La Peste - Die Pest. Königs Erläuterungen. - Martin Lowsky - ebook

La Peste - Die Pest. Königs Erläuterungen. ebook

Martin Lowsky

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Opis

Königs Erläuterung zu Albert Camus: La Peste - Die Pest - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben. In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download ... sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. ... und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. ... mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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EPUB

Liczba stron: 176




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 165

Textanalyse und Interpretation zu

Albert Camus

LA PESTE

Martin Lowsky

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Camus, Albert: La peste. [Paris]: Gallimard, 2015 (Collection ‚folio‘)

Über den Autor dieser Erläuterung: Dr. Martin Lowsky, Studium der Romanistik, Mathematik und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Tübingen und Heidelberg, Promotion 1975. Abhandlungen, auch Bücher, zur deutschen und französischen Literatur (Bloch, Fontane, May, Molière, Arno Schmidt, Storm, Valéry, Voltaire) und zur Pädagogik (Erich Fromm). Redaktionstätigkeit für die Zeitschrift Forschungen zu Paul Valéry/Recherches Valéryennes (Romanisches Seminar der Universität Kiel). Unterricht an einem Gymnasium in Kiel. In der Reihe ‚Königs Erläuterungen‘ sind von Martin Lowsky zuletzt erschienen: Erläuterungen zu Jean-Paul Sartre: Huis clos (2014), Erläuterungen zu Albert Camus: L’Étranger (2015).

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2017

ISBN 978-3-8044-7032-3

© 2017 by Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Titelabbildung: Oran (Algérie). La porte de l’ancien hôpital civil © ullstein bild – Roger-Viollet Alle Rechte vorbehalten!

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Albert Camus: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Algerien um 1940

Der Zweite Weltkrieg und das besetzte Frankreich

Das französische Geistesleben

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

Camus’ Lektüre

Planung und Niederschrift von La Peste während schlimmer Ereignisse

3.2 Inhaltsangabe

Partie I

Partie II

Partie III

Partie IV

Partie V

3.3 Aufbau

Eine Struktur: das Hauptthema ‚Kampf gegen die Pest‘

Eine Struktur: die Einteilung in fünf Teile

Eine Struktur: ein besonderer Erzähler, der sein Erzählen mehrfach unterbricht

Der Schauplatz: Oran um 1941

Das Oran des Romans: seine Besonderheiten

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Die vier Hauptpersonen

Bernard Rieux

Jean Tarrou

Joseph Grand

Raymond Rambert

Nebenfiguren

Cottard

Othon

Paneloux

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Ein leicht verständlicher und mitreißender Stil

Der ‚style indirect libre’

Die Freude an knappen Formulierungen

Der Satz mit der „amazone“

Die Selbstreflexion: La Peste ist ein moderner Roman

3.7 Interpretationsansätze

Erste Beobachtung: mythischer und autobiografischer Gehalt

La Peste als realistischer Roman

La Peste als allegorischer Roman – die deutsche Besatzung 1940–1944

La Peste als philosophischer Roman: das Absurde, die Solidarität

La Peste als Liebesroman – oder als Roman über die fehlende Liebe

4. Rezeptionsgeschichte

Der Riesenerfolg und die harten Kritiken

Vielfältiges Forschen zu La Peste

5. Materialien

Urteile über den Roman La Peste

Anregungen für Albert Camus

Der Philosoph Albert Camus

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 **

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 **

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Gesamtausgaben

Übergreifende Darstellungen

Speziell zu La Peste:

Theaterstück

Verfilmung

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht:

Im 2. Kapitel beschreiben wir Albert Camus’ Leben und den zeitgeschichtlichen Hintergrund.

Albert Camus lebte von 1913 bis 1960. Er ist als Franzose in Algier, der Hauptstadt Algeriens, aufgewachsen. Nach Aufenthalten in Frankreich ließ er sich 1943 in Paris nieder. Er starb 1960 bei einem Autounfall.

Algerien war damals eine Kolonie Frankreichs, galt aber offiziell als Teil des Mutterlandes. In den algerischen Großstädten überwog die Zahl der Franzosen gegenüber der arabischen Urbevölkerung, so auch in Oran, dem Handlungsort von La Peste. Von 1940 bis 1944, während des Zweiten Weltkrieges, hatten die Deutschen Paris und Nordfrankreich besetzt, das übrige sogenannte freie Frankreich mit der Hauptstadt Vichy, stand auch unter deutscher Kontrolle. Die Epoche, in der Camus aufwuchs, war die Zeit der großen französischen Romanautoren wie André Gide und Marcel Proust. Mit dem surrealistischen Dichter André Breton und dem Dramaturgen Antonin Artaud gab es neue geistige Strömungen.

Camus wurde bekannt durch seine Romane, neben La Peste vor allem L’Étranger, und durch seine philosophischen Essays und Theaterstücke. Die Philosophie des Absurden ist Camus’ Hauptthema.

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

La Peste – Entstehung und Quellen:

Anregungen und Einflüsse für La Peste erfuhr Camus durch seine Lektüre – u. a. des Dramaturgen Antonin Artaud – und durch seinen Aufenthalt in Oran 1941/42. Die erste Niederschrift von La Peste erfolgte September bis Dezember 1942, sie erschien 1947 in Paris.

Inhalt:

La Peste beschreibt den zehn Monate währenden Kampf gegen eine Pestepidemie, die in der algerischen Großstadt Oran in den 1940er Jahren wütet.

Viele Menschen sterben, die anderen leiden unter den eingeschränkten Lebensverhältnissen. Im Mittelpunkt steht der Arzt docteur Rieux, sein großes Engagement und seine Diskussionen mit Freunden und mit Andersdenkenden. Das Werk endet im Jubel der Bevölkerung, aber auch mit dem Ahnen einer möglichen neuen Pest.

Aufbau:

La Peste ist strukturiert durch

das Hauptthema ‚Kampf gegen die Pest‘,

die Einteilung in fünf Teile und

einen Erzähler mit besonderen Merkmalen; er kommentiert sich selbst.

Die Örtlichkeiten der realen Stadt Oran spielen eine große Rolle. Eine Erfindung Camus’ ist das Auftreten der Pest und der rein französische Charakter dieser algerischen Stadt.

Personen:

Die vier Hauptpersonen sind

Dr. Bernard Rieux:

ist Arzt, von einfacher Herkunft,

sieht die ärztliche Arbeit als seine persönliche Lebensaufgabe,

ohne Glauben, aber immer offen für Gespräche,

lebt betreut von seiner Mutter.

Jean Tarrou:

ist vermögend und ohne Beruf,

war früher Revolutionär,

sieht Gefahren in allen zwischenmenschlichen Beziehungen,

gründet Sanitär-Trupps von Freiwilligen (‚formations sanitaires‘).

Joseph Grand:

hat einen niedrigen Posten in der Stadtverwaltung,

schreibt an einem Roman,

ist zuverlässig und hilfsbereit, aber einsam.

Raymond Rambert:

ist Journalist aus Paris,

will illegal aus Oran ausreisen zu seiner Geliebten,

wandelt sich zum Helfer.

Nebenfiguren sind u. a. der Kriminelle Cottard, der von der Pest profitiert, der Untersuchungsrichter Othon, der für Ordnung eintritt, und der ganz auf Gott vertrauende Pater Paneloux.

Stil und Sprache:

Die Sprache in La Peste ist klar und mitreißend, sie ist ein klassisches Französisch des 20. Jahrhunderts. Camus benutzt oft den ‚style indirect libre‘ und erörtert das Schreiben selbst; der Roman ist selbstreflexiv.

Interpretationsansätze:

Wir bemerken den mythischen und den autobiografischen Gehalt des Romans. Wir interpretieren ihn als

realistischen Roman und nennen dabei auch Züge des Abenteuerromans,

allegorischen Roman hinsichtlich der deutschen Besatzung in Frankreich 1940–1944 und sehen ihn auch grundsätzlich als eine Warnung vor autoritärem Denken,

philosophischen Roman, wobei das ‚Absurde‘ im Mittelpunkt steht.

Abschließend kennzeichnen wir La Peste als Liebesroman. Wir gehen dabei aus von dem Fehlen der Frauen im Roman und von der sichtbaren Sehnsucht nach Liebe.

2. Albert Camus: Leben und Werk

Albert Camus (1913–1960) © ullstein bild – Roger-Viollet / Henri Martinie

2.1 Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1913

Mondovi (heute Dréan), 25 km südlich von Bône (Annaba), 420 km östl. von Algier.

Am 7. November wird Albert Camus geboren. Die Eltern gehören zur Schicht der ‚Français d’Algérie‘, der Algerienfranzosen: der Weingutarbeiter Lucien Camus (1885–1914) und die Hausfrau und Putzhilfe Catherine, geb. Sintès (1882–22. Sept. 1960). Luciens Vorfahren stammen aus Frankreich (Bordeaux, Marseille), Catherines Vorfahren von der spanischen Insel Menorca. Alberts Bruder, der ebenfalls Lucien heißt, ist 1910 geboren. Die Familie hat in Algier gelebt; im Frühjahr 1913 ist der Vater von seinem Arbeitgeber nach Mondovi versetzt worden.

1914

Algier

Im August wird der Vater Lucien Camus zum Kriegsdienst (Erster Weltkrieg) eingezogen. Die Familie kehrt nach Algier zurück. Zu dem ärmlichen Haushalt, in dem Camus aufwächst, gehören die Mutter und die beiden Söhne sowie zwei Brüder der Mutter und die strenge Mutter der Mutter. Am 11. Oktober stirbt Lucien Camus im Militärkrankenhaus von Saint-Brieuc (Bretagne) an seiner Verwundung in der Marne-Schlacht.

1923

Algier

Albert Camus’ Grundschullehrer Louis Germain setzt bei der Mutter (die Analphabetin ist) durch, dass Albert eine Prüfung ablegt, die ihm den kostenlosen Besuch des Gymnasiums eröffnet. – An diesem ‚Grand Lycée d’Alger‘ (ab 1930 heißt es: ‚Lycée Bugeaud‘) ist Albert ein guter Schüler, der Literatur und Philosophie sehr schätzt, aber auch engagiert Fußball spielt. In den Ferien jobbt er in Büros.

9

1930

Algier

Im Dezember stellt man bei Camus Tuberkulose fest. (Sie ergreift ab 1934 beide Lungenflügel. 1938 wird Camus mitgeteilt, dass er wegen der Krankheit keine Stelle im Staatsdienst bekommen kann.)

17

1931

Algier

Camus zieht von zu Hause aus. Zeitweise wohnt er bei seinem Onkel Gustave Acault, einem Metzger, der literarisch interessiert ist und viele Bücher besitzt.

17

1932

Algier

Erste Veröffentlichungen: kleinere Texte in Zeitungen.

18

1933

Algier

Abitur. Beginn des Philosophiestudiums an der Universität.

19

1934

Algier

Am 16. Juni Heirat mit Simone Hié, der Tochter einer bekannten Augenärztin.

20

1935

Algier

Camus erwirbt den Studienabschluss ‚Licence de philosophie‘. Er wird Mitglied der Kommunistischen Partei (und bleibt es bis 1937). Im Herbst gründet er mit Freunden das ‚Théâtre du Travail‘. Hier und bei dem Folgeunternehmen ‚Théâtre de l’Équipe‘ arbeitet Camus als Schauspieler, Regisseur, Autor und Übersetzer (bis 1939).

21

1936

Algier

Camus erwirbt das Universitätsdiplom ‚Diplôme d’études supérieures de philosophie‘ mit einer Arbeit über Augustinus und den Neuplatonismus.

22

Salzburg, Prag, Dresden, Wien, Venedig

Juli/August Europareise, zeitweise mit seiner Frau Simone. Es kommt zum Zerwürfnis mit ihr. (Die Scheidung erst 1940.)

1937

Algier

Camus’ erstes Buch erscheint: L’Envers et l’Endroit.

23

Paris, Marseille, Florenz, Genua

Im August und September Reise nach Frankreich und Italien.

Algier

Im Herbst lernt Camus seine spätere zweite Frau Francine Faure (1914–1979), aus wohlhabender Familie in Oran, kennen. – Beginn einer Hilfstätigkeit am Meteorologischen Institut, die bis September 1938 währt.

1938

Algier

Im Oktober beginnt Camus seine Arbeit als Redakteur und Reporter für die neugegründete Zeitung Alger républicain. Die Zeitung setzt sich für die Gleichberechtigung der Urbevölkerung ein. Sie wird Anfang 1940 verboten.

24

1939

Algier

Im Juni bringt der Alger républicain Camus’ 11-teilige Artikelserie über das Elend in der Kabylei, einer von der französischen Verwaltung Algeriens völlig vernachlässigten Region.

25

Oran, 340 km westlich von Algier

April und Oktober Aufenthalte bei der Familie seiner späteren Frau Francine (auch noch im Februar 1940). Camus verfasst die Oran-Beschreibung Le Minotaure ou la Halte d’Oran (veröffentlicht 1954).

1940

Paris

Im März verlässt Camus Algier; er bekommt eine Stelle bei der Redaktion der Zeitung Paris-Soir. – Paris und Nordfrankreich werden ab Juni im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen besetzt, das übrige Frankreich und Algerien bilden den ‚État français‘, der von den Deutschen kontrolliert wird.

26

Lyon

Am neuen Standort von Paris-Soir, ab September, führt Camus zunächst seine Tätigkeit fort. Am 3. Dezember Heirat mit Francine Faure.

27

1941

Oran

Rückkehr im Januar nach Algerien, in die Stadt Oran. Das Ehepaar wohnt bei Francines Eltern. Francine arbeitet als Grundschullehrerin, Albert unterrichtet kostenlos jüdische Schüler, die aus den staatlichen Schulen verwiesen worden sind.

27

1942

Paris

L’Étranger erscheint im Mai, Le Mythe de Sisyphe im Oktober.

28

Le Panelier (bei Le Chambon-sur-Lignon, in den Cevennen)

Mitte August lässt sich Albert Camus in Frankreich nieder. (Francine arbeitet weiter in Oran.) Bis Ende des Jahres entsteht die erste Fassung von La Peste. Von Le Panelier aus mehrere kurze Reisen, u. a. nach Paris. Im November landen die Amerikaner in Algerien. Die Deutschen besetzen daraufhin ganz Frankreich; Albert ist von Francine abgeschnitten.

1943

Paris

Freundschaftliche Begegnungen mit Jean-Paul Sartre. Camus arbeitet in leitenden Funktionen für die illegale Widerstandszeitung Combat.

29

Im November stellt der Verlag Gallimard (in dem fast alle Werke Camus’ erscheinen) Camus als Lektor ein. Paris wird sein Lebensmittelpunkt.

30

1944

Paris

Im Juni Erstaufführung von Le Malentendu. Beginn der Liaison mit der Schauspielerin María Casarès, die die Hauptrolle hat. In der zweiten Jahreshälfte wird Frankreich von den Deutschen befreit. Im September zieht Francine zu Albert.

30

1945

Frankreich, Algerien, Deutschland, Österreich

Reiseaktivitäten, zum Teil für den jetzt legalen Combat, in dem Camus viel veröffentlicht.

31

Paris

Am 5. September werden die Zwillinge Catherine und Jean geboren. Im Oktober Erstaufführung von Caligula.

1946

New York, Montréal, Québec

Von März bis Juni Vortragsreise in die USA und nach Kanada. (In den folgenden Jahren Vortragsaufenthalte in verschiedenen Ländern.)

32

1947

Paris

Am 10. Juni erscheint La Peste. Der Roman wird Camus’ größter Erfolg.

33

1948

Paris

Im Oktober Erstaufführung von L’État de siège.

34

1949

Rio de Janeiro, São Paulo, Buenos Aires

Im August Südamerikareise, die vom französischen Außenministerium gefördert wird. Zahlreiche Vorträge. Dabei verschlimmert sich Camus’ Tuberkulose-Erkrankung in lebensgefährlicher Weise.

35

Paris

Im Dezember Erstaufführung von Les Justes.

36

1951

Paris

Der Essay L’Homme révolté erscheint im Oktober. Jean-Paul Sartre geht in der Folgezeit auf Distanz zu Camus, da ihm dieses Werk wie auch La Peste zu wenig gesellschaftsbezogen erscheint.

37

1952

‚Les Territoires du Sud algérien’

Im Dezember bereist Camus zum ersten Mal die Gebiete der Sahara in Algerien.

39

1953

Angers

Camus arbeitet Mitte Juni als Regisseur intensiv beim ‚Festival dramatique d’art‘ mit.

Paris

Nach der Erhebung am 17. Juni in der DDR verdammt Camus öffentlich die Brutalität des kommunistischen Regimes. (Ähnlich ist seine Reaktion beim Aufstand in Ungarn 1956.)

1954

Paris

Francine leidet in der ersten Jahreshälfte schwer an Depressionen. Im Frühjahr erscheint die Essay-Sammlung L’Été; darin der Minotaure-Aufsatz von 1939.

40

1955

Algerien

Auf einer Reise im Februar/März sucht Camus verschiedene Orte seiner Kindheit auf. Er plant ein autobiografisches Werk; es wird den Titel Le Premier Homme tragen und erst 1994, lange nach Camus’ Tod, erscheinen.

41

Athen, Halbinsel Peloponnes, Insel Delos

Im April/Mai Griechenlandreise; Camus will die von ihm geliebte Welt des Mittelmeeres weiter erkunden.

Paris

Im Algerienkrieg (1954–1962), dem blutigen Konflikt um die Unabhängigkeit Algeriens – die Urbevölkerung nennt Algerien ihr Land, die vor Generationen Eingewanderten wollen ihre algerische Heimat und ihre Privilegien nicht aufgeben –, mahnt Camus in zahlreichen Artikeln und Interviews zur Versöhnung. Er ruft zu einer „communauté franco-arabe“ auf.

1956

Paris

La Chute erscheint im Mai.

42

1957

Stockholm, Uppsala

Am 10. Dezember erhält Albert Camus den Nobelpreis für Literatur. In Schweden Vorträge und Stellungnahmen; seine Frau Francine ist mit dabei.

43

1958

Griechenland

Im Juni Kreuzfahrt mit María Casarès, seinem Freund und Verleger Michel Gallimard und dessen Frau Janine.

44

Lourmarin (zwischen Avignon und Aix-en-Provence, nahe dem Tal der Durance)

Im September Kauf eines Hauses. Ein alter Wunsch des Ehepaars Camus geht in Erfüllung.

1959

Algerien

Im März besucht Camus seine Mutter, die eine Operation überstanden hat.

45

Lourmarin

Insgesamt drei Arbeits- und Erholungsaufenthalte, mit Exkursionen; der letzte ab 15. November bis zum Jahreswechsel.

46

Aix-en-Provence

Am 14. Dezember erklärt Camus vor Studenten auf die Frage „Êtes-vous un intellectuel de gauche?“ dies: „Je ne suis pas sûr d’être un intellectuel. Quant au reste, je suis pour la gauche, malgré moi, et malgré elle.“

1960

Villeblevin bei Montereau, 60 km südöstlich von Paris

Am 4. Januar Autounfall auf der Rückfahrt von Lourmarin nach Paris. Albert Camus ist sofort tot. – Michel Gallimard, der Fahrer, stirbt später ebenfalls. Francine Camus und die beiden Kinder haben die Rückfahrt per Bahn gewählt. Camus wird am 6. Januar in Lourmarin beigesetzt.

46

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Algerien war damals eine Kolonie Frankreichs, galt aber offiziell als Teil des Mutterlandes. In der Hauptstadt Algier und der Großstadt Oran, dem Handlungsort von La Peste, überwog die Zahl der Franzosen gegenüber der arabischen Urbevölkerung.

Von 1940 bis 1944, während des Zweiten Weltkrieges, hatten die Deutschen Paris und Nordfrankreich besetzt. Das übrige Frankreich mit der Hauptstadt Vichy bildete den ‚État français‘ und wurde ebenfalls von den Deutschen überwacht.

Die Epoche, in der Camus aufwuchs, war die Zeit großer bürgerlicher Romanautoren. Mit dem surrealistischen Dichter André Breton und dem experimentierfreudigen Dramaturgen Antonin Artaud gab es neue geistige Strömungen.

Algerien um 1940

Blicken wir in Albert Camus’ Heimat, in der La Peste spielt. Algerien ist, ebenso wie Marokko und Tunesien, Teil des Maghreb (‚Maghreb‘ arab.: Westen), d. h. der westlichen Region des arabischen Sprachgebietes. 1830 eroberten die Franzosen die Hauptstadt Algier und machten Algerien zu ihrer Kolonie. Die Regierung in Paris warb dafür, dass Franzosen aus dem Mutterland, aber auch Spanier und Italiener nach Algerien einwanderten; sie bot ihnen günstige Bedingungen, insbesondere fruchtbares Ackerland, das man der Urbevölkerung wegnahm. Albert Camus’ Vorfahren mütterlicherseits kommen aus Spanien, von den Balearen, seine Vorfahren väterlicherseits aus Frankreich. Offiziell galt Algerien als ein Teil des Mutterlandes Frankreich, doch die französische Staatsbürgerschaft erhielten nur die Eingewanderten. (1962 wurde Algerien nach blutigen Auseinandersetzungen unabhängig und erklärte sich zur Republik.)

Die Bevölkerung Algeriens, damals 9 Millionen, bestand damit aus

den Eingeborenen (‚les indigènes‘); dies waren Berber und Araber. Sie alle wurden meist ‚Araber‘ genannt. Sie waren Moslems.

den aus Europa Eingewanderten und ihren Nachkommen. Sie galten als französische Staatsbürger, es waren die ‚Français d’Algérie‘ (Algerienfranzosen, später auch ‚pieds-noirs‘ genannt). Sie waren größtenteils Katholiken. Sie machten 10 Prozent der Bevölkerung aus; in den großen Städten waren sie die Mehrheit.

Die ‚Français d’Algérie‘ gehörten verschiedenen Schichten an. Es gab wohlhabende Guts- und Fabrikbesitzer, aber der größere Teil von ihnen, die Arbeiter und die Handwerker – ‚les petits Blancs‘, wie man sagte, – waren arm. Auch Camus’ Familie – seine Mutter war Kriegerwitwe und alleinerziehend – hatte kaum mehr als das Existenzminimum. Unter den Arabern lebten viele im Elend, in der arabischen Landbevölkerung gab es Hungersnöte. Die arabischen Arbeiter bekamen nur ein Viertel des Lohnes der eingewanderten.

Algier mit 260 000 Einwohnern und Oran, wo La Peste spielt, mit 190 000 Einwohnern waren die größten Städte Algeriens. Hier waren um die 55 Prozent Europäer, wobei in Oran die Spanier überwogen. Die Regierung in Paris war bestrebt, diese Städte zu europäisch geprägten Metropolen zu machen. Viele Häuser und ganze Viertel wurden in europäischer Weise umgebaut. An den Gymnasien (den ‚lycées‘) wurde gelehrt wie in Frankreich selbst. Der Gymnasiast Camus erhielt die typische französische Bildung.

Es gab in Algerien Unabhängigkeitsbestrebungen der Urbevölkerung, die unterdrückt wurden. Darüber hinaus lehnten die maßgeblichen politischen Kreise der Eingewanderten jede Aufweichung ihrer Privilegien ab. Die 1938 gegründete Zeitung Alger républicain, die die ungerechte Behandlung der Urbevölkerung anprangerte – auch in von Camus verfassten Artikeln –, wurde Anfang 1940 verboten.

Der Zweite Weltkrieg und das besetzte Frankreich

Am 1. September 1939 löste Nazi-Deutschland den Zweiten Weltkrieg aus. Im Mai 1940 überfiel es Frankreich und besiegte das unvorbereitete Land binnen fünf Wochen. Maréchal Philippe Pétain unterzeichnete die Niederlage. Die Deutschen besetzten ab Juni 1940 Paris und Nordfrankreich. Sie machten im übrigen Frankreich, Algerien eingeschlossen, Pétain zum Staatspräsidenten – zum Herrscher von Hitlers Gnaden –, so dass Frankreich nun keine freiheitliche Republik mehr war und auch die antijüdischen Rassegesetze übernahm. Die Hauptstadt Frankreichs, das nun ‚État français‘ hieß, wurde Vichy in Mittelfrankreich. Ab November 1942 besetzten die Deutschen das gesamte Land; allerdings ohne Algerien, wo zu diesem Zeitpunkt die Amerikaner gelandet waren. Im Laufe des Jahres 1944 wurde Frankreich befreit, Paris am 25. August 1944.

Von Juni 1940 bis 1944 wurde Frankreich also von den Deutschen überwacht, die das Land ausplünderten. Leute, die der Résistance, der Widerstandsbewegung, angehörten, wurden verhaftet und hingerichtet. 76 000 Juden wurden zur Ermordung nach Deutschland deportiert, 3000 starben vor dem Transport in den Lagern. Ab 1940 wurden in ganz Frankreich Internierungslager eingerichtet für Juden, Zwangsarbeiter und politische Gegner. In der Nähe von Oran, 120 km südlich bei Dhaya, errichtete man spätestens 1941 das ‚camp d’internement‘ Bossuet.[1]