Utopia - Thomas Morus - ebook

Utopia ebook

Thomas Morus

0,0

Opis

Thomas Morus‘ 'Utopia' ist der Entwurf einer idealen Gesellschaft, die auf sozialer Gerechtigkeit für alle Menschen, dem Streben nach Bildung, gemeinschaftlichem Besitz und demokratischen Grundzügen beruht. Aber kann ein solch gerechtes Staatswesen überhaupt existieren? Diese Frage beschäftigt auch heute noch Ökonomen, Philosophen und Schriftsteller.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 209

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
Oceny
0,0
0
0
0
0
0



THOMAS MORUS

UTOPIA

Übersetzung von Ignaz Emanuel Wessely

© 2011 Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Hamburg

Alle Rechte, auch das der fotomechanischen Wiedergabe (einschließlich Fotokopie) oder der Speicherung auf elektronischen Systemen, vorbehalten. All rights reserved.

Titelabbildung: akg-images, Berlin Umschlag: Groothuis, Lohfert, Consorten | glcons.de ISBN: 978-3-86820-976-1

www.nikol-verlag.de

INHALT

 

THOMAS MORUS SEINEM PETRUS AEGIDIUS GRUSS!

DER UTOPIA ERSTES BUCH

DER UTOPIA ZWEITES BUCH

VON DEN STÄDTEN, INSBESONDERE VON AMAUROTUM

VON DEN OBRIGKEITEN

VON DEN HANDWERKEN

VOM GEGENSEITIGEN VERKEHRE

VOM REISEN DER UTOPIER

VON DEN SKLAVEN

VOM KRIEGSWESEN

VON DEN RELIGIONEN DER UTOPIER

|7|THOMAS MORUSSEINEM PETRUS AEGIDIUS GRUSS!

Fast schäme ich mich, vortrefflicher Peter Aegidius, dass ich dir das Büchlein über das utopianische Staatswesen erst beinahe nach einem Jahre schicke, das du gewiss schon nach einem halben Jahre erwartet hast, da Du ja wusstest, dass ich bei diesem Werke der Erfindung überhoben war, über die Anordnung des Stoffs nicht nachzudenken und einfach nur zu berichten brauchte, was ich mit dir zusammen von Raphael erzählen gehört hatte. So machte die Diktion mir keine Mühe, denn seine Sprache konnte, da seine Rede eine improvisierte war, nicht durchdacht und gefeilt sein, und dann ist er, wie du weißt, mehr im Griechischen als im Lateinischen zu Hause. Und je näher meine Darstellung seiner unstudierten schlichten Sprache kam, desto näher kam sie der Wahrheit, der ich hierbei allein zu obliegen habe. Ich gestehe, Freund Peter, dass mir, da alles so gegeben vorlag, die Arbeit so erleichtert war, dass mir fast nichts aus Eigenem zu tun übrig geblieben ist. Sonst würde Erfindung und Komposition des Ganzen Zeit und Studium eines nicht unbedeutenden und kenntnisreichen Geistes erfordert haben. Wäre verlangt worden, dass die Darstellung nicht nur wahr sondern von rednerischer Kunst sei, so hätte ich sie überhaupt nicht liefern können. Nachdem aber diese Schwierigkeiten von mir genommen waren, die allein ein Ziel des Schweißes gewesen wären, blieb nur die einfache Nacherzählung des Gehörten übrig und das |8|war keine nennenswerte Aufgabe. Aber selbst zur Ausführung dieser sehr geringen Arbeit ließen mir andere Geschäfte fast keine Zeit übrig. Bald muss ich in gerichtliches Angelegenheiten emsig plädieren, bald solche anhören, bald als Schiedsrichter schlichten, bald als Richter Urteile fällen, bald einen amtlichen, bald einen privaten Gang machen. Während ich fast den ganzen Tag außer Hause anderen widme, bleibt mir für meine eigenen Angelegenheiten, das heißt für Literatur und Wissenschaft, keine Zeit übrig. Komme ich heim, so heißt es mit der Gattin plaudern, mit den Kindern schäkern und mit der Dienerschaft verkehren. Das rechne ich alles zu den Geschäften, die verrichtet werden müssen (und es muss geschehen, wenn du nicht im eigenen Hause ein Fremdling sein willst). Man muss durchaus Sorge tragen mit denen, die entweder die Natur, der Zufall oder die eigene Wahl zu unseren Lebensgefährten gemacht haben, so angenehm als möglich zu verkommen, damit sie durch zu große Vertraulichkeit nicht verhätschelt, oder durch zu große Nachsicht aus Dienern zu Herren werden. So rauschen Tage, Monate, Jahre dahin. Wann also schreiben? Und da habe ich nicht einmal vom Schlafen und vom Essen gesprochen, das bei Vielen nicht weniger Zeit in Anspruch nimmt als der Schlaf selbst, der doch fast die Hälfte des Menschenlebens für sich in Beschlag nimmt. So erübrigt mir nur die Zeit, die ich mir vom Schlafe und vom Essen abbreche, und so wenig das ist, so ist es doch etwas, und so habe ich endlich die Utopia zustande gebracht, und sende sie dir jetzt, lieber Peter, zum Durchlesen, damit, wenn mir etwas entgangen ist, du mich darauf aufmerksam machst, obwohl ich mir nämlich in dieser Beziehung nicht gerade misstraue – ich wünschte, es fehlte mir ebenso wenig an Genie und |9|Gelehrsamkeit als an der Gabe des Gedächtnisses –, so hege ich doch auch kein übertriebenes Vertrauen zu mir selbst, dass ich etwa glaubte, es könne mir nichts entfallen sein. Denn auch Johann Clement, mein jugendlicher Aufwärter, der, wie du weißt, zugegen war, der mir bei keiner Unterredung von einigem Belang fehlen darf, ein junges Pflänzchen, das bereits in der griechischen und lateinischen Literatur zu grünen beginnt, und von dem ich mir einst ausgezeichnete Frucht verspreche – hat mich sehr an mir zweifeln gemacht. So viel ich mich nämlich erinnere, hat Hythlodäus erzählt, jene Brücke von Amaurotum über den Fluss Anydrus sei fünfhundert Schritt lang, mein Johannes aber sagt, davon seien zweihundert Schritt in Abrechnung zu bringen, indem die Breite des Flusses dort nicht über dreihundert Schritt betrage. Ich bitte dich, rufe dir den Sachverhalt ins Gedächtnis zurück. Stimmst du mit ihm überein, so trete ich euch bei, und glaube, dass mich mein Gedächtnis trügt; kannst du dich aber nicht erinnern, so lasse ich stehen, was ich niedergeschrieben und baue auf mein Erinnerungsvermögen. Denn da ich aufs Äußerste besorgt bin, alles Falsche in meinem Buche zu vermeiden, so will ich, wo die Wahrheit nicht festzustellen ist, lieber eine Unwahrheit sagen, als lügen. Denn lieber ehrlich als pfiffig. Diesem Übelstande wäre leicht abzuhelfen, wenn du den Raphael entweder mündlich oder schriftlich befragen wolltest, was du ja doch wegen eines anderen Skrupels, der uns aufstößt, tun musst, handle es sich nun um ein Versehen, meiner, deiner oder Raphaels. Ist es uns doch nicht eingefallen ihn zu fragen, noch ihm von freien Stücken zu sagen, in welcher Gegend des neuen Weltteils Utopia liegt. Lieber möcht’ ich es mich eine ziemliche Summe Geldes haben kosten lassen, als dass uns das widerfahren |10|wäre, teils, weil ich mich wirklich schäme nicht zu wissen, in welchem Weltmeere die Insel liegt, über die ich so viel schreibe, teils weil es den einen oder anderen bei uns gibt, einen aber vor allen, einen frommen Mann, von Beruf Gottesgelehrten, der vor Begierde brennt, Utopien zu betreten, nicht aus einem eiteln und neugierigen Gelüsten neues zu sehen, sondern um unsere Religion, die dort einen vielversprechenden Anfang genommen hat, zu fördern und zu verbreiten. Um dies in regelrechtem Gange zu erreichen, will er bewirken, dass er vom Papste dorthin gesendet, dann von den Utopiern zum Bischof gewählt wird, indem er keinen Augenblick bezweifelt, dass er zu dieser Vorsteherwürde durch Bitten gelangen werde. Er hält dies für einen frommen Ehrgeiz, nicht den Rücksichten auf weltliche Ehren und Gewinn, sondern religiösen Motiven entsprungen. Darum bitte ich dich, lieber Peter, entweder, wenn möglich mündlich, sonst aber brieflich, dem Hythlodäus anzuliegen, dass in meinem Werke nichts Falsches stehen bleibe, aber auch nichts, was wahr ist, vermisst werde. Ich weiß nicht, ob es darum nicht gut wäre, ihm das Buch selbst zu zeigen. Denn etwas Irrtümliches kann niemand so verlässlich beseitigen als er, er selbst kann das aber auch nur, wenn er liest, was ich geschrieben habe. Dazu kommt: Auf diese Weise wirst du merken, ob es ihm recht ist, oder ob er nicht erbaut davon ist, dass ich dieses Werk verfasst habe. Denn wenn er etwa gesonnen ist, die Geschichte seiner Mühen und Strapazen selbst in Druck zu geben, so wird es ihm eben nicht angenehm sein und ganz ebenso erginge es mir, wenn ich durch meine ihm zuvorkommende Veröffentlichung des utopianischen Staatswesens seine geschichtliche Darstellung des Reizes der Neuheit beraubte.

|11|Um die Wahrheit zu sagen, so bin ich mit mir selbst noch nicht einig, ob ich die Utopie überhaupt herausgeben soll. Der Geschmack der Menschen ist so verschieden, die Gemüter mancher sind so mürrisch, ihre Sinnesart so unerquicklich, ihre Urteile so abgeschmackt, dass diejenigen besser zu fahren scheinen, die sich dem Genusse und der Fröhlichkeit hingeben, als diejenigen, welche sich mit Sorgen abäschern, etwas zu veröffentlichen, was anderen zum Vergnügen oder zur Belehrung gereichen könne, während es eben diese verschmähen oder unfreundlich aufnehmen. Die meisten wissen nichts von Wissenschaft und Literatur, viele verachten sie. Ein barbarischer Geschmack verwirft alles, was nicht wieder barbarisch ist. Die Halbwisser verachten alles als trivial, was nicht von altertümlichen Ausdrücken wimmelt. Gewissen Leuten gefällt nur das alte, den meisten nur das, was sie selbst gemacht haben! Dieser ist so sauertöpfisch, dass er von keinem Scherze etwas wissen will, jener so platt und albern, dass er das Salz des Witzes nicht verträgt, andere so stumpfnasig, dass sie vor einer kräftigen Nase scheuen, wie ein von einem wütenden Hunde Gebissener vor dem Wasser. Wieder andere sind so wetterwendisch, dass sie etwas gut heißen, während sie jetzt sitzen, und schon wieder etwas anderes, wenn sie dann aufstehen. Noch andere sitzen in der Kneipe und urteilen auf der Bierbank über literarische Erzeugnisse und verdammen mit einer ungeheuren Autorität alles Beliebige und die Schriften jedermanns, indem sie alle Welt durchzausen, während sie selbst in Sicherheit sind, außer Schussweite, nach dem Sprichworte, denn diese guten Leute sind um und um so glatt und kahl, dass sie kein gutes Haar an sich haben, bei dem man sie fassen könnte. Überdies gibt es so undankbare Gemüter, dass sie, während sie sich |12|im höchsten Grade an einem Werke ergötzen, den Autor doch nicht leiden mögen, nicht unähnlich jenen unwirschen Gästen, die, nachdem sie an einem opulenten Gastmahl vollauf sich gelabt haben, nach Hause gehen, ohne dem Gastgeber ein Wort des Dankes zu sagen. Nun geh und richte für Leute so verwöhnten Gaumens, so verschiedenen Geschmacks, und obendrein von so dankbarer Gesinnung, die der Wohltaten so eingedenk sind, auf deine Kosten einen Schmaus her.

Aber trotzdem, lieber Peter, verfahre gegen Hythlodäus, wie ich oben gesagt: Es bleibt mir ja unbenommen, hinterdrein immer noch zu tun, was ich will. Aber da ich doch einmal die Mühe des Niederschreibens gehabt habe, so möge das nicht gegen seinen Willen geschehen sein. In allem Übrigen, was bei der Herausgabe noch in Betracht kommt, werde ich den Rat meiner Freunde befolgen, vor allem den deinigen. Lebe wohl, geliebtester Petrus Aegidius, samt deiner lieben Frau, und bleibe mir wie bisher zugetan, wie auch ich dich immer lieber gewonnen habe.

|13|DER UTOPIA ERSTES BUCH

|15|

Als der unbesiegbare König Heinrich von England, seines Namens der Achte, geschmückt mit allen Tugenden eines ausgezeichneten Fürsten, vor kurzem einen nicht geringfügigen Streit mit Karl, dem durchlauchtigsten Fürsten von Kastilien, hatte, ordnete er, diesen beizulegen, mich als Sprecher nach Flandern ab und gab mir den unvergesslichen Cuthbert Tunstall als Begleiter mit, den er unter dem größten allgemeinen Beifalle zum Großarchivar ernannt hatte, zu dessen Lobe von mir nichts gesagt werden soll, nicht weil ich befürchtete, dass das Zeugnis meiner Freundschaft wenig Glauben verdiente, sondern weil sein Charakter und seine Gelehrsamkeit über mein Lob erhaben sind und seine Berühmtheit so groß ist, dass sie erhöhen wollen, die Sonne mit der Laterne beleuchten hieße, wie das Sprichwort lautet.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!