Lesereise Sri Lanka - Bernd Schiller - ebook

Lesereise Sri Lanka ebook

Bernd Schiller

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Sri Lanka lächelt wieder. Die vielen Liebhaber der Insel, die lange auf stabile Verhältnisse warten mussten, freuen sich nun über Aufbruchstimmung. Bernd Schiller, renommierter Kenner der Insel, schildert das neue Sri Lanka, ohne die Faszination des alten Ceylon aus den Augen zu verlieren. Die Hauptstadt Colombo sucht mit Hochhaus-Kulisse, Shopping- und Vergnügungszentren Anschluss an die großen Megastädte Südostasiens, während die alte Königs- und Tempelstadt Kandy, Hüterin des heiligen Buddha-Zahns, ihren Traditionen weitgehend treu bleibt. Noch sind zwar nicht alle Blütenträume gereift und, vor allem im Norden, nicht alle Kriegsschäden beseitigt. Dennoch wirkt der Zauber der Tropen, wenige Grade vom Äquator entfernt, hier wieder und immer noch.

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Bernd Schiller

Lesereise Sri Lanka

Bernd Schiller

Lesereise Sri Lanka

Am Teich der roten Lotusblüten

Picus Verlag Wien

Copyright © 2011 Picus Verlag Ges.m.b.H., Wien Aktualisierte Neuauflage 2015 Alle Rechte vorbehalten Grafische Gestaltung: Dorothea Löcker, Wien Umschlagabbildung: © Dinodia/www.buenosdias.at eISBN 978-3-7117-5036-5 ISBN 978-3-7117-1006-2

Informationen über das aktuelle Programmdes Picus Verlags und Veranstaltungen unterwww.picus.at

Bernd Schiller hat sich als Reporter großer Magazine und Zeitungen, später als freier Journalist und Sachbuchautor, einen Namen als intimer Kenner des buddhistischen Kulturraums gemacht. Sri Lanka liebt und bereist er seit Jahrzehnten. Im Picus Verlag erschienen seine Lesereisen Myanmar/Burma, Indonesien, Sri Lanka, Südindien und Mekong.

Inhalt

»Your morning tea, Sir …«

Wie an der Ostküste ein neuer Tag beginnt

Eine Perle, eine Träne

Paradies mit neuen Konturen

Von Holzköpfen und Hochhäusern

Colombo auf dem Weg ins Morgen

Mit der Großmutter auf dem Rücken

Adam’s Peak: Der lange Weg zum heiligen Gipfel

Bunte Vögel auf Buddhas Haupt

Vom stillen Zauber der antiken Stätten

Ladys bitte durch die Seitentür

Kolonialmarotten im Hill Club

Im Schwitzkasten

Ayurveda: Sanfter Boom unter Palmen

Alle lieben Kandy

Wo Buddha die Elefanten leuchten lässt

Starke Frauen

Mit Kleinkrediten gegen die Armut

Der Elefantenflüsterer

Im Waisenhaus von Pinnawela

Klicke-di-klack durchs Bergland

In großen Zügen zurück in die Vergangenheit

Die Reise nach Jaffna

Trauer, Trotz und ein schwacher Trost

»Höret, ihr Mönche, der Weg ist gefunden …«

»Little Buddha« im Höhlentempel von Dowa

Körry erster Klasse

Von scharfen Geheimnissen und süßen Genüssen

Feuer für den »lingam«

Bei den Hindus von Trincomalee

Zwei Blätter und die Knospe

»Tea time« im Hochland und in Hamburg

Oh, wie schön ist Panama

Einsame Lagunen, singende Fische und ein Hotspot für Surfer aus aller Welt

Ein Hauch von Nostalgie

Träumereien auf tropischen Terrassen

Danke

»Your morning tea, Sir …«

Wie an der Ostküste ein neuer Tag beginnt

Zuerst melden sich die Krähen. Sie sind überall am frühen Morgen und am späten Nachmittag so gegenwärtig wie nebenan im großen Indien. Hier wie dort könnte ihr heiseres Krächzen als eigentlicher Symbolklang gelten, nicht die Trommeln der Tänzer aus der ehemaligen Königsstadt Kandy, nicht die sanften Töne der Sitar-Musik in Kerala oder Maharashtra. Es ist halb sechs und noch tiefe Nacht. Längst machen die Hähne den Krähen Konkurrenz. Frösche beginnen ihr Konzert. Hunde bellen, ein Pfau schreit sein hässliches Lied in die Frühe; wieso gelten diese schönen, aber völlig unmusikalischen Vögel eigentlich als Gefährten aller Liebenden?

Langsam schälen sich die Konturen der Palmen aus einem Himmel, der jetzt, eine halbe Stunde später, milchig hell geworden ist. Ein kratzendes Geräusch lässt mich in den Garten starren. Yogananthan, der Mann für alles in diesem kleinen Resort, fegt Blätter und Frangipaniblüten zusammen. Yoga, wie er genannt wird, ist Tamile, gehört also der Minderheit an, die fast ein Fünftel der Bevölkerung Sri Lankas ausmacht. Er ist ein gebrochener Mann, altersmäßig schwer zu schätzen, vielleicht ist er sechzig, vielleicht erst vierzig Jahre alt.

Ich sitze auf einem Balkon, eingerahmt von Palmen und Frangipanibäumen, irgendwo an der Ostküste. Von 1983 bis 2005 haben sie hier und im Norden der Insel immer blutiger, immer unberechenbarer gekämpft: die Rebellen der tamilischen Terrorgruppe, die sich »Tiger« nennen und mit unglaublichem Fanatismus für einen separaten Nordoststaat Tamil Eelam fochten. Auf der anderen Seite, kaum weniger brutal, verteidigte die Armee, Singhalesen zumeist, die Macht des Einheitsstaats. Etwa achtzigtausend Menschen sind diesem Bürgerkrieg zum Opfer gefallen, Männer, Frauen und viele Kinder. Drei davon waren Söhne des Gärtners Yoga. Nur Fotos von schlechter Qualität sind ihm, dem frommen Hindu, geblieben und die Hoffnung, dass Kumar, Pram und Ramesh, die bei ihrem Tod alle unter zwanzig waren, irgendwann in ein besseres Leben, in ein friedlicheres Zeitalter wiedergeboren werden.

Halb sieben. Die Bühne wird ausgeleuchtet: Hinter dem Strand, über dem Meer, türmen sich Wolken zu wattegrauen Gebirgen. Ein Himmel in mildem Rosa wölbt sich über einer Szenerie, die von Minute zu Minute wechselt. Noch heben sich die Büschel der Kitul- und Kokospalmen nur im Scherenschnitt ab. Am Horizont, der einen Augenblick später sichtbar wird, nähern sich Boote dem Strand, eine Armada schmaler, schneller Fischerboote. Die Krähen sind ruhiger geworden; die meisten von ihnen warten wohl am Ende der Bucht auf die Männer, die ihren Fang gleich auf den Strand werfen werden. Lastwagen und die Zweitaktmotoren der Dreiradautos sind im Hintergrund zu hören. Das werden die Aufkäufer sein, die Großhändler und die Köche der kleinen resthouses, die die Rucksackreisenden so lieben. Die meisten Fischer, Moslems übrigens, die sich die Küste im Osten mit wenigen buddhistischen Singhalesen und vielen Tamilen teilen, haben sich einen Yamaha-Motor auf Pump gekauft. Ihr Prinzip heißt Hoffnung, ein Motto, das sich fast überall auf der Insel vor die dunkel gefärbte Erinnerung schiebt.

Zehn Minuten vor sieben: Die Wolken, eben noch zartrosa, tragen plötzlich rote Streifen und rote Tupfer. Die Frangipaniblätter vor dem Balkon beginnen zu glänzen, auch die Palmwedel, die auf einmal nicht mehr schlaff aussehen. Kurz darauf schiebt sich der Sonnenball aus dem Meer. Die Farben der Boote lassen sich nun erkennen: Hellblau und Hellgrün herrschen vor. Auch ein paar braune Auslegerboote sind dabei, wie sie seit Jahrhunderten von hier zu den Fischgründen und bis auf die Malediven gesegelt sind. Das Wort Katamaran stammt aus dem alten Ceylon. Es wird wohl das einzige sein, das aus der tamilischen Sprache in die Welt exportiert wurde.

Der Tag in den Tropen bricht rascher an als in den gemäßigten Breiten. Die Sonne wärmt auch viel schneller. Um sieben hängt sie bereits einen Fingerbreit über dem Horizont, schon zehn Minuten später suchen die Hunde nach schattigen Plätzen. Am Strand ziehen die ersten Surfer dieses Tages mit ihren Brettern den Wellen entgegen. Es sind vor allem Australier, braun gebrannte Beach-Helden, die alle wirken, als wären sie auf dem Weg zum Casting für eine Vorabendserie. Wenn es bei ihnen zu Hause kühl und regnerisch wird, im Juni oder Juli, beginnt an der Ostküste von Sri Lanka die Saison: sonnig, trocken, aber nicht windstill.

Bunte Vögel singen jetzt in den Palmwipfeln, andere picken lautstark an den Früchten im Garten herum. Die Krähen haben sich endgültig zu den Fischern verzogen und die Frösche sind verstummt. Libellen surren durch die samtwarme Luft, ein paar Affen toben übers Ziegeldach vom Nachbarn. Es klopft an der Tür. Yoga steht im Flur. Auf einem Tablett aus Bambusholz balanciert er eine dampfende Kanne, eine Tasse, den Zuckertopf und das Milchkännchen. Er ist barfuß und hat einen frischen sarong um die Hüften geschlungen. Schüchtern lächelnd wünscht er einen guten Morgen: »Your early morning tea, Sir …«

Eine Perle, eine Träne

Paradies mit neuen Konturen

Wie eine Perle, so wirkt es auf der Landkarte, hängt die Insel, die so lange als Ceylon berühmt war, am »Ohr« des indischen Subkontinents. Vielleicht auch wie eine Mangofrucht.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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