Die Robin-Hood-Falle - Thomas Veszelits - ebook

Die Robin-Hood-Falle ebook

Thomas Veszelits

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Opis

Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf zwei Milliarden Dollar damit gehört er zu den 1000 reichsten Menschen der Welt. Nicolas Berggruen: glamouröser Milliardär, Kunstsammler und Spross des berühmten Heinz Berggruen, schillernder Polyglott und »Berater der Weltpolitik«. Kaum ein anderer verkörpert den Typus des kühnen Finanzinvestors so perfekt wie der 52-Jährige. Als Wahlberliner ohne festen Wohnsitz ist er mal in Los Angeles, mal in New York oder London anzutreffen, falls er nicht gerade in seinem Privatjet um den Globus fliegt. Doch wer zieht wirklich die Fäden in seinem Imperium? Stecken in ihm die Zerstörungskräfte des Turbokapitalismus? Spätestens seit er »Mister Karstadt« ist, wird er in Deutschland mit Argwohn beobachtet: Will er die Warenhaus-Institution wirklich retten oder ist sie für ihn nur ein Spekulationsobjekt? Auf der Basis von Recherchen und Gesprächen mit Weggefährten, Kontrahenten und Insidern legt Thomas Veszelits eine ungewöhnliche Biographie eines umstrittenen Visionärs vor, der wieder in aller Munde ist, seit er Teile von Karstadt an den österreichischen Investor René Benko verkauft hat. Wird er sein Versprechen, den Erlös von 300 Millionen Euro in die Modernisierung der deutschen Warenhauskette zu investieren, halten?

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THOMAS VESZELITSDIE ROBIN-HOOD-FALLE

THOMAS VESZELITS

DIE ROBIN-HOOD-FALLE

»MISTER KARSTADT« NICOLAS BERGGRUENEINE BIOGRAPHIE

FÜR LIANE

eISBN 978-3-86789-545-3

1. Auflage

© 2013 by BEBUG mbH/Rotbuch Verlag, Berlin

Umschlaggestaltung: fuxbux, Berlin

Umschlagabbildung: ddp images/dapd

Ein Verlagsverzeichnis schicken wir Ihnen gern:

Rotbuch Verlag

Alexanderstraße 1

10178 Berlin

Tel. 01805/30 99 99

(0,14 Euro/Min., Mobil max. 0,42 Euro/Min.)

www.rotbuch.de

INHALT

Vorwort

Warum »Mister Karstadt« keine Biographie will

I

Der Übervater

II

Die Mutter, die große Unbekannte

III

Eine Kindheit in Paris

IV

Der Womanizer

V

Lehrjahre in London

VI

Studienjahre in New York

VII

Der Domingo-Clan

VIII

Das Carlyle – Grundstein der Berggruen-Legende

IX

Berggruens Geschäftsfelder

X

Heimatgefühle eines »heimatlosen« Milliardärs

XI

Der Karstadt-Deal

XII

Der Politikberater

XIII

Der Soros-Plan

XIV

Die Strippenzieher

XV

Ein Museum als Hobby

XVI

Arianna Huffington, die Königin der Blogger

XVII

Ein Präsident für Europa

XVIII

Keine Schulen für Newark

XIX

Ein Börsennetz für Afrika

XX

Vom Retter zum Geretteten

Anhang

Die Investments von A–Z

 

Quellen

 

Danksagung

VORWORT

WARUM »MISTER KARSTADT« KEINE BIOGRAPHIE WILL

»Politik ist die Kunst, das eigene Umfeld zu kontrollieren.«

HUNTER S. THOMPSON

Sein Terminkalender ist prall gefüllt. Er ist immer unterwegs. Heute in New York, morgen in Berlin fliegt er übermorgen nach Mumbai und am nächsten Tag schon wieder zurück in die USA. Wer wie Nicolas Berggruen in der Welt etwas bewegen will, darf nicht müde werden, Dinge anzuschieben. Einen »heimatlosen Milliardär« nennt sich Berggruen deshalb gern. Eine Idee, welche die zweitauflagenstärkste Wirtschaftszeitung nach dem Wall Street Journal, die indische Economic Times (vom 13. Januar 2013), in ihrer Serie über Milliardäre und ihre verrücktesten Ideen zu Berggruens exzentrischster Eigenheit erklärte. Berggruen hat nämlich keinen festen Wohnsitz. Stattdessen fliegt er mit seinem Privatjet von einem Fünf-Sterne-Hotel zum anderen. Mit dieser Eigentümlichkeit erinnert er die indischen Nachrichtenmacher an Howard Hughes. Der Texaner galt als Inbegriff eines spleenigen Milliardärs. Er verlegte sein Büro in ein Flugzeug und sperrte sich gegen Ende seines Lebens in einem Hotel in Las Vegas ein, weigerte sich zu duschen oder Haare und Fingernägel zu schneiden. Am 5. April 1976 starb er in seinem Flugzeug über Dallas kreisend. So ähnlich stellt sich der indische Journalist Yusuf Begg auch das Finale von Nicolas Berggruen vor: der Tod über den Wolken – willkommen im Nirwana!

Der Vergleich mit Howard Hughes mag auf den ersten Blick amüsant erscheinen, gewisse Ähnlichkeiten, zumindest im Ansatz, sind allerdings nicht von der Hand zu weisen. Was man über Nicolas Berggruen zu wissen glaubt, stammt überwiegend aus dem Internet. Über hundert Clips mit ihm sind auf YouTube abrufbar. Als Präsident bei den Konferenzen seiner Denkfabrik, dem Berggruen Institute on Governance, als Podiumsgast bei öffentlichen Veranstaltungen des Public Policy Institute of California (PPIC) oder als Referent bei Oxford Union, einem weltweit renommierten Debattierclub, sieht man ihn mit leiser, monotoner Stimme über sein Lieblingsthema referieren: »die Herausforderung und die Notwendigkeit, Verantwortung zu übernehmen und sich der Herausforderung zu stellen«. Seine Botschaft lautet stets: »Die Herausforderungen werden immer größer, und sie werden immer schneller auf uns zukommen. Wir haben nicht mehr viel Zeit.«

Mit etwas Glück kann man ihm in einem der drei Luxushotels begegnen, in denen er als Stammgast logiert: im Peninsula in Los Angeles, im Carlyle in New York und im Claridge’s in London. Die meiste Zeit aber ist er unterwegs, sitzt in seinem Privatjet und fliegt über den Wolken. Dort fühlt er sich am wohlsten, denn, wie er sagt, die ganze Welt sei sein Zuhause.

Dennoch schlagen in Nicolas Berggruens Brust zwei Seelen: »Die New Yorker und die Berliner«, sagt er. Inzwischen weiß mindestens die Hälfte aller Deutschen, wenn sein Name erwähnt wird, dass es sich bei ihm um »Mister Karstadt« handelt. Seit September 2010 besitzt Nicolas Berggruen diese deutsche Handelsikone, die 1881 gegründet wurde und die er für einen symbolischen Euro übernommen hat, um deren Untergang vorerst zu verhindern. Mit diesem Investment wurde der relativ unbekannte Sohn des ehemaligen Galeristen und »Picasso-Freunds« Heinz Berggruen zum Medienobjekt. Seither nimmt das Interesse an seiner Person unvermindert zu, was nicht zuletzt an der Prominenz aus Politik, Kunst und Wirtschaft liegen dürfte, die Nicolas Berggruen um sich schart. Sie alle scheinen sich von diesem dynamischen Macher wie von einem Messias unwiderstehlich angezogen zu fühlen. Sich selbst zu verkaufen, kann Berggruen wie kein anderer. Diese Fähigkeit hat er von seinem Vater geerbt. Seine Medienvorherrschaft als Investor ist mit virtuellen Webauftritten gesichert und mit exzellentem Videomaterial unterfüttert. Die virtuelle Macht der Bilder übertüncht seine wenig aussagekräftigen Botschaften, die ihn mitunter wie eine flüchtige Illusion erscheinen lassen. Handelte sein Vater Heinz Berggruen einst mit Kunstwerken von Picasso, Klee und Matisse, so hat sich sein Sohn selbst zu einem kuriosen Phänomen hochstilisiert.

EIN MESSIAS FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT

Was treibt Nicolas Berggruen an? Was sind seine Beweggründe? So einfach es auch klingen mag, die Antwort lautet schlicht: Er ist begabt! Er gehört zu den »Talenten« der Investmentbranche, nach denen schon der Ex-Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, immer Ausschau gehalten hat. Nicolas Berggruen hätte es in jeder Bank an die Spitze gebracht, ob in London, Frankfurt am Main, Paris oder New York. Allerdings ist er wie sein Vater: Ein Nomade, der durch die Welt des Geldes und der Kunst zieht. Mit einem nicht zu bändigenden Unabhängigkeitswillen geboren, versteht er es, für seine Absichten die anderen zielstrebig zu überzeugen. Mit seinen Erfolgen reift in ihm die Überzeugung, über allem zu stehen und alles zu erreichen.

Hinzukommt, dass sich ihm großartige Chancen bieten. Denn die Welt ist gar nicht so groß, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Sie wird von etwa 5000 Menschen beherrscht. Dieses Verhältnis muss man sich vergegenwärtigen: Sieben Milliarden Menschen hängen vom Willen von 5000 Einzelpersonen ab. Das ist nicht einmal ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Von diesem wiederum gehört nur knapp zwei Drittel der Gruppe der Milliardäre an. Weltweit, ermittelte die Hurun Global Rich List, gibt es 1453 Megareiche. Einer von diesen ist Nicolas Berggruen. Natürlich gibt es noch eine Dunkelziffer, die sich auf keiner Liste findet und über welche die Schätzungen weit auseinander liegen: Der Reichenforscher Hans Jürgen Krysmanski spricht von 3000 Milliardären weltweit, von denen nicht einmal die Hälfte namentlich publik ist. Nicolas Berggruen ist in der weltweiten Öffentlichkeit bereits bekannt, was dazu führt, dass es ein Interesse vonseiten der Ratingagenturen gibt, ihn zu beobachten und seine Vermögensverhältnisse zu bewerten. Zwar ist er 2013 aus den Top 500 der reichsten Personen der Welt herausgefallen – er befindet sich »nur« noch auf Platz 736 –, aber er kann immer noch rund zwei Milliarden Dollar sein Eigen nennen.

Während sich bei Multimilliardär Warren Buffett eine klare Front zwischen Befürwortern und Gegnern ausmachen lässt, ist bei Nicolas Berggruen vorläufig weit und breit kein erklärter Feind ausfindig zu machen. Vielleicht weil er noch nicht das Stadium erreicht hat, das seinen Konkurrenten gefährlich werden könnte. In den amerikanischen Medien wird Nicolas Berggruen bislang eher wie ein Kuriosum betrachtet, auch ist er dort fast nur Experten bekannt. Darüber hinaus hält er sich brav im Hintergrund. Ins allgemeine amerikanische Bewusstsein ist er deshalb noch nicht vorgedrungen. Bis dato ist Berggruen außerhalb der Insiderkreise von New York und Los Angeles ein »Mister No Name«.

KEIN INTERESSE AN EINER ZUSAMMENARBEIT

Dass man so wenig über ihn weiß, liegt gewiss auch daran, dass es in seinem verschworenen Mitarbeiterkreis, der auf einem versiegelten Gebiet agiert, bislang noch niemanden gab, der über ihn und seine Methoden ausgepackt hat. Einige Insider glauben den Grund zu wissen: Außer Berggruen selbst würde sich in seinem undurchschaubaren Firmenlabyrinth niemand wirklich auskennen. Das war schon bei seinem Vater so. Die Biographie, die dessen Vorgehensweise aufzeigte, erschien erst nach seinem Tod. Zwar gingen Nicolas Berggruen und sein Bruder Olivier Berggruen nicht gegen die Autorin Vivien Stein juristisch vor – weder ließen sie eine einstweilige Verfügung erwirken, noch strittige Passagen schwärzen –, aber noch ein Buch über Berggruen, so vernimmt man aus seinem unmittelbaren Umfeld, soll es so schnell nicht mehr geben.

Auch ein Buch über ihn selbst lehnt Nicolas Berggruen ab. Er wird zwar nicht müde, sich bei seinen zahlreichen Medienauftritten für Transparenz in der Politik stark zu machen, aber diese gilt nicht, sobald es um seine Person geht. Als Privatmensch will er ein Unbekannter bleiben. Ein Phantom, von Mysterien umwoben. Das gehört zu seinem Geschäftsprinzip. Je weniger man über ihn weiß, desto erfolgreicher kann er agieren. Deshalb geht er auch nicht direkt in die Politik, denn dann müsste er sich zur Wahl stellen. Als Kandidat müsste er es sich gefallen lassen, dass sein Leben von allen Seiten durchleuchtet würde. Vom Aktienbesitz über die Steuererklärung bis hinein ins Schlafzimmer – Amerika ist für seine Schlammschlachten berüchtigt. Also kandidiert er nicht. Schließlich kann man sich dem Weltgeschehen auch ohne Wählermandat widmen, wie er mit seiner Denkfabrik beweist. »Politik«, so sagt er, »ist für mich eine Berufung.«

Die Frage, ob er an dieser Biographie mitgewirkt hat, beantwortet sich damit von selbst. Nicolas Berggruen war weder zu einem Gespräch noch zu Auskünften über sein Firmenimperium bereit. Statt Transparenz zu schaffen, machte er die Schotten dicht. Keiner von seinen Mitarbeitern wollte etwas sagen, weder seine Geschäftsführer noch seine Berater, weder seine Wirtschaftsanwälte noch seine Partner. Alle fürchteten das offene Wort. Meine Recherchen gestalteten sich denkbar schwierig. Um den Druck auf mich zu erhöhen, schaltete Nicolas Berggruen zudem einen Anwalt ein.

POST VON BERGGRUENS ANWALT

Christian Schertz, ein Topkaliber der Jurisprudenz, ist bekannt aus dem Fernsehen. Gern und oft sieht man ihn bei Maybrit Illner & Co. debattieren. Die unberührbaren Persönlichkeitsrechte der Prominenten sind sein Spezialgebiet. Dies betont er auch immer wieder und verweist auf seiner Homepage auf das internationale Nachschlagewerk The Legal 500 Series. Dort werde er als »absolutely superb« und »very well connected« für den Bereich »press and entertainment law« genannt. Das Handbuch gibt als Referenzen auch einige seiner Mandanten an: »Daimler, Pfizer, Morgan Stanley, Ufa Cinema, sowie bekannte Persönlichkeiten wie Thomas Gottschalk, Nadja Auermann und Lukas Podolski.«

Recherchiert man weiter, stößt man noch auf viele andere höchst prominente Namen: Theo Zwanziger, Oliver Bierhoff, Hannelore Elsner, Maria Furtwängler, Sabine Christiansen, Oliver Pocher, Cosma Shiva Hagen, Dieter Wedel und sogar der »Talker der Nation« Günther Jauch. Offenbar sind solche Referenzen hilfreich, wenn es darum geht, neue milliardenschwere Klienten hinzuzugewinnen.

Der »guten Ordnung halber« hat Christian Schertz mich und den Rotbuch Verlag in einem Schreiben vom 9. Januar 2013 darauf hingewiesen, »dass unser Klient [Nicolas Berggruen, Anm. des Autors] sich selbstverständlich bezüglich des von Ihnen bereits angekündigten Buches sämtliche presse- und persönlichkeitsrechtlichen Ansprüche vorbehält. Wir gehen davon aus, dass Sie die Persönlichkeitsrechte unseres Klienten in jeder Hinsicht und unbedingt beachten. Insbesondere eine Verbreitung von Unwahrheiten würde unverzüglich die Geltendmachung von Unterlassungs- und weiteren Ansprüchen nach sich ziehen.«

Wenn man das liest, ist man zunächst sprachlos. Ein unheimliches Unbehagen nistet sich in der Bauchgrube ein. Die erste schlaflose Nacht folgt. Fortan die Gefahr, befürchten zu müssen, von einem Milliardär verklagt zu werden. So etwas kannte ich bislang nur aus Hollywood-Filmen.

In seinem Schreiben weist der Anwalt von Nicolas Berggruen außerdem darauf hin, »dass wir [die Kanzlei in der Sozietät mit Simon Bergmann, Anm. des Autors] auch den Bruder unseres Klienten und postmortal über die Brüder die Interessen ihres Vaters vertreten und auch bei der Verletzung von Persönlichkeitsrechten der anderen benannten Personen presserechtliche Schritte einzuleiten wären.«

Weiter heißt es: »Im Zusammenhang mit der bereits angekündigten Biographie über unseren Klienten, ›Die Robin-Hood-Falle‹, hatte sich der Autor des Buches mehrfach an das Büro unseres Klienten gewandt und unlängst sogar einen verschlossenen Umschlag offenbar mit einem Kapitel aus dem Buch an unseren Klienten übersandt. Wir haben diesen Umschlag ungeöffnet zurückgesandt im Namen unseres Klienten.« Dass ich mich postalisch an Nicolas Berggruen gewandt habe, entspricht der Wahrheit. Die bürgerliche Freiheit, sich an jemanden mit einer Presseanfrage zu wenden, löste bei Berggruens Rechtsschützern allerdings gleich mehrfach Alarm aus: »Heute erreichte ein weiterer Brief das Büro unseres Klienten. Auch diesen Brief habe ich direkt an Herrn Veszelits zurückgeschickt«, lautete der Schlusssatz des Anwaltschreibens.

Mein Ansinnen, Nicolas Berggruen einen Brief zu schicken, war spontan durch Picasso ausgelöst worden. Der Umschlag enthielt zwei Fotos, die ich in Valencia aufgenommen hatte. Dort hatte ich ein Graffiti mit dem Konterfei des Malers entdeckt, aufgesprüht auf einer Wand eines eingestürzten Hinterhofes, der mit Stacheldraht verbarrikadiert war. Der Stacheldraht als Symbol der Abwehr, Abschottung und Angst in einer Welt, in der nur noch Picasso einen festen Wert darstellt. Spontan griff ich zur Kamera und machte zwei Fotos davon, ließ sie entwickeln und schickte die beiden Abzüge an Nicolas Berggruen. Mag sein, dass meine Annahme, er würde sich für meine kuriosen Schnappschüsse interessieren, naiv war. Aber schließlich, dachte ich, interessiert er sich für Fotografie und sammelt – wie einst sein Vater – Kunst. Auf der Art Basel in Miami Anfang Dezember 2012 stand er etwas abseits mit dem Fotografen Todd Eberle. Das war das Signal für mich. Der deutsch-amerikanische Lichtkünstler gilt als Meister der Kontraste. Picasso und Stacheldraht – das hätte auch ein Eberle-Motiv sein können. Aber eigentlich lag es auf der Hand, dass man mit einem selbsternannten Philanthrop wie Nicolas Berggruen keinen bürgernahen Kontakt pflegen kann. Es ist auch nicht bekannt, dass er neue Künstler fördert und entdeckt. Stattdessen hält er sich an bereits etablierte Stars der Szene, um von deren Rampenlicht einige Strahlen abzubekommen. Ihm einfach in einem Umschlag zwei Fotos zu schicken, war ein Trugschluss. Wer wie ich einen solchen Versuch unternimmt, tappt nur in seine Robin-Hood-Falle.

DAS RECHT AUF INFORMATION

Doch es geht nicht um Nettigkeiten. Sich an Nicolas Berggruen wegen Erstellung einer Biographie zu wenden, ist allgemeines Presserecht. Und Presserecht ist Bürgerrecht verankert im Grundgesetz. Nicolas Berggruens Wirken ist nicht privat, sondern öffentlich. Die Auskunft über die Hintergründe seiner Handlungen zu verwehren, rechtfertigt den Verdacht, dass hier ein Investor – der nach wie vor über 22 500 Arbeitsplätze entscheidet, in Berlin Immobilien wie Lego-Steine sammelt und jahrzehntelangen Mietern kündigen lässt – versucht, das Grundrecht der Öffentlichkeit auf eine transparente Biographie über seiner Person zu verhindern. Dieses Buch will seine vielen Facetten aufzeigen und veranschaulichen, welche Ziele er unter anderen mit seinem Karstadt-Engagement und seiner Denkfabrik verfolgt. So soll die Transparenz geschaffen werden, die der Öffentlichkeit zusteht.

KAPITEL I

DER ÜBERVATER

»Er war ohnehin ein ungewöhnlicher Mensch. Er war für uns Kinder nie der Vater mit dem Zeigefinger. Er war kein Lehrer, der uns lange Vorträge gehalten hat. Zwei Dinge fürs Leben hat er mir vermittelt, die für meinen Berufsweg wichtig waren. Erstens: Wenn du etwas kaufst, dann achte auf Qualität. Und zweitens: Lerne, dich zu konzentrieren. Wer zu viel will, kann am Ende mit leeren Händen dastehen.«

NICOLAS BERGGRUEN

Um den Werdegang von Nicolas Berggruen nachzuvollziehen und zu verstehen, ist es notwendig, zunächst einen Blick auf das Leben seines Vaters, den »legendären« Kunstsammler und »Picasso-Freund« Heinz Berggruen, zu werfen. Vieles von dem, was Berggruen ausmacht und wofür er steht, erklärt sich erst aus dessen Biographie. Es sind nicht nur die graublauen Augen, die Nicolas Berggruen von seinem Vater geerbt hat, sondern viel entscheidender: bestimmte Gaben und Talente, die seinen Erfolg erst möglich machten. Ohne seinen Vater wäre Nicolas Berggruen als Investor, »Karstadt-Retter«, Politikberater und selbsternannter »heimatloser Milliardär« nicht denkbar.

Berlin, 1914–1932Heinz Berggruen wird 1914 in Berlin-Wilmersdorf geboren. Als Einzelkind ist er der Stolz seiner Eltern. Ludwig Berggruen und Antonie Zadek stammen aus dem Großherzogtum Posen, welches zwischen 1815 und 1918 als Provinz von Preußen verwaltet wurde, und gehörten dort der jüdischen Minderheit an. Ende des 19. Jahrhunderts versuchten sie ihr Glück in der deutschen Hauptstadt. Sie zogen mit ambitionierten Plänen nach Berlin und eröffneten ein Papier- und Schreibwarengeschäft in der Nähe des Olivaer Platzes. Das Geschäft lief gut. In seinen Erinnerungen schreibt Heinz Berggruen: »Meine Eltern waren weder Großbürger noch Kleinbürger, sondern irgendwo dazwischen einzuordnen.« Über den Nachbarsjungen, den Sohn des Stummfilmproduzenten Adolf Lantz, lernt er viele Schauspieler und Stars der damaligen Zeit kennen, darunter auch Alexander Moissi, dessen uneheliche Tochter Bettina Moissi er später einmal heiraten wird. Aber davon ahnt er in diesen Jahren noch nichts. Berggruen genießt die Nähe der Stars. In dieser Hinsicht ähnelt er seinem Sohn, der sich wie einst sein Vater gern mit bekannten Persönlichkeiten umgibt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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