur anderen, war er einfach da.

Es gab aber niemanden, der sich darüber hätte wundern können, denn in weitem Umkreis existierten keine Lebewesen. Die nächste Sonne war rund eine Lichtstunde entfernt. Es handelte sich dabei um einen gelben Normalstern vom Spektraltyp G-1, der von sieben Planeten umkreist wurde. Über diese Distanz hinweg war sein Licht viel zu schwach, um die Oberfläche des Körpers merklich erhellen zu können.

Wie verloren trieb dieser nun im freien Fall dahin, nicht größer anmutend als ein Staubkorn in dieser Einöde. Und doch durchmaß er immerhin 100 Meter, besaß Kugelform und war ein hervorragend ausgestattetes Raumschiff, das viele tausend Lichtjahre zu überwinden imstande war.

Ein Leichter Kreuzer der Planetenklasse mit der Bezeichnung S-LK 14, Eigenname KLONDIKE. Sein Mutterschiff war die SOL, der gigantische Hantelraumer Perry Rhodans, der in einer Entfernung von rund einem halben Lichtjahr im Raum stand. Dort war die KLONDIKE ausgeschleust worden, hatte die Distanz im Linearflug überbrückt und bereitete sich nun darauf vor, ihren Auftrag auszuführen.

Der Kommandant, Captain Bram Horvat, war von der Mission nicht sonderlich begeistert. Er war ein großer stämmiger Terraner, mit einem breitflächigen Gesicht und rotem Haar, 45 Jahre alt und stets unternehmungslustig. Ihn störte es, dass er lediglich einen simplen Aufklärungsflug durchzuführen hatte, bei dem es kaum etwas Besonderes zu erleben gab, während die eigentliche Arbeit von den beiden Gästen erledigt werden sollte, die sich an Bord befanden.

Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass es ausgesprochen illustre Gäste waren: Fellmer Lloyd, der Chef des neuen Mutantenkorps, und der Mausbiber Gucky – also gewissermaßen die Elite von Perry Rhodans Mutanten!

Die sechzigköpfige Besatzung des Leichten Kreuzers war allgemein beeindruckt, nur Captain Horvat nicht. Gewiss, Befehl war nun einmal Befehl, er musste ausgeführt werden. Dass der Ausführende davon auch automatisch begeistert sein musste, stand dagegen nirgends geschrieben ...

Der Kommandant der KLONDIKE tat trotzdem gewissenhaft seine Pflicht und bemühte sich, ein möglichst gleichmütiges Gesicht zu zeigen. Beides gelang ihm zufriedenstellend, und doch war er längst durchschaut. Das konnte einfach nicht ausbleiben, wenn Gucky an Bord war, der vor nichts und niemandem Respekt hatte und obendrein ein fähiger Telepath war!

Wenig mehr als eine Sekunde hatte genügt, und der Mausbiber war orientiert gewesen, doch auch er verriet sich nicht. Er hatte nur für einen Moment erheitert seinen Nagezahn gezeigt, dann aber wortlos neben Fellmer Lloyd in der Zentrale Platz genommen. Nun beobachteten die beiden Mutanten, wie das vor dem Schiff liegende System von den Ortungsgeräten noch einmal bis in den letzten Winkel durchforscht wurde. Zwar hatten die Fernortungen der SOL es längst eingehend abgesucht, aber auf diese zweite Überprüfung konnte trotzdem nicht verzichtet werden. Vorsichtige Terraner lebten stets länger, diese Binsenweisheit war auch dem jüngsten Raumkadetten bekannt.

Die Zentralebesatzung der KLONDIKE war ein gut eingespieltes Team, das reibungslos zusammenarbeitete. Es fiel kaum ein Wort, aber nach zehn Minuten wirbelte Captain Horvat seinen Kontursitz herum und sah den Chef der Mutanten an.

»Auf der ganzen Linie Fehlanzeige, Mr. Lloyd! In diesem System gibt es garantiert kein einziges Raumschiff, wir haben auch keinerlei Reststrahlung festgestellt. Weiter behaupte ich mit hundertprozentiger Sicherheit, dass auf keinem der sieben Planeten auch nur der kleinste Konverter oder eine entsprechende fremde Anlage in Betrieb ist.«

»Mit neunundneunzigprozentiger Sicherheit!«, verbesserte ihn Gucky, ehe Lloyd noch etwas entgegnen konnte, und der Kommandant sah ihn irritiert an. Der Mausbiber nickte herablassend.

»So muss es doch wohl sein, Captain, nicht wahr? Irgendeinen Krafterzeuger gibt es auf jeden Fall, sonst könnte wohl kaum auf dem zweiten Planeten ein Sender in Betrieb sein, der Notrufe in einer fremden Sprache ausstrahlt!«

Bram Horvat nickte widerstrebend, aber nun schaltete sich Fellmer Lloyd ein. Er lächelte versöhnlich und bemerkte: »In Ordnung, Captain, mehr wollten wir vorerst nicht wissen. Lassen Sie doch bitte eine Funkverbindung mit der SOL herstellen, ich möchte noch mit dem Chef sprechen, ehe wir weiterfliegen.«

Gleich darauf stand die Verbindung, und wenig später zeichnete sich Perry Rhodans markantes Gesicht in dem Trivideokubus ab. Er nickte den beiden Mutanten, die vor das Aufnahmegerät des Hyperkoms getreten waren, knapp zu.

»Gibt es etwas Neues, Fellmer?«, erkundigte er sich. Lloyd schüttelte den Kopf.

»Wir haben auch von hier aus nichts Auffälliges feststellen können, Sir. Wenn es nicht den Sender gäbe, der nach wie vor strahlt, könnte man meinen, dass dieses System vollkommen leer ist. In Bezug auf höher entwickelte Intelligenzen, meine ich.«

Rhodan kniff die graublauen Augen leicht zusammen.

»Keine Wirkung ohne Ursache, Fellmer, folglich muss eben doch etwas oder jemand da sein. Vielleicht ist es nur ein automatischer Notsender, der immer noch funktioniert, obwohl seine Besitzer längst vergangen sind. Ebenso gut ist es aber auch möglich, dass auf dem zweiten Planeten Raumfahrer gestrandet sind, die noch leben und sich in Not befinden. Fliegen Sie hin und finden Sie es heraus, wir warten hier so lange.«

»Wird gemacht, Perry«, mischte sich der Mausbiber prompt in das Gespräch ein. »Wo Gucky ist, da gibt es keine Unklarheiten, das weißt du doch längst.«

Sein Nagezahn erschien in voller Größe, aber Perry Rhodan sah ihn ausgesprochen skeptisch an.

»Keine Extratouren, Kleiner, wenn ich bitten darf! Schließlich haben wir noch mehr zu tun, als irgendwelche Sachen auszubügeln, die du uns eingebrockt hast.«

Gucky schnappte theatralisch nach Luft. Seine Empörung war so gut gespielt, dass sie auf einen unvoreingenommenen Beobachter vollkommen echt wirkte, wie die Mienen der Männer in der Zentrale bewiesen.

»Du kennst mich doch lange genug, Perry!«, gab er scheinbar tödlich beleidigt zurück. Rhodan nickte mit einem leichten Lächeln, doch seine Augen blieben ernst.

»Eben deshalb, Kleiner ... Fellmer, es bleibt dabei: Genau feststellen, was auf dem zweiten Planeten los ist, und gegebenenfalls eine Rettungsaktion vornehmen, vorausgesetzt natürlich, dass die LK-14 dabei nicht selbst in Gefahr kommt. Klar?«

Fellmer Lloyd bestätigte, und inzwischen verschwand Guckys Renommierzahn zwischen verkniffenen Lippen. Jetzt war er wirklich beleidigt, denn schließlich hatten dieser Unterhaltung acht Männer der KLONDIKE zugehört.

Er sollte noch hinreichend Gelegenheit bekommen, sich zu rehabilitieren; aber das wusste er natürlich noch nicht.

*

»Volle Gefechtsbereitschaft herstellen?«, fragte Bram Horvat, doch Fellmer Lloyd winkte ab.

»Alarmbereitschaft genügt vollauf, Captain. Schließlich gibt es keinerlei Hinweise auf die Existenz fremder Wesen, die unser Schiff gefährden könnten. Berechnen Sie den Anflugkurs so, dass wir etwa 30 Millionen Kilometer über Jaghpur II herauskommen, dann sehen wir weiter.«

Da das Kind auch einen Namen haben musste, wie Lloyd es ausgedrückt hatte, hatte er dem fremden System den Namen Jaghpur gegeben. Unter dieser Bezeichnung wurde es in der Bordpositronik registriert, die sie nach der Rückkehr an SENECA auf der SOL weitergeben würde. Sie und die für alle Zeit gespeicherten Koordinaten boten die Gewähr dafür, dass das System jederzeit wiedergefunden und angeflogen werden konnte, falls das nötig war.

Die Bordpositronik der KLONDIKE enthielt auch alle erforderlichen Daten, die durch SENECA und das Shetanmargt ermittelt worden waren. So dauerte es – einschließlich der durch die inzwischen erfolgte Abdrift des Kreuzers erforderlichen Korrekturen – nur wenige Sekunden, bis der genaue Anflugkurs ermittelt war.

Die KLONDIKE nahm unmittelbar danach Fahrt auf. Die sechs Protonenstrahltriebwerke liefen an, die ihr eine Maximalbeschleunigung von 800 km/sec ermöglichten. Sie stellten die neueste Entwicklung dar und ersetzten die alten Impulstriebwerke auf Deuteriumbasis. So dauerte es nur wenig mehr als drei Minuten, bis der Leichte Kreuzer die halbe Lichtgeschwindigkeit erreicht hatte.

Dann liefen die beiden Ultrakomp-Überlichttriebwerke an, und das Schiff ging in den Linearraum. Als es nach wenigen Sekunden wieder daraus auftauchte, hatte es die eine Lichtstunde bis zum Zielgebiet überwunden, der zweite Planet lag unter ihm.

Augenblicklich begannen die Ortungsgeräte zu arbeiten. Sie tasteten den umgebenden Raum bis hin zur Bahn des fünften Planeten ab, doch das Ergebnis blieb auch jetzt negativ. Weit und breit waren weder fremde Raumflugkörper noch Energieemissionen auszumachen. Nur die Signale des Notrufsenders fielen nun mit erheblicher Stärke ein.

Sie kamen einwandfrei von Jaghpur II, und zwar von einem Punkt, der auf der nördlichen Halbkugel lag. Sofort begannen die Spezialisten damit, ihren genauen Ausgangspunkt zu bestimmen.

Wie erwartet, war der Planet eine Sauerstoffwelt.

Mit einem Durchmesser von 14.260 Kilometer war er größer als die Erde, doch seine Massendichte schien geringer zu sein, denn die Gravimeter ermittelten eine durchschnittliche Schwerkraft von nur 1,03 Gravos. Er war rund 130 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, und seine Achsneigung zur Ekliptik war minimal. Das hatte zur Folge, dass er überall gleichmäßig stark erwärmt wurde, die Durchschnittstemperatur auf der Oberfläche betrug 24,6 Grad. Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre lag mit 23,4 Prozent ebenfalls sehr hoch.

Die Besatzung der Zentrale arbeitete rasch und sorgfältig, und schon nach wenigen Minuten lagen alle Werte vor. Leutnant Cass Bergol, der Pilot der KLONDIKE, gab sie an den Kommandanten weiter, der wiederum Fellmer Lloyd unterrichtete.

»Von meiner Seite aus bestehen keine Bedenken, diese Welt anzufliegen«, meldete er, und der Chef des Mutantenkorps nickte. Keiner von ihnen achtete in dieser Zeit auf den Mausbiber, der sich entgegen seiner Gewohnheit vollkommen still verhalten hatte.

Lloyd wollte Captain Horvat bereits die Anweisung geben, das Schiff in eine Kreisbahn um Jaghpur II zu bringen, als sein Blick rein zufällig auf Gucky fiel. Unwillkürlich fuhr er zusammen, denn in einem solchen Zustand hatte er den sowohl körperlich wie auch geistig recht robusten Gefährten noch nie gesehen!

Gucky zitterte am ganzen Körper, bis hin zur Spitze seines abgeplatteten Schwanzes, der aus der Bordkombination ragte. Er hing wie betäubt in seinem Kontursitz, hatte die Augen geschlossen und schien irgendwelchen telepathischen Impulsen zu lauschen. Zuweilen zuckte er wie unter heftigen Schmerzen zusammen, und das alarmierte Fellmer Lloyd.

Er hatte zuvor seinen Telepathiesektor abgeblockt, um nicht ständig durch die gedanklichen Emissionen der Besatzung abgelenkt zu werden, doch nun öffnete er ihn rasch wieder. Augenblicklich vernahm auch er starke telepathische Ausstrahlungen, doch er konnte ihnen nichts Greifbares entnehmen. Sie waren unverkennbar das Produkt eines intelligenten Wesens, doch sie ergaben einfach keinen Sinn für ihn.

Jemand dachte dort unten auf Jaghpur II mit geradezu schmerzhafter Intensität, offenbar ein hochentwickelter Telepath. Doch was er dachte, blieb dem erfahrenen Mutanten verborgen, so sehr er sich auch bemühte, hinter die Bedeutung dieser verworrenen Impulse zu kommen.

Der Kommandant sah ihn fragend an, doch Fellmer Lloyd winkte heftig ab. Er schloss nun auch die Augen und schaltete seine normalen Sinne weitgehend ab. Er war nicht nur Telepath, sondern auch Orter, und als solcher vermochte er Hirnwellenmuster aufzunehmen und entsprechend einzuordnen. Das versuchte er nun, aber ebenfalls ohne Erfolg. Er erhielt nicht den geringsten Aufschluss darüber, wie das Hirn jenes Wesens beschaffen sein mochte – auf jeden Fall erschien es ihm unsagbar fremd!

Als er die Augen wieder öffnete, sah er, dass nun auch der Kommandant auf Guckys anormalen Zustand aufmerksam geworden war.

»Soll ich einen Medorobot rufen?«, fragte er besorgt, doch Lloyd schüttelte den Kopf. Er versuchte nun, sich in das Bewusstsein des Mausbibers einzuschalten, um eventuell aus diesem Aufschlüsse erlangen zu können, doch auch das blieb vergebens. In Guckys Gehirn herrschte ein totales Chaos, sein gesamtes Bewusstsein schien unter dem Ansturm der fremden Impulse durcheinandergeraten zu sein.

Für einige Augenblicke war Fellmer Lloyd ratlos.

Die KLONDIKE trieb langsam auf Jaghpur II zu, die Besatzung der Zentrale hatte ihre Arbeiten beendet und sah nun verwundert zu den Mutanten herüber. Fellmer Lloyd fing einzelne Gedankenfetzen voll Beunruhigung auf, und schließlich entschloss er sich zum Handeln.

Er packte den Mausbiber an den Schultern und rüttelte ihn leicht, doch es erfolgte keine Reaktion. Gucky zitterte immer noch und stöhnte erneut auf, er schien sich in einer ernsten Krise zu befinden. Lloyd versuchte es noch einmal, und dies Mal erzielte er wenigstens einen gewissen Erfolg.

Das Zittern hörte auf, doch dafür verkrampfte sich nun die schmächtige Gestalt des Mausbibers. Er schlug die Augen auf, aber ihr Blick irrte nur ausdruckslos umher. Erst allmählich lockerte sich die Verkrampfung wieder, und nun kam auch ein Schimmer von Leben in Guckys Augen.

»Was ist passiert, Gucky?«, fragte Fellmer Lloyd eindringlich. Der Mausbiber begann erneut zu zittern, doch schließlich öffnete sich sein Mund zu einer Antwort.

»Umkehren – sofort umkehren!«, lispelte er fast tonlos. »Wir müssen fort von hier, Lloyd, sonst ...«

»Was ist sonst?«, forschte Fellmer erneut, aber er bekam keine Antwort mehr. Guckys Körper wurde von einem konvulsivischen Zucken durchlaufen, dann sank er haltlos in dem Kontursitz zusammen. Alles deutete darauf hin, dass er ohnmächtig geworden war.

»Schnell einen Medorobot!«, bestimmte Fellmer Lloyd, doch der Kommandant hatte bereits gehandelt. Schon nach wenigen Sekunden rollte die Maschine herein und begann mit ihrer Tätigkeit.

In ihrem Programm waren natürlich auch die Angaben über den Metabolismus des Ilt gespeichert, und so traf sie automatisch die richtigen Maßnahmen. Sensoren fuhren aus, hefteten sich an Kopf und Arme des Mausbibers, und schon nach wenigen Sekunden war die Auswertung der erhaltenen Daten beendet. Unter leisem Summen zogen sich die Sensoren wieder zurück, dann zuckte ein Handlungsarm des Roboters vor. Die Düse einer Hochdruckspritze presste sich gegen Guckys Hals, und mit leisem Zischen entleerte sich eine Ampulle, deren Inhalt in seinen Kreislauf überging.

Der Medorobot rollte zurück und blieb abwartend stehen, zu erneutem Eingreifen bereit. Bange Sekunden vergingen, niemand achtete auf die Instrumente und das Bild der Panoramagalerie, auf der das fremde System in allen Einzelheiten zu sehen war. Genauso wie Perry Rhodan war der Mausbiber im Laufe der Jahrhunderte eine Symbolfigur für alle Terraner geworden. Jeder kannte ihn, jeder wusste um seine Fähigkeiten und seine Leistungen, die oft wichtige Entscheidungen zugunsten der Menschheit herbeigeführt hatten.

Wenn ihm nun etwas Ernstliches zugestoßen war – wenn er vielleicht sogar sterben würde – es wäre undenkbar gewesen!

Fellmer Lloyds breiter Brustkorb hob sich unter gepressten Atemzügen, feine Schweißtropfen standen auf seiner Stirn. Er befand sich in einer Zwickmühle, es war nicht einfach für ihn, sofort eine Entscheidung zu treffen. Einerseits hatte das Team der KLONDIKE einen eindeutigen Auftrag, andererseits schien es dem Mausbiber wirklich schlecht zu gehen. Zudem hatte er, wenn auch nicht bei klarem Bewusstsein, selbst darauf gedrängt, das Unternehmen Jaghpur II abzubrechen – was war nun zu tun?

Während er noch überlegte, beantwortete sich diese Frage von selbst. Ein tiefer Atemzug hob Guckys schmächtige Brust, dann schlug er die Augen auf!

Er schien noch sehr matt zu sein, aber seine Blicke waren wieder vollkommen klar. Erstaunen trat in seine Augen, als er sah, dass sich alle Aufmerksamkeit auf ihn konzentrierte und dass sogar ein Medorobot anwesend war, doch sein Zustand schien sich nun rasch zu bessern. Als sich dann sogar schüchtern sein Nagezahn zeigte, atmeten alle Männer erleichtert auf.

»Gott sei Dank, Kleiner!«, sagte Fellmer Lloyd. »Dein Zustand hat uns große Sorgen gemacht, wir waren nahe daran, zur SOL zurückzukehren.«

Gucky winkte schwach ab.

»Ich bin schon wieder ganz in Ordnung«, behauptete er und setzte sich auf. »Schickt den Blechkasten da weg, ich brauche ihn nicht mehr. Wir fliegen Jaghpur II an, von etwas anderem kann gar nicht die Rede sein.«

Lloyd sah ihn verwundert an.

»Vorhin hast du aber noch ganz anders gesprochen«, stellte er lakonisch fest. »Es war mir gelungen, dich wieder halbwegs zu Bewusstsein zu bringen, und da hast du behauptet, wir müssten unbedingt umkehren. Wie passt das denn nun zusammen – was ist mit den fremden Impulsen, die dich förmlich narkotisiert zu haben schienen?«

Der Mausbiber hob die Schultern.

»Ich bin mir nicht bewusst, überhaupt etwas gesagt zu haben, Fellmer. Wenn doch, dann muss ich vollkommen weggetreten gewesen sein, du darfst also nichts darauf geben. Jetzt habe ich lediglich mächtigen Appetit – hoffentlich sind auch Mohrrüben oder Spargelkonserven an Bord!«

Die Männer der KLONDIKE lachten, und der Medorobot entfernte sich mit leisem Surren, aber Fellmer Lloyd war noch längst nicht zufrieden.

»Was hat es mit den telepathischen Impulsen von Jaghpur II auf sich?«, drängte er energisch. »Kleiner, da stimmt doch etwas nicht! Ich kann beim besten Willen nicht schlau daraus werden, und dich haben sie sogar ganz außer Gefecht gesetzt. Was ist damit?«

Gucky sah ihn mit seinem berühmten Unschuldsblick an.

»Absolut nichts, das darfst du mir glauben«, erklärte er im Brustton der Überzeugung. »Sie kommen aus der Gegend, in der auch der ominöse Sender stehen muss, aber ich bin ähnlichen Gedankensendungen noch nie zuvor begegnet. Zugegeben, sie haben mir irgendwie zugesetzt, aber gerade das reizt mich jetzt. Ich bin unbedingt dafür, dass wir den Planeten anfliegen und dort nachsehen, was gespielt wird.«