In der Pfütze schwimmt ein Regenbogen - Christina Conradin - ebook

In der Pfütze schwimmt ein Regenbogen ebook

Christina Conradin

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Opis

Dieses Buch erzählt die kleinen Abenteuer des Alltags eines Mädchens namens Lena. Zusammen mit ihren Eltern, ihrem großen Bruder Ben und ihrem besten Freund Jakob durchlebt sie mit Leichtigkeit die Wartezeit auf ein neues Geschwisterchen. Viele lustige Momente ereignen sich. Dabei sammelt Lena unzählige herzergreifende Erinnerungen, die sie besonders mit Ben teilt, der mit winzigen Gesten seine Mitmenschen verzaubert. Selbst die missmutige Brezenverkäuferin oder den sonst so teilnahmslosen Uropa bringt ihr Bruder zum Schmunzeln und bricht somit jedes Eis. Als Ben unerwartet verunglückt, schafft es Lena die vielen - auch kleinen - Erlebnisse in ihrem Herzen zu bewahren und dadurch Ben ganz selbstverständlich in sich weiterleben zu lassen.

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Liczba stron: 150

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Christina Conradin

IN DER PFÜTZE SCHWIMMT EIN REGENBOGEN

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2016

Bibliografische Information durch die Deutsche

Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte bei der Autorin

Zeichnungen © Christina Conradin

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Für meine geliebte Familie

INHALT

Cover

Titel

Impressum

Offenbarung beim Abendessen

Bei uns ist was los

Omis Geburtstag

Zu Besuch bei verschiedenen Ärzten

Nun also zu fünft

Ein etwas anderer Kindergartentag

Warum wollen eigentlich alle ein Baby?

Es weihnachtet sehr

Der Regenbogen

Wir machen einen Ausflug

Auf der Suche

Fische zu Ostern

OFFENBARUNG BEIM ABENDESSEN

Jakob faltet andächtig die Hände. Er schweigt. Seine braunen Locken fallen ihm in den noch leeren Teller. Alle Anwesenden falten natürlich ganz überrascht auch blitzschnell die Hände. Jeder schweigt. Wartet.

„Amen“, sagt Jakob und schaut auf. Das „Amen“ der anderen folgt im Chor. Erleichtert beginne ich zu essen. Mama hat ein Pilzrisotto gekocht, wozu wir Jakob und seine große Schwester Mummel eingeladen haben. Jakob ist mein bester Freund. Er und Mummel, also eigentlich heißt sie Maria, wohnen im Nachbarhaus. Heute sitzen wir alle zusammen beim Abendessen: meine Mama und mein Papa, natürlich, mein großer Bruder, Ben und ich.

„Magst du nichts mehr, Lena?“, fragt mich Mama.

„Gut war’s, Mama, aber ich bin satt.“ Das sag ich immer, wenn es mir nicht schmeckt. Mama lächelt mich dann meist nur etwas schief an. Heute meint sie: „Die Pilze wieder.“

„Das Risotto riecht so gut“, bemerkt Ben ganz verzaubert vom Geruch der Pilze und der Petersilie, die Mama liebevoll über jeden Teller gestreut hat. Ben hat nämlich eine besonders feine Nase. Oft macht er uns auf Gerüche aufmerksam, die uns gar nicht aufgefallen wären. Wir nennen ihn deshalb manchmal unsere Hundeschnauze. Das mag er aber nicht besonders, obwohl sonst er meist derjenige ist, der lustige Namen für alles Mögliche erfindet. Erst dachte ich, Papa müsste so eine gute Nase haben, weil sie so groß ist, aber Papa riecht nicht besonders gut. Bens Nase ist ganz normal groß. Sie passt zu seinem schmalen Gesicht und den ohrenlangen, schwarzen, glatten Haaren. Ich finde, er sieht sehr gut aus.

Hastig versucht Papa den Parmesankäse zu nehmen und schubst dabei aus Versehen sein Weinglas um. Er wirkt irgendwie nervös. Vorhin wollte er schon etwas „Wichtiges“ sagen, was aber unter dem Gelächter von Ben und Mummel unterging. Die beiden gehen in dieselbe Klasse und erzählen regelmäßig lustige Geschichten von ihrem Religionslehrer, der sogar schon einmal im Unterricht eingeschlafen ist. Papa versucht es erneut.

„Hört alle mal bitte zu! Es gibt eine wichtige Neuigkeit, die wir euch mitteilen wollen.“ Jakob schlüpft allerdings plötzlich unter den Tisch, woraufhin ihn Mama fragt, was er denn suche.

„Meine Socken!“, ruft Jakob.

„Warum ziehst du denn deine Socken aus?“, wundert sich Ben.

„Hoffentlich kaselt’s nicht gleich“, murmelt Mummel.

„Wenn es dunkel ist, schlafen meine Füße immer ein“, erklärt Jakob schnell. „Darum muss ich meine Socken ausziehen, damit das Kribbeln aufhört.“

Papa, Mama, Ben und Mummel können sich vor Lachen kaum halten.

Ganz leise sage ich zu Jakob: „Du darfst dich nicht auf deine Füße setzen, sonst schlafen die ein.“ Das Tolle an Jakob ist: Er kann über sich selber lachen und stimmt deshalb in das Gekicher mit ein.

Papa probiert es noch einmal: „Also, Kinder, sind nun alle Bedürfnisse gestillt?“ Jeder am Tisch hört ihm nun aufmerksam zu.

„Mama und ich möchten euch nämlich miteilen, dass ihr zwei, Ben und Lena, ein Geschwisterchen bekommt! Und weil wir heute so schön zusammensitzen, Mummel und Jakob eh quasi zur Familie gehören, sagen wir es heute gleich euch allen.“

Unsere Eltern werfen sich einen kurzen Blick zu und versuchen dann erwartungsvoll unseren Gesichtsausdruck zu deuten. Einen Moment sind alle still. Alsdann sprudelt es aus Ben heraus: „Wow, cool! Hoffentlich wird es ein Junge. Also nichts gegen dich, Schwesterherz, aber jetzt noch ein Bruder wäre echt toll! Dem könnte ich das Fußballspielen und Biken beibringen und ihm mein neues Megaflugzeug zeigen!“

„Was denkst du, Lena?“, erkundigt sich Papa.

„Ja, ich weiß nicht, aber ich glaub, ich find’s auch toll.“ Mummel und Jakob zeigen sich auf alle Fälle begeistert. Trotzdem wird schnell das Thema gewechselt. Vermutlich will jeder erst in Ruhe über die Neuigkeit nachsinnen.

Nach dem Essen muss ich Jakob unbedingt eine Frage stellen.

„Du, Jakob, warum hast du beim Essen vorhin gebetet? Das hast du noch nie gemacht?“

„Na, ich war letztes Mal doch beim Anton und da haben alle gebetet. Außerdem wurden beim Erntedankfest die Lebensmittel doch geweiht. Da muss man schon beten, dachte ich mir“, entgegnet Jakob.

„Aber wieso hast du kein Gebet aufgesagt?“, bohre ich weiter nach. Langsam ist Jakob schon ein bisschen genervt und meint: „Mir ist halt gerade nichts eingefallen. Lass uns Lego bauen.“

Abends im Bett liest mir Mama aus dem neuen Buch Der Kaiserpinguinpapa Paul vor:

Paul lebt in einer großen Kolonie vieler Pinguine, liest sie. Bald wird er Papa. Bereits seit langer Zeit tragen er und seine Kaiserpinguinfrau Adele ganz vorsichtig ihr Ei abwechselnd auf den Füßen. Viele Kilometer sind sie schon gelaufen. Es ist tiefster Winter und die Pinguine haben einen weiten Weg hinter sich gebracht.

„Bald haben wir es geschafft!“, sagt Paul zu Adele.

„Es dauert nicht mehr lange, dann sind wir weit genug draußen auf dem Packeis.“ Im Sommer würde ihnen das Eis wegtauen, deshalb bekommen sie ihre Jungen bei einer Eiseskälte von bis zu minus 40 Grad.

„Haben Kaiserpinguine nur Jungen? Warum gibt es da keine Mädchen?“, frage ich erschüttert.

„Zu Tierbabys sagt man auch Jungen. Dabei sind Buben und Mädchen gemeint“, erklärt mir Mama. Sie liest weiter:

Paul trägt das Ei sehr stolz unter seiner Bauchfalte. Plötzlich schreit er: „Da, es kommt!“, als unter ihm die Eierschale zu brechen beginnt. Schon ist es da.

„Adele, ich bin Papa!“, freut er sich. Adele und er sind überglücklich. Bevor andere sein Küken bewundern können, steckt er es sofort unter seine Bauchfalte, um es zu wärmen.

„Tamara darf nicht frieren, wo sie doch gerade erst geschlüpft ist“, meint Papa Paul.

„Aber“, unterbreche ich Mama erneut, „heißt das, wenn das Baby aus deinem Bauch draußen ist, dass es unter Papas Bauch kommt?“ Mama lacht: „Nein, Lena, bei Menschen ist das etwas anders. Papa wird das Baby auch tragen, allerdings auf dem Arm.“

Dann streichelt mir Mama über den Kopf, wie sie es immer macht. Nur heute scheint sie in Gedanken zu sein, da sie gar nicht mehr damit aufhört.

„Gute Nacht, Mama“, flüstere ich leise.

„Schlaf gut, mein Schatz“, erwidert sie und nimmt ihre Hand zu sich.

„Ich hab dich sehr lieb, meine Große!“ Große hat sie noch nie zu mir gesagt, denke ich mir. Als Mama leise die Tür hinter sich zumacht, fällt mir erst auf, was sie gemeint hat. Vielleicht hat das kleine Geschwisterchen doch mehr Vorteile, als ich meine, kommt mir in den Sinn.