Der Alte vom Blue Horn - Glenn Stirling - darmowy ebook

Der Alte vom Blue Horn ebook

Glenn Stirling

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WERNER DIETSCH schrieb als Glenn Stirling Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten. Wie ein alter Einzelgängerbüffel, so lebte Der Alte vom Blue Horn allein, mied die Menschen, war im Kampf um die Existenz hart, gefährlich und wachsam geworden. Die Einsamkeit störte ihn nicht; er brauchte sie. Dann aber, eines Tages, wurde alles anders. Als der Junge zu ihm kam. Ein Junge von zwölf Jahren, der keinen Vater mehr hatte. Aber auch mit der Ruhe auf dem Blue Horn war es aus. Denn Banditen waren hinter dem Jungen her ...

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Glenn Stirling

Der Alte vom Blue Horn

Cassiopeiapress Western

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Der Alte vom Blue Horn

WERNER DIETSCH

schrieb als Glenn Stirling

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten.

 

Wie ein alter Einzelgängerbüffel, so lebte der Alte vom Blue Horn allein, mied die Menschen, war im Kampf um die Existenz hart, gefährlich und wachsam geworden. Die Einsamkeit störte ihn nicht; er brauchte sie. Dann aber, eines Tages, wurde alles anders. Als der Junge zu ihm kam. Ein Junge von zwölf Jahren, der keinen Vater mehr hatte. Aber auch mit der Ruhe auf dem Blue Horn war es aus. Denn Banditen waren hinter dem Jungen her ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover nach einem Motiv von Frederic Remington mit Steve Mayer, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

1

Der alte Büffel trottete den ausgetrampelten Pfad entlang. Ab und zu blieb er stehen und warf den Kopf unwillig zur Seite. Sein linkes Auge war blind. Ein Indianerpfeil hatte sich an jener Stelle vor vielen Jahren in den Kopf des Riesen gebohrt. So musste er seinen klobigen Schädel seitwärts drehen, wenn er sehen wollte.

Es war die Zeit der großen Wanderung. Die Büffelherden zogen nach Norden. Die Vögel sammelten sich zu Tausenden und traten die Luftreise in der gleichen Richtung an wie die urigen Bisons. Der Frühling trieb mit seiner wärmenden Sonne die Knospen aus den Bäumen. Die Gräser sprossen in frischem Grün aus der feuchten Savanne.

Oben auf den Bergspitzen lag noch Schnee. Der kalte und unbarmherzige Winter war noch nicht ganz vorüber. Stürme schüttelten die Wipfel der Cottonwoodbäume. Eiskalte Flüsse traten über die Ufer und überschwemmten das Land. Noch waren die Nächte kalt und frostig. Aber die Sonne siegte. Immer wärmer wurde es. Ständig kamen mehr Singvögel an, um ihr Frühlingslied dem fliehenden Winter zum Trotz anzustimmen.

Der alte Büffel trottete weiter. Er gehörte nicht zu der Herde, die viele Meilen vor ihm des Weges zog, um die Weidegründe im nördlichen Frühling aufzusuchen. Und doch trieb es auch ihn nach Norden. Es war das Blut seiner Ahnen, das Blut vieler Jahrhunderte, das in ihm rauschte und ihn zum Aufbruch mahnte. Er gehorchte diesem Trieb wie die anderen Tiere in der Herde.

Der Bisonbulle hatte viel erlebt, mehr als seine Artgenossen, die stumpfsinnig hinter ihrem Leittier einhertrotteten. Er war ein Einzelgänger geworden. Die unbarmherzige Wildnis hatte ihn so geformt, wie er jetzt war. Einst führte er eine große Herde. Ein Schneesturm schloss alle in einem Canyon ein. Nur die stärksten Tiere überlebten diese Tragödie. Aber dann verendeten auch sie durch Hunger oder fielen den Pfeilen der Rothäute zum Opfer. Er aber, der Stärkste von allen, wurde nur verletzt und entkam. Seit jener Zeit ging er seinen Weg allein. Kein anderes Tier wagte sich ihm zu nähern, denn er war ziemlich bösartig. Er hasste die Menschen und sogar andere Tiere. Vorwitzige Raubkatzen, wie Pumas und Luchse, wagten ihn nicht anzugreifen. Cowboys oder Trapper, die ihn erlegen wollten, fanden bei dieser Jagd den Tod oder kamen mit dem Schrecken davon, während er seinen klotzigen Schädel in den Bauch der Pferde rammte. Die ihn kannten, ließen ihn in Ruhe. Irgendwie war er den Herdentreibern heilig. Sogar die Indianer jagten ihn nicht mehr. So lebte er dahin, zog im Herbst nach Süden und im Frühjahr nach Norden. Jahre vergingen, aber er starb nicht, als müsste er als Symbol des Landes ewig leben. Gefahren, in die seine Artgenossen wie dumme Rindviecher hineinliefen, Tücken, die sie nicht sahen und daran zugrunde gingen, wich der alte erfahrene Kämpfer aus. Die Indianer behaupteten, er hätte menschlichen Verstand. Die Weißen sagten, er war als Einzelgänger nicht mehr dem blinden Gehorsam der anderen Herdentiere unterworfen und hatte deshalb einen besseren Instinkt. Eines aber stand fest: Der alte Bulle hatte tatsächlich einen sechsten Sinn für Fallen und Gefahren, die auf ihn lauerten. Selbst erfahrene Trapper verblüffte er durch seine Schläue ...

Misstrauisch äugte das Tier zu dem Menschen hinüber, der einsam auf einem Hügel stand und ins Tal hinunterspähte. Neben dem Manne aber stand ein Hund.

Es war mehr der Hund als der Mensch, dem der Bulle misstraute. Mit einem dumpfen Brüllen stapfte er weiter im Schlamm des Herdenpfades, dessen breite Straße die Prärie hundert Meilen nach Nordwesten durchzog.

Der einsame Mann da oben hob die Hand, als grüßte er das urige Tier. Obgleich ein Gewehr an seiner Schulter hing, machte er keinen Gebrauch von der Waffe. Irgendwie hatten die beiden, der Mann und der Bulle, etwas Gemeinsames. Beide waren Einzelgänger; daran änderte auch der Hund nichts, der sich in Begleitung des Mannes befand. Beide waren Geschöpfe, die sich von der übrigen Gemeinschaft freigemacht hatten, um ihr eigenes Leben zu führen.

Der Bulle trottete mit hängendem Dickschädel weiter. Sein dumpfes Brüllen ließ die Vögel von den Espen auffliegen.

Der Mann wandte sich um und ging mit ruhigen und festen Schritten auf der anderen Seite des Hügels hinunter. Der Hund folgte gehorsam.

Der Zufall hatte zwei Einzelgänger zusammengeführt und ihre Wege wieder getrennt, zwei Lebewesen in dieser herrlichen unbarmherzigen Landschaft, die den anderen misstrauten und allein ihren Pfad suchten. Beide waren alt und hatten ähnliche Eigenschaften: Misstrauen gegen alles, ständige Vorsicht und einen wachen Instinkt. Dazu waren sie zäh wie Rohleder und so hart und unerbittlich wie das Land selbst, in dem sie lebten.

2

Die Hütte lag am Fuße des mächtigen Blue-Horn-Berges. Wie ein Zacken ragte dieser Felsklotz in den Himmel. Während oben der Schnee zu schmelzen begann, war es hier unten am Hang schon grün. Die Blumen in den riesigen Grasflächen begannen zu blühen. Die Fichten und Tannen strömten einen würzigen Geruch aus. In ihren Ästen jubilierten die Vögel.

Aus grobbehauenen Hölzern war das Blockhaus erbaut. Alles wirkte massiv und unzerstörbar, als sollte es ewig dem Sturm, dem Schnee und auch der Sommerhitze trotzen. Als Fensterglas waren Flaschen ohne Hälse dicht nebeneinandergereiht worden. Schwere Läden mit Schießscharten erinnerten an die Indianerkämpfe. Auf dem Dach lasteten schwere Felsbrocken, um ein Abdecken durch den Sturm zu verhindern. Nach dem Berg zu waren wegen der Lawinengefahr im Frühjahr mächtige Stämme in den Boden gerammt worden, die den weißen Tod von der Hütte abwenden sollten.

Zwanzig Schritt neben dem Haus floss ein Wildbach. Auf der Südseite, dem Berge abgewendet, breiteten sich herrliche Weiden aus, die bis hinunter zum Talwald reichten. Dort weideten auch zwei kleine, gedrungene Pferde, wie man sie hier in den Bergen zum Reiten benutzte. Diese beiden Schecken waren rauhaarige und widerstandsfähige Tiere.

Auf der Bank vor der Hütte saß der Trapper, dicht zu seinen Füßen lag ein mächtiger, struppiger Wolfshund.

Ein weißer Vollbart umrahmte das lederne Gesicht des alten Mannes. Aus einer klobigen Pfeife stieg gelb-grauer Tabaksqualm zum Himmel. Unter den buschigen Brauen blitzten zwei Augen, denen man ansah, dass sie in die Ferne zu blicken gewohnt waren. Es war schwer zu schätzen, ob der Alte sechzig oder gar achtzig Jahre alt war. Die ihn kannten, hatten ihn noch nie anders gesehen als weißhaarig, wettergegerbt und grimmig.

Noch älter als der Mann selbst schien seine abgewetzte Lederkleidung zu sein. Eine Farbe war daran nicht mehr festzustellen, oder vielmehr waren es unzählige Farben, in denen die Jacke und die Hosen schimmerten. Der Filzhut könnte einst dunkel gewesen sein, doch jetzt war das mit Gewissheit nicht mehr zu erkennen. Nur ein Gegenstand glänzte und funkelte wie neu: die Jagdbüchse, die an der Bank lehnte. Auch der Revolver, der wie ein Anhängsel am Gürtel des Alten baumelte, machte einen äußerst gepflegten Eindruck.

Der Hund knurrte und blinzelte zum Tal hinunter.

„Treib sie zurück, Danny!“, sagte der Alte mit einer etwas heiseren Stimme.

Der Hund spitzte die Ohren, blickte seinen Herrn einen Augenblick lang an und fegte plötzlich wie aus der Pistole geschossen zu den Pferden hinunter. Dort umkreiste er die beiden Tiere, die sich etwas zu weit dem Wald genähert hatten; er trieb sie mit wütendem Gekläff zurück, auf die Hütte zu.

Die Pferde bockten und schlugen nach Danny aus. Doch der Hund war flink und wendig. Er entging den Schlägen und rächte sich durch ein schnelles Zwicken an den Beinen der Pferde.

Nachdem er die Tiere wieder dem Haus näher getrieben hatte, kehrte der Hund schwanzwedelnd zu seinem Herrn zurück. Er leckte ihm die Knie und die Hand und ließ es sich freundlich knurrend gefallen, dass der Alte ihm den Hals und den Rücken kraulte. Doch plötzlich spitzte er wieder die Ohren.

Der Trapper hielt in seiner Bewegung inne und spähte zum Tal hinunter. Dann griff er nach seiner Büchse und stand auf. Sofort begann der Hund gefährlich zu knurren und sträubte sein Fell.

„Ruhig, Danny!“, murmelte der Alte.

Unten kamen zwei Reiter aus dem Wald. Sie hielten geradewegs auf die Hütte zu.

Der Hund knurrte immer drohender. Geduckt und zum Sprung bereit, stand er da und zeigte die Zähne.

Misstrauisch musterte der Trapper die beiden Ankömmlinge. Dann blinzelte er und wischte sich über die Augen. Hinter dem einen Reiter saß ein Knabe im Sattel.

Gute Pferde!, dachte der Fallensteller. Tiere interessierten ihn mehr als Menschen. Der Fuchs, den der große Blonde ritt, war ein Rassetier! Aber auch der hässliche Bock des anderen Burschen war nicht so übel, wie er aussah!

Die Tiere waren bereits sehr verschieden. Das eine Pferd war ein temperamentvoller Fuchs mit hellem Haar. Die Beine waren oben kräftig und zierlich in den Fesseln. Der Kopf war immer in lebhafter Bewegung und die Ohren spielten ununterbrochen.

Den Gegensatz zu diesem äußerlich sehr schönen Tier bildete der Gaul des anderen Reiters. Es war ein kleineres und struppiges Pferd, ein Rappe, dessen Fell in stumpfem Schwarz mit einem einzelnen grauen Flecken getönt war. Der Schwanz war zerzaust und wirkte ausgefranst. Die Fesseln der Beine waren klobig und wuchtig wie bei einem Ackerpferd. Der Ramskopf gab ihm das Aussehen eines notorischen Beißers und „Mankillers“. Aus den etwas blutunterlaufenen Augen warf das Tier einen bösartigen Blick auf seine Umgebung. Aber die breite Brust und die ausgeprägte Hinterhand ließen auf ein außerordentlich ausdauerndes Pferd schließen.

Jetzt erst betrachtete der Alte die Reiter selbst. Auf dem herrlichen Fuchs saß ein großer, blonder Mann in dunkler Cowboytracht. Sein braungebranntes Gesicht wirkte sympathisch und trotzdem hart. Zwei graublaue Augen sahen aufmerksam auf den Alten. Irgendwie strahlte er Überlegenheit und Besonnenheit aus. Zwei schwere Revolver hingen an den Hüften herunter.

Der andere Reiter war kleiner als sein Partner. Aber er war so sehr Persönlichkeit wie sein eigenartiges Pferd. Die Schultern waren an ihm das Auffälligste; sie waren ungeheuer breit und massig. Auf einem Stierhals saß der kantige Kopf, dessen wuchtiges Kinn Energie und Härte verriet. Nach dem faltigen Ledergesicht zu schließen, war er älter als sein Begleiter, der etwa Ende der Zwanzig, Anfang der Dreißig sein mochte.

Der Trapper hatte Menschenkenntnis. Er sah mit einem Blick, dass diese Fremden zu arbeiten gewohnt waren. Ihre Hände waren breit und voller Narben. Lassonarben!, dachte der Alte. Er sah aber auch, dass diese Männer aus der Masse herausragten, denn beide gehörten, seiner Meinung nach, zum Salz dieser Erde: harte Burschen mit einem Herz am richtigen Fleck.

„Hay, Old Man!“, grüßte der große Blonde freundlich und tippte an seinen schwarzen Hut. „Wir suchen Richard James Hough! Ich will mein Pferd fressen, wenn du das nicht bist!“

„Yeah, und was soll’s?“, brummte der Alte unfreundlich.

Der Blonde ließ sich nicht verdrießen. „Das hier ist mein Freund Buffalo!“ Er zeigte auf den „Breiten“ an seiner Seite. „Ich selbst bin Joe; so nennt man mich jedenfalls!“

„Na und?“, knurrte der Alte und streichelte den Hund beruhigend.

„Wir bringen dir einen Brief!“, erklärte nun der breitschultrige Buffalo. „Und wenn du weiter so ’n Gesicht machst, als wolltest du uns fressen, dann steige ich ab und streichele dir so lange deinen Bart, bis du lachst!“ Er sagte es grinsend und voll guter Laune. „Der Weg, um dich und dein komisches Haus zu finden, war verdammt wert, dass du uns endlich absitzen lässt, Alter!“

Der Trapper brummte etwas Unverständliches. Die Freunde nahmen an, es war die Aufforderung, abzusitzen; sie stiegen ab.

Nun sah der Alte zum ersten Male den Knaben. Das Kind war zwölf Jahre alt, braungebrannt, etwas unsauber, wie Jungen in dem Alter zu sein pflegen, und mit Struwwelhaar auf dem Kopf. Im Augenblick war der Junge etwas gehemmt. Der Hund und der unfreundliche Mann beirrten ihn.

„Dieser Boy ist der, von dem in dem Brief die Rede ist!“, sagte Joe und reichte dem Trapper einen etwas zerknitterten Brief.

Buffalo sattelte die Pferde ab und ließ sie zu den anderen auf die Weide laufen.

Der Hund verfolgte jede Bewegung der Fremden mit größtem Argwohn. Nur der Befehl seines Herrn hielt ihn davon zurück, sich auf die Verdächtigen zu stürzen.

Der Alte hatte es nicht eilig, den Brief zu lesen. Er machte nun Anstalten, etwas von der landesüblichen Gastfreundschaft zu zeigen. „Geht ins Haus!“, knurrte er.

Als Joe ihm folgte und durch die Tür gehen wollte, legte sich der Hund zähnefletschend in den Eingang.

Der Alte schien sich nicht daran zu stören oder hatte es nicht gemerkt.

„He, nimm deinen Bettvorleger weg, bevor ich ihn auseinanderschraube, Alter!“, rief Joe und blieb vor dem knurrenden Hund stehen.

„Danny!“, rief der Alte scharf. Sofort sprang der Hund zur Seite und ließ Joe eintreten. Buffalo nahm den Knaben am Arm und folgte.

Der Raum war höchst primitiv eingerichtet. Ein klobiger Tisch stand in der Mitte, dahinter standen ein Bett, ein Fass, wahrscheinlich ein Stuhlersatz, und ein Gewehrständer, in dem etwa sechs gutgepflegte Büchsen und Flinten lehnten. Die Wand war ringsum mit Nägeln beschlagen, an denen unzählige, nicht gerade appetitlich riechende Kleidungsstücke hingen. Überhaupt stank es in der Hütte nach Tran und Rohleder. Überall auf dem Fußboden, der aus rohen Brettern bestand, lagen leere Flaschen und Dosen herum. Links neben der Tür befand sich das Lager des Hundes: ein Stapel leerer Maissäcke.

Als Buffalo die Tür hinter sich schloss, wurde es plötzlich sehr dunkel im Zimmer, denn durch die schmalen Fenster kam wenig Licht. Die Wände waren vom Rauch des Kamins sehr schwarz und rußig.

„Setzt euch!“, brummte der Alte und ließ sich schwer auf das Holzbett fallen. Dann riss er den Brief auf. Er hielt ihn weit von sich weg, weil seine Augen in der Nähe nicht allzu gut sahen. Es war ein Wunder, dass er bei diesem schlechten Licht überhaupt lesen könnte.

Der Brief war sehr lang. Der Trapper brauchte fast eine halbe Stunde, ehe er damit fertig war. Dann faltete er ihn ohne eine hastige Bewegung wieder zusammen und steckte ihn in das Kuvert. Umständlich kramte er den gesamten Brief in die Jackentasche. Dann erst blickte er den Knaben an.

„Er ist es?“, fragte er nach einer langen Zeit des Schweigens schließlich.

„Yeah, er ist es!“, erwiderte Joe ebenso wortkarg.

Wieder verging einige Zeit. Die Gedanken schienen im Hirn des alten Mannes zu wirbeln. Aber er schwieg.

Die Blicke des Knaben gingen unruhig von einem zum anderen. Buffalos gutmütiges Lächeln beruhigte ihn etwas.

„Wisst ihr, was drin steht?“, fragte der Alte nun und tippte auf seine Jackentasche, wo er den Brief verstaut hatte.

Die beiden Freunde schüttelten den Kopf. Die Blicke des Knaben hingen wie gebannt an den Lippen des wortkargen Trappers.

„Erzählt mir, wie euch mein Bruder den Brief gab!“, sagte der Alte, nun nicht mehr so unfreundlich wie eben.