Geschichten aus dem Neuen Testament - Lyrisch interpretiert - Arno Hildebrandt - ebook

Geschichten aus dem Neuen Testament - Lyrisch interpretiert ebook

Arno Hildebrandt

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Opis

Nach dem ersten Lyrikband »Geschichten aus dem Alten Testament« ist dies die logische Fortsetzung der biblischen Geschichten in erzählender Gedichtform. Der Autor interpretiert hier das Neue Testament über das Leben, Wirken, Leiden, Sterben und Auferstehen des Menschensohnes Jesus. Beginnend mit der Ankündigung der Geburt des Johannes, beschreibt er zudem die Personen, die mit Jesus verbunden waren. Er vergleicht auch die teilweise unterschiedlichen Aussagen der Evangelien, um sie letztendlich doch als eine Einheit verständlich zu machen. Zudem macht er die später hinzuerdachten Legendenbildungen deutlich. Da die Bibeltexte nicht alles, was man gerne wissen möchte, beinhalten, entnahm der Autor zusätzlich Informationen aus dem Protevangelium des Jakobus sowie aus anderen Quellen. Diese wenig bekannten Legenden-Überlieferungen machen das Lesen des Buches zusätzlich interessant, auch wenn sie theologisch und wissenschaftlich nicht anerkannt worden sind. Teilweise kommentiert der Autor die Geschichten in abgesetzten Versen und stellt Fragen dazu, wobei schlüssige Antworten offen bleiben und dadurch zum Nachdenken anregen. Zusammengefasst interpretiert der Autor abschließend einige der aufschlussreichen Gleichnisse Jesu. Quellenhinweise am Rand erleichtern dem Leser ein unmittelbares Nachschlagen in den Originaltexten. Mit seiner sorgfältigen Recherche und Vorlagentreue sowie mit seiner individuellen Ausdrucksweise legt der Autor hiermit ein inspirierendes Buch vor.

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ARNO HILDEBRANDT

GESCHICHTEN AUS DEM NEUEN TESTAMENT

LYRISCH INTERPRETIERT

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2015

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

ISBN 978-3-96008-167-8

Copyright (2015) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Grafik, Satz, Typografie und Cover-Entwurf:

Arno Hildebrandt

Lektorat:

Markus Hildebrandt Rambe

1. digitale Auflage:

Zeilenwert GmbH 2015

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Prolog

Kapitel 1: Johannes

Kapitel 2: Josef

Kapitel 3: Maria

Kapitel 4: Weihnachten

Kapitel 5: Die Kindheit Jesu

Kapitel 6: Jesu Erscheinen in der Öffentlichkeit

Kapitel 7: Jesu Wirken in den Städten Galiläas

Kapitel 8: Jesu Überzeugungskraft und sein ungewöhnliches Handeln

Kapitel 9: Jesu Haltung, Taten und Aussagen zum Sabbat

Kapitel 10: Jesu weitere Wundertaten und Heilungen

Kapitel 11: Die wirkungsreichsten Jahre Jesu

Kapitel 12: Jesu letztes Jahr

Kapitel 13: Der Leidensweg Jesu und sein Tod

Kapitel 14: Danach …

Kapitel 15: Die Gleichnisse Jesu

Epilog

Autoren-Info

Bereits erschienen

Vorwort

Das Alte Testament, das ich

bereits zuvor lyrisch beschrieben,

war wirklich aufschlussreich für mich.

Das Neue ist da noch geblieben.

So konnte ich’s einfach nicht lassen,

auch diese neueren Geschichten

lyrisch gestaltend zu erfassen

und unterhaltend zu berichten!

Es ist – so sei hier festgestellt –

die Fortsetzung der alten Zeilen,

bestimmt dazu, der ganzen Welt

die frohe Botschaft mitzuteilen.

Drum hatte Luther – denk ich jetzt –

zuerst das Neue Testament

und dann das Alte übersetzt,

damit man Gottes Plan erkennt.

Die Testamente im Vergleich

sind zeitraummäßig sehr verschieden.

Beide handeln von Gottes Reich

und seiner Wirkungskraft hienieden.

Das Alte Testament umfasst

Jahrtausende und mehr sogar!

Das Neue schildert ohne Hast

wie Jesu Lebensweg einst war.

In diesem Zeitraum allerdings

entstand das ganze Christentum!

Den Anhängern von Jesus ging’s

um dessen Wort und Gottes Ruhm.

Aus diesem Grund – in diesem Sinn,

bekommt man auch die Einheit hin

der alten und der neuen Schrift,

was den Zusammenhalt betrifft.

Doch kann man inhaltlich die beiden

Bücher recht deutlich unterscheiden.

Im Alten Testament, da geht’s

um Machtkämpfe und Siege stets.

Bei Kämpfen zwischen ›Bös‹ und ›Gut‹

liest man von viel vergossnem Blut.

Man liest von mancher Grausamkeit

und von der Gottes Gegner Leid.

Das Neue Testament hingegen

führt hin zu friedlicheren Wegen –

fordert die Liebe auf der Welt,

was wohl den Menschen mehr gefällt.

Jesus zeigte Bescheidenheit

barfüßig und in schlichtem Kleid.

Heilung – Vergebung war sein Streben.

Für dieses Ziel gab er sein Leben.

Die Texte schildern schlicht und klar,

was Jesus wirklich wichtig war.

Friedfertigkeit, Bescheidenheit

sowie der Menschen Einigkeit.

Ich änderte nicht nach Belieben,

was in der Bibel aufgeschrieben.

Was meine Einstellung betrifft,

halt’ ich mich an die Heil’ge Schrift.

In Versform hört sich das sodann

fürwahr ein wenig anders an.

Doch sinngemäß ist nichts verkehrt;

darauf legte ich größten Wert.

Die Umsetzung im Bibel-Sinn

kriegten die Kirchen doch nicht hin.

Nutzbringend ward hinzu gebracht,

was man sich später ausgedacht.

Vieles, was heute gilt als Norm,

geht mit der Bibel nicht konform.

Vergleiche ich mal Jesu Leben

mit heut’gem Pracht- und Machtbestreben,

dann grummelt es bei mir im Bauch –

und das vermerke ich hier auch.

Das ist zwar unbequem – durchaus –

doch drücke ich’s hier trotzdem aus.

Ich hab’ das Neue Testament,

wie es von Luther überbracht,

anders erzählt als man es kennt

– in Versform – aber mit Bedacht.

Hierbei war ich zudem bestrebt,

die Menschen näher zu betrachten

mit denen Jesus einst gelebt –

deren Ergehen zu beachten.

Aus dieser Art hier zu berichten,

ergibt sich, dass es mal passiert,

dass Abschnitte aus den Geschichten

noch einmal sind interpretiert.

Denn Teile aus Marias Leben,

stehen zum Beispiel im Bericht,

die es bei Jesus auch gegeben.

Die fehlen auch bei diesem nicht.

Da über einige Geschichten,

die in der Zeit damals geschahen,

auch vier Apostel ja berichten,

– so wie sie es persönlich sahen –

hab’ ich in manch einem Bericht

von jedem etwas übernommen

und dies entsprechend dann vermischt,

um eine Einheit zu bekommen.

In Fällen doch, die sehr verschieden,

hab ich das Mischprinzip gemieden.

Da sah ich es als wichtig schon,

jedes Apostels Version

eines Geschehens darzulegen;

allein auch der Korrektheit wegen.

Doch lassen wir uns nicht verwirren –

jeder Mensch kann sich schließlich irren!

Wichtig sind Jesu Wundertaten! –

Was er den Menschen angeraten,

ist zudem wirklich lesenswert,

da er Bedeutendes gelehrt.

Die Gleichnisse, die er erfand,

die leicht verständlich er gemacht,

damit ein Jeder sie verstand

werden am Schuss noch dargebracht.

Um mich nicht einseitig zu binden,

war ich sehr wissensdurstig! – Drum

nutzte ich, um noch mehr zu finden,

auch das Protevangelium,

welches Jakobus damals schrieb

und was durchaus sehr interessant,

doch außerhalb der Bibel blieb.

Es wird auch selten nur genannt.

Zudem bemerkte ich betroffen,

wenn ich nur in die Bibel schau,

bleiben doch manche Fragen offen,

drum macht’ ich mich noch anders schlau.

Nicht ausschließlich durchs Bücherlesen

erhielt ich viel Information.

Auch online bin ich oft gewesen;

das lohnte sich mitunter schon!

Die Bibel richtig auszulegen,

schafft man ganz eindeutig wohl nie!

Denn nicht umsonst gibt es deswegen

das Studium Theologie.

Bei meinem Sohn – der sie studiert –

hab’ ich deshalb bei manchen Fragen

mich auch recht häufig informiert;

der konnte mir auch manches sagen.

Ich habe nicht daran gedacht,

alles historisch zu erfassen!

Hab’s wie ein Philosoph gemacht

und meine Sinne gleiten lassen.

Betrachtungen, die ich hier mache,

sind denkenswert – so oder so.

Glaube ist jedes eigne Sache!

Ich hoff’, sie sehn das ebenso!

* * *

Prolog

Zunächst: Das Neue Testament

und die enthaltenen Geschichten,

die man zum großen Teile kennt,

bestehen alle aus Berichten,

die einst von Mund zu Mund gegangen.

Später erst wurde aufgeschrieben,

wie’s seinerzeit dort zugegangen.

Sie sind erhalten uns geblieben.

Jesus hatte mit eigner Hand

kein Wort zu Pergament gebracht.

Das haben später mit Verstand

Evangelisten dann gemacht.

Das waren seine Publizisten,

und sie erstatteten Bericht.

Ohne deren Ereignis-Listen

wüssten wir manche Dinge nicht!

Da sie die Jünger Jesu waren,

die er sich selber auserwählt,

haben sie, was sie da erfahren,

inhaltlich ähnlich auch erzählt.

Doch sie war’n nicht dabei gewesen,

als Jesus auf die Welt gekommen.

Was wir darüber heute lesen,

haben auch sie erzählt bekommen.

Darüber schrieb Lukas ausführlich –

von Josef auch und seiner Frau.

Matthäus schrieb dies auch natürlich,

doch nicht so ausführlich genau.

Von Jesu Lebensweg und Leiden,

von seinem Tod – was da geschehen –

erfahren wir dann von den beiden;

so auch von Jesu Auferstehen.

Markus erzählt von Wunderdingen

die Jesus seinerzeit vollbracht.

Lukas schreibt auch von dem Gelingen

der Wunder, die sein Herr gemacht.

Auch Jesu Gleichnisse fürs Leben

haben die zwei noch publiziert.

Markus hat Deutungen gegeben,

damit kein Fehlschluss da passiert.

Johannes, Jesu Wegbereiter,

der Älteste der Jüngerschar,

– auch wenn er nicht stets sein Begleiter –

bot Gleichnisse und Wunder dar.

So ist wohl klar – muss man doch meinen –

dass das, wovon die Bibel spricht,

auch uns als Wahrheit muss erscheinen!

Doch viele glauben’s trotzdem nicht.

So forscht man immer noch – bis heute –

ob das Geschrieb'ne wahr denn sei;

lauter fürwahr gelehrte Leute!

Jedoch, was kam heraus dabei?

Einer schreibt, Wahrheit zu beweisen

sei forschungsmäßig wahrlich schlecht.

Ein anderer von diesen Weisen

meint: „Und die Bibel hat doch recht“!

Wie ist’s denn in der Gegenwart?

Die Kirchen sind oft ziemlich leer!

Nur Weihnachten wird es dort hart,

da findet man kaum Plätze mehr.

Der Mensch in Not betet jedoch

zu Gott, wenn es ihm schlecht ergeht.

Wenige beten aber noch,

wenn alles wieder blendend steht.

Glauben – so sagt man – heißt nicht Wissen

und damit hält man sich da raus.

Die einen wollen ihn nicht missen,

die andren kommen ohne aus.

Der Glaube kann so vieles geben,

wenn man Gott und die Menschen liebt.

Vielen schenkt er die Kraft zum Leben,

drum ist es gut, dass es ihn gibt!

* * *

Kapitel 1

Johannes

Die Ankündigung und die Geburt des Johannes

Johannes asketisches Leben und die Taufe Jesu

Die Unzucht am Hofe des Herodes und Johannes Einkerkerung

Die Frage des Täufers an Jesus und dessen Antwort

Salomes Tanz und des Johannes Tod

Die Ankündigung und

die Geburt des Johannes

Im Lukasevangelium

wird von Johannes erst erzählt,

von der Geburtsankündigung

und dass von Gott er auserwählt.

So will auch ich damit anfangen

und schildern, was gewesen war,

und wie es anfangs ist ergangen

dem auserkor’nen Ehepaar.

Nun – Zacharias war bekannt,

denn er führte stets gottergeben

getreulich aus sein Priesteramt,

Moses Gesetze vorzuleben.

Elisabeth, sein Eheweib,

war kinderlos, deshalb verzagt.

Unfruchtbar war bisher ihr Leib.

Beide waren schon hoch betagt!

Doch eines Tages am Altar 1

sprach ihn plötzlich ein Engel an.

Voll Angst nun Zacharias war,

jedoch der Engel sagte dann:

»Fürchte dich nicht! Ich soll dir sagen,

der Herr erhörte euer Flehen.

Dein Weib bekommt bald einen Knaben!

Sei frohgemut, bald wird’s geschehen!

Johannes sollst du ihn dann nennen,

er kommt zur Welt, um Gott zu ehren.

Ganz Israel wird ihn dann kennen.

Er wird das Volk zum Herrn bekehren!«

Doch Zacharias sprach betroffen:

»Alt bin ich zwar, jedoch kein Tor,

der noch auf einen Sohn wird hoffen.

Das kommt mir nicht sehr glaubhaft vor!«

Der Engel sprach: »Ich bin von oben

gesandt, um dir dies kundzutun.

Du solltest glauben und Gott loben,

da nicht, vernimm die Strafe nun.«

Weiterhin sprach er: »Und darum

bleibst du, bis die Geburt geschehen,

die ganze Zeit sprachlos und stumm!

Dann wirst du Gottes Macht verstehen.«

Die Strafe traf ihn wahrlich schwer! –

Als Zacharias kam nach Haus,

wunderte seine Frau sich sehr,

denn er brachte kein Wort heraus!

Bald hat sie rundum zugenommen 2

und fand das wirklich wunderbar.

Als dann die rechte Zeit gekommen,

Elisabeth den Sohn gebar.

Die Kunde sprach sich rum sodann, 3

so freuten sich nicht nur die beiden!

Am achten Tage kam man dann,

um deren Knaben zu beschneiden.

Sie wollten alter Sitten nach

dem Kind des Vaters Namen geben.

Jedoch des Knaben Mutter sprach:

»Nein – als Johannes soll er leben!«

Verwundert fragte man den Vater

und der schrieb auf ein Täfelein

– denn Gott war schließlich sein Berater –

»Johannes soll sein Name sein.«

Danach löste Gott seine Zunge

und Zacharias pries den Herrn.

Johannes hieß ab nun der Junge,

der bald bekannt ward nah und fern.

Der Vater sprach, von Gott beseelt: 4

»Du, Kindlein, wirst den Weg bereiten,

dem Herrn, der uns schenkt, was uns fehlt!

Du wirst für ihn auch notfalls streiten.«

»Du wirst des Höchsten Wort verkünden:

Dass man nicht hasst – stattdessen liebt,

dass er befreit uns von den Sünden

und unsrem Volk den Frieden gibt!«

Johannes war ein halbes Jahr

vor Jesus ungefähr geboren.

Doch in der Bibel wird fürwahr

kein Wort über das Kind verloren.

Und nach einer sehr kurzen Zeit 5

wurde in einer stillen Nacht

in Armut und Bescheidenheit

Jesus auf diese Welt gebracht.

Trotz, dass die beiden ja verwandt,

kann man gar nichts darüber lesen,

ob sie einst spielten mal im Sand,

ob sie einst Freunde sind gewesen.

1 Lukas 1, 5–23 / 2 Lukas1, 57 / 3 Lukas 1, 59–66

4 Lukas 1, 76–79 / 5 Lukas 2, 1–7

* * *

Johannes asketisches Leben

und die Taufe Jesu

Als er herangewachsen dann,

verließ der Eltern einz’ger Sohn

sie als ein selbständiger Mann,

denn er war stark im Geiste schon.

Ich denke, dass Johannes dort

sehr fromm erzogen wurde eben.

Er war erfüllt von Gottes Wort,

wollt' ärmlich in der Wüste leben.

Mit wildem Honig und Heuschrecken 1

ernährte er sich all' die Zeit,

Fell diente, seinen Leib zu decken.

Er war zu Gottes Dienst bereit.

Aus seinem Wüstenaufenthalt

trat er vors Volk von Israel.

Viele kamen zusammen bald,

denn es sprach sich herum sehr schnell.

Johannes predigte im Land 2

und hielt sich nah beim Jordan auf.

Als Täufer wurde er bekannt –

rief dort das Volk zur Buße auf.

Die Menschen stellten ihm nun Fragen;

sie sprachen: »Was sollen wir tun?

Kannst du uns einen Rat hier sagen?«

Johannes antwortete nun:

»Wer Kleidung und wer Speisen hat,

gebe den Armen auch davon,

so werden alle Mensche satt!

Das wär' ein erster Schritt dann schon.«

Und zu den Zöllnern sagte er:

»Nehmet nur den Zoll von den Leuten

der vorgeschrieben ist – nicht mehr.

Hört auf, die Menschen auszubeuten!«

Den Kriegern konnte er nur raten:

»Tut niemandem Gewalt mehr an;

lasst ab von ungerechten Taten.

Ihr werdet Gott gefallen dann!«

Die Pharisäer sandten zu 3

ihm ihre Priester, auch Leviten,

dass sie ihn fragten: »Wer bis du,

dass du ausübst der Taufe Riten?

Bist du vielleicht Gottes Prophet

oder bereits der Heiland schon?

Gib uns hier Zeugnis, wie es steht

mit deiner Legimitation!«

Johannes sprach: »Der bin ich nicht –

dies zu behaupten, liegt mir fern!

Prediger bin ich nur, der spricht:

›Bereitet jetzt den Weg des Herrn!‹«

Des Weiteren sprach er zu ihnen:

»Es kommt ein Stärkerer nach mir,

dem ich kaum Wert bin, ihm zu dienen.

Wartet nur, bald schon ist er hier!

Ich taufte euch mit Wasser eben,

doch er tauft mit dem Heil’gen Geist!

Er wird verändern euer Leben,

worauf die Schrift uns schon verweist.«

Des Täufers Worte waren klar

und wurden gläubig aufgenommen.

So taufte er die Menschenschar,

die Heil suchend zu ihm gekommen.

Auch Jesus kam zu jener Zeit 4

zum Jordan – sprach Johannes an –

sagte: »Ich mache mich bereit

zur Taufe, so wie jedermann.«

Johannes wehrte ab und sprach:

»Richtiger wär’s, du tauftest mich!

Doch du fragst deshalb bei mir nach?

Du stehst viel höher doch als ich!«

Jesus sprach: »Heute sollst du’s tun«

und stieg gleich in den Fluss hinunter.

Johannes taufte Jesus nun –

tauchte ihn kurz im Jordan unter.

Jesus stieg aus dem Wasser wieder.

Da tat sich auf das Himmelreich

und der Geist Gottes kam hernieder

über ihn, einer Taube gleich.

Und eine Stimme sprach zu allen:

»Seht her, dies ist mein lieber Sohn,

an ihm habe ich Wohlgefallen!«

Sehr einprägsam klang dieser Ton.

Es bleibt jedoch verborgen mir,

ob nun Johannes in der Tat

Jesus erstmals begegnet hier,

des Kommen er verkündet hat.

Beisammen sie auch jetzt nicht blieben.

Sie hatten gleiche Ziele zwar –

sprachen von Umkehr und vom Lieben

zur jeweils eig’nen Jüngerschar.

Nach dieser Taufe hatte man

JeZum Fasten spürte er den Drang,

drum wollt' er in die Wüste gehen.

Johannes predigte nun weiter

zu allen, die zu ihm gekommen.

Es hatte die Zahl der Begleiter

und neuer Hörer zugenommen.

Er sprach: »Ihr müsst stets züchtig leben,

und euer böses Tun bereuen!

Gott wird die Sünden dann vergeben

und euch mit seiner Huld erfreuen!«

1 Matthäus 3, 4 / 2 Lukas 3, 10–18 / 3 Johannes 1, 19–33 / 4 Matthäus 3, 13–17

* * *

Die Unzucht am Hofe des Herodes

und Johannes Einkerkerung

Am Hofe des Herodes aber 1

hat man Moral nicht ernst genommen.

Dies ist nun durch des Volks Palaver

Johannes zu Gehör gekommen.

Herodes hatte zu der Zeit

Herodias – des Bruders Weib –

verführt und kurz danach gefreit,

weil er begehrte deren Leib.

Wegen dieser Unsittlichkeiten

wetterte dann Johannes laut.

Das hätte sich zu diesen Zeiten

kein Mensch sonst – außer ihm – getraut.

Davon hörte Herodes gleich

und es konnte ihm nicht gefallen,

dass dieser Mann in seinem Reich

so sprach vor diesen Menschen allen!

Er hatte Ängste auch verspürt

vor diesem frommen, ernsten Mann,

dass dieser ihm sein Volk verführt –

dass der gefährlich werden kann!

Herodias hätt’ gern gesehen,

dass ihn ihr Mann gleich töten ließ.

Herodes ließ das nicht geschehen;

er sperrte ihn in ein Verließ.

Hier war Johannes gut geschützt

vor seines Weibes Rachetat.

Herodes hat das ausgenützt,

er holte sich gar bei ihm Rat.

1 Markus 6, 17–20

* * *

Die Frage des Täufers an Jesus

und dessen Antwort

Johannes hörte im Gefängnis, 1

dass Jesus wieder sei im Land.

Drum hatte er aus der Bedrängnis

zwei seiner Jünger ihm gesandt.

Sie sollten ihm die Frage stellen:

»Bist du’s, der uns verheißen ward,

um unsre Welt hier zu erhellen,

oder doch nicht? – Das wäre hart!«

Er fühlte sich allein gelassen

von Jesus, der doch Wunder tat.

Für ihn war es schier nicht zu fassen,

dass er ihm nicht geholfen hat.

Man kann Johannes ja verstehen,

der darbte dort bei kargem Licht,

während Jesus dort frei konnt' gehen.

Warum nur half er ihm denn nicht?

Jesus antwortete: »Kehrt um

und sagt ihm, was ihr hört und seht.

Ich lehr' das Evangelium

den Armen, so wie ein Prophet.

Dass Taube hören, Blinde sehen,

dass Tote wieder stehen auf,

Aussätz’ge rein sind, Lahme gehen,

und Kranke fühlen sich wohlauf!

Sagt ihm, dass jeder selig ist,

der sich nicht ärgert über mich.

Wer an mich glaubt, der ist ein Christ!

Die Worte soll er merken sich.«

Ob dies Johannes Trost gespendet,

von Jesus, der doch Wunder tat.

Sein Schicksal hat sich nicht gewendet.

Nun schau’n wir, was getan sich hat.

1 Matthäus 11, 2–5

* * *

Salomes Tanz und des Johannes Tod

Geburtstag hatte zu der Zeit 1

Herodes; diesen zu begehen,

war bei der großen Festlichkeit

die ganze Hautevolee zu sehen.

Als alle dort bei Tische saßen,

gab’s viele Vorführungen auch,

während die Gäste Gutes aßen.

Das war bei Festen damals Brauch.

Die Tochter der Herodias

wollte sich tanzend produzieren

und es machte ihr sichtlich Spaß,

den Sex-Appeal auszuprobieren.

Mit Schleiern tanzte sie verspielt;

das wirkte anmutig und leicht.

Und damit hatte sie gezielt

große Bestätigung erreicht.

Die Gäste waren angetan

und fühlten sich sehr angeregt.

Herodes sah man’s richtig an,

denn er war innerlich bewegt.

Er sprach dann zu dem Mägdelein:

»Wünsche dir, was du willst von mir;

ich schwör, es soll gewährt dir sein!

Was du verlangst, gebe ich dir.«

Mit ihrem Wunsch ließ sie sich Zeit –

wollte erst mit der Mutter sprechen;

und die sah die Gelegenheit

sich an Johannes jetzt zu rächen!

Sie sprach zu ihr: »Wünsche dir doch

den Kopf dieses Johannes gleich!

Du hast so viel und erbst ja noch

später das halbe Königreich.«

Sogleich ging sie zurück zum König

und sagte: »Nur das Haupt gib mir

dieses Johannes – nur so wenig; –

in einer Schüssel schenk es mir.«

Erschrocken und zugleich verzagt

konnte er – schon des Eides wegen –

nicht ändern, was er zugesagt.

Da gab’s nichts mehr zu überlegen.

So schickte er den Henker los

um diesen Wunsch ihr zu erfüllen,

wissend, er würde damit bloß

den Blutdurst seines Weibes stillen.

Und so geschah’s; an diesem Tag

war Prediger Johannes tot.

Sein Haupt in einer Schüssel lag

in einer Lache, blutig rot.

Der Henker trat nun damit ein

und übergab die Schale gleich

dem hübschen, jungen Mägdelein.

Es nahm sie an, zittrig und bleich.

Die Tochter brachte die Trophäe

zu ihrer Mutter nun geschwind,

welche schon stand in ihrer Nähe.

Sie dankte freudig ihrem Kind.

Die Tochter wird in den Berichten

der Bibel „Tochter“ nur genannt.

Erst später wird sie in Geschichten

als „Salome“ richtig bekannt.

Ein Flavius Josephus war

Historiker, der forschte eben

– erst nach der Schrift Entstehung zwar –

und hat den Namen ihr gegeben.

Als seine Jünger dann gehört,

was mit Johannes dort geschehen,

mussten sie traurig und verstört

schnell seinen Leichnam retten gehen.

Sie holten ihn im Kerker ab

und trugen ihn quer übers Land

und legten ihn so in ein Grab.

Niemand bisher die Stelle fand.

Manche gingen zu Jesus über

und gaben ihm darob Bericht.

Ich denk, er wusst' schon was darüber!

Allein – man weiß es eben nicht.

1 Markus 6,21–29 / ​Matthäus 14, 6–12

* * *