Regensburg, Du Schöne - Uwe Gröne - ebook

Regensburg, Du Schöne ebook

Uwe Gröne

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Opis

ENTSCHLEUNIGUNG: Autor Uwe Gröne verlangsamt gedanklich seine Lebensgeschwindigkeit, um die stetig übereilt erlebten Ereignisse der Tagesabläufe in geeigneter Form noch einmal an sich vorbeiziehen zu lassen, sie dabei im Fokus, der Intensität entsprechend, zeitlich unbegrenzt zu bearbeiten und den Luxus des Verstehens der Situationen zu erleben. Die zunehmende Gleichgültigkeit aller im Verhalten zueinander, in allen Bereichen, auf allen Ebenen und der zunehmende Wunsch nach »größer, schneller, stärker, schöner, besser« zeigt eine zunehmende Oberflächlichkeit, die die eigentlichen Wünsche jedes Einzelnen nach echten Werten verblassen lässt, verhindert oder gar nicht erst entstehen lässt. Die Gefühlswelt ist unter Kontrolle geraten, Gefühle werden nur toleriert, wenn sie in die vorgefertigten Bereiche der bestehenden Konsumwelt passen. Eigenständige Gefühle bilden die Gefahr, aus den Gefühlen heraus eigene Entscheidungen über gut oder schlecht, schön und hässlich zu entwickeln und damit die Konditionierung zu beenden und abzulegen. Uwe Gröne beschreibt hier die verdrängten, übereilt überflogenen Erlebnisse von Lebensabschnitten in ihren Auswirkungen. Sie unbewusst als »erfolgreich – erfolglos« angenommen oder als zu belastend abgelehnt zu haben. Dabei wirbelt er die achtlos zu Staub zerriebenen, unter den Tisch fallengelassenen sensiblen Bereiche des Lebens auf, um an ihre Wichtigkeit und ihren Verlust zu erinnern.

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Liczba stron: 118

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Uwe Gröne

REGENSBURG, DU SCHÖNE

Ein Aufsatz über die sensiblen Bereiche des Lebens

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2017

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Copyright (2017) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Titelbild © Regina E. Wittenbecher

[email protected]

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Einen großen Dank an meine Familie. Insbesondere meiner Schwester, meinem Schwager und meiner Nichte. Sie haben unermüdlich hinter mir gestanden.

Nicaragua, 02.02.2017

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Gedanken zu „Regensburg, die Schöne“

Regensburg, die Schöne (1): Einblick in einen Teilbereich eines Lebens

Regensburg, die Schöne (2): Schein und Realität

Berufsänderung

Konsum-Werbung

GEDANKENSPIELE

Gedanken zu „Regensburg, die Schöne“

Wenn nicht grade die Auswirkungen einer Wirtschaftskrise zu bewältigen sind, ist es bei unserer erlernten Sichtweise leicht, anzunehmen, dass die Art, wie wir leben, richtig ist. Die Gefahr ist dabei zu glauben, dass alles ‒ so wurde es uns im Vertrauen darauf schon von klein auf vermittelt ‒ normal und gut ist.

Aber was ist normal? Etwas, das schon immer so war? Das unsere Generation so kennengelernt hat und die davor ebenso? Der Kaufmann, Busfahrer, Nachbar, Freunde: Leute, die man gut kennt und die alle denken, es ist normal wie es ist. Und die, so orientiert, mit diesen Gegebenheiten leben? Immer abhängig von der jeweiligen Gesellschaftsform. Nicht bereit sie zu gestalten, sich von ihr voll Vertrauen gestalten zu lassen.

Ist es denn so normal, weil Du gar keine Unzufriedenheit spürst?

Es erscheint uns so, weil uns im jeweiligen Moment nichts anderes bekannt ist zum Vergleich und aus diesem Grund Unzufriedenheit gar nicht erst entstehen kann. Wir haben gelernt, ihr durch Ausgleichshandlungen zu begegnen. Diese Kompensation wird notwendig mit Beginn von Ungereimtheiten, die zu einer Unzufriedenheit führen könnten, entstanden durch einen Vergleich mit anderen Lebensformen.

Warum können die ‒ und nicht ich auch?

Wer hat uns diese Erkenntnisse vermittelt und wie weit sind sie auf dem Mist der Vermittler gewachsen?

Sie sind uns in einer Form gegeben und vermittelt worden, wie Gebrauchsanweisungen in Originalverpackungen. Positiv dargestellt für verschiedene Situationen unseres Lebens. Ähnlich wie in der Werbung.

Niemand hat uns ermahnt, kritisch zu sein. Speziell wenn es im beginnenden Erwachsenenalter um das Finden eigener, persönlicher Erkenntnisse, Werte und Normen in diesen Bereichen ging.

Also, wenn Du magst, frage Dich, was ist von dem, was Du machst normal in DEINEM Sinne. An was macht sich DEIN „normal“ fest? Gibt es DEINEN Sinn, oder reicht es Dir, Dich innerhalb der Norm zu bewegen? In der Gruppe zu bewegen? Nicht aufzufallen, „negativ“ aufzufallen? Und Dir so durch das Verhalten von Erwachsenen und durch Werbung bestätigen zu lassen, das alles „NORMAL“ erscheint?

Ist die Individualität eines Menschen, auch die Deiner Persönlichkeit, wie die der Anderen, sind die eigenen persönlichen Fähigkeiten, die in jedem schlummern, verkümmert oder konnten sie sich nicht entwickeln? Oder waren oder sind sie gar nicht vorhanden?

Oh doch, sie sind da! Es gibt nur in der Normalität in der wir leben, außer in Ausnahmen, in der Regel keinen Platz dafür, keinen Anreiz. Individualität und Fähigkeiten wurden nicht geweckt oder konnten beziehungsweise sollten sich nicht entwickeln.

In unserer Gesellschaftsform hat nur etwas Wert, das darauf hinführt zu erkennen, dass bei einem Bedürfnisnach Zufriedenheit meist nichts anderes bleibt, als sie sich zu kaufen.

Das Zauberwort. Auto, Wohnung, Kleidung, Hightech, Urlaub usw. Die gesamte Konsumwelt steht dafür offen und bietet gelenkte Möglichkeiten an, „Individualität“ zu erfüllen. Gelenkt durch Bedürfnisse, die künstlich geweckt werden.

Was dabei erlernt, gelernt wird ‒ nämlich die Schaffung von Kaufkraft! ‒ Ziel Numero eins des Lebens. Das geschieht in der Regel, wie bekannt, durch Arbeit. Ist der Wunsch nach Individualität groß, muss es viel von diesem Aufwand sein; ist er normal, geringer. Passend dazu werden im Internet als Lösungen Kredite ohne Schufa angeboten.

Eine weitere Erkenntnis neben der eben erwähnten, zeigt eine zweite gesellschaftlich erwünschte Ebene auf. Je mehr Energie für die Arbeit (=Kaufkraft) benötigt wird, umso weniger besteht die Bereitschaft zur eigenen Kreativität. Kreativität aber ist der Eingang zur EIGEN-Entfaltung. Sich dabei Gedanken zu machen, wie es zu schaffen ist, unsere unbewusste, etwas naive, eben erwähnte Betrachtungsweise unserer Welt abzulegen, um sie dann mit den bekannten Fragen „WIESO, WESHALB, WARUM?“ zu ergründen und danach zu versuchen, sie gemeinsam in unserem Sinne, neu zu gestalten und zu ändern.

Um nicht mehr länger als nötig, mehr und mehr zum Konsumenten geformt, gleichgeschaltet ‒ und angepasst zu werden.

Sich zugestehen, eigene Erkenntnisse von Zusammenhängen durch eigene Erlebnisse zu schaffen. Erkenntnisse, die ohne Geld zu erreichen und in ihrer Art den gekauften gegenüber so erhaben sind, dass sie außer Konkurrenz stehen. Sie unterliegen keiner Mode, keinem Trend, sind relativ frei wie die Gedanken und dazu, in diesem Zustand, nebenbei nicht zu stehlen.

Es gab in der Geschichte Zeitabschnitte, in denen radikale Gruppen meinten und immer wieder neu meinen, um Ziele eines politischen, wirtschaftspolitischen oder religiösen „Glaubens“ zu erreichen, erfordere es ein (normales) rückhaltloses Handeln. Wobei präparierte Gleichschaltung dabei schon immer den Boden bereitet hat.

Die Inkas ‒ das war zu ihrer Zeit völlig normal ‒ opferten ihren Göttern Menschen. In den Glaubenskriegen der katholischen Kirche gegen Andersgläubige wurden, nur ein Beispiel, im Kreuzzug gegen die Katharer in Beziers (Frankreich) 20 000 Menschen an einem Tag aufs Brutalste ermordet. Und das war für die Machthaber, Papst und König, normal. Massenmorde, wie sie auch im Faschismus und Stalinismus passierten, um noch ein paar weitere zu erwähnen, wurden zu ihrer Zeit als normal hingestellt. Sie spielten und spielen sich ständig dort ab, wo die tragenden Faktoren wirtschaftliche, machtpolitische oder religiöse Hintergründe haben und als Begründung dafür genutzt wurden und werden.

Und es war und ist immer das gleiche NORMAL, weil es ja schon immer so gehandhabt wurde. Weil es schon immer so war.

Eine Gruppe von Jesuitenmönchen verteidigte in Carcassonne (Südfrankreich) in einer Diskussion über Katharismus vor einigen Jahren die Ermordung der Mensch in Beziers mit „Nun ja es war nicht gut, aber in dieser Zeit normal und andere Gruppen haben es noch viel schlimmer betrieben.“

Es ist also nicht der Zeitraum der Handlung oder die Art, wie was gehandhabt wurde, wichtig, sondern die geschichtliche Stagnation oder Weiterentwicklung. Entwicklung der Verantwortung von Moral in Sozial- und Gesetzessituationen gegenüber der heute gesamten Umwelt von Machthabern in Staat und Gesellschaft.

In unserer Kultur ist die gesellschaftliche Verantwortung an die Politik abgetreten worden. Es sei viel einfacher, wurde vermittelt, und Bürger akzeptierten träge, kaum Motivation zu haben, Verantwortung zu übernehmen, Kraft und Spielraum zum Agieren im Leben zu bekommen.

Im Zeitalter der angeblichen „Aufgeklärtheit“ findet Verantwortung, vermittelt von Presse, Rundfunk und TV, im herkömmlichen Sinne fast nur noch bestätigend unter Gesichtspunkten des wirtschaftlichen Interesses statt. Bei dieser großen, permanenten sich stetig erneuernden Konditionierung der Gesellschaft ist das Ziel, dass nichts mehr dem wirklichen Zufall, wie beim Wetter, überlassen ist. Im Ablauf des täglichen Lebens ist alles andere auffällig, scheinbar nicht gewünscht, muss entspannt, glatt und schön sein.

Stellen sich einem Betrachter jedoch zwei oder mehrerer Kulturen, die eigene und eine andere ins Blickfeld, ist zu erkennen, wie unterschiedlich „normal“ sein kann.

Wartest Du mit Deiner Kultur in Drittweltländern am Busbahnhof einer Stadt, kannst Du einige junge Frauen sehen, die in dem Bahnhofsgewusel so gekleidet sind wie eben junge Frauen, die in der Stadt leben: chic und modern. Dann fährst Du mit ihnen am Ende des Tages zur Feierabendzeit zufällig mit dem gleichen Bus aufs Land und bist erstaunt, wenn sie an einer kleinen Hütte aus Brettern austeigen. Das ist ihr Zuhause, ihr erlerntes „Normal“, in das sie hineingewachsen sind. Fährst Du dann am kommenden Morgen wieder mit dem Bus in die Stadt zurück, kommt aus dieser kleinen Hütte ein Wesen, wieder chic, bei dem Du Dich kurz fragst: „Wie ist diese Person dahin gekommen? Sie passt nicht.“ Dann erkennst Du dieselbe Person wie gestern, aber anders gekleidet. Für sie ist es alle Tage ein Stück Theater, morgens und abends zwischen den Welten. Ihr „Normal“ und das der anderen, der großen „Normal-Welt“.

Ein anderes Beispiel: Ein alter Mann im gleichen Lebensbereich wird gefragt, welchen Beruf er hatte? Er antwortet, er sei jetzt 87 Jahre alt und er hätte Häuser gebaut und sei so etwas wie ein Baumeister gewesen. Als dann seine Bauwerke zu sehen sind, zeigt es sich, dass er von Hütten geredet hat, die er in seinem „NORMAL“-Verständnis als Häuser ansieht. Ein Haus kann abhängig von der jeweiligen Kultur auch eine Bretterhütte sein, wenn sie die Funktion des Hauses, des Wohnens bietet.

Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

Und aus dieser Komplexität heraus kommen wir zu jemandem in Regensburg, der versucht hat, sich eine interessante, einfache und für alle überschaubare Existenz zu schaffen.

Regensburg, die Schöne (1)

Einblick in einen Teilbereich eines Lebens

Visuelle Schönheit reicht nicht aus, wenn sich die oberflächliche Harmonie nicht mit dem, was sich darunter verbirgt, im Denken und Fühlen von Menschen in ihrem Lebensraum, im Einklang befindet. Im Folgenden bestimmt die Macht des Geldes und deren Besitzer mit, „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“-Gedanken und Ideen, die im Wege stehen, es zu vermehren.

Den Rahmen bildet die lokal festgelegte Ordnungsstruktur. Sie besteht, wird bei Bedarf geändert, neu erlassen und schleift sich danach fast von selbst ein. Der Rest fällt ‒ wo gehobelt wird, da fallen Späne ‒ unter den Tisch und wird weggefegt.

Amaro, ein alternativ wissender, lebenserfahrener, ein verantwortungsvoller Regensburger, arbeitslos schon seit längerer Zeit, wollte sich befreien von den Zwängen der Ämter und von Vorurteilen ihm gegenüber und hatte die Idee, sich auf eigene Weise selbstständig zu machen.

Er wollte das Gelände um das ehemalige Peterstor, in einen gleichbleibend sauberen Zustand versetzen: die Brache des ehemaligen Stadtgrabens, beginnend unterhalb der Brücke, die seit Jahren quasi als Mülldeponie von Passanten unachtsam genutzt wurde, und das anschließende Gelände oberhalb, am Besitz der Gräfin entlang, 100 Meter in Richtung Bahnhof und von der Brücke bis zur Skulptur am Kindergarten am Stadtgraben. Er harkte und sammelte Kippen, Verpackungen und Essensreste von McDonaldʼs, Plastiktüten und Cola-Becher, jeden Tag von früh bis zum späten Nachmittag.

Probleme mit den Stadtgärtnern gab es keine. Sie sahen ihn nicht als Konkurrenten. Es hatte sich bis zu ihnen herumgesprochen, dass er einen Teil ihrer Arbeit machte, ohne dafür Geld zu bekommen. Sie akzeptierten seine Arbeit.

Solange es von der Temperatur her möglich war, wohnte er unter dem Brückenbogen mit provisorischer Waschgelegenheit und lebte von Kleiderspenden und Essenspaketen, die ihm Touristen und Anwohner ausreichend als Anerkennung für seine Arbeit brachten.