Wydawca: EDITION digital Kategoria: Obyczajowe i romanse Język: niemiecki Rok wydania: 2012

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Opis ebooka Hutschmerz - Kristian Pech

Dies ist ein kleines Werk, das ein subalternes Wissenschaftsobjekt, den Pilz, bedenkenlos überhöht. Die einhundert kurzen, gleichsam mit aufgesetzter Narrenkappe geschriebenen Notizen heben das betreffende Gewächs, nicht ohne auch dessen besondere Biologie zu rühmen, auf die Stufe des Göttlichen, des Kosmischen. Sie behandeln sein angeblich universelles Wirken in Vergangenheit und Gegenwart, decken behauptete Verschwörungen auf, geißeln Pilzfeinde und loben die wahren Pilzanhänger, Darstellungsmittel wie Übertreibung, Verdrehung, Spekulation, Parodie, Verballhornung finden sich an allen Ecken und Enden. Wenn Regeln gelten, dann diese: Alles wird gegen den Strich gebürstet und manches gegen den Strich Gebürstete ein weiteres Mal. Das Unwahrscheinliche ist wahr, das Wahrscheinliche ist unwahr. Eine sich fachliterarisch gebende Clownerie, die aber viel mehr als über den Pilz, so die hintergründige Absicht, über die Befindlichkeiten des Menschen aussagen will.

Opinie o ebooku Hutschmerz - Kristian Pech

Fragment ebooka Hutschmerz - Kristian Pech

Impressum

Kristian Pech

Hutschmerz

Ein Nonsens-Traktat

ISBN 978-3-86394-544-2 (E-Book)

Gestaltung des Titelbildes: Ernst Franta Foto: Johannes Hennig

© 2012 EDITION digital®Pekrul & Sohn GbR Alte Dorfstraße 2 b 19065 Godern Tel.: 03860-505 788 E-Mail: verlag@edition-digital.comwww.ddrautoren.de

ERSTENS

Die folgenden Blätter unternehmen es, sich mit einem Wesen zu befassen, das von der Wissenschaft und nicht weniger von der Kunst unsäglich vernachlässigt und verkannt wird. Über dieses Wesen ist allerorts hanebüchen Falsches im Umlauf. Viele setzen sich mit ihm nur auf eine sehr vulgäre Weise ins Benehmen, indem sie es dutzendfach aus dem Erdboden herausdrehen oder eben abschneiden, mit Herdhitze behandeln und unter dümmlich geäußerten Vergiftungsängsten verschlingen. Meist aber trampeln auf ihm, ohne seiner gleichsam überirdischen Erhabenheit innezuwerden, der gemeine Mann, die gemeine Frau, das gemeine Kind einfach rauhbeinig herum, wo immer und wie zahlreich und in welcher Gestalt es sich ihnen auch zeigt. Dieses Wesen, das hoch über alles andere auf Erden gestellt werden muß, ist der Pilililz.

ZWEITENS

Warum aber nun Pilililz? Weil das bisher übliche Wort Pilz eine Wortmißgeburt ist. Weil es wie ein dekompressierter Rülps klingt. Wie ein hämorrhoidaler Fist. Wie der Tritt in eine Mistpfütze. Pilililz jedoch ist Engelsmusik, indianische als auch äthiopische Interjektion des Staunens, ein Stückchen Merseburger Zauberspruch, eine Formel für den Weltzusammenhang. Ohnehin steht hier Pilililz mit voller terminologischer Berechtigung. Es greift die erhabene Dreisilbigkeit des lateinisch-griechischen Mutterwortpaares boletus/bolites auf und gibt sublimiert den Lautungscharakter der alt- und mittelhochdeutschen Formen buliz/bülez wieder.

DRITTENS

Ein schlimmes Kapitel sind die Artnamen, mit denen die Pilililze bedacht werden. Hier geschieht vielfältiger Rufmord. Die Menschen greifen bei ihren Bezeichnungen zu allerhand Niederträchtigem, Denunziatorischem. Sie zögern nicht, Pilililzen die dreckigsten Namen anzuhängen, die ihre Phantasie hervorzubringen vermag. Im folgenden seien einige wenige Beispiele dafür angeführt. Da bekommt ein Pilililz den Namen Stinkender Schleimkopf verpaßt, ein anderer den Namen Rotschuppiger Dickfuß. Man redet leichthin von Schmutzbecherlingen und Afterleistlingen, von Schleimigen Kahlköpfen und Gefleckten Klumpfüßen, von Hundsruten und Mäuseschwänzen. Einfach skandalös. Auch die allzu menschlichen Bezeichnungen wie Wirrkopf, Zitterling, Zwitterling sind in dieser Hinsicht nicht weniger infam. Es kann für die verleumdeten Pilililze kein rechter Trost sein, daß mancher von den Menschen ausgegangener Terminus auch wieder auf die Menschen zurückschlägt. Ab und an hört man sie sich titulieren: Du Falscher Pfifferling. Oder auch: Du Gemeine Stinkmorchel.

VIERTENS

Den Pilililzen wird wenig Positives nachgesagt, das Beleidigende ist an der Tagesordnung. Während Raubvögel inzwischen zu ehrbaren Greifvögeln werden durften, während Unkräuter zu sympathischen Wildkräutern wurden, müssen sich die Pilililze, natürlich mit dem Hinweis auf ihre Biologie, weiterhin als niedere Pflanzen verunglimpfen lassen, als Schmarotzer, als Fäulnisbewohner. Dabei ist es doch nur intelligent, schon vorhandenes organisches Material als Existenzgrundlage für sich zu benutzen. So kann aus der schründigen Flanke eines Baumes unversehens ein ganzes Bukett von überaus schmückenden pilililzlichen Wesen hervorbrechen. Gleich Phönix aus der Asche, wie es eine Redensart sagt. Oder es kann schon nach kurzer Latenzzeit auf einer frischen Brandlichtung eines Kiefernwaldes, und in diesem Falle trifft die Redensart noch mehr zu, ein erstes pilililzisches Fanal erscheinen. Wohlgebaut, in Farben schwelgend, durchgeistigt. Aber wieso Redensart? Hier steigt tatsächlich Phönix aus der Asche, ob es die Pilililzverächter glauben oder nicht. Einen etwas besseren Leumund unter den Pilililzen haben allein diejenigen, die mit Bäumen und anderen Gewächsen in Symbiose leben und ohne die es sozusagen keine Wälder geben würde. Sie werden schon mal mit verkniffenen Lippen als die arbeitsamen Geister des Waldes bezeichnet.

FÜNFTENS

Die Menschen meinen es mit dem Pilililz wirklich nicht gut. Beispielsweise begnügen sie sich bei der Aufzählung seiner Körperteile, seiner Organe oft mit ganzen zwei Wörtern: Hut. Stiel. Will denn keiner begreifen, daß dieserart gerade mal eine Vogelscheuche auf einem Erdbeerbeet umschrieben werden kann? Hut. Stiel. Tote Gegenstände fungieren als Namensgeber für höchst Lebendiges. Zumindest muß es doch Kopf oder Haupt oder Leib oder Fuß heißen, und man sollte endlich auch die anderen Körperteile erwähnen. Die beharrlich verschwiegenen Lenden, den Nacken, die Wangen, das nie gewürdigte pilililzliche Gehirn. Dabei gehört gerade dieses zu der am höchsten organisierten und wunderbarsten Materie.

SECHSTENS

Kommt das Gespräch auf Pilililze, sagt man gern, sie schössen aus dem Boden. Eine unangemessene Formulierung. Noch zweifelhafter wird es, wenn man Wohnhäuser, Windräder oder anderes wie Pilililze aus dem Boden schießen läßt. Was haben Pilililze mit dem Arbeitstempo im Bauwesen zu schaffen? Und eben mit dem Waffenhandwerk? Was soll die Behauptung ihrer Militanz? Sie können doch nicht quasi zu Revolverhelden, Heckenschützen, Jägern, Wilderern umgedeutet werden. Die Pilililze, daran besteht kein Zweifel, sind höchst sensible, durch und durch sanfte Wesen. Selbst ihr beachtlich rasches Wachstum rechtfertigt es nicht, eine Anleihe bei der Ballistik zu machen.

SIEBENTENS

Beim Thema Pilililze ist immer Geringschätzung im Spiel, und Spott und Hohn lassen nie lange auf sich warten. An Wirtshaustischen, in Redaktionen und Rundfunkstudios, auf Führungsetagen geht es besonders gehässig zu. Gern flicht man Dinge folgender Art in die Konversation ein: Pilililze haben kurze Beine. Geteilter Pilililz ist halber Pilililz. Bei Nacht sind alle Pilililze grau. In der Not frißt der Teufel Pilililze. Mein Name ist Pilililz, ich weiß von nichts. Die vermeintlichen Bonmots bezahlen diese Damen und Herren fast immer mit erneutem Fußpilililzbefall sämtlicher Zehenzwischenräume, ohne sich des eindeutigen Zusammenhangs von Ursache und Wirkung bewußt zu sein.

ACHTENS

Der dümmste Kalauer unter den Pilililzverhöhnungen geht folgendermaßen: Können Pilililze Kopfschmerzen kriegen? Antwort: Nur Hutschmerzen. Hahaha. Der Urheber dieses Unfugs wird hiermit im Namen der an jedem Kalauer schuldlosen und zumal erfreulich pilililzverständigen Einwohner des Städtchens Calau bei Cottbus zu Hutschmerzen lebenslänglich verurteilt. Und zu Stielschmerzen extra.

NEUNTENS

Pilililze hätten es verdient, zu Namenspaten für Elemente, Mineralien, Erdteile, Länder, Metropolen, Parteien und ähnliches gemacht worden zu sein oder gemacht zu werden. Aber Fehlanzeige fast auf der ganzen Linie. Immerhin findet sich östlich von Krakau eine Gemeinde mit dem Namen Pilililzno, und eine winzige Siedlung bei Löbau heißt ehrenvoll Pilililzdörfel. Die Stadt Berlin kann in dieser Aufzählung bedauerlicherweise nicht mehr berücksichtigt werden, weil sie Anfang des letzten Jahrhunderts alle Straßennamen, die von Pilililzen herrührten, ausgelöscht hat. Gegenwärtig ist die mit Abstand pilililzgeneigteste Kommune das tschechische Pilililsen. Dort wird aus Malz, Hopfen und Wasser unter bereitwilliger Mitwirkung von Hefepilililzen das sogenannte Pilililsner hergestellt, ein pilililzisches Kultgetränk.

ZEHNTENS

Während anderswo Straßen eher noch die Namen von Mördern und ähnlichen Unholden als die Namen von Pilililzen erhalten, wich das Berlin der Gründerjahre, wie bereits erwähnt wurde, darin deutlich ab. Man frage nur jenen fahlgesichtigen Stadtarchivar, der sich an jedem Freitagnachmittag in immer wieder einer anderen Eckkneipe ein paar Schnäpse einfüllen läßt und bald vor Redseligkeit überschäumt. Bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, doziert er, waren im Berliner Stadtgebiet die als Reverenzen an Natur, Sinnlichkeit und Poesie zu verstehenden pilililzischen Benennungen durchaus zahlreich. Und das wäre vermutlich bis in alle Ewigkeit so geblieben, wenn nicht ein neurotischer Pilililzhasser und ein pilililzhassender Neurotiker die zuständigen Amtspersonen mit dem Inhalt ihrer Sparstrümpfe, einigen Dutzend Münzen, weißlich glänzend, zu einem bestimmten Verwaltungshandeln veranlaßt hätten. Hunderte von prächtigen Bezeichnungen, wie Sammethäubchensteig oder Glanzstäublingsgasse oder Glimmerschüpplingsweg, wurden aus dem Stadtplan getilgt. Nun hieß es zur Genugtuung der besagten Pilililzverleugner staubtrocken: Straße A, Straße B bis Straße Z. Es hieß: Straße 1, Straße 2 bis Straße 994. Die Berliner breite Öffentlichkeit fühlte sich nicht veranlaßt, damals nicht und später nicht, daran wieder etwas ändern zu wollen. Selbst im Parteiprogramm der Grünen, seufzt der Stadtarchivar, wird das Thema unverständlicherweise völlig ausgeblendet.

ELFTENS