Norwegen - Rasso Knoller - ebook

Norwegen ebook

Rasso Knoller

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Opis

Fjorde und Berge, Wasserfälle und Gletscher, freundliche Menschen und hinter jeder Straßenecke ein Elch. Jeder hat ein Eigenheim und davor steht ein großes Auto. So stellt man sich das Paradies vor ... oder Norwegen. Seit vor der Küste des Landes Öl gefunden wurde, ist das Paradies zudem schuldenfrei. Während andere Länder gegen den Staatsbankrott ankämpfen, überlegt man in Norwegen, wie man das viele Ölgeld gewinnbringend für zukünftige Generationen anlegen kann. Doch auch im Paradies ist nicht alles perfekt. Die Preise sind so hoch wie die Steuern, und weil in der Ölindustrie so viel Geld verdient werden kann, fehlt in sozialen Berufen der Nachwuchs. Ausländerfeindliche Parteien finden auch hier Wähler. Seit im Sommer 2011 Anders Breivik, ein Wirrkopf mit kruden rechtsradikalen Ansichten, 77 Menschen getötet hat, sind dicke Schrammen am norwegischen Glanzbild nicht zu übersehen. Rasso Knoller zeigt das Land jenseits der Klischees und schaut hinter die Fassaden.

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Rasso KnollerNorwegen

Rasso Knoller

Norwegen

Ein Länderporträt

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet überwww.dnb.de abrufbar.

1. Auflage, September 2013 (entspricht der 1. Druck-Auflage von März 2013) © Christoph Links Verlag GmbH Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin, Tel.: (030) 44 02 32-0www.christoph-links-verlag.de; [email protected] Umschlaggestaltung unter Verwendung eines Fotos, das das kleine Dorf Reine auf der Lofoteninsel Moskenesøy zeigt (Jörg Dauerer / imagebroker / vario images) Lektorat: Günther Wessel, Berlin Satz: typegerecht, Berlin

Inhalt

Vorwort

Norwegisches Selbstverständnis

Fuchsschweif am Polarhimmel und Sonne um Mitternacht

Zu perfekt, um wahr zu sein

Auf du und du mit dem Chef

Das Gesetz des Jante – oder: Wenn alle gleich sind

Norge er best

Ein König für alle

Flaggenwahn im Königreich

Trachten tragen

Rote Russen in Norwegens Straßen

Der etwas andere Nationalfeiertag

And the decision is Lilly Hämmar

Mit der Thermoskanne in die Berge

Wer hat’s erfunden?

Verdensbest i Norge

Büroklammer, Käsehobel und Spraydose

Pizza und Frikadellen, Schafskopf und Laugenfisch

Matpakke und Mellomleggspapir

Glückliche Norweger

Gastfreundlich – aber nicht zu sehr

Fortschrittspartei im Rückwärtsgang

Von rechts bis links – alles Sozialdemokraten

Geben für die Fremden in der Fremde

Norwegen nach Breivik

Norweger und Deutsche

Das Traumland des Kaisers

Großer Dichter, dummer Mann

Norwegische Soldaten in Deutschland

Deutsche Wohnmobilinvasion

Weltkriegserbe am Grunde des Oslofjords

Derrick ermittelt für Deutschland

Auf ins kalte Paradies

Geschichte: Im Schnelldurchlauf durch die Jahrtausende

Die Flintstones in Norwegen

Wandern und wüten

Mit Schwertern durch Europa, mit Schiffen nach Amerika

Ein König als Kultstar

Eroberer verzweifelt gesucht

Streiten, bis der Däne kommt

Deutsche Kaufleute am Fjord

400 Jahre Nacht

Dänische Kriege, norwegische Verluste

Schweden statt Dänemark

Störrische Untertanen

Dänenprinz auf dem Norwegerthron

Quisling – Verräter auf Hitlers Seite

Hakenkreuz über dem Oslofjord

Lebensborn: Norwegische Kinder für den Führer

Deutschenkinder – Kinder der Schande

Landesverräter vor Gericht

Aufschwung Nord

EG und EU, nein danke

Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt

Ölgeschenk zu Weihnachten

Gutes Geld, schlechtes Geld

Sichere Renten aus dem Meer

Schnelle Krone auf der Plattform

Nummer eins – auch beim Preisniveau

Wasserkraft, die Aufschwung schafft – von der Fischernation zum Industrieland

Trockenfisch und Lachszucht

Stadt, Land, Fluss – Oslo und die Provinz

Das Land ohne Butter

Käpt’n Ahab aus Norwegen

Wal in Sicht – Waljagd mit der Kamera

Brave Norweger, böse Norweger

Die Sami – Minderheit mit Einfluss

Tickende Zeitbombe auf der Kolahalbinsel

Ein Paradies für Frauen!?

Das Land der vielen Kinder

Betreuungsgeld auf Norwegisch

Schulaufgabe am Netbook

Kleines Land, große Künstler

Norge oder Noreg?

Die Friedensmacher

Der Staat passt auf beim Trinken

Vorspiel vor dem Gartenzaun

Gute Freunde kann keiner trennen

Hauptsache besser als Schweden

Nachwort: Warnung vor dem Troll!

Anhang

Lesetipps

Internetseiten

Karte

Basisdaten

Als ich zum ersten Mal diese Landschaft sah, hatte ich das Gefühl, hier hat Gott selbst Hand angelegt.

Horst Tappert, Norwegenfan und als Fernsehkommissar Derrick einer der bekanntesten Deutschen in Norwegen

Vorwort

Hätte ich dieses Vorwort vor dem Sommer 2011 geschrieben, hätte ich vermutlich vom glücklichen Norwegen gesprochen, von einem Land, das im Ölgeld badet und dessen größtes Problem darin besteht, das viele Geld so gut wie möglich anzulegen. Ich hätte von dem Land mit den weltweit geringsten Einkommensunterschieden zwischen Arm und Reich geschwärmt, einem Land, in dem die Gleichberechtigung der Geschlechter viel weiter fortgeschritten ist als bei uns und man nicht über Arbeitslosigkeit, sondern Arbeitskräftemangel klagt. Ich hätte vom Nationalstolz der Norweger gesprochen und von ihrer Begeisterung für Fahnen und Trachten. Hätte erzählt, wie jeder jeden duzt und der König mit der S-Bahn fährt. Hätte erklärt, welche besondere Bedeutung Käsehobel und Büroklammer für Norweger haben, und von den feucht-fröhlichen Abiturfeiern erzählt, die dort schon vor den Prüfungen stattfinden.

All dies wird in diesem Buch immer noch Thema sein. Doch die Anschläge vom Sommer 2011 haben das Land verändert. Durch die Mordtaten des Rechtsradikalen Anders Breivik, bei denen 77 Menschen starben, musste man in Norwegen grausam erfahren, dass die »böse Welt« nicht vor den eigenen Landesgrenzen haltmacht. Deswegen wird sich das Buch auch mit den Reaktionen auf den Amoklauf auseinandersetzen und der Frage nachgehen, was sich nach den Bluttaten von Oslo und Utøya in Norwegen geändert hat.

Norwegen war auch schon vor den rechtsradikalen Anschlägen kein Paradies. Schon vorher wählten mehr als 20 Prozent der Norweger eine rechtspopulistische Partei. Dass man in einem Land, das Toleranz und Mitmenschlichkeit ganz oben auf der Werteskala einordnet, mit ausländerfeindlichen Parolen Wählerstimmen gewinnen kann, scheint ein Widerspruch zu sein, den dieses Buch zu erklären versucht.

Auf den ersten Blick wirkt Norwegen nicht wie ein Land, das man Reisenden aus hiesigen Gefilden erklären müsste. Wer durch die Straßen von Oslo oder Bergen spaziert, wird zunächst nichts entdecken, was ihm unverständlich vorkommt. Alles scheint erst einmal wie zu Hause. Doch schaut man genauer hin, entdeckt man schnell, dass Norwegen eben doch ein Land ist, in dem das Leben ziemlich anders als hierzulande abläuft.

Zum Schluss noch zwei Bemerkungen: In einem Leserbrief zu meinem Finnlandbuch aus dieser Reihe hatte mir jemand geschrieben, dass nicht alle Finnen so seien wie in meinem Buch beschrieben. Jeder Mensch sei doch ein Individuum. Das ist zweifellos richtig. Bücher über ein Land und dessen Menschen sind aber nur möglich, wenn man generalisiert. Deswegen gleich vorab: Nicht jeder Norweger ist so, wie in diesem Buch beschrieben. Die Eigenheiten treffen aber doch auf so viele zu, dass sie einem interessierten Beobachter ins Auge fallen. Und noch ein weiterer Hinweis: Ich habe in diesem Buch aus Gründen der Lesbarkeit immer die männliche Form verwendet, auch dann, wenn beide Geschlechter gemeint sind. Wenn ich vom Norweger spreche, ist also in der Regel auch die Norwegerin gemeint.

Jetzt aber möchte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu einer Entdeckungsreise durch Norwegen einladen.

Beginnen will ich dieses Buch mit einem Kapitel über das nordische Licht. Denn damit hat vor mehr als 30 Jahren meine Nordlandbegeisterung begonnen. Das nordische Licht ist unvergleichlich, und es hat mich immer wieder nach Finnland, Schweden und vor allem auch nach Norwegen zurückgelockt – im Sommer, wenn die Sonne auch um Mitternacht scheint, und im Winter, wenn das Polarlicht den Himmel erhellt.

Norwegisches Selbstverständnis

Fuchsschweif am Polarhimmel und Sonne um Mitternacht

Nordnorwegen – Spektakuläre Lightshow inklusive. In diesem Winter erwartet die NASA das stärkste Nordlicht seit über 50 Jahren. Buchen Sie daher jetzt Ihre Reise nach Nordnorwegen.

Werbetext von Visit Norway, dem Fremdenverkehrsamt von Norwegen, aus dem Jahre 2012

19. Januar. 11 Uhr und 8 Minuten. In Hammerfest geht die Sonne auf – das erste Mal seit dem 22. November. Damals war sie um 11.53 Uhr hinter dem Horizont verschwunden und hatte sich in eine lange Winterpause verabschiedet.

Erik steht tief im Schnee eingesunken auf der Terrasse seines Hauses am Stadtrand. Er ist dick eingemummelt in seinen knallgelben Parka, eine Mütze auf dem Kopf und dicke Fäustlinge an den Händen. Erik will die Sonne begrüßen. Fast zwei Monate hielt sie sich versteckt und auch jetzt gibt sie sich nur für eine Stunde die Ehre.

Erik ist Krankenpfleger und kommt eigentlich aus Südnorwegen. Erst seit drei Jahren lebt er in Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Welt. Sie liegt weit jenseits des Polarkreises, rund 1330 Kilometer Luftlinie von Oslo entfernt – eine Strecke, die fast genau der von Oslo nach München entspricht. Und schon Oslo liegt für deutsche Verhältnisse ganz weit oben im Norden. »Ziemlich dunkel hier«, versuche ich ein Gespräch mit Erik anzufangen. Der sieht mich fragend und mit einem Blick an, der mir zeigt, dass ich so gar keine Ahnung habe. »Wirklich dunkel ist es hier nie«, brummt er und deutet mit seiner behandschuhten Hand hinaus auf die weite Schneefläche. Recht hat er. Wenn das winterliche Weiß das Mondlicht reflektiert, taucht dieser Schein die Landschaft in ein besonderes, mystisches Licht. Wenn dann noch die grünen, blauen oder roten Flammen des Nordlichts über den Winterhimmel wandern, wird Nordnorwegen zur Bühne für ein grandioses Himmelsspektakel. Diese Aufführungen finden häufig statt. In der Zeit zwischen Oktober und April flirren mehrmals wöchentlich Polarlichter über den Himmel. Für Physiker sind sie nur elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwindes. Und eigentlich sind Worte wie Nordlicht, Polarlicht oder , wie die Norweger sagen, viel zu prosaisch für die fast irreale Erscheinung. Die norwegischen Nachbarn im Osten, die Finnen, haben ein viel passenderes Wort gefunden. Sie nennen das Nordlicht poetisch »Fuchsschweif«. Einer samischen Legende zufolge entsteht das Nordlicht nämlich dadurch, dass ein Fuchs mit seinem Schwanz über die Schneewehen peitscht, so dass diese Funken – die Nordlichter – sprühen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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