Griechische Alterstumskunde - Richard Maisch - ebook

Griechische Alterstumskunde ebook

Richard Maisch

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Professor Maischs Werk gehört zu den Standards zur griechischen Altertumskunde. Inhalt: Einleitung. § 1. Begriff der griechischen Altertumskunde. § 2. Die Quellen der griechischen Altertumskunde I. Abschnitt.Land und Volk von Hellas. § 3. Orographie des europäischen Hellas. § 4. Hydrographie. § 5. Klima und Pflanzenwuchs. § 6. Gaben des Bodens. § 7. Bedeutung des Landes für die Kultur seiner Bewohner. § 8. Vorgeschichte der Griechen. § 9. Ausdehnung und Gesamtname des Griechentums. § 10. Die griechischen Stämme. II. Abschnitt. Sparta. § 11. Geschichtliche Grundlagen der Verfassung Spartas. § 12. Periöken und Heloten. § 13. Die Spartiaten. § 14. Das Königtum. § 15. Die Gerusie. § 16. Die Ephoren. § 17. Die Volksversammlung. § 18. Die spartanische Zucht (³É³®). § 19. Heerwesen und Kriegführung. III. Abschnitt. Athen. § 20. Die altattische Phylen- und Geschlechterordnung. § 21. Das Königtum. § 22. Übergang vom Königtum zur Adelsherrschaft. § 23. Das Rechtswesen, geschriebene Gesetze, Drakon. § 24. Die wirtschaftlichen Verhältnisse des 7. Jahrhunderts. § 25. Solon. § 26. Die Tyrannis des Peisistratos. § 27. Die Begründung der Demokratie durch Kleisthenes. § 28. Die Vollendung der Demokratie nach den Perserkriegen. § 29. Erschütterung und Wiederherstellung der Demokratie. (411-403.) § 30. Die Demokratie von 403 bis auf die Diadochenzeit (323). § 31. Der attische Staat in der Diadochenzeit und unter römischer Herrschaft. § 32. Die Elemente der Bevölkerung. § 33. Die Volksversammlung. § 34. Der Rat der Fünfhundert und der Rat vom Areopag. § 35. Die Beamten. § 36. Die neun Archonten. § 37. Die Gerichtshöfe. § 38. Die Formen der öffentlichen Klage. § 39. Der gewöhnliche Prozeßgang. § 40. Das Verfahren vor dem Areopag und den andern Blutgerichtshöfen. § 41. Attische Längen-, Flächen- und Hohlmaße. § 42. Das Münz- und Gewichtssystem. § 43. Die allgemeine Finanzlage. § 44. Einnahmen und Ausgaben. § 45. Die Leiturgia (Staatsleistung). § 46.

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Griechische Altertumskunde

Professor Dr. Richard Maisch

Inhalt:

Geschichte Alt-Griechenlands

Griechische Altertumskunde

Einleitung.

§ 1. Begriff der griechischen Altertumskunde.

§ 2. Die Quellen der griechischen Altertumskunde

I. Abschnitt.Land und Volk von Hellas.

§ 3. Orographie des europäischen Hellas.

§ 4. Hydrographie.

§ 5. Klima und Pflanzenwuchs.

§ 6. Gaben des Bodens.

§ 7. Bedeutung des Landes für die Kultur seiner Bewohner.

§ 8. Vorgeschichte der Griechen.

§ 9. Ausdehnung und Gesamtname des Griechentums.

§ 10. Die griechischen Stämme.

II. Abschnitt. Sparta.

§ 11. Geschichtliche Grundlagen der Verfassung Spartas.

§ 12. Periöken und Heloten.

§ 13. Die Spartiaten.

§ 14. Das Königtum.

§ 15. Die Gerusie.

§ 16. Die Ephoren.

§ 17. Die Volksversammlung.

§ 18. Die spartanische Zucht (ἀγωγή).

§ 19. Heerwesen und Kriegführung.

III. Abschnitt. Athen.

§ 20. Die altattische Phylen- und Geschlechterordnung.

§ 21. Das Königtum.

§ 22. Übergang vom Königtum zur Adelsherrschaft.

§ 23. Das Rechtswesen, geschriebene Gesetze, Drakon.

§ 24. Die wirtschaftlichen Verhältnisse des 7. Jahrhunderts.

§ 25. Solon.

§ 26. Die Tyrannis des Peisistratos.

§ 27. Die Begründung der Demokratie durch Kleisthenes.

§ 28. Die Vollendung der Demokratie nach den Perserkriegen.

§ 29. Erschütterung und Wiederherstellung der Demokratie. (411–403.)

§ 30. Die Demokratie von 403 bis auf die Diadochenzeit (323).

§ 31. Der attische Staat in der Diadochenzeit und unter römischer Herrschaft.

§ 32. Die Elemente der Bevölkerung.

§ 33. Die Volksversammlung.

§ 34. Der Rat der Fünfhundert und der Rat vom Areopag.

§ 35. Die Beamten.

§ 36. Die neun Archonten.

§ 37. Die Gerichtshöfe.

§ 38. Die Formen der öffentlichen Klage.

§ 39. Der gewöhnliche Prozeßgang.

§ 40. Das Verfahren vor dem Areopag und den andern Blutgerichtshöfen.

§ 41. Attische Längen-, Flächen- und Hohlmaße.

§ 42. Das Münz- und Gewichtssystem.

§ 43. Die allgemeine Finanzlage.

§ 44. Einnahmen und Ausgaben.

§ 45. Die Leiturgia (Staatsleistung).

§ 46. Öffentliche Aufsichtsbehörden.

§ 47. Kriminalpolizei.

§ 48. Kultstätten.

§ 49. Priester und Seher.

§ 50. Orakel.

§ 51. Gebet und Opfer.

§ 52. Die Mysterien.

§ 53. Feste.

§ 54. Dramatische Aufführungen.

§ 55. Das Theater.

§ 56. Das Landheer.

§ 57. Die Flotte.

§ 58. Das Haus

§ 59. Die Wohnungseinrichtung

§ 60. Die Kleidung

§ 61. Die Familie.

§ 62. Erziehung und Unterricht.

§ 63. Bestattung und Grab.

IV. Abschnitt. Panhellenisches.

§ 64. Das Gastrecht.

§ 65. Tempelvereine (Amphiktyonien).

§ 66. Staatenvereine.

§ 67. Nationalfeste.

§ 68. Die olympische Feier.

V. Abschnitt. Klassische Ruinenstätten.

§ 69. Tiryns und Mykenä.

§ 70. Die Akropolis von Athen.

§ 71. Olympia.

§ 72. Pergamon.

Fußnoten

Griechische Altertumskunde, Richard Maisch

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

ISBN: 9783849631178

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Geschichte Alt-Griechenlands

Der Schauplatz der griechischen Geschichte im Altertum beschränkt sich nicht auf das eigentliche G., den südlichen Teil der Balkanhalbinsel, sondern umfasste auch die Inseln und Küsten des Ägäischen Meeres im Norden und Osten. Gleiches Klima und die bequeme Fahrstraße des Meeres verbanden diese durch bedeutende Küstenentwickelung und reiche Mannigfaltigkeit der Bodenform und Produkte ausgezeichneten Gebiete und ebneten der Einwirkung der Bewohner auseinander wie der fremder Kultureinflüsse die Wege, während die Herstellung eines einheitlichen politischen Gemeinwesens durch die geographischen Verhältnisse eher erschwert als erleichtert wurde.

Von der ältesten Zeit Griechenlands, etwa 1550–1150 v. Chr., geben uns nur die gewaltigen Mauern und Kuppelgräber im östlichen G. von Thessalien bis Lakonien Kunde, Reste von Residenzen pracht- und kunstliebender Fürsten, die von erhöhtem Sitz aus eine vor ihnen liegende fruchtbare Ebene und zugleich einen Zugang zum Meer beherrschten. Ihre Kultur, für die uns in G. alle Vorstufen fehlen und die nirgends landschaftliche Unterschiede aufweist, ist von Syrien aus, das die des Nil- und des untern Euphratgebietes vereinigte, durch Phöniker nach G. übertragen worden, wo ihre Hauptsitze Tiryns, Mykenä und Orchomenos wurden, und hat auch auf den Inseln die Anfänge einer vorhellenischen, deren Spuren wir hier noch erkennen können, verdrängt. Selbständig entwickelt hat sich ihre Kunst auf hellenischem Boden in der Keramik, während die Werke in Metall (Kupfer und Gold, nicht Silber) und in hartem Stein von orientalischen Künstlern herrühren oder nach orientalischen Mustern gefertigt sind. Nach dem durch Schliemanns ertragreiche Grabungen berühmten Mykenä heißt diese Zeitperiode die mykenische.

Auf diese folgt die des griechischen Mittelalters, das mit zahlreichen Völkerbewegungen, einer Fortsetzung der Völkerwanderung in Kleinasien (etwa 1250–1150), beginnt und bis zu den Perserkriegen berechnet wird. Mit ihm setzt die Erinnerung der Griechen selbst ein, zuerst nur in Form von Sagen, die historische Vorgänge oft so verhüllt haben, dass der Kern kaum noch erkennbar ist. Die ältesten Einwohner Griechenlands nannten sie Pelasger und Autochthonen und nahmen an, dass sie durch Völkerwanderungen allmählich verdrängt worden seien und nur in Arkadien ihre Wohnsitze behauptet haben, und dass an ihre Stelle die Hellenen mit ihren drei Hauptstämmen, den Doriern, Äoliern und Ioniern, getreten seien. Doch sind, soweit unser Wissen zurückreicht, die Bewohner Griechenlands indogermanischen Ursprungs gewesen, Reste einer andern Urbevölkerung sind mit Sicherheit nirgends nachzuweisen. G. ist also zweimal von Indogermanen besiedelt worden, in vormykenischer Zeit und dann seit der Mitte des 12. Jahrh., als, von Norden her durch Völker aus Kleinasien geschoben, griechische Stämme Epirus besetzten, dessen Kultstätte des Zeus und der Dione in Dodona bis in späte Zeit auch im übrigen G. hochgeehrt worden ist, dann das fruchtbare Tal des Peneios, die alten Einwohner, soweit sie sich nicht unterwarfen, zur Auswanderung zwingend, die dann ihrerseits wieder andre in Bewegung setzten. Am weitesten nach Süden vorgedrungen sind die Dorier, die von dem nördlichen Thessalien aus die nach ihnen benannte Landschaft Doris zwischen Parnaß und Ota in Besitz nahmen und, nachdem sie hier einen Teil ihres Stammes zurückgelassen hatten, zusammen mit andern Völkerschaften über die schmale Meerenge im Westen des Korinthischen Golfs nach dem Peloponnes übersetzten (der Überlieferung nach 1104) und ihn allmählich unter der Führung ihrer drei Könige, die ihr Geschlecht von Herakles ableiteten, mit Ausnahme von Arkadien eroberten; der Verfall der mykenischen Kultur erleichterte es ihnen. Sie versuchten sogar ihre Herrschaft über den Isthmus von Korinth nach Norden zu auszudehnen, wurden aber von den Athenern zurückgeschlagen (1068) und auf Doris und den Peloponnes beschränkt. Die früheren Bewohner der Halbinsel, mit den späteren Ioniern und Äoliern, auch Arkadiern verwandte Völkerstämme, Achäer nach der Überlieferung, suchten sich teils in Arkadien, teils im Nordwesten neue Wohnsitze und benannten die letzteren nach Vertreibung der Ionier Achaia.

Diese gewaltsamen Umwälzungen hatten noch weitere bedeutsame Folgen. In manchen Landschaften hatte sich nämlich die Bevölkerung teils durch Zusammendrängen der ursprünglichen Einwohner teils durch Zuwanderung von Flüchtigen derartig vermehrt, dass sie innerhalb ihrer Grenzen keinen Platz mehr fand. So erfolgte um 1050 v. Chr. eine große Auswanderung nach den östlichen Inseln und Küsten des Ägäischen Meeres, das auf diese Weise zu einem griechischen Binnenmeer gemacht wurde. Es lassen sich in ihr drei Züge unterscheiden: der äolische Kolonistenzug im Norden, der ionische in der Mitte und der dorische im Süden. Von dem letzteren, der auch Ansiedler andrer Stämme umfasste, wurde die Küste Kariens, Rhodos und Kos kolonisiert, Kreta nach langsamer, gründlicher Eroberung fast ganz dorisch gemacht. Die Ionier stifteten an den Küsten Lydiens nach harten Kämpfen um Ephesos, deren Erinnerung in der Sage von den Amazonen fortlebte, einen mächtigen Bund von zwölf ionischen Pflanzstädten. Die ältesten Auswanderungen, und zwar schon in der mykenischen Zeit, gingen von Jolkos, der Hafenstadt am Pagasäischen Meerbusen, aus, und zwar durch die Minyer in Orchomenos, und sind durch die Argonautensage in der Erinnerung bewahrt worden. Nach diesen übernahmen peloponnesische Geschlechter (die Atriden) die Führung der äolischen Kolonistenzüge, deren Ausgangspunkt Aulis wurde, und die sich von Thrakien und den Inseln vor dem nördlichen Kleinasien nach Mysien und Troas vorschoben. Um in den hartnäckigen Kämpfen mit den Dardanern von Ilion sich den Mut zu stärken, erneuerten und feierten sie das Andenken an ihre alten Heerkönige, die Atriden und Achilleus, in Liedern, die später von ionischen Sängern überarbeitet und erweitert worden sind und diesen die Anregung zu einer Fortsetzung mit Odysseus als Mittelpunkt gegeben haben. Nach einer Tätigkeit von mehreren Generationen ist dann die erste Gruppe zur »Ilias« und etwa ein Jahrhundert später die zweite zur »Odyssee« zusammengefasst worden. Es zeigt diese demnach schon wesentlich veränderte Lebensverhältnisse und eine ausgedehntere geographische Kenntnis, im allgemeinen geben uns indes beide Dichtungen ein anschauliches Bild des hellenischen Heldenzeitalters, wie es späteren Geschlechtern erschien, als ein König von göttlicher Abstammung mit erblicher Gewalt als oberster Feldherr, Richter und Priester unumschränkt, aber in väterlicher Weise über das Volk herrschte. Das Ende aller dieser Wanderungen und Schiebungen war eine Auflösung der größeren Völkermassen, die in sie eingetreten waren oder sich auf ihnen zusammengeschlossen hatten, in kleinere Stämme je nach der Gliederung des Landes, der Übergang von dem Nomadenleben zum Ackerbau und die Wiederaufnahme des Handels unter neuen Vorbedingungen. Denn dem orientalischen Einfluss war durch diese Neubesiedelung Griechenlands ein Ende gemacht worden, wenn auch die Erinnerung Gestalten, in denen er sich personifiziert hatte (Danaos, Pelops, Kadmos), festhielt und die Sage sich weiter mit ihnen beschäftigte. Es hat einige Zeit gedauert, bis die Kultur die Höhe der mykenischen Zeit wieder erreicht hat.

Unter den auf dem Peloponnes von den Doriern gegründeten Staaten war Sparta der kräftigste. Zwar hatten auch in Lakonien die Dorier nicht das ganze Land erobert und hatten achäische Familien in den herrschenden Stand aufnehmen müssen. Doch gelang es, den Staat in eine festgeschlossene Ordnung zu fügen, in der bewährte alte Satzungen mit neuen zeitgemäßen vereinigt wurden und Friede zwischen den verschiedenen Klassen der Bevölkerung hergestellt wurde. Das Verdienst, dadurch die der Dorier, der Spartiaten, zu der unbedingt herrschenden gemacht und ihre Kraft zu voller Entwickelung gebracht zu haben, wird mit dem Namen des Lykurgos verknüpft. Bald mussten dies die Nachbarländer empfinden, besonders Messenien, dessen fruchtbare Ebenen die spartanische Begehrlichkeit reizten. Nach einem 20jährigen Kampf, dem ersten Messenischen Krieg (743–724), fiel die von Aristodemos tapfer verteidigte Burg Ithome; die Messenier mussten sich unterwerfen und teils selbst als Zinsbauern der Spartiaten (Heloten) das Land bebauen, teils es an lakonische Periöken abtreten. Innere Kämpfe zwischen dem Königtum und der dorischen Bürgergemeinde über die politischen Rechte, die mit dem Siege der letzteren endeten, Aufstände der Periöken infolge der Unduldsamkeit der Spartiaten gegen die Nichtdorier und die Zurückweisung des Versuchs, ihr Gebiet auch nach Norden auszudehnen, durch den König Pheidon von Argos (669) ließen es indes nicht zu größerer Erweiterung ihres Machtgebiets kommen. Auch als die Messenier unter Leitung des Aristomenes sich empörten und unterstützt von Argos, Arkadien und Pisa die Spartiaten aus ihrem Gebiet vertrieben (zweiter Messenischer Krieg, 645–628), kämpften diese zuerst unglücklich. Erst als sie auf Geheiß des delphischen Orakels den attischen Sänger Tyrtäos berufen hatten, dessen begeisterte Lieder das Gefühl für Kriegerehre und Treue gegen das angestammte Königtum neu belebten, der sich aber zugleich als Feldherr und Staatsmann bewährte, nahm der Krieg eine für Sparta günstige Wendung. Die Messenier wurden nach der Bergfestung Eira zurückgedrängt und nach mehrjähriger tapferer Verteidigung zur Ergebung gezwungen, worauf die einen nach dem südlichen Italien oder nach Kleinasien auswanderten, die andern in das Verhältnis der Heloten zurücktraten. Das Übergewicht der Spartiaten wuchs durch dies Ergebnis der Messenischen Kriege. Die Eroberungspolitik der Könige gaben jedoch die Ephoren, welche die Leitung des Staates immer mehr in ihre Hand bekamen, auf: sie suchten vielmehr die peloponnesischen Staaten unter spartanischer Hegemonie zu einem Bunde zu einigen, dessen Mittelpunkt Olympia und die daselbst gefeierten Spiele bildeten, und durch Aufrechthaltung der alten gesetzlichen Ordnungen in den verbündeten Staaten das Übergewicht der dorischen Bevölkerung zu befestigen. Deshalb bekämpfte Sparta die Tyrannis, die in Argos, Korinth, Sikyon und Megaris zur Herrschaft gelangt war und mit Hilfe des niederen Volkes den bisher allein berechtigten dorischen Adel unterdrückt hatte. Obwohl es ihm nicht überall gelang, die Tyrannen zu stürzen und die dorischen Aristokratien wiederherzustellen, so wurde doch sein Ansehen, das auch die delphische Priesterschaft begünstigte, nicht nur im dorischen Peloponnes, sondern auch im übrigen G. als maßgebend anerkannt, so dass es an die Oberleitung aller hellenischen Nationalangelegenheiten denken konnte. Da erwuchs ihm in Mittelgriechenland ein ebenbürtiger Nebenbuhler.

Dies war der aus der Vereinigung (Synoikismos) der zwölf Städte Attikas entstandene Staat Athen. Nachdem er 1068 siegreich die dorische Eroberung abgewehrt hatte, bot er den zahlreichen Flüchtlingen aus dem Peloponnes eine Zuflucht und gewann durch Aufnahme edler Geschlechter in seinen Adel eine Fülle neuer Kraft. Das ionische Element war stark genug, die alten Bewohner und die neuen Einwanderer mit sich zu verschmelzen, während die Mischung so verschiedener Teile dem attischen Geist seine Vielseitigkeit und seinen unermüdlichen Fortschrittstrieb verlieh. An die Stelle des Königtums trat allmählich die Aristokratie, die die andern Stände, die Geomoren und Demiurgen, durch eigennützige Ausbeutung des Schuldrechts zu unterdrücken und allen Besitz an sich zu reißen suchte. Der Versuch Kylons (636 oder 632), sie zu stürzen und sich der Tyrannis zu bemächtigen, misslang. Drakons Gesetzgebung (620) schuf zwar ein festes Blutrecht, konnte aber den Bruch zwischen ihr und den andern Ständen nicht beseitigen. Erst das große Verfassungswerk Solons führte die Versöhnung herbei und ermöglichte durch Aufhebung des wirtschaftlichen Notstandes und durch gerechte Abmessung der Rechte und Pflichten der Bürger nach dem Vermögen (Timokratie) ein gesundes, kräftiges Staatsleben (594); die Tyrannis des Peisistratos (560–527), die trotzdem aus neuen Parteikämpfen hervorging, rüttelte nicht an den Grundlagen der Solonischen Verfassung. Nach dem Sturz des Peisistratiden Hippias (510) wurde sie von dem Alkmäoniden Kleisthenes nicht allein hergestellt, sondern, nachdem der Versuch einer Reaktion durch den Aristokraten Isagoras, einen Gastfreund des spartanischen Königs Kleomenes, mit viel Blutvergießen unterdrückt war, in der demokratischen Richtung weiter gebildet; an Stelle der alten vier auf Verwandtschaft beruhenden Phylen richtete er nach den Wohnsitzen zehn neue ein und schwächte damit auch den persönlichen Einfluss der adligen Eupatriden. Die bewaffnete Einmischung Spartas scheiterte. So traten die Athener als Vertreter des ionischen Stammes ebenbürtig dem dorischen Sparta gegenüber. Ihnen zur Seite standen auf dem Peloponnes der Seestaat Korinth, Sparta anregend und mäßigend, in Hellas neben Athen die Landbau treibende Bevölkerung von Böotien. Außer diesen vier Staaten war auf dem europäischen Festland um das Jahr 500 kein griechischer Staat von größerer Bedeutung.

Das Zeitalter der Perserkriege.

Zur Entwickelung des Hellenentums nach außen trugen die großartigen Kolonisationen während der Jahre 800–500 in hervorragendem Maße bei. Unermüdlich in ihrem Trieb, immer neue Handelswege aufzusuchen, bei allem Heimatsgefühl zur Auswanderung in die Ferne geneigt, verbreiteten sich die Hellenen vom Archipel über das ganze Mittelmeer und gründeten an den Küsten der Mäotis bis zu den Mündungen des Nils und den Säulen des Herakles hin Pflanzstädte, die den Handel mit dem Mutterland vermittelten, die Erzeugnisse des fremden Landes mit denen des heimischen Gewerbfleißes austauschten und den Landbau in ihrem Gebiet erfolgreich ausbeuteten. In kurzer Zeit übertrafen viele Kolonien an Zahl der Bevölkerung und an Reichtum ihre Mutterstädte, da sie weniger durch ebenbürtige Nachbarn beschränkt waren. Mit der materiellen Entwickelung hielt meist die intellektuelle gleichen Schritt. Dabei blieben die Pflanzstädte mit der Heimat in stetem Verkehr, und wenn sie auch eine politische Oberhoheit der Mutterstadt in der Regel nicht anerkannten, so hielten sie doch ein Pietätsverhältnis aufrecht und breiteten ihre Sprache und Bildung auch über die umwohnenden Völkerschaften aus. Unter allen Stämmen zeichneten sich die Ionier und unter diesen wieder die Städte Chalkis auf Euböa und Milet bei der Kolonisationstätigkeit aus. Milet gründete an der Propontis und am Schwarzen Meer zahlreiche Pflanzstädte, wie Kyzikos, Sinope, Trapezus, Pantikapäon, Odessos u. a., am Nil Naukratis. Die euböischen Städte kolonisierten besonders die mazedonische Küste, Chalkis hatte hier allein 32 Pflanzstädte. Von den westlichen Inseln aus, namentlich von Korkyra, das sich 665 von seiner Mutterstadt Korinth losriss, wurden Ansiedelungen nach der illyrischen Küste und nach Italien entsendet, wo man schon ältere Niederlassungen vorfand; Kyme, Zankle (Messana), Rhegion, die Städte an der Ostküste Siziliens, wie Katane, Naxos, Syrakus und Leontinoi, verdankten der Vereinigung und dem Wetteifer verschiedener griechischer Staaten ihre Entstehung. Achäische Geschlechter von der Nordküste des Peloponnes führten ionische Kolonisten nach dem Tarentinischen Meerbusen und gründeten Sybaris und Kroton, lakonische Ansiedler Taras, Rhodier Gela an der Südküste Siziliens und dieses wieder Akragas, das an Glanz und Pracht bald die Mutterstadt überbot. Die kühnen Seeleute von Phokäa drangen bis zur Küste Galliens vor, wo Massalia Mittelpunkt ihrer Handelsplätze wurde, und auch in Spanien nisteten sich Griechen ein und machten den Karthagern die Herrschaft über den dortigen Handel streitig. Von Thera aus wurde endlich in Afrika die kyrenäische Pentapolis angelegt. Einen wesentlichen Anteil an der planmäßigen Leitung dieser Kolonisation hatte die delphische Priesterschaft, die sowohl Eifersucht und Streik zwischen den Ansiedlern verschiedenen Stammes verhütete als auch die nationale Einheit der weitverstreuten Hellenen erhielt.

Nachdem die griechischen Kolonien sich lange Zeit ungestört hatten ausbreiten und das Hinterland ausbeuten können, erfolgte eine natürliche Reaktion hiergegen, zunächst in Kleinasien, wo der lydische König Krösos nach langem, hartnäckigem Kampf Ephesos und Smyrna unterwarf und den übrigen Städten Anerkennung der lydischen Landeshoheit und einen übrigens mäßigen Tribut auferlegte. Der Sturz des lydischen Reiches (548) brachte den Griechen ein noch schlimmeres Los. Da sie die Anträge des Perserkönigs Kyros auf freiwilligen Anschluss zurückwiesen und einen Befreiungsversuch machten, wurden sie von Harpagos mit Waffengewalt bezwungen und dem persischen Reich einverleibt, dem sie Abgaben zahlen und Heeresfolge leisten mussten, soweit sie nicht auswanderten, wie die Stadtgemeinden Teos und Phokäa, die sich in Thrakien und Gallien eine Heimat suchten; wenigstens behielten die Zurückbleibenden ihre Religion, Sprache und Sitte. Auch Chios, Lesbos und nach dem Untergang des Polykrates (522) Samos teilten das Schicksal der festländischen Städte und erhielten in den Städten von den Persern abhängige Tyrannen. Schon begannen die Perser die Bekriegung Europas, als, von ehrgeizigen, in ihren Hoffnungen getäuschten Führern angeregt, der ionische Aufstand ausbrach (500), der sich zwar über die ganze Küste und die Inseln Kleinasiens ausbreitete, aber planlos und ohne genügende Streitkräfte ins Werk gesetzt war. Er wurde daher nach der Niederlage der ionischen Flotte bei Lade bald unterdrückt, Milet 494 zerstört und die persische Herrschaft auf dem Festland und den Inseln fest gegründet. Die Unterstützung der aufständischen Ionier durch Athen und Eretria gab dem Großkönig die Veranlassung, seine Macht auch die Griechen in Europa fühlen zu lassen. Ihre Gefahr war groß, um so mehr, als es ihnen an Entschlossenheit und Einheit des Widerstandes gebrach; gleichzeitig rüstete sich Karthago, der griechischen Macht in Sizilien und Italien ein Ende zu machen. Im Augenblick der höchsten Gefahr ermannten sich aber die Griechen, ihre kräftigsten Staaten, Athen und Sparta, traten als Vorkämpfer der griechischen Freiheit auf, retteten durch die glänzenden Taten der Perserkriege, 490–479, die Selbständigkeit der griechischen Kulturentwickelung und erhoben das eigentliche Hellas, das hinter den üppig entwickelten Kolonien fast zurückgetreten war, zum Mittelpunkt der griechischen Welt und zu einer dem asiatischen Reich ebenbürtigen Macht.

Der Ruhm des Sieges bei Marathon über die west überlegene Macht des Datis und Artaphernes gebührt allein den Athenern, nicht weniger der, eingesehen zu haben, dass auf die Dauer die Perser nur zur See mit Erfolg bekämpft werden könnten. Daher verzichteten sie auf die Verteilung der Einkünfte der laurischen Silberbergwerke, verwendeten sie zum Bau einer großen Kriegsflotte und gründeten einen neuen Hafen, den Piräus, alles dies auf den Antrieb des genialen und weitblickenden Themistokles, der auch die Seele des Widerstandes war, als Xerxes mit seinem ungeheuern Heere 480 in G. eindrang. Mehrere Staaten neigten offen zu den Persern, Argos aus Hass gegen Sparta, Theben und Korinth aus Eifersucht gegen Athen; auch Sparta war unentschlossen und zauderte. Der Zugang zu Mittelgriechenland, die Thermopylen, wurde nur durch ein kleines spartanisches Heer unter Leonidas gesperrt, das Xerxes durch Verrat umging und nach tapferster Gegenwehr niedermetzelte, um nun das ganze Land bis zum Isthmus zu überschwemmen; die Athener flüchteten auf ihre Schiffe. Die Uneinigkeit und Entmutigung unter den Griechen waren groß; die Peloponnesier wollten sich auf die Verteidigung ihrer Halbinsel beschränken. Da war es die zumeist aus athenischen Schiffen gebildete Flotte unter der Leitung des Themistokles, die durch den Sieg bei Salamis (20. Sept. 480) G. rettete. Xerxes ging nach Asien zurück und ließ nur ein auserlesenes Landheer von 300,000 Mann unter Mardonios in Europa zurück, über das im Spätsommer 479 das griechische Heer unter dem Oberbefehl des Spartaners Pausanias den Sieg von Platää errang, durch den das griechische Festland für immer gegen die Perser gesichert wurde. Auch die kleinasiatischen Städte wurden um dieselbe Zeit durch den Sieg der griechischen Flotte bei Mykale befreit.

Wie die Athener während der Perserkriege den größten Patriotismus und die freudigste Aufopferungsfähigkeit bewiesen hatten, so zogen sie auch aus den Erfolgen den reichsten Gewinn. Zunächst ging die Führung im Seekrieg, die bisher die Spartaner gehabt hatten, auf sie über und wurde dadurch sicher begründet, dass Aristeides, der sich durch Milde und Gerechtigkeit das Vertrauen der Bundesgenossen erworben, zu gegenseitigem Schutz gegen die Perser mit den Inseln und Küstenstädten des Ägäischen Meeres einen Seebund stiftete, dessen Oberleitung Athen übernahm. Durch rastlose Tätigkeit zeigte es sich dieser Stellung würdig: Kimon, der Sohn des Miltiades, eroberte die letzte persische Stadt in Thrakien, Eion, und vernichtete die persische See- und Landmacht, die Ionien wiedererobern sollte, um 465 am Eurymedon in Pamphylien. Versuche einzelner Staaten, durch Auflehnung den Bund zu lockern, hatten nur den Erfolg, dass Athen die Kasse des Seebundes 460 von Delos in das Heiligtum der Athene auf der Akropolis verlegte und sich aus einem gleichberechtigten Bundesgenossen zum Herrscher des Bundes machte. Ein Umschwung in der athenischen Politik erfolgte, als die Spartaner eine ihnen von Athen gegen die aufrührerischen Messenier geschickte Hilfe 461 abwiesen und dadurch die Stellung des ihnen freundlichen Kimon untergruben. Er wurde verbannt, und nun strebte die zur Herrschaft gekommene Partei unter Führung des Perikles danach, einen Sonderbund als Grundlage der Hegemonie über ganz Hellas zustande zu bringen. Argos, Thessalien und Megaris wurden für diesen Bund gewonnen, während Korinth, Epidauros und Ägina 458 einen mit wechselndem Erfolg geführten Krieg gegen Athen begannen. Das Endergebnis war aber doch, obgleich auch die Spartaner in den Streit eingriffen, dass Ägina endlich unterworfen wurde (456) und die Böotier, Phoker und opuntischen Lokrer sich der athenischen Hegemonie anschlossen, und da auch die Achäer sich mit Athen verbündeten und durch die Ansiedelung der vertriebenen Messenier in Naupaktos ein fester Stützpunkt gewonnen wurde, so erstreckte sich dieselbe auch über den Korinthischen Meerbusen. Endlich eroberte der wieder zurückberufene Kimon an der Spitze eines athenischen Heeres Kition auf Cypern, und nach seinem Tod errang dies noch einen Seesieg bei Salamis über die Perser. Hierauf ruhte der Krieg, ohne dass ein förmlicher Friede zwischen Griechen und Persern abgeschlossen worden wäre. Die Perser ließen das Ägäische Meer unbehelligt und öffneten den Griechen wieder ihre Häfen. So schloss das Zeitalter der Perserkriege.

Kämpfe um die Hegemonie.

Trotz seiner Eifersucht hatte Sparta im Waffenstillstand von 450 die herrschende Stellung Athens in Mittelgriechenland anerkennen müssen. Doch vermochte Athen diese nicht lange zu behaupten. Der Friede wurde gestört durch einen Eingriff Spartas in die Verhältnisse Mittelgriechenlands, indem es das delphische Heiligtum wieder selbständig zu machen versuchte. Anerkannt als der geistige Mittelpunkt des gesamten Hellenentums und von der höchsten Bedeutung für die Pflege des Gedankens einer auf gemeinsamen Götterkultus gegründeten nationalen Einheit, hatte es durch seine Bevorzugung der aristokratischen Staatsform und Hinneigung zu Sparta in den demokratischen Staaten Missstimmung erregt, und der phokische Bund hatte es daher in Abhängigkeit von sich gebracht. Gegen diese war ein spartanischer Heerzug nach Phokis 449 gerichtet, dem es auch gelang, sie aufzuheben, jedoch nur auf kurze Zeit; denn die Athener stellten die Abhängigkeit von den Phokern bald wieder her. In seinen alten Feinden aber war durch die spartanische Unterstützung Delphis die Hoffnung auf eine gleiche wachgerufen. So erhob sich Böotien und stellte durch den Sieg bei Koroneia 447 seine Selbständigkeit wieder her. Gleichzeitig fielen Euböa und Megara ab, und Sparta erschien wieder mit einem Heer in Mittelgriechenland. Euböa wurde zwar wieder unterjocht und Sparta zu einem 30jährigen Frieden (des Perikles) bewogen (445). Aber das Gebiet, über das Athen die Hegemonie hatte, war nur auf den Seebund beschränkt; außer Platää sagten sich die mittelgriechischen und peloponnesischen Staaten von Athen los. Für immer aber verzichteten die Athener keineswegs auf ihre Herrschaft über ganz G. und benutzten die Friedenszeit, um für die als unvermeidlich erkannte Abrechnung mit Sparta alle Kräfte zu sammeln und zu organisieren. Den Weg wies ihnen Perikles, in der richtigen Einsicht, dass nur von einer allgemeinen, selbstbewussten und hingebenden Beteiligung der Bürgerschaft an den Aufgaben des Staates das Übergewicht über Sparta zu erwarten sei, und daraufhin die demokratische Verfassung weiter ausbildete. Nachdem schon Aristeides nach den Perserkriegen alle Bürger zu allen Ämtern zugelassen und das Gesetz des Ephialtes 460 die Macht des Areopags aus dem Wege geräumt halte, schuf er durch Entschädigung für den Kriegsdienst, für die richterliche Tätigkeit, für die Teilnahme an den Volksversammlungen, endlich sogar für den Besuch des Theaters aus Staatsmitteln selbst dem ärmsten Bürger die Möglichkeit, sich dem staatlichen Leben und den geistigen Interessen des Volkes zu widmen; kaum je ist in einem andern Staat die Bildung so allgemein verbreitet gewesen. Willig beugten sich die Athener vor der Überlegenheit der Einsicht des Perikles und der sittlichen Größe seines Charakters, übertrugen ihm vertrauensvoll als Strategen die freie Verfügung über die Streitkräfte und Geldmittel des Staates und setzten ihn in den Stand, 15 Jahre lang eine folgegerechte und feste Staatsregierung zu führen, welche die Vorzüge der Volksherrschaft mit denen der Alleinherrschaft verband.

Vor allem galt es, die Seeherrschaft Athens zu erweitern und zu befestigen. Die langen Mauern, die Athen mit den Häfen verbanden, wurden vollendet und die Verbindung mit der See für alle Fälle gesichert. Die Kriegsschiffe wurden größer und stärker gebaut, 300 lagen stets bereit auf den Werften und konnten 60,000 Mann aufnehmen, 60 Trieren kreuzten fortwährend auf dem Archipel und duldeten dort kein fremdes Kriegsschiff. Die kleineren verbündeten Staaten des Seebundes wurden völlig untertänig gemacht, mussten Tribut zahlen, in Athen ihr Recht nehmen und ihre Verfassungen demokratisch gestalten Mehr Selbständigkeit genossen die größeren Inseln, aber eine Unbotmäßigkeit wurde sofort mit Unterwerfung bestraft; so verlor Samos 440 seine Unabhängigkeit. Attische Bürger wurden als Kleruchen auf den Inseln und Küsten des Ägäischen Meeres angesiedelt, das von den Athenern als ihr Eigentum betrachtet wurde; auch förmliche Kolonien wurden ausgesandt, wie Amphipolis und Thurioi. Gewerbe und Handel entwickelten sich glänzend, zumal Athen sich nicht scheute, durch Zwangsmaßregeln den Piräus zum Stapelplatz von ganz Hellas zu machen; dafür sorgte es aber wieder für die Sicherheit des Meeres, setzte Handelsgerichte ein und hielt das Münzwesen in strenger Ordnung. Wie zur See, hatten die Athener die unbestrittene Herrschaft auch auf dem geistigen Gebiet. Hier war ihre Stadt der Mittelpunkt, nach dem sich alle bewegenden Kräfte des Hellenenvolkes hinzogen, von wo sein geistiges Leben Anregung und Leitung empfing. Die berühmtesten Philosophen siedelten nach Athen über; die Geschichtschreiber, wie Herodot von Halikarnassos, feierten die Taten der Athener. Die sich frei entwickelnde politische und gerichtliche Beredsamkeit gelangte zur höchsten Blüte und erhob die attische Mundart zur herrschenden Schriftsprache. Äschylos, Sophokles, Krates und Kratinos schufen das griechische Drama. Auch die künstlerischen Kräfte von ganz Hellas wirkten in edlem Wetteifer zusammen, Athen mit Bauten und Bildwerken zu schmücken, wozu auch die Höhe der Tribute (600 Talente im J. 432) beitrug, die aber außerdem noch die Ansammlung eines ansehnlichen Staatsschatzes ermöglichte. Unbestritten war Athen die geistige Hauptstadt Griechenlands, und dass es auch die politische werde, unter seiner Führung alle Hellenen zu einem staatlichen Gemeinwesen einige, schien das natürliche Ergebnis der geschichtlichen Entwickelung zu sein.

Obwohl auf einen neuen Kampf mit Sparta um die Hegemonie gefasst und vorbereitet, vermied doch Athen alle Feindseligkeiten, und auch Sparta blieb trotz seines eifersüchtigen Grolls untätig. Der Anlass zum Peloponnesischen Krieg, 431–404, ging von Korinth aus, das, auf Athens Seemacht neidisch und durch dessen Einmischung in seine kolonialen Angelegenheiten gereizt, die zaudernden Spartaner u. ihre peloponnesischen Bundesgenossen zum Beschluss des Krieges gegen Athen fortriss. Perikles hielt die Zeit für gekommen, den Kampf aufzunehmen. Zwar war die Zahl der Feinde und Neider Athens groß, und alle Staaten, die mit Unwillen Athens Übermacht ertrugen, wie Böotien, schlossen sich den Peloponnesiern an. Dennoch durfte er bei der Größe und Schlagfertigkeit der athenischen Streitmacht sowie der günstigen Lage der Staatsfinanzen auf einen glücklichen Ausgang des Krieges rechnen. Der Beginn schien diese Erwartung zu bestätigen. Die Peloponnesier, die mit einem gewaltigen Heer unter Archidamos in Attika einfielen, mussten sich mit Verwüstung des flachen Landes begnügen, weil sich die Athener hinter die Mauern ihrer Stadt zurückgezogen hatten, und da letztere sich nach ihrem Abzug rächten, indem sie Megaris und die Küsten des Peloponnes verwüsteten, würden die Peloponnesier die nutzlosen Züge gegen Attika wohl bald aufgegeben haben: da brach 430 in dem übervölkerten Athen die Pest aus und raffte viele Tausend Menschen, 429 auch Perikles hinweg. Der Kern der athenischen Bürgerschaft ging zugrunde, die furchtbare Seuche entfesselte die Leidenschaften und die Triebe der Selbstsucht; in dem fortdauernden Krieg entartete das jüngere Geschlecht, unwürdige Demagogen traten an Perikles' Stelle und suchten Einfluss und Macht zu gewinnen, indem sie den niedrigen Neigungen des Volkes schmeichelten und Befriedigung verschafften. Ganz G. wurde in den mehr und mehr sich ausbreitenden Krieg gezogen und spaltete sich in zwei Parteien, eine lakedämonische und eine athenische, aller Gemeinsinn, alle Achtung vor Religion und Sitte gingen verloren, die alten Tugenden der Besonnenheit und Mäßigung wurden verhöhnt; für erlaubt galt, was die Parteiinteressen förderte. Auf kurze Zeit wurde der unentschiedene Krieg durch den Frieden des Nikias (421) unterbrochen, der die Verhältnisse vor dem Kriege herstellte. Durch ihn fühlte sich indes Alkibiades in der Ausführung seiner ehrgeizigen Pläne beschränkt; daher verleitete er die Athener zu einer Einmischung in die peloponnesischen Angelegenheiten, die mit der Niederlage bei Mantineia (418) endete, und zu der sizilischen Expedition (415–413), bei der die athenische Flotte und ein gewaltiges Landheer zugrunde gingen, und gab, als er infolge von Parteiumtrieben verbannt wurde, um sich dafür zu rächen, den Spartanern den für Athen höchst verderblichen Rat, 413 Dekeleia zu besetzen, wodurch die Athener mich während des Winters auf die Stadt beschränkt wurden, und mit persischer Hilfe eine Flotte auszurüsten, mit der sie die mächtigsten Staaten des Seebundes zum Abfall von Athen bewogen. Die Siege des 410 zurückberufenen Alkibiades waren vorübergehende Lichtblicke. Das athenische Volk, an sich selbst verzweifelnd und von verräterischen, selbstsüchtigen Parteimännern betrogen, beschleunigte durch selbstmörderische Fehler, wie die zweite Verbannung des Alkibiades und die Hinrichtung der siegreichen Feldherren nach der Schlacht bei den Arginusen, den Untergang seiner Macht. Nachdem Lysandros 405 die letzte athenische Flotte bei Aigospotamoi vernichtet hatte, wurde Athen zu Wasser und zu Lande eingeschlossen. Die Verräterei des Theramenes verhinderte die Athener an einer heldenmütigen Verteidigung, und durch Hunger bezwungen, mussten sie 404 die demütigenden Friedensbedingungen annehmen, welche die Ephoren ihnen auferlegten: Niederreißung der Hafen- und Verbindungsmauern, Auslieferung der Flotte, Verzicht auf jede Herrschaft außerhalb Attikas, Anschluss an den Peloponnesischen Bund mit der Pflicht der Heeresfolge. Die alte Verfassung wurde aufgehoben und bis zur Einführung einer neuen oligarchischen die Staatsverwaltung 30 Männern (den 30 Tyrannen) übergeben, zu deren Schutz 700 Spartaner die Akropolis besetzten.

So sank weniger durch die Macht der äußern Feinde als durch eigne Schuld der einzige griechische Staat in den Staub, der imstande gewesen wäre, Hellas politisch zu einigen. Sparta ging aus dem Vernichtungskampf als Sieger hervor, ganz G. hatte sich seiner Führerschaft untergeordnet. Aber es war nicht fähig, die Herrschaft zu behaupten; auch der Lykurgische Staat war entartet und entkräftet. Überdies hatte Lysandros durch die Einsetzung von oligarchischen Regierungen (Dekarchien) in allen Staaten, die sich ihm anschlossen, und durch die spartanischen Besatzungen zu ihrem Schutz die Freiheitsliebe der Griechen verletzt und die Mittelstaaten, deren eifriger Beistand Sparta zum Sieg verholfen, vom Anteil an der Siegesbeute und der Neuordnung der Dinge in Hellas gänzlich ausgeschlossen, so dass Sparta, das vor dem Krieg als Hort der Freiheit gegen Athens Übermacht gegolten hatte, jetzt gehasst wurde. So kam es, dass sich sogar, von dem Perserkönig veranlasst, der den ihn in Kleinasien bekriegenden spartanischen König Agesilaos los werden wollte, Theben, Korinth, Argos und Athen, das 403 die Herrschaft der Dreißig abgeschüttelt hatte, zu einem Bund gegen Sparta zusammenschlossen, dem die meisten Staaten Mittel- und Nordgriechenlands beitraten (Korinthischer Krieg, 394–387). Ihre Stellung auf dem Peloponnes behaupteten die Spartaner allerdings durch den Sieg bei Nemea, und auch in Mittelgriechenland bewährte Agesilaos das spartanische Übergewicht im Landkrieg in der Schlacht bei Koroneia (394). Aber ihre mühsam errungene Seeherrschaft ging durch die Niederlage ihrer Flotte bei Knidos mit Einem Schlag verloren; alle Seestaaten fielen von ihnen ab, ein neuer attischer Seebund bildete sich. Nachdem der Landkrieg in blutigen Gefechten um Korinth sich jahrelang ohne Entscheidung hingezogen hatte, gelang es 387 dem Spartaner Antalkidas, den Perserkönig, der durch das Eintreten Athens für die Freiheit der kleinasiatischen Städte verstimmt war, auf die Seite Spartas zu ziehen, und dieser gebot zu Sardes die Bedingungen des Friedens (Antalkidischer Friede): das Festland von Kleinasien und Cypern sollten den Persern gehören, alle übrigen Hellenenstädte autonom sein. Diese letztere Bestimmung bedeutete die Auflösung aller Bünde und sicherte Spartas Hegemonie, da es jedem einzelnen griechischen Staat überlegen war; rücksichtslos und mit Anwendung von Gewalt mischte es sich, angeblich zur Durchführung des Friedens, in die inneren Angelegenheiten der Staaten und vermehrte die Parteiungen, durch die diese sich zerfleischten. G. dankte also der Herrschaft Spartas seine Zersplitterung und die Schmach der Preisgebung der asiatischen Kolonien.