Atlan 317: Das Lebensschiff - Harvey Patton - ebook

Atlan 317: Das Lebensschiff ebook

Harvey Patton

0,0

Opis

Sicherheitsvorkehrungen haben verhindert, dass die Erde des Jahres 2648 einem Überfall aus fremder Dimension zum Opfer gefallen ist. Doch die Gefahr ist durch die energetische Schutzschirmglocke nur eingedämmt worden, denn der Invasor hat sich auf der Erde etabliert - als ein plötzlich wieder aufgetauchtes Stück des vor Jahrtausenden versunkenen Kontinents Atlantis. Atlan und Razamon, der verbannte Berserker, sind die einzigen, die den "Wölbmantel" unbeschadet durchdringen können, mit dem sich die geheimnisvollen Herren von Pthor ihrerseits vor ungebetenen Gästen schützen. Atlan und Razamon gelangen auf eine Welt der Wunder und der Schrecken. Das Ziel der beiden Männer, zu denen sich inzwischen der Fenriswolf gesellt hat, ist, die Herren der FESTUNG, die Beherrscher von Pthor, aufzuspüren und schachmatt zu setzen, auf dass der Menschheit durch die Invasion kein Schaden erwachse. Nach vielen gefahrvollen Abenteuern, die am Berg der Magier ihren Anfang nahmen, haben Atlan und Razamon durch die Zerstörung des Kartaperators der irdischen Menschheit bereits einen wichtigen Dienst geleistet. Jetzt - zu einer Zeit, da Koy, der Trommler, längst auf der Suche nach ihnen ist - ziehen die Kampfgefährten in nördliche Richtung nach Moondrag. Auf ihrem Weg dorthin entdecken sie DAS LEBENSSCHIFF ...

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 138

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



Nr. 317

Das Lebensschiff

Atlan und Razamon entdecken die Weltraum-Arche

von Harvey Patton

Sicherheitsvorkehrungen haben verhindert, dass die Erde des Jahres 2648 einem Überfall aus fremder Dimension zum Opfer gefallen ist. Doch die Gefahr ist durch die energetische Schutzschirmglocke nur eingedämmt worden, denn der Invasor hat sich auf der Erde etabliert – als ein plötzlich wieder aufgetauchtes Stück des vor Jahrtausenden versunkenen Kontinents Atlantis.

Atlan und Razamon, der verbannte Berserker, sind die einzigen, die den »Wölbmantel« unbeschadet durchdringen können, mit dem sich die geheimnisvollen Herren von Pthor ihrerseits vor ungebetenen Gästen schützen.

Atlan und Razamon gelangen auf eine Welt der Wunder und der Schrecken. Das Ziel der beiden Männer, zu denen sich inzwischen der Fenriswolf gesellt hat, ist, die Herren der FESTUNG, die Beherrscher von Pthor, aufzuspüren und schachmatt zu setzen, auf dass der Menschheit durch die Invasion kein Schaden erwachse.

Nach vielen gefahrvollen Abenteuern, die am Berg der Magier ihren Anfang nahmen, haben Atlan und Razamon durch die Zerstörung des Kartaperators der irdischen Menschheit bereits einen wichtigen Dienst geleistet.

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan und Razamon – Zwei Männer auf dem Weg durch die Wüste Fylln.

Fenrir – Atlans und Razamons treuer Begleiter.

Grangor – Ein Zukunftsseher vom Planeten Zuibrist.

Timbuk – Anführer der Räuber von Goltabuur.

Mankor

1.

Grangor lag regungslos in der Schlafmulde.

Seine Augenstiele waren eingezogen, sämtliche Normaltentakel eingerollt. Sein Atem ging so langsam, dass die Bewegungen der Lungensäcke kaum wahrzunehmen waren. Wäre nicht das leise Zittern gewesen, das zuweilen seinen massigen Körper durchlief, hätte ein fremder Betrachter annehmen können, er habe bereits die Reise in die Überwelt angetreten.

So lag er nun schon seit Stunden, aber dafür befand sich sein Geist in angestrengter Tätigkeit.

Er konzentrierte sich auf die Wahrnehmung von Bildern, die er auf eine Weise empfing, die für einen normalen Zuiber unbegreiflich blieb. Grangor »sah« in die Zukunft.

Er war ein Präkogniter, ein Bevorzugter seines Volkes. Als solcher konnte er Ereignisse schon lange im Voraus sehen, ehe andere auch nur um die Basis wussten, der sie entsprangen. Oft genug kannte er diese aber selbst nicht. Er sah nur voraus, was später einmal sein würde, die Zusammenhänge wurden auch ihm meist erst im Nachhinein klar.

Sein Talent war eine Naturgabe, das ihn weit über die Masse seiner Artgenossen hinaushob. Diese Art von Parasensibilität kam in jeder Zuiber-Generation im Durchschnitt nur etwa fünfmal vor. Sie hob ihren Träger auf eine Stufe mit den Wissenschaftlern, für die seine Voraussagen von höchster Wichtigkeit waren.

Diesmal hatte sich Grangor ein besonderes Ziel gesetzt.

Er hatte sich vollkommen gegen die Umwelt abgekapselt und nahm nichts mehr von dem wahr, was um ihn herum vorging. In diesem Zustand hätte man ihn ohne weiteres aufheben und forttragen können, ohne dass er es bemerkte. Kein Zuiber jedoch würde auch nur versuchen, sein Haus zu betreten, solange das nicht erwünscht war.

Das entsprechende Zeichen dafür gaben die Wächterpflanzen vor dem Eingang. Er hatte sie verständigt, und sie hatten daraufhin willig durch Verschlingen ihrer Ranken reagiert. Diese bildeten nun jene charakteristische Form, die von jedem Zuiber respektiert wurde.

Der Präkogniter konzentrierte sich besonders intensiv. Diesmal wollte er mit seiner Paragabe extrem weit in die Zukunft vordringen. Was die nächsten zwanzig Jahre dem Planeten Zuibrist bringen würden, war ihm längst bekannt, doch das genügte seinem Ehrgeiz nicht.

Zwanzig Jahre waren so etwas wie eine »magische Grenze« für die Wahrnehmungen der Präkogniter. Nur ganz wenigen war es bisher gelungen, jene Schranke zu überwinden. Grangor war jedoch davon überzeugt, dass er es ebenfalls schaffen konnte, wenn er sich nur lange und stark genug konzentrierte.

Dasselbe versuchten von Zeit zu Zeit auch alle anderen Vorausseher dieser Welt. Im Augenblick gab es sieben von ihnen, und zwischen ihnen war ein immerwährender Wettstreit im Gange. Es war aber kein Konkurrenzkampf aus unedlen Motiven, sondern eher so etwas wie ein fairer Kräftevergleich. Erzielte einer ein herausragendes Ergebnis, erkannten das die anderen neidlos an.

Je länger sich Grangor konzentrierte, um so mehr wuchs seine Zuversicht, dass ihm der Durchbruch gelingen würde.

Nicht umsonst hatte er sich schon seit einigen Dekaden sorgfältig vorbereitet, in immer neuen Übungen die Voraussetzungen dafür zu schaffen versucht.

Sein Ausgangspunkt war der Termin des ersten großen Raumfahrtunternehmens der Zuiber. Längst kreisten Satelliten aller Art um den Planeten, kleine Raketenfahrzeuge stießen sporadisch zum Mond und dem Nachbarplaneten vor. Größere Schiffe waren im Bau, in zehn Jahren würde das gesamte System erforscht sein. Noch einmal zehn Jahre, und drei große kugelförmige Raumer mit Überlichtantrieb würden starten, und die drei Lichtjahre entfernte Nachbarsonne zu erreichen versuchen.

Der Starttermin war bekannt, nur der Ausgang dieses Unternehmens nicht. Die magische Grenze lag dazwischen!

Die Wissenschaftler und Techniker hatten die Präkogniter immer wieder vergebens befragt. Bis jetzt stand nur fest, dass der Start erfolgen und glücken würde. Alles Weitere hatte sich jedoch hartnäckig der Vorausschau entzogen.

Das sollte sich nun ändern.

Grangor ging ganz in seiner selbstgestellten Aufgabe auf. Vor seinem geistigen »Auge« liefen wieder einmal die Ereignisse ab, die er längst schon kannte. Sie hatten ihren festen Rahmen, wenn es auch zuweilen geringfügige Abweichungen gab.

Der Präkogniter hatte längst gelernt, diese nicht mehr als nötig zu beachten. Für ihn gab es nur noch das eine Ziel, und er kam dem entscheidenden Punkt immer näher. Die drei Kugelschiffe waren bereits gestartet und nach dem Erreichen der galaktischen Fluchtgeschwindigkeit aus dem Normalraum verschwunden. Schon fünf Dekaden später sollten sie zurückkehren, wenn alles nach dem Plan ablief.

Würden sie zurückkommen ...?

Plötzlich durchlief ein krampfhaftes Zucken den Körper des einsamen Sehers. Sein Geist hatte zum entscheidenden Ansturm gegen die Sperre der Zeit angesetzt, er mobilisierte all seine Kräfte.

Doch die dunkle Barriere schien wie ein lebendes Wesen zurückzuweichen, elastisch und fest zugleich. Sein Parasinn aber stieß nach, rannte dagegen an und ließ nicht locker. Grangor verausgabte sich voll – und er hatte Erfolg damit.

Plötzlich bildeten sich wogende, helle Filigranstrukturen aus und überzogen die dunkle Wand. Dann riss der Schleier vor der Zeit an mehreren Stellen zugleich auf und gab erste verschwommene Durchblicke frei.

Ähnliches hatte Grangor schon öfters erlebt, aber dann war stets der Rückschlag gekommen. Diesmal kam er jedoch nicht, also hatten sich die intensiven Vorbereitungen gelohnt. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl durchströmte den Geist des Präkogniters und mobilisierte alle Reserven seines Parasinns.

Dann hatte er es geschafft!

Die dunkle Wand vor der Zukunft wich nach allen Seiten hin zurück, und schließlich verschwand sie ganz. Grangor erkannte deutlich, was das einundzwanzigste Jahr dem Planeten Zuibrist bringen würde.

Er sah alles klar und unverhüllt vor sich – zu klar ...

Übergangslos wich das Glücksgefühl von ihm und machte einem kalten, lähmenden Entsetzen Platz. Zu übermächtig war der Eindruck des drohenden Unheils, der unglaublichen Katastrophe, die sich ereignen würde.

Eine nie gekannte Panik erfasste Grangor, überstürzt zog er seine Parafühler zurück. Er hatte auch früher schon Unglücke vorausgesehen, aber noch nie in einem solch gewaltigen Ausmaß.

Der Präkogniter wurde bewusstlos, nur sein Unterbewusstsein arbeitete noch weiter. Minutenlang wand sich sein Körper in konvulsivischen Zuckungen, ehe er allmählich zur Ruhe kam.

*

Irgendwann, Stunden später, kam der Zuiber langsam wieder zu sich. Schwach, vollkommen ausgelaugt blieb er regungslos liegen. Was war mit ihm geschehen?

Er versuchte, sich daran zu erinnern, aber es gelang ihm nicht. In seinem Schädel tobte ein übermächtiger Schmerz und hinderte ihn daran, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Leise stöhnend blieb er in der Schlafmulde liegen. Undeutlich nur spürte er das sanfte Streicheln der Betreuerpflanze auf seiner Haut.

Ihre Ranken massierten mit kaum spürbarem Druck Körper und Glieder. Außerdem hatte sie eine Anzahl von Saugnäpfen ausgebildet und sie im Gebiet der wichtigsten Organe verankert.

Die Saugnäpfe erfüllten eine wichtige symbiotische Aufgabe. Sie waren etwa handtellergroß und mehrere Zentimeter dick. Ihre Unterseite ging eine innige Verbindung mit der Haut ein, so dass ein Austausch stattfinden konnte. Durch die Poren entzog die Pflanze Grangors Körper schädliche Schlacken und sonstige Abfallprodukte. Diese dienten ihr wiederum als Nahrung, so dass jeder der ungleichen Partner Nutzen davon hatte. Zusätzlich gab sie noch Sauerstoff direkt in die Blutbahn ab.

Jeder Bewohner von Zuibrist besaß eine solche Betreuerpflanze, die er sorgfältig pflegte. Sie dankte es ihm auf ihre Weise, denn je besser sie gedieh, um so eifriger betreute sie auch ihn. Das führte dazu, dass es bei den Zuibern kaum zu den so genannten Zivilisationskrankheiten kam. Selbst mit leichteren Infektionen wurden die Pflanzen fertig.

In den vergangenen Stunden hatte Grangors Symbiosegewächs jedoch Schwerstarbeit verrichten müssen. Die große Anstrengung hatte nicht nur die geistigen Kräfte des Präkogniters erschöpft, sondern auch ihre Auswirkungen auf seinen Körper gezeitigt. Die Saugnäpfe hatten eine Unmenge von Abfallstoffen aufnehmen müssen, dafür aber auch entsprechend reagiert. Sie führten dem Organismus eine Dosis besonderer Säfte zu, die regenerierend und stimulierend wirkten.

Trotzdem dauerte es noch fast eine Stunde, bis Grangor den Kopfschmerz überwunden hatte. Er dämmerte im Halbschlaf vor sich hin, erwachte jedoch, als sich die Saugnäpfe von seinem Körper lösten. Nun konnte er wieder klar denken, und auch die Erinnerung setzte ein.

Augenblicklich fuhr der Zukunftsseher steil in die Höhe, die massierenden Ranken zogen sich hastig von ihm zurück. Eisiger Schreck durchfuhr ihn, als vor seinem geistigen Auge wieder das Bild erstand, das er vor einigen Stunden gesehen hatte. Konnte es ein solch unbegreifliches, schreckliches Phänomen überhaupt geben? Hatte er nicht vielleicht im Bestreben, eine Höchstleistung zu vollbringen, eine Art von Zukunftshalluzination gehabt?

Nein!

Grangor kannte sich selbst zu gut, um an eine solche Möglichkeit zu glauben. Was er gesehen hatte, würde – musste – unweigerlich auch eintreten. Und wenn es eintrat, stand der Untergang der blühenden Zivilisation von Zuibrist bevor!

Was war nun zu tun?

Der Präkogniter brauchte nicht lange zu überlegen.

Es war seine Pflicht, jede besondere Wahrnehmung sofort dem Zukunfts-Koordinator zu melden. Dieser registrierte sorgfältig alle Angaben der Seher und wertete sie aus. Er und sein Mitarbeiterstab sorgten dann dafür, dass die richtigen Voraussetzungen für die künftigen Ereignisse geschaffen wurden. So gab es keine Eventualitäten, auf die Zuibrist nicht vorbereitet war.

Hastig wälzte Grangor seinen einer überdimensionalen irdischen Gurke gleichenden Körper aus der Schlafmulde. Er fuhr einen Armtentakel aus und drückte auf den Sensor, der die Rollläden vor den Fenstern hochschnellen ließ. Grelles Licht strömte in den Raum, und sekundenlang verengten sich die vier Augen des Zuibers, die paarweise an der Vorderseite seines schmalen Kopfes saßen.

Er musste sich beeilen, denn der Tag war schon weit fortgeschritten. In diesem besonderen Fall genügte es nicht, wenn er dem Zukunfts-Koordinator lediglich eine Meldung über Video gab. Es war seine Pflicht, ihn persönlich aufzusuchen, um ihm seine Wahrnehmungen eingehend zu schildern. Keiner außer Tiftor durfte vorerst etwas von dem Unheil erfahren, das in einundzwanzig Jahren über Zuibrist kommen sollte.

So schnell wie möglich kleidete sich Grangor an. Er verließ sein Haus und begab sich zum Schweber. Im Vorbeigehen berührte er mit einem besonderen Tentakel den Stamm der Wächterpflanze, so dass eine halbtelepathische Verbindung zustande kam. Das Gewächs reagierte augenblicklich, seine Äste und Ranken schoben sich wie ein Gitter vor den Eingang und versperrten ihn. Der Präkogniter eilte auf seinen vier säulenförmigen Beinen weiter. Er öffnete die Kabine des Schwebers, zog sich hinein, und aktivierte das Antriebsaggregat.

Sekunden später erhob sich das Gefährt in die Luft, ordnete sich in die oberste Verkehrsebene ein, und glitt auf das Zentrum der Hauptstadt zu. Dort befand sich der ausgedehnte Gebäudekomplex, der die Dienststelle des Zukunfts-Koordinators und ihre Nebenabteilungen beherbergte.

Tiftor war gerade in einer Konferenz, der auch zwei andere Präkogniter beiwohnten. Trotzdem bestand Grangor darauf, ihn sofort sprechen zu müssen. Die Zuiberin im Vorzimmer war ungehalten. Sie wagte jedoch keine Widerrede, sondern rief den Koordinator an, und gleich darauf konnte der Zukunftsseher eintreten.

»Ich grüße dich, Grangor«, sagte der alte Zuiber, bildete einen Sondertentakel aus und verschlang ihn kunstvoll zur Gebärde der besonderen Wertschätzung. »Wie du siehst, bin ich sehr beschäftigt. Gibt es etwas Besonderes, das du mir mitzuteilen hast?«

Grangor erwiderte die Geste, machte aber zugleich das nur Eingeweihten bekannte, geheime Zeichen.

»So ist es, Koordinator, andernfalls hätte ich nie gewagt, dich zu stören. Meinen Gruß auch den verehrten anderen Anwesenden«, sagte er. Er beherrschte sich meisterhaft, obwohl alles in ihm danach strebte, die schlimme Nachricht so rasch wie möglich loszuwerden.

Tiftor verstand und wandte sich an seine Mitarbeiter. Sie verließen gleich darauf den Raum, die beiden anderen Präkogniter blieben jedoch. Beide sahen Grangor fragend an, und nun fiel die Maske der Beherrschung von ihm ab.

»Es ist mir heute gelungen, die Zeitgrenze zu durchbrechen«, stieß er hervor und ließ sich in eine Sitzschale fallen. »Es war schwer, ich habe es trotz langer Vorbereitung nur unter äußerster Anstrengung geschafft. Jetzt wünsche ich mir aber fast, es nicht versucht zu haben, denn ...«

Die Erregung übermannte ihn, seine Stimme erstarb. Tiftor sah ihn besorgt an, und auch die beiden anderen Präkogniter waren sichtlich unruhig. Normalerweise hätten sie ihm nun voller Begeisterung ihre Anerkennung ausgesprochen, aber seine offenkundige Verstörtheit hielt sie davon ab.

Auch der Zukunfts-Koordinator wartete, bis Grangors Augen wieder klar wurden. Erst dann fragte er: »Ist es so schrecklich, was du gesehen hast? Wird die Expedition zum System der Sonne Tebrist scheitern?«

»Wenn es nur das wäre!«, sagte der Seher, und unwillkürlich rollten sich seine Armtentakel ein. »Es ist sehr viel schlimmer, Tiftor. Ich sah den Untergang von ganz Zuibrist voraus!«

Sekundenlang legte sich lähmendes Schweigen über den Raum. Keiner der Anwesenden zweifelte auch nur einen Augenblick lang daran, dass Grangor die Wahrheit gesprochen hatte.

»Wie könnte das geschehen?«, fragte Landor schließlich verstört, aber Tiftor winkte mit allen Armtentakeln ab.

»Wir wollen methodisch vorgehen, wie es dem Ernst der Situation angemessen ist. Eine Schilderung nur mit Worten vermag die Einzelheiten kaum in voller Konsequenz wiederzugeben. Bist du mit einer Mentalkommunikation einverstanden, Grangor?«

»Selbstverständlich, Koordinator«, sagte dieser leise.

Tiftor begab sich zu einem Schaltpult und berührte einen Sensorkontakt. Die Tür zu einem Nebenraum glitt auf, den vor diesem Zeitpunkt nur wenige Zuiber zu Gesicht bekommen hatten. In ihm befand sich, von zwei stämmigen Lakkapflanzen flankiert, das empfindlichste Kommunikationsgerät von ganz Zuibrist. Die vier Zuiber traten ein, die Tür rollte hinter ihnen wieder zu und wurde durch besondere Sperren gesichert. Niemand konnte je erfahren, was nun hier vor sich ging.

Der Koordinator aktivierte das Gerät, und Grangor nahm in der breiten Sitzschale davor Platz. Eine Sensorhaube senkte sich über seinen Kopf, und gleichzeitig bewegten sich mehrere Ranken der Lakkapflanze auf sie zu. Sie verankerten sich in besonderen Vertiefungen, und Tiftor wandte sich den beiden anderen Präkognitern zu.

Alle drei bildeten besondere Tentakel aus und stellten so eine Ringverbindung zwischen Grangor, dem Kommunikator, den Pflanzen und sich selbst her. Alles, was nun in der Erinnerung vor Grangors geistigem Auge erstand, konnte von den anderen auf halbtelepathischem Weg voll mitempfunden werden.

Der Zukunftsseher schloss die Augen, und das, was er nach Überwindung der Zeitbarriere im einundzwanzigsten Jahr gesehen hatte, erstand als plastisches Bild in den Hirnen der drei anderen.

Es war eine ungeheuerlich anmutende, gespenstische Vision!

*

Der dunkle Schleier vor der Zukunft löste sich auf.

Der Planet Zuibrist lag vor den geistigen »Augen« der Betrachter. Auf dem großen Hauptkontinent herrschte emsiges Leben, Schweber hingen in der Luft, auf den Straßen eilten viele Tausende geschäftig hin und her. Noch wies nichts auf die Katastrophe hin, die dicht bevorstand.

Dann jedoch, von einem Augenblick zum anderen, änderte sich plötzlich das Bild.

Das Licht der Sonne verblasste wie hinter einer dichten Wolkenwand. Das Leben in den Straßen begann zu stocken, die Augen der Zuiber richteten sich erschreckt nach oben. Was geschah dort – brach aus heiterem Himmel plötzlich ein Unwetter los?

Nein, das konnte nicht der Fall sein. Es gab keine Wolken, die Sonne schien nach wie vor, nur schien ihr Licht wie von einem riesigen Dunkelfilter größtenteils absorbiert zu werden. Ein trübes Dämmerlicht lag über dem Land, aber die Ursache für dieses Phänomen blieb verborgen. Es blieb unbegreiflich, und mutete darum um so gespenstischer an.

Dann gesellte sich eine weitere Erscheinung dazu: Um die Dachgeschosse der höchsten Häuser begann ein fahles, gelbliches Leuchten zu spielen, ebenso um die in der Luft befindlichen Schweber. Es flackerte in unregelmäßigen Intervallen, und im gleichen Rhythmus veränderte sich auch das schwache, noch von der Sonne ausgehende Licht. Die Sonne selbst schien zu schrumpfen, man konnte mit bloßen Auge hineinsehen, ohne geblendet zu werden.