Franz Kafka. Erzählungen und kurze Prosa. Königs Erläuterungen Spezial. - Kai Schröter - ebook

Franz Kafka. Erzählungen und kurze Prosa. Königs Erläuterungen Spezial. ebook

Kai Schröter

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Opis

Königs Erläuterungen Spezial: Franz Kafka. Erzählungen und kurze Prosa. Textanalyse und Interpretation mit ausführlichen Inhaltsangaben. Inhalt: Das Urteil In der Strafkolonie Vor dem Gesetz Auf der Galerie Der Kübelreiter Ein Landarzt Schakale und Araber Eine kaiserliche Botschaft Die Sorge des Hausvaters Kleine Fabel / Ein Kommentar [Gibs auf!] Ein Hungerkünstler Von den Gleichnissen [„Viele beklagten sich.“] Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse In einem Band bieten dir die Königs Erläuterung Spezial ALLES, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Infos zu Leben und Werk bis zu Stil und Sprache u. v. m. . findest du kurz und knapp aber auch ausführlich - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert - Das Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen gibt dir bessere Orientierung beim Suchen wichtiger Textstellen. - Klar strukturierte Schaubilder zeigen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick.

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KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN SPEZIAL

Textanalyse und Interpretation zu

Franz Kafka

ERZÄHLUNGEN UND KURZE PROSA

Kai Schröter

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat

Zitierte Ausgabe Franz Kafka: Die Erzählungen. Hrsg. v. Roger Hermes. Fischer Taschenbücher Bd. 90371 (Fischer Klassik). Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2011.

Über den Autor Kai Schröter, geb. 1974, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und an der Universität Osnabrück. Nach Tätigkeiten als Wiss. Hilfskraft unterrichtet er heute als Studienrat Deutsch, Geschichte und Werte und Normen an einem niedersächsischen Gymnasium, arbeitet an Schulbüchern mit und verfolgt gegenwärtig eine literaturdidaktische Dissertation an der Universität Osnabrück.

Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2014

ISBN 978-3-8044-4096-8

© 2014 by Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: Franz Kafka 1923 © ullstein bild – Imagno

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INHALT

1. FRANZ KAFKA: LEBEN UND ZEIT

1.1 Biografie

1.2 Zeit- und literaturgeschichtliche Hintergründe

Kafkas Prag

Kulturelle und literarische Einflüsse

Politische Umbrüche

2. INTERPRETATION: ERZÄHLUNGEN UND KURZE PROSA

2.1 Kafkas Erzählweise am Beispiel eines Frühwerkes: Das Urteil (1912)

Entstehung und Quellen

Inhaltsangabe

Aufbau

Analyse der Figuren und Handlungen

Analyse des Erzählers und seiner Erzählweise

Deutungsansatz: biografisch

2.2 In der Strafkolonie (1914)

Inhaltsangabe

Aufbau

Aspekte einer Analyse

Deutungsansätze: kultur- und moralphilosophisch

2.3 Vor dem Gesetz (1914)

Inhaltsangabe

Aufbau

Analyse und Deutungsansatz: psychologisch

2.4 Auf der Galerie (1916/17)

Inhaltsangabe

Aufbau

Analyse und Deutungsansatz: Probe einer Wirklichkeit

2.5 Der Kübelreiter (1917)

Inhaltsangabe

Aufbau

Analyse und Deutungsansatz: existenzialistisch

2.6 Ein Landarzt (1917)

Inhaltsangabe

Aufbau

Analyse und Deutungsansatz: psychoanalytisch

2.7 Schakale und Araber (1917)

Inhaltsangabe

Aufbau

Analyse und Deutungsansatz: religionskritisch

2.8 Eine kaiserliche Botschaft (1917)

Inhaltsangabe

Aufbau

Analyse und Deutungsansatz: Diagnose politischer Identität

2.9 Die Sorge des Hausvaters (1917)

Inhaltsangabe

Aufbau

Analyse und Deutungsansatz: väterliche Lieblosigkeit

2.10 Kleine Fabel (1920) und Ein Kommenta [Gib‘s auf!] (1922)

Inhaltsangaben

Aufbau

Analyse und Deutungsansatz: Ausweglosigkeit

2.11 Ein Hungerkünstler (1922)

Inhaltsangabe

Aufbau

Aspekte einer Analyse

Deutungsansätze: existenzialistisch, kulturkritisch

2.12 Von den Gleichnissen [„Viele beklagten sich ...“] (1922)

Inhaltsangabe

Aufbau

Analyse und Deutungsansatz: Sprachkritik

2.13 Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse (1924)

Inhaltsangabe

Aufbau

Aspekte einer Analyse

Deutungsansätze: kunsttheoretisch, historisch

3. CHARAKTERISTISCHE STRUKTUREN IN KAFKAS WERKEN

Subjektivität durch „einsinniges Erzählen“

Hang zum inhaltlich und sprachlich „Einfachen“

Typisierung von Figuren

Repertoire an Figuren und -beziehungen

Justizielle und moralische Themen und Motive

Groteskes und Phantastisches

4. WIRKUNGEN KAFKAS

LITERATUR

Primärliteratur

Sekundärliteratur

1.FRANZ KAFKA: LEBEN UND ZEIT

Franz Kafka (1883–1924) © ullstein bild – Imagno

1.1Biografie

JAHR

ORT

PERSONEN, EREIGNISSE, ZUSAMMENHÄNGE

Alter

Kindheit und familiäre Situation

unterschiedliche Herkunft der Eltern: Hermann Kafka (1852–1931), aufstrebender Kaufmann aus tschechisch-jüdischem Provinzproletariat; Julie Kafka, geb. Löwy (1856–1934), Tochter aus vermögendem, deutsch-jüdischem Bildungsbürgertum

gut laufendes Geschäft in der Prager Altstadt: Handel mit „Galanteriewaren“ (Modeaccessoires)

kleinbürgerliche Verhältnisse: Mietwohnung in Prager Altstadt, häufige Umzüge, zwei tschechische Dienstmäd­chen (Köchin, Erzieherin), Umgangssprache Tschechisch und Deutsch, bescheidener Wohlstand, ohne viel geistige Anregungen

1883

Prag[1]

3. Juli: Geburt Franz Kafkas (K.) als erstes Kind der Familie

1885–1892

Prag

Geburten mehrerer Geschwister: Georg (1885–86, stirbt an Masern), Heinrich (1887–88, stirbt an Meningitis), Gabriele, genannt Ellie (1889–1942, Tod im KZ), Valerie, gen. Valli (1890–1942, Tod im KZ), Ottilie, gen. Ottla (1892–1943, Tod im KZ)

2–9

1887–1889

Prag

Mehrere geschäftliche Bagatell-Anzeigen gegen den Vater, immer Freispruch

4–5

Schul- und Universitätszeit Unterrichtssprache ist Deutsch; K. ein überdurchschnittlich guter Schüler; als Gymnasiast zunehmendes Interesse an Literatur; Entschluss, Schriftsteller zu werden; erste, nicht erhaltene literarische Versuche

1889

Prag

Eintritt in die „Deutsche Volksschule“

6

1893

Prag

Eintritt in das humanistische „Altstädter Deutsche Gymnasium“

10

1896

Prag

Bar-Mizwa (jüdische Initiationsfeier)

13

1900

Triesch

Ferien bei seinem Lieblingsonkel, dem Landarzt Siegfried Löwy

17

Roztoky

Sommerferien mit den Eltern

1901

Prag

Abitur

18

Norderney und Helgoland

Urlaubsreise allein nach Norderney und Helgoland

Prag

Studienbeginn an der „Deutschen Karl-Ferdinands-Universität Prag“

Studienversuche in Chemie, Jura, Germanistik

1902

Prag

Wiederaufnahme Jurastudium; erste Begegnung mit Max Brod (1884–1968)

19

1903

Prag

Rechtshistorische Staatsprüfung (Note „Gut“)

20

Südböhmen

Sommerferien mit der Familie

Dresden

Aufenthalt in einem Naturheilsanatorium

Arbeit an einem verschollenen Roman Das Kind und die Stadt

1904

Prag

Beginn der Arbeit am Erzählprojekt Beschreibung eines Kampfes, Erzählungen, Skizzen, Prosagedichte

21

1905

Zuckmantel

Kuraufenthalt im Sanatorium Zuckmantel (Schlesien)

22

Prag

Erste Examensprüfungen, u. a. „judicielle Staatsprüfung“ (Note: „Genügend“); Beginn regelmäßiger Zusammenkünfte mit den Freunden Oskar Baum, Felix Weltsch und Max Brod

1906

Prag

Abschließende Examensprüfungen (Note: „Genügend“); Volontariat in einer Advokatur; Promotion zum Dr. jur.; Beginn des „Gerichtspraktischen Jahres“ beim Landgericht, Fortführung beim Strafgericht (bis 1907)

23

Erste Jahre der Berufstätigkeit Theaterbesuche, literarische Cafés

1907

Prag

Aushilfskraft in der Prager Filiale der italienischen Privatversicherung Assicurazioni Generali

24

1908

Prag

Betrachtung[2] (erste Veröffentlichung K.s); Eintritt als Hilfsbeamter in die AUVA[3], Beginn der engen Freundschaft mit Max Brod

25

Tetschen, Cernosic

Erste Dienstreisen

1909

Riva

Ferienreise mit Max und Otto Brod an den Gardasee

26

Tetschen

Zahlreiche Dienstreisen in nordböhmische Industriegebiete

Pilsen

Beginn der Tagebücher

1910

Prag

Beförderung zum Koncipisten (Projektleiter)

27

Paris

Urlaubsreise mit Max Brod nach Paris

Berlin

K. anschließend noch kurz in Berlin

1911

Nordböhmen

Dienstreisen in böhmische Industriegebiete

28

Schweiz, Italien, Paris

Urlaubsreise mit Max Brod über mehrere europäische Städte bis nach Paris, jeweils Kurzaufenthalte

Erlenbach bei Zürich

Kur in Schweizer Naturheilsanatorium

Prag

Bekanntschaft mit einer ostjüdischen Theatergruppe, Freundschaft mit dem Schauspieler Jizchak Löwy, Streit darüber mit dem Vater, Besuch jüdischer Kleinkunstaufführungen, Lektüren zum Judentum; vom Vater bestimmte Teilhabe an der Gründung eines „Prager Asbestwerkes“ mit väterlicher Geldeinlage

1912

Prag

Erste Fassung des Romans Der Verschollene

29

Weimar

Ferienreise mit Max Brod nach Weimar

Harz

Kur im Naturheilsanatorium Jungborn

Prag

Zusammenstellung des ersten Bandes Betrachtung; Bekanntschaft und Beginn der Korrespondenz mit Felice Bauer (1887–1960); äußert Max Brod gegenüber Selbstmordgedanken; Großer Lärm, Kinder auf der Landstraße, Betrachtung (Sammelband), Entstehung von Das Urteil und Die Verwandlung

1913

Prag

Beförderung zum Vice-Sekretär mit 30 unterstellten Referenten; verschiedene Treffen mit Felice Bauer, Heiratsantrag an sie

30

Wien

Dienstreisen mit Vorgesetztem nach Wien, dort auch Besuch des XI. Internationalen Zionistenkongresses

Gardasee, Riva

Kur in einem Sanatorium in Riva; Erscheinen von Das Urteil und Der Heizer

1914

Prag

1. Juni: offizielle Verlobung mit Felice Bauer

31

Berlin

Aussprache mit ihr im Berliner Hotel „Askanischer Hof“ und Lösung der Verlobung am 12. Juli

Ostsee

Ferien in Lübeck (28. Juli: Kriegserklärung ÖU an Serbien, Mobilmachung in ÖU)

Prag

Unfreiwilliger Auszug aus der elterlichen Wohnung; intensive Schaffensphase: Arbeit an Der Process, Entstehung von In der Strafkolonie

1915

Aufenthalte in der Asbestfabrik

32

Ungarn

Erstes Wiedersehen mit Felice Bauer, Reise nach Ungarn

Prag

Enthebung vom Militärdienst auf Antrag der AUVA

Frankenstein

Kuraufenthalt im Sanatorium Frankenstein (Nordböhmen)

Prag

Die Verwandlung erscheint. Der Träger des Fontane-Preises für den „besten Erzähler 1915“, Carl Sternheim, gibt sein Preisgeld an K. weiter.

1916

Prag

Erhöhung der Dienstzeiten in der AUVA

33

Marienbad

Ferien in Marienbad mit Felice Bauer, inoffizielle Verlobung

München

Öffentliche Autorenlesung in München, K. liest aus der Strafkolonie, drei Zuhörer werden ohnmächtig.

1916–1917

Prag

November bis April: intensive Schaffens­phase K.s, er zieht sich abends in ein kleines Haus der Prager Altstadt (Goldmachergässchen) zurück; Kälteeinbruch, Kohlenmangel in Prag (Dez. 1916); Entstehung zahlreicher Prosastücke, u. a. von Der Landarzt, Der Kübelreiter, Schakale und Araber, Der neue Advokat, Eine kaiserliche Botschaft, Ein Bericht für eine Akademie, Die Sorge des Hausvaters.

33

Jahre der Krankheit

Ausbruch der Tuberkulose: Verheimlichung vor Eltern (erfahren es erst Ende 1917), Abmagerung

Rückkehr nach Hause

Bemühen um Pensionierung

Ablehnung der zweiten Braut Julie Wohryzek durch den Vater

1917

Prag

Zweite offizielle Verlobung mit Felice Bauer; zwei Lungenblutstürze, Diagnose der Lungentuberkulose; Wiedereinzug bei den Eltern; Ablehnung von K.s Pensionierungsgesuch durch die AUVA; Entlobung und endgültige Trennung von Felice

34

Zürau (Westböhmen)

Erholungsurlaub für acht Monate bei seiner Schwester Ottla auf deren westböhmischem Landgut (bis April 1918)

1918

Prag

Löschung der „Prager Asbestwerke“, Hebräischstudien, (Friedensschlüsse, Ausrufung der Tschechoslowakischen Republik), versch. Erkrankungen

35

Schelesen

Erholungsreise nach Nordböhmen

1919

Schelesen

K. lernt Julie Wohryzek kennen, verlobt sich mit ihr.

36

Prag

In der Strafkolonie erscheint, Entstehung von Brief an den Vater

1920

Meran

Kuraufenthalt in Meran

37

Prag/Wien

Beginn des Briefwechsels und der Liebesbeziehung mit Milena Jesenská

Prag

Schlaflosigkeit; Entlobung von Julie Wohryzek; Tumulte tschechischer Nationalisten gegen deutsch-jüdische Bürger in Prag; Beförderung zum Anstaltssekretär (Abteilungsleiter)

1921

Matliary (Karpaten)

Achtmonatiger Kur-Aufenthalt in Matliary

38

Prag

Freundschaft mit Robert Klopstock

1922

Spindelmühle (Riesengebirge)

Kur-Aufenthalt in Spindelmühle; Entstehung des Romans Das Schloss und kleiner Prosastücke wie Ein Hungerkünstler

39

Prag

Beförderung zum Obersekretär, Fieberanfälle, vorzeitige Pensionierung

Planá (Südböhmen)

Reise zu Schwester Ottla nach Planá; Testamentsverfügung, die meisten seiner Werke zu verbrennen

1923

Prag

Letzte Begegnung mit Milena Jesenská

40

Ostsee

Kur-Aufenthalt im Ostseebad Müritz; Freundschaft mit Dora Diamant (1898–1952) und gemeinsame Übersiedlung nach

Berlin

Berlin, Talmud-Studien, Fieberanfälle, Geldnot, Lebensmittelknappheit, Unterstützung durch Eltern; Entstehung von Eine kleine Frau, Der Bau

1924

Prag

Rückkehr nach Prag, Entstehung von Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse

Diagnose Kehlkopftuberkulose, Stimmverlust

Kierling bei Wien

Kur-Aufenthalt in Kierling mit Robert Klopstock und Dora Diamant, Zunahme von Schmerzen; Doras Vater verweigert Zustimmung zu einer Eheschließung; Tod K.s am 3. Juni (ein Monat vor 41. Geb.), Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof Prag-Straschnitz.

1.2Zeit- und literaturgeschichtliche Hintergründe

Kafkas Prag

Prag war zur Zeit Kafkas eine von ca. 450 000 Tschechen, Deutschen und Juden bewohnte europäische Metropole und bis 1918 neben Wien ein Verwaltungszentrum des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn (danach Hauptstadt der Ersten Tschechoslowakischen Republik). Mittelalterliche Traditionen, moderne Einflüsse und vielfältige Kulturen der westlichen wie östlichen Hemisphäre prägten die Stadt, darüber hinaus war sie ein bedeutendes Handels- und Industriezentrum.

Kennzeichnend für das Prag Kafkas sind gesellschaftliche Spannungen verschiedener Ausprägung. Ein Grund dafür waren die in Prag zu unterschwelligem Bürgerkrieg führenden Konflikte zwischen der tschechischen Nationalbewegung und der privilegierten bürgerlich-liberalen deutschen Oberschicht: Diese war eingewandert und seit der Frühen Neuzeit beherrschend geworden, machte nur ca. fünf Prozent der Bevölkerung Prags aus, besetzte aber fast alle politischen und wirtschaftlichen Schlüsselstellen der Stadt sowie die freien Berufe und hatte sich standesmäßig abgeriegelt. Dagegen stand das wachsende nationale Selbstbewusstsein der tschechischen Bevölkerung (ca. 90 Prozent), vorwiegend Angehörige der Unterschicht, Arbeiter und Kleinbürger. Das Autonomiebestreben der Tschechen zeigte sich z. B. in der sprachlichen Tschechisierung des öffentlichen Raumes in Form von Straßenschildern, Tafeln usw. Auch institutionell erstarkte allmählich die tschechische Kultur neben der österreichisch-deutschen, was z. B. zur Abspaltung einer tschechischen Hochschule von der deutschen Universität führte. Überdies fanden vor dem Ersten Weltkrieg zahlreiche Straßentumulte und Prügeleien zwischen Tschechen und Deutschen statt, schon unter Schülern. Aber auch Juden gerieten in diese Auseinandersetzungen, da für die Tschechen Juden zum deutschen Kulturkreis gehörten. Diese prekäre Lage der Juden in Prag, die ebenfalls fünf Prozent der Bevölkerung ausmachten und zum Großteil wirtschaftlich besser gestellt waren, bestand zwischen dem Versuch einer befreienden Anpassung an die christlich-deutsche Kultur (Assimilation) und Ablehnung und Verfolgung durch Tschechen (und nicht-jüdischen Deutschen).

Kafka selbst erlebte Ausschreitungen des tschechischen Judenhasses z. B. 1897 („Prager Dezembersturm“) und 1920 in Straßendemonstrationen. Seine eigene Familie zählte mütterlicherseits zu den assimilierten Juden, der Vater entstammte jüdischem Provinzproletariat. Assimilierte Juden pflegten die religiösen Riten wenn überhaupt, so nur noch oberflächlich, fühlten sich der deutschen Kultur zugehörig, waren oft gebildet und wirtschaftlich erfolgreich. Ungeachtet dessen war die jüdische Gemeinschaft Prags eine sehr stabile mit eigenen Strukturen. Für viele Werke Kafkas wie den Process-Roman bildet das Prag seiner Zeit mit seinen Gassen und Plätzen den urbanen Hintergrund; zugleich versuchte er lange Jahre, Prag – und damit seine Familie – hinter sich zu lassen und in einer Großstadt wie Berlin ein neues Leben zu beginnen; erst gegen Ende seines Lebens sollte ihm dies zusammen mit Dora Diamant gelingen. Am 20. Dezember 1912 schrieb der junge Franz Kafka an Oskar Pollak:

„Prag lässt nicht los. Uns beide nicht. Dieses Mütterchen hat Krallen. Da muss man sich fügen oder –. An zwei Seiten müssten wir es anzünden, am Vyšehrad und am Hradschin, dann wäre es möglich, dass wir loskommen. Vielleicht überlegst Du es Dir bis zum Karneval.“[4]

Das alte Prag mit seiner Altstadt und seinen Gässchen ist der ungenannte Schauplatz vieler Werke Kafkas © ullstein bild – imagno

Kulturelle und literarische Einflüsse

Zur Zeit Kafkas kam das neue Menschenbild der Psychoanalyse auf. Die von dem Wiener Arzt Sigmund Freud (1856–1939) begründete neue Wissenschaft vom Menschen stellte die Vorstellung eines souveränen Bewusstseins in Frage; das Ich galt nun als abhängig von unbewussten Trieben und Normen. In Träumen, Erzählungen, Assoziationen und Fehlleistungen wie Versprechern oder Verschreibern sahen die Psychoanalytiker Symptome bzw. Durchbrüche dieser unbewussten Faktoren, die demnach untersucht, gedeutet und als Ausgangspunkt für die Analyse und Therapie psychischer Störungen genutzt werden konnten. Wie nahezu alle Autoren der literarischen Moderne setzte sich auch Kafka mit der Psychoanalyse auseinander, besuchte Vorträge dazu, las Zeitungsartikel von Freud-Schülern und beteiligte sich an entsprechenden Gesprächskreisen, doch blieb sein Verhältnis zur neuen Wissenschaft zeitlebens zurückhaltend-ambivalent: „Es ist keine Freude(,) sich mit der Psychoanalyse abzugeben und ich halte mich von ihr möglichst fern, aber sie ist zumindest so existent wie die Generation.“[5]

Weite Teile der deutschsprachigen Literatur Prags dieser Zeit lassen sich dem Expressionismus zuordnen, mit dem Kafka durch seine zahlreichen Gesprächskreise konfrontiert war. Die Merkmale expressionistischen Schreibens treffen auf Kafka aber nicht zu, er kann daher nicht als Vertreter dieser Literaturströmung angesehen werden: So ist sein Stil zu nüchtern und präzise gegenüber den bildgewaltigen Expressionisten, auch fehlt bei ihm jedes Aufbruch- oder „O Mensch“-Pathos. Jedoch bestehen thematisch-motivische Gemeinsamkeiten zwischen Kafka und der expressionistischen Generation (Vater-Sohn-Konflikt, Tierbilder u. a.).

Im Prager Kreis, wie rückblickend der literarische Zirkel um Kafka und seinen Freund Max Brod genannt wird, wirkten noch andere kulturelle Motivationen, die Kafka beeinflusst haben dürften, z. B. die Aussöhnung mit den Tschechen oder Probleme des Judentums. Kafka interessierte sich für die nationaljüdische Bewegung des Zionismus. Die Zionisten wie der jüdisch-österreichische Journalist Theodor Herzl (1860–1904, Der Judenstaat, 1896) erstrebten als Antwort auf den in Europa herrschenden Antisemitismus die Gründung eines neuen jüdischen Staates in Palästina und überführten so den jüdischen Diskurs kultureller und religiöser Identität, die sogenannte „Judenfrage“, in ein konkretes politisches Ziel. Dieses Projekt wurde sowohl von assimilierten, weltlichen Juden als auch von orthodoxen diskutiert und verlieh dem europäischen Judentum neues Selbstbewusstsein. Kafka suchte die Nähe vieler „Palästinafahrer“, besuchte regelmäßig Vorträge zu dem Thema, lernte zeitweilig Hebräisch, doch beschäftigte er sich auch mit den orthodoxen Traditionen des Ostjudentums, dem Talmud und dem jiddischen Theater. Allerdings hatte er auch gegenüber seiner jüdischen Herkunft ein gespaltenes Verhältnis: „Was habe ich mit Juden gemeinsam? Ich habe kaum etwas mit mir gemeinsam und sollte mich ganz still, zufrieden damit dass ich atmen kann in einen Winkel stellen.“[6]

Ebenso faszinierten Kafka die technologischen Innovationen seiner Zeit, der schnelle Großstadtverkehr, die neue Kommunikation mit Telefonen oder Diktiergeräten sowie die moderne Bürokratie (vgl. Der Process, Das Schloss). Er schrieb beruflich auf Schreibmaschinen, damals eine Neuerung. Auch berichtete er über die Geräuschgewitter der Stenotypistinnen. Insbesondere interessierte ihn das neue Medium Kino. Er sah oft Filme, ging allein ins Kino. Sein Blick für Gebärden schärfte sich durch die Stummfilme der Zeit, seine Komik ist von zeitgenössischen Slapstickszenen (Charlie Chaplin) beeinflusst.

Politische Umbrüche

Die große Ereignisgeschichte zu Lebzeiten Kafkas lief mehr oder weniger eindruckslos an ihm vorbei. Berühmt ist sein Tagebuchzitat am 2. August 1914: „Deutschland hat Russland den Krieg erklärt. – Nachmittag Schwimmschule.“[7] Die Jahre des Ersten Weltkriegs 1914 bis 1918 erlebte Kafka als zwar Gemusterter, aber aus beruflichen Gründen Zurückgestellter von Prag aus mit (die Zurückstellung bereitete ihm Gewissenskonflikte). Er beobachtete kritisch das (teilweise inszenierte) nationalistische Pathos auf den Straßen. Zu den wichtigen historischen Ereignissen seiner Zeit zählen auch Ende und Zerfall der Donaumonarchie und die Gründung der Tschechoslowakei am 28. Oktober 1918. Prag wurde Hauptstadt des neuen Staates; die ethnischen und nationalistischen Auseinandersetzungen zwischen Tschechen, Deutschen und Juden gingen jedoch weiter und erweiterten sich um die Slowaken.

Mehr interessierte sich Kafka, zumindest vor dem Krieg, für politische Veranstaltungen. Er besuchte Reden von tschechischen Nationaldemokraten und Sozialisten, verkehrte in einem sozialistischen Klub und las politische Schriften, die der Arbeiterbewegung nahestanden.

2.INTERPRETATION: ERZÄHLUNGEN UND KURZE PROSA

Die Auswahl der Texte orientiert sich zum einen an Kafkas Schaffensphasen und zeigt so einen chronologischen Längsschnitt durch die Erzählkunst des Prager Autors. Einführend wird zunächst Das Urteil interpretiert als ein biografischer Schlüsseltext des Frühwerkes. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier auf der Erzählweise Kafkas: Dessen Innovation eines personalen, aber zu eigenständigen Sichtweisen fähigen Erzählers ist von Weltgeltung. Im Urteil führt er sie bereits mustergültig vor. Daneben zeigt die Auswahl auch einen Querschnitt durch Kafkas Erzählstile: So finden sich dramatische bzw. dialogische Gestaltungen des Geschehens, wie z. B. im Urteil, in der Strafkolonie oder im Kübelreiter, aber auch reflexive bzw. monologische Erzählweisen wie in der Sorge des Hausvaters oder in Josefine, die Sängerin. Kafkas Auswahl eines Ich-Erzählers statt seines üblichen Er-Erzählers ist im Landarzt