Jesusalem - Mia Couto - ebook

Jesusalem ebook

Mia Couto

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Opis

Ein traumatisierter Vater zieht sich nach dem Tod seiner Frau mit seinen beiden Söhnen und einem Ex-Soldaten in ein verlassenes Jagdcamp mitten im unwirtlichen Busch zurück. »Jesusalem« tauft er den Ort - jenseits von Jesus. Dort will er das Erlebte vergessen. Er verbietet seinen Söhnen jegliche Erinnerung, selbst Träume sollen sie unterdrücken. Als eines Tages eine mysteriöse weiße Frau im Camp erscheint, bricht die Welt des Vaters zusammen, sie kehren zurück in die Stadt, wo die Söhne erfahren, was den Vater in den Wahnsinn getrieben hat. Vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in Mosambik erzählt Mia Couto den verzweifelten Versuch zweier Brüder, eine Familientragödie zu rekonstruieren, über die ihr Vater weder sprechen noch schweigen kann.

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AFRIKAWUNDERHORN

Reihe für zeitgenössische afrikanische LiteraturHerausgegeben von Indra Wussow

MIA COUTOJESUSALEM

Roman

Aus dem Portugiesischen vonKarin von Schweder-Schreiner

Titel der Originalausgabe:

Jesusalém

© 2009 Mia Couto. Nach Vereinbarung mit Literarische Agentur Mertin

Inh. Nicole Witt e. K., Frankfurt am Main

Lektorat: Corinna Santa Cruz

© 2014 Verlag Das Wunderhorn GmbH

Rohrbacher Straße 18

D-69115 Heidelberg

www.wunderhorn.de

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert werden oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Gesamtgestaltung: sans serif, Berlin

Umschlagabbildung: © plainpicture

Autorenfoto: © Alfredo Cunha

ISBN 978-3-88423-457-0

Die ganze Weltgeschichte scheint mir oft nichts anderes zu

sein als ein Bilderbuch, das die heftigste und blindeste Sehnsucht

der Menschen spiegelt: die Sehnsucht nach Vergessen.

Hermann Hesse, Die Morgenlandfahrt

ERSTES BUCHDIE MENSCHHEIT

Ich bin der einzige Mensch an Bord meines Bootes.

Die anderen sind stumme Ungeheuer,

Tiger und Bären, die ich an die Ruder band,

Und meine Verachtung herrscht über das Meer.

[…]

Und es gibt Augenblicke des Fast-Vergessens

In der unermesslichen Süße der Heimkehr.

Meine Heimat ist dort, wo der Wind geht,

Meine Geliebte ist dort, wo die Rosen blühen,

Mein Begehren ist die Spur, die von Vögeln blieb,

Und nie erwache ich aus diesem Traum noch schlafe ich je.

Sophia de Mello Breyner Andresen

Ich, Mwanito, der Stille einstimmen kann

Ich horche, weiß aber nicht,

Ist es Stille, was ich höre,

Oder Gott.

[…]

Sophia de Mello Breyner Andresen

Als ich zum ersten Mal eine Frau sah, war ich elf Jahre alt und auf einmal so hilflos, dass ich in Tränen ausbrach. Ich lebte in einer Einöde, wo es nur fünf Männer gab. Mein Vater hatte dem Ort einen Namen gegeben. Ihn ganz einfach so getauft: »Jesusalem«. Hier würde Jesus sich irgendwann vom Kreuz befreien. Punktum, Schluss.

Mein Vater, Silvestre Vitalício, hatte uns erklärt, die Welt sei untergegangen und wir seien die letzten Überlebenden. Hinter dem Horizont befänden sich nur unbewohnte Gebiete, er nannte sie einfach »Dadraußen«. Kurz gesagt, der ganze Planet sähe so aus: menschenleer, keine Landstraßen und keine Tierfährten. Selbst Büßerseelen seien in diesen entlegenen Landstrichen inzwischen ausgestorben.

Dafür gab es in Jesusalem nur Lebende. Die nicht wussten, was Sehnsucht oder Hoffnung bedeutete, die aber am Leben waren. Wir lebten dort so allein, dass wir nicht einmal Krankheiten bekamen, und ich glaubte, wir seien unsterblich. Um uns herum starben nur Tiere und Pflanzen. Und in der Trockenzeit tat unser namenloser Fluss, ein Wasserlauf hinter unserem Lager, als wäre er versiegt.

Die Menschheit, das waren mein Vater, mein Bruder Ntunzi, ich und Zacaria Kalash, unser Gehilfe, der, wie man sehen wird, kaum vorhanden war. Und sonst niemand mehr. Oder fast niemand. Genau genommen habe ich zwei Halb-Mitbewohner vergessen: die Eselin Jezibela, so menschlich, dass sie die Sexphantasien meines alten Vaters stillte. Und meinen Onkel Aproximado habe ich auch nicht mitgezählt. Er verdient, dass ich ihn erwähne, auch wenn er nicht bei uns im Camp lebte. Er wohnte in der Nähe vom Eingang zum Jagdrevier, jenseits der erlaubten Entfernung, und kam uns nur ab und zu besuchen. Seine Hütte und uns trennten Stunden und wilde Tiere.

Für uns, die Jungen, war ein Besuch von Aproximado immer ein großes Fest, er sorgte für Bewegung in unserem kargen Alltag. Der Onkel brachte Lebensmittel, Kleidung, dringend benötigte Dinge. Mein Vater lief aufgeregt dem Lieferwagen entgegen, auf dem sich die Bestellungen stapelten. Er fing den Besucher ab, bevor das Fahrzeug in die Absperrung rings um die Gebäude eindrang. Dort, am Zaun, musste Aproximado sich waschen, damit er keine Ansteckungen aus der Stadt in die Einfriedung brachte. Er wusch sich mit Erde und Wasser, mochte es kalt sein oder dunkel. Wenn er sich gewaschen hatte, entlud Silvestre den Wagen, er hatte es eilig mit der Übergabe, machte die Verabschiedung kurz. Im Nu, schneller als ein Flügelschlag, verschwand Aproximado vor unserem bangen Blick wieder jenseits des Horizonts.

»Er ist kein direkter Bruder«, rechtfertigte Silvestre sich. »Ich will nicht viel reden, dieser Mann kennt unsere Sitten nicht.«

Unsere Minimenschheit, miteinander verbunden wie die fünf Finger, war doch geteilt: Mein Vater, der Onkel und Zacaria hatten dunkle Haut; Ntunzi und ich waren auch Schwarze, aber unsere Haut war heller.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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