Der Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch - Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen - ebook

Der Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch ebook

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

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Opis

Dies ist die Lebensgeschichte des jungen Viehhirten, der auf einem Spessart-Bauernhof aufwächst – bildungsfern und ohne seinen Namen zu kennen: Irgendwann plündern Soldaten den Bauernhof, foltern, schänden und morden. Der Zehnjärige entkommt in den Wald. Nach Tagen trifft er auf den alten Einsiedler, der ihn Simplicius, den „Einfältigen“, tauft. Er lehrt ihn christliche Werte, Lesen und Schreiben. Zwei Jahren vergehen, dann wird er mit dem Tod seines „neuen Vaters“ konfrontiert. Das Dorf ist niedergebrannt. Er sieht keinen anderen Ausweg und wird ebenfalls Eremit. Doch auch in der Abgeschiedenheit findet er keine Ruhe, wird nach der Schlacht bei Nördlingen von Soldaten überfallen, seine Winter-Vorräte geplündert. Der letzte testamentarische Rat seines „Vaters“: Selbsterkenntnis, Welterkenntnis und Beständigkeit. Schließlich kommt Simplicius nach Hanau, wird zuerst als Spion verdächtigt, wird Page des Gouverneurs, macht ein grausames Ritual durch, wird später Hofnarr und erfährt mehr über den väterlichen Einsiedler und seine Person und Herkunft. Und er erlebt an verschiedensten Orten Abenteuer, drohende Gefangenschaften, listige Fluchten, Schlachten, wird reich und berüchtigt als Jäger von Soest, duelliert sich mit Soldaten, wird zum Kriegsstrategen, verliebt sich in die Tochter des Oberst, wird in Paris erfolgreicher Opernsänger und Gigolo, wird nach schwerer Krankheit ausgeraubt und als Quacksalber wieder reich, wird mehrfach zum Kriegsdienst gezwungen, vor dem Ertrinken gerettet und flieht nach Rheinhausen, wird von Räubern überfallen, macht eine Wallfahrt, kommt schließlich nach Moskau und macht als Forscher Karriere, wird von Tartaren gefangen genommen und nach Korea gebracht, erlebt viele Abenteuer in Japan, Macao, Ägypten, Konstantinopel und Rom, wird dann von Piraten gefangen genommen und Galeerensklave, will nach seiner nach Fluch Santiago de Compostela in Spanien pilgern, wird Schiffsbrüchiger. Dies ist seine Lebensgeschichte, die er dem Kapitän eines zufällig an der Insel vorbeifahrenden holländischen Schiffes mitgibt.

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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Der Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch

1668, samt der ›Continuatio‹ von 1669

Das erste Buch

Das 1. Kapitel

Vermeldet Simplicii bäurisch Herkommen und gleichförmige Auferziehung

Es eröffnet sich zu dieser unserer Zeit (von welcher man glaubt, daß es die letzte sei) unter geringen Leuten eine Sucht, in der die Patienten, wenn sie daran krank liegen, und so viel zusammen geraspelt und erschachert haben, daß sie neben ein paar Hellern im Beutel ein närrisches Kleid auf die neue Mode mit tausenderlei seidenen Bändern antragen können, oder sonst etwa durch Glücksfall mannhaft und bekannt worden, gleich rittermäßige Herren und adelige Personen von uraltem Geschlecht sein wollen; da sich doch oft befindet, daß ihre Voreltern Taglöhner, Karchelzieher und Lastträger; ihre Vettern Eseltreiber; ihre Brüder Büttel und Schergen; ihre Schwestern Huren; ihre Mütter Kupplerinnen oder gar Hexen; und in Summa ihr ganzes Geschlecht von allen 32 Anichen her also besudelt und befleckt gewesen, als des Zuckerbastels Zunft zu Prag immer sein mögen; ja sie, diese neuen Nobilisten, sind oft selbst so schwarz, als wenn sie in Guinea geboren und erzogen wären worden.

Solchen närrischen Leuten nun mag ich mich nicht gleich stellen, obzwar, die Wahrheit zu bekennen, nicht ohn ist, daß ich mir oft eingebildet, ich müsse ohnfehlbar auch von einem großen Herrn, oder wenigst einem gemeinen Edelmann, meinen Ursprung haben, weil ich von Natur geneigt, das Junkernhandwerk zu treiben, wenn ich nur den Verlag und das Werkzeug dazu hätte. Zwar ohngescherzt, mein Herkommen und Auferziehung läßt sich noch wohl mit eines Fürsten vergleichen, wenn man nur den großen Unterscheid nicht ansehen wollte. Was? Mein Knan (denn also nennet man die Väter im Spessart) hatte einen eignen Palast, so wohl als ein anderer, ja so artlich, dergleichen ein jeder König mit eigenen Händen zu bauen nicht vermag, sondern solches in Ewigkeit wohl unterwegen lassen wird; er war mit Leimen gemalet und anstatt des unfruchtbaren Schiefers, kalten Bleis und roten Kupfers mit Stroh bedeckt, darauf das edel Getreid wächst; und damit er, mein Knan, mit seinem Adel und Reichtum recht prangen möchte, ließ er die Mauer um sein Schloß nicht mit Mauersteinen, die man am Weg findet oder an unfruchtbaren Orten aus der Erden gräbt, viel weniger mit liederlichen gebackenen Steinen, die in geringer Zeit verfertigt und gebrannt werden können, wie andere große Herren zu tun pflegen, aufführen; sondern er nahm Eichenholz dazu, welcher nützliche edle Baum, als worauf Bratwürste und fette Schinken wachsen, bis zu seinem vollständigen Alter über hundert Jahr erfordert: Wo ist ein Monarch, der ihm dergleichen nachtut? Seine Zimmer, Säl' und Gemächer hatte er inwendig vom Rauch ganz erschwarzen lassen, nur darum, dieweil dies die beständigste Farb von der Welt ist, und dergleichen Gemäld bis zu seiner Perfektion mehr Zeit brauchet, als ein künstlicher Maler zu seinen trefflichsten Kunststücken erfordert. Die Tapezereien waren das zarteste Geweb auf dem ganzen Erdboden, denn diejenige machte uns solche, die sich vor alters vermaß, mit der Minerva selbst um die Wett zu spinnen. Seine Fenster waren keiner anderen Ursache halber dem Sant Nitglas gewidmet, als darum, dieweil er wußte, daß ein solches vom Hanf oder Flachssamen an zu rechnen, bis es zu seiner vollkommenen Verfertigung gelangt, weit mehrere Zeit und Arbeit kostet als das beste und durchsichtigste Glas von Muran, denn sein Stand macht' ihm ein Belieben zu glauben, daß alles dasjenige, was durch viel Mühe zuwege gebracht würde, auch schätzbar und desto köstlicher sei, was aber köstlich sei, das sei auch dem Adel am anständigsten. Anstatt der Pagen, Lakaien und Stallknecht hatte er Schaf, Böcke und Säu, jedes fein ordentlich in seine natürliche Liberei gekleidet, welche mir auch oft auf der Weid aufgewartet, bis ich sie heim getrieben. Die Rüst-oder Harnischkammer war mit Pflügen, Kärsten, Äxten, Hauen, Schaufeln, Mist- und Heugabeln genugsam versehen, mit welchen Waffen er sich täglich übet'; denn Hacken und Reuten war seine disciplina militaris wie bei den alten Römern zu Friedenszeiten, Ochsen anspannen war sein hauptmannschaftliches Kommando, Mist ausfahren sein Fortifikationwesen und Ackern sein Feldzug, Stallausmisten aber seine adelige Kurzweil und Turnierspiel; hiermit bestritt er die ganze Weltkugel, soweit er reichen konnte, und jagte ihr damit alle Ernt ein reiche Beut ab. Dieses alles setze ich hintan und überhebe mich dessen ganz nicht, damit niemand Ursach habe, mich mit andern meinesgleichen neuen Nobilisten auszulachen, denn ich schätze mich nicht besser, als mein Knan war, welcher diese seine Wohnung an einem sehr lustigen Ort, nämlich im Spessart liegen hatte, allwo die Wölf einander gute Nacht geben. Daß ich aber nichts Ausführliches von meines Knans Geschlecht, Stamm und Namen für diesmal doziert, geschiehet um geliebter Kürze willen, vornehmlich, weil es ohne das allhier um keine adelige Stiftung zu tun ist, da ich soll auf schwören; genug ists, wenn man weiß, daß ich im Spessart geboren bin.

Gleich wie nun aber meines Knans Hauswesen sehr adelig vermerkt wird, also kann ein jeder Verständige auch leichtlich schließen, daß meine Auferziehung derselben gemäß und ähnlich gewesen; und wer solches dafür hält, findet sich auch nicht betrogen, denn in meinem zehenjährigen Alter hatte ich schon die principia in obgemeldten meines Knans adeligen Exerzitien begriffen, aber der Studien halber konnte ich neben dem berühmten Amphistidi hin passieren, von welchem Suidas meldet, daß er nicht über fünfe zählen konnte; denn mein Knan hatte vielleicht einen viel zu hohen Geist, und folgte dahero dem gewöhnlichen Gebrauch jetziger Zeit, in welcher viel vornehme Leute mit Studieren oder, wie sie es nennen, mit Schulpossen sich nicht viel bekümmern, weil sie ihre Leut haben, der Blackscheißerei abzuwarten. Sonst war ich ein trefflicher Musicus auf der Sackpfeifen, mit der ich schöne Jalemj-Gesäng machen konnte. Aber die Theologiam anbelangend, laß ich mich nicht bereden, daß einer meines Alters damals in der ganzen Christenwelt gewesen sei, der mir darin hätte gleichen mögen, denn ich kennete weder Gott noch Menschen, weder Himmel noch Höll, weder Engel noch Teufel, und wußte weder Gutes noch Böses zu unterscheiden: Dahero ohnschwer zu gedenken, daß ich vermittelst solcher Theologiae wie unsere ersten Eltern im Paradies gelebt, die in ihrer Unschuld von Krankheit, Tod und Sterben, weniger von der Auferstehung nichts gewußt. O edels Leben! (du mögst wohl Eselsleben sagen) in welchem man sich auch nichts um die Medizin bekümmert. Eben auf diesen Schlag kann man mein Erfahrenheit in dem Studio legum und allen andern Künsten und Wissenschaften, soviel in der Welt sind, auch verstehen. ja ich war so perfekt und vollkommen in der Unwissenheit, daß mir unmöglich war zu wissen, daß ich so gar nichts wußte. Ich sage noch einmal, o edles Leben, das ich damals führete! Aber mein Knan wollte mich solche Glückseligkeit nicht länger genießen lassen, sondern schätzte billig sein, daß ich meiner adeligen Geburt gemäß auch adelig tun und leben sollte, derowegen fing er an, mich zu höhern Dingen anzuziehen, und mir schwerere Lectiones aufzugeben.

Das 2. Kapitel

Beschreibet die erste Staffel der Hoheit, welche Simplicius gestiegen, samt dem Lob der Hirten, und angehängter trefflicher Instruktion

Er begabte mich mit der herrlichsten Dignität, so sich nicht allein bei seiner Hofhaltung, sondern auch in der ganzen Welt befand, nämlich mit dem Hirtenamt: Er vertraut' mir erstlich seine Säu, zweitens seine Ziegen, und zuletzt seine ganze Herd Schaf, daß ich selbige hüten, weiden, und vermittelst meiner Sackpfeifen (welcher Klang ohnedas, wie Strabo schreibet, die Schaf und Lämmer in Arabia fett macht) vor dem Wolf beschützen sollte; damals gleichete ich wohl dem David, außer daß jener, anstatt der Sackpfeife, nur eine Harfe hatte, welches kein schlimmer Anfang, sondern ein gut Omen für mich war, daß ich noch mit der Zeit, wenn ich anders das Glück dazu hätte, ein weltberühmter Mann werden sollte; denn von Anbeginn der Welt sind jeweils hohe Personen Hirten gewesen, wie wir denn vom Abel, Abraham, Isaak, Jakob, seinen Söhnen und Mose selbst in der H. Schrift lesen, welcher zuvor seines Schwähers Schaf hüten mußte, ehe er Heerführer und Legislator über 600 000 Mann in Israel ward. Ja, möchte mir jemand vorwerfen, das waren heilige gottergebene Menschen, und keine Spessarter Baurenbuben, die von Gott nichts wußten. Ich muß gestehen, aber was hat meine damalige Unschuld dessen zu entgelten? Bei den alten Heiden fand man sowohl solche Exempla, als bei dem auserwählten Volk Gottes: Unter den Römern sind vornehme Geschlechter gewesen, so sich ohn Zweifel Bubulcos, Statilios, Pomponios, Vitulos, Vitellios, Annios, Capros und dergleichen genennet, weil sie mit dergleichen Vieh umgangen, und solches auch vielleicht gehütet: Zwar Romulus und Remus sind selbst Hirten gewesen; Spartacus, vor welchem sich die ganze römische Macht so hoch entsetzet, war ein Hirt. Was? Hirten sind gewesen (wie Lucianus in seinem Dialogo Helenae bezeuget) Paris, Priami des Königs Sohn, und Anchises, des trojanischen Fürsten Aeneae Vater; der schöne Endymion, um welchen die keusche Luna selbst gebuhlet, war auch ein Hirt; item der greuliche Polyphemus; ja die Götter selbst (wie Phornutus sagt) haben sich dieser Profession nicht geschämt, Apollo hütet' Admeti, des Königs in Thessalia, Kühe, Mercurius, sein Sohn Daphnis, Pan und Proteus waren Erzhirten, dahero sind sie noch bei den närrischen Poeten der Hirten Patrone; Mesa, König in Moab, ist, wie man im zweiten Buch der König' lieset, ein Hirt gewesen, Cyrus, der gewaltige König Persarum, ist nicht allein von Mithridate, einem Hirten, erzogen worden, sondern hat auch selbst gehütet; Gyges war ein Hirt, und hernach durch Kraft eines Rings ein König. Ismael Sophi, ein persischer König, hat in seiner Jugend ebenmäßig das Vieh gehütet, also daß Philo der Jud in Vita Mosis trefflich wohl von der Sach redet, wenn er sagt: Das Hirtenamt sei ein Vorbereitung und Anfang zum Regiment; denn gleichwie die Bellicosa und Martialia Ingenia erstlich auf der Jagd geübt und angeführt werden, also soll man auch diejenigen, so zum Regiment gezogen sollen werden, erstlich in dem lieblichen und freundlichen Hirtenamt anleiten. Welches alles mein Knan wohl verstanden haben muß, und mir noch bis auf diese Stund keine geringe Hoffnung zu künftiger Herrlichkeit macht.

Aber indessen wieder zu meiner Herd' zu kommen, so wisset, daß ich den Wolf ebensowenig kennet', als meine eigene Unwissenheit selbst; derowegen war mein Knan mit seiner Instruktion desto fleißiger. Er sagte: »Bub bis fleißig, loß di Schoff nit ze wit vunananger laffen, un spill wacker uff der Sackpfeiffa, daß der Wolf nit komm, und Schada dau, denn he is a solcher veirboinigter Schelm und Dieb, der Menscha und Vieha frißt, un wenn dau awer farlässi bist, so will eich dir da Buckel arauma.« Ich antwortet mit gleicher Holdseligkeit: »Knano, sag mir aa, wei der Wolf seihet? Eich huun noch kan Wolf gesien.« »Ah dau grober Eselkopp«, repliziert' er hinwieder, »dau bleiwest dein Lewelang a Narr, geit meich wunner, was aus dir wera wird, bist schun su a grußer Dölpel, un waist noch neit, was der Wolf für a veirfeußiger Schelm is.« Er gab mir noch mehr Unterweisungen, und wurde zuletzt unwillig, maßen er mit einem Gebrümmel fortging, weil er sich bedünken ließ, mein grober Verstand könnte seine subtilen Unterweisungen nicht fassen.

Das 3. Kapitel

Meldet von dem Mitleiden einer getreuen Sackpfeif

Da fing ich an mit meiner Sackpfeifen so gut Geschirr zu machen, daß man den Krotten im Krautgarten damit hätte vergeben mögen, also daß ich vor dem Wolf, welcher mir stetig im Sinn lag, mich sicher genug zu sein bedünkte; und weilen ich mich meiner Meuder erinnert' (also heißen die Mütter im Spessart und am Vogelsberg), daß sie oft gesagt, sie besorge, die Hühner würden dermaleins von meinem Gesang sterben, also beliebte mir auch zu singen, damit das Remedium wider den Wolf desto kräftiger wäre, und zwar ein solch Lied, das ich von meiner Meuder selbst gelernet hatte.

Du sehr-verachter Bauren-Stand,Bist doch der beste in dem Land,Kein Mann dich gnugsam preisen kann,Wann er dich nur recht siehet an.

Wie stünd es jetzund um die Welt,Hätt Adam nicht gebaut das Feld,Mit Hacken nährt sich anfangs der,Von dem die Fürsten kommen her.

Es ist fast alles unter dir,ja was die Erd nur bringt herfür,Wovon ernähret wird das Land,Geht dir anfänglich durch die Hand.

Der Kaiser, den uns Gott gegeben,Uns zu beschützen, muß doch lebenVon deiner Hand, auch der Soldat,Der dir doch zufügt manchen Schad.

Fleisch zu der Speis zeugst auf allein,Von dir wird auch gebaut der Wein,Dein Pflug der Erden tut so not,Daß sie uns gibt genugsam Brot.

Die Erde wär ganz wild durchaus,Wann du auf ihr nicht hieltest Haus,Ganz traurig auf der Welt es stünd,Wenn man kein Bauersmann mehr fünd.

Drum bist du billig hoch zu ehrn,Weil du uns alle tust ernährn,Die Natur liebt dich selber auch,Gott segnet deinen Bauren-Brauch.

Vom bitter-bösen PodagramHört man nicht, daß an Bauren kam,Das doch den Adel bringt in Not,Und manchen Reichen gar in Tod.

Der Hoffart bist du sehr befreit,Absonderlich zu dieser Zeit,Und daß sie auch nicht sei dein Herr,So gibt dir Gott des Kreuzes mehr.

Ja der Soldaten böser BrauchDient gleichwohl dir zum Besten auch,Daß Hochmut dich nicht nehme ein,Sagt er: Dein Hab und Gut ist mein.

Es ist fast alles unter dir, ja was die Erd nur bringt herfür, Wovon ernähret wird das Land, Geht dir anfänglich durch die Hand. Der Kaiser, den uns Gott gegeben, Uns zu beschützen, muß doch leben Von deiner Hand, auch der Soldat, Der dir doch zufügt manchen Schad. Fleisch zu der Speis zeugst auf allein, Von dir wird auch gebaut der Wein, Dein Pflug der Erden tut so not, Daß sie uns gibt genugsam Brot. Die Erde wär ganz wild durchaus, Wann du auf ihr nicht hieltest Haus, Ganz traurig auf der Welt es stünd, Wenn man kein Bauersmann mehr fünd. Drum bist du billig hoch zu ehrn, Weil du uns alle tust ernährn, Die Natur liebt dich selber auch, Gott segnet deinen Bauren-Brauch. Vom bitter-bösen Podagram Hört man nicht, daß an Bauren kam, Das doch den Adel bringt in Not, Und manchen Reichen gar in Tod. Der Hoffart bist du sehr befreit, Absonderlich zu dieser Zeit, Und daß sie auch nicht sei dein Herr, So gibt dir Gott des Kreuzes mehr. Ja der Soldaten böser Brauch Dient gleichwohl dir zum Besten auch, Daß Hochmut dich nicht nehme ein, Sagt er: Dein Hab und Gut ist mein. Mähr mit mir dahin, in einem stetigen Trab, wie das Primum mobile, bis in meines Knans Hof. Wunderseltsame Tauben stiegen mir damals ins Hirn, denn ich bildete mir ein, weil ich auf einem solchen Tier säße, dergleichen ich niemals gesehen hatte, so würde ich auch in einen eisernen Kerl verändert werden, weil aber solche Verwandlung nicht folgte, kamen mir andere Grillen in Kopf, ich gedachte, diese fremden Dinger wären nur zu dem Ende da, mir die Schafe helfen heimzutreiben, sintemal keiner von ihnen keines hinwegfraß, sondern alle so einhellig, und zwar des geraden Wegs, meines Knans Hof zueileten. Derowegen sah ich mich fleißig nach meinem Knan um, ob er und mein Meuder uns nicht bald entgegen gehen, und uns willkomm sein heißen wollten; aber vergebens, er und meine Meuder, samt unserm Ursele, welches meines Knans einzige Tochter war, hatten die Hintertür troffen, und wollten dieser Gäst nicht erwarten.

Das 4. Kapitel

Simplicii Residenz wird erobert, geplündert und zerstört, darin die Krieger jämmerlich hausen

Wiewohl ich nicht bin gesinnet gewesen, den friedliebenden Leser mit diesen Reutern in meines Knans Haus und Hof zu führen, weil es schlimm genug darin hergehen wird: So erfordert jedoch die Folge meiner Histori, daß ich der lieben Posterität hinterlasse, was für Grausamkeiten in diesem unserm Teutschen Krieg hin und wieder verübet worden, zumalen mit meinem eigenen Exempel zu bezeugen, daß alle solche Übel von der Güte des Allerhöchsten, zu unserm Nutz, oft notwendig haben verhängt werden müssen: Denn lieber Leser, wer hätte mir gesagt, daß ein Gott im Himmel wäre, wenn keine Krieger meines Knans Haus zernichtet und mich durch solche Fahung unter die Leut gezwungen hätten, von denen ich genugsamen Bericht empfangen? Kurz zuvor konnte ich nichts anders wissen noch mir einbilden, als daß mein Knan, Meuder, ich und das übrige Hausgesind allein auf Erden sei, weil mir sonst kein Mensch noch einzige andere menschliche Wohnung bekannt war, als diejenige, darin ich täglich aus-und einging: Aber bald hernach erfuhr ich die Herkunft der Menschen in diese Welt, und daß sie wieder daraus müßten; ich war nur mit der Gestalt ein Mensch, und mit dem Namen ein Christenkind, im übrigen aber nur eine Bestia! Aber der Allerhöchste sah meine Unschuld mit barmherzigen Augen an, und wollte mich beides zu seiner und meiner Erkenntnis bringen: Und wiewohl er tausenderlei Weg hierzu hatte, wollte er sich doch ohn Zweifel nur desjenigen bedienen, in welchem mein Knan und Meuder, andern zum Exempel, wegen ihrer liederlichen Auferziehung gestraft würden.

Das erste, das diese Reuter taten, war, daß sie ihre Pferd einstellten, hernach hatte jeglicher seine sonderbare Arbeit zu verrichten, deren jede lauter Untergang und Verderben anzeigte, denn obzwar etliche anfingen zu metzgen, zu sieden und zu braten, daß es sah, als sollte ein lustig Bankett gehalten werden, so waren hingegen andere, die durchstürmten das Haus unten und oben, ja das heimlich Gemach war nicht sicher, gleichsam ob wäre das gülden Fell von Kolchis darinnen verborgen; Andere machten von Tuch, Kleidungen und allerlei Hausrat große Päck zusammen, als ob sie irgends ein Krempelmarkt anrichten wollten, was sie aber nicht mitzunehmen gedachten, wurde zerschlagen, etliche durchstachen Heu und Stroh mit ihren Degen, als ob sie nicht Schaf und Schwein genug zu stechen gehabt hätten, etliche schütteten die Federn aus den Betten, und fülleten hingegen Speck, andere dürr Fleisch und sonst Gerät hinein, als ob alsdann besser darauf zu schlafen gewesen wäre; Andere schlugen Ofen und Fenster ein, gleichsam als hätten sie ein ewigen Sommer zu verkündigen, Kupfer und Zinnengeschirr schlugen sie zusammen, und packten die gebogenen und verderbten Stück ein, Bettladen, Tisch, Stühl und Bänk verbrannten sie, da doch viel Klafter dürr Holz im Hof lag, Hafen und Schüsseln mußte endlich alles entzwei, entweder weil sie lieber Gebraten aßen, oder weil sie bedacht waren, nur ein einzige Mahlzeit allda zu halten; unser Magd ward im Stall dermaßen traktiert, daß sie nicht mehr daraus gehen konnte, welches zwar eine Schand ist zu melden! den Knecht legten sie gebunden auf die Erd, stecketen ihm ein Sperrholz ins Maul, und schütteten ihm einen Melkkübel voll garstig Mistlachenwasser in Leib, das nenneten sie ein Schwedischen Trunk, wodurch sie ihn zwangen, eine Partei anderwärts zu führen, allda sie Menschen und Vieh hinwegnahmen, und in unsern Hof brachten, unter welchen mein Knan, mein Meuder und unser Ursele auch waren.

Da fing man erst an, die Stein von den Pistolen, und hingegen an deren Statt der Bauren Daumen aufzuschrauben, und die armen Schelmen so zu foltern, als wenn man hätt Hexen brennen wollen, maßen sie auch einen von den gefangenen Bauren bereits in Backofen steckten, und mit Feuer hinter ihm her waren, ohnangesehen er noch nichts bekannt hatte; einem andern machten sie ein Seil um den Kopf und reitelten es mit einem Bengel zusammen, daß ihm das Blut zu Mund, Nas und Ohren heraus sprang. In Summa, es hatte jeder seine eigene Invention, die Bauren zu peinigen, und also auch jeder Bauer seine sonderbare Marter. Allein mein Knan war meinem damaligen Bedünken nach der glückseligste, weil er mit lachendem Mund bekennete, was andere mit Schmerzen und jämmerlicher Weheklag sagen mußten, und solche Ehre widerfuhr ihm ohne Zweifel darum, weil er der Hausvater war, denn sie setzten ihn zu einem Feuer, banden ihn, daß er weder Händ noch Füß regen konnte, und rieben seine Fußsohlen mit angefeuchtem Salz, welches ihm unser alte Geiß wieder ablecken, und dadurch also kitzeln mußte, daß er vor Lachen hätte zerbersten mögen; das kam so artlich, daß ich Gesellschaft halber, oder weil ichs nicht besser verstund, von Herzen mitlachen mußte. In solchem Gelächter bekannte er seine Schuldigkeit, und öffnet' den verborgenen Schatz, welcher von Gold, Perlen und Kleinodien viel reicher war, als man hinter Bauren hätte suchen mögen. Von den gefangenen Weibern, Mägden und Töchtern weiß ich sonderlich nichts zu sagen, weil mich die Krieger nicht zusehen ließen, wie sie mit ihnen umgingen: Das weiß ich noch wohl, daß man teils hin und wider in den Winkeln erbärmlich schreien hörte, schätze wohl, es sei meiner Meuder und unserm Ursele nit besser gangen als den andern. Mitten in diesem Elend wendet ich Braten, und half nachmittag die Pferd tränken, durch welches Mittel ich zu unserer Magd in Stall kam, welche wunderwerklich zerstrobelt aussah, ich kennete sie nicht, sie aber sprach zu mir mit kränklicher Stimm: »O Bub lauf weg, sonst werden dich die Reuter mitnehmen, guck daß du davonkommst, du siehest wohl, wie es so übel«; mehrers konnte sie nicht sagen.

Das 5. Kapitel

Wie Simplicius das Reiß-aus spielt und von faulen Bäumen erschrecket wird

Da machte ich gleich den Anfang, meinen unglücklichen Zustand, den ich vor Augen sah, zu betrachten, und zu gedenken, wie ich mich förderlichst ausdrehen möchte; wohin aber? dazu war mein Verstand viel zu gering, einen Vorschlag zu tun, doch hat es mir so weit gelungen, daß ich gegen Abend in Wald bin entsprungen. Wo nun aber weiters hinaus? sintemal mir die Wege und der Wald so wenig bekannt waren, als die Straß durch das gefrorne Meer, hinter Nova Zembla, bis gen China hinein: die stockfinstere Nacht bedeckte mich zwar zu meiner Versicherung, jedoch bedeuchte sie meinen finstern Verstand nicht finster genug, dahero verbarg ich mich in ein dickes Gesträuch, da ich sowohl das Geschrei der gedrillten Bauren, als den Gesang der Nachtigallen hören konnte, welche Vögelein sie, die Bauren, von welchen man teils auch Vögel zu nennen pflegt, nicht angesehen hatten, mit ihnen Mitleiden zu tragen, oder ihres Unglücks halber den lieblichen Gesang einzustellen, darum legte ich mich auch ohn alle Sorge auf ein Ohr, und entschlief. Als aber der Morgenstern im Osten hervorflackerte, sah ich meines Knans Haus in voller Flamme stehen, aber niemand der zu löschen begehrte; ich begab mich hervor, in Hoffnung, jemand von meinem Knan anzutreffen, wurde aber gleich von fünf Reutern erblickt, und angeschrien: »Junge, komm heröfer, oder schall mi de Tüfel halen, ick schiete dik, dat di de Dampf zum Hals utgaht.« Ich hingegen blieb ganz stockstill stehen, und hatte das Maul offen, weil ich nicht wußte, was der Reuter wollte oder meinte, und indem ich sie so ansah, wie ein Katz ein neu Scheurtor, sie aber wegen eines Morastes nicht zu mir kommen konnten, welches sie ohn Zweifel rechtschaffen vexierte, lösete der eine seinen Karbiner auf mich, von welchem urplötzlichen Feuer und unversehnlichem Klapf, den mir Echo durch vielfältige Verdoppelung grausamer machte, ich dermaßen erschreckt ward, weil ich dergleichen niemals gehöret oder gesehen hatte, daß ich alsobald zur Erden niederfiel, ich regete vor Angst keine Ader mehr, und wiewohl die Reuter ihres Wegs fortritten, und mich ohn Zweifel für tot liegen ließen, so hatte ich jedoch denselbigen ganzen Tag das Herz nicht, mich aufzurichten; Als mich aber die Nacht wieder ergriff, stund ich auf, und wanderte so lang im Wald fort, bis ich von fern einen faulen Baum schimmern sah, welcher mir ein neue Furcht einjagte, kehrete derowegen sporenstreichs wieder um, und ging so lang, bis ich wieder einen andern dergleichen Baum erblickte, von dem ich mich gleichfalls wieder fortmachte, und auf diese Weise die Nacht mit Hin- und Widerrennen, von einem faulen Baum zum andern, vertrieb, zuletzt kam nur der liebe Tag zu Hilf, welcher den Bäumen gebot, mich in seiner Gegenwart ohnbetrübt zu lassen, aber hiermit war mir noch nichts geholfen, denn mein Herz steckte voll Angst und Furcht, die Schenkel voll Müdigkeit, der leere Magen voll Hunger, das Maul voll Durst, das Hirn voll närrischer Einbildung, und die Augen voller Schlaf: Ich ging dennoch fürder, wußte aber nicht wohin, je weiter ich aber ging, je tiefer ich von den Leuten hinweg in Wald kam: Damals stund ich aus und empfand (jedoch ganz unvermerkt) die Wirkung des Unverstands und der Unwissenheit, wenn ein unvernünftig Tier an meiner Stell gewesen wäre, so hätte es besser gewußt, was es zu seiner Erhaltung hätte tun sollen, als ich, doch war ich noch so witzig, als mich abermal die Nacht ereilte, daß ich in einen hohlen Baum kroch, mein Nachtlager darinnen zu halten.

Das 6. Kapitel

Ist kurz und so andächtig, daß dem Simplicio darüber ohnmächtig wird

Kaum hatte ich mich zum Schlaf akkommodieret, da hörete ich folgende Stimm: »O große Liebe, gegen uns undankbare Menschen! Ach mein einziger Trost! mein Hoffnung, mein Reichtum, mein Gott!« und so dergleichen mehr, das ich nicht alles merken noch verstehen können.

Dieses waren wohl Wort, die einen Christenmenschen, der sich in einem solchen Stand, wie ich mich dazumal befunden, billig aufmuntern, trösten und erfreuen hätten sollen: Aber, o Einfalt und Unwissenheit! es waren mir nur böhmische Dörfer, und alles ein ganz unverständliche Sprach, aus der ich nicht allein nichts fassen konnte, sondern auch eine solche, vor deren Seltsamkeit ich mich entsetzte; da ich aber hörete, daß dessen, der sie redete, Hunger und Durst gestillt werden sollte, riet mir mein ohnerträglicher Hunger, mich auch zu Gast zu laden, derowegen faßte ich das Herz, wieder aus meinem hohlen Baum zu gehen, und mich der gehörten Stimm zu nähern, da wurde ich eines großen Manns gewahr, in langen schwarzgrauen Haaren, die ihm ganz verworren auf den Achseln herum lagen, er hatte einen wilden Bart, fast formiert wie ein Schweizerkäs, sein Angesicht war zwar bleichgelb und mager, aber doch ziemlich lieblich, und sein langer Rock mit mehr als tausend Stückern von allerhand Tuch überflickt und aufeinandergesetzt, um Hals und Leib hatte er ein schwere eiserne Ketten gewunden wie S. Wilhelmus, und sah sonst in meinen Augen so scheußlich und fürchterlich aus, daß ich anfing zu zittern, wie ein nasser Hund, was aber meine Angst mehret', war, daß er ein Kruzifix ungefähr sechs Schuh lang an seine Brust drückte, und weil ich ihn nicht kennete, konnte ich nichts anders ersinnen, als dieser alte Greis müßte ohn Zweifel der Wolf sein, davon mir mein Knan kurz zuvor gesagt hatte: In solcher Angst wischte ich mit meiner Sackpfeif hervor, welche ich als meinen einzigen Schatz noch vor den Reutern salviert hatte; ich blies zu, stimmte an, und ließ mich gewaltig hören, diesen greulichen Wolf zu vertreiben, über welcher jählingen und ohngewöhnlichen Musik, an einem so wilden Ort, der Einsiedel anfänglich nicht wenig stutzte, ohn Zweifel vermeinend, es sei etwa ein teuflisch Gespenst hinkommen, ihn, wie etwa dem großen Antonio widerfahren, zu tribulieren, und seine Andacht zu zerstören: Sobald er sich aber wieder erholete, spottet' er meiner, als seines Versuchers im hohlen Baum, wo hinein ich mich wieder retiriert hatte, ja er war so getrost, daß er gegen mich ging, den Feind des menschlichen Geschlechts genugsam auszuhöhnen. »Ha«, sagte er, »du bist ein Gesell dazu, die Heiligen ohne göttliches Verhängnis« etc. mehrers habe ich nicht verstanden, denn seine Näherung ein solch Grausen und Schrecken in mir erregte, daß ich des Amts meiner Sinne beraubt wurde, und dorthin in Ohnmacht niedersank.

Das 7. Kapitel

Simplicius wird in einer armen Herberg freundlich traktiert

Wasgestalten mir wieder zu mir selbst geholfen worden, weiß ich nicht, aber dieses wohl, daß der Alte meinen Kopf in seinem Schoß, und vorn meine Juppen geöffnet gehabt, als ich mich wieder erholete; da ich den Einsiedler so nahe bei mir sah, fing ich ein solch grausam Geschrei an, als ob er mir im selben Augenblick das Herz aus dem Leib hätte reißen wollen. Er aber sagte: »Mein Sohn, schweig, ich tue dir nichts, sei zufrieden« etc. je mehr er mich aber tröstete, und mir liebkoste, je mehr ich schrie: »O du frißt mich! O du frißt mich! du bist der Wolf, und willst mich fressen.« »Ei ja wohl nein, mein Sohn«, sagte er, »sei zufrieden, ich freß dich nicht.« Dies Gefecht währete lang, bis ich mich endlich so weit ließ weisen, mit ihm in seine Hütten zu gehen, darin war die Armut selbst Hofmeisterin, der Hunger Koch, und der Mangel Küchenmeister, da wurde mein Magen mit einem Gemüs und Trunk Wassers gelabt, und mein Gemüt, so ganz verwirret war, durch des Alten tröstliche Freundlichkeit wieder aufgericht und zurecht gebracht: Derowegen ließ ich mich durch die Anreizung des süßen Schlafes leicht betören, der Natur solche Schuldigkeit abzulegen. Der Einsiedel merkte meine Notdurft, darum ließ er mir den Platz allein in seiner Hütten, weil nur einer darin liegen konnte; ohngefähr um Mitternacht erwachte ich wieder, und hörete ihn folgendes Lied singen, welches ich hernach auch gelernet:

Komm Trost der Nacht, o Nachtigall,Laß deine Stimm mit FreudenschallAufs lieblichste erklingen.Komm, komm, und lob den Schöpfer dein,Weil andre Vöglein schlafen sein,Und nicht mehr mögen singen: Laß dein Stimmlein Laut erschallen, dann vor allen Kannst du lobenGott im Himmel hoch dort oben.

Ob schon ist hin der Sonnenschein,Und wir im Finstern müssen sein,So können wir doch singenVon Gottes Güt und seiner Macht,Weil uns kann hindern keine Nacht,Sein Lob zu vollenbringen. Drum dein Stimmlein Laß erschallen, dann vor allen Kannst du lobenGott im Himmel hoch dort oben.

Echo, der wilde Widerhall,Will sein bei diesem Freudenschall,Und lässet sich auch hören;Verweist uns alle Müdigkeit,Der wir ergeben allezeit,Lehrt uns den Schlaf betören. Drum dein Stimmlein etc.

Die Sterne, so am Himmel stehn,Lassen sich zum Lob Gottes sehn,Und tun ihm Ehr beweisen;Auch die Eul die nicht singen kann,Zeigt doch mit ihrem Heulen an,Daß sie Gott auch tu preisen. Drum dein Stimmlein etc.

Nur her mein liebstes Vögelein,Wir wollen nicht die Fäulsten sein,Und schlafend liegen bleiben,Sondern bis daß die MorgenrötErfreuet diese Wälder öd,Im Lob Gottes vertreiben. Laß dein Stimmlein Laut erschallen, dann vor allen Kannst du lobenGott im Himmel hoch dort oben.

Laut erschallen, dann vor allen Kannst du loben Gott im Himmel hoch dort oben. Ob schon ist hin der Sonnenschein, Und wir im Finstern müssen sein, So können wir doch singen Von Gottes Güt und seiner Macht, Weil uns kann hindern keine Nacht, Sein Lob zu vollenbringen. Drum dein Stimmlein Laß erschallen, dann vor allen Kannst du loben Gott im Himmel hoch dort oben. Echo, der wilde Widerhall, Will sein bei diesem Freudenschall, Und lässet sich auch hören; Verweist uns alle Müdigkeit, Der wir ergeben allezeit, Lehrt uns den Schlaf betören. Drum dein Stimmlein etc. Die Sterne, so am Himmel stehn, Lassen sich zum Lob Gottes sehn, Und tun ihm Ehr beweisen; Auch die Eul die nicht singen kann, Zeigt doch mit ihrem Heulen an, Daß sie Gott auch tu preisen. Drum dein Stimmlein etc. Nur her mein liebstes Vögelein, Wir wollen nicht die Fäulsten sein, Und schlafend liegen bleiben, Sondern bis daß die Morgenröt Erfreuet diese Wälder öd, Im Lob Gottes vertreiben. Laß dein Stimmlein Laut erschallen, dann vor allen Kannst du loben Gott im Himmel hoch dort oben. 

Das 8. Kapitel

Wie Simplicius durch hohe Reden seine Vortrefflichkeit zu erkennen gibt

Einsiedel: Wie heißest du?

Simplicius: Ich heiße Bub.

Eins.: Ich sehe wohl, daß du kein Mägdlein bist, wie hat dir aber dein Vater und Mutter gerufen?

Simpl.: Ich habe keinen Vater oder Mutter gehabt.

Eins.: Wer hat dir denn das Hemd geben?

Simpl.: Ei mein Meuder.

Eins.: Wie heißet' dich denn dein Meuder?

Simpl.: Sie hat mich Bub geheißen, auch Schelm, ungeschickter Tölpel und Galgenvogel.

Eins.: Wer ist denn deiner Mutter Mann gewesen?

Simpl.: Niemand.

Eins.: Bei wem hat denn dein Meuder des Nachts geschlafen?

Simpl.: Bei meinem Knan.

Eins.: Wie hat dich denn dein Knan geheißen?

Simpl.: Er hat mich auch Bub genennet.

Eins.: Wie hieß aber dein Knan?

Simpl.: Er heißt Knan.

Eins.: Wie hat ihm aber dein Meuder gerufen?

Simpl.: Knan, und auch Meister.

Eins.: Hat sie ihn niemals anders genennet?

Simpl.: Ja, sie hat.

Eins.: Wie denn?

Simpl.: Rülp, grober Bengel, volle Sau, und noch wohl anders, wenn sie haderte.

Eins.: Du bist wohl ein unwissender Tropf, daß du weder deiner Eltern noch deinen eignen Namen nicht weißt!

Simpl.: Eia, weißt dus doch auch nicht.

Eins.: Kannst du auch beten?

Simpl.: Nein, unser Ann und mein Meuder haben als das Bett gemacht.

Eins.: Ich frage nicht hiernach, sondern ob du das Vaterunser kannst?

Simpl.: Ja ich.

Eins.: Nun so sprichs denn.

Simpl.: Unser lieber Vater, der du bist Himmel, heiliget werde Nam, zu kommes d'Reich, dein Will scheh Himmel ad Erden, gib uns Schuld, als wir unsern Schuldigern geba, führ uns nicht in kein böß Versucha, sondern erlös uns von dem Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Ama.

Eins.: Bist du nie in die Kirchen gangen?

Simpl.: Ja, ich kann wacker steigen, und hab als ein ganzen Busem voll Kirschen gebrochen.

Eins.: Ich sage nicht von Kirschen, sondern von der Kirchen.

Simpl.: Haha, Kriechen; gelt es sind so kleine Pfläumlein? Gelt du?

Eins.: Ach daß Gott walte, weißt du nichts von unserm Herr Gott?

Simpl.: Ja, er ist daheim an unserer Stubentür gestanden auf dem Helgen, mein Meuder hat ihn von der Kürbe mitgebracht, und hingekleibt.

Eins.: Ach gütiger Gott, nun erkenne ich erst, was für eine große Gnad und Wohltat es ist, wem du deine Erkenntnis mitteilest, und wie gar nichts ein Mensch sei, dem du solche nicht gibst: Ach Herr verleihe nur deinen heiligen Namen also zu ehren, daß ich würdig werde, um diese hohe Gnad so eifrig zu danken, als freigebig du gewesen, mir solche zu verleihen: Höre du Simpl (denn anders kann ich dich nicht nennen) wenn du das Vaterunser betest, so mußt du also sprechen: Vater unser, der du bist im Himmel, geheiliget werde dein Nam, zukomme uns dein Reich, dein Will geschehe auf Erden wie im Himmel, unser täglich Brot gib uns heut, und -

Simpl.: Gelt du, auch Käs dazu?

Eins.: Ach liebes Kind, schweige und lerne, solches ist dir viel nötiger als Käs, du bist wohl ungeschickt, wie dein Meuder gesagt hat, solchen Buben wie du bist, stehet nicht an, einem alten Mann in die Red zu fallen, sondern zu schweigen, zuzuhören und zu lernen, wüßte ich nur, wo deine Eltern wohneten, so wollte ich dich gerne wieder hinbringen, und sie zugleich lehren, wie sie Kinder erziehen sollten.

Simpl.: Ich weiß nicht, wo ich hin soll - unser Haus ist verbrennet, und mein Meuder hinweggelaufen, und wieder kommen mit dem Ursele, und mein Knan auch, und unser Magd ist krank gewesen, und ist im Stall gelegen.

Eins.: Wer hat denn das Haus verbrennt?

Simpl.: Ha, es sind so eiserne Männer kommen, die sind so auf Dingern gesessen, groß wie Ochsen, haben aber keine Hörner, dieselben Männer haben Schafe und Kühe und Säu gestochen, und da bin ich auch weggelaufen, und da ist danach das Haus verbrennt gewesen.

Eins.: Wo war denn dein Knan?

Simpl.: Ha, die eisernen Männer haben ihn angebunden, da hat ihm unser alte Geiß die Füß geleckt, da hat mein Knan lachen müssen, und hat denselben eisernen Mannen viel Weißpfennig geben, große und kleine, auch hübsche gelbe, und sonst schöne glitzerichte Dinger, und hübsche Schnür voll weißer Kügelein.

Eins.: Wann ist dies geschehen?

Simpl.: Ei wie ich der Schaf hab hüten sollen, sie haben mir auch mein Sackpfeif wollen nehmen.

Eins.: Wann hast du der Schaf sollen hüten?

Simpl.: Ei hörst dus nicht, da die eisernen Männer kommen sind, und danach hat unser Ann gesagt, ich soll auch weglaufen, sonst würden mich die Krieger mitnehmen, sie hat aber die eisernen Männer gemeiner, und da sein ich weggelaufen, und sein hieher kommen.

Eins.: Wo hinaus willst du aber jetzt?

Simpl.: Ich weiß weger nit, ich will bei dir hier bleiben.

Eins.: Dich hier zu behalten, ist weder mein noch dein Gelegenheit, iß, alsdann will ich dich wieder zu Leuten führen.

Simpl.: Ei so sag mir denn auch, was Leut für Dinger sind?

Eins.: Leut sind Menschen wie ich und du, dein Knan, dein Meuder und euer Ann sind Menschen, und wenn deren viel beieinander sind, so werden sie Leut genennt.

Simpl.: Haha.

Eins.: Nun geh und iß.

Dies war unser Diskurs, unter welchem mich der Einsiedel oft mit den allertiefsten Seufzern anschauete, nicht weiß ich, ob es darum geschah, weil er ein so groß Mitleiden mit meiner Einfalt und Unwissenheit hatte, oder aus der Ursach, die ich erst über etliche Jahr hernach erfuhr.

Das 9. Kapitel

Simplicius wird aus einer Bestia zu einem Christenmenschen

Ich fing an zu essen und hörete auf zu papplen, welches nicht länger währete, als bis ich nach Notdurft gefuttert hatte, und mich der Alte fortgehen hieß: Da suchte ich die allerzartesten Worte hervor, die mir mein bäurische Grobheit immermehr eingeben konnte, welche alle dahin gingen, den Einsiedel zu bewegen, daß er mich bei sich behielte: Ob es ihm nun zwar beschwerlich gefallen, meine verdrießliche Gegenwart zu gedulden, so hat er jedoch beschlossen, mich bei sich zu leiden, mehr, daß er mich in der christlichen Religion unterrichtete, als sich in seinem vorhandenen Alter meiner Dienste zu bedienen, seine größte Sorg war, mein zarte Jugend dürfte eine solche harte Art zu leben in die Länge nit ausharren mögen.

Eine Zeit von ungefähr drei Wochen war mein Probierjahr, in welcher eben S. Gertraud mit den Gärtnern zu Feld lag, also daß ich mich auch in deren Profession gebrauchen ließ, ich hielt mich so wohl, daß der Einsiedel ein sonderliches Gefallen an mir hatte, nicht zwar der Arbeit halber, so ich zuvor zu vollbringen gewohnet war, sondern weil er sah, daß ich ebenso begierig seine Unterweisungen hörete, als geschickt die wachsweiche und zwar noch glatte Tafel meines Herzens solche zu fassen sich erzeigte. Solcher Ursachen halber wurde er auch desto eifriger, mich in allem Guten anzuführen, er machte den Anfang seiner Unterrichtungen vom Fall Luzifers, von dannen kam er in das Paradeis, und als wir mit unsern Eltern daraus verstoßen wurden, passierte er durch das Gesetz Mosis, und lehrete mich vermittelst der zehen Gebot Gottes und ihrer Auslegungen (von denen er sagte, daß sie ein wahre Richtschnur seien, den Willen Gottes zu erkennen, und nach denselben ein heiliges Gott wohlgefälliges Leben anzustellen) die Tugenden von den Lastern zu unterscheiden, das Gute zu tun, und das Böse zu lassen: Endlich kam er auf das Evangelium, und sagte mir von Christi Geburt, Leiden, Sterben und Auferstehung; zuletzt beschloß ers mit dem jüngsten Tag, und stellet' mir Himmel und Höll vor Augen, und solches alles mit gebührenden Umständen, doch nit mit gar zu überflüssiger Weitläufigkeit, sondern wie ihn dünkte, daß ichs am allerbesten fassen und verstehen möchte; wann er mit einer materia fertig war, hub er ein andere an, und wußte sich bisweilen in aller Geduld nach meinen Fragen so artlich zu regulieren und mit mir zu verfahren, daß er mirs auch nicht besser hätte eingießen können; sein Leben und seine Reden waren mir eine immerwährende Predigt, welche mein Verstand, der eben nicht so gar dumm und hölzern war, vermittels göttlicher Gnad nicht ohn Frucht abgehen ließ, allermaßen ich alles dasjenige, was ein Christ wissen soll, nicht allein in gedachten dreien Wochen gefaßt, sondern auch ein solche Lieb zu dessen Unterricht gewonnen, daß ich des Nachts nicht davor schlafen konnte.

Ich habe seithero der Sach vielmal nachgedacht, und befunden, daß Aristoteles lib. 3. de Anima wohl geschlossen, als er die Seele eines Menschen einer leeren ohnbeschriebenen Tafel verglichen, darauf man allerhand notieren könne, und daß solches alles darum von dem höchsten Schöpfer geschehen sei, damit solche glatte Tafel durch fleißige Impression und Übung gezeichnet, und zur Vollkommenheit und Perfection gebracht werde; dahero denn auch sein Commentator Averroes lib. 2. de Anima (da der Philosophus sagt, der Intellectus sei alls potentia, werde aber nichts in actum gebracht, als durch die scientiam, das ist, es sei des Menschen Verstand allerdings fähig, könne aber nichts ohne fleißige Übung hineingebracht werden) diesen klaren Ausschlag gibt: nämlich, es sei diese scientia oder Übung die Perfection der Seelen, welche für sich selbst überall nichts an sich habe; solches bestätigt Cicero lib. 2. Tuscul. quaest., welcher die Seel des Menschen ohne Lehr, Wissenschaft und Übung einem solchen Feld vergleicht, das zwar von Natur fruchtbar sei, aber wenn man es nicht baue und besame gleichwohl keine Frucht bringe.

Solches alles erwies ich mit meinem eigenen Exempel, denn daß ich alles so bald gefaßt, was mir der fromme Einsiedel vorgehalten, ist daher kommen, weil er die geschlichte Tafel meiner Seelen ganz leer, und ohn einzige zuvor hinein gedruckten Bildnisse gefunden, so etwas anders hineinzubringen hätt hindern mögen; gleichwohl aber ist die pure Einfalt gegen andere Menschen zu rechnen noch immerzu bei mir verblieben, dahero der Einsiedel (weil weder er noch ich meinen rechten Namen gewußt) mich nur Simplicium genennet.

Mithin lernete ich auch beten, und als er meinem steifen Vorsatz, bei ihm zu bleiben, ein Genügen zu tun entschlossen, baueten wir für mich eine Hütten gleich der seinigen, von Holz, Reisern und Erden, fast formiert wie die Musketierer im Feld ihre Zelte, oder besser zu sagen, die Bauten an teils Orten ihre Rübenlöcher haben, zwar so nieder, daß ich kaum aufrecht darin sitzen konnte, mein Bett war von dürrem Laub und Gras, und ebenso groß als die Hütte selbst, so daß ich nit weiß, ob ich dergleichen Wohnung oder Höhlen eine bedeckte Lagerstatt oder eine Hütte nennen soll.

Das 10. Kapitel

Wasgestalten er schreiben und lesen im wilden Wald gelernet

Als ich das erstemal den Einsiedel in der Bibel lesen sah, konnte ich mir nicht einbilden, mit wem er doch ein solch heimlich und meinem Bedünken nach sehr ernstlich Gespräch haben müßte; ich sah wohl die Bewegung seiner Lippen, hingegen aber niemand, der mit ihm redet', und ob ich zwar nichts vom Lesen und Schreiben gewußt, so merkte ich doch an seinen Augen, daß ers mit etwas in selbigem Buch zu tun hatte: Ich gab Achtung auf das Buch, und nachdem er solches beigelegt, machte ich mich dahinter, schlugs auf, und bekam im ersten Griff das erste Kapitel des Hiobs, und die davorstehende Figur, so ein feiner Holzschnitt und schön illuminiert war, in die Augen; ich fragte dieselbigen Bilder seltsame Sachen, weil mir aber keine Antwort widerfahren wollte, wurde ich ungeduldig, und sagte eben, als der Einsiedel hinter mich schlich: »Ihr kleinen Hudler, habt ihr denn keine Mäuler mehr? habt ihr nicht allererst mit meinem Vater (denn also mußte ich den Einsiedel nennen) lang genug schwätzen können? ich sehe wohl, daß ihr auch dem armen Knan seine Schaf heimtreibt, und das Haus angezündet habt, halt, halt, ich will dies Feuer noch wohl löschen«, damit stund ich auf Wasser zu holen, weil mich die Not vorhanden zu sein bedünkte. »Wohin Simplici?« sagt' der Einsiedel, den ich hinter mir nicht wußte. »Ei Vater«, sagte ich, »da sind auch Krieger, die haben Schaf, und wollens wegtreiben, sie habens dem armen Mann genommen, mit dem du erst geredet hast, so brennet sein Haus auch schon lichterloh, und wenn ich nicht bald lösche, so wirds verbrennen«; mit diesen Worten zeigte ich ihm mit dem Finger, was ich sah: »Bleib nur«, sagte der Einsiedel, »es ist noch keine Gefahr vorhanden.« Ich antwortete, meiner Höflichkeit nach: »Bist du denn blind, wehre du, daß sie die Schaf nicht forttreiben, so will ich Wasser holen.« »Ei«, sagte der Einsiedel, »diese Bilder leben nicht, sie sind nur gemacht, uns vorlängst geschehene Dinge vor Augen zu stellen«; ich antwortet: »Du hast ja erst mit ihnen geredt, warum wollten sie dann nicht leben?«

Der Einsiedel mußte wider seinen Willen und Gewohnheit lachen, und sagte: »Liebes Kind, diese Bilder können nicht reden, was aber ihr Tun und Wesen sei, kann ich aus diesen schwarzen Linien sehen, welches man lesen nennet, und wenn ich dergestalt lese, so hältst du dafür, ich rede mit den Bildern, so aber nichts ist.« Ich antwortet: »Wenn ich ein Mensch bin wie du, so müßte ich auch an den schwarzen Zeilen können sehen, was du kannst, wie soll ich mich in dein Gespräch richten? Lieber Vater, berichte mich doch eigentlich, wie ich die Sach verstehen soll?« Darauf sagte er: »Nun wohlan mein Sohn, ich will dich lehren, daß du so wohl als ich mit diesen Bildern wirst reden können, allein wird es Zeit brauchen, in welcher ich Geduld, und du Fleiß anzulegen.« Demnach schrieb er mir ein Alphabet auf birkene Rinden, nach dem Druck formiert, und als ich die Buchstaben kennete, lernete ich buchstabieren, folgends lesen, und endlich besser schreiben, als es der Einsiedel selber konnte, weil ich alles dem Druck nachmalet.

Das 11. Kapitel

Redet von Essenspeis, Hausrat und andern notwendigen Sachen, die man in diesem zeitlichen Leben haben muß

Zwei Jahr ungefähr, nämlich bis der Einsiedel gestorben, und etwas länger als ein halbes Jahr nach dessen Tod, bin ich in diesem Wald verblieben; derohalben siehet mich für gut an, dem kuriosen Leser, der auch oft das Geringste wissen will, unser Tun, Handel und Wandel, und wie wir unser Leben durchgebracht, zu erzählen.

Unsere Speis war allerhand Gartengewächs, Rüben, Kraut, Bohnen, Erbsen und dergleichen, wir verschmäheten auch keine Buchen, wilden Äpfel, Birn, Kirschen, ja die Eicheln machte uns der Hunger oft angenehm; das Brot, oder besser zu sagen, unsere Kuchen backten wir in heißer Aschen aus zerstoßenem welschen Korn, im Winter fingen wir Vögel mit Sprinken und Stricken, im Frühling und Sommer aber bescherte uns Gott Junge aus den Nestern, wir behalfen uns oft mit Schnecken und Fröschen, so war uns auch mit Reusen und Anglen das Fischen nicht zuwider, indem ohnweit von unserer Wohnung ein fisch- und krebsreicher Bach hinfloß, welches alles unser grob Gemüs hinunter convoyieren mußte; wir hatten auf eine Zeit ein junges wildes Schweinlein aufgefangen, welches wir in einen Pferch versperret, mit Eicheln und Buchen auferzogen, gemästet und endlich verzehret, weil mein Einsiedel wußte, daß solches keine Sünde sein könnte, wenn man genießet, was Gott dem ganzen menschlichen Geschlecht zu solchem End erschaffen; Salz brauchten wir wenig, und von Gewürz gar nichts, denn wir durften die Lust zum Trunk nicht erwecken, weil wir keinen Keller hatten, die Notdurft an Salz gab uns ein Pfarrer, der ohngefähr drei Meil Wegs von uns wohnete, von welchem ich noch viel zu sagen habe.

Unsern Hausrat betreffend, dessen war genug vorhanden, denn wir hatten eine Schaufel, eine Haue; eine Axt, ein Beil, und einen eisernen Hafen zum Kochen, welches zwar nicht unser eigen, sondern von obgemeldtem Pfarrer entlehnet war, jeder hatte ein abgenutztes stumpfes Messer, selbige waren unser Eigentum, und sonsten nichts; ferner bedurften wir auch weder Schüsseln, Teller, Löffel, Gabeln, Kessel, Pfannen, Rost, Bratspieß, Salzbüchs noch ander Tisch- und Küchengeschirr, denn unser Hafen war zugleich unser Schüssel, und unsere Hände waren auch unsere Gabeln und Löffel, wollten wir aber trinken, so geschah es durch ein Rohr aus dem Brunnen, oder wir hängten das Maul hinein, wie Gideons Kriegsleute. Von allerhand Gewand, Wollen, Seiden, Baumwollen und Leinen, beides zu Betten, Tischen und Tapezereien hatten wir nichts, als was wir auf dem Leib trugen, weil wir für uns genug zu haben schätzten, wenn wir uns vor Regen und Frost beschützen konnten. Sonsten hielten wir in unserer Haushaltung keine gewisse Regel oder Ordnung, außerhalb an Sonn- und Feiertagen, an welchen wir schon um Mitternacht hinzugehen anfingen, damit wir noch frühe genug, ohne männiglichs Vermerken, in obgemeldten Pfarrherrns Kirche, die etwas vom Dorf abgelegen war, kommen, und dem Gottesdienst abwarten können, in derselben verfügten wir uns auf die zerbrochne Orgel, an welchem Ort wir sowohl auf den Altar als zu der Kanzel sehen konnten. Als ich das erstemal den Pfarrherrn auf dieselbige steigen sah, fragete ich meinen Einsiedel, was er doch in demselben großen Zuber machen wollte? Nach verrichtetem Gottesdienst aber gingen wir ebenso verstohlen wieder heim, als wir hinkommen waren, und nachdem wir mit müdem Leib und Füßen zu unserer Wohnung kamen, aßen wir mit guten Zähnen übel, alsdann brachte der Einsiedel die übrige Zeit zu mit Beten, und mich in gottseligen Dingen zu unterrichten.

An den Werktagen taten wir, was am nötigsten zu tun war, je nachdem sichs fügte, und solches die Zeit des Jahrs und unser Gelegenheit erforderte; einmal arbeiteten wir im Garten, das andermal suchten wir den feisten Grund an schattigen Orten, und aus hohlen Bäumen zusammen, unsern Garten, anstatt des Dungs, damit zu bessern, bald flochten wir Körbe oder Fischreusen, oder machten Brennholz, fischten, oder taten ja so etwas wider den Müßiggang. Und unter allen diesen Geschäften ließ der Einsiedel nicht ab, mich in allem Guten getreulichst zu unterweisen; unterdessen lernete ich in solchem harten Leben Hunger, Durst, Hitz, Kälte und große Arbeit überstehen, und zuvörderst auch Gott erkennen, und wie man ihm rechtschaffen dienen sollte, welches das Vornehmste war. Zwar wollte mich mein getreuer Einsiedel ein mehrers nicht wissen lassen, denn er hielt dafür, es sei einem Christen genug, zu seinem Ziel und Zweck zu gelangen, wenn er nur fleißig bete und arbeite, dahero es kommen, ob ich zwar in geistlichen Sachen ziemlich berichtet wurde, mein Christentum wohl verstund, und die teutsche Sprach so schön redete, als wenn sie die Orthographia selbst ausspräche, daß ich dennoch der Einfältigste verblieb; gestalten ich, wie ich den Wald verlassen, ein solcher elender Tropf in der Welt war, daß man keinen Hund mit mir aus dem Ofen hätte locken können.

Das 12. Kapitel

Vermerkt ein schöne Art selig zu sterben, und sich mit geringen Unkosten begraben zu lassen

Zwei Jahr ungefähr hatte ich zugebracht, und das harte eremitisch Leben kaum gewohnet, als mein bester Freund auf Erden seine Haue nahm, mir aber die Schaufel gab, und mich seiner täglichen Gewohnheit nach an der Hand in unsern Garten führte, da wir unser Gebet zu verrichten pflegten: »Nun Simplici, liebes Kind«, sagte er, »dieweil gottlob die Zeit vorhanden, daß ich aus dieser Welt scheiden, die Schuld der Natur bezahlen, und dich in dieser Welt hinter mir verlassen soll, zumalen deines Lebens künftige Begegnisse beiläufig sehe, und wohl weiß, daß du in dieser Einöde nicht lang verharren wirst, so hab ich dich auf dem angetretenen Weg der Tugend stärken, und dir einige Lehren zum Unterricht geben wollen, vermittelst deren du, als nach einer ohnfehlbaren Richtschnur, zur ewigen Seligkeit zu gelangen dein Leben anstellen sollest, damit du mit allen heiligen Auserwählten das Angesicht Gottes in jenem Leben ewiglich anzuschauen gewürdiget werdest.«

Diese Wort setzten meine Augen ins Wasser, wie hiebevor des Feinds Erfindung die Stadt Villingen, einmal, sie waren mir so unerträglich, daß ich sie nicht ertragen konnte, doch sagte ich: »Herzliebster Vater, willst du mich denn allein in diesem wilden Wald verlassen? Soll denn...« mehrers vermochte ich nicht herauszubringen, denn meines Herzens Qual ward aus überflüssiger Lieb, die ich zu meinem getreuen Vater trug, also heftig, daß ich gleichsam wie tot zu seinen Füßen niedersank. Er hingegen richtet' mich wieder auf, tröstet' mich, so gut es Zeit und Gelegenheit zuließ, und verwies mir gleichsam fragend meinen Fehler, ob ich nämlich der Ordnung des Allerhöchsten widerstreben wollte? »Weißt du nicht«, sagt' er weiters, »daß solches weder Himmel noch Höll zu tun vermögen? nicht also mein Sohn! was unterstehest du dich, meinem schwachen Leib (welcher für sich selbst der Ruhe begierig ist) aufzubürden? vermeinest du mich zu nötigen, länger in diesem Jammertal zu leben? Ach nein, mein Sohn, laß mich fahren, sintemal du mich ohne das weder mit Heulen noch Weinen, und noch viel weniger mit meinem Willen, länger in diesem Elend zu verharren, wirst zwingen können, indem ich durch Gottes ausdrücklichen Willen daraus gefordert werde; folge anstatt deines unnützen Geschreis meinen letzten Worten, welche sind, daß du dich je länger je mehr selbst erkennen sollest, und wenn du gleich so alt als Methusalem würdest, so laß solche Übung nicht aus dem Herzen, denn daß die meisten Menschen verdammt werden, ist die Ursach, daß sie nicht gewußt haben, was sie gewesen, und was sie werden können oder werden müssen.« Weiters riet er mir getreulich, ich sollte mich jederzeit vor böser Gesellschaft hüten, denn derselben Schädlichkeit wäre unaussprechlich. Er gab mir dessen ein Exempel und sagte: »Wenn du einen Tropfen Malvasier in ein Geschirr voll Essig schüttest, so wird er alsobald zu Essig; wirst du aber soviel Essig in Malvasier gießen, so wird er auch unter dem Malvasier hingehen. Liebster Sohn«, sagte er, »vor allen Dingen bleibe standhaftig, denn wer verharret bis ans End, der wird selig; geschiehet aber wider mein Verhoffen, daß du aus menschlicher Schwachheit fällst, so stehe durch ein rechtschaffene Buß geschwind wieder auf.«

Dieser sorgfältige fromme Mann hielt mir allein dies wenige vor, nicht zwar, als hätte er nichts mehrers gewußt, sondern darum, dieweil ich ihn erstlich meiner Jugend wegen nicht fähig genug zu sein bedünkte, ein mehrers in solchem Zustand zu fassen, und dann weil wenig Wort besser, als ein langes Geplauder, im Gedächtnis zu behalten sind, und wenn sie anders Saft und Nachdruck haben, durch das Nachdenken größern Nutzen schaffen als ein langer Sermon, den man ausdrücklich verstanden hat und bald wieder zu vergessen pflegt.

Diese drei Stück, sich selbst erkennen, böse Gesellschaft meiden und beständig verbleiben, hat dieser fromme Mann ohne Zweifel deswegen für gut und nötig geachtet, weil er solches selbsten praktiziert, und daß es ihm dabei nicht mißlungen ist; denn nachdem er sich selbst erkannt, hat er nicht allein böse Gesellschaften, sondern auch die ganze Welt geflohen, ist auch in solchem Vorsatz bis an das Ende verharret, an welchem ohn Zweifel die Seligkeit hängt, welchergestalt aber, folgt hernach.

Nachdem er mir nun obige Stück vorgehalten, hat er mit seiner Reuthaue angefangen sein eigenes Grab zu machen, ich half so gut ich konnte, wie er mir befahl, und bildete mir doch dasjenige nicht ein, worauf es angesehen war, indessen sagte er: »Mein lieber und wahrer einziger Sohn (denn ich habe sonsten kein Kreatur als dich zu Ehren unsers Schöpfers erzeuget) wenn meine Seele an ihren Ort gangen ist, so leiste meinem Leib deine Schuldigkeit und die letzte Ehre, scharre mich mit derjenigen Erden wieder zu, die wir anjetzo aus dieser Gruben gegraben haben.« Darauf nahm er mich in seine Arm und drückte mich küssend viel härter an seine Brust, als einem Mann, wie er zu sein schien, hätte möglich sein können: »Liebes Kind«, sagte er, »ich befehle dich in Gottes Schutz, und sterbe um so viel desto fröhlicher, weil ich hoffe, er werde dich darin aufnehmen.« Ich hingegen konnte nichts anders, als klagen und heulen, ich hängete mich an seine Ketten, die er am Hals trug, und vermeinte ihn damit zu halten, damit er mir nicht entgehen sollte. Er aber sagte: »Mein Sohn lasse mich, daß ich sehe, ob mir das Grab lang genug sei«, legte demnach die Ketten ab samt dem Oberrock, und begab sich in das Grab, gleichsam wie einer, der sich sonst schlafen legen will, sprechend: »Ach großer Gott, nun nimm wieder hin die Seele, die du mir gegeben, Herr, in deine Hände befehl ich meine Geist« etc. Hierauf beschloß er seine Lippen und Augen sänftiglich, ich aber stund da wie ein Stockfisch und meinte nicht, daß seine liebe Seel den Leib gar verlassen haben sollte, dieweil ich ihn öfters in dergleichen Verzückungen gesehen hatte.

Ich verharrete, wie mein Gewohnheit in dergleichen Begebenheiten war, etlich Stund neben dem Grab im Gebet, als sich aber mein allerliebster Einsiedel nicht mehr aufrichten wollte, stieg ich zu ihm ins Grab hinunter, und fing an ihn zu schüttlen, zu küssen und zu liebeln, aber da war kein Leben mehr, weil der grimmige ohnerbittliche Tod den armen Simplicium seiner holden Beiwohnung beraubt hatte; ich begoß, oder besser zu sagen, ich balsamierte den entseelten Körper mit meinen Zähren, und nachdem ich lang mit jämmerlichem Geschrei hin und her gelaufen, fing ich an, ihn mit mehr Seufzern als Schaufeln voller Grund zuzuscharren, und wenn ich kaum sein Angesicht bedeckt hatte, stieg ich wieder hinunter, entblößte es wieder, damit ichs noch einmal sehen und küssen möchte, solches trieb ich den ganzen Tag, bis ich fertig worden, und auf diese Weise die funeralia, exequias und luctus gladiatorios allein geendet, weil ohnedas weder Bahr, Sarg, Decke, Lichter, Totenträger noch Geleitsleut, und auch keine Klerisei vorhanden gewesen, die den Toten besungen hätte.

Das 13. Kapitel

Simplicius läßt sich wie ein Rohr im Weiher umtreiben

Über etlich Tag nach des Einsiedels Ableiben verfügte ich mich zu obgemeldtem Pfarrern, und offenbarte ihm meines Herrn Tod, begehrte benebens Rat von ihm, wie ich mich bei so gestaltet Sache verhalten sollte? Unangesehen er mir nun stark widerraten, länger im Wald zu verbleiben, so bin ich jedoch tapfer in meines Vorgängers Fußstapfen getreten, maßen ich den ganzen Sommer hindurch tat, was ein frommer Monachus tun soll. Aber gleich wie die Zeit alles ändert, also ringert' sich auch nach und nach das Leid, so ich um meinen Einsiedel trug, und die äußerliche scharfe Winterskält löschte die innerliche Hitz meines steifen Vorsatzes zugleich aus; je mehr ich anfing zu wanken, je träger wurde ich in meinem Gebet, weil ich anstatt göttliche und himmlische Ding zu betrachten, mich die Begierde, die Welt auch zu beschauen, überherrschen ließ, und als ich dergestalt nichts nutz wurde, im Wald länger gut zu tun, gedachte ich wieder zu gedachtem Pfarrer zu gehen, zu vernehmen, ob er mir noch wie zuvor aus dem Wald raten wollte? Zu solchem End machte ich mich seinem Dorf zu, und als ich hinkam, fand ichs in voller Flamm stehen, denn es eben ein Partei Reuter ausgeplündert, angezündet, teils Bauren niedergemacht, viel verjagt, und etliche gefangen hatten, darunter auch der Pfarrer selbst war. Ach Gott! wie ist das menschliche Leben so voll Mühe und Widerwärtigkeit, kaum hat ein Unglück aufgehört, so stecken wir schon in einem andern, mich verwundert nicht, daß der heidnische Philosophus Timon zu Athen viel Galgen aufrichtete, daran sich die Menschen selber aufknöpfen, und also ihrem elenden Leben durch ein kurze Grausamkeit ein Ende machen sollten. Die Reuter waren eben wegfertig, und führten den Pfarrer an einem Strick daher, unterschiedliche schrien: »Schieß den Schelmen nieder!« andere aber wollten Geld von ihm haben, er aber hub die Hand auf, und bat um des Jüngsten Gerichts willen um Verschonung und christliche Barmherzigkeit, aber umsonst, denn einer ritt ihn übern Haufen, und versetzte ihm zugleich eins an Kopf, davon er alle vier von sich streckte, und Gott seine Seele befahl, den andern noch übrigen gefangenen Bauren gings gar nicht besser.

Da es nun sah, als ob diese Reuter in ihrer tyrannischen Grausamkeit ganz unsinnig worden wären, kam ein solcher Schwarm bewehrter Bauren aus dem Wald, als wenn man in ein Wespennest gestochen hätte; die fingen an so greulich zu schreien, so grimmig dareinzusetzen und daraufzuschießen, daß mir alle Haar gen Berg stunden, weil ich noch niemals bei dergleichen Kürben gewesen, denn die Spessarter und Vogelsberger Bauren lassen sich fürwahr so wenig als die Hessen, Sauerländer und Schwarzwälder auf ihrem Mist foppen; davon rissen die Reuter aus, und ließen nicht allein das eroberte Rindvieh zurück, sondern warfen auch Sack und Pack von sich, schlugen also ihre ganze Beut in Wind, damit sie nicht selbst den Bauren zur Beut würden doch kamen ihnen teils in die Händ.

Diese Kurzweil benahm mir beinahe die Lust, die Welt zu beschauen, denn ich gedachte, wenn es so darinnen hergehet, so ist die Wildnis weit anmutiger, doch wollte ich auch hören, was der Pfarrer dazu sagte; derselbe war wegen empfangener Wunden und Stöß ganz matt, schwach und kraftlos, doch hielt er nur vor, daß er mir weder zu helfen noch zu raten wisse, weil er dermalen selbst in einen solchen Stand geraten worden wäre, in welchem er besorglich das Brot am Bettelstab suchen müßte, und wenn ich gleich noch länger im Wald verbleiben würde, so hätte ich mich seiner Hilfleistung nichts zu getrösten, weil, wie ich vor Augen sehe, beides sein Kirch und Pfarrhof im Feuer stünde. Hierauf verfügte ich mich ganz traurig gegen den Wald zu meiner Wohnung, und demnach ich auf dieser Reis sehr wenig getröst, hingegen aber um viel andächtiger worden, beschloß ich bei mir, die Wildnis nimmermehr zu verlassen; maßen ich schon nachgedachte, ob nicht möglich wäre, daß ich ohne Salz (so mir bisher der Pfarrer mitgeteilt hatte) leben, und also aller Menschen entbehren könnte?

Das 14. Kapitel

Ist ein seltsame Comoedia, von fünf Bauern

Damit ich aber diesem meinem Entschluß nachkommen, und ein rechter Waldbruder sein möchte, zog ich meines Einsiedlers hinterlassen hären Hemd an, und gürtet seine Kette darüber; nicht zwar, als hätt ich sie bedurft, mein unbändig Fleisch zu mortifizieren, sondern damit ich meinem Vorfahren sowohl im Leben als im Habit gleichen, mich auch durch solche Kleidung desto besser vor der rauhen Winterskält beschützen möchte.