Geschichte Portugals - Walther L. Bernecker - ebook

Geschichte Portugals ebook

Walther L. Bernecker

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Opis

Das Interesse an Geschichte und Kultur Portugals hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Bisher fehlte jedoch eine aktuelle Überblicksdarstellung, die auf der Grundlage der neuesten Forschungen die Geschichte des Landes von den Anfängen bis zur Gegenwart wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig gut lesbar behandelt. Die vorliegende Geschichte Portugals füllt diese Lücke. Sie zeigt zuerst die wichtigsten Grundzüge der Entwicklung des portugiesischen Königreichs im Mittelalter bis zur Entdeckung Brasiliens im Jahr 1500 auf. Sodann stellen die Autoren die "große" Zeit Portugals im Zusammenhang mit der Kolonialexpansion dar. Anschaulich gehen sie auf die innen- und außenpolitischen Probleme des Landes in der Frühen Neuzeit ein. Der letzte Teil des Buches hat die Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert zum Gegenstand: die konstitutionelle Monarchie, die Republik, die lange Diktatur des Salazarismus, schließlich die "Nelkenrevolution" und die Rückkehr des Landes in den Schoß der europäischen Demokratien. Der Band schließt mit der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise des Landes zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

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Das Interesse an Geschichte und Kultur Portugals hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Bisher fehlte jedoch eine aktuelle Überblicksdarstellung, die auf der Grundlage der neuesten Forschungen die Geschichte des Landes von den Anfängen bis zur Gegenwart wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig gut lesbar behandelt.Die vorliegende Geschichte Portugals füllt diese Lücke. Sie zeigt zuerst die wichtigsten Grundzüge der Entwicklung des portugiesischen Königreichs im Mittelalter bis zur Entdeckung Brasiliens im Jahr 1500 auf. Sodann stellen die Autoren die 'große' Zeit Portugals im Zusammenhang mit der Kolonialexpansion dar. Anschaulich gehen sie auf die innen- und außenpolitischen Probleme des Landes in der Frühen Neuzeit ein. Der letzte Teil des Buches hat die Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert zum Gegenstand: die konstitutionelle Monarchie, die Republik, die lange Diktatur des Salazarismus, schließlich die 'Nelkenrevolution' und die Rückkehr des Landes in den Schoß der europäischen Demokratien. Der Band schließt mit der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise des Landes zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Professor Dr. Walther L. Bernecker lehrt Auslandswissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg;

Walther L. Bernecker/Klaus Herbers

Geschichte Portugals

Verlag W. Kohlhammer

Eine ausführliche Zeittafel zur Geschichte Portugals ist eingestellt unter: http://www.kohlhammer.de/wms/instances/KOB/appDE/Geschichte/ Laendergeschichte/Geschichte-Portugals/ unter Zusatzmaterial.

Alle Rechte vorbehalten © 2013 W. Kohlhammer GmbH Umschlagbild: Königliches Schloss und Platz, Lissabon, 18. Jahrhundert (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:PacoRibeira - 18th Century.jpg. Public domaine) Karten und Genealogien: Peter Palm, Berlin Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany

Print: 978-3-17-020662-5

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil 1 Von der Antike bis ins ausgehende Mittelalter

I Antike Prägungen, westgotischsuebische Reiche und christlichmuslimische Konkurrenz im frühmittelalterlichen Portugal

1 Anfänge und römische Prägungen

2 Gentile Herrschaftsbildungen der Sueben und Westgoten (bis 711)

3 Unter muslimischer Dominanz – bis zum Ende des Kalifats (1031/35)

4 Im Zeichen der Reconquista? Portugal als Teil der christlichen Reiche im Norden (8.–11. Jahrhundert)

5 Die Eroberung von Coimbra 1064 und die Folgen für das entstehende Portugal

6 Portugal avant la lettre?

II Ein Königreich aus dem Nichts? Begründung und Stabilisierung der portugiesischen Herrschaft im 12. Jahrhundert

1 Die politische Ausgangssituation

2 Kirchenpolitische Konstellationen

3 Teresa von Portugal – auf dem Weg zum Königtum?

4 Braga und Compostela – Konkurrenz und Konflikt

5 Der Einschnitt von 1128 und der Vertrag von Tuy 1137

6 Der Sieg von 1139 und das portugiesische Königtum

7 Das Papsttum und die Formierung einer portugiesischen Landeskirche im 12. Jahrhundert

8 Die portugiesische Reconquista

9 Kreuzzugskonzeptionen – Die Eroberung Lissabons 1147

10 Die Ritterorden

11 Die Wende des 12. Jahrhunderts

III Konsolidierung und Krisen – Portugal vom Ende des 12. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts

1 Politische Entwicklung

Die Zeit Sanchos I. und Alfons’ II. (1185 – 1223)

Sancho II. (1223 – 1245/47), ein »unnützer König«?

Die Zeit Alfons’ III. und Dinis’ I. (1246/47 – 1325)

Von Alfons IV. (1325 – 1357) bis Ferdinand I. (1367 – 1383)

Die Nachfolgekrise 1383 – 1385

2 Wirtschaftlich-soziale Strukturen

3 Kirchen- und kulturgeschichtliche Entwicklung

IV Die »zweite Staatswerdung« – Höhepunkt der portugiesischen Geschichte im Zeitalter der Europäischen Expansion?

1 Von König Johann I. (1385 – 1433) bis Johann II. (1481 – 1495)

2 Wissenschaft und Technik im Dienste der Seefahrt?

3 Das Ringen um die Atlantischen Inseln

Etappen von 1341 bis zum Ende des 15. Jahrhunderts

Fahrten in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts

Streitigkeiten in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts

Begründungen, Legitimationen, Interessen

4 Heinrich der Seefahrer († 1460) und die portugiesischen Entdeckungsfahrten

Der Auftakt: Die Eroberung von Ceuta (1415)

Die erste Phase der portugiesischen Südfahrten unter Einfluss Heinrich des Seefahrers

Motive für die portugiesische Expansion

Der Seeweg nach Indien – Afrika – Äthiopien – Brasilien. Legitimationen, Wünsche und Realitäten

Die Zäsur der Jahre 1448 – 1460

5 Westafrikafahrten nach der Zeit Heinrich des Seefahrers: Die Zeit von ca. 1460 bis 1481

Erste Handelskontakte in Afrika

Die Entdeckungsfahrten in der Zeit Johanns II. (1481- 1495)

Diogo Cão

Bartolomeu Dias

Auf einem dritten Weg nach Indien? Die Reise Pero de Covilhãs

6 Die Abgrenzung der Einflussbereiche Portugals und Spaniens: Der Vertrag von Tordesillas 1494 und der Weg nach Indien

Die Erschließung des Seeweges nach Indien- Die Fahrten Vasco da Gamas

Die Reise Pedro Álvares Cabrals nach Indien (1500)

7 Ausblick: Portugal am Ende des Mittelalters

8 Rückblick auf das portugiesische Mittelalter

Teil 2 Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

I Das Zeitalter der Expansion (16. Jahrhundert)

1 Afrika: Anfänge des Kolonialimperiums

2 Der Estado da India

3 Die China- und die Japanmission

4 Brasilien im Kolonialimperium Portugals

II Zwischen Mittelalter und Neuzeit: Wirtschaft, Politik und Kultur

1 Binnenwirkungen des Kolonialhandels

2 Wirtschaft, Gesellschaft, Verwaltung

3 Renaissance und Humanismus: Kultur, Reformen, Bürokratie, Zentralismus

III Die Iberische Union (1580 – 1640)

1 Das Ende des Hauses Avis

2 Die Errichtung der Doppelmonarchie

3 Die Günstlingsherrschaften

4 Der Kampf um nationale Unabhängigkeit

IV Absolutismus und Merkantilismus (17. und 18. Jahrhundert)

1 Restauration und beginnender Niedergang

2 Der portugiesisch-englische Handel: Grund für die Dekadenz?

3 Das Reformwerk Pombals: Stärkung des Staates

V Vom Ancien Régime zum liberalen Konstitutionalismus (1777 – 1850)

1 Kriegswirren und Fremdbesatzung

2 »Vereinigtes Königreich« und Unabhängigkeit Brasiliens

3 Der Kampf zwischen Absolutismus und Liberalismus

4 Bürgerlicher Parlamentarismus und Strukturreformen

VI Oligarchenherrschaft zwischen Wirtschaftsaufschwung und Systemkrise (1850 – 1910)

1 Die »Erneuerung«

2 Kolonialpolitik in Afrika

3 Krise und Sturz der Monarchie

VII Republik – Diktatur – »Neuer Staat« (1910 – 1974)

1 Die Erste Republik (1910 – 1926)

2 Eine instabile Übergangsdiktatur (1926 – 1933)

3 Salazarismus und Estado Novo (1933 – 1974)

4 Das Überseeproblem im 20. Jahrhundert

VIII Demokratisierung und Europäisierung (1974 – 2000)

1 Die »Nelkenrevolution«

2 Sozialismus oder Marktwirtschaft?

3 Der Beitritt zur EG: Voraussetzungen und Folgen

IX Herausforderungen im 21. Jahrhundert

1 Von der Entkolonialisierung zur Gemeinschaft portugiesischsprachiger Staaten

2 Ein ambivalenter Aufbruch in die Moderne

3 Vom Aufschwung in die Schuldenkrise

Bibliographie

Quellen

Literatur

Teil 1: Von der Antike bis ins ausgehende Mittelalter

Teil 2: Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

Genealogien

Personenverzeichnis

Vorwort

Darf man heute noch, in Zeiten der Globalisierung, eine Nationalgeschichte schreiben? Eine erste positive Antwort auf diese Frage könnte lauten, dass die Kenntnis anderer Nationalgeschichten hilft, die in Deutschland immer noch bestehende Fixierung auf die »eigene« Geschichte zu durchbrechen und zu ergänzen. Denn erst mit der Kenntnis verschiedener Nationalgeschichten werden die Voraussetzungen geschaffen, um überhaupt europäische Geschichte schreiben zu können. Jedoch stoßen wir im Falle Portugals – wie bei anderen Nationalgeschichten auch – unweigerlich auf ein Problem: Seit wann gibt es das portugiesische Volk oder die portugiesische Nation überhaupt? Die jüngere Forschung ist bei dieser Frage sehr zurückhaltend, geht von langsamen, keinesfalls gleichmäßig verlaufenden Prozessen aus. Erschwert wird eine Antwort weiterhin dadurch, dass in Portugal erst im 12. Jahrhundert – im Vergleich zu anderen europäischen und selbst iberischen Nachbarn somit ausgesprochen spät – ein eigenständiges Königtum entstand. Dabei hat die römische Bezeichnung Lusitania zwar zahlreiche Wortbildungen beeinflusst, die mit Portugal verknüpft sind, allerdings nicht den Namen des Landes.

Während in manchen Fällen die alten Namen des Römischen Reiches auf Länder übergingen und teilweise bis heute Bestand haben – man denke an Italia oder Hispania, bedingt auch Belgica – entwickelte sich etwa der Name Deutschland aus der Bezeichnung für die Sprache – theodisk –, die Bezeichnung Frankreich wiederum mit Blick auf die gens der Franken. Wie stand es im Falle Portugals? Hier war es eine Stadt beziehungsweise ein Hafen, der für den Namen des Landes entscheidend wurde: Porto (Portucalis). An der atlantiknahen Mündung zweier Flüsse in den Douro/Duero und am Kreuzungspunkt der Straße von Tuy nach Lissabon lag calis, cale (Pfad, Steig), das bald mit der Bezeichnung für Hafen/Flussmündung (portus) verbunden wurde (Portucale). Mit der Bezeichnung Portucale seit dem frühen Mittelalter war sowohl das umliegende Territorium dieses Schnittpunktes gemeint, aus dem das Königreich Portugal hervorging, als auch die Stadt Porto. Dass sich dieser Name, der aus einer Grenzstadt im Norden des heutigen Landes abgeleitet wurde, und nicht Lusitania für das spätere Königreich durchgesetzt hat, ist nicht ohne Bedeutung. Es könnte darauf verweisen, dass die Reconquista bei der Namensbildung prägend wurde, denn ab dem 8. und 9. Jahrhundert wurde das seit 711 von den Muslimen unterworfene Territorium von Norden her, wo auch Porto lag, zurückerobert.

Aber wann begreift sich ein Volk als solches, oder wann verstehen sich große Teile eines Volkes als Einheit? Für viele europäische Länder und die in Folge der »Völkerwanderung« entstandenen Reiche war das Konzept der »Ethnogenese« hilfreich. Demnach kam es nur unter bestimmten Bedingungen und in gewissen Fällen zur Ausbildung von so genannten Traditionskernen. Darunter verstand man Personengruppen, die zum Beispiel durch die Vorstellung einer gemeinsamen Herkunft eine eigene, spezifische Identität entwickelten, aber ständigem Wechsel unterworfen waren. Sind solche Überlegungen jedoch auf den portugiesischen Raum übertragbar, wo zwar die Sueben, später die Westgoten lange Zeit herrschten, aber gleichzeitig wichtige hispano-romanische Traditionen fortbestanden und die muslimischen Eroberungen außerdem gentile Strukturen teilweise zerstörten?

Aus diesen Voraussetzungen ergibt sich, dass eine Geschichte Portugals immer in die allgemeine iberische Geschichte eingebettet sein muss. Dies haben beide Autoren des vorliegenden Bandes in ihren jeweiligen Abschnitten je nach Epoche und sachlicher Notwendigkeit berücksichtigt. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass in Deutschland eine moderne Gesamtdarstellung der portugiesischen Geschichte bisher fehlt (lediglich eine zweibändige Geschichte von Lautenbach 1932–1937 und die Übersetzung einer 1995 in Portugal vorgelegten Zusammenfassung von Oliveira Marques von 2001 liegen vor), während in anderen Ländern einige größere Darstellungen auf dem Markt sind. Man denke etwa nur an die englischsprachige Geschichte Portugals von Livermore oder an die jüngere zweibändige von Disney; auch in Frankreich gibt es von Jean-François Labourdette eine relativ neue Gesamtdarstellung. In Portugal selbst ist eine Reihe großer, teilweise monumentaler Überblickswerke entstanden. Die siebenbändige sogenannte Barcelos Geschichte (»História de Portugal«) ist unter der Leitung von Damião Peres in den Jahren 1928 – 1935 erschienen. Sie bleibt nach wie vor ein Referenzwerk für viele Details, besonders der politischen Geschichte. Nach 1970 sind allein vier große Geschichten Portugals publiziert worden, zunächst von Joaquim Veríssimo Serrão die »História de Portugal« (Lissabon 1977–2001). In den 14 Bänden wird ein eher konservativer politikgeschichtlicher Akzent gesetzt. Die achtbändige »História de Portugal«, die von dem Mediävisten José Mattoso 1992 bis 1994 herausgegeben wurde, räumt der mittelalterlichen Entwicklung zwar großen Raum ein, bleibt aber auf Grund der Vielzahl der Autoren sehr unterschiedlich im Zugriff. Die von João Medina betreute »História de Portugal dos tempos pré-históricos aos nossos dias«, 1995 erschienen, stammt ebenfalls aus der Feder verschiedener Beiträger und liegt in 15 Bänden vor. Die vierte und wichtigste Geschichte ist sicherlich die »Nova História de Portugal«, die Joel Serrão und A. H. de Oliveira Marques vorgelegt haben und deren Publikation 1986 begann. Bisher sind dreizehn Bände erschienen. Die Tendenz dieses groß angelegten Werkes hebt sich insofern von den zuvor genannten umfangreichen Handbüchern ab, als die Strukturen wesentlich stärker als die politische oder die Ereignisgeschichte in den Fokus gerückt werden.

Wer umfassend und detailliert informiert werden möchte, muss zu diesen großen Werken oder zu der im Literaturverzeichnis aufgeführten Spezialliteratur greifen. Das Anliegen unserer Darstellung ist hingegen ein konziser, verschiedene historische Bereiche und Methoden berücksichtigender Überblick. Dabei wird in einem ersten Kapitel auch der Geschichte Portugals vor der Entstehung des Reiches Raum gewährt, waren doch schon vor den ersten Königen immer wieder Tendenzen eines gewissen Eigenbewusstseins im westiberischen Raum festzustellen, die sich im 11. Jahrhundert deutlich verstärkten. Im zweiten Kapitel wird die Entstehung eines eigenständigen Königtums aus verschiedenen Facetten beleuchtet. Grundsätzlich geht es darum, in wie weit die politische und kirchenpolitische Entwicklung ineinandergriffen. Die Reconquista hat hier ihren Platz, denn sie hat sicherlich die Entstehung und Konsolidierung des Königtums begleitet und gefestigt. Das dritte Kapitel zeichnet vor allen Dingen die politische Entwicklung der ersten (burgundischen) Dynastie Portugals bis zum Bruch in der Krise 1383–1385 nach, an deren Ende der Beginn des Hauses Avis stand. Die grundlegenden Entwicklungen von Wirtschaft und Gesellschaft sowie von Kirche und Kultur werden in eigenen Unterkapiteln herausgearbeitet. Der vierte Abschnitt des mittelalterlichen Teils thematisiert die Zeit, die auch in den meisten portugiesischen Darstellungen besonders ausführlich gewürdigt wird: das 15. Jahrhundert als Epoche der beginnenden Europäischen Expansion. Dabei werden wissenschaftliche Entwicklungen, Eroberungs- und Kolonisationszüge auf die atlantischen Inseln und nach Nordafrika sowie die Afrikafahrten und die beteiligten Akteure eingehend vorgestellt.

Die Darstellung des 15. Jahrhunderts als Epoche der beginnenden Europäischen Expansion bietet den Ausgangspunkt, um im folgenden Kapitel in die neuzeitliche Geschichte Portugals einzutreten. Dabei geht es vor allem um die Anfänge des Kolonialimperiums in Afrika, sodann um den Estado da India, anschließend um die China- und die Japanmission der Portugiesen und schließlich um die Stellung Brasiliens im Kolonialimperium Portugals. Das Kapitel »Zwischen Mittelalter und Neuzeit: Wirtschaft, Politik und Kultur« beschäftigt sich mit den ökonomischen Binnenwirkungen des Kolonialhandels, beschreibt die politischen Zentralisierungstendenzen des Frühabsolutismus und widmet sich kulturellen Erscheinungen wie Renaissance, Humanismus und bildender Kunst als Spiegelung von Ruhm und Reichtum der überseeischen Ausbreitung.

Zwischen 1580 und 1640 waren Spanien und Portugal für die Dauer von 60 Jahren in Personalunion vereint. Im Kapitel über diese Iberische Union wird die Konstellation geschildert, die zum Ende des Königshauses Avis und zur Übernahme des portugiesischen Throns durch Philipp II. von Spanien führte. Unter den Günstlingsherrschern der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es bald zu einer Entfremdung zwischen Spanien und Portugal; 1640 erfolgte, als Reaktion auf die Zentralisierungsbestrebungen durch »Ministerpräsident« Olivares, die Wiederabspaltung Portugals von Spanien. Der Herzog von Bragança übernahm den portugiesischen Thron. Die endgültige Anerkennung der Unabhängigkeit Portugals von Spanien fand erst 1668, nach jahrelangen erbitterten Kämpfen zwischen beiden Ländern statt.

Das Kapitel über »Absolutismus und Merkantilismus« skizziert die wirtschaftliche und die politische Entwicklung während der zweiten Hälfte des 17. und während des ganzen 18. Jahrhunderts. Insbesondere geht es um die Gründe für die »Dekadenz« Portugals in jener Phase und um die Rolle, die England als privilegierter Handelspartner bei diesem Niedergang gespielt hat. Im Einzelnen wird dabei der Methuen-Vertrag von 1703 untersucht. Der letzte Absatz des Kapitels widmet sich der Politik des überragenden Staatsmanns Portugals im 18. Jahrhundert, des Marquis Pombal, der sich vor allem beim Wiederaufbau Lissabons nach dem verheerenden Erdbeben von 1755 und danach beim Aufbau eines »starken« Staates bewährte.

Der »Übergang vom Ancien Régime zum liberalen Konstitutionalismus« gestaltete sich im portugiesischen Fall besonders langwierig und problematisch. Er umfasste die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, in denen das Land turbulenten Phasen der Fremdbesatzung und Kämpfe ausgesetzt war, und reichte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit wechselten sich wiederholt liberale Grundordnungen und absolutistische Herrschaftsformen ab. Jahrelange, blutige Bürgerkriege charakterisierten jene Jahrzehnte ebenso wie erhebliche Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche. Erst allmählich setzte sich der gemäßigte Liberalismus bis zum Ende des Jahrhunderts durch.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts lässt sich als Herrschaft der Oligarchen kennzeichnen. Zwei monarchische Parteien lösten sich bei Manipulation der Wahlen in der Regierungsausübung ab. Erst als Folge einer tiefgehenden kolonialen Krise gegen Ende des Jahrhunderts (1890) geriet auch das politische System in die Krise. Die systemkritischen Republikaner konnten nicht länger aus der politischen Arena ferngehalten werden, erhielten vielmehr von allen Seiten weiteren Zulauf, da man der Monarchie die Lösung der anstehenden Probleme nicht mehr zutraute. Im Oktober 1910 wurde schließlich die Monarchie gestürzt.

Das folgende Kapitel umfasst den größten Teil des 20. Jahrhunderts: die Erste Republik (1910 – 1926), die instabile Übergangsdiktatur der Jahre 1926 – 1933 und die lange Phase des diktatorischen Estado Novo (1933–1974), der maßgeblich von António de Oliveira Salazar geprägt wurde und nach dem das ganze Regime auch Salazarismus genannt wird. Zu den in der Historiographie umstrittenen und in diesem Abschnitt ausführlich diskutierten Fragen gehören die Gründe für die wirtschaftliche Rückständigkeit Portugals, für die extrem lange Dauer des Salazar-Regimes sowie die Rolle der afrikanischen Kolonien und des Kolonialkrieges für den schließlichen Zusammenbruch der Diktatur.

Das Kapitel »Demokratisierung und Europäisierung« widmet sich ausführlich der Vorgeschichte, dem Verlauf und dem Charakter der Nelkenrevolution von 1974, diskutiert im Einzelnen die zwischen Sozialismus und Marktwirtschaft schwankenden Optionen der Wirtschaftspolitik in der revolutionären Phase und skizziert sodann die ökonomische und politische Bedeutung des Beitritts Portugals zu den Europäischen Gemeinschaften im Jahr 1986.

Das abschließende Kapitel beschäftigt sich mit den letzten Jahrzehnten der Geschichte Portugals. Das Fazit muss notgedrungen ambivalent ausfallen: Das gilt für die nur sehr bedingt positiv verlaufene Entkolonisierung ebenso wie für die ökonomische Entwicklung, die im Zuge der EG/EU-Mitgliedschaft zwar viele positive Aspekte aufweist, die in den letzten Jahren aber voll in die Turbulenzen der internationalen Finanz- und Schuldenkrise geraten ist, aus der herauszukommen das Land gewaltige Anstrengungen kosten wird.

Mehrere Personen haben bei der Abfassung geholfen: Frau Dr. Wiebke Deimann, Herr Dr. Stefan Schröder und Dr. des. Andreas Holndonner lasen die Kapitel zum Mittelalter, Frau Christine Avram, Frau Luise Laufer und Frau Nadine Ballenberger halfen bei der formalen Gestaltung.

Ihnen allen, sowie Frau Monica Wejwar vom Kohlhammer Verlag, die das Buch routiniert in verschiedenen Entstehungsphasen betreute und begleitete, gilt unser Dank.

Karte 1: Portugal

Teil 1Von der Antike bis ins ausgehende Mittelalter

Von Klaus Herbers

IAntike Prägungen, westgotischsuebische Reiche und christlichmuslimische Konkurrenz im frühmittelalterlichen Portugal

Die Geschichte eines Landes ist immer durch die geographischen Voraussetzungen mitbestimmt. Portugal besteht zu einem großen Teil aus bergigen Gebieten. Nur am Meer findet sich ausgedehntes Flachland. Das Hinterland von Lissabon ist ebenso durch breite Flusstäler wie durch fruchtbare Ebenen gekennzeichnet. Flüsse wie der Minho, Douro/Duero, Tejo (und Guadiana) durchziehen Portugal von Ost nach West und strukturieren damit neben Bergland und Ebene den geographischen Raum. Insbesondere Douro/Duero und Tejo trennen das Land in drei größere Teile. Die über lange Zeit wichtigen Orte liegen fast ausschließlich in Küstennähe und in den großen Flusstälern. Daraus wird klar, dass einige Völker der Antike – Phönizier, Griechen, Römer – wohl vor allem den Seeweg benutzten, um von der Küste aus Handel zu treiben oder Kolonisationsvorhaben zu beginnen.

1 Anfänge und römische Prägungen

Schon vor etwa 1,2 Millionen Jahren gab es die ersten Menschen auf der Iberischen Halbinsel. Die Gruppe des Pithecanthropus stammt wohl aus der Äquatorgegend und kam von dort nach Spanien. Abgesehen vom kantabrisch-asturischen Norden, dem Zentrum der Iberischen Halbinsel, der Gegend von Cádiz sowie der Levante sind auch im nordportugiesischen Raum einschlägige archäologische Funde nachgewiesen. In der neolithischen Epoche (ca. 5000–3000 vor Chr.) bestanden Kontakte mit dem Nahen Osten, denn dort war es zu großen handwerklichen und materiellen Neuerungen gekommen – vor allem im Bereich des Ackerbaus und der Metallverarbeitung. Auch die großen Religionen erreichten teilweise den Westen. Neben Kontakten mit den Phöniziern, die von Gadir (Cádiz) bis in das heutige Portugal ausgestrahlt haben könnten, beeinflussten weitere Völker die Entwicklung auf der Iberischen Halbinsel: Von den Karthagern, Griechen, Iberern, Basken und Kelten waren im portugiesischen Raum nur Iberer und Kelten von größerer Bedeutung.

Die Iberer gaben der gesamten Halbinsel sogar ihren Namen. Sie sollen mit den Berbern verwandt gewesen und aus Afrika gekommen sein, weshalb ihr Einfluss im Süden stärker ausfiel. Wann dies geschah, ist umstritten. Die frühesten sprachlichen Zeugnisse (Inschriften) stammen aus der Anfangszeit römischer Besatzung. Schriftliche Quellen des vorchristlichen Jahrtausends erwähnen weitere Völker auf der Iberischen Halbinsel, jedoch meist nicht das indo-europäische Volk der Kelten, das fast ausschließlich archäologisch nachweisbar ist. Die Kelten überquerten wohl um 800 bis 600 vor Christus die Pyrenäen und siedelten eher im Norden und Westen der Halbinsel.

Griechen, Karthager und Basken spielten für Portugal keine größere Rolle, dafür jedoch die Römer. Sie prägten die von ihnen Hispania genannte Provinz entscheidend. Es dauerte allerdings lange, bis sich der römische Einfluss ausbreiten konnte. Dieser ging seit dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert vom Mittelmeerraum, später auch vom Atlantik aus. Teilweise sind Widerstände erkennbar: Auf der Meseta stellten sich Lusitanier, später die Numantier, den Römern entgegen. Erst in der Zeit des Augustus (27 vor Chr. –14 nach Chr.) konnten der Norden und Westen wenigstens teilweise in die römische Herrschaft einbezogen werden. Ortsnamen wie Asturica Augusta (Astorga), Bracara Augusta (Braga), Emerita Augusta (Mérida) und Lucus Augusti (Lugo) verweisen auf diese Zeit.

Die Gründe für die römische Eroberung werden in jüngerer Zeit verstärkt im ökonomischen Bereich gesucht. Es war vor allem der Abbau von Bodenschätzen (Eisen, Kupfer, Zinn, Gold und Silber), den das römische Reich auf der Iberischen Halbinsel betrieb und an dem Portugal in Maßen teilhatte. Die in der Folge einsetzende Romanisierung verlief ungleichmäßig; die größeren Anfangserfolge lagen im Süden und Osten der Iberischen Halbinsel, besonders in den Städten. Eingeteilt war die gesamte Iberische Halbinsel unter römischer Herrschaft in eine (Osten, Norden und Zentrum) und eine (Süden und Westen). Die Verwaltungsreform Diokletians (284 – 305) blieb bis ins Mittelalter hinein bestimmend: Innerhalb der gallischen Präfektur bildete die eine Diözese mit fünf Provinzen: ; die und die betrafen im Wesentlichen das spätere Portugal. Die in römischer Zeit angelegten Straßen durchzogen auch später noch das Land.

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