To Kill a Mockingbird. Königs Erläuterungen. - Hans-Georg Schede - ebook

To Kill a Mockingbird. Königs Erläuterungen. ebook

Hans-Georg Schede

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Opis

Königs Erläuterung zu Harper Lee: To Kill a Mockingbird - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben. In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download ... sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. ... und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. ... mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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EPUB

Liczba stron: 194




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 478

Textanalyse und Interpretation zu

Harper Lee

TO KILL A MOCKINGBIRD

Hans-Georg Schede

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Harper Lee: To Kill a Mockingbird. New York: Grand Central Publishing, 1982 (ISBN 978-0-446-31078-9).   Die Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen (Kap. 6) übersetzte Patrick Charles.

Über den Autor dieser Erläuterung: Hans-Georg Schede, 1968 geboren, studierte in Freiburg Germanistik und Anglistik, promovierte über den Gegenwartsautor Gert Hofmann und hat seither als Buchredakteur, Gymnasiallehrer und freier Autor gearbeitet. Er hat zahlreiche Bücher für Schule und Studium geschrieben (u. a. zu Werken von Goethe, Schiller, Kleist, Büchner, Fontane, Thomas Mann, Kafka, Brecht, Faulkner, Uwe Timm und Roddy Doyle) und mehrere Unterrichtsmodelle (u. a. zu Werken von Schiller, Kleist, Büchner, Hesse und Charlotte Kerner) verfasst. 2004 erschien seine Biographie über Die Brüder Grimm (erweiterte Neuauflage: 2009), 2008 der Band Heinrich von Kleist in der Reihe „rowohlts monographien“, 2017 das Buch Caroline Schede. Eine Geschichte des privaten Lebens in der Goethezeit.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2017

ISBN 978-3-8044-7042-2

© 2017 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: To Kill a Mockingbird Play, Regents Park Open Air Theatre, London, Britain, 2015 © ullstein bild – Rex Features / Jane Hobson Shutterstock

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

Fußnoten Fußnoten sind im Text in eckigen Klammern mit fortlaufender Nummerierung angegeben. Tippen Sie auf eine Fußnote und Sie gelangen zum entsprechenden Fußnotentext. Tippen Sie im aufgerufenen Fußnotentext auf die Ziffer zu Beginn der Zeile, und Sie gelangen wieder zum Ursprung. Sie können auch die Rücksprungfunktion Ihres ePub-Readers verwenden (sofern verfügbar).

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Harper Lee: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

Erster Teil

Zweiter Teil

3.3 Aufbau

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Figurenpanorama

Scout

Jem

Dill

Atticus

Calpurnia

Miss Maudie Atkinson

Arthur (Boo) Radley und Tom Robinson

Bob Ewell und Miss Stephanie Crawford

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Erzählperspektive: kindliches und erwachsenes Sprechen

Schilderung einer vergangenen Welt und humorvolles Erzählen

3.7 Interpretationsansätze

Vorurteile und ihre bösen Folgen

“The Mockingbird” als Symbol

Weitere symbolische Bezüge

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

Zeitungsbericht über die Vernehmung des angeblichen Opfers Victoria Price

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Task 1 **

Task 2 **

Task 3 ***

Task 4 ****

Literatur

Zitierte Ausgabe

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Zum historischen Hintergrund

Links

Verfilmung

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Die folgende Übersicht soll die Orientierung in dem Band erleichtern und dazu beitragen, dass jeder Leser das für ihn Interessante rasch entdeckt.

Im zweiten Kapitel wird Harper Lees Leben beschrieben und der zeitgeschichtliche Hintergrund ihrer beiden Romane To Kill a Mockingbird und Go Set a Watchman dargestellt:

Harper Lee kam 1926 in Monroeville, einer Kleinstadt in Alabama, als jüngstes Kind eines Anwalts zur Welt und starb 2016 im Alter von 89 Jahren. Sie war eine Einzelgängerin, bereits als Kind zugleich scheu und burschikos.

Ihr literarisches Werk besteht aus lediglich zwei Romanen, die beide, angelehnt an eigene Erfahrungen, auf unwiderstehlich sympathische und bemerkenswert kluge Weise den gesellschaftlichen Mikrokosmos einer Provinzstadt im amerikanischen Süden beleuchten. In beiden Werken wird der alltägliche Rassismus der weißen Bevölkerung gegenüber den Schwarzen zum Prüfstein von Anstand und Moral.

Der als Ich-Erzählung angelegte Roman To Kill a Mockingbird spielt in den 1930er Jahren, während der Zeit der Großen Depression, in der starke wirtschaftliche Not herrschte und sich gesellschaftliche Konflikte verschärften. Die wichtigste Episode des Romans, in der ein Schwarzer von einer aus Weißen bestehenden Jury wegen der angeblichen Vergewaltigung eines weißen Mädchens zum Tode verurteilt wird, weist viele Parallelen zu einem berühmten Gerichtsfall jener Zeit auf.

Der eine der beiden Romane, To Kill a Mockingbird, erschien 1960 und wurde ein Welterfolg. Der andere, noch vor To Kill a Mockingbird entstandene, Go Set a Watchman, wurde erst kurz vor Harper Lees Tod wiederentdeckt und mit ihrer Zustimmung veröffentlicht.

Go Set a Watchman ist in der dritten Person erzählt und spielt knapp zwanzig Jahre später, in den 1950er Jahren. Der Roman handelt von Jean Louises später und schmerzhafter Erkenntnis, dass ihr Vater Atticus nicht ganz dem idealen Bild entspricht, das sie sich in ihrer Kindheit und Jugend von ihm gemacht hat. Sie lernt auszuhalten, dass sie nicht in allen wichtigen Fragen dieselben Überzeugungen vertreten. Während die Beziehung zum Vater auf einer neuen, realistischeren Grundlage intakt bleibt, zerbricht die Beziehung zu ihrem Jugendfreund Hank, der sie gerne heiraten möchte, an dem gleichen Konflikt.

Das dritte Kapitel enthält eine Textanalyse und -interpretation.

To Kill a Mockingbird – Entstehung und Quellen:

Harper Lee lebte sehr zurückgezogen und war als Autorin nicht auskunftsfreudig. Daher ist kaum etwas über die Entstehung ihres berühmten Romans bekannt. Sicher ist aber, dass sie in dem Buch viel Persönliches einfließen ließ. Die Nebenfigur des Dill ist ein Porträt ihres Kindheitsfreundes Truman Capote.

Inhalt:

Der erste Teil des Romans handelt hauptsächlich davon, wie die – zu Beginn der Handlung fast sechsjährige – Ich-Erzählerin und Hauptfigur Jean Louise Finch, genannt Scout, ihr vier Jahre älterer Bruder Jem und ihr Freund Dill, der jeweils seine Sommerferien in Maycomb verbringt, Kontakt zu dem geheimnisvollen Arthur Radley, genannt Boo, aufzunehmen versuchen, der aufgrund lange zurückliegender Jugendverfehlungen nie das Haus verlässt.

Im zweiten Teil verteidigt Scouts Vater, der Rechtsanwalt Atticus Finch, einen zu Unrecht der Vergewaltigung eines weißen Mädchens angeklagten Schwarzen. Der Beschuldigte wird verurteilt und stirbt. Atticus muss mit der Missbilligung der Mehrheit seiner weißen Mitbürger leben, die ihn aber nichtsdestotrotz erneut zu ihrem Repräsentanten in der gesetzgebenden Versammlung Alabamas wählen. Lediglich Bob Ewell, der Vater des angeblichen Vergewaltigungsopfers, verfolgt Atticus mit unversöhnlichem Hass und verübt schließlich einen heimtückischen Mordanschlag auf dessen beide Kinder. Scout und Jem werden von Arthur Radley gerettet, der den Angreifer tötet. Er hat über die beiden gewacht, die sich in ihrer kindlichen Neugier so für ihn interessiert haben. Danach zieht er sich wieder in seine Einsamkeit zurück. Die inzwischen achtjährige Scout hat den Eindruck, in zweieinhalb Jahren viel gelernt zu haben.

Chronologie und Schauplätze:

Der Roman spielt in Maycomb, einer fiktiven Kleinstadt in Alabama. Vorbild für diesen Schauplatz ist Harper Lees Geburtsstadt Monroeville in der Nähe der Hafenstadt Mobile.

Die Erzählung beginnt im Frühsommer 1933 und endet im Oktober 1935. Die ersten beiden Jahre dieses Handlungszeitraums werden im etwas kürzeren ersten Teil des Romans behandelt, die wenigen restlichen Monate (ab Sommer 1935) im zweiten Teil.

Aufbau:

Das beide Teile des Romans übergreifende Thema sind die Folgen sozialer Ausschließungsmechanismen in einer kleinstädtischen und überdies von Rassenvorurteilen geprägten Gemeinschaft. Der erste Teil des Romans besteht eher aus einer Reihung von Episoden, während die Kapitel des zweiten Teils um ein Zentralereignis herum gruppiert sind. Der erste Teil wirkt besonders absichtslos und lebensecht, erweist sich aber auf den zweiten Blick ebenfalls als wohldurchdacht, um die Themen und ‚Botschaften‘ des Romans zur Geltung zu bringen. Der zweite Teil ist dagegen, schon aufgrund der hier dominierenden Justizthematik, viel offensichtlicher als politische Beispielerzählung angelegt. Im Schluss werden die beiden Handlungsschwerpunkte des Romangeschehens auf spannende und geschickte Weise miteinander verknüpft. Gleichwohl wirkt dieser Schluss ein wenig konstruiert und trägt so zum Eindruck einer gewissen künstlerischen Uneinheitlichkeit bei.

Personen:

Der verwitwete Rechtsanwalt Atticus Finch und seine beiden Kinder Jem und Jean Louise, genannt Scout, sind die Hauptfiguren des Romans. Atticus beeindruckt und provoziert seine Mitbürger durch seine Integrität, Besonnenheit und Friedfertigkeit. Dadurch wird er, der an sich selbst und seine Kinder den Anspruch stellt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und nicht über sie zu urteilen, in der kleinen Stadt zu einem Außenseiter. Jems Anlagen ähneln denen des Vaters, der ihm in vielem ein Vorbild ist, auch wenn er andererseits gerne ein ganz normaler Junge wäre. Scout ist impulsiv und jungenhaft, dabei für ihr Alter erstaunlich klug und einsichtsvoll, zugleich aber auch noch auf kindliche Weise arglos und naiv. Der Vater und der Bruder sind ihre wichtigsten Bezugspersonen.

Calpurnia, die schwarze Haushälterin der Finchs, genießt mit Blick auf die Erziehung seiner Kinder das uneingeschränkte Vertrauen von Atticus; anders als seine Schwester Alexandra, die aus Scout gerne eine junge Dame machen möchte.

Eine weitere wichtige Bezugsperson von Scout ist die Nachbarin Miss Maudie Atkinson, durch die sie unter anderem manches erfährt, was sie noch nicht über ihren Vater wusste.

Scouts einziger echter Freund unter den ihr Gleichaltrigen ist der nur während der Sommerferien verfügbare Dill, ein unternehmungslustiges, phantasievolles und empfindsames Kind und wie sie ein Außenseiter.

Tom Robinson und Arthur Radley sind zwei gutartige Menschen, denen von ihren Mitmenschen übel mitgespielt wird. Den einen versucht Atticus vergeblich zu retten, der andere wird am Ende des Romans überraschend zum Retter von Scout und Jem.

Stil und Sprache Harper Lees:

To Kill a Mockingbird ist aus der Perspektive eines Kindes erzählt, jedoch nicht von einem Kind, sondern von einer erwachsenen Erzählerin, die sich in ihr früheres Ich hineinversetzt. Durch diese Erzählkonstellation lässt sich der Erlebnishorizont einer noch überwiegend kindlich-naiven Figur mit dem Erkenntnishorizont einer reiferen Person kombinieren.

In anderer Weise wiederholt sich diese Erzählkonstellation auf der Ebene der Handlung im Geschwisterpaar Jem und Scout. Jem ist vier Jahre älter und versteht daher vieles besser als Scout, die wiederum seine herausgekehrte Überlegenheit grundlos und albern findet. Aus diesem Dissens ergeben sich humoristische Effekte; vor allem aber stellt er eine weitere Möglichkeit dar, den Leser an den im Romangeschehen angelegten Erkenntnisprozessen teilhaben zu lassen.

Die durchgehend humoristische Erzählweise des Romans dient dem doppelten Zweck, auf unsentimentale Art die Erinnerung an eine vergangene Welt heraufzubeschwören und ohne Rechthaberei und Härte Kritik an der kindlichen Unreife der Hauptfigur – also im Grunde Selbstkritik – zu üben.

Verschiedene Interpretationsansätze bieten sich an:

Anhand verschiedener Figuren und Handlungsepisoden wird in To Kill a Mockingbird vorgeführt, wie aus tiefsitzenden – hier vor allem: rassistisch motivierten – Vorurteilen, aber auch aus leichtfertiger Lust an übler Nachrede Unheil und Leid erwachsen kann.

Die Spottdrossel, “the Mockingbird”, dient als übergreifendes Symbol für solche unheilvolle Gewalt gegen wehrlose Kreaturen, welche im Roman ausdrücklich als Sünde bezeichnet wird. Dieses titelgebende Symbol unterstreicht die ‚Botschaft‘ des Romans, bleibt dabei aber zu vage, um ganz überzeugen zu können.

Die Versuche von Interpreten, weitere Elemente der Romanhandlung symbolisch auszudeuten, wirken zumeist bemüht und sind selten erhellend. Daraus lässt sich zweierlei folgern: Man sollte sich generell hüten, überall symbolische Bedeutungen aufspüren zu wollen; und: Harper Lees Kunst als Erzählerin liegt weniger in der symbolischen Aufladung einzelner Handlungsmomente als vielmehr in der Gestaltung lebendiger Personen und in einer raffinierten Erzähltechnik, mit der sie ihre Anliegen ebenso beiläufig wie nachdrücklich zur Geltung bringt.

Rezeptionsgeschichte:

To Kill a Mockingbird war vom Start weg ein phänomenal erfolgreiches Buch, was umso erstaunlicher ist, als es sich ja um den ersten Roman einer bis dahin ganz unbekannten Autorin handelte. Die Geschichte traf den Nerv der Zeit und wurde für viele Menschen zu einem ihrer wichtigsten Lese- und Bildungserlebnisse. Auch die Verfilmung des Romans, die bereits Ende 1962 in die Kinos kam, war ein großer Erfolg.

2. Harper Lee: Leben und Werk

Harper Lee (1926–2016)© ullstein bild – Granger, NYC

2.1 Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1926

Monroeville, Alabama

Am 28. April kommt Nelle Harper Lee als jüngstes von vier Kindern des Anwalts Amasa Coleman Lee (1880–1962) und der talentierten Pianistin Frances Cunningham Finch Lee (1889–1951) zur Welt. Ihr Vater, angeblich ein Nachfahre des Bürgerkriegsgenerals Robert E. Lee, ist bei Nelles (so ihr Rufname) Geburt bereits 46 Jahre alt, ein großgewachsener, ernster Mann, der mit seinen Kindern eher distanziert umgeht, aber dennoch der Abgott seiner jüngsten Tochter ist. Neben seiner Arbeit als Anwalt betätigt er sich bis 1947 als Redakteur und Herausgeber des Monroe Journal, dessen Mitbesitzer er seit 1929 ist. Zudem engagiert er sich, wie Atticus Finch im Roman, zwischen 1927 und 1939 als Abgeordneter in der “Alabama State Legislature“ für die öffentlichen Belange. Auch die Mutter entstammt einer traditionsreichen Südstaatenfamilie. Sie wird in der älteren Forschungsliteratur als etwas exzentrisch, aber liebevoll beschrieben. In der neueren Literatur heißt es, sie sei psychisch krank gewesen und habe möglicherweise unter einer bipolaren Störung gelitten. Daher habe sie das Haus überhaupt nur selten verlassen. Der Haushalt wird hauptsächlich von einer schwarzen Haushaltshilfe, Maddy, besorgt.

Geburt

1926 bis 1944

Monroeville, Alabama

Nelle ist ein wildes, jungenhaftes Kind, das selten in Kleidern, dafür umso öfter in Overalls zu sehen ist. Ihr engster Spielkamerad ist der zwei Jahre ältere Truman Capote (damals Truman Persons, 1924–1984), der zwischen 1928 und 1933 in der unmittelbaren Nachbarschaft bei Verwandten lebt und ein eher weichliches Kind ist. Gemeinsam ist ihnen ihre Neugierde und Abenteuerlust, ihre Neigung, sich Phantasiewelten zu erschaffen und Geschichten auszudenken, sowie ihr frühreifes Sprachtalent. Capote hat später erklärt, er habe schon früh eine Schreibmaschine besessen, regelmäßig an seinen Geschichten gearbeitet und Nelle angehalten, ebenfalls ernsthaft zu schreiben. Sie habe nicht recht gewollt, habe sich aber von ihm dazu überreden lassen. Bis 1944 geht Nelle in Monroeville zur Schule.

1–18

1944 bis 1945

Montgomery, Alabama

Lee besucht Huntingdon College, eine Privatschule für Mädchen in der Hauptstadt. Dort ist sie unter ihren Kommilitoninnen eine Außenseiterin, weil sie nicht deren Interessen teilt.

18–19

1945 bis 1949

Tuscaloosa, Alabama

Lee wechselt als undergraduate student an die University of Alabama. Auch wenn sie sich nun stärker bemüht, am gemeinschaftlichen studentischen Leben teilzuhaben, gilt sie auch hier als individualistische Eigenbrötlerin. Sie schreibt Beiträge für die Studentenzeitschrift und redigiert 1946 bis 1947 den Rammer-Jammer, ein “humor magazine“. 1947 beginnt Lee an der University of Alabama School of Law ein Jurastudium. Das Arbeitspensum ist so groß, dass sie die Herausgabe des Rammer-Jammer aufgeben muss. Bald erkennt sie jedoch (und teilt es ihrer Familie mit), dass nicht die Rechtswissenschaft, sondern das Schreiben ihre wahre Berufung ist.

19–23

Oxford, England

Ein Semester ihres Studiums verbringt sie im Ausland, in Oxford. Bald nach ihrer Rückkehr bricht sie das Studium ab. Anders als ihre älteste Schwester Alice, die Rechtsanwältin geworden und in die Praxis des Vaters eingestiegen ist, geht Lee 1950 nach New York, um Schriftstellerin zu werden.

1949 bis 1958

New York

Lee nimmt eine Stelle als Flughafenangestellte an. Abends schreibt sie an ihrem ersten Roman. Zu Weihnachten des Jahres 1956 stiften ihr ihre Freunde ein einjähriges Schreibstipendium (das Lee später mit Zinsen zurückzahlt). 1958 beendet Lee die erste Fassung von To Kill a Mockingbird, die im Verlagshaus J. B. Lippincott mit Interesse, aber auch kritisch aufgenommen wird. Zusammen mit der Lektorin Tay Hohoff arbeitet sie an der Endfassung.

23–32

1959 bis 1963

USA, vor allem Kansas

1959 wird in Kansas eine auf dem Lande wohnende Familie von zwei Obdachlosen brutal ermordet. Truman Capote und Lee unternehmen in der Folge mehrere Reisen, um mit den Beschuldigten zu sprechen und die Hintergründe des Falles zu recherchieren. Aus dem Material wird Capotes Aufsehen erregender dokumentarischer Roman In Cold Blood (1966).

33–37

1960

New York

Im Herbst erscheint To Kill a Mockingbird.

34

1961

Monroeville, Alabama

Lee erhält für ihren Roman den “Pulitzer Prize for Fiction“ und weitere Literaturpreise. Sie kehrt in ihre Heimatstadt zurück und beginnt an einem zweiten Roman zu arbeiten. Sie veröffentlicht einige kleinere Zeitschriftenbeiträge (1961–1965).

35

1962

u. a. Monroeville, Hollywood

Im Mai erhält Lee die Ehrendoktorwürde des Mount Holyoke College. Robert Mulligan (1925–2008) verfilmt den Roman. Lee lehnt das Angebot ab, das Drehbuch zu schreiben, das daraufhin von Horton Foote (1916–2009) verfasst wird. Gregory Peck (1916–2003) übernimmt die Rolle des Atticus Finch und erhält von der Autorin die goldene Uhr ihres im April verstorbenen Vaters als Geschenk. Harper Lee nimmt als “special consultant“ an der Produktion des Filmes in Hollywood teil. Der Film wird ein großer Erfolg und gewinnt drei Oscars (bester Hauptdarsteller, bestes Drehbuch, beste Ausstattung).

36

1964

Das Drehbuch zum Film erscheint mit einem Vorwort von Lee.

38

1966

Lee wird von Präsident Lyndon B. Johnson zum “National Council on the Arts“ ernannt. Sie beteiligt sich an der Suche nach einem geeigneten Drehort für Capotes A Christmas Memory.In Cold Blood (1966) erscheint. Capote widmet das Buch Harper Lee und seinem langjährigen Lebensgefährten Jack Dunphy, versäumt es jedoch, Lees Anteil an dem Werk kenntlich zu machen, was sie enttäuscht und verletzt. Die Freundschaft der beiden Autoren leidet darunter, wenn auch nur vorübergehend.

40

1990

Montgomery, Alabama

Die University of Alabama verleiht Lee die Ehrendoktorwürde.

64

2000 bis

2007

Monroeville, Alabama, und New York City

Harper Lee lebt gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Alice Lee – die von ihr als “Atticus in a skirt” bezeichnet wurde – zurückgezogen abwechselnd in ihrer Heimatstadt und in New York City. Ihr weiterhin einziger Roman ist nun schon seit Langem ein Welterfolg und in den USA Pflichtlektüre für nahezu jedes Schulkind. Viele Amerikaner geben in Umfragen an, die Lektüre von To Kill a Mockingbird sei eines ihrer entscheidenden Bildungserlebnisse gewesen.

74–81

2005

In dem Oscar-nominierten Film Capote wird die Rolle Harper Lees von Catherine Keener gespielt. Lee erhält den Los Angeles Public Library Literary Award.

79

2007

Washington und Monroeville, Alabama

Harper Lee wird am 5. November vom US-Präsidenten George W. Bush mit der “Presidential Medal of Freedom” ausgezeichnet, dem höchsten zivilen Orden der USA. Im selben Jahr erleidet sie einen Schlaganfall und hat weitere gesundheitliche Probleme, in deren Folge ihr Hör- und Sehvermögen und das Kurzzeitgedächtnis abnimmt. Sie siedelt in ein Altersheim in ihrer Heimatstadt über.

81–89

2011

Monroeville, Alabama

Lees Freundin Tonja Carter entdeckt das Manuskript von Go Set a Watchman in einem Bankschließfach, das die junge Autorin 1958, noch vor To Kill a Mockingbird, fertiggestellt, für das sie damals aber keinen Verlag gefunden hatte.

85

2014

New York

Harper Lee stimmt zu, dass ihr Roman bei HarperCollins als E-Book und als Hörbuch erscheinen darf. Sie selbst, lässt sie erklären, liebe gebundene Bücher, aber sie sei beglückt und geehrt, dass ihr Roman so lange überlebt habe und nun in seinen neuen Erscheinungsformen auch der nächsten Generation zur Verfügung stehe.

88

2015

New York und Monroeville, Alabama

HarperCollins veröffentlicht im Juli Harper Lees Roman Go Set a Watchman. Vorübergehend kommt der Verdacht auf, der frühe Roman sei gegen den Willen Lees veröffentlicht worden. Diese Vermutung weist Lee allerdings selbst als unbegründet zurück. Das Buch wird ebenfalls ein Erfolg und löst eine Kontroverse aus, weil Atticus Finch hier in einem anderen, nicht mehr eindeutig positiven Licht erscheint.

89

2016

Monroeville, Alabama

Harper Lee stirbt – im Schlaf und ohne zu leiden, wie ihr Neffe Hank Connor später mitteilt – am 26. Februar im Alter von 89 Jahren.

89

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

To Kill a Mockingbird spielt während der Zeit der Großen Depression (1929–1941). Durch die wirtschaftliche Not verschärften sich damals viele gesellschaftliche Konflikte. Insbesondere in den weißen Unterschichten flammte der Rassismus wieder auf. Die in zeitgeschichtlicher Hinsicht wichtigste Episode des Romans, in der ein Schwarzer von einer aus Mitgliedern der weißen Landbevölkerung bestehenden Jury wegen der angeblichen Vergewaltigung eines weißen Mädchens zum Tode verurteilt wird, hat Harper Lee in manchen Zügen nach einem Gerichtsfall gestaltet, der zwischen 1931 und 1937 landesweit für Aufsehen gesorgt hatte.

Harper Lees Roman To Kill a Mockingbird schildert die Lebensverhältnisse im Süden der USA während der 1930er Jahre und spiegelt dabei insbesondere die rassistische, diskriminierende Haltung der weißen Bevölkerung gegenüber den Schwarzen wider. Die zentrale Episode des Romans, das Gerichtsverfahren um die angebliche Vergewaltigung einer weißen Frau durch einen schwarzen Mann, weist darüber hinaus viele Parallelen zu einem wirklichen Fall auf, der nicht nur in Alabama, sondern überall in den Vereinigten Staaten außerordentliches Aufsehen erregte. Diese Zusammenhänge werden in diesem Kapitel in knapper Form geschildert.[1]

Die Große Depression, die auf den Börsenkrach des Jahres 1929 folgte und auf Jahre hinaus weite Teile der Bevölkerung mit Armut bedrohte, traf die amerikanischen Südstaaten mit ihrer überwiegend ländlichen Struktur besonders hart. Gerade die Gegenden, die vom Baumwollanbau lebten – wie Nelle Harper Lees Geburtsstadt Monroeville, das Vorbild für Scouts Heimatstadt Maycomb im Roman –, litten bittere Not. Während das durchschnittliche Einkommen 1932 nur noch 58 Prozent des Standes von 1929 betrug, kamen die Baumwollfarmer auf nicht mehr als 31 Prozent ihres vormaligen Einkommens. Die verzweifelte Unsicherheit der wirtschaftlichen Lage verstärkte die ohnehin tiefsitzenden Vorbehalte der meisten Weißen gegenüber den Schwarzen. Soziale Deklassierung aufgrund der ökonomischen Misere wurde vielfach durch noch rigidere und hochmütigere Abgrenzung gegenüber der farbigen Bevölkerung kompensiert. Wo alle bisherigen Sicherheiten der gewohnten Ordnung zu zerbrechen drohten, war man darauf bedacht, dass wenigstens der Status der Schwarzen als Bürger und Menschen zweiter Klasse unverändert blieb.[2] Diese Entschlossenheit, den Farbigen die Anerkennung als gleichwertige Bürger und Menschen vorzuenthalten, kam in aller Hässlichkeit in dem wichtigsten Prozess mit rassistischem Hintergrund jener Jahre zum Ausdruck, dem “Scottsboro trial”.

Angeklagt waren neun junge Schwarze, die am 25. März 1931 in dem kleinen Ort Paint Rock im Norden Alabamas beim Ausstieg aus einem Güterzug festgenommen worden waren. Sie wurden beschuldigt, zwei weiße Frauen vergewaltigt zu haben, die mit demselben Zug gereist waren. Am 6. April wurde in Scottsboro der Prozess eröffnet, der am 9. April mit Todesurteilen gegen acht der neun Angeklagten endete. Die Berufungsverfahren gegen diese Urteile gelangten bis vor das Oberste Gericht (Supreme Court) der USA, das am 7. November 1932 ein neues Verfahren anordnete, weil den Angeklagten während des ersten Prozesses keine angemessene Verteidigung zugestanden worden sei. Ende März 1933 begann der neue Prozess in Decatur, Alabama. Als Verteidiger griff nun der berühmte New Yorker Anwalt Samuel S. Leibowitz in den Fall ein. Auch der neue vorsitzende Richter, James E. Horton, schien entschlossen, für einen fairen Prozess zu sorgen. Dennoch wurde der Beschuldigte Haywood Patterson schon nach wenigen Verhandlungstagen von der Geschworenenjury erneut zum Tode verurteilt