"Opfer der Zeit" - Christina Nöbauer - ebook

"Opfer der Zeit" ebook

Christina Nöbauer

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Opis

Im Zuge der nationalsozialistischen "Gesundheitspolitik" wurden Hunderttausende Menschen Opfer von Zwangssterilisation und gezielter Tötung. Auch BewohnerInnen der Caritas-Anstalt St. Anton im Salzburger Pinzgau waren von dieser grausamen Politik betroffen. Die vorliegende Publikation widmet sich den Schicksalen dieser Menschen, ist Zeitzeugnis und Gedenkprojekt zugleich und arbeitet eines der dunkelsten Themen der jüngeren Geschichte auf. Die Autorin liefert umfassende Informationen zur Verfolgung "lebensunwürdiger" Menschen im Nationalsozialismus und zeigt, wie diese tödliche Maschinerie arbeitete. Zudem wird die Geschichte der Caritas-Anstalt St. Anton beleuchtet und Auskunft über das Schicksal der BewohnerInnen zur Zeit des Nationalsozialismus gegeben. Mit der exemplarischen Darstellung dieser Einrichtung zeichnet Christina Nöbauer ein erschreckendes Bild der NS-Verfolgungspolitik, das durch die Nachverfolgung von Einzelschicksalen umso deutlicher wird.

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Impressum

© 2016 by Studienverlag Ges.m.b.H., Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck

E-Mail: [email protected]

Internet: www.studienverlag.at

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-7065-5849-5

Buchgestaltung nach Entwürfen von Kurt Höretzeder

Satz: Da-TeX Gerd Blumenstein, Leipzig

Umschlag: hœretzeder grafische gestaltung, Scheffau/Tirol

Umschlagabbildung: Die Nähschule der Caritas-Anstalt St. Anton (aus dem Archiv der Gemeinde Bruck an der Großglocknerstraße)

Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.studienverlag.at.

Inhaltsverzeichnis
Cover
Impressum
Titel
Danksagung
Geleitwort
Vorwort
I. Ausgangslage und Fragestellung – eine Einleitung
1. Persönliche Vorbemerkung
2. Fragestellung
3. Quellenlage
II. Die Caritas-Anstalt St. Anton und ihre BewohnerInnen
1. Standort – Der Weiler Hundsdorf in Bruck an der Großglocknerstraße
2. Geschichte – Vom Bauernort zum Caritas Dorf
2. 1. Die Errichtung von Kirche und Kloster durch die Franziskaner
2. 2. Landesverband „Barmherzigkeit“ – Die Gründung der Caritas Salzburg
2. 3. Franz Fiala, Leiter der Caritas Salzburg und Gründer der Caritas-Anstalt St. Anton
2. 4. „Anstalt für schwachsinnige Kinder“ – Die Gründung der Caritas-Anstalt
2. 5. Die „Vöcklabrucker Schulschwestern“
2. 6. Von der „Anstalt für schwachsinnige Kinder“ zum Caritas Dorf St. Anton
2. 7. Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des NS-Terrors
3. Die BewohnerInnen der Caritas-Anstalt St. Anton von 1923 bis 1944
3. 1. Die BewohnerInnen im Spiegel von Daten und Zahlen
3. 2. Eintrittsalter, Austrittsalter, Aufenthaltsdauer
3. 3. Aufnahmen und Entlassungen nach Kalenderjahren
3. 4. „Zu den Eltern gekommen“ – Anmerkungen anlässlich des Austrittes
III. Nationalsozialismus – „eine neue Zeit mit neuen Menschen“
1. Über die Verfolgung „rassisch“ verpönter, beeinträchtigter, kranker und sozial unangepasster Menschen
1. 1. „Die Reinigung des Volkskörpers“ – Das GzVeN
1. 2. „Arbeitsscheu Reich“ – Einweisung in Zwangsarbeitslager
1. 3. „Gewährung des Gnadentodes“ – Meldung und Selektion
1. 4. „Andere Anstalt“ – Deportation und Ermordung
2. Österreich wird zur „Ostmark“
3. „Euthanasie“ in der „Ostmark“ – Ein Überblick
3. 1. „Aktion T4“ (1940–1941)
3. 2. Die Tötungsanstalt im Schloss Hartheim
3. 3. „Sonderbehandlung 14f13“ – Die Ermordung von KZ-Häftlingen (1941–1944)
3. 4. „Kinder-Euthanasie“ (1939–1945)
3. 5. Dezentrale Anstaltstötungen (1941–1945)
3. 6. „Aktion T4“-Transporte aus Salzburg
3. 7. Widerstand in Salzburg
IV. Tödliche Bedrohung – Von der Meldung bis zur Ermordung
1. Meldebögen und Kommissionsbesuche
2. „Nach Niedernhart gekommen“ – Die Deportation oberösterreichischer BewohnerInnen
2. 1. Überlebende des Transportes nach Niedernhart
2. 2. Opfer des Transports nach Niedernhart
3. Die Auflösung der Pflegeanstalt Konradinum Eugendorf
3. 1. Zwischenstationen St. Anton und Mariathal, Endstation Hartheim
3. 2. Überlebende Kinder und Jugendliche aus dem Konradinum
3. 3. Opfer unter den Kindern und Jugendlichen aus dem Konradinum
4. Weitere BewohnerInnen der CA St. Anton werden nach Mariathal verlegt
5. Bereits entlassene BewohnerInnen sterben in Hartheim, in Niedernhart, in Mauer-Öhling
6. „Kinder-Euthanasie“
6. 1. Organisation und Durchführung der „Kinder-Euthanasie“
6. 2. Kinder aus St. Anton als Opfer der „Kinder-Euthanasie“
6. 3. Kinder aus St. Anton als Überlebende der „Kinder-Euthanasie“
6. 4. Kinder-Rücktransporte im Herbst 1945
V. Unter Zwang – Von der Beobachtung bis zur Zwangssterilisation
1. Einführung
2. Beobachtet, begutachtet, angezeigt, beantragt, zwangssterilisiert
2. 1. „Zur Beobachtung“ eingewiesen – Gruppen-Überstellungen in die LHA Salzburg-Lehen
2. 2. Die historischen Krankenakten der CDK und die Zugangsbedingungen im SLA
2. 3. Aufbau und Inhalt des CDK-Kranken-Hauptbuchs 1937–1942
2. 4. Aufbau und Inhalt historischer Krankenakten der CDK (1942, 1943, 1944)
2. 5. Zusammenfassung der Eintragungen aus Krankenakten und Krankenhauptbuch
2. 6. Anmerkungen zu einzelnen Krankengeschichten
2. 7. „In Hinsicht auf die erbliche Belastung in der Familie … erscheint die Sterilisierung geboten“
2. 8. „… eine Aufschiebung der Unfruchtbarmachung nicht zugelassen wird.“
VI. Aufarbeitung und Erinnerungskultur
1. Die Nachkriegszeit und die Opfer des Krieges
2. Der Umgang mit den Salzburger Opfern der Zwangssterilisation
3. Zeichen der Erinnerung an BewohnerInnen der CA St. Anton
VII. Zusammenfassung
„Doch der Himmel wachte über die Seinen.“ – Ein Nachsatz
Alphabetisch geordnete Namensliste der Opfer der „Aktion T4“, der „Kinder-Euthanasie“ und jener BewohnerInnen der CA St. Anton, die mit großer Wahrscheinlichkeit Opfer einer dezentralen Anstaltstötung wurden
Zeittafel
Anmerkungen
VIII. Anhang
Quellen- und Literaturverzeichnis
Ungedruckte Quellen
Andere Quellen
Besuchte Websites:
Gedruckte Quellen
Verwendete Literatur
Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen
Bildnachweis

Christina Nöbauer

„Opfer der Zeit“

Über das Schicksal ehemaliger Bewohner­Innen der Caritas-Anstalt St. Anton in der Zeit des National­sozialismus

Danksagung

Hans Kreuzeder, 2000 bis 2012 Direktor der Caritas der Erzdiözese Salzburg, danke ich für die Anregung zur Recherche und für die Ermöglichung dieses Projektes. Seinem Nachfolger, Direktor Johannes Dines, für die Kontinuität in der positiven Haltung der Caritas und für die finanzielle Förderung des Buches. Besondere Dankbarkeit empfinde ich gegenüber der Caritas der Erzdiözese Salzburg, unter der Leitung von Direktor Johannes Dines, der Gemeinde Bruck an der Großglocknerstraße, unter BGM Johann Burgschwaiger und Vize-BGM Karin Hochwimmer, und dem Kulturressort des Landes Salzburg, unter der Leitung von Landesrat Heinrich Schellhorn, für die Errichtung des Mahnmals im Dorf St. Anton.

Allen anderen, deren Namen hier aufgelistet sind, gebührt Dank für unterschiedliche Hilfestellungen, wie fachliche Beratung, Bereitstellen von Unterlagen, Korrektur­lesen und vieles andere mehr, das dazu beigetragen hat, dass diese Arbeit erstellt und veröffentlicht werden konnte. Nicht zuletzt bin ich allen FreundInnen, die mich in emotional schwierigen Recherche-Phasen unterstützt haben, jedoch hier ungenannt bleiben, zutiefst zu Dank verpflichtet.

Stefan Aglassinger

Sarah Blum

Margarethe Buchmaier

Herwig Czech

Peter Eigelsberger

Evelyne Fullerton-Steininger

Bernhard Gliber

Nina Gruber

Waltraud Häupl

Andrea Jakober

Hedwig Kainberger

Sarah Kandlhofer

Franz Kienast

Ingeborg und Peter M. Kohlbacher

Sr. Johanna Pobitzer

Walter Reschreiter

Jürgen Rettensteiner

Monika Sauerczopf

Oliver Seifert

Johann Steininger

Fritz Voglreiter

Geleitwort

Im heutigen Caritas Dorf St. Anton in Bruck an der Großglocknerstraße leben rund 60 Menschen mit Behinderung. Sie besuchen die Schule, leben und arbeiten im Dorf und erhalten individuell abgestimmte Therapien. Ein nach ihren Möglichkeiten selbstbestimmtes Leben zu führen, dieses Ziel haben unsere BewohnerInnen inmitten der Gemeinschaft des Dorfes.

Dieses Recht auf menschenwürdiges Leben beeinträchtigter Menschen wurde in der Nazi-Zeit nicht nur missachtet, viele behinderte Menschen – davon 47 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus St. Anton – fielen den „Euthanasie“-Programmen zum Opfer. Dies war das Ergebnis der 2006 vom damaligen Caritas-Direktor Mag. Hans Kreuzeder beauftragten Geschichtsforschung durch die Historikerin Christina Nöbauer. Die so ans Licht gekommenen Auswirkungen des nationalsozialistischen Regimes auf die damalige Caritas-Anstalt St. Anton in der Zeit zwischen 1940 und 1945 sind erschütternd. Bereits im Juni 1940 wurden unangekündigt neun aus Oberösterreich stammende BewohnerInnen aus der Caritas-Anstalt St. Anton abgeholt. Vier dieser BewohnerInnen wurden nachweislich in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet, zwei starben in der Zwischenanstalt Niedernhart. Dass es nicht mehr geworden sind, ist den Ordensschwestern zu verdanken, die damals die behinderten Menschen betreuten. Durch einen Akt zivilen Ungehorsams retteten sie sieben Kinder vor dem Tod, indem sie deren Überstellung in die Kinderfachabteilung „Am Spiegelgrund“ zu vereiteln wussten.

Die Studie „Opfer der Zeit“ von Christina Nöbauer ist Zeitdokument dieser Geschehnisse. Ihr gebührt an dieser Stelle ein besonderer Dank für die konsequente Recherche angesichts oft schwieriger Quellenlage. Die Aufarbeitung dieser geschichtlichen Ereignisse ist für die Caritas wegweisend und Ansporn zugleich. Denn wir alle tragen Verantwortung, dass sich solche Gräueltaten nicht wiederholen. Das 2015 errichtete Mahnmal des Künstlers Sebastian Gärtner in St. Anton verweist auf die Opfer und erinnert an dieses dunkle Kapitel der Menschheit. Mitten am Dorfplatz stehend, erinnert es MitarbeiterInnen, BewohnerInnen und BesucherInnen an das Recht behinderter Menschen auf ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben.

Johannes Dines, Caritas-Direktor

Vorwort

Die Autorin wählte einen interessanten Forschungszugang. Ziel ihrer Arbeit war es, die Schicksale ehemaliger BewohnerInnen der Caritas-Anstalt St. Anton bei Bruck an der Großglocknerstraße während des Nationalsozialismus zu dokumentieren. Um dieses Ziel zu erreichen, waren jahrelange intensive Recherchen und eine enge Zusammenarbeit mit der Dokumentationsstelle Hartheim in Oberösterreich notwendig.

Aus der Caritas-Anstalt St. Anton ist ein Transport von neun BewohnerInnen Richtung Hartheim belegt. Im Juni 1940 wurden in Oberösterreich geborene BewohnerInnen in die Gau-Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart in Linz, eine Zwischenanstalt der Tötungsanstalt Hartheim, überstellt. Vier von ihnen ermordete man in der Gaskammer der Tötungsanstalt Hartheim, zwei blieben in Niedernhart und starben dort bzw. fielen möglicherweise der dezentralen „Euthanasie“ zum Opfer. Niedernhart und Hartheim standen unter der Leitung von Dr. Rudolf Lonauer. Er war als Arzt für die Ermordung von über 18.000 behinderten und psychisch kranken Menschen in Hartheim, im Zeitraum von Mai 1940 bis August 1941, verantwortlich. Zugleich stand er der Gau-Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart vor, die er zu einem Ort der dezentralen „Euthanasie“ ausbaute. Wie viele PatientInnen in Niedernhart ermordet wurden, wird sich nicht mehr klären lassen.

Durch die Recherchen der Autorin konnte gezeigt werden, dass deutlich mehr BewohnerInnen der Caritas-Anstalt St. Anton Opfer der „Aktion T4“ geworden sind als bisher angenommen. Von Bruck aus gab es Verlegungen in andere Anstalten in Salzburg und Tirol. Ehemalige BewohnerInnen der Caritas-Anstalt kamen beispielsweise aus der Landesanstalt Salzburg-Lehen, über die Anstalt Schernberg in Schwarzach im Pongau oder über die Tiroler Einrichtungen Mariathal in Kramsach und Hall nach Hartheim und wurden dort ermordet. Insgesamt fielen 39 Pfleglinge, die auch in Bruck betreut worden waren, der „Aktion T4“ zum Opfer.

Neben den Opfern der „Aktion T4“ versucht die Autorin auch jene Bewohne­rInnen zu erheben, die während der NS-Zeit in psychiatrischen Krankenhäusern starben. So konnte sie ein Kind ermitteln, das „Am Spiegelgrund“ in Wien getötet wurde, und zudem weitere Pfleglinge, die in verschiedenen Anstalten wahrscheinlich der dezentralen „Euthanasie“ zum Opfer fielen.

Durch den umfassenden Blick auf die Anstalt St. Anton in Bruck an der Großglocknerstraße zur Zeit des Nationalsozialismus entstand nicht nur ein trauriges Buch, sondern auch eines mit positiven Elementen. Es ist schön, die Biografien jener Menschen zu lesen, die die Zeit der NS-Diktatur überlebten.

Die Autorin versucht zudem die Schicksale jener Personen aufzuklären, die wegen ihrer Behinderung zwangsweise sterilisiert wurden. Vor ihrer Ermordung in Gaskammern oder in verschiedenen Anstalten wurden PatientInnen unter Zwang unfruchtbar gemacht. Aber auch Menschen, die die NS-Diktatur überlebten, wurde dieses unermessliche Leid durch die Machthaber zugefügt. Diese Opfergruppe findet bis zum heutigen Tag kaum Erwähnung noch Anerkennung. Darum ist es umso wichtiger, deren Schicksal öffentlich zu machen.

Peter Eigelsberger, Februar 2016

„ein zeichen, ein wort, ein kleines kreuz neben einem namen genügte“1

nicht angepasst,

nicht arbeitsfähig,

von niemandem besucht.

von ärzten gemeldet,

von gutachtern begutachtet,

von beamten selektiert.

mit einem stift markiert,

in den autobus gestoßen,

mit verhängten fenstern, abtransportiert.

angekommen, in einen raum gedrängt,

von pflegerinnen entkleidet,

nackt in den aufnahmeraum geführt.

ein letztes mal begutachtet.

weil medizinisch interessant

noch einmal fotografiert.

nackt zum baden

in die gaskammer geführt,

freute ich mich auf das baden.

„ein zeichen, ein wort, ein kleines kreuz neben MEINEM namen genügte“

Gedenktext für die ermordeten Kinder und Jugendlichen der Caritas-Anstalt St. Anton, von der Autorin anlässlich der am 23. Oktober 2015 erfolgten Einweihung des Mahnmals im Dorf St. Anton verfasst und gesprochen.

I. Ausgangslage und Fragestellung – eine Einleitung

1. Persönliche Vorbemerkung

Ohne über die Rolle von Fürsorge-, Jugend- und Gesundheitsämtern in der Zeit des Nationalsozialismus Bescheid zu wissen, entschied ich mich 1966 für den Beruf der Fürsorgerin. Während der mehrjährigen Ausbildung in Wien waren weder die durch Zwangssterilisation und Krankenmord in der NS-Zeit zu Opfern gewordenen Menschen, noch Täter und Mittäter, die sich im Rahmen der von ihnen ausgeübten „helfenden“ oder „heilenden“ Berufe schuldig gemacht haben, ein Thema.

Im Herbst 1969 begann ich als Dipl. Fürsorgerin im Jugendamt der Bezirkshauptmannschaft Zell am See zu arbeiten. Ich fand folgende Situation vor: Die Leiterin des Jugendamtes, Dipl. Fürsorgerin Käthe Grübl, war auch schon in der NS-Zeit als Fürsorgerin tätig gewesen. Die Leiterin der heilpädagogischen Beobachtungsstation, Dr. Ingeborg Judtmann, ehemals NSDAP-Mitglied, verfasste ihre Gutachten sprachlich in der Tradition nationalsozialistischer Gutachter. Dies kam in der häufigen Verwendung von Begriffen wie „abartig“, „degenerativ“ und „debil“ zum Ausdruck.2 Der bis Anfang der 70er-Jahre als Leiter des Gesundheitsamtes der Bezirkshauptmannschaft Zell am See tätige Amtsarzt, Dr. Josef Zillner, hatte sein Amt ebenfalls bereits während der NS-Zeit inne. Beide Ämter, vor allem aber das Gesundheitsamt, standen in der NS-Zeit nachweislich im Zusammenhang mit Handlungen, die der Erfassung von Personen zwecks Tötung im Rahmen der „Kinder-Euthanasie“ oder zwecks Zwangssterilisation dienten.

Berufsbedingt kam ich schon bald mit der ehemaligen Caritas-Anstalt (CA) St. Anton – heute Caritas Dorf St. Anton – in Berührung. 1988 begann ich als Kultur- und Bildungsarbeiterin bei der arge region kultur3 im Pinzgau zu arbeiten. Ein selbst gelegter Schwerpunkt war die Förderung von Erinnerungskultur in der Region, vor allem in Bezug auf die Ereignisse in der NS-Zeit. Neben anderen Projekten folgte die erste Recherche-Phase, das Schicksal ehemaliger BewohnerInnen der Caritas-Anstalt St. Anton betreffend, auf das ich durch das Buch „Schwachsinnig in Salzburg“ erstmals aufmerksam geworden war. Diese Nachforschungen beendete ich 1994 mit einem Artikel zum Thema Zwangssterilisierung einer Bewohnerin von St. Anton. Den Artikel brachte ich der Leitung des Caritas-Kinderdorfes St. Anton und der Direktion des Caritasverbandes der Erzdiözese Salzburg zur Kenntnis. Damals erfolgte jedoch von Seiten des Trägers der ehemaligen CA St. Anton keine Reaktion.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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