Die Sklaven von Mura - Harvey Patton - darmowy ebook

Die Sklaven von Mura ebook

Harvey Patton

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Opis

Science Fiction von Harvey Patton Der Umfang dieses Buchs entspricht 122 Taschenbuchseiten. Der Journalist Gerald Hendrix wurde vom Londoner EVENING STAR entlassen, weil er über soziale Missstände berichten wollte – denn im Terranischen Reich regiert das Kapital und die Korruption blüht. Als er kurz darauf in einer Bar seinen Frust im Alkohol ertränkt, wird ihm von einem Fremden ein lukrativer Job angeboten. Völlig betrunken unterschreibt er kurzerhand den Vertrag, und als er aus einer Bewusstlosigkeit erwacht, befindet er sich bereits auf dem Flug nach Mura, viele Lichtjahre von Terra entfernt. Auf dem Planeten angekommen muss er entsetzt feststellen, dass die Eingeborenen als Sklaven gehalten und gezwungen werden, kostbares Uranerz abzubauen – unter Einsatz seines Lebens zettelt er eine Revolte an ...

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Harvey Patton

Die Sklaven von Mura

Cassiopeiapress SF

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Die Sklaven von Mura

Science Fiction von Harvey Patton

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 122 Taschenbuchseiten.

 

Der Journalist Gerald Hendrix wurde vom Londoner EVENING STAR entlassen, weil er über soziale Missstände berichten wollte – denn im Terranischen Reich regiert das Kapital und die Korruption blüht. Als er kurz darauf in einer Bar seinen Frust im Alkohol ertränkt, wird ihm von einem Fremden ein lukrativer Job angeboten. Völlig betrunken unterschreibt er kurzerhand den Vertrag, und als er aus einer Bewusstlosigkeit erwacht, befindet er sich bereits auf dem Flug nach Mura, viele Lichtjahre von Terra entfernt. Auf dem Planeten angekommen muss er entsetzt feststellen, dass die Eingeborenen als Sklaven gehalten und gezwungen werden, kostbares Uranerz abzubauen – unter Einsatz seines Lebens zettelt er eine Revolte an ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

1

„Dieses Mal sind Sie entschieden zu weit gegangen, Hendrix! Das kann ich Ihnen unmöglich durchgehen lassen.“ Ruhig hatte David Cooper, der Herausgeber des EVENING STAR, diese Worte ausgesprochen. Doch ein unheilverkündender Unterton schwang in ihnen mit.

Gerald Hendrix hörte ihn heraus.

Er stand vor dem wuchtigen Schreibtisch seines Chefs und nahm die Äußerung scheinbar gelassen hin. Er hatte gelernt, sich zu beherrschen.

„Unterdrückte Hafenarbeiter kämpfen um ihr Recht“, zitierte Cooper die Titelzeile eines von Hendrix verfassten Artikels. „Was soll der Unsinn? Jeder weiß, dass heutzutage kein Mensch mehr unterdrückt wird! Unsere Gesellschaftsform ist so gut wie ideal.“ Cooper lehnte sich zurück und lächelte überheblich. „Die Leser meiner Zeitung wollen unterhalten werden. Warum berichten Sie nicht über irgendwelche Affären oder über einen rätselhaften Mord? Stattdessen ergehen Sie sich in völlig unberechtigten Kritiken an unserer Gesellschaft. Sie sind ein typischer Unruhestifter, Hendrix, und so etwas ist bei mir nicht gefragt.“

Der Journalist verzog das Gesicht und machte es sich dann in einem Sessel bequem, der eigentlich nur für Geschäftspartner und Besucher gedacht war.

„Unruhestifter – dass ich nicht lache, Mr. Cooper“, gab er kühl zurück. „Sie wissen sehr genau, dass ich lediglich die Zustände so schildere, wie sie wirklich sind. Von der perfekten Gesellschaftsform sind wir wohl weiter als je zuvor entfernt - aber wehe dem, der es wagt, das öffentlich auszusprechen. Es ist wirklich traurig, dass die Verantwortlichen aus den trüben Erfahrungen der letzten Jahrhunderte einfach keine Lehren ziehen wollen. Das liegt aber nicht zuletzt an Männern wie Ihnen, Mr. Cooper! Sie sollten Missstände schonungslos aufzeigen, wie es einem verantwortungsbewussten Pressemann gebührte.“

David Cooper runzelte unwillig die Stirn.

„Sie sind nicht nur unbelehrbar, sondern haben auch ein ziemlich loses Mundwerk, wie ich sehe, Hendrix. Die unvermeidlichen Konsequenzen haben Sie sich also selbst zuzuschreiben - Sie sind mit sofortiger Wirkung entlassen! Ich werde veranlassen, dass Ihnen Ihr noch zustehendes Gehalt ausgezahlt wird, und dann möchte ich Sie nie mehr im Gebäude des EVENING STAR sehen. Verstanden?“

Hendrix erhob sich mit betonter Lässigkeit und ging dann ruhig auf den Ausgang zu.

Er hatte die Tür schon fast erreicht, als sich Mr. Cooper noch einmal zum Wort meldete.

„Geben Sie sich übrigens nicht der Illusion hin, jemals wieder bei einer Zeitung arbeiten zu können, Hendrix. Ich werde noch heute dafür sorgen, dass Ihr Name auf der Schwarzen Liste erscheint ...“

Nur mühsam konnte Gerald Hendrix sein Erschrecken verbergen. Sein Name auf der Schwarzen Liste - das bedeutete das Ende für ihn!

Die „Schwarze Liste“ war eine Einrichtung, die den Pressemagnaten dazu diente, missliebige Journalisten jeglicher Publikationsmöglichkeiten zu berauben. Sie hing in den Redaktionsgebäuden aller großen Zeitungen aus, und wer einmal auf ihr stand, hatte praktisch keine Chance mehr, jemals wieder eine Stellung als Journalist zu erhalten.

Geräuschvoll ließ Hendrix die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Wütend und entmutigt zugleich strebte er dem Lift entgegen und ließ sich vom fünfundachtzigsten Stock ins Erdgeschoss befördern. Cooper hatte die Kasse bereits verständigt, Gerald bekam ein halbes Monatsgehalt ausbezahlt und beeilte sich dann, das Gebäude zu verlassen.

Das Wetter draußen war genauso trostlos wie seine Stimmung. Schwere Regentropfen fielen auf die durchsichtige Plastikkuppel, die die gesamte Innenstadt Londons überspannte.

Was sollte er nun als nächstes tun?

Er kam zu keinem Entschluss, aber er spürte das Verlangen nach Alkohol.

Er winkte einem Luftkissentaxi und ließ sich zu „Harrys Inn“ bringen.

2

„Gerald, alter Junge! Du hast dich verdammt lange nicht in dieser Gegend blicken lassen.“

Erfreut begrüßte Harry Bloomfield, der Inhaber von „Harrys Inn“, den Journalisten. Hendrix und Bloomfields Sohn Mike hatten dasselbe College besucht und später zusammen studiert. Nach bestandenem Examen aber hatten sich ihre Wege getrennt. Mike Bloomfield spezialisierte sich auf wissenschaftliche Berichte von fernen Planeten, während Gerald Hendrix daheim auf der Erde sein Glück versuchte.

Vor zwei Jahren war Mike im Aldebaran-System ums Leben gekommen.

Lange Zeit hatte Harry Bloomfield den Tod seines einzigen Sohnes nicht verwinden können. Als dann auch noch seine Frau starb, gab er sein gut gehendes Restaurant in der Londoner City auf und kaufte sich die kleine Bar im Raumhafenviertel. Hier bekam er Kontakt mit Reisenden aus allen Gegenden des Terranischen Reiches und hatte so das Gefühl, seinem auf einem fernen Planeten begrabenen Sohn näher zu sein.

Gerald reagierte auf die Begrüßung sehr zurückhaltend und sah sich nach einem freien Platz um. Harry nahm ihm das nicht weiter übel, er kannte Hendrix lange genug und wusste, dass dieser wieder einmal Ärger hatte.

Bloomfield führte seinen Gast an einen freien Ecktisch, winkte der Bedienung und zog sich zurück.

Hendrix war froh, allein zu bleiben. Er ließ sich eine halbe Flasche Whisky bringen, kippte das erste Glas hinunter und betrachtete dann mit mäßigem Interesse die Besucher der Bar.

Einige Fernraumschiffe mussten angekommen sein, denn es waren fremde Wesen verschiedener Planeten anwesend.

Harry Bloomfield verließ schließlich die Bartheke und setzte sich zu dem Journalisten.

„Hast du wieder beruflichen Ärger?“, erkundigte er sich ohne Umschweife.

„Ärger ist stark untertrieben“, antwortete Gerald. „Cooper hat mich einfach hinausgeworfen. Er missbilligte meinen Artikel über die Streiks bei den Hafenarbeitern.“

„Nimm das doch nicht so schwer, Gerry“, versuchte Bloomfield ihn zu ermutigen. „Ein erfahrener Journalist wie du findet doch jederzeit eine gute neue Stellung.“

Hendrix lachte bitter auf.

„Diesmal aber bestimmt nicht mehr, Harry! Cooper hat mich auf die Schwarze Liste setzen lassen - du weißt wohl, was das bedeutet. In den nächsten paar Jahren bekomme ich auf den britischen Inseln keine Stellung als Journalist mehr. Selbst drüben auf dem Kontinent wird man mir keine Arbeit geben, nachdem ich mich mit David Cooper überworfen habe. Dafür wird er schon sorgen, sein Einfluss ist groß.“

Harry Bloomfield überlegte eine Weile.

„Wenn es dir schlecht gehen sollte, kannst du jederzeit zu mir kommen“, meinte er dann. „Ich habe von früher her noch gute Beziehungen und kann dir bestimmt eine Anstellung vermitteln, wenn auch nicht gerade als Journalist. Wenn dann nach ein paar Jahren erst einmal Gras über die Sache gewachsen ist, kehrst du wieder in deinen Beruf zurück.“

Gerald nickte langsam.

„In Ordnung, Harry, ich will es mir überlegen.“

„Und bis dahin Kopf hoch, Junge. Ich muss mich jetzt wieder um die anderen Gäste kümmern. Nachher komme ich wieder zu dir, vielleicht ist mir bis dahin schon etwas eingefallen.“ Bloomfield erhob sich und ließ Gerald mit seinen düsteren Gedanken allein. Hendrix trank noch einen Whisky und zündete sich dann mit unsicheren Fingern eine Zigarette an. Er hatte seit Stunden nichts gegessen, und der Alkohol, schnell nacheinander genossen, begann seine Wirkung zu zeigen.

Doch Gerald Hendrix war das gleichgültig. Er wollte vergessen, und der Whisky verhalf ihm dazu.

Wie durch einen Nebel bemerkte er, dass am Nebentisch ein Mann aufstand. Er kam mit langsamen Schritten auf Gerald zu, blieb vor ihm stehen und räusperte sich.

„Entschuldigen Sie - darf ich mich für einen Augenblick zu Ihnen setzen?“

Er war von kleiner, untersetzter Gestalt, und seine buschigen Augenbrauen, der schmallippige Mund und das kantige Kinn verliehen ihm ein fast brutales Aussehen. Die hohe Stirn und der durchdringende Blick ließen jedoch auf eine überdurchschnittliche Intelligenz schließen.

Gerald war dieser Mann nicht sonderlich sympathisch. Doch in seinem derzeitigen Zustand war ihm jede Gesellschaft genehm, und so murmelte er ein „Bitte“.

„Gestatten Sie, dass ich mich zuerst vorstelle“, eröffnete der Fremde das Gespräch. „Mein Name ist Griffith, Efrem Griffith.“

„Was verschafft mir die große Ehre?“, fragte Gerald wenig interessiert und griff wieder nach dem Glas.

„Nehmen Sie es mir nicht übel: Ich habe eben unbeabsichtigt Ihr Gespräch gehört. Sie sind im Augenblick stellungslos, nicht wahr?“

Hendrix nickte. Sein Interesse war nun doch geweckt, und er beugte sich vor, um den Fremden besser verstehen zu können, der mit leiser, eindringlicher Stimme fortfuhr: „Folgendes: Ich betreibe auf Mura, einem wenig erforschten Planeten an der Grenze des terranischen Herrschaftsbereiches, eine - na, sagen wir Handelsstation. Dort gibt es Eingeborene, die entwicklungsmäßig nur wenig über den irdischen Steinzeitmenschen stehen. Diese versorge ich mit einfachen Werkzeugen, Lebensmitteln und so weiter; außerdem baue ich Unterkünfte für sie. Sie stellen mir als Gegenleistung ihre Arbeitskraft zur Verfügung.“

Er lächelte kurz, ging aber nicht näher auf die von den Eingeborenen verrichtete Arbeit ein.

„Zurzeit“, fuhr er fort, „suche ich einen tüchtigen Mann, der als mein Assistent und Schriftführer fungieren soll. Ich glaube, Sie wären für diesen Posten recht gut geeignet.“

„Woraus schließen Sie das?“, fragte Hendrix.

Griffith hob die Schultern.

„Sie sind zwar nicht vom Fach, aber als Journalist doch ein intelligenter Mensch, und darauf kommt es hauptsächlich an. Ich brauche einen Mann, der in der Lage ist, zu organisieren und auch selbständig Entscheidungen zu treffen. Reizt Sie das nicht?“

„Und was kann ich dabei verdienen?“, erkundigte sich Gerald mit schwerer Zunge.

„Tausendfünfhundert Credit pro Monat, dazu freie Verpflegung und Unterkunft in einem Bungalow, der Ihnen allein zur Verfügung steht. Das ist doch ein wirklich großzügiges Angebot.“

Der Händler ließ zwei Whisky bringen und schob einen davon Hendrix zu. Dann griff er in die Innentasche seiner Jacke und zog ein Blatt Papier hervor, das er entfaltete.

„Hier habe ich einen Vertrag, in dem alles schon vorgeschrieben ist. Sie brauchen ihn nur noch zu unterzeichnen.“

Gerald leerte das Glas und überlegte.

Was hatte er schon zu verlieren? Eine so gut bezahlte Stellung konnte er auf Terra nie finden, das stand fest. Hatte er dann zwei oder drei Jahre für Griffith gearbeitet, konnte er mit dem nötigen Startkapital zur Erde zurückkehren und hier einen neuen Anfang machen.

Seinem vom Alkohol umnebelten Gehirn fiel das Denken bereits schwer. Er zögerte noch eine Weile, dann griff er nach dem Vertrag und unterschrieb ihn, ohne auch nur einen Blick darauf geworfen zu haben.

Rasch nahm Griffith das Dokument wieder an sich und faltete es sorgfältig zusammen. Während er es in die Tasche schob, bemerkte er:

„Sie werden mit Ihrer Arbeit bestimmt zufrieden sein, Hendrix. Darauf wollen wir einen trinken.“

Gerald goss den Rest aus der Flasche in sein Glas und stieß mit dem Fremden an. Er bemerkte nicht den triumphierenden Blick, mit dem ihn der Händler bedachte.

In seinem Kopf begann es zu rumoren. Plötzlich überkam ihn Übelkeit, seine Glieder wurden schwer, und seine Zunge wollte ihm nicht mehr gehorchen.

„Wann ... wann soll denn die Reise ... ich meine ... wann fliegen wir ...?“

Vor seinen Augen begannen Nebel zu wallen. Gerald bäumte sich auf, dann verlor er das Bewusstsein und sackte in den Stuhl zurück.

Harry hatte das gesehen und kam sofort herbei.

„Was ist denn mit Gerry los?“, fragte er und sah Griffith misstrauisch an.

Der Händler lachte.

„Nur keine Aufregung, Mr. Bloomfield - Hendrix hat lediglich mehr getrunken, als er vertragen kann. Wir sind alte Bekannte von der Zeitung her, und ich kenne seine Wohnung. Es wird am besten sein, wenn ich ihn jetzt nach Hause bringe, damit er seinen Rausch in Ruhe ausschlafen kann.“

„Soll ich ein Taxi bestellen?“, fragte Harry, der sich von dem liebenswürdigen Gebaren des Händlers rasch beschwichtigen ließ. Griffith winkte ab.

„Das ist nicht nötig, ich habe draußen meinen Gleiter stehen. Passen Sie mal auf, wie das geht.“

Mit einer Behändigkeit, die man dem kompakten Körper nicht zugetraut hätte, ergriff er Hendrix und warf ihn sich mühelos über die Schulter. Mit der Linken hielt er den Bewusstlosen fest, mit der Rechten holte er einen Schein hervor und zahlte damit für seine Zeche. Dann marschierte er mit seiner Last dem Ausgang zu und verschwand in der Nacht.

Harry steckte das Geld ein, schüttelte noch einmal den Kopf und wandte sich dann wieder der Arbeit zu.

3

Langsam kam Gerald Hendrix wieder zu sich.

Sein Gehirn schien zu dröhnen.

Er atmete mehrere Male tief durch, woraufhin sich sein Zustand etwas besserte. Mühsam versuchte er, die Augen zu öffnen, was ihm nach einigen missglückten Versuchen auch gelang. Viel konnte er von seiner Umgebung allerdings nicht erkennen, denn der Raum, in dem er sich befand, war nur durch ein diffuses Dämmerlicht erhellt.

Aus dem Hintergrund tauchte eine schemenhafte Gestalt auf und bewegte sich auf ihn zu.

Eine Hand langte an die Wand oberhalb seiner Liege und drückte dort auf einen Knopf. Nun hob sich das Oberteil des Lagers langsam, bis Gerald in eine halb sitzende Stellung kam.

Ein Glas wurde ihm gereicht, und eine irgendwie bekannte Stimme klang auf.

„Hier, trinken Sie das aus. Es wird Ihren Schmerzen schnell ein Ende bereiten.“

Hendrix trank, ohne lange zu überlegen. Und wirklich, kaum hatte er das Glas geleert, trat auch schon eine spürbare Erleichterung ein. Wenige Sekunden noch, dann war das Dröhnen in seinem Kopf verstummt, und er begann sich wieder wohlzufühlen.

Plötzlich flammte helles Licht auf, und nun erkannte Gerald in der vor ihm stehenden Gestalt den Händler Griffith, den er am Vorabend kennengelernt hatte. Sein Gedächtnis begann wieder zu funktionieren, und er entsann sich der Ereignisse in Harry Bloomfields Bar.

„Jetzt weiß ich Bescheid“, murmelte er erbost. „Sie müssen mir ein Betäubungsmittel in meinen Whisky geschüttet haben. Ich verlange, dass Sie mir augenblicklich erklären, was hier eigentlich gespielt wird!“

„Sie verlangen?“, fragte Griffith mit ausgesprochen zynischem Grinsen. „Sie haben hier überhaupt nichts zu verlangen, merken Sie sich das! Sie haben wohl schon ganz vergessen, dass Sie mir gestern einen Vertrag unterschrieben haben, der Sie dazu verpflichtet, fünfzehn Jahre lang für mich zu arbeiten ...?“

Gerald Hendrix begann wütend zu werden.

„Das ist doch lächerlich, Griffith! Von fünfzehn Jahren war nie die Rede, und den Vertrag habe ich nur unter der Einwirkung von Alkohol und der Droge, die Sie mir verabreicht haben, unterschrieben, ohne ihn gelesen zu haben. Selbst unter den heute herrschenden Verhältnissen würde ihn kein Gericht auf Terra als gültig anerkennen.“

Der angebliche Händler grinste weiter.

„Wir sind aber nicht mehr auf Terra - und auf Mura gibt es keine Gerichte ...“

„Wir sind nicht mehr auf Terra?“, echote Hendrix fassungslos.

„Wo ist Ihre rasche Auffassungsgabe als Journalist geblieben?“, fragte Efrem Griffith spöttisch. „Ist Ihnen das ständige Vibrieren um Sie herum wirklich noch nicht aufgefallen? Wir befinden uns an Bord meines Raumschiffes und sind jetzt bereits rund sieben Lichtjahre von der Erde entfernt - Sie haben immerhin fünf Tage lang geschlafen!“

Gerald Hendrix zeigte sich im Moment erschreckt, doch er war ein Mann, der es verstand, sich schnell gegebenen Situationen anzupassen. Er sah ein, dass es für ihn zurzeit keine Möglichkeit gab, sich dem derzeitigen Dilemma zu entziehen. Es blieb ihm nichts weiter übrig, als vorerst die Gegebenheiten zu akzeptieren. Später würde er auf jeden Fall versuchen, den Händen Griffith’ zu entkommen und nach Terra zurückzukehren.

„Ich sehe, Sie haben alle Trümpfe in der Hand“, entgegnete er mürrisch. „Ich habe also wirklich keine andere Wahl, als mich Ihnen vorläufig zu fügen.“

„Sehen Sie, so gefallen Sie mir schon viel besser“, sagte Griffith selbstzufrieden. „Was aber das 'Vorläufig' angeht, sollten Sie sich besser keinen Illusionen hingeben. Was ich einmal in der Hand habe, pflege ich festzuhalten.“

Übergangslos wechselte er das Thema.

„Wir werden noch etwa zwei Wochen unterwegs sein. Während dieser Zeit können Sie sich im ganzen Schiff frei bewegen, die Maschinenräume ausgenommen. Aber jetzt sollen Sie erst einmal etwas zu essen bekommen. Nach den fünf Tagen Schlaf müssen sie ja vollkommen ausgehungert sein.“

Arbeitstiere müssen gut gefüttert werden!, dachte Gerald Hendrix erbittert. Aus purer Menschenfreundlichkeit war Griffith bestimmt nicht um sein Wohl besorgt, das stand für ihn fest.

Doch er verspürte tatsächlich einen bohrenden Hunger, und so folgte er Griffith stumm in die Schiffsmesse, wo er eine reichliche Mahlzeit vorgesetzt bekam.

4

In eintöniger Folge vergingen die Tage.

Gerald wusste nicht recht, wie er sich die Zeit auf dem Schiff vertreiben sollte. Er fühlte sich eingeengt und überflüssig.

Dabei ging es ihm nicht eigentlich schlecht. Für sein leibliches Wohl wurde gesorgt, das Essen war reichlich und kräftig. Die künstliche Schwerkraft an Bord betrug nur ein halbes g und machte den Aufenthalt verhältnismäßig angenehm.

Ihm fiel aber auf, dass er außer Griffith, dem Kapitän und dem Navigator nie andere Besatzungsmitglieder zu Gesicht bekam. Es musste sie geben, aber sie hielten sich augenscheinlich ständig auf dem Maschinendeck auf, das ihm nicht zugänglich war.