Krieger des Friedens - Robyn Young - ebook

Krieger des Friedens ebook

Robyn Young

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Opis

Es kommt die Zeit, in der man seinem größten Feind die Treue schwören muss …

König Edward von England marschiert in Schottland ein, um sein Ziel eines vereinigten Britischen Königreichs zu verwirklichen. Und nur ein Mann kann Edwards Plan vereiteln: Robert the Bruce, der sein Schicksal erfüllen und den schottischen Thron erobern will. Zu diesem Zweck muss er vor Edward den symbolträchtigen Stab von St. Malachias finden. Doch sein Weg ist noch weit, und zudem wird er von einem gnadenlosen Mörder gejagt, denn er ist nicht der Einzige, der seine Augen auf die schottischen Krone gerichtet hat …

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Buch

König Edward von England will sein Ziel eines vereinigten Britischen Königreichs verwirklichen und marschiert in Schottland ein, nachdem er Wales schon in seine Gewalt gebracht hat. Jetzt muss er nur noch den symbolträchtigen Stab von St. Malachias finden, um endlich unbesiegbar zu sein.

Nur ein einziger Mann kann Edwards Plan vereiteln: Robert the Bruce, in dessen Adern königliches Blut fließt und der sein vom Krieg zerstörtes Land verlassen hat und nach Irland gesegelt ist, um den Stab noch vor Edward zu finden und seinen rechtmäßigen Platz auf dem schottischen Thron einzunehmen. Doch sein Weg ist weit, und zudem wird er von einem gnadenlosen Mörder gejagt, denn Robert ist nicht der Einzige, der ein Auge auf die schottische Krone geworfen hat.

Robert war immer dazu bereit, auf dem Schlachtfeld zu sterben, aber was muss er noch opfern, um seine Hoffnungen am Leben zu erhalten?

Autorin

Mit ihrem Debüt Die Blutschrift gelang der Britin Robyn Young in Großbritannien und den USA ein großartiger Durchbruch, der sie auf die Bestsellerlisten schnellen ließ. Geboren 1975 in Oxford, begann sie schon früh, Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben. Aber erst während eines Seminars in Kreativem Schreiben fand sie den Mut, ihre Ideen zu Die Blutschrift zu Papier zu bringen. Heute lebt Robyn Young in Brighton, und wenn sie nicht gerade an einer historischen Trilogie schreibt, unterrichtet sie Kreatives Schreiben an verschiedenen Colleges.

Bei Blanvalet von Robyn Young bereits erschienen:

Die Blutschrift (36657) · Die Blutritter (36658) · Die Blutsfeinde (36659)

Rebell der Krone (37246)

Robyn Young

Krieger des Friedens

Roman

Aus dem Englischenvon Nina Bader

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Die Originalausgabe erschien 2012 unter dem Titel »Renegade«bei Hodder & Stoughton, an Hachette UK company, London.

1. AuflageDeutsche Erstausgabe Oktober 2013 bei Blanvalet,einem Unternehmen derVerlagsgruppe Random House GmbH, MünchenCopyright © by Robyn Young 2012Copyright der Karte © Sandra OakinsCopyright © für die deutsche Ausgabe 2013by Blanvalet Verlag, in derVerlagsgruppe Random House GmbH, MünchenUmschlaggestaltung: © Johannes Wiebel | punchdesign,unter Verwendung von Motiven von Shutterstock.com Redaktion: Werner BauerLH · Herstellung: samSatz: DTP Service Apel, HannoverISBN: 978-3-641-12168-6V002www.blanvalet.de

Brutus! Hinter den Grenzen Galliens liegtEine Insel inmitten der Irischen See.Einst von Riesen besetzt, nur wenige sind verblieben,Um dir den Zutritt zu verwehren und deine HerrschaftZu gefährden.Setze deine Segel, um dieses Ufer zu erreichenUnd dort dein Schicksal zu erfüllen und ein neuesTroja zu errichten.Und im Namen deiner königlichen BlutlinieEin Reich zu gründen, dasDie Zeit nie zerstören und Grenzen nie einschränkenWerden.

Geoffrey of Monmouth,»Die Geschichte der Könige Britanniens«

Prolog

A.D. 1135

»… die Reliquien der anderen Heiligen, die aufgrund der Invasion der Heiden versteckt wurden, müssen gefunden werden, und dann werden sie endlich ihr verlorenes Königreich zurückerobern.«

Geoffrey of Monmouth,»Die Geschichte der Könige Britanniens«

Armagh, Irland(A.D. 1135)

Am Rand von Ard Macha, dessen uralte Hänge den Namen einer Kriegsgöttin trugen, wartete eine Gruppe von Männern. Sie standen eng beieinander vor den Portalen der Kathedrale und spähten angestrengt in den Nebel, der den Gipfel des Hügels einhüllte. Goldenes Licht begann den Dunstschleier aufzulösen, die Denkmäler der Heiligen auf dem Friedhof waren bereits zu erkennen, doch die Stadt Armagh unter ihnen lag weiterhin unter einem dichten, weichen Schleier.

Eine Krähe flog von einer der Eichen auf, die den Zugang zu der Kathedrale bewachten, das Flattern ihrer Flügel zerriss die Stille. Die Augen der Gruppe schossen in Richtung des Vogels und blieben auf einer Gestalt haften, die sich aus dem Nebel löste. Es war ein Mann in einem schwarzen Gewand mit Kapuze, das um seinen hageren Körper schlotterte. Als er auf sie zukam, schlossen sich ihre Hände fester um ihre Waffen. Einige der jüngeren Männer scharrten unbehaglich mit den Füßen, doch einer in der Mitte der Gruppe – breit wie ein Ochse, mit einem harten, zerfurchten Gesicht – drängte sich durch die Reihen nach vorn durch. Niall mac Edan starrte an der sich nähernden Gestalt vorbei in die bernsteinfarbene Dämmerung. Einen Moment später kam hinter dem Mann etwas Großes in Sicht: ein von einem Maultier gezogener Karren. Zwei Männer in schwarzen Kutten führten das Tier am Zügel. Nialls Augen verengten sich vor Erwartung, aber es war keine weitere Bewegung mehr auszumachen. Wie befohlen war Malachias allein gekommen.

Die Männer mit dem Karren machten am Rand des Friedhofs Halt, während Malachias weiter den Hang emporstieg. Der Saum seines schwarzen Ordensgewandes schlug gegen seine nackten Füße. Auf seinem Kopf war eine von der Julisonne rot verbrannte Tonsur ausrasiert. Sein Gesicht wirkte ausgezehrt, die Haut spannte sich über den Wangenknochen und hing schlaff in den Augenhöhlen. Niall spürte die Anspannung seiner Männer, sah, wie einige von ihnen unmerklich zurückwichen. Als Malachias letzten Monat auf diesen Hügel gekommen war und versucht hatte, die Kathedrale zu betreten, hatte er eine Armee mitgebracht, und es war Blut geflossen. Aber Niall wusste, dass es nicht die Erinnerung an die gewaltsame Auseinandersetzung war, die seine Männer nervös machte. Sie wären ruhiger, wenn sie es mit Speeren und Äxten zu tun hätten statt mit diesem einsamen spindeldürren Mann, dessen Füße zahlreiche Schwielen aufwiesen, weil er seit Jahren durch das Land wanderte und das Wort Gottes predigte. Sie alle hatten die Geschichten über ihn gehört.

Es hieß, dass Malachias einst einen Mann, der ihn verleumdet haben sollte, mit einem Fluch belegt hatte, einem Fluch, der die Zunge des Unglücklichen anschwellen, verfaulen und von Würmern wimmeln ließ. Nachdem er sieben Tage lang die Maden erbrochen hatte, die seinen Mund füllten, war der Mann gestorben. Eine Frau, die Malachias während einer Predigt scharf angegriffen hatte, war Berichten zufolge hinterher zusammengebrochen und von so heftigen Krämpfen geschüttelt worden, dass sie ihre Zunge verschluckt hatte. Es hieß, er wäre imstande, Pestilenz zu heilen und sie die Menschen befallen zu lassen, dafür zu sorgen, dass die Flüsse über die Ufer traten und das Land überschwemmten, und man glaubte allgemein, der Zorn des Herrn würde jeden treffen, der es wagte, sich gegen ihn zu stellen.

Trotzdem sah Niall mac Edan ihm furchtlos entgegen und machte sich nicht die Mühe, sein Schwert zu ziehen. Er verwehrte Malachias nun schon seit zehn Monaten den Zutritt zu Armagh und seiner Kathedrale, und bislang hatte ihn noch kein Unheil getroffen. Sein Blick wanderte zu dem Karren. Sogar aus der Entfernung konnte er erkennen, dass er mit Truhen beladen war. Der Anblick bestärkte ihn in seiner Zuversicht. Nur ein gewöhnlicher Sterblicher, fehlbar wie alle Nachkommen Adams, musste zu Bestechung greifen, um zu bekommen, was er wollte. Er bedeutete seinen Männern, zur Seite zu treten, als Malachias, Erzbischof von Armagh, näher kam.

Malachias beobachtete, wie die Männer vor ihm den Weg für ihn freigaben. Die Türen der Kathedrale hinter ihnen standen offen. Der nebelumwaberte Ard Macha war ihm vertraut. Er war vor fast vierzig Jahren in dieser Stadt geboren worden und mit dem Blick auf ihre grünen Hänge zum Mann herangewachsen – die Hügel, auf denen der heilige Patrick seine Kirche errichtet hatte. Die steinerne Kathedrale hatte sich seit seiner Kindheit verändert: Erst vor einem Jahrzehnt war das zerstörte Dach, das in einer Zeit, an die sich kein lebender Mensch mehr erinnern konnte, von einem Blitz getroffen worden war, von Erzbischof Cellach durch ein neues ersetzt worden. Die Schindeln wiesen noch keine Spuren von Alter und Wetter auf. Es freute Malachias, dass das Werk seines Freundes und Mentors weiterlebte, auch wenn Cellach inzwischen gestorben war. Der Gedanke an ihn bewog ihn, seine Aufmerksamkeit auf Niall mac Edan an der Spitze der wartenden Gruppe zu richten.

Seit fast zwei Jahrhunderten beherrschten Männer aus Nialls Clan die Kathedrale; pochten auf ihr Erbrecht, die Diözese samt ihren Reichtümern und den Tributen an Pferden und Kühen, die die Bewohner der Provinz zu entrichten hatten, zu kontrollieren. Nur wenige der Männer, die das Bischofsamt bekleidet hatten, hatten die heiligen Gelübde abgelegt oder waren in Rom geweiht worden. Bei den meisten handelte es sich um verheiratete Laienbrüder, deren Hände mehr an den Umgang mit Waffen als mit der Heiligen Schrift gewöhnt waren; gierige, lüsterne, gewalttätige Männer, deren Herrschaft über Irlands Bischofssitz in den Augen der Kirche ein Anathema darstellte.

Cellach hatte dieses Übel ausgemerzt. Als Sohn des Clans, aber auch als wahrer Diener Gottes und überzeugter Reformator hatte er Malachias zu seinem Nachfolger ernannt, aber nach Cellachs Tod hatten Niall und andere Mitglieder seiner Familie diesen Erlass außer Kraft gesetzt und Malachias nicht in die Stadt gelassen. Also war er gekommen, um sein Recht zu fordern, erst mit einer Armee, was mit Blutvergießen geendet hatte, und jetzt allein mit zehn Truhen voller Münzen. Der Preis war hoch, das, was er dafür bekam, jedoch unbezahlbar.

Malachias blieb vor Niall stehen, dabei fragte er sich, wie dieser ungeschlachte Klotz und ein frommer Mann wie Cellach demselben Mutterleib entsprungen sein konnten. Kain und Abel, ging es ihm durch den Kopf. »Ist es drinnen?«

»Sobald ich die zu entrichtende Gebühr gesehen habe, könnt Ihr ihn haben.« Nialls Gälisch klang abgehackt.

»Meine Brüder bewachen sie.«

Niall nickte zweien seiner Männer knapp zu. »Geht und überzeugt euch selbst.«

Die beiden drängten sich voller Argwohn an dem Erzbischof vorbei und steuerten auf den Karren zu.

Malachias wartete, während Nialls Männer die Truhen inspizierten. Es war noch gar nicht so lange her, dass die Menschen in Irland Handel mit Tieren und Waren betrieben hatten. Die plündernden Wikinger hatten das alles geändert, indem sie ihr vergiftetes Silber mitgebracht hatten. Wie oft schien heutzutage der Wert eines Mannes an diesen Dingen gemessen zu werden statt an der Stärke seines Glaubens.

Kaum waren sie fertig, stiegen die beiden Männer den Hang wieder hoch. Beide grinsten breit.

»Es ist alles da«, sagte einer zu Niall. »Zehn Truhen.«

Nialls Blick richtete sich wieder auf Malachias. Mit einer spöttischen Geste deutete er auf die Kathedrale. »Tretet ein, Eure Exzellenz.« Er würgte den Titel hervor, als würde er auf Knorpeln herumkauen.

Möge das Feuer der Hölle deine Seele reinigen, dachte Malachias, als er an Niall vorbei zwischen den Reihen bewaffneter Männer hindurch auf die Türen der Kathedrale zuging. Keiner von ihnen ließ seine Waffe sinken, doch Malachias schenkte den Speerspitzen und scharfen Klingen keinerlei Beachtung. Am Eingang blieb er stehen. Seine bloßen Füße schienen plötzlich zu zögern, ihn von dem taufeuchten Gras auf die dahinter liegenden Steinfliesen zu tragen. Er hatte das alles nicht gewollt. Nichts davon. In diesem Moment vermisste er die wilde Einsamkeit seines geliebten Klosters Ibracense mehr denn je. Aber Cellach hatte ihn mit diesem Posten betraut. Es war der letzte Wunsch seines sterbenden Mentors gewesen, dass er Erzbischof von Armagh wurde. Überdies hatte der Papst befohlen, dass er diese Diözese übernahm und die Männer aus dem Amt jagte, die fortfuhren, die Gesetze der Kirche zu missachten.

Malachias trat über die Schwelle und in das dämmrige Innere der Kathedrale. Ein leichter Geruch von Männerschweiß hing in der Luft. Er drehte sich nicht um, als die Schritte und die triumphierenden Stimmen hinter ihm verklangen. Niall und seine Bande stürzten sich auf ihre Beute. Vor ihm, am Ende des Kirchenschiffs, befand sich der Hochaltar. Und auf diesem von flackernden Kerzenflammen erleuchteten Altar lag ein langer, in ein weißes Tuch gewickelter Gegenstand.

Vor diesem sank Malachias auf die Knie und widerstand dem überwältigenden Drang, danach zu greifen; das in den Händen zu halten, was Jesus Christus einst berührt hatte. Nachdem er die vorgeschriebenen Gebete gesprochen hatte, erhob er sich und wickelte den Gegenstand behutsam aus. Aus den Falten des Tuchs zog er einen Stab, einen Krummstab in einer kostbaren, kunstvoll gearbeiteten, mit Edelsteinen besetzten goldenen Hülle. Alles Kerzenlicht sowie die Morgensonnenstrahlen, die durch das Fenster fielen, schienen sich darin zu fangen, sodass er in seinen Händen wie eine Flamme glühte.

Der Stab hatte dem heiligen Patrick gehört, der vor siebenhundert Jahren das Wort Gottes nach Irland gebracht hatte. Es hieß, der Heilige hätte ihn von einem Eremiten bekommen, der ihn seinerseits von Jesus erhalten hatte, obgleich einige Heiden behaupteten, Patrick habe ihn den Druiden gestohlen. Er war die heiligste Reliquie Irlands. Die Menschen schworen ihre feierlichsten Eide darauf; Eide, die, wenn sie gebrochen wurden, schreckliche Plagen über das Land hereinbrechen lassen würden. Es war der Stab des Königs der Könige, ein Symbol von Rechtschaffenheit und höchster geistlicher Autorität.

Es zählte nicht, dass Malachias zu Cellachs Nachfolger ernannt oder dass er in Rom zum Priester geweiht worden war. Bevor sich diese Reliquie nicht in seinem Besitz befand, würde das Volk von Irland seine Ernennung nicht akzeptieren. Nur deswegen war er auf Niall mac Edans Forderung nach Bezahlung eingegangen, denn wer auch immer den Stab Jesu sein Eigen nannte, konnte nicht nur darauf bestehen, der einzige rechtmäßige Erzbischof von Armagh, sondern auch der Nachfolger des heiligen Patrick sowie der geistliche Herrscher von ganz Irland zu sein.

ERSTER TEIL

A.D. 1299 – 1301

»Er war eine Zeit lang unschlüssig, ob er den Krieg fortführen sollte oder nicht, entschied sich aber schließlich dafür, zu seinen Schiffen zurückzukehren, während der größte Teil seiner Gefolgsleute noch in Sicherheit und bislang siegreich war, und sich auf die Suche nach der Insel zu begeben, von der ihm die Göttin berichtet hatte.«

Geoffrey of Monmouth,»Die Geschichte der Könige Britanniens«

1

Armagh, Irland, A.D. 1299(164 Jahre später)

Der schwache Schein einer einzelnen Kerze tanzte über die Wände der Krypta und warf monströse Schatten auf die Seiten der achteckigen Pfeiler und das Gebälk der gewölbten Decke. Der Träger der Kerze verlangsamte seine Schritte und schützte die Flamme mit einer Hand, als sie zu erlöschen drohte. Die Stimmen der anderen ringsum waren nur Atemzüge im Dunkel.

»Beeilt euch.«

»Da, Bruder Murtough. Die Truhe.«

»Ich sehe sie. Bring das Licht, Donnell.«

Als Donnell auf die flüsternden Männer zutrat, fiel der Lichtschein auf eine Reihe von auf dem Boden aufgestapelten Truhen und Kisten. Viele dieser Behältnisse lagerten in dieser sechzig Fuß langen Gruft – Körbe mit Tuch, Säcke mit Korn und Fässer mit eingesalzenem Fleisch. Die Kathedrale und die Stadt, über der sie aufragte, hatten im Lauf des Jahrhunderts viel Gewalt erfahren, von zerstörerischen Raubüberfällen benachbarter irischer Häuptlinge und plündernden Wikingern zu der entschlossenen, in Wellen erfolgenden Expansion ihres Herrschaftsgebietes durch die Engländer. Als Erzbischof O’Scanlon vor dreißig Jahren befohlen hatte, an Stelle des ursprünglichen, stark beschädigten Gebäudes ein neues, prächtiges Bauwerk zu errichten, hatte die unterirdische Kammer die Basis des neuen Altarraums gebildet und bot nun der Kathedrale und den Bewohnern von Armagh ein sicheres Versteck für ihre Schätze.

Donnell blieb neben seinen vier Gefährten stehen. Der Kerzenschein züngelte über ihre Gesichter. Die hier aufbewahrten Truhen waren kunstvoll geschnitzt und mit biblischen Szenen bemalt. Sie gehörten eindeutig der Kathedrale und enthielten zweifellos ihre zusammengetragenen Reichtümer – Kelche, Platten, bestickte Roben, Juwelen und Münzen. Die Truhe, auf die Murtough und die anderen gestoßen waren, war größer als der Rest, mit unter einer Staubschicht kaum sichtbaren lateinischen Inschriften versehen und konnte als Einzige das beherbergen, weswegen sie gekommen waren.

Murtough steuerte darauf zu. Die Schatten betonten die Narbe, die über die linke Seite seines Gesichts verlief, die Oberlippe spaltete und sich scharf von der blassen, unversehrten Haut abhob, die sie umgab. Er streckte eine Hand aus, um den Deckel anzuheben. Als sich die Truhe nicht öffnen ließ, zog er die Brauen zusammen.

Ein gespenstisches Stöhnen zerriss plötzlich die Stille und wehte zu ihnen herüber, schwoll an und ebbte wieder ab.

Einer der Männer bekreuzigte sich. »Herr, verschone uns!« Sein erschrockener Ausruf hallte in dem Gewölbe wider.

Murtoughs Narbe kräuselte sich, als er die Stirn runzelte. »Die Matutin, Bruder. Die Chorherren singen die Matutin.«

Der junge Mann stieß vernehmlich den Atem aus, aber die Furcht wich nicht aus seinen Augen.

Murtough erhob sich und spähte in das Dämmerlicht, bis sein Blick auf zwei große silberne Kerzenleuchter fiel. Er ging zu ihnen hinüber, hob einen hoch und prüfte sein Gewicht.

»Sie werden uns hören«, warnte einer seiner Gefährten und packte Murtough am Arm, als dieser mit dem Kerzenleuchter ausholen wollte. Sein Blick wanderte zur Decke, wo der ferne Gesang seinen Fortgang nahm.

»Dort«, murmelte Donnell. Die Flamme flackerte in dem leichten Luftzug seines Atems. Er deutete auf einen mit einem Tuch bedeckten Korb.

Murtough begriff, was er meinte, und trat darauf zu. Staubwölkchen stoben auf, als er das Tuch um den Fuß des Leuchters wickelte. Er ging zu der Truhe zurück und schmetterte ihn mit voller Kraft gegen das Schloss. Der gedämpfte Aufprall hallte wider wie ein Trommelschlag, die Truhe erzitterte, im Holz blieb eine Delle zurück, aber das Schloss sprang nicht auf. Murtough wappnete sich und versuchte es erneut, dabei lauschte er auf jede etwaige Veränderung in dem Gesang im Altarraum der Kathedrale. Nach drei Schlägen zersprang das Schloss endlich. Murtough hob den Deckel, wobei Holzsplitter zu Boden rieselten, und starrte fassungslos auf die in der Truhe ruhenden Breviere und Bibeln.

Als die anderen sahen, was sie enthielt, begannen sie, hastig leise miteinander zu tuscheln.

»Wir können nicht jede Truhe hier durchsuchen.«

»Wir sind schon viel zu lange hier unten.«

»Ich werde diesen Raum nicht ohne ihn verlassen«, erwiderte Murtough grimmig. »Wir wissen aus sicherer Quelle, dass sie kommen werden, um ihn zu holen. Ich lasse nicht zu, dass er ihnen in die Hände fällt.«

»Aber wenn wir entdeckt werden …«

Den Blick auf etwas gerichtet, das vor ihm schimmerte, schritt Donnell durch die Kammer. Es war ihm schon vorher aufgefallen, aber er hatte es für die Widerspiegelung seiner Kerzenflamme in den Beschlägen der vielen Fässer oder Truhen gehalten. Jetzt, da sich seine Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, erkannte er, dass die Flamme in seiner gewölbten Hand zu schwach war, um einen so weiten Schein zu werfen. Was auch immer es war – es stand in seiner eigenen Lichtquelle.

Als er näher kam, konnte er einen an einen Altar erinnernden Sockel ausmachen, der mit einem Brokattuch bedeckt war, und ein leiser Weihrauchduft stieg ihm in die Nase. Hier war der Gesang der Chorherren lauter, die Psalmen des Frühgottesdienstes drangen an sein Ohr. Auf dem Sockel lag ein juwelenbesetzter Stab.

»Dem Himmel sei Dank.«

Donnell blickte auf und sah eine Öffnung in der Decke der Krypta, die durch den Fels bis zum Boden des Altarraums verlief. Hinter den Stäben eines eisernen Gitters zeichneten sich die in Kerzenschein getauchten Säulen des Chorgangs ab. Der Stab Jesu lag verborgen im Herzen der Kathedrale, sichtbar nur für die Chorherren, die über ihm ihren Gottesdienst abhielten.

Laut den Chroniken der Abtei waren einhundertvierundsechzig Jahre verstrichen, seit der heilige Malachias Niall mac Edan den Stab abgerungen hatte. Seither hatte er hier geruht, während sich ringsum die Kathedrale, die Stadt und Irland selbst massiv verändert hatten. Wäre er empfindungsfähig gewesen, hätte dieser Stab den fernen Donnerhall des Krieges wahrnehmen können, als die Engländer gekommen waren, erst als Abenteurer, dann unter dem Befehl ihrer Könige. Er hatte die Feuer der Zerstörung gerochen und die Schritte der durch das Land marschierenden Eroberer gehört, die die Ostküste von Wexford bis Dublin und Antrim einnahmen; hätte die Hammerschläge gespürt, mit denen die Erde aufgebrochen und Steine für neue Städte und Burgen geschlagen wurden, die über den Gebieten aufragten, die sie jetzt beherrschten. Würde Malachias, ihr Heiliger, das, was aus dem Land außerhalb dieser Mauern geworden war, überhaupt wiedererkennen? Donnell wandte sich ab. Seine Augen glänzten im Kerzenschein, als seine Brüder sich aus der Dunkelheit lösten, in der er sie zurückgelassen hatte.

Murtough huschte an ihm vorbei und verlangsamte seine Schritte, als er sich dem Sockel näherte und sein Blick von dem Stab zu dem Eisengitter in der Decke wanderte. Vorsichtig, aber verlangend trat er vor und griff nach dem Krummstab. Einer seiner Gefährten öffnete eine Tasche, damit er die Reliquie darin verstauen konnte. Sobald der Stab sicher verwahrt war und Donnell ihnen mit der Kerze den Weg wies, eilten die Männer durch die Krypta und ließen die Psalmen der Chorherren der Kathedrale hinter sich verhallen.

Bei einer Tür in der östlichen Wand wartete ein weiterer Mann, sein blasses Gesicht kam im Lichtschein in Sicht. »Habt ihr ihn?«

Murtough nickte. Er musterte den schlaffen Körper des Türhüters, neben dem sein Kamerad kauerte. Die Stirn des Mannes war mit Blut verschmiert, sein Schwert steckte noch immer in der Scheide an seiner Seite. Er hatte nicht mit einem Angriff gerechnet. Warum hätte er auch meinen sollen, von Männern in den Kutten eines heiligen Ordens etwas befürchten zu müssen? »Hat er sich noch mal bewegt?«

»Nein, Bruder. Ich fürchte, wir haben ihn schwer verletzt.«

»Wir werden für ihn beten und für die Sünden, die wir heute begangen haben, Buße tun.« Murtoughs Stimme klang rau. »Wenn der Stab in Sicherheit ist.« Er nickte Donnell zu, der die Kerzenflamme zwischen Daumen und Zeigefinger löschte, als die Tür geöffnet wurde und sie in die kühle Dunkelheit einer Frühlingsmorgendämmerung hinaustraten.

Die sechs Männer kümmerten sich nicht weiter um den Leichnam in der Krypta, schlichen über das Gras und schlängelten sich lautlos zwischen den hölzernen Kreuzen und den Heiligendenkmälern hindurch. Ihre schwarzen Gewänder ließen sie mit dem Schatten der St. Patrick’s Cathedral verschmelzen.

Antrim, Irland, A.D. 1300

Das Pferd jagte mit Schaum vor den Nüstern durch den Wald. Erdbrocken spritzten unter seinen Hufen auf. Ringsum ragten hohe Bäume gen Himmel; Regen drang durch den Baldachin aus Ästen und Zweigen. Zwischen den Gespinsten aus braunen, welken Blättern blitzten weiße Wolkenfetzen auf. Der Zorn des Novembers hatte das Geäst eines großen Teils seines Blattschmucks beraubt, und die Talsohle war mit einem raschelnden Leichentuch bedeckt.

Robert beugte sich vor. Der hölzerne Sattelknauf bohrte sich in seine Magengrube, als er das Tier zu einem noch schnelleren Galopp zwischen den Bäumen hindurch antrieb. Fleet, ein gescheckter Grauschimmel, war so empfindlich im Maul, dass schon der leichteste Zügeldruck genügte, um ihn über umgestürzte Baumstämme oder über schmale Flüsse hinwegsetzen zu lassen. Das Pferd war kleiner, aber weit schneller als Hunter, das Schlachtross, das er in Schottland in der Obhut seines Freundes und Verbündeten James Stewart zurückgelassen hatte.

Die Kapuze seines grünen Umhangs war Robert schon einige Meilen zuvor vom Kopf gerutscht. Regentropfen rannen über seine Wangen, und in seinen Ohren dröhnte das Rauschen des Windes und seine eigenen heftigen Atemzüge. Vor Anstrengung hatte er einen metallischen Geschmack im Mund. Ein kleiner Zweig peitschte ihm ins Gesicht, doch er spürte es kaum – seine gesamte Aufmerksamkeit war auf die Rücken der zwölf Jagdhunde gerichtet, die jetzt abschwenkten und lauthals bellend einen steilen Hang hinaufstürmten. Robert gab Fleet die Sporen und folgte ihnen.

Oben auf dem Hang hob er sein Horn an die Lippen und blies ein paar Mal kurz hinein, um die anderen, die er ein gutes Stück hinter sich gelassen hatte, von der Richtungsänderung in Kenntnis zu setzen. Durch eine Lücke in den Bäumen konnte er eine kahle Landzunge sehen, die über den Eingang des bewaldeten Tales hinausragte. Dahinter erstreckte sich das Meer unter einem mit Wolken übersäten schiefergrauen Himmel bis zum Horizont. Auf der anderen Seite der Wasserfläche war die Küste Schottlands als schwache, immer wieder unterbrochene Linie zu erkennen. Beim Anblick seiner Heimat krampfte sich Roberts Brust zusammen, und er trieb Fleet weiter.

Vor sich erhaschte er inmitten des Gewirrs aus Eichen und Ebereschen den ersten Blick auf sein Wild – einen kurz aufleuchtenden hellen Rumpf mit einem den Schwanz hinunter verlaufenden dunkleren Streifen. Nun, wo die Hetzjagd Erfolg verhieß, schlug seine grimmige Entschlossenheit in Vorfreude um. Die Hunde hatten die Fährte eines ziemlich großen Damhirsches aufgenommen. Dieser schoss im Zickzack hin und her, versuchte die Hunde abzuschütteln, aber sie hatten jetzt seine Witterung in den Nasen, und ihre Blutgier war stärker als ihre Erschöpfung. Der Hirsch folgte dem natürlichen Verlauf des Tals, durch das ein Fluss bis hinunter zum Meer floss. Wieder blies Robert in das Horn. Aus verschiedenen Teilen des Waldes erklangen Antwortfanfaren, einige hinter, andere vor ihm. Der Damhirsch fuhr ohne Vorwarnung plötzlich herum und bäumte sich auf. Seine Hufe wirbelten durch die Luft. Er war nicht so groß wie die mächtigen roten Hirsche, die sie gejagt hatten, bis die Saison zu Ende gegangen war, aber sein Geweih würde dennoch jeden Hund, der ihm zu nahe kam, schwer verletzen oder gar töten.

Robert zog die Zügel an und brachte Fleet zum Stehen, dabei brüllte er den ihre Beute umkreisenden Hunden Befehle zu. Uathach, seine treue Hündin, befand sich an der Spitze der Meute. Obwohl sie vor Kurzem sechs Welpen geworfen hatte, gebärdete sie sich furchtlos und kampfeslustig, ihr sehniger Körper spannte sich an, als sie knurrend auf den Hirschbock zuschlich, der den Kopf senkte, sein Geweih schüttelte und Erdreich aufwarf. Robert blickte über seine Schulter. Durchdringende Hörnerklänge kündigten das Herannahen des Rests des Jagdtrupps an. An der Spitze ritten seine Brüder Edward und Thomas. Der Hirsch schoss durch das Unterholz davon, aber es war zu spät, denn die Jäger, die ein Stück entfernt im Tal lauerten, hatten bereits die Mastiffs losgelassen.

Entschlossen trieb Robert sein Pferd an und verfolgte den Hirsch auf seiner letzten verzweifelten Flucht. Von links preschten zwei riesige Hunde heran. Die Stacheln, mit denen ihre Halsbänder besetzt waren, blitzten wie metallene Zähne. Trotz der Gefahr galoppierte der Hirsch weiter. Robert konnte nicht umhin, den Mut zu bewundern, den er selbst dann noch bewies, als die Mastiffs zwischen den Bäumen auftauchten und sich auf ihn stürzten. Einer sprang ihn an und verbiss sich in seine Kehle, der andere in ein Hinterbein. Das Röhren des Tieres verwandelte sich in ein schmerzliches Gebrüll, als es im Schlamm zusammenbrach und wild mit den Beinen schlug. Robert zügelte Fleet, sprang aus dem Sattel und rief nach den Jägern, die durch das Gebüsch brachen und Stöcke zückten, um die Mastiffs, die ihre Zähne in das Fleisch des Hirschs gruben und ihn zu Boden drückten, mit kräftigen Schlägen von ihrem Opfer wegzutreiben. Das Tier schnaubte tief und erschauerte. Während Robert sich einen Weg durch die Hundemeute bahnte, schob er das mit silbernen Ringen verzierte Horn in sein seidenes Gehenk zurück – beides Geschenke von seinem Ziehvater. Die Beine des Hirschbocks zuckten. Robert nickte den Jägern zu, die daraufhin mit den Stöcken drohend auf den Boden schlugen, bis die Mastiffs ihre Beute freigaben und sich blutigen Geifer von den Lefzen leckten.

Als Robert sich über den Hirsch beugte, spiegelte sich sein Bild in den Augen des Tieres wider – nasses Haar fiel in dunklen Strähnen um ein Gesicht mit ausgeprägten Zügen, und der grüne, durchweichte Umhang hing schwer von breiten Schultern herab. Der Hirsch schnaubte erneut. Blut sickerte aus seinen Nüstern und quoll aus der tödlichen Wunde in seinem Hals. Robert streifte seine Handschuhe ab, legte eine Hand auf eine der Geweihsprossen, strich über die gewundenen, samtigen Knochen und erinnerte sich daran, wie sein Großvater ihm einst erzählt hatte, dass manche Menschen glaubten, ein auf der Jagd erlegtes Tier würde seine Eigenschaften auf seinen Bezwinger übertragen. Lang vergessene Worte hallten in seinem Kopf wider.

»Der Rehbock gibt dir Anmut und Schnelligkeit,Der Hirsch dir Würde und Kraft.Der Wolf Schläue und Behändigkeit,Der Hase die Erregung der Jagd.«

Er zog sein durch den ballförmigen Knauf ausbalanciertes Breitschwert, richtete sich auf, setzte die Spitze der zweiundvierzig Zoll langen Klinge über das flatternde Herz des Tieres und stieß mit voller Kraft zu.

Der Rest des Jagdtrupps scharte sich um ihn, die Knappen griffen nach den Zügeln der Pferde, als die Edelleute abstiegen und ihm Glückwünsche zuriefen. Als er sah, dass auch Nes eingetroffen war und sich um Fleet kümmerte, zog Robert einen Tuchfetzen aus dem Beutel an seinem Gürtel und wischte damit das Blut von seinem Schwert. Wildes Gebell erfüllte den Wald, als den Jagdhunden gestattet wurde, nacheinander am Hals des Hirsches zu zerren – ein Anreiz für die nächste Jagd –, bevor sie von den Knappen zusammengetrieben wurden. Uathach befand sich unter ihnen, sie hechelte Dampfwölkchen in die kalte Luft. Als die Jäger den erlegten Hirsch umringten, um ihn zum Zerlegen vorzubereiten, kam Roberts Ziehvater zu ihm herüber.

Kleine Fältchen legten sich um Lord Donoughs Augen, als er Robert eine Hand auf die Schulter legte. »Gut gemacht, mein Sohn.« Er betrachtete den Hirsch und nickte zufrieden. »Er wird ein wahres Festmahl abgeben.«

Das Lob des älteren Mannes entlockte Robert ein erfreutes Lächeln. Er stopfte das schmutzige Tuch in seinen Gürtel, und Cormac, einer seiner Ziehbrüder, reichte ihm einen juwelenbesetzten Weinschlauch. Mit seinen vierundzwanzig Jahren war er zwei Jahre jünger als Robert und Donoughs Ebenbild, nur fehlten ihm die Krähenfüße und das Weiß in seinem roten Haar, das er in dem traditionellen cúlán trug – vorn dicht und in die Augen fallend, hinten kurz geschoren.

Cormac grinste, als Robert durstig trank. »Ich dachte schon, du würdest aus Fleets Sattel springen und selbst die Zähne in das Tier schlagen, so sehr hast du darauf gebrannt, es zur Strecke zu bringen.«

Donoughs schroffe Stimme schnitt ihm das Wort ab. »Hüte deine Zunge, Sohn. Du sprichst mit einem Älteren und Besseren.«

»Älter schon«, murmelte Cormac, als sein Vater zu den Jägern trat, um deren Vorbereitungen zu überwachen.

»Jedenfalls alt genug, um einen richtigen Männerbart zu tragen.« Ehe sein Ziehbruder ausweichen konnte, schoss Roberts Hand vor und zog fest an dem Backenbart, den Cormac sich stehen zu lassen versuchte, woraufhin dieser sich schimpfend losmachte. Robert kicherte in sich hinein, als der junge Mann sich das Kinn reibend davonstolzierte. Cormac erinnerte ihn so sehr an Edward. Doch als Robert zu seinem Bruder hinüberschielte, der sich mit Christopher Seton unterhielt, erstarb sein Lächeln.

Robert und Edward waren nach gälischer Sitte als Kinder in Donoughs Obhut gegeben worden und hatten ein Jahr bei dem irischen Lord und seinen Söhnen verbracht, wo sie im Rahmen ihrer Ausbildung zum Ritter das Reiten und den Umgang mit Waffen erlernt hatten. Aber während Cormac sich seine unbekümmerte Sorglosigkeit bewahrt hatte, war Edwards Lebensfreude seither merklich geschwunden. Robert fand, dass die Rückkehr zu seinem Ziehvater nach Antrim nach fünfzehn Jahren ihm nur noch stärker bewusst gemacht hatte, wie sehr der Krieg Edward und ihn selbst verändert hatte.

»Für das Zerlegen, Sir.«

Robert drehte sich um. Einer der Jäger reichte ihm einen Lederbeutel, der fünf Messer mit verschiedenen Klingen enthielt – eines zum Zertrennen von Knochen und Sehnen, eines zum Abhäuten und noch ein paar für feinere Arbeiten. Er deutete auf seinen Ziehvater. »Diese Ehre überlasse ich dem Lord.«

Donough krempelte mit einem zufriedenen Lachen seine Hemdsärmel auf. Er wählte ein Messer aus und verzog leicht das Gesicht, als er sich neben den Hirsch kauerte, der auf den Rücken gedreht und mit dem Geweih in den Schlamm gestoßen worden war, und sich anschickte, ihn zu zerteilen. Die Hunde waren verstummt. Sie wussten, dass ihre Belohnung nicht mehr lange auf sich warten lassen würde, und sahen ruhig zu, wie das Blut zu fließen begann, als der Lord den ersten Schnitt ausführte.

Die Männer, die sich das Schauspiel nicht entgehen lassen wollten, scharten sich um das getötete Tier. Roberts Blick schweifte über sie hinweg. Edward lehnte mit verschränkten Armen an einem Baum, Christopher Seton verfolgte jede von Donoughs Bewegungen wie gebannt. Ganz in der Nähe stützte Niall, mit neunzehn der jüngste von Roberts vier Brüdern, einen Ellbogen auf Thomas’ Schulter. Zwischen den beiden bestand keinerlei Ähnlichkeit; es fiel schwer zu glauben, dass in ihren Adern dasselbe Blut floss. Während Niall das gute Aussehen, die dunklen Farben und das fröhliche Temperament ihrer Mutter geerbt hatte, schlug Thomas mit seinen bulligen Schultern und den buschigen Brauen ganz nach dem Vater. Die Knappen und die Einheimischen, die sich an der Jagd beteiligt hatten, hielten sich etwas abseits und sahen ihrem Lord bei der Arbeit zu. Alle Gesichter waren vor freudiger Erregung gerötet, jeder war mit dem erfolgreichen Ausgang einer Jagd zufrieden, bei der das Wild einen sauberen Todesstoß erhalten hatte und kein Pferd oder Hund verwundet worden war. Jeder außer ihm.

Die Jagd mochte beendet sein, aber Roberts Ungeduld war nicht geschwunden. Die Küstenlinie, die er während der Verfolgung des Hirschbocks kurz erblickt hatte, ging ihm nicht aus dem Kopf. Schottland verhöhnte ihn mit seiner Nähe. Vor einem Jahr war er als Hüter des Reiches zurückgetreten, vor sieben Monaten nach Antrim gekommen. Sieben Monate nahm er schon nicht mehr an dem Krieg teil, der sein Land verwüstete. Sieben Monate verbrachte er bereits fern seiner Heimat und seiner Tochter und jagte einem Geist nach.

Als hinter ihm Zweige knackten, drehte Robert sich um und sah Alexander Seton auf sich zukommen. Seine muskulöse Gestalt war in einen Jagdumhang gehüllt, Regentropfen rannen über sein hartes Gesicht. Er maß Robert mit einem so wissenden Blick, als habe er seine Gedanken gelesen.

»Wieder eine gute Jagd.«

Robert nickte knapp, da er den Unterton in der Stimme seines Gefährten registrierte, die eine Auseinandersetzung verhieß. Und er irrte sich nicht.

»Aber ich sage es noch ein Mal – ich würde mein Schwert lieber für ein größeres Ziel einsetzen als für sportliche Vergnügungen. Wie lange gedenkst du noch hierzubleiben?«

Robert erwiderte nichts darauf, doch der Lord aus Lothian, der seit über drei Jahren an seiner Seite kämpfte, ließ sich nicht so leicht abschütteln.

»Wir sollten nach Hause zurückkehren, wo wir gebraucht werden, Robert. Das hier führt zu nichts.«

Zorn flammte in Robert auf. Die Worte enthielten eine Wahrheit, die er nicht hören wollte. »Nicht, bevor ich nicht jede Möglichkeit ausgeschöpft habe. Wir haben noch nichts von den Mönchen in Bangor gehört. Seit Donough einen Boten zu der Abtei geschickt hat, ist nur etwas mehr als eine Woche vergangen. Ich will ihnen mehr Zeit geben.«

»Mehr Zeit?« Alexander dämpfte seine Stimme, um von den Umstehenden nicht gehört zu werden. »Die Mönche haben auf die erste Botschaft schon nicht geantwortet, die wir ihnen vor drei Monaten geschickt haben, und selbst wenn sie wissen, wo der Stab ist – warum sollten sie es uns sagen? Aus dem, was wir wissen – der nächtliche Diebstahl und der Mord an dem Türhüter –, geht klar hervor, dass derjenige, der ihn aus der Kathedrale entwendet hat, beabsichtigt, ihn spurlos verschwinden zu lassen. Der Earl of Ulster hat ihn nicht gefunden, obwohl seine Ritter ganz Irland durchkämmt haben. Bei Gott, wenn ein Mann wie Richard de Burgh mit all seiner Macht und seinen Mitteln diese Reliquie nicht ausfindig machen kann, wie soll es uns dann gelingen?«

Robert starrte den Kadaver des Hirsches an, dem Donough gerade das Fell vom Bauch zog. In ihm rang sein Stolz mit der Vernunft in Alexanders Worten. Er musste ungeachtet der Zweifel, die ihn allmählich beschlichen, unbeirrt daran glauben, dass es richtig gewesen war hierherzukommen. »Du kannst nach Schottland zurückkehren. Ich halte dich nicht auf. Aber ich bleibe.«

»Ich habe nichts, wohin ich zurückkehren könnte. Ich habe alles aufgegeben, um mich deiner Sache anzuschließen. Das haben wir beide getan.« Alexander blickte über die Menge hinweg zu seinem Vetter hinüber. »Longshanks würde Christopher und mich im selben Moment, wo wir einen Fuß auf englischen Boden setzen, in Ketten legen lassen.«

Robert musterte Christopher Seton nachdenklich. Der Mann aus Yorkshire, den er vor zwei Jahren zum Ritter geschlagen hatte, unterhielt sich angeregt mit Edward und Niall. »Eure Ländereien können immer noch zurückgewonnen werden. Vor unserer Abreise haben wir große Gebiete zurückerobert, und James Stewart und die anderen werden den Kampf während unserer Abwesenheit fortgeführt haben.«

»Land bedeutet gar nichts, wenn König Edward mit einer neuen riesigen Armee zurückkommt. Sein letzter Feldzug hat uns fast ausgelöscht. Wir haben auf dem Schlachtfeld von Falkirk zehntausend Männer verloren. Wer soll den Engländern denn die Stirn bieten – William Wallace ist in Frankreich, und du bist hier. Willst du wirklich einen Mann wie John Comyn die Geschicke unseres Königreichs lenken lassen?«

Roberts Kiefermuskeln spannten sich an. Die Monate fern von Schottland hatten seine Feindseligkeit gegenüber seinem Widersacher nicht gemildert; wenn überhaupt, so hatte die Zeit sie noch verstärkt. Je länger er fortblieb, desto mehr würde Comyn seine Position festigen können, und dieses Wissen ließ es ihm schwer ums Herz werden.

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, nach dem Rücktritt von William Wallace als Hüter Schottlands, waren Robert und John Comyn, gleichaltrig und beide Erben des Vermögens ihrer Familien, zu seinen Nachfolgern gewählt worden. Gemeinsam hatten sie das kriegsgeschüttelte Reich ohne König regiert und die gespaltene Gemeinschaft von Earls, Lords, Rittern und Bauern angeführt, die sich von Edward Longshanks’ Herrschaft befreien wollte. Es war ein schwieriges Bündnis gewesen; zwischen den beiden Männern herrschte ohnehin schon Feindschaft, aber noch schwerer wog die Bitterkeit zwischen ihren Familien. Durch einen Jahrzehnte zurückliegenden Betrug vergiftet, war das böse Blut über Generationen hinweg vom Vater an den Sohn weitergegeben worden.

Es war ein geschickter Schachzug von Alexander Seton gewesen, Comyn ins Spiel zu bringen. Aber er hatte das Wesentliche übersehen. Nach Roberts Abreise hatte William Lamberton seinen Platz als Hüter eingenommen, doch nicht einmal die Wahl des charismatischen Bischofs von St. Andrews hatte Comyn davon abgehalten, unter den Männern des Reichs um Anhänger zu werben. Um seine eigene Autorität in Schottland wiederherstellen zu können, musste Robert mit etwas zurückkehren, das ihn als den würdigeren Mann auswies; etwas, das ihnen zu ihrer Freiheit verhelfen konnte, das wusste Robert. John Comyn war nur ein weiterer Grund, weshalb er nicht ohne das zurückgehen konnte, was er suchte: den Stab des heiligen Malachias.

»Du hast uns gesagt, unser Land brauche einen neuen König«, fuhr Alexander, der Roberts Schweigen als Gleichgültigkeit missdeutete, barsch fort. »Einen, der unsere Freiheit verteidigt, der sich bewährt, wo John Balliol versagt hat. Du sagtest, du würdest dieser König sein.«

Jetzt drehte Robert sich doch zu ihm um. Er erinnerte sich noch lebhaft an seine Worte im Burghof von Turnberry Castle vor drei Jahren – dem Jahr, in dem er seinen König Edward geleisteten Treueeid gebrochen hatte, um an William Wallace’ Seite zu kämpfen. Damals hatte er mit Feuer im Herzen zu seinen Männern gesprochen, hatte versprochen, ihre Freiheit mit aller Macht zu verteidigen und gelobt, ihr König zu werden. In seinen Adern floss nicht nur das königliche Blut des Hauses Canmore, sondern sein Großvater war auch von Alexander III. zu seinem Erben ernannt worden. Vor seinem Tod hatte der alte Mann diesen Anspruch auf ihn übertragen, und Robert hatte geschworen, ihn aufrechtzuerhalten, egal welche Prätendenten widerrechtlich auf dem Thron saßen und das Recht der Familie Bruce ignorierten.

Seine Stimme wurde fester. »Und so wird es auch kommen.«

2

DER JAGDTRUPP RITT IN DER EINSETZENDEN Dämmerung über die Felder; die Jäger trugen den abgetrennten Kopf des Hirsches. Sie zogen eine leuchtend rote Blutspur hinter sich her, die inzwischen eine große Zahl sie umkreisender Krähen angelockt hatte. Nachdem die Hunde ihre Belohung erhalten hatten, war der Kadaver zerlegt und verteilt worden. Die besten Stücke erhielt Lord Donough für seine Tafel, die anderen die Männer, die an der Jagd teilgenommen hatten. Sogar die Einheimischen, die neben den berittenen Edelleuten herliefen, hielten mit Blättern umwickelte Päckchen mit Fleisch und Knochen für ihre Familien in der Hand. Donough achtete stets darauf, dass jeder seinen Anteil bekam.

Sie schlugen den Pfad ein, der sie an der mit Moos und gelben Fettkrautrosetten überwucherten Ruine einer ringförmigen Festung, in der Schafe grasten, vorbei zu Donoughs Halle zurückführte. Als Robert die zerbröckelnden Steine anstarrte, stiegen Erinnerungen in ihm auf. Er sah sich selbst, schlank und schlaksig, auf dem höchsten Punkt der verfallenen Mauer sitzen und triumphierend die Faust heben, während seine Ziehbrüder, von dem Wettrennen noch außer Atem, hinter ihm hochkletterten. Seine eigene Stimme hallte in seinen Ohren wider.

»Ich bin der König! Ich bin der König!«

Er wandte sich von der Ruine ab, als der Pfad sich den Hang hinunterwand und die Halle in Sicht kam. Cormac gab seinem Pferd die Sporen und galoppierte vorneweg; sein rotes Haar wurde vom Wind zerzaust. Niall und Thomas ritten hinter ihm um die Wette. Die Halle stand auf einem grasbewachsenen Hügel, der sich über dem Ufer eines seichten Flusses erhob. Sie war von einem Schutzgraben und einer Palisade umgeben, deren Pfähle noch nicht von Zeit und Wetter in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Vor achtzehn Monaten war der größte Teil der Gebäude von einem Feuer zerstört worden, nur die steinerne Halle war stehen geblieben. Der Wiederaufbau hatte Monate gedauert, aber dank Donoughs Entschlossenheit, der Treue seiner Pächter und Münzen aus Roberts Truhen sah alles wieder fast so aus wie damals, als Robert als Junge hier gelebt hatte.

Der Rest der Gruppe strömte hinter den drei jungen Männern durch das Tor in der Palisade. Die Wächter nickten Donough und Robert grüßend zu, als sie ihre Pferde den Hang hoch und in den Hof in der Mitte der Ställe und Scheunen trieben, die immer noch nach Sägemehl rochen. Thomas, Niall und Cormac waren bereits abgestiegen und erteilten den herbeieilenden Stallburschen Anweisungen. Roberts jüngere Brüder waren in der Obhut ihrer Zieheltern verblieben, als vor vier Jahren der Krieg zwischen Schottland und England ausgebrochen war, und fühlten sich hier inzwischen mehr zu Hause als auf den Landsitzen der Bruces in Carrick und Annandale.

Als Robert sich aus dem Sattel schwang und Nes die Zügel reichte, fiel sein Blick auf Donoughs Haushofmeister.

»Mylord.« Der Mann erhob die Stimme, um das aufgeregte Bellen der Hunde zu übertönen. »Ich hoffe, Ihr hattet Glück?«

»Ein schöner Damhirsch, Gilbert …« Auch Donough stieg ab. »Reichlich Fleisch für die Vorratskammern.«

»Ich werde mich darum kümmern. Ihr habt Besuch, Mylord.«

Donough runzelte die Stirn. »Wen denn?«

»Zwei Mönche von der Abtei von Bangor. Sie sind kurz nach der Mittagszeit eingetroffen.« Gilberts Blick blieb an den schlammbedeckten Stiefeln und dem Umhang seines Herrn hängen. »Soll ich sie bitten zu warten, während Ihr Euch umzieht?«

Robert trat vor. »Nein, Gilbert. Wir empfangen sie jetzt.«

Als der Haushofmeister Donough fragend ansah, nickte der Lord. »Sorg dafür, dass heute Abend genug Essen für alle aufgetragen wird. Meine Männer werden mit mir speisen.«

»Ja, Mylord.«

Robert und sein Ziehvater überließen es Gilbert, Jäger und Knappen anzuweisen, die Hunde in die Zwinger zu schaffen, und begaben sich in die Halle. Als er den Hof überquerte, fing Robert Alexander Setons Blick auf. Da er sich in seiner Ansicht bestätigt fühlte, trat er zufrieden und mit wachsender Erwartung in die rauchigen Schatten.

In der Halle warteten die beiden Männer in den schwarzen Kutten neben dem Kamin. Sie drehten sich um, als Robert und Donough hereinkamen und einen Schwall kalter Luft mitbrachten, der die Flammen flackern ließ. Der jüngere der beiden hatte ein unscheinbares, ernstes Gesicht und besorgte, hin und her schießende Augen. Der ältere fiel durch eine groteske Narbe auf, die über seine Wange verlief und seine Lippe spaltete. Er hielt sich sehr gerade, stand mit leicht gespreizten Beinen da und erwiderte Roberts abschätzenden Blick mit einem kämpferischen Funkeln, das eher zu einem Krieger als zu einem Geistlichen passte.

An Donough schien die Feindseligkeit dieses Blickes abzuprallen. Er ging unbeirrt auf den Mönch mit der Narbe zu und umschloss dessen Hand mit seinen beiden. »Bruder Murtough, es ist lange her. Ihr habt meine Botschaften erhalten? Als Ihr nicht geantwortet habt, begann ich schon das Schlimmste zu befürchten.«

»Wir wären früher gekommen, aber es war zu gefährlich.«

Das Gälisch des vernarbten Mönchs klang rau und guttural und in der Modulation so verschieden von dem, das seine eigene Familie sprach, dass Robert Mühe hatte, ihn zu verstehen.

»Ulsters Spione haben uns beobachtet.« Murtoughs Blick wanderte durch die Halle, nahm die neuen Balken zur Kenntnis, die kreuz und quer über die Decke verliefen. »Es freut mich zu sehen, dass Ihr in der Lage wart, den Schaden zu reparieren, den seine Männer hier angerichtet haben.«

Bei der Erwähnung des Namens des Mannes, der für die Zerstörung seines Heims verantwortlich war, verblasste Donoughs Lächeln. »Ich wollte diese Hunde nicht in dem Glauben lassen, sie hätten gewonnen.« Er wandte sich zu Robert. »Und mein Ziehsohn Sir Robert, Earl of Carrick und Lord dieses Landsitzes, hat mir dabei sehr geholfen.«

Der narbige Mönch richtete seine Aufmerksamkeit auf Robert. »Euer Name, Euer Stammbaum und Euer Ruf eilen Euch voraus, Sir Robert. Euer Großvater war ein großer Mann, möge er in Frieden ruhen. Meine Brüder und ich halten sein Andenken noch immer in Ehren.«

Robert runzelte überrascht die Stirn. Soweit er wusste, hatte sein Großvater Irland nie besucht. Der Familienbesitz der Familie Bruce in Antrim, der sich von Glenarm bis Olderfleet erstreckte, war kein Teil des Vermächtnisses des alten Mannes gewesen. Wie die Grafschaft Carrick gehörte er zum Erbe von Roberts Mutter, war durch die Heirat auf seinen Vater übergegangen und Robert vor acht Jahren überschrieben worden. Nachdem er den Platz seines Vaters eingenommen hatte, hatte es Robert fast ein wenig peinlich berührt, als Herr der Ländereien nach Antrim zurückzukehren und seinen Ziehvater vor ihm niederknien und ihm seine Reverenz erweisen zu sehen. »Ich wusste nicht, dass Ihr meinen Großvater gekannt habt.«

»Nicht persönlich«, stellte der jüngere Mönch klar. »Aber wir haben von seiner Großzügigkeit profitiert. Er hat unserer Abtei über Jahre hinweg Geld für Kerzen zukommen lassen, die am Schrein unseres Gründers, des heiligen Malachias, brennen sollten.«

Donough nickte, als Robert ihm einen fragenden Blick zuwarf. »Dein Großvater hat die Spenden über deine Mutter an mich weitergeleitet.« Er deutete auf den die Halle beherrschenden langen Tisch, auf den die Diener einen Krug mit Wein und einige Kelche gestellt hatten. »Aber wir wollen uns erst einmal setzen.«

Als sie zu dem Tisch und den Bänken hinübergingen, dachte Robert an die Abtei von Clairvaux in Frankreich und andere heilige Stätten, wo sein Großvater dafür bezahlt hatte, dass zu Ehren des Heiligen Kerzen entzündet wurden. Wie viele Kerzendochte rauchten gemäß dem letzten Willen des alten Mannes noch in Kapellen und Abteien, und das alles nur, um für die Sünden eines Vorfahren zu büßen?

Es hieß, dass Malachias während einer Reise durch Schottland in der Burg der Familie Bruce in Annan übernachtet hatte. Als er erfuhr, dass dort ein mutmaßlicher Räuber gehängt werden sollte, bat er, den Mann zu verschonen, was ihm der Lord of Annandale auch zusagte. Als Malachias den angeblich Begnadigten am nächsten Tag am Galgen baumeln sah, belegte er aus Zorn über diesen Wortbruch den Lord und seine Nachkommen mit einem Fluch, der der Geschichte zufolge den Fluss über die Ufer treten und ihre Burg fortreißen ließ, sodass die Bruces gezwungen waren, in Lochmaben eine neue zu erbauen.

Roberts Vater hatte für diese Legende nur Hohn und Spott übrig gehabt und behauptet, ein Wintersturm sei die Ursache für die Zerstörung der Burg gewesen, doch sein Großvater hatte den Fluch nicht nur für Unheil in der Vergangenheit, sondern auch für alle Ereignisse nach dem tragischen Tod von König Alexander III. verantwortlich gemacht, der zu der Krönung von Edwards Marionettenkönig John Balliol und dem Verlust des Anspruchs der Familie Bruce auf den Thron geführt hatte.

»Letztes Jahr suchten mich meine Brüder auf, um mir zu berichten, dass der Earl of Ulster Donoughs Halle dem Erdboden gleichgemacht hat«, erklärte Robert, als er Platz nahm. »Sie sagten, Ulsters Männer hätten eine Reliquie gesucht, die König Edward unbedingt haben wollte – eine Reliquie, die die einen als Stab Jesu und die anderen als Stab des Malachias bezeichnen.« Er beobachtete Murtough scharf, während er sprach, aber die vernarbten Züge des Mönchs verrieten nicht, was in ihm vorging. »Ich bin als Hüter von Schottland zurückgetreten, weil ich hoffte, den Stab finden und verhindern zu können, dass er dem König in die Hände fällt. Lord Donough hat Euch diese Botschaften geschickt, weil er überzeugt ist, dass Euer Orden weiß, wo sich der Stab befindet.«

Als die beiden Männer schwiegen, seufzte Donough vernehmlich. »Kommt schon, Murtough. Ihr mögt Euch die letzten Monate lang ja in Schweigen gehüllt haben, aber Nachrichten verbreiten sich auch ohne Euer Zutun schnell.« Er füllte einen Kelch mit Wein und reichte ihn dem Mönch. »Wir wissen, dass Ulsters Leute Eure Abtei durchsucht haben, nachdem der Stab aus Armagh verschwunden ist. Warum hätten sie das tun sollen, wenn sie Euch nicht verdächtigen würden, ihn an Euch gebracht zu haben?«

»Und warum hätte er Euer Heim niederbrennen sollen, Donough?«, konterte Murtough. »Hat er vielleicht gedacht, Ihr hättet ihn gestohlen?«

»Es ist allgemein bekannt, dass wir Euren Orden unterstützen. Deswegen sind wir in Verdacht geraten.« Donoughs Miene verfinsterte sich. »Und das hat Ulster zweifellos den Vorwand geliefert, den er braucht, um uns endgültig aus Glenarm zu vertreiben. Unter der Herrschaft der Familie Bruce waren wir all diese Jahre lang sicher, während unsere Landsleute von den englischen Invasoren in den Westen vertrieben wurden. Ich war einer von einer Hand voll Männer, die ihr Land behalten haben. Natürlich will Ulster mich loswerden. Aber ich sage, Gott helfe ihm und den Seinen, wenn sich unsere Landsleute auflehnen, um sich zurückzuholen, was rechtmäßig ihnen gehört. Mir ist zu Ohren gekommen, dass sich im Süden Ärger für de Burgh und seine Angehörigen zusammenbraut. Es wird von Rebellion gemunkelt. Von Krieg.« Er schlug mit der Faust auf den Tisch. »Der Tag der Abrechnung wird kommen. Denkt an meine Worte.«

»Richard de Burgh war jahrelang ein Verbündeter Eurer Familie, Sir Robert«, bemerkte der jüngere Mönch. »Wir wissen auch von Eurer Verbindung zu König Edward. Wie können wir sicher wissen, wem in dieser Angelegenheit Eure Loyalität gilt?«

»Diese Bündnisse existieren seit drei Jahren nicht mehr. Sie endeten an dem Tag, an dem ich mich dem von William Wallace angeführten Aufstand anschloss.« Robert beugte sich vor und fixierte den Mönch mit einem eindringlichen Blick. »Unsere beiden Länder haben unter der Herrschaft des englischen Königs gelitten. Wenn Ihr wisst, wo sich der Stab befindet, könnt Ihr dazu beitragen, dass er ihn nicht an sich reißt.« Als der junge Mann Murtough ansah, registrierte Robert einen Hoffnungsschimmer in seinem Gesicht, den er sich sofort zunutze machte. »In Monmouth’ Geschichte der Könige Britanniens steht, dass Brutus von Troja, der diese Inseln gründete, bestimmte Reliquien besaß. Nach seinem Tod teilten seine Söhne das Land zwischen sich auf und schufen das heutige England, Irland, Wales und Schottland, und jeder nahm eine dieser Reliquien als Symbol seiner neuen Macht an sich.«

»Die Werke von Geoffrey of Monmouth sind mir bekannt«, schnarrte Murtough.

Ohne sich von dem Ton des Mönchs beirren zu lassen, fuhr Robert fort: »Einer Vision des Propheten Merlin zufolge, dessen Worte Monmouth übersetzt haben will, läutete diese Teilung den Abstieg Britanniens in das Chaos ein. Merlin sagte vorher, dass die Reliquien in die Hände eines einzigen Herrschers gelangen müssen, wenn das Land vor dem endgültigen Ruin bewahrt werden soll. Sowohl Uther Pendragon als auch sein Sohn König Artus kamen diesem Ziel sehr nah, erreichten es aber nicht. Als Edward Wales eroberte, entdeckte er eine verloren geglaubte Prophezeiung, die die vier Reliquien namentlich auflistete. Für England Curtana, das Schwert des Erbarmens. Für Wales die Artuskrone, von der es heißt, Brutus selbst habe sie getragen. Für Schottland …«

Hier geriet Robert ins Stocken. Vor seinem geistigen Auge entstand das bittere Bild eines Steinblocks in einem Karren, der einen staubigen Pfad entlangrumpelte. Er selbst jagte mit hoch erhobenem Schild hinterher, umringt von anderen Männern mit Schwertern in den Händen und triumphierend leuchtenden Gesichtern. Alle trugen den gleichen Schild wie er: blutrot mit einem sich aufbäumenden, in Feuer gehüllten goldenen Drachen in der Mitte. An diesem Tag hatte er schamerfüllt seine Rolle gespielt und diese kostbarste aller Reliquien zu Edward gebracht.

»Für Schottland der Krönungsstein, auf dem alle unsere Könige gekrönt worden sind«, schloss er.

»Wir haben von König Edwards Eroberungen gehört«, sagte der jüngere Mönch ernst. »Wir wissen, dass er diese Schätze in seinen Schrein nach Westminster gebracht hat. Nur der Stab unseres Gründers fehlt ihm noch.«

»Dann könnt Ihr Euch ja denken, wie erpicht er auf diese Reliquie ist. Er wird alles daransetzen, sie an sich zu bringen.«

»Und was ist mit Euch, Earl Robert?« Murtoughs Augen glitzerten im Kerzenschein. Als er einen Schluck Wein trank, rann etwas Flüssigkeit durch den Spalt in seiner Lippe. »Glaubt Ihr an Merlins Prophezeiung?«

»Es kommt nicht darauf an, was ich glaube. Was zählt, ist, dass die Untertanen des Königs und viele seiner Männer daran glauben. Sie kämpfen dafür, geben ihr Blut dafür und sterben dafür. Sie sind das Schwert, das es ihm ermöglichte, Wales zu erobern. Jetzt Schottland. Die Überzeugung, dass sie Britannien vor dem Untergang bewahren, verleiht ihnen unglaublich viel Kraft. Edward besiegt uns nicht nur mit seiner Armee, sondern auch mit der Prophezeiung. Er wird sich zu einem neuen Brutus, einem neuen Artus ausrufen lassen. Und ganz Britannien wird das Knie vor ihm beugen.«

»Was würdet Ihr mit dem Stab tun, wenn Ihr ihn hättet?«

Robert wappnete sich für die Herausforderung in den Augen des älteren Mönchs. Ihm war, als könne Murtough bis auf den Grund seines Herzens blicken und seine wahren Motive darin lesen – dass es ihm weniger darum ging, die Reliquie zu schützen, sondern vielmehr darum, für die Sünde, eine andere gestohlen zu haben, büßen zu wollen. Wenn König Edward ihm morgen den Krönungsstein im Austausch für den Stab anbieten würde, würde er ohne zu zögern einwilligen. »Ich würde um jeden Preis verhindern, dass er dem König in die Hände fällt. Mein Vorfahr hat Malachias beleidigt, und seitdem hat meine Familie viel Leid erfahren. Dies ist meine Chance, geschehenes Unrecht wiedergutzumachen – für meinen Großvater und meine Blutlinie.«

Einen Moment lang dachte Robert, Murtough würde ihm keine Antwort geben, dann stellte der Mönch seinen Kelch auf den Tisch.

»Nachdem Ulsters Männer unsere Abtei durchsucht und nichts gefunden haben, dachten wir, damit wäre die Sache ausgestanden, doch dann bemerkten wir, dass seine Ritter uns beobachteten, unseren Brüdern folgten, wenn sie das Abteigelände verließen, und jeden befragten, der zu uns kam – vom Arbeiter bis hin zur Waschfrau. Vor etwas mehr als zwei Monaten verschwand einer unserer Akolythen. Wir fanden heraus, dass er sich heimlich mit Ulsters Rittern getroffen hatte. Einige Zeit später entdeckten wir, dass uns ein paar wichtige Dokumente fehlten.« Murtough hielt inne. »Wir fürchten, dass Ulster jetzt von Ibracense weiß.«

Robert runzelte die Stirn. »Ibracense?«

Der jüngere Mönch schielte zu Murtough, der ihm zunickte. »Als Malachias zum Abt von Bangor gewählt wurde, baute er die Abtei wieder auf, doch kurz darauf wurde sie von einem einheimischen Häuptling angegriffen, und Malachias und seine Brüder waren gezwungen zu fliehen. Auf einer Insel in einem großen See erbaute unser heiliger Gründer ein Kloster, in dem er und seine Brüder drei Jahre lang fernab der Grausamkeiten dieser Welt lebten. Malachias nannte es Ibracense. Er musste dieses Refugium verlassen, als er das Amt des Erzbischofs von Armagh übernahm und Niall mac Edan den Stab Jesu entriss, und er kehrte nie zurück. Ibracense wird nur in den Chroniken unserer Abtei erwähnt, die er erneut wieder aufbaute, bevor er starb. In den gestohlenen Dokumenten steht etwas darüber – nicht die genaue Lage, die nur einer Hand voll unserer Brüder bekannt ist, aber die Beschreibung gibt genug Anhaltspunkte, dass eine Suche Erfolg haben könnte. Kurz nach dem Verschwinden des Akolythen zogen Ulsters Männer aus Bangor ab. Wir vermuten, dass sie nach der Insel suchen. Wenn sie sie finden, finden sie auch den Stab.«

Murtough sah Donough an. Er wirkte jetzt erschöpft und geschlagen. »Deswegen haben wir auf Eure Botschaft reagiert. Wir haben weder die Möglichkeit, ihn immer wieder an einen anderen Ort zu bringen, noch Soldaten, um ihn zu bewachen. Wir konnten uns bislang nur auf ein sicheres Versteck für die Reliquie verlassen.«

Robert ergriff das Wort. »Ich kann sie nach Schottland schaffen und dort in Sicherheit bringen, bis sich unsere beiden Länder von Edwards Herrschaft befreit haben. Sobald keine Gefahr mehr für den Stab besteht, werde ich ihn Euch zurückgeben.«

Eine lange Stille trat ein, dann nickte Murtough. »Wir werden dem Abt Euren Vorschlag unterbreiten.«

Loughrea, Irland, A.D. 1300

Richard de Burgh, Earl of Ulster und Lord of Connacht, nahm die Pergamentrolle entgegen, die ein Sekretär ihm reichte. Das königliche Siegel hing schwer daran, rotes, am Rand bröckelndes Bienenwachs, in das König Edwards Wappen gestempelt war. Das von Narben überzogene Gesicht des Earls verhärtete sich grimmig, als er die mit Tinte geschriebenen Reihen von Buchstaben und Zahlen überflog. Ringsum eilten Diener geschäftig in der Kammer umher, füllten Truhen mit Kleidern, nahmen Wandbehänge ab und entfernten sämtliche beweglichen Wertgegenstände.

»Wie Ihr seht, Sir Richard, haben sich die Abgaben, die Westminster fordert, dieses Jahr fast verdoppelt«, begann der Schatzkanzler vorsichtig. »Der Schatzmeister war gezwungen, neue Steuern zu erheben, um König Edwards Forderungen zu erfüllen, ohne unsere Verwaltung in Dublin noch mehr zu belasten. Wir sind an unsere Grenzen gelangt.«

Ulster blickte von der Rolle zu dem ernsten Gesicht des Kanzlers auf und dachte bei sich, dass der Mann es äußerst geschickt anfing, die Schuld nicht sich selbst oder dem König zuzuschieben, sondern dem Schatzamt.

Der Kanzler faltete die Hände. »Ihr wisst sicherlich, wie sehr König Edward auf Euch baut, Sir Richard. Es liegt in Eurer Macht, das Blatt hier zu seinen Gunsten zu wenden. Wenn er den Kampf gegen die Schotten erfolgreich beenden will, braucht er die Mittel, die nur ein Mann Eures Formats aufbringen kann. Der Sieg ist nahe. Seine Feinde haben bei Falkirk große Verluste erlitten, und für die kommenden Monate ist ein neuer Feldzug geplant, aber der Krieg gegen seinen Vetter in der Gascogne und der Aufstand, den er in Wales niederschlagen musste, haben seine Truhen geleert. Er musste überall in den königlichen Domänen höhere Steuern fordern. Wir, jeder von uns, muss diese Last tragen, wenn es unserem König gelingen soll, ganz Britannien zu unterwerfen.«

»Es war das Korn aus Irland, das in der Gascogne und in Wales die Mägen seiner Truppen gefüllt hat.« Ulsters tiefe Stimme übertönte die beschwichtigende des Schatzkanzlers. »Meine Pächter und ich haben diese Last schon lange vor dem heutigen Tag getragen.«

»Und dafür ist Euch die Dankbarkeit Seiner Majestät gewiss. König Edward wird Euch für Euer Opfer belohnen, wenn der Krieg in Schottland gewonnen ist. Dort gibt es reiches Land. Wir müssen uns nur nehmen, was wir brauchen.«

Ulster erhob sich. Sein goldbestickter Mantel aus feinstem flämischem Tuch bauschte sich um seine hohe Gestalt, als er zu den Fenstern schritt, durch die die grelle Februarsonne flutete. Hinter den Bleiglasscheiben erstreckte sich der Lough Rea, dessen blaue Oberfläche sich im Wind kräuselte. Seine Familie hatte diese Burg, ihr bedeutendstes Bollwerk in Connacht, und die sie umgebende befestigte Stadt vor sechzig Jahren erbaut, aber ihre Oberhoheit im Land ging bis zu den normannischen Lords zurück, die unter dem Befehl von König John nach Irland gesegelt waren, um den Eroberungsfeldzug fortzusetzen, den sein Vater Henry II. begonnen hatte.

Diese Männer hatten das Gebiet von Cork bis Antrim besetzt, sich das Land mit dem Pflug untertan gemacht und sein Antlitz mittels Burgen, Mühlen und Städten verändert. Hier im fruchtbaren Osten siedelten sie seit Generationen, nachdem sie die einheimischen Iren in den kargen, bergigen Osten zurückgetrieben hatten. Während dieser Jahre hatte die Familie de Burgh es zu Wohlstand und Macht gebracht, die jetzt unter Richard als Oberhaupt ihren Höhepunkt erreicht hatte. Doch die Ruhe war inzwischen trügerisch; die Iren begannen zurückzuschlagen. An den Grenzen herrschte bereits Krieg, die hiesigen Könige verbündeten sich, um die Engländer aus dem Land zu jagen. Die Herrschaft der Eroberer geriet ins Wanken, weil König Edwards stetig wachsende Forderungen die Wirtschaft immer mehr schwächten.

Wie bitter es doch war, dachte Ulster, von den Höhen der Machtposition, die er erlangt hatte, hinabblicken und feststellen zu müssen, dass es überall nur noch bergab ging. Er wandte sich zu dem Kanzler. »Der Bau meiner neuen Burg in Ballymore hat meine Mittel ziemlich erschöpft, und da so viele unserer Landsleute geflohen sind, weil sie sich nicht vor den irischen Banditen schützen konnten, lastet ein Teil ihrer Pflichten nun auf mir. Ganze Siedlungen sind von ihren Bewohnern im Stich gelassen worden, weil sie es vorzogen, nach England zurückzukehren. Je mehr Männer das Land verlassen, desto mehr Soldaten muss der Rest von uns stellen, um die Lücken zu schließen. Wenn König Edward noch mehr abzieht, können wir die Plünderer und Brandschatzer nicht mehr in Schach halten, die an unseren Grenzen lauern und ständig nach Schwachstellen suchen.