Die Trennungsagentur - Bernd Dressler - ebook

Die Trennungsagentur ebook

Bernd Dressler

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Opis

Als der Existenzgründungsberater Bernd Dressler die Idee einer Trennungsagentur bei Ebay ersteigerte, um daraus ein erfolgreiches Unternehmenskonzept aufzubauen, wurde er in seinem persönlichen Umfeld meist nur belächelt. Heute ist er weit über Berlin hinaus bekannt, hatte Auftritte in großen Talk-Shows, im Schweizerischen Fernsehen, fand sich selbst auf dem Titelblatt der altehrwürdigen Londoner Times wieder und erfährt bis heute ein reges Medieninteresse sogar in indischen und chinesischen Zeitungen. Als Überbringer von Trennungsbotschaften zieht er einen endgültigen Schlussstrich, verwarnt mit gelben Karten ein allerletztes Mal den Partner, greift zum Telefon oder überbringt die Botschaft zu einem erschwinglichen Preis auch persönlich. Dabei haben sich allerhand kuriose Geschichten angesammelt, die der Leser mit einem tränenden und einem lachenden Auge, manchmal aber auch einfach nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen wird.

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Bernd Dressler

Die Trennungsagentur

Bernd Dressler

Die Trennungsagentur

ImPrint eBook, Münster 2014

© 2008 ImPrint Verlag, Mü[email protected]

Alle Rechte vorbehaltenwww.imprint-verlag.de

Umschlaggrafik: Felix Hinte

ISBN 978-3-936536-83-6

Inhalt

Prolog

Ein weiteres Vorwort

Zum Aperitif: Melanie und ihre Schuhe

Kapitel 1Wie alles begann

Kapitel 2Der Ansturm der Medien

Kapitel 3Bewerbungen aus aller Welt

Bewerbungen

Gedankensturz und Zeitfieber

Südafrika

USA

Russland

Ein Polnischer »Businessman«

Schweiz

Österreich

Seit August 2007 ist die Trennungsagentur international

Kapitel 4Angebotserweiterungen

Der »Gelbe-Karten-Service«

Komm-zurueck24.de

Verzeih-mir24.de

Bad-news24.de

Hilfe für Gewalt- und Stalkingopfer

Trennungshilfe24.de

www.Medienkontakte24.de

Kapitel 5Die Kunden und ihre Trennungsgründe

Zu wenig Zeit für einander

Zu wenige gemeinsame Interessen

Neue Partnerschaft

Unterschiedliche Lebensplanung

Zu wenig Aufmerksamkeit

Rache

Auffällig verdreht!

Ablehnung eigener Verantwortung und Entledigung unangenehmer Aufgaben

Kapitel 6Kuriose Kundengeschichten

Mit dem Cello in der Straßenbahn

Ich lerne Leipzig kennen

Doppelt hält besser

»Na, wenn sie meint!«

Tina und Sarah – Ein Musterbeispiel von Kaltschnäuzigkeit

Unerledigt

Julia!

Daniel und Peter

Ein geselliger Pokerabend

Obelix-Einstein

Die Geburtstagsfeier

Der Callboy

Die halbleere Wohnung

Der Kreis schließt sich

Eine völlig ›neue‹ Welt für mich

Eine ZDF-Dokumentation für den Komm-zurück-Service

Kleiner Nachtrag

Kapitel 7Irrtümer

Das hat keine Zukunft

Sie werden häufiger von Männern gebucht!

Gemeinsamkeit schafft Nähe

Ich dachte, es ist alles in Ordnung

Tattoos sind cool

Ein eigener Irrtum

Zum Dessert: Vorsehung?

Epilog

»Nichts auf der Welt kann eine Idee aufhalten, deren Zeit gekommen ist!«

Victor Hugo

Prolog

Worüber ärgern Sie sich am meisten bei Ihrem Partner?

Ist es das ständige Zuspätkommen?

Ist es die Unordnung, die er/sie hinterlässt?

Schenkt er Ihnen zu wenig Aufmerksamkeit?

Redet er zu wenig mit Ihnen – redet sie zu viel mit Ihnen?

Sie haben noch nie einen Blumenstrauß von ihm bekommen?

Sind es ihre ewig langen Telefonate mit ihrer besten Freundin – mit der sie sich ohnehin eine Stunde später trifft?

Haben Sie ihre/seine ständigen Ausreden und Lügen satt?

Ist es ihr überquellender Schuhschrank?

Müssen Sie stundenlang mit ihr durch die Kaufhäuser rennen?

Trinkt er zu viel?

Oder,

oder,

oder,

Auf alle diese Fragen gibt es jetzt eine Antwort:

www.Trennungsagentur.com

Wir trennen perfekt und endgültig.

Wir machen aus einem unglücklichen Paar zwei zufriedene Singles, oder ihr Partner erhält von uns eine letzte Verwarnung in Form unserer gelben Karte.

Ein weiteres Vorwort

Ich habe dieses Buch aus drei Gründen geschrieben.

Erstens möchte ich allen Menschen, die irgendwann einmal eine Geschäftsidee haben, von der sie selbst begeistert sind, den Mut geben, diese auch umzusetzen.

Als ich das Konzept der Trennungsagentur bei Ebay ersteigert hatte, habe ich auch natürlich mit einigen Menschen darüber gesprochen. Was mir entgegenschlug war vielfach Unverständnis darüber, weil man damit nichts anzufangen wusste, Unverständnis darüber, wie man sich für so etwas interessieren könnte und schließlich auch Ablehnung, weil ja für diese Dienstleistung ganz sicher kein Markt vorhanden wäre.

Vermutlich hat man auch vor dreißig Jahren das gleiche über die ersten Partnerschaftsvermittlungen gesagt.

Der zweite Grund ist, dass ich durch die Trennungsagentur in einem nie geahnten Ausmaß Neues, Aufregendes, Bewegendes und auch Kurioses erlebt habe, so dass ich es aus der Rückschau betrachtet, sofort wieder machen würde.

Drittens habe ich innerhalb von knapp zwei Jahren so viele Erfahrungen mit den Medien gemacht, wodurch sich mir eine völlig neue Welt erschlossen hat. Das hatte zur Folge, dass ich viele neue Ideen entwickeln konnte und durch die große Öffentlichkeit somit deutlich bessere Chancen zur Umsetzung meiner Ideen habe.

Alles das sind Gründe genug, dass ich mich nicht zurückhalten konnte, alles Erwähnenswerte auch tatsächlich aufzuschreiben.

Dazu gehören unter anderem die vielfältigen Erfahrungen mit den Medien und die bemerkenswerte Skurrilität einiger Zeitgenossen. Ebenso zählen dazu die ewig gleichen Fragen von mehr als hundert Journalisten und die Erfahrungen, die ich mit Menschen machen konnte, die von der Idee der Trennungsagentur fasziniert waren und sich damit selbständig machen wollten.

Erschreckend war für mich die Erkenntnis, dass gerade diese Kandidaten für die Selbständigkeit gelegentlich bar jeglichen Wissens über wirtschaftliche Zusammenhänge waren.

Besonders wichtig erschien mir der zunehmende Mangel an Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für sein eigenes Tun oder Unterlassen der Menschen.

Bestimmte Verhaltensweisen, auf die ich bei meiner Arbeit für die Trennungsagentur immer wieder gestoßen bin, haben mich veranlasst, den ›Federkiel‹ in die Hand zu nehmen.

Dazu gehört eine Tendenz zur zunehmenden Gleichgültigkeit anderen Menschen gegenüber, ebenso wie der Trend zum ›Easy Living‹.

Das heißt, man möchte sich selbst möglichst keine Schwierigkeiten bereiten, Probleme sollten nach Möglichkeit vermieden werden oder an anderer Stelle abgeladen werden.

Diese Veränderung, die meiner Beobachtung nach in weiten Teilen der Gesellschaft zu erkennen ist, ist unter anderem der Grund für die anhaltende Nachfrage der Dienstleistung durch die Trennungsagentur.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei zwei Personen bedanken, die mir bei der Erstellung des Buches geholfen haben.

Mein Freund Chris, der mich erst auf die Idee gebracht hat, all das aufzuschreiben, und vor allen Dingen seit langer Zeit darauf hingewirkt hat, alles zu dokumentieren, was passiert ist.

Weiterhin möchte ich meinem Auszubildenden Tadeusz dafür danken, dass er bei der Erstellung unvoreingenommen und kritisch versucht hat, meine gerne verwendeten Bandwurmsätze auf ein erträgliches Maß zu kürzen.

Bernd Dressler

Anmerkung:

Um Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, richtig Appetit auf dieses Buch zu machen und Sie auch gleich mit den Besonderheiten dieser ungewöhnlichen Arbeit in Verbindung zu bringen, habe ich mir überlegt, ein besonders unterhaltsames Erlebnis bei der Ausführung eines Trennungsauftrages ganz an den Anfang zu stellen.

Viel Spaß!

Zum Aperitif: Melanie und ihre Schuhe

(eine durch nichts zu überbietende Peinlichkeit)

Melanie, 24 Jahre, hat sich für 15 Uhr angesagt. Sie sprach am Telefon von einem etwas heiklen Auftrag und fragte, ob ich so etwas auch übernehme. Nach ein paar kurzen Erläuterungen stimme ich dem Termin zu.

Es ist 15:35 Uhr und sie ist schon da. Sie tanzt mit hochhackigen Pumps ins Büro und fängt gleich an zu reden.

Ihr Problem heißt Angelo, ist Italiener und extrem eifersüchtig. Nach sechs Monaten ständigen Nachfragens und vielfachen Unterstellungen hat sie jetzt endgültig die Nase von ihm voll. Sie hat schon unendliche Diskussionen hinter sich und er kann es einfach nicht lassen, ihr ständig irgendwelche Flirts zu unterstellen. Unglücklicherweise sind sie beide im gleichen Fitnessclub und so bemerkt er beinahe zwangsläufig jede ihrer Unterhaltungen mit anderen Mitgliedern.

Meine Meinung zu diesem Thema ist: Auf dieses Mädchen würde ich an seiner Stelle auch ein besonderes Auge haben.

Sie wünscht zweierlei: Um weiteren sinnlosen Diskussionen zu entgehen, möchte sie, dass ich die Botschaft an ihn persönlich überbringe und gleich noch ein »paar Sachen und ein paar Schuhe« abhole.

An dieser Stelle begehe ich den ersten Fehler: Ich trage unter mitzubringende Sachen nur Schuhe und nicht die Anzahl ein.

Besser wäre es gewesen, nach der Anzahl zu fragen. Ein Fehler, den man nur einmal begeht!

Sie hat schon vor einigen Wochen die Kündigung im Fitnessclub abgegeben, diese wird zum Monatsende wirksam und darin sieht sie ihre große Chance, ihrem Partner entgültig zu entgehen.

Auf meine Frage, ob jemals Gewalt in der Beziehung im Spiel war, lacht sie glockenhell und antwortet: »Das würde er sich nie trauen.« Ich hoffe in dem Moment, sie weiß, was sie sagt.

Der beste Zeitpunkt, ihn anzutreffen, sei etwa eine halbe Stunde bevor er abends zum Training gehe.

Also fahre ich gegen fünf Uhr zur angegebenen Adresse in Schöneberg und gehe durch den Flur auf den Hinterhof zum Seitenflügel. Zu diesem Zeitpunkt kann ich noch nicht ahnen, wie es mir entgegenkommt und wie viel Peinlichkeit es mir erspart, dass er nicht zur Straße heraus wohnt.

Ich steige zwei Treppen hoch, klingele und Angelo öffnet mir die Tür. Sofort verstehe ich den Satz: »Das würde er sich nie trauen.« Angelo ist geschätzte 1,62 Meter groß und das ist schon aufgerundet.

Er starrt mich extrem misstrauisch und ein wenig feindselig an und fragt mich, was es gebe. Ich überbringe meine Botschaft von Melanie und bitte ihn, auch das von ihr gewünschte Kontaktverbot dringend einzuhalten.

Seine erste Frage: »Bist du auch einer von ihren Lovern?«

Als ich ihm wortreich erkläre, dass ich völlig unbeteiligt bin und mit der Sache gar nichts zu tun habe, außer die Botschaft zu überbringen, habe ich den Eindruck, dass ich damit eine Reihe von Sympathiepunkten bei ihm mache.

Dann übergebe ich ihm die Liste mit der Bitte, mir die Sachen mitzugeben.

Er starrt mich entgeistert an und meint nach kurzer Überlegung recht gefasst, dies dauere einen Moment, ich möchte doch einfach im Hof warten, er bringe die Sachen runter. Da er das sehr ernst sagt, habe ich nicht das Gefühl, dass er trickst. Ich gehe also langsam die Treppen wieder runter und warte.

Das war einfach und unkompliziert, ich liebe solche Jobs.

Schon nach zwei Minuten öffnet er oben ein Fenster und fragt ausgesprochen höflich, ob es nun los gehen könne. Ich komme nicht zum Antworten, er wartet auch gar nicht.

Dafür zerplatzt neben mir ein blauer Müllsack mit verschiedensten Kleidungsstücken, die sich freundlicherweise dabei über eine mehrere Quadratmeter große Fläche verteilen.

Spontan erlebe ich das tiefe Glücksgefühl, dass ich jetzt nicht auf einer öffentlichen Straße stehe. Die Szene, die sich jetzt abspielt, hat im Nachhinein betrachtet einen unglaublichen Unterhaltungswert, allerdings hätte ich mir dafür einen anderen Hauptdarsteller gewünscht. In loser Reihenfolge fliegen nun schwarze, rote, braune, weiße und blaue Schuhe aus dem Fenster im zweiten Stock.

Oh, wie ich manche Jobs hasse.

Da ich aus Sicherheitserwägungen aus einer guten Deckung heraus vorübergehend zum Zuschauen verurteilt bin, sehe ich geduldig zu, wie Schuh um Schuh aus dem Fenster fliegt.

Da das nicht ohne Lärm abgeht, öffnet sich ein weiteres Fenster und nach einer kurzen Zeit ruft ein Mann nach hinten in seine Wohnung: »Claudia, komm schnell, dat musste de sehen!«

Niemals wird es mir gelingen, diese gefühlte Peinlichkeit in Worte zu fassen, ich appelliere einfach an Ihre Fantasie.

Während ich mir überlege, wie ich so viele Klamotten wegbringe, fliegt weiterhin ein nicht enden wollender Strom von Schuhen aus dem Fenster.

Uups, ein Schuh verursacht ein anderes Geräusch!

Ich sehe hin und muss einen weiteren Schicksalsschlag hinnehmen: ein Schuh ist auf dem Dach eines angrenzenden Schuppens gelandet.

Der Herrgott ist heute ganz offensichtlich mit anderen unterwegs.

Endlich hört der Schuhbeschuss auf und ich überschlage kurz mein Problem: Ich habe kaum Möglichkeiten, den ganzen Krempel wegzubekommen, im Auto habe ich noch zwei Müllsäcke in Reserve, aber das reicht bei Weitem nicht aus, um diese Unmengen zu bergen.

Hinzu kommt die überaus peinliche Szenerie, ein Mann schmeißt Klamotten aus dem Fenster, ein anderer Mann sammelt sie im Hof auf und zu allem Überfluss sind es Damenschuhe!

Die Anwohner müssen natürlich denken, es wären meine Sachen, – hoffentlich haben sie schon einmal was von der Trennungsagentur gehört.

Kurzzeitig überlege ich, ob ich in alle Briefkästen noch meine Visitenkarte werfe, um wenigstens im Nachhinein den Leuten eine Möglichkeit zur Aufklärung zu bieten.

Nur der Vollständigkeit halber möchte ich zur Kenntnis geben, dass sich inzwischen drei Anwohner an dieser Vorstellung ergötzen, während Angelo im zweiten Stock vernehmlich das Fenster schließt. Hätte sich vor mir die Erde aufgetan, ich glaube, ich hätte diese Chance genutzt.

An die Frage, wie kann jemand so viele Schuhe bei seinem Freund zwischengelagert haben, verschwende ich keine Zeit.

Ich werde mich an Angelo rächen und ihm nicht den Erhalt der Sachen quittieren! Das hat er nun davon!

Nach kurzer Überlegung habe ich eine Lösung.

Ich muss nur in den Backshop gegenüber gehen und um Tüten bitten. Ich warte artig bis ich dran bin, die Verkäuferin fragt noch, wofür ich sechs Tüten brauche. Ich stammele nur: »Das würden Sie mir ohnehin nicht glauben …« Das wirkt echt und mitgenommen und sie gibt sich damit zufrieden.

Als ich mit den Tüten zurück in den Hof komme, sehe ich, dass weitere Fenster geöffnet sind.

Mir bleibt auch wirklich nichts erspart!

Inzwischen verfolgen bereits sechs(!) Augenpaare interessiert diese Szenerie mit diesem über alle Maßen unschuldigen Protagonisten.

Immerhin bieten sie damit auch Gewähr, dass sich niemand an den Sachen vergreift. – Ich bin ja schon mit sooo wenig zufrieden.

Das Zusammenklauben der verstreuten Sachen wird mir durch einige nicht druckreife Kommentare der engagierten Zuschauer nicht wesentlich erleichtert.

Leider gehen nur drei Schuhe in eine Tüte, und es macht mir auch keinen richtigen Spaß mit etlichen durchsichtigen Einkaufstüten voll mit Damenschuhen auf der Straße zu meinem Auto zu gehen. Vermutlich war ich an diesem Abend im Schöneberger Kiez der hauptsächliche Gesprächsgegenstand.

Als ich zu Hause bin und ein wenig Abstand zur Geschichte gefunden habe, muss ich wirklich lachen, denn insgeheim finde ich, hat er eine gute Show abgezogen.

Als ich Melanie am nächsten Vormittag die Sachen übergebe, kann ich mir aus Bitterkeit über die erlittene Schmach etwas nicht verkneifen.

»Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie: Die schlechte Nachricht ist, dass einer der Schuhe auf dem Dach des Schuppens nebenan gelandet ist und ich ihn nicht herunterholen konnte. Die gute Nachricht ist, es hat heute Nacht nicht geregnet und er liegt bestimmt immer noch da.«

Melanie, falls Sie das lesen: Ich bin Ihnen so unendlich dankbar, dass Sie sich damals geweigert haben, die Trennung von einem Filmteam begleiten zu lassen.

Aber trotzdem: Melanie kommt als Stammkundin nicht in Frage!

Kapitel 1

Wie alles begann

Es ist der 29. Mai 2006, gegen 17 Uhr. Ich sitze vor dem Computer und starre ungläubig auf das, was ich da auf meinem Bildschirm bei Ebay sehe.

Mein erster Gedanke: Hat wohl doch nicht so geklappt, wie du dir das vorgestellt hast, mein Freund! Dann lese ich das Angebot immer und immer wieder.

Fünf Wochen vorher habe ich eine meiner Meinung nach gute Geschäftsidee gesehen und für nur einen Euro auch tatsächlich ersteigert. Leider versuchte der Verkäufer an die Ebay-Auktion einen nach den Richtlinien verbotenen Folgevertrag anzuhängen.

Worum ging es dabei?

Ich bin selbständig und mit meinem Unternehmen Arbeitsgemeinschaft Existenzgründung1 bin ich immer auf der Suche nach interessanten und erfolgreichen Geschäftsideen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Menschen, die etwa ab dem 45-sten Lebensjahr seit vielen Jahren in unserer Wirtschaft faktisch keinen Job mehr bekommen, eine Alternative in der Selbständigkeit zu bieten.

Eine zweite Zielgruppe für mich sind Menschen, die bereits selbständig sind, aber zusätzlich ein ›zweiten Standbein‹ suchen.

Dazu recherchiere ich für die Geschäftsideen, sammle alle notwendigen Informationen für eine Geschäftsgründung und schreibe dann Handbücher für die erfolgreiche Umsetzung.

In diesen Handbüchern stelle ich den Existenzgründern alles an Informationen zur Verfügung und versetze sie damit in die Lage, sofort mit ihrer Geschäftstätigkeit zu starten. Hierfür nutze ich immer die Formulierung: »Ich übergebe eine schlüsselfertige Vollexistenz.«

So habe ich unlängst bei Ebay folgendes Angebot gefunden:

Trennungsagentur-berlin.com

Es sollte dabei deutschlandweit ein neuer Service etabliert werden, ein Service für Menschen, die sich in ihrer Partnerschaft in einer Trennungsphase befinden, sich aber unsicher sind, wie sie es am besten anfangen sollen, sich zu trennen.

Meine erste Überlegung war, seit etwa 30 Jahren gibt es die Partnervermittlungen, seit etlichen Jahren auch im Internet.

Wie man weiß, ist das ein sehr lukrativer Markt, da es hier um menschliche Grundbedürfnisse geht, und man daher auch bereit ist, Geld dafür auszugeben.

Weiterhin überlege ich:

Eine einfache Formel: ein bestehender Markt, ein vorhandenes Bedürfnis, ein Problem, das auf jeden, nun ja, auf fast jeden, einmal zukommt.

Dieses Problem kommt nur zu einer anderen Zeit, quasi am anderen Ende der Beziehung oder vor dem Beginn einer neuen Beziehung.

Das Wichtigste an dieser Geschäftsidee war jedoch, dass sie neu und bislang weitgehend unbekannt war.

Einige Tage später hatte ich dieses Angebot für nur einen Euro ersteigert. Es sah nach einem wirklich guten Angebot aus.

Nun liegt es in der Natur der Sache, dass, wenn sich ein Geschäft für den einen lohnt, es sich nicht immer auch für den anderen lohnen muss. Also spürte ich von Anfang an das Unbehagen des Verkäufers, was nach einigen Diskrepanzen dazu führte, dass wir uns wieder auseinander dividierten.

Sein Konzept sah nämlich so aus, dass man nach dem Zuschlag für die Trennungsagentur für eine Stadt anschließend auch noch einen sechsmonatigen Servicevertrag abschließen sollte. Nun sind nach den Ebay- Richtlinien ohnehin Folgeverträge nach einer Versteigerung nicht zulässig. Hinzu kam, dass dieser Vertrag, den er mir dann zuschickte, mit einer so genannten heißen Nadel gestrickt war, denn selbst über die Laufzeit dieses Vertrages gab es innerhalb des Textes drei unterschiedliche Angaben.

Da ich um die Klärung dieser Angelegenheit in einem persönlichen Gespräch bat, er dazu aber nicht bereit war, schenkte ich dieser Sache keine weitere Beachtung. Das ganze gipfelte dann in einer juristischen Glanzleistung: Der Verkäufer schickte mir eine Kündigung für einen bis dahin gar nicht geschlossenen Vertrag.

Soweit zur Vorgeschichte.

Nun sitze ich wieder bei Ebay und habe vor mir auf dem Bildschirm das vollständige Angebot der Trennungsagentur.com mit insgesamt 48 dazugehörigen Städtedomains. Das bedeutet, der Anbieter hatte zusätzlich alle seine Trennungsagenturen in den einzelnen Städten mit in das Angebot eingeschlossen.

Folgende Überlegungen schossen mir durch den Kopf:

Wenn ich in den bedeutendsten Städten Deutschlands alle .de- und .com-Domains besitze, kann ich von vorneherein jegliche Konkurrenz in diesen Städten ausschließen, denn Nachahmer erhalten dann keine ›griffigen‹ Trennungsagentur-Domains mehr.

Mit insgesamt 48 Domains, alle mit einander verlinkt, ist dauerhaft der wichtige erste Platz in allen Internetsuchmaschinen gesichert.

Der erste Platz bei einer Suchmaschine bedeutet, dass jeder, der den Begriff ›Trennungsagentur‹ beispielsweise bei Google eingibt, automatisch als erstes meine Webseite angeboten bekommt. Das ist ein unglaublicher Wettbewerbsvorteil. So habe ich ausreichend Zeit und kann nach und nach in jeder Stadt im Lizenzverfahren eine Trennungsagentur etablieren. Hinzu kam, dass der Verkäufer mit bereits vorliegenden Medienanfragen und angeblich bereitstehenden Mitarbeitern warb.

Das war also eine runde Geschäftsidee, die für mich und für weitere regionale Existenzgründer wie geschaffen war.

Es ist Montag, der 29. Mai und heute Abend gegen 20:30 Uhr soll das Angebot enden.

Mein Problem ist, dass ich genau zu diesem Zeitpunkt ein Fußballspiel mit unserer Altherrenmannschaft habe und ich deshalb unmöglich mitbieten kann.

Was also tun, wenn einen das ›Jagdfieber‹ gepackt hat?

Ja, wirklich, erfahrene ›Ebayer‹ werden jederzeit bestätigen können, dass es dieses ›Jagdfieber‹ bei bestimmten Angeboten gibt.

Also kalkuliere ich kurz, was meine absolute Höchstgrenze für dieses Angebot sein sollte. Zurzeit liegt das aktuelle Gebot bei 106 Euro.

Schließlich gebe ich eine vierstellige Summe als Höchstgebot ein und gehe zum Fußball. Hoffnung mit meinem Höchstgebot den Zuschlag zu bekommen habe ich daher, weil sehr selten bei Ebay vierstellige Beträge erzielt werden.

Ebenso ist das Risiko wirklich gering, dass ein anderer Bieter mich in die Nähe meines Höchstgebotes treibt.

Denn gerade im Bereich der Geschäftsideen und Firmenverkäufe werden bei Ebay selten hohe Summen erzielt.

Spät abends mache ich dann den PC an und sehe mit Begeisterung, dass ich mit einem Gebot von 506 Euro den Zuschlag bekommen habe. Übrigens haben wir vorher auch noch 3:0 gewonnen, also ein rundum gelungener Tag.

Im Übrigen stelle ich mir ganz vergnügt das entsetzte Gesicht des Verkäufers vor, als er sehen musste, dass ich, derjenige, mit dem er schon diesen ›Ärger‹ hatte, der Ersteigerer war.

»Jetzt rechnen Sie mal zusammen: da kommen Sie schnell auf einen Gesamtwert dieses Projektes von über 20.000 Euro«, war die vollmundige Aussage des damaligen Verkäufers im Angebot bei Ebay.

Der Gute!!

Mit einer vernünftigen Strategie zur Vermarktung, mit den bereits vorliegenden Medienanfragen und etwas Glück sollte sich ein Mehrfaches daraus machen lassen.

Wenn er nur hätte ahnen können, was sich daraus alles entwickelt, er hätte sicherlich noch eine, vielleicht noch eine weitere Null angehängt, allerdings hätte das wohl niemand geglaubt, mich eingeschlossen.

Nachdem ich erwartungsfroh das Geld überwiesen hatte, bekam ich Tage später einen Umschlag mit 6 (!) DIN A4 Blättern.

Das hat mich wirklich sprachlos gemacht: 6 DIN A 4 Blätter für ein so umfangreiches und schon als erfolgreich dargestelltes, komplettes Geschäft!

Damit fingen meine Probleme an. Es folgten unzählige Telefonate, nervende Nachfragen, viele Mails und das Hin- und Herschicken von unterschriebenen Übertragungsformularen für die Domains.

Allein das Ausfüllen der Übertragungsformulare hat mehr als sieben Stunden gedauert, weil jede Domain beim neuen Provider (der Verwalter einer Internetdomain) einzeln beantragt werden muss und in jedes Formular jeweils die vollständigen Daten des Verkäufers und des Käufers eingetragen werden müssen.

Glücklicherweise wurde die Hauptdomain www.trennungsagentur.com in Berlin bei Strato, einem großen und flexiblen (dafür müsste ich eigentlich Provision bekommen) Hostingunternehmen, verwaltet, so dass die Eintragung und Registrierung dieser Domain am schnellsten ging, was sich später als unendliches Glück für mich herausstellen sollte.

Nun war es wichtig, aus den mir überlassenen papiernen Rudimenten ein Geschäft für das Internet aufzubauen, entsprechende Webseiten zur Präsentation entwickeln zu lassen und dann nach Übertragung der überwiegenden Zahl der Städtedomains, wie z.B. Trennungsagentur-Hamburg.com mit der Vermarktung zu beginnen.

Mein bisheriger Webdesigner war beruflich stark eingespannt, er fiel also aus, aber er empfahl mir einen Bekannten. Leider hatte der Kontakt zu diesem von Anfang an darunter gelitten, dass der Ersatzmann seine Interessen sehr stark auf Feiern fokussiert hatte und somit weder Zeit noch Lust hatte, sich seinen anfänglichen Erledigungszusagen in irgendeiner Weise anzunähern.

Auch das Einwirken von Familienangehörigen verhallte ungehört, so dass mir nach drei Wochen sinnloser Warterei dann doch der Kragen platzte und ich mir einen zuverlässigeren Webdesigner suchte.

Nach intensiver Zusammenarbeit, vielen Rücksprachen und endlosen Diskussionen haben wir das Ergebnis am 28. Juli 2006 ins Netz gestellt. Somit war der Weg frei, um mein neues Geschäftskonzept im Markt als Trennungsagentur zu etablieren.

Mein Angebot sah folgendermaßen aus:

An dieser Stelle ist es notwendig, einen Blick auf die Entstehungsgeschichte der Trennungsagentur zu werfen.

Gegründet wurde sie im Herbst 2005 von Dr. Dieter Krüger, der die Idee aus den USA mitbrachte. Zeitgleich entwickelte Florian Aichhorn aus einer ›Bierlaune‹ heraus die Webseite www.schlussmachen.com2. Interessant und richtig schön skurril war sein Abo-Angebot: 10-mal Schlussmachen innerhalb von drei Monaten per Telefon für nur 34.95 Euro!

Beide hatten bereits nach kurzer Zeit eine Medienresonanz, die Aichhorn veranlasste, wegen moralischer Bedenken, aus seiner Schlussmachen.com eine Satireseite zu machen und sie kurze Zeit später bei Ebay für erstaunliche 7.062,21 Euro an eine Internetagentur zu verkaufen.

Da auch Herr Dr. Krüger nicht weiter machen wollte, wurde auch die www.trennungsagentur.com verkauft. Vermutlich wusste der Käufer, mein späterer Ebay-Verkäufer, wohl von dem erzielten Preis von www.schlussmachen.com und witterte ein gutes Geschäft.

Die Bemühungen dieses Käufers, die Trennungsagentur zu vermarkten möchte ich an dieser Stelle nicht kommentieren.

So kam die Trennungsagentur dann zu mir.

In der Folgezeit hatte ich, obwohl ich eine stattliche Anzahl weiterer Existenzgründungskonzepte anbieten konnte, fast ausschließlich mit der Trennungsagentur zu tun. Das ist zwar sehr erfreulich, war von mir aber zu keiner Zeit beabsichtigt gewesen.

Ich denke, der zeitliche Aufwand für die Vermarktung der Trennungsagentur lag in den folgenden zwölf Monaten bei 95 % meiner gesamten Arbeitszeit.

Da ich bereits in der Anfangszeit merkte, dass dieses Thema auf ein sehr breites Interesse stößt, bin ich selbstverständlich auch auf den Gedanken gekommen, diesen Bereich möglichst exklusiv zu bearbeiten. Ich wollte also mögliche Nachahmer vom Erfolg der Trennungsagentur ausschließen.

Nun wie stellt man das am effektivsten an?

Am wirksamsten ist in einem solchen Fall ein Markenschutz, der beinhaltet, dass z.B. kein Konkurrent den Namen oder die Bezeichnung »Trennungsagentur« benutzen oder im Namen führen darf.

Bei meiner Recherche im Internet auf den Seiten des Deutschen Patentamtes stellte ich fest, dass bereits ein anderer schon auf diese Idee gekommen war, denn es lag diesbezüglich bereits eine Anfrage zur Eintragung eines Markenschutzes vor und in diesem Fall würde der zeitliche Eingang entscheiden.

Mit einiger Unruhe las ich den Namen desjenigen, der mir die Trennungsagentur verkauft hatte.

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht über die genauen Folgen eines solchen Markenschutzes informiert, aber mir war natürlich klar, dass er mir nicht erst die Trennungsagentur verkaufen kann und dann über den Markenschutz die Führung des Namens verbieten könnte. Trotzdem suchte ich schnellstens einen auf Patentrecht spezialisierten Anwalt in Berlin auf.

Dieser zerstreute meine Befürchtungen, dass hier ein Markenschutz jemals genehmigt werden würde, da der Begriff »Trennungsagentur« ein sogenannter sich selbst erklärender Begriff ist und somit nicht geschützt werden kann.

Der Markenschutz kann nur für sogenannte Kunstwörter oder Namen eingetragen werden. Jedenfalls war auch die bereits vorliegende Anfrage vom Antragsteller nicht weiter verfolgt worden.

Mir riet der Anwalt dagegen, für die Trennungsagentur einen Titelschutz zu beantragen, der einen ausreichenden Schutz für das Entstehen eines Werkes bietet. Dieser Titelschutz ermöglichte mir, in Ruhe dieses Buch fertig zu stellen, und gibt für andere keine Möglichkeit ein weiteres Buch oder eine filmische Darstellung ohne meine Einwilligung so zu benennen.

Währenddessen entwickelte ich eine Reihe von Ideen zur erfolgreichen Vermarktung. Als erstes ließ ich natürlich Visitenkarten drucken, die ein wenig Ähnlichkeit mit einer auseinanderfliegenden Explosion hatten.

Mein Plan sah vor, nebenverdienstsüchtige Schüler in die Clubs und Cafés zu schicken, um diese Karten zu verteilen. Ebenso sollten die Karten auch abends vor Diskotheken verteilt werden.

Auch für die Kinos hatte ich mir einen richtig werbewirksamen Gag ausgedacht. Die Kinoleinwand sollte zu Beginn dunkel bleiben, während im Hintergrund ein lautstark geführter Streit zu hören sein sollte. Plötzlich sollte ein lautes Scheppern von zerberstendem Porzellan auf Steinfußboden zu hören sein. Dann nach zwei Sekunden absoluter Stille sollte lediglich der Schriftzug »www.Trennungsagentur.com« aufleuchten.

Ich bin überzeugt, dieser Gag hätte Wirkung gehabt und er wäre in der Erinnerung der Zuschauer geblieben. Sicherlich wäre er auch weitererzählt worden, das Nonplusultra der Werbewirkung.

Darüber hinaus habe ich Pressemitteilungen entworfen, um sie an die Zeitungsredaktionen zu versenden. Dieser Aufwand war dann in der Folgezeit glücklicherweise nicht mehr erforderlich, aber dazu später …

Ein weiterer Weg der Vermarktung sollte der Zugang zu Paartherapeuten und Beratungsstellen wie Telefonseelsorge usw. sein.

Auch hierzu sollte es nicht mehr kommen, denn inzwischen kommen die Paartherapeuten und was sich dafür hält, auf mich zu und wollen Kooperationen, um sich selbst über diesen Weg neue Kunden zu erschließen.

1www.arbeitsgemeinschaft-existenzgruendung.de

2www.schlussmachen.com

Kapitel 2

Der Ansturm der Medien

Dienstag, 1. August 2006, ca. 21.30 Uhr

Ich saß spät abends beim Fernsehen, als etwas beim Zappen meine Aufmerksamkeit weckte. Es fiel das Wort »Trennungsagentur«!!

Sofort dachte ich, ausreichend geprägt durch meine Erfahrungen mit dem Ebay-Verkäufer der Trennungsagentur, an irgendeine neue Niedertracht seinerseits.

Es lief auf Vox ein Beitrag von Stern TV über ungeliebte Berufe, unter anderem auch über jenen hier bereits erwähnten Dr. Krüger, der eine Trennungsagentur betreibt.

Langsam wurde mir klar, dass möglicherweise gerade diese Meldung eine Riesenchance für mich war, mit der Trennungsagentur bekannt zu werden. Meine Befürchtungen einer weiteren inszenierten Ärgerlichkeit seitens des Verkäufers verflogen, als die Internetadresse »www.trennungsagentur.com« genannt wurde.