Heilige Hetzjagd - Wolfgang Wippermann - ebook

Heilige Hetzjagd ebook

Wolfgang Wippermann

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Opis

Für die meisten Deutschen ist der Antikommunismus nicht »die Grundtorheit unserer Epoche«, wie Thomas Mann es schon 1943 formulierte, sondern eine Tugend. Wolfgang Wippermann erzählt die Geschichte und gegenwärtige Renaissance dieses Phänomens und macht klar: Den einen Antikommunismus gibt es nicht. Vielmehr variiert die Ideologie je nach Zeit und Raum ihres Aufkommens – und mit den politischen Absichten, die dahinterstecken. Der Autor zeigt, wie zu allen Epochen der Antikommunismus, versehen mit antisozialistischen und antisemitischen Vorurteilen, als Legitimation für die Bekämpfung des politischen Gegners missbraucht wurde. Seine neueste Streitschrift erweist sich als gewohnt kritisch, aber nicht apologetisch. Ein Plädoyer gegen den Antikommunismus, aber nicht für den Kommunismus. Damit unterscheidet es sich von fast allen Publikationen, die zum Thema vorliegen.

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Inhalt

»Ein Gespenst geht um …«

Einleitung

1. Deutschland

1.1 »Communisten-Verschwörungen«

1.2 »Von Moses bis Lenin«

1.3 »Alle Wege des Marxismus«

1.4 »Asiatische Tat«

2. USA

2.1 »Enemy within«

2.2 »Red Scare«

2.3 »Un-American Activities«199

2.4 »Empire of Evil«

3. Europa

3.1 L’opium des intellectuels

3.2 »Slavo-comunista«

3.3 »Zydokomuna«

3.4 »Cruzada«

4. Dritte Welt

4.1 »Patria y Libertad«

4.2 »Musim Parang«

4.3 »Tudeh«

4.4 »Apartheid«

Eine Ideologie ging um in der Welt

Zusammenfassung

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Wolfgang Wippermann

Heilige Hetzjagd

Eine Ideologiegeschichte des Antikommunismus

Rotbuch Verlag

Dieses Werk wurde vermittelt durch

Aenne Glienke | Agentur für Autoren und Verlage

www.AenneGlienkeAgentur.de

ISBN 978-3-86789-608-5

1. Auflage

© 2012 by Rotbuch Verlag, Berlin

Umschlaggestaltung: Rotbuch Verlag, nach einer Reihengestaltung von Buchgut, Berlin

Umschlagabbildung: Barbara Singer / bridgemanart.com

Rotbuch Verlag GmbH

Alexanderstraße 1

10178 Berlin

www.rotbuch.de

»Ein Gespenst geht um …«

Einleitung

»Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet.«1

Marx und Engels hatten recht, mehr als sie ahnen konnten. Wurde doch nicht nur gegen den damaligen Kommunismus in Gestalt des ganz kleinen Bundes der Kommunisten eine »heilige Hetzjagd« veranstaltet, sondern auch gegen seine tatsäch­lichen oder auch nur vermeintlichen Nachfolger sowie gegen weitere Parteien und Regime, die als kommunistisch bezeichnet wurden, es aber keineswegs immer waren.

Gemeint sind einerseits anarchistische, anarchosyndikalistische, sozialdemokratische und sozialistische Parteien, die nicht kommunistisch waren und es zum Teil auch gar nicht sein wollten; andererseits Regime, die sich zwar als kommunistisch ausgaben, es aber wie das stalinistische in Russland, das maoistische in China und das schon einzigartige Pol Pots in Kambodscha nicht waren. Jedenfalls nicht nach der Theorie von Marx und Engels, die zwar von der Existenz eines Urkommunismus ausgingen, in dem Gütergemeinschaft geherrscht haben soll. Dieser Zustand sollte jedoch erst in einer kommunistischen Zukunftsgesellschaft wieder eintreten, die bisher niemals und nirgendwo erreicht worden ist.

Insofern gab und gibt es genau genommen keinen oder nur vermeintliche Kommunismen. Was es aber gab und gibt, sind verschiedene Ideologien des Antikommunismus – oder genauer: des Antisozialismus, Antistalinismus, Antimaoismus etc.

Unter Ideologien2 werden Begriffe (ideo) und Wörter (logien)verstanden, welche die Wirklichkeit widerspiegeln und zugleich beeinflussen, indem sie etwas rechtfertigen, von etwas ablenken oder etwas einfordern. Ideologien sind wie andere ge­schichtliche Grundbegriffe »Indikatoren« und »Faktoren« der Geschichte 3 und können im Hinblick auf ihre Funktion in »Rechtfertigungs-«, »Verschleierungs-« und »Ausdrucksideologien« unterteilt werden.4 Ideologie ist also nicht nur »falsches Bewusstsein«, sondern auch eine politische Kraft. Daher ist Ideologiegeschichte zwar nicht mit der politischen Geschichte identisch, aber ein bedeutender Teil von ihr.

Das gilt auch für die Ideologiegeschichte des Antikommunismus. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der politischen Geschichte des Antikommunismus.5 Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dass bisher keine Studie über sie vorlag, überrascht angesichts der Fülle der meist antikommunistisch orientierten Arbeiten zur Geschichte des Kommunismus.6

In diesem Buch wird die Ideologiegeschichte des Antikommunismus von den Anfängen bis heute und im globalen Rahmen erzählt. Dies geschieht in einer bewusst knappen Form, einer allgemein verständlichen Sprache und auf essayistische Weise. Ziel ist weder eine Apologie des Kommunismus noch eine Rechtfertigung des Antikommunismus.

Damit unterscheidet sich das vorliegende Buch von den meisten anderen zum Thema. Denn die haben entweder Partei für den Kommunismus 7 oder den Antikommunismus 8 ergriffen und sich in der Regel auf ein Land 9 und dabei wiederum meist nur auf eine bestimmte Phase seiner Geschichte konzentriert.10

Ein besonderer Schwerpunkt dieses Buches liegt auf der Ideologiegeschichte des deutschen Antikommunismus. Um zu zeigen, dass es sich dabei nicht um eine spezifisch deutsche Ideologie gehandelt hat, wird auch die Entwicklung in einigen anderen Ländern skizziert. Zunächst richtet sich das Augenmerk auf die USA, dann auf einige europäische Länder – Frankreich, Italien, Polen und Spanien – und schließlich mit Chile, Indonesien, Iran und Südafrika auf einige der Dritten Welt.

1. Deutschland

1.1 »Communisten-Verschwörungen«

Von den Communisten-Verschwörungen des 19. Jahrhunderts han­delte ein Buch, das 1853 in Berlin erschien.11 Gemeint waren die Verschwörungen des »Bundes der Kommunisten«. Doch diese Verschwörungen hat es gar nicht gegeben. Ihre Existenz konnte weder in dem Buch noch in dem ein Jahr zuvor stattgefundenen Kölner Kommunistenprozess nachgewiesen werden. Es war eine Ideologie. Schöpfer dieser antikommunistischen Verschwörungsideologie war der Mitautor des erwähnten Buches, der »Königl. Preußische Polizei-Director Dr. jur. Stieber«, der das durchaus zweifelhafte Verdienst für sich in Anspruch nehmen konnte, der erste Kommunistenjäger der Weltgeschichte gewesen zu sein. Daher ist es zwar nicht unbedingt wichtig, wohl aber interessant, sich etwas näher mit dem Lebens­lauf Stiebers zu beschäftigen.12

Wilhelm Johann Carl Eduard Stieber wurde 1818 (im selben Jahr wie Karl Marx) als Sohn eines Theologen geboren. Wie sein Vater studiert er zunächst Theologie, um sich dann jedoch von der Theologie ab- und der Kriminologie zuzuwenden. 1844 trat er in den Dienst der Berliner Polizei, zuerst im Range eines Kriminalkommissars. Nach seinen eigenen Angaben soll er sich sogleich große Verdienste bei der Aufspürung und Verhaftung aller möglichen Verbrecher erworben haben. Vier Jahre später, im März 1848, schien jedoch seine vielversprechende Karriere beendet zu sein. Hatte er sich doch an der Märzrevolution beteiligt, und dies in herausragender und allen sichtbarer Position. Eine schwarz-rot-goldene Fahne schwenkend, soll er vor König Friedrich Wilhelm IV. durch das revolutionäre Berlin geritten sein.

Nach der Niederschlagung der Revolution von seinem König zur Rede gestellt, bestritt Stieber jedoch seine Beteiligung an den Ereignissen mit der Behauptung, dass es sich um eine Verwechselung gehandelt habe, denn er, Stieber, könne gar nicht reiten. Das war eine Lüge. Doch man glaubte ihm, und er wurde sogar mit Höherem beauftragt. Er sollte nun nicht mehr nur Kriminelle, sondern auch noch Kommunisten jagen.

Um das »Gewebe« der kommunistischen Verschwörungen zu zerstören und ihr Londoner Zentrum auszuräuchern, wurde Stieber Anfang 1851 in die englische Hauptstadt gesandt. Dort begab er sich, getarnt als »Zeitungsredakteur Schmidt«, sogleich in die »Höhle des Löwen«. Gemeint war die Wohnung von Karl Marx, von dem Stieber folgenden Steckbrief anfertigte: Marx habe zwar das »Aussehen eines Universitätsprofessors«, verfüge aber über einen »durchdringenden Blick« und trage statt einer Krawatte eine »Halsschleife, wie sie die Künstler, Maler etc. zu tragen pflegen«.

Marx habe »nach der Art sehr egozentrischer Menschen« einen Monolog gehalten, in dem er, wollen wir Stieber Glauben schenken, so etwas wie eine Kurzfassung des Kommunistischen Manifestes gegeben hat. Auf Stiebers Fangfrage, ob der Ausgang des von Marx propagierten »Bürgerkrieges« nicht sehr ungewiss sei, »weil alle Machtmittel doch in den Händen eben jener Besitzer seien«, habe Marx frank und frei erklärt: »Die Zeit wirkt für uns! Die jüngsten Nachrichten aus Deutschland, die ich erhielt, besagen, in allen Teilen des Landes seien Kommunisten am Werke. In Barmen ist der Polizeipräsident selbst ein Kommunist, und in Elberfeld gar besuchte die ganze Bürgerschaft unsere kommunistische Versammlung.«13

Doch dann sei Marx etwas misstrauisch geworden und habe den vermeintlichen »Zeitungsredakteur Schmidt« gefragt, für welche Zeitung er denn arbeiten würde. Als Stieber geantwortet habe, er schreibe für ein »medizinisches Blatt in Berlin« und sei ein »verhinderter Arzt«, habe sich Marx ganz interessiert gezeigt und folgende Frage gestellt: »Dann sagen Sie mir doch, welche wirksame Arznei gibt es gegen Hämorrhoidal-Schmerz?«14

Diese Geschichte ist zu schön, um wahr zu sein, lenkt aber ein wenig davon ab, dass es um mehr ging als um Marx’ Hämor­rhoiden (unter denen er wirklich gelitten hat). Es ging um die Freiheit »aller führenden Mitglieder und Agenten des Kommunistenbundes in Deutschland«, die aufgrund der Schnüffeleien Stiebers von den »deutschen Kriminalbehörden« festgenommen wurden.15 »Gegen nicht weniger als zwölf« von ihnen wurde, wie Stieber sichtlich stolz mitteilte, Anklage erhoben.

Der Prozess fand vom 4. Oktober bis zum 12. November 1852 in Köln statt – ein wahrer »Monsterprozess«16, der aber nicht so ausging, wie Stieber es sich erwünscht hatte. Obwohl er »in mühseliger Kleinarbeit« Indizien gesammelt habe, »bis etwa zweihundert Aktendeckel prall gefüllt waren«, und obwohl auch die Anklageschrift »mehrere hundert Seiten« umfasst habe, hätten die Angeklagten es immer wieder verstanden, »den Prozeßablauf mit juridischen Finten zu verzögern«.17

Indirekt gab Stieber damit zu, dass ihm einige Pannen unterlaufen waren. Konnten die Angeklagten, übrigens mit tätiger Hilfe von Marx und Engels aus London,18 doch nachweisen, dass einige der von Stieber vorgelegten Belastungsdokumente gefälscht waren.19 Die große »Kommunistenverschwörung« konnte nicht bewiesen werden – die Angeklagten wurden ›nur‹ zu drei bis sechs Jahren Haft verurteilt, einige sogar freigesprochen.

Stieber musste sich wieder der Verfolgung ganz gewöhnlicher Krimineller widmen. Dabei soll er jedoch selbst gewisse kriminelle Methoden angewandt haben. Dies blieb nicht unentdeckt. Wegen »widerrechtlicher Nötigung zur Zahlung einer bedeutenden Geldsumme« wurde Stieber 1860 aus dem Polizeidienst entlassen und in den »einstweiligen Ruhestand« strafversetzt.20 Der neue preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck wollte jedoch auf die weiteren Dienste des zwielichtigen Stieber nicht verzichten und ernannte ihn 1863 zum Feldpolizeidirektor. 1871 übernahm Stieber die Leitung des Central-Nachrichten-Bureaus. Damit war er zum ersten Chef eines deutschen Nachrichtendienstes geworden. 1882 starb Stieber – dem mehrere Berliner Mietshäuser gehörten – sehr wohlhabend in Berlin.

Zu Reichtum hatte es sein großer Konkurrent Karl Marx nicht gebracht, der ein Jahr später in einer Londoner Mietwohnung verstarb – allerdings in einer etwas besseren als der, in der er dreißig Jahre zuvor den »Zeitungsredakteur Schmidt« alias Stieber empfangen hatte. Dabei war Marx inzwischen zu dem geworden, was ihm Stieber damals nur unterstellt hatte: zum Führer einer kommunistischen Partei, welche die Bourgeois auf jeden Fall mehr fürchteten als das »Gespenst des Kommunismus« in Gestalt des Bundes der Kommunisten.

Diese Partei hieß Internationale Arbeiterassoziation und war 1862 in London von einigen englischen und französischen Arbeitern gegründet worden. 1865 wurde Marx zum Vorsitzenden der »Internationale« gewählt. In dieser Eigenschaft verfasste er 1870 eine »Adresse« über den Bürgerkrieg in Frankreich.21 In dieser Schrift wurde dem Sturz des Regimes Napoleons III. und dem nachfolgenden Aufstand der Pariser Kommune eine welthistorische Bedeutung zuerkannt. Mit dem Fall des bonapartistischen Regimes in Frankreich sei nämlich die »prostituierteste und zugleich die schließliche Form« der bürgerlichen Herrschaft beseitigt und durch die proletarische der Kommune ersetzt worden, deren Herrschaft so etwas wie das Modell für die künftige »Diktatur des Proletariats« sei.22 Und für alles sei die Internationale Arbeiterassotiation und deren Führer Karl Marx verantwortlich.

Das war eine sehr gewagte Interpretation der nationalen und, was die Pariser Kommune angeht, sogar nur lokalen Ereignisse in Frankreich, die zudem Marx und der Internationale kaum zuzuschreiben waren, für die sie aber verantwortlich gemacht wurden – stelle sich doch, wie Marx spottete, der »polizeigefährliche Bourgeoisverstand« die »Internationale Arbeiter­assoziation (…) als eine Art geheime Verschwörung« vor, »deren Zentralbehörde von Zeit zu Zeit Ausbrüche in verschiedenen Ländern befiehlt«.23 Tatsächlich würden jedoch »Mitglieder unserer Assoziation im Vordergrund stehen«, »wo immer und in welcher Gestalt immer (…) der Klassenkampf irgendwelchen Bestand erhält«.

Anstatt diese antikommunistische Verschwörungsideologie zu dekonstruieren, hat Marx sie gewissermaßen für seine Zwecke instrumentalisiert. Das war ein Trick, mit dem Marx von der tatsächlichen Schwäche der Internationale ablenkte. Doch dieser Trick war wirkungsvoll. Er hat Marx und den Kommunis­mus erst richtig bekanntgemacht. Die »Proletarier aller Welt« waren zwar immer noch weit davon entfernt, sich dem Kommunismus anzuschließen, doch die ›Bourgeois fast aller Welt‹ fürchteten sich jetzt wirklich vor dem »Gespenst des Kommunismus«.

Das war vor allem in Deutschland der Fall – obwohl es dort gar keinen Kommunismus geben konnte, weil der Kommunismus ja erst in der von Marx und Engels prophezeiten zukünftigen herrschaftsfreien Gesellschaft erreicht werden könne. Was es in Deutschland gab, war der Sozialismus, der die zukünftige herrschaftsfreie kommunistische Gesellschaft nur propagierte, sich im Hier und Jetzt aber, wie Stieber übrigens richtig erkannte, auf die Befreiung der »Arbeiter von der Herrschaft des Kapitals« konzentrierte.24

Die Ziele der 1875 aus der Vereinigung der SPD mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein Lassalles hervorgegangenen Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) waren noch zurückhaltender. Sie versprach in ihrem Gothaer Programm nur, »die Lösung der sozialen Fragen anzubahnen« – und zwar durch die »Errichtung von sozialistischen Produktivgenossenschaften mit Staatshilfe«.25 Das waren wirklich sehr bescheidene und keineswegs »gemeingefährliche« Forderungen. Dennoch wurde die SAP 1878 mit der Begründung verboten, dass sie »gemeingefährliche Bestrebungen« verfolge und den »Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung« anstrebe.26

Doch nicht einmal das war der Fall. Man wartete nur auf die Revolution, die nach der Theorie von Marx kommen musste, und verstand sich nach den Worten Karl Kautskys als eine »revolutionäre, aber nicht Revolution machende« Partei. Der Historiker Dieter Groh hat dies »revolutionären Attentismus« genannt.27 Dieser »revolutionäre Attentismus« war vielleicht dumm und töricht, aber keineswegs »gemeingefährlich«. Dennoch wurden der SPD weiterhin »Umsturzbestrebungen« unter­stellt. Ihre Verfolgung wurde mit Verschwörungsideologien begründet, die sich ursprünglich gegen den Kommunismus gerichtet hatten und später auf den Sozialismus ausgedehnt worden waren. Zu den antikommunistischen und antisozialistischen kamen am Ende des Jahrhunderts noch antisemitische Verschwörungsideologien hinzu. Verantwortlich dafür waren einige Repräsentanten der Kirchen. Dies erstaunt und bedarf der näheren Erklärung.

Die Kirchen haben die Verfolgung der Kommunisten und Sozialisten von Anfang an begrüßt und sich daran auch aktiv beteiligt. Marx und Engels hatten so unrecht nicht, wenn sie (im Kommunistischen Manifest) in diesem Zusammenhang von einer »heiligen Hetzjagd« sprachen. Verdient hatten das weder die Kommunisten und Sozialisten noch Marx und Engels. Letztere hatten zwar die »Aufhebung der Religion« gefordert, in der sie so etwas wie das »Opium des Volkes« sehen wollten, doch diese »Aufhebung der Religion« sollte erst nach der Revolution in der zukünftigen herrschaftsfreien Gesellschaftsordnung erfolgen, in der die Menschen dieses »Opiums« nicht mehr bedürften.28

In den Parteiprogrammen der SAP war noch nicht einmal davon die Rede. Stattdessen wurde die »Trennung der Kirche vom Staat« gefordert und die Religion zur »Privatsache« erklärt.29

Die SAP strebte also etwas an, was in den USA schon seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert verwirklicht worden war. Kommunistisch oder gar antichristlich war das nun wirklich nicht. Dennoch ist dies der SPD vonseiten der Kirchen vorgeworfen worden. Das war falsch; richtig und begründet war es jedoch, den Kirchen ihre antisozialistische Einstellung und Politik vorzuwerfen.

Dieser Vorwurf wurde in der Tat von vielen Arbeitern erhoben, welche die Kirchen darüber hinaus beschuldigten, nichts zur Behebung der sozialen Notlage der Arbeiterschaft getan zu haben. Dies hatte zur Folge, dass die Arbeiter scharenweise aus den Kirchen (mehr aus der protestantischen als aus der katholischen) austraten. Dafür machten die Kirchen aber nicht sich, sondern wiederum die SPD verantwortlich, weshalb sie sich zu weiterem antisozialistischen Handeln herausgefordert fühlten.

Zu ihrem Sprecher machte sich der 1835 als Sohn eines Gefängnisdirektors geborene und zum »Hofprediger« und konservativen Reichstagsabgeordneten aufgestiegene Adolf Stoecker, der 1878 die Christlich-Soziale Arbeiterpartei ins Leben rief. Damit wollte er der SPD die Arbeiter abspenstig machen. Doch das war vergeblich. Stoeckers erstes Auftreten vor Berliner Arbeitern endete in einem Debakel. Der Hofprediger wurde einfach ausgelacht. Allzu durchsichtig war sein Werben für seine neue antisozialistische Partei und seine Verteidigung der doch an sich guten und auf jeden Fall gottgewollten kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Die umworbenen Arbeiter wussten es jedoch besser. Diese Wirtschaftsordnung war weder gut noch konnte sie gottgewollt sein.

Stoecker gab ihnen recht – jedenfalls teilweise. Für die nicht zu bestreitenden »sozialen Uebelstände« seien aber nicht der deutsche Staat und das deutsche Kapital, sondern »die Juden« verantwortlich. Das »moderne Judentum« würde seine »Kapitalkraft« und seine politische Macht zum »Ruin der Nation« und zum Nachteil der Arbeiter verwenden. Außerdem verhindere das »Judentum« die Überwindung der sozialen Missstände auf dem »Wege einer weisen Gesetzgebung« durch den Staat.30 Mit dieser »weisen Gesetzgebung« waren die Sozialgesetze Bismarcks gemeint. Sie würden jedoch von einer SPD abgelehnt, die, angeführt von jüdischen Funktionären, das revolutionäre Programm des »Juden Marx« exekutieren wolle, anstatt die staatlichen Reformen Bismarcks zu akzeptieren.

Damit schloss sich der Kreis. Die antikommunistisch-antisemitische Verschwörungsideologie war perfekt. Kaum etwas an ihr war richtig, aber alles war wichtig und wirkungsvoll. Sozialisten wie Bernstein, Kautsky, Lassalle, Luxemburg und Singer waren zwar Juden oder – wie Marx – jüdischer Herkunft, doch ihre jüdische Identität und Herkunft bestimmte keineswegs ihr politisches Handeln. Kommunismus und Sozialismus waren alles andere als »jüdisch«. Sie sollten es aber sein und wurden dazu durch eine Verschwörungsideologie gemacht, in der die alten antisemitischen mit den neuen antikommunistischen Verschwörungsideologien verbunden wurden.

Die Rede ist von den »Protokollen der Weisen von Zion«.31 Dabei handelte es sich um eine Fälschung; die in den »Protokollen« beschriebenen geheimen Treffen der Juden gab es nicht. Die Fälschung wurde vermutlich zwischen 1903 und 1905 von Agenten der zaristischen Geheimpolizei fabriziert und verbreitet. Eine erste deutsche Übersetzung der »Protokolle« erschien zwar erst 1920,32 doch ihr Inhalt war schon vorher in Deutschland bekannt. Daher soll an dieser Stelle darauf eingegangen werden.

Die (je nach Sprache und Druckform) nur zwischen 40 und 60 Seiten langen »Protokolle« sind in 24 Abschnitte eingeteilt.33 Sie handeln jeweils von einer Sitzung der ominösen »Weisen von Zion«, die von einem – wiederum fiktiven – Juden aufgezeichnet worden sein soll. Inhaltlich bestehen die »Protokolle« aus zwei Teilen. Aus einer Verschwörungsideologie und einer negativen Herrschaftsutopie.

Im ersten, verschwörungsideologischen Teil wird lang und breit beschrieben, wie »die Juden« die »Weltherrschaft« erringen wollen. Dabei berufen sie sich auf das »Recht des Starken« und stützen sich auf ihre »Herrschaft des Geldes«.34 Sie nützen die Dummheit der »Massen« und deren »Parteienhader« aus und bekennen sich ohne Wenn und Aber zum Einsatz des schrankenlosesten »Terrors«.35 Durch das Anzetteln von »Wirtschaftskriegen« im außenpolitischen Bereich und durch die »Verteuerung der Lebensmittel« im innenpolitischen hetzen sie die »Massen« gegen die »christlichen Staaten« auf, um schließlich selbst die Macht zu übernehmen.36 Dabei scheuen »die Juden« auch nicht vor Terroranschlägen gegen einzelne Personen 37 und gegen Staaten zurück. Zu diesem Zweck nutzen sie die »Stollen der Untergrundbahnen« in den »Hauptstädten der Welt«, um von dort aus »ganze Städte mit den Staatsleitungen, Ämtern, Urkundensammlungen und den Nichtjuden mit ihrem Hab und Gut in die Luft (zu) sprengen«.38 Doch noch wirkungsvoller als diese Terroranschläge sind das »Gift des Freisinns« wie die Idee der »Selbstbestimmung« und des »allgemeinen Wahlrechts«, das dem christlichen »Staatskörper (…) eingeflößt« wird, um den kommenden »Umsturz« vorzubereiten, der von den »Nichtjuden« wie von einer »Hammelherde« hingenommen wird, in der die »Wölfe« einbrechen.39

Interessanter, aber weniger beachtet ist der zweite, utopische Teil der »Protokolle«. Dort wird das auf den Trümmern der alten Welt nach einem »Staatsstreich« errichtete »jüdische Weltreich« beschrieben. Regiert werden wird es von einem König, der aus dem »Hause David« stammt. Dieser »Weltherrscher« wird geradezu vergöttert, wofür eine, wie man heute sagen würde, geschickte PR-Strategie 40 und die zensierte Presse sowie die »Werbetätigkeit der Schule« sorgen, in der es keine humanistische Bildung mehr gibt.41

Der selbstverständlich jüdische »Weltherrscher« regiert mit Zuckerbrot und Peitsche. Es gibt keine Arbeitslosigkeit und »Vergnügungen und öffentliche Häuser«.42 Allerdings auch keine »Trunksucht«, die – genau wie »unsittliches Schrifttum« – verboten ist.43 Darüber hinaus wird das Volk durch eine Organisation, die an das »Wahrheitsministerium« in George Orwells negativer Utopie 1984 erinnert, systematisch verdummt. Dies geschieht durch »sorgfältig ausgesuchte Leute«, die an besonderen »Fachschulen« in »alle Geheimnisse des gesellschaftlichen Lebens eingeweiht« werden.44 An den traditionellen Universitäten ist dagegen die »Lehrfreiheit« aufgehoben und alles gestrichen, »was irgendwie zersetzend wirken kann«.45 Wie an den Schulen hat man dort zu lernen, dass es »nur eine Wahrheit« gibt.46 Alle »Nichtjuden« werden in eine »Herde denkfauler gehorsamer Tiere« verwandelt.47

Zur totalen Indoktrination kommt der ebenso totale Terror. Er ist durch die »neue Verfassung des Volksstaates« gedeckt, wobei der Präsident die Gesetze erlässt und nach Belieben auslegt. »Zur Begründung braucht er ja nur zu sagen, diese Maßnahmen seien für das höchste Wohl des Staates erforderlich.«48 Ausgeübt wird der Terror durch eine allgegenwärtige Polizei mit einem ausgedehnten »Spitzeltum« und »unzähligen Hilfskräften« sowie durch eine Justiz, die kein Berufungsrecht mehr kennt, welche die »Tätigkeit der Rechtsanwälte« einschränkt und die jeden »unbarmherzig hinrichten« lässt, »der sich mit der Waffe in der Hand gegen uns und unsere Herrschaft auflehnt«.49

Dies alles war absoluter Unsinn, dennoch wurde er geglaubt. Schien doch alles durch den Ausbruch der Revolution in Russland bestätigt worden zu sein. Die bolschewistische Revolution, deren Drahtzieher Juden wie Lew Kamenew, Grigori Sinowjew und vor allem Leo Trotzki gewesen sein sollen, wurde als Ergebnis einer lange geplanten »jüdischen Weltverschwörung« angesehen, wie sie in den »Protokollen« als self-fulfilling prophecy vorhergesagt worden war.50

Das traf nicht nur, aber vor allem auf Deutschland zu, wo der Boden für derartige antisozialistisch-antisemitischen Verschwörungsideologien besonders gut vorbereitet worden war. Hinzu kamen die vielen Schauergeschichten über die Gräuel der Bolschewisten, Juden und »jüdischen Bolschewisten«, die in Deutschland ebenfalls weit verbreitet waren und geglaubt wurden.51

Sie schienen zugleich die Glaubwürdigkeit der »Protokolle« zu bestätigen. Dabei war der Fälschungscharakter der »Protokolle« bereits Anfang der 20er Jahre entlarvt worden. Doch diese Zweifel, die unter anderem von der angesehenen Londoner Times geteilt wurden, vermochten die Antisemiten und Antikommunisten nicht zu überzeugen.

Zu ihnen zählte Adolf Hitler.52 Er hielt die vorgebrachten Zweifel sogar für den besten Beweis für die Echtheit der »Protokolle«, was er in Mein Kampf mit dem Hinweis auf den notorisch lügnerischen Charakter »der Juden« begründete: »Wie sehr das ganze Dasein dieses Volkes [des jüdischen, Anm. d. Verf.] auf einer fortlaufenden Lüge beruht, wird in unvergleichlicher Art in den von den Juden so unendlich gehaßten ›Protokollen der Weisen von Zion‹ gezeigt. Sie sollen auf einer Fälschung beruhen, stöhnt immer wieder die ›Frankfurter Zeitung‹ in die Welt hinaus: der beste Beweis, daß sie echt sind. Was viele Juden unbewußt tun mögen, ist hier bewußt klargelegt. Darauf aber kommt es an. Es ist ganz gleich, aus wessen Judenkopf diese Enthüllungen stammen, maßgebend aber ist, daß sie mit geradezu grauenerregender Sicherheit das Wesen und die Tätigkeit des Judenvolkes aufdecken und in ihren inneren Zusammenhängen sowie den letzten Schlußzielen darlegen.«53

Der letzte Satz ist besonders wichtig. Hitler hielt die »Protokolle« nicht nur für echt; er sah in ihnen so etwas wie die letzte Bestätigung seiner schon vorher gefassten These von einer Verschwörung »der Juden«, die »schon immer« nach der »Weltherrschaft« gestrebt hätten. »Schon immer« hieß für ihn »von Moses bis Lenin«.

1.2 »Von Moses bis Lenin«

Manche Bücher haben wirklich dumme Titel. Doch den mit Abstand dümmsten hat ein Buch, das der Münchener Hohen­eichen-Verlag 1924 herausbrachte. Es heißt: Der Bolschewismus von Moses bis Lenin. Zwiegespräch zwischen Adolf Hitler und mir.54 Mit »mir« ist der sonst wenig bekannte völkische Ideologe Dietrich Eckart (1868–1923) gemeint. Ob er wirklich das im Buch enthaltenen »Zwiegespräch« mit Hitler geführt hat, weiß man nicht. Sicher und nachweisbar ist jedoch, dass Dietrich Eckart einen prägenden Einfluss auf Hitlers »Weltanschau­ung« ausgeübt hat, wie dieser sie in Mein Kampf niedergelegt hat55 – einem Buch, das übrigens Dietrich Eckart gewidmet ist.

Sowohl in Hitlers Mein Kampf wie in Eckarts Zwiegespräch werden die Juden für alles Böse und Schlechte auf der Welt verantwortlich gemacht. Das gelte für »alle sozialen Ungerechtigkeiten von Bedeutung« wie für alle Bestrebungen, sie durch eine Revolution zu beseitigen. Dies habe, so Eckarts wirklich originelle Auslegung des Alten Testaments, bereits Moses versucht, der das »Pöbelvolk« der Juden um sich geschart habe, um in Ägypten eine »Revolution« anzuzetteln. Sie sei jedoch von dem »national gebliebenen Teil der Ägypter« durch die Vertreibung der Juden aus dem Land verhindert worden.

Doch es kommt noch besser. Auf Moses seien nämlich weitere »Haupträdelsführer der jüdischen Weltrevolution« gefolgt. Eckart beginnt mit dem Apostel Paulus und endet mit dem Bolschewisten Lenin. Die weitere Ausbreitung der »jüdischen Weltrevolution« müsse jetzt unbedingt verhindert werden – durch die »Vernichtung der Juden«. Und zwar möglichst aller und keineswegs nur der bolschewistischen Juden. Wie sollte das geschehen? Eckart verweist in seinem Buch auf den großen Deutschen und Antisemiten Luther, der in seiner Schrift »Von den Juden und ihren Lügen« vorgeschlagen hatte, die Synagogen und Schulen zu verbrennen. Hitler hielt das nicht für ausreichend: »Mit dem Verbrennen wäre uns verdammt wenig geholfen. Das ist es ja! Auch wenn nie eine Synagoge, nie eine jüdische Schule, nie das Alte Testament existiert hätte, der jüdische Geist wäre doch da und täte seine Wirkung. Seit Anbeginn ist er da; und kein Jude, nicht einer, der ihn nicht verkörpert.«56

Wenn »Verbrennen« nicht ausreichend war, sollte es dann Vergasen sein? Das wird in Eckarts Zwiegespräch noch nicht, wohl aber in Mein Kampf an einer Stelle angedeutet.57 Doch diese und die weiteren antisemitischen Stellen in Mein Kampf sollen uns hier nicht weiter interessieren. Wichtiger und für unseren Zusammenhang erhellender sind die mit den antisemitischen verbundenen antikommunistischen bzw. antibolschewistischen und antimarxistischen Aussagen.58 Dazu im Folgenden nur eine kleine antikommunistisch-antisemitische (Gift-)Blütenlese.

Der ebenfalls als »jüdisch« konnotierte Marxismus sei bereits für die »Verfallserscheinungen im Vorkriegs-Deutschland« verantwortlich gewesen.59 Mit diesen »Verfallserscheinungen« waren die »Presse«,60 die »Prostitution«61 und die sonstige »poli­tische, sittliche und moralische Verseuchung«62 gemeint. Die auf den Krieg folgende »bolschewistische Welle« habe »nirgends besseren Boden als dort« gefunden, »wo eine durch Hunger und dauernde Unterernährung degenerierte Bevölkerung haust: in Mitteldeutschland, Sachsen und im Ruhrgebiet«. Dort habe auch die »Intelligenz« keinen »ernstlichen Widerstand gegen diese Judenkrankheit« geleistet, »weil ja auch die Intelligenz selbst körperlich vollständig verkommen ist, wenn auch weniger durch Gründe der Not als durch Gründe der Erziehung«.63

Für diese allgemeine »Vergiftung der Seele« sei wiederum »der Jude« verantwortlich, der zudem die »Gesundung« und »Reinigung des Volkskörpers« von allen »rassisch fremden« und »kranken Elementen« hintertreibe. Außerdem mache sich »der Jude an den Arbeiter heran, heuchelt Mitleid mit dessen Schicksal oder gar Empörung über dessen Los des Elends und der Armut, um auf diesem Wege das Vertrauen zu gewinnen«.64 Mit Hilfe der »marxistischen Weltanschauung« zerstöre »der Jude« die »elementaren Grundlagen der gesamten menschlichen Kultur«.65 »In der organisierten Masse des Marxismus« habe »der Jude« dann »die Waffe gefunden, die ihn die Demokratie entbehren läßt und ihm anstelle dessen gestattet, die Völker diktatorisch mit brutaler Faust zu unterjochen und zu regieren.«66 »Planmäßig« arbeite er »auf die Revolutionierung in doppelter Richtung hin: in wirtschaftlicher und politischer«. Er hetze »dank seiner internationalen Einflüsse« die »Völker« in Kriege, um schließlich, »wenn nötig, noch auf die Schlachtfelder die Flagge der Revolution« zu pflanzen.67

Besonders betroffen sei Deutschland: »Die Bolschewisierung Deutschlands, d. h. die Ausrottung der nationalen völkischen deutschen Intelligenz und die dadurch ermöglichte Auspressung der deutschen Arbeitskraft im Joche der jüdischen Weltfinanz ist nur als Vorspiel gedacht für die Weiterverbreitung dieser jüdischen Welteroberungstendenz.«68

Das, was »der Jude« in Deutschland mit Hilfe der »Sturmbataillone des revolutionären Marxismus«69 erst noch anstrebe, habe er in Russland bereits erreicht: »Im russischen Bolschewismus haben wir den im zwanzigsten Jahrhundert unternommenen Versuch des Judentums zu erblicken, sich die Weltherrschaft anzueignen.«70 Daher fordere »der Kampf gegen die jüdische Weltbolschewisierung (…) eine klare Einstellung zu Sowjet-Rußland«. Mit ihm dürfe es kein Bündnis geben, denn schließlich könne man »nicht den Teufel mit Beelzebub austreiben«.71

Dieser Kampf sei jetzt aber auch zu gewinnen, da der »Bolschewismus dem russischen Volk jene Intelligenz« geraubt habe, »die bisher dessen staatlichen Bestand herbeiführte und garantierte«.72 Der »jüdische Bolschewismus« habe damit gewissermaßen sein eigenes Grab geschaufelt und »uns hier einen Fingerzeig« gegeben, nämlich »auf Kosten Rußlands (…) Grund und Boden« zu erwerben.73