Vorarlberg - Markus Barnay - ebook

Vorarlberg ebook

Markus Barnay

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Opis

DIE ZEITGESCHICHTE VORARLBERGS - kompakt und anschaulich dargestellt. Markus Barnay hat die Entwicklung des westlichsten Bundeslandes vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart durchleuchtet. Ist das 'Ländle' wirklich anders als die anderen? Sind die Vorarlberger eigentlich verkappte Schweizer? Der Autor schildert die wichtigsten Ereignisse von der Gründung des eigenständigen Landes Vorarlberg bis hin zum einstimmigen Landtagsbeschluss für eine Energieautonomie als langfristiges Ziel. AUS DEM INHALT: Ein "MUSTERLÄNDLE" mit Schönheitsfehlern I. 1918-1933: Die Neuordnung der Macht II. 1933-1945: Vom "Ständestaat" zur NS-Herrschaft III. 1945-1968: Der beschwerliche Weg zur Demokratie IV. 1968-1995: Die konservative Moderne V. 1995-2011: Das globalisierte Ländle

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HAYMON

© 2011

HAYMON verlag

Innsbruck-Wien

www.haymonverlag.at

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-7099-7644-9

Umschlag- und Buchgestaltung, Satz: hoeretzeder grafische gestaltung, Scheffau/Tirol

Lektorat: Kurt Greussing, Dornbirn

Coverfotos: Oben: Stadtarchiv Dornbirn/Heim: Der Marktplatz Dornbirn im Jahr 1938.

Unten: Bregenzer Festspiele/Benno Hagleitner: Das imposante „Tosca“-Buhnenbild war 2008 Filmkulisse des James-Bond-Streifens „Quantum of Solace“.

Autorenfoto: Privat

Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.haymonverlag.at.

 

Markus Barnay

Vorarlberg

Vom Ersten Weltkrieg

bis zur Gegenwart

 

Markus Barnay

Vorarlberg

Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart

Inhalt

Ein „Musterländle“ mit Schönheitsfehlern

I. 1918–1933: Die Neuordnung der Macht

1. Die Gründung des Landes Vorarlberg

2. Der Kampf um den „Kanton Übrig“

3. Dezentralisierte Macht

4. Machtlose Sozialdemokraten

5. Der Kampf um den 1. Mai

6. Die Kraft des Wassers zum Nutzen des Landes

7. Vom Bergbauerndorf zum Luxusressort

II. 1933–1945: Vom „Ständestaat“ zur NS-Herrschaft

1. Die Ohnmacht des Bundeskanzlers

2. Das Ende der Demokratie

3. Von Tätern, Opfern und Mitläufern

4. Hohenems wird „judenfrei“

5. „Here is Austria!“

III. 1945–1968: Der beschwerliche Weg zur Demokratie

1. Nazis, Wendehälse und andere „Demokraten“

2. Die gescheiterte „Entsorgung“ der Vergangenheit

3. Den Herrgott im Nacken, den Altnazi im Vorzimmer

4. Zensur und Verbote für „Ethik, Sitte und Moral“

5. Die Lawinenkatastrophe vereint

6. Die Profiteure wollen ihre Beute behalten

7. Erfolgsgeschichten und Startvorteile

8. Frauen im Landtag und ein neuer Landeshauptmann

9. Der Föderalismus erobert die Straße

IV. 1968–1995: Die konservative Moderne

1. Der kurze Sommer der Sozialdemokratie

2. „Flint“ lebt

3. Der Kampf um die Meinungsvielfalt

4. Von den „Randspielen“ ins Zentrum der Gesellschaft?

5. Umweltbewegung und Bürgerengagement

6. Vom Kuhstall in den Landtag

7. Der Niedergang der Textilindustrie

8. Die Macht der Kirche bröckelt

9. Die Wiederentdeckung der Geschichte

V. 1995–2011: Das globalisierte Ländle

1. Erfolgreicher Strukturwandel

2. Bildungs- und Integrationsprobleme

3. Europa, Österreich oder doch nur Vorarlberg?

4. Hegemonie ohne Ideologie?

5. Religion als Privatsache?

6. Herausforderungen für die Zukunft

Nachwort

Vorarlberg 1918–2011: Eine kurze Chronologie

Quellen

Weiterführende Literatur

Personen- und Ortsverzeichnis

Ausführliche Quellennachweise zum vorliegenden Buch finden Sie im Internet unter www.malingesellschaft.at/barnay

Ein „Musterländle“ mit Schönheitsfehlern

Ein Mythos bröckelt. Das lange gepflegte Klischee vom „subra Ländle“, vom sauberen Land vor dem Arlberg, in dem die Uhren ganz anders gehen als im übrigen Österreich, hat langsam ausgedient. Kirchenbesuchs- und Scheidungsstatistiken, Zahlen zum Bildungsniveau und zur Armutsgefährdung, Berichte über Korruption in der Justiz und über Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen – all das zeigt: Das „Musterländle“ ist in der Normalität angekommen.

Das Klischee vom „Sonderfall“ Vorarlberg beruhte auf der Annahme, die Vorarlberger seien als Alemannen schon biologisch anders als die Österreicher jenseits des Arlbergs: nüchterner, fleißiger, sparsamer. Doch auch wenn die „alemannischen“ Vorarlberger zahlreiche Varianten der alemannischen Mundart pflegen, kann von einer gemeinsamen „alemannischen Abstammung“ nicht die Rede sein. In einem traditionellen Ein-, Aus- und Durchwanderungsland erübrigt sich ohnehin jede Spekulation über biologische Herkunft.

Dennoch gibt es so etwas wie eine „Vorarlberger Identität“. Sie hat sich seit rund 200 Jahren entwickelt und immer wieder den wechselnden Verhältnissen angepasst. Die Besonderheiten, die den Vorarlbergern zugesprochen wurden und werden, waren durchaus wandelbar. Sie sind auch heute zeitgebunden, weshalb eine aktuelle Auflistung schon bald wieder überholt sein würde.

Beschränken wir uns also in dieser Einleitung zur Geschichte Vorarlbergs vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart auf die wirklichen Besonderheiten des Landes – und auf jene Kontinuitäten, die dieses Land in den letzten hundertfünfzig Jahren geprägt haben:

Türkische Bauarbeiter in der Mittagspause auf einer Vorarlberger Wiese. (Foto: Nikolaus Walter, 1979)

– Vorarlberg war einmal ein Agrarland. Es wandelte sich bereits im 19. Jahrhundert zu einem Industrieland, in dem aber auch Handwerk, Tourismus und Kultur als Erwerbsquelle eine wichtige Rolle spielen. Außerdem entwickelte sich seit den 1920er Jahren die Energiewirtschaft zu einer bedeutenden Branche.

– Vorarlberg war lange Zeit ein Auswanderungsland, dessen Einwohner gezwungen waren, das Land vorübergehend oder dauerhaft als Arbeitsauswanderer zu verlassen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Das hat mit dem Mangel an Bodenschätzen, aber auch mit der Tradition der landwirtschaftlichen „Realteilung“ zu tun, bei der der Besitz gleichmäßig auf alle Erben aufgeteilt wird – wodurch mit der Zeit kaum mehr jemand genügend Grund besaß, um sich und seine Familie zu ernähren.

– Seit ungefähr 1870 ist Vorarlberg aber auch ein Einwanderungsland (siehe Foto S. 8): Die Textilindustrie und große Bauprojekte, speziell solche der Elektrizitätswirtschaft, nach dem Zweiten Weltkrieg auch der Tourismus, sorgten lange Zeit für einen hohen Personalbedarf, der nur durch Zuwanderung gedeckt werden konnte. Die Zuwanderer kamen zunächst aus dem italienischsprachigen Trentino, später aus anderen österreichischen Bundesländern, dann aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei und zuletzt aus Deutschland.

– Vorarlbergs Machtstrukturen sind äußerst dezentralisiert – bei gleichzeitiger politischer Hegemonie einer einzigen Partei: Die wichtigen Institutionen des Landes befinden sich nicht nur in der Landeshauptstadt Bregenz, sondern auch in Feldkirch und in der größten Stadt des Landes, in Dornbirn.

– Die ÖVP – beziehungsweise ihre katholisch-konservative (später „christlichsoziale“) Vorgängerorganisation – dominiert Vorarlberg seit 1870, als sie die Mehrheit im Landtag übernahm (mit einer Unterbrechung durch die nationalsozialistische Herrschaft vom März 1938 bis zum April 1945). Der politische Katholizismus blockierte einerseits bis weit ins 20. Jahrhundert hinein jegliche gesellschaftliche Modernisierung, verhinderte andererseits aber auch Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts durch eine entschiedene antikapitalistische Ausrichtung ein stärkeres Wachstum der Sozialdemokratie.

– Der Hegemonie der ÖVP im politischen Bereich steht eine ungewöhnlich konzentrierte Medienlandschaft gegenüber: Das Vorarlberger Medienhaus besitzt die beiden Tageszeitungen, die meisten landesweiten Wochenzeitungen, einen privaten Radiosender, Anteile an einem privaten Fernsehsender und das am meisten benutzte Online-Nachrichtenportal des Landes. Das einzige große Medium, das nicht vom Vorarlberger Medienhaus abhängig ist, ist der öffentlich-rechtliche Österreichische Rundfunk. Er wurde aber vom 2010 beschlossenen – und mit den Zeitungsverlegern ausgehandelten – ORF-Gesetz vor allem in seinen Online-Aktivitäten empfindlich eingeschränkt. So darf er beispielsweise auf seinem regionalen Online-Portal täglich nur eine beschränkte Zahl von Meldungen verbreiten, die zudem von den Usern nicht kommentiert werden dürfen.

– Eine Besonderheit Vorarlbergs ist sicher die vergleichsweise hohe Lebensqualität: die Lage in der Mitte Europas mit Grenzen zu drei Nachbarstaaten, die attraktive Landschaft mit hohen Bergen und großem See, das vielfältige Kulturangebot, die große Dichte öffentlicher Verkehrsmittel und die erstaunliche Anzahl architektonisch hochwertiger Gebäude. Dem stehen allerdings ein hohes Preisniveau, eine große Zahl armutsgefährdeter Menschen, eine wachsende Umweltbelastung durch den motorisierten Verkehr und eine schleichende Urbanisierung der Hauptsiedlungsgebiete ohne die dazugehörige Infrastruktur gegenüber.

– Eine der drängenden Herausforderungen der modernen Raumplanung, die Zersiedelung der Landschaft, hängt ironischerweise mit einer jenen „typischen“ Eigenschaften der Vorarlberger zusammen, die so lange propagiert und gefördert wurden, bis sie zum Problem wurden: der Wunsch nach einem Eigenheim für jeden. Das „Schaffa, schaffa, Hüsle baua“, das einst als oberste Bürgerpflicht galt, geriet im Lauf des 20. Jahrhunderts angesichts des Bevölkerungswachstums, der zunehmenden Verkehrsprobleme und des beschränkten Angebots an bebaubaren Flächen in Widerspruch zu einem nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

– Trotz der starken Industrialisierung blieb Vorarlberg im Bewusstsein seiner Bewohner bis heute eine „ländliche“ Region. Das hat mit der Dezentralisierung der Industrie selbst zu tun: Es entstanden keine industriellen Ballungsräume, sondern nur Industrie-„Inseln“. Dadurch bildete sich sehr häufig ein landwirtschaftlich-gewerblich-industrielles „Mischmilieu“ heraus, dessen Angehörige je nach Konjunkturlage zwischen Arbeit in der eigenen kleinen Landwirtschaft, in der Fabrik und in einem Handwerksbetrieb, z. B. in der hauseigenen Stickerei, wechseln konnten. Deshalb entstand kaum ein klassisches, lediglich von Fabriksarbeit abhängiges Proletariat. Und dort, wo dennoch Arbeitersiedlungen entstanden, waren es oft fabrikseigene Wohnanlagen, die mit nicht allzu großen Häusern und eigenen Gemüsegärten genau dieses „Mischmilieu“ imitierten.

– Insgesamt ist wahrscheinlich der augenfällige Widerspruch zwischen Schein und Sein die bemerkenswerteste Besonderheit Vorarlbergs: Alle Indikatoren – von der Wirtschaftsentwicklung über die Zuwanderungszahlen bis zu den Geburten- und Scheidungsstatistiken – belegen, dass sich hier längst eine urbane Gesellschaft entwickelt hat, doch ihrem Selbstverständnis zufolge befinden sich ihre Mitglieder in einem geborgenen ländlichen Raum. Dass ein seit langem hochindustrialisiertes Land zugleich politisch so konservativ und so ländlich geprägt sein kann – das bedarf einer Erklärung. Und wo sonst sollte sich dafür eine Erklärung finden als in der Geschichte?

I. 1918–1933:Die Neuordnung der Macht

Nach der Auflösung der Monarchie wurde Vorarlberg zum eigenständigen Bundesland. Die Bevölkerung liebäugelte mit einem Anschluss an die Schweiz. Große wirtschaftliche Probleme und der Machtkampf zwischen den politischen Lagern prägten die Politik im Lande.

1. Die Gründung des Landes Vorarlberg

Bregenz, 1. November 1918

Wer mit dem Zug am Bregenzer Bahnhof ankommt und das Gebäude verlässt, steht zunächst einmal an einer breiten Straße. Sie wird auch bleiben, wenn ab 2014 der angrenzende große Parkplatz in ein Geschäfts- und Wohnareal verwandelt werden soll. Bleiben wird wohl auch das Denkmal auf der anderen Straßenseite, das 1959 errichtet wurde: Unter zwei Bäumen steht die überlebensgroße Figur eines Mannes. Beide Hände in den Hosentaschen, strahlt er weniger Tatendrang als vielmehr Gelassenheit und Zuversicht aus. Wiewohl bei näherem Hinsehen die Furchen auf der Stirn und die eingefallenen Wangen auf einige Lebenserfahrung hindeuten, wirkt er kräftig und nicht besonders alt – vielleicht Mitte 30, vielleicht ein wenig älter?

Als dieser Mann sich anschickte, die Weichen für die Zukunft des Landes Vorarlberg zu stellen, war er allerdings schon im Pensionsalter: , der – laut Beschriftung des Denkmals – „Bauer und Staatsmann“, wurde 1853 in im geboren. Als 15-Jähriger besuchte er das katholische Gymnasium in , doch schon nach einem Jahr kehrte er zurück und widmete sich der elterlichen Landwirtschaft, die er später gemeinsam mit seinem Bruder Alois übernahm.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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