Die Nachrichtenprofis - Laszlo Trankovits - ebook

Die Nachrichtenprofis ebook

Laszlo Trankovits

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Opis

Der Anschlag gegen Charlie Hebdo, die Tragödie des Germanwings-Flugs 4U9525 und das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer haben eines gemein: Bei allen Top-News stehen heute auch die Medien am Pranger. Ihre Berichterstattung wird vor allem im Internet heftig kritisiert. Zweifellos haben traditionelle Medien das Privileg verloren, die Öffentlichkeit mit Nachrichten zu versorgen. Wirtschaftlich ringen vor allem Zeitungen mit der Umsonst-Mentalität des Internets. Die "vierte Gewalt" steht vor ihrer größten Herausforderung. Manche möchten Medien durch eine "fünfte Gewalt", der Schwarmintelligenz des Internets, ersetzen. Die zentrale Frage ist, wie wir uns künftig informieren. Demokratie braucht aufgeklärte, informierte Bürger. Geht das ohne professionellen Journalismus? Kaum ein Medium spürt den neuen Krieg um die Nachrichtenhoheit mehr als Nachrichtenagenturen wie die Deutsche Presse-Agentur dpa, News-Spezialist Nr. 1 in Deutschland. Im Licht der digitalen Revolution mit ihren verwirrenden Informationsfluten wird plötzlich deutlich, welche überragende Rolle unabhängige Nachrichtenagenturen spielen.

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Laszlo Trankovits

+++ Die Nachrichtenprofis +++

Warum Qualitätsjournalismus für unsere Demokratie unverzichtbar ist (dpa)

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Laszlo Trankovits

+++ Die Nachrichtenprofis +++

Warum Qualitätsjournalismus für unsere

Demokratie unverzichtbar ist (dpa)

Frankfurter Societäts-Medien GmbH

Frankenallee 71–81

60327 Frankfurt am Main

Geschäftsführung: Oliver Rohloff

1. Auflage

Frankfurt am Main 2015

ISBN 978-3-95601-187-0

Copyright

Frankfurter Societäts-Medien GmbH

Frankenallee 71–81

60327 Frankfurt am Main

Umschlag

Daniela Seidel, FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH – Der F.A.Z.-Fachverlag, 60327 Frankfurt am Main

Satz

Jan Walter Hofmann, Frankfurt am Main

Grafiken:

dpa-infografik

Titelbild

© Michael Kappeler/​dpa/​picture alliance

E-Book-Herstellung

Zeilenwert GmbH 2016

Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, vorbehalten.

Für Clemens, Benedikt, Johanna und Marie

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Widmung

Vorwort

I Revolution der Nachrichtenwelt?

1 Nachrichtenprofis hinken hinterher

2 Verdrängte Wirklichkeit: Medien dominieren den Alltag

3 Medienkrise: falsche Prognosen, neue Chancen

4 Roboter drängen ins Nachrichtengeschäft

5 „Demokratisierung“ des Journalismus?

6 Digitale Medienrealitäten: Web-Giganten und Blogs

II Die Besonderheiten der Ware Nachricht

1 Wie Nachrichten entstehen

2 Standards und Praxis der Nachrichtenprofis

3 Die unbekannte Dominanz der Nachrichtenagenturen

III Wie kann sich professioneller Journalismus finanzieren?

1 Herausforderung im Web: Urheberrecht und geistiges Eigentum

2 Lässt sich mit Nachrichten Geld verdienen?

3 Die „Frenemies“: Facebook, Google und Twitter

4 Journalismus ohne Markt: Subventionen, Stiftungen, Crowdfunding

5 Finanzierung von Nachrichtenagenturen: ständiger Balanceakt

IV Newskrieg in Deutschland

1 Fast eine Kriegserklärung gegen dpa

2 Seilschaften, Verschwörungstheorien und juristische Scharmützel

3 dpa-Konzepte erregen Aufsehen

4 Strategen siegen gegen Hasardeure

V Der erbitterte Kampf um Aufmerksamkeit und Wahrheit

1 Die Wahrnehmung der Wirklichkeit

2 Antworten auf Komplexität: Emotionalisierung und Skandalisierung

3 Ausgedünnte Auslandsnetze: Wenige Reporter für Kriege und Krisen

4 Mainstream und Political Correctness

5 Die Wut auf Medien und alles andere: Trolle und Shitstorms

6 Die „gute Nachricht“

7 Wie Politik und Wirtschaft auf Nachrichten Einfluss nehmen

VI Die Zukunft der Nachrichtenagenturen

Nachwort

Danksagung

Anmerkungen

Der Autor

Vorwort

Wie glaubwürdig kann ein Buch über Medienwandel, die Bedeutung der Nachricht, der Nachrichtenagenturen und insbesondere die Deutsche Presse-Agentur (dpa) sein, wenn der Autor seit 38 Jahren für die dpa arbeitet? Ginge es nur oder vor allem um diese Nachrichtenagentur hätte diese Frage eine gewisse Berechtigung. Aber dieses Buch ist weder eine Enthüllungsgeschichte über den Mikrokosmos oder die Skandale der dpa noch eine lobhudelnde Festschrift auf die größte deutsche Nachrichtenagentur.

Es geht in diesem Buch vor allem um das Geschäft mit der kostbaren Ware Nachricht, die scheinbar immer billiger zu haben ist. Nachrichten aber sind die Grundlage aller Formen von hochwertigem, professionellem Journalismus. Hier soll die Frage beantwortet werden, ob und, wenn ja, wie Qualitätsjournalismus in der digitalen Revolution überleben kann. Denn zur Disposition stehen heute auch die über Jahrhunderte etablierten journalistischen Standards.

Dieses Buch versucht die These zu belegen, dass trotz des fundamentalen Wandels der Medienwelt sowie der Kommunikations- und Informationsstrukturen der professionelle Journalismus seine überragende Bedeutung behalten wird. Im Zentrum stehen dabei verlässliche Nachrichten, für deren Produktion es kaum ein geeigneteres Medium als unabhängige Nachrichtenagenturen geben kann.

Das Ringen der dpa um die Zukunft spiegelt exemplarisch die Problematik der digitalen Revolution für Medien, Gesellschaft und Politik wider. Denn um den Preis ihrer wirtschaftlichen Existenz muss eine Nachrichtenagentur wie dpa fast schon seismografisch auf den Medienwandel und die neuen digitalen Optionen reagieren.

Es geht für die Nachrichtenagenturen nicht allein um die großen strukturellen Änderungen, die Anpassung an die neuen und sich weiter verändernden Wünsche von Konsumenten und Medienmachern. Jeden Tag aufs Neue muss in den Agentur-Redaktionen die Frage nach den wirklich relevanten Nachrichten beantwortet werden. Dies wird immer schwieriger. Denn unsere multipolare, politisch zunehmend fragile Welt scheint immer noch komplexer und chaotischer zu werden. Auch ist der dramatische Strukturwandel der globalisierten Wirtschaft noch lange nicht beendet. Schließlich besteht das Publikum aus einer destabilisierten, fragmentierten Gesellschaft.

Fast jeder ist oft genug überfordert, Politiker, Wissenschaftler und Journalisten sind da keineswegs ausgenommen. Die zunehmend säkularisierte, „entzauberte“ und von Informationen überflutete Welt hat die wachsende Verunsicherung und Orientierungslosigkeit des Einzelnen zur Folge. Schließlich zwingen der Abschied und die „Freiheit“ von traditionellen Autoritäten, wie Kirche, Partei, Ideologie oder Familie, den modernen Menschen ohnehin schon dazu, fast alles, zumindest scheinbar, „autonom“ zu bewerten und einzuordnen. Dabei nimmt nicht nur die Komplexität zu, es wachsen weiter – auch von Medien geschürt – das Misstrauen und die Skepsis gegenüber allen Institutionen, Strukturen und Hierarchien, gegenüber allen, die Macht haben. Dazu zählen schon längst auch die Medien selbst, die heute genauso schnell am Pranger stehen wie Unternehmer, Politiker, Lobbyisten oder Funktionäre.

Verlässliche Nachrichten sind in dieser verwirrenden Welt wichtiger denn je. Nur sie bieten im Chaos der Stimmen Orientierung und Halt. Professioneller Journalismus mit hoher Kompetenz und strengen Standards spielt dabei eine zentrale Rolle. Kaum ein Medium muss sich diesem Anspruch im Alltag so kontrolliert und transparent stellen wie Nachrichtenagenturen.

Unabhängig von der eigenen parteipolitischen Orientierung betrachten viele die dpa dank deren politischer Unabhängigkeit und der erwiesenen Qualitäten als einen Glücksfall für die Medienentwicklung des demokratischen Deutschland. Das Schicksal der dpa wird sich an der Frage entscheiden, ob sie ihren Platz in der neuen, digitalisierten Medienwelt wird behaupten können. Gleichgültig wie das Ergebnis sein wird: Es könnte enorme Folgen für die politische Kultur in Deutschland haben. Denn eine unabhängige Nachrichtenagentur wie die dpa zählt zu den wichtigsten Säulen der „vierten Gewalt“.

Die denkbaren Alternativen für eine Gesellschaft ohne funktionierende „vierte Gewalt“ wären für die Zukunft von Freiheit und Menschenrechten ziemlich verheerend: Ein Blick auf die Geschichte der Schreckensregime des 20. Jahrhunderts, eine Betrachtung der Diktaturen und autoritären Systeme heute belegen die direkte Abhängigkeit zwischen der Stärke freier Medien und der demokratischen Qualität eines politischen Systems.

Ohne die Versorgung der Gesellschaft mit relevanten Nachrichten wird sie geradezu blind, orientierungslos und besonders leicht manipulierbar. Denkbar wäre natürlich auch eine andere erschreckende Variante für die Zukunft. Der Zugang zu relevanten Nachrichten existiert weiterhin – aber nur noch eine Informationselite nutzt sie. Selbstgewählte Ignoranz großer Teile der Gesellschaft gegenüber den wichtigen Ereignissen und Entwicklungen könnte für die demokratische Kultur ebenso gravierende Auswirkungen haben wie staatliche Zensur und Willkür oder die übermächtige Dominanz sozialer Netzwerke. Im schlechtesten Fall wird die Verweigerung, sich ausreichend zu informieren, als Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung verbrämt.

Die überall zu beobachtende Weigerung von immer mehr Bürgern in westlichen Demokratien, ihr Wahlrecht auszuüben, ist eng verwandt mit der wachsenden Unlust auf seriöse Medien und komplexe Informationen. Politikverdrossenheit und Medienüberdruss gehen Hand in Hand. Sie können die Funktionsfähigkeit der repräsentativen Demokratie ernsthaft bedrohen.

Für den Autor gibt es keinen Zweifel, dass in unserer Demokratie die „vierte Gewalt“ der Medien von keiner „fünften Gewalt“ jemals gleichwertig ersetzt werden könnte. Die einen bezeichnen die PR-Maschinerie von Politik und Wirtschaft als „fünfte Gewalt“, andere hoffen auf die „Netz-Community“ als „fünfte Gewalt“. Beide Definitionen sind im Grunde gar nicht so weit auseinander – berücksichtigt man die wirklichen Machtverhältnisse im World Wide Web. Nicht nur, dass dort Google und Facebook, Konzerne und Interessengruppen einen oft überragenden Einfluss ausüben. Auch politische Machtverhältnisse werden durchaus erfolgreich ins Netz übertragen – was schon längst, beispielsweise in Russland und China geschieht.

Journalisten haben in den vergangenen drei Jahrzehnten hautnah spüren können, welche dramatischen Veränderungen die digitale Revolution mit sich bringt. Digitalisierung, Vernetzung und Beschleunigung haben kaum einen Bereich mehr erschüttert als die Welt der Medien. Sie haben zwar heute mehr als je zuvor in der Geschichte einen zentralen Platz im Alltag der Menschen erobert. Dennoch haben traditionelle Medien an Macht eingebüßt. Digitalisierung bedeutet insofern durchaus auch ein Stück Demokratisierung.

So wie die katholische Kirche aufgrund der neuen Druckmedien nach Gutenberg das Privileg für den Zugang zur Heiligen Schrift verlor – sowohl wegen der Bibelübersetzung durch Martin Luther als auch der vielen gedruckten, kostengünstigeren Bibelausgaben –, so ähnlich verlieren Journalisten und Medien weitgehend das Privileg der umfassenden Verbreitung von Nachrichten und Berichten im öffentlichen Interesse. Aber genauso wenig wie ab dem 15. Jahrhundert die Kirche obsolet wurde, werden es die Medien und Journalisten nach der digitalen Revolution künftig sein. Professioneller Journalismus muss sich aber ebenso neu definieren wie die Medien insgesamt.

Ein Grund ist zudem der spürbare Vertrauensverlust in der Gesellschaft. Skepsis und Misstrauen gegenüber den Medien bis hin zum demagogischen Vorwurf an eine angebliche „Lügenpresse“ sind Symptome für die Glaubwürdigkeitskrise, in der sich die traditionellen Medien und der professionelle Journalismus befinden.

Meinen Kindern würde ich nur noch empfehlen, Journalist zu werden, wenn sie sich wirklich darüber klar wären, dass die wahrlich goldenen Zeiten des professionellen Journalismus vorbei sind. Was nicht heißt, dass die Arbeit des Journalisten nicht noch immer faszinierend und erfüllend, vor allem aber sehr wichtig ist. Allerdings ändert sich das Berufsbild drastisch.

Gute Jobs und große Karrieren wird es in alten und neuen Medien weiter geben. Sicher auch seriöse Blogger, die als erfolgreiche Einzelkämpfer wie Journalisten arbeiten und damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Wie in vielen anderen Branchen auch dürfen aber nur noch Stars und Führungskräfte mit hohen Einkommen rechnen. Der Wertverfall journalistischer Leistungen kratzt heftig am Glanz der einst generell privilegierten, vergleichsweise gut bezahlten Medienarbeitsplätze.

Vieles ist in der Medienwelt gleichzeitig leichter und schwerer geworden, es existiert wie in vielen Bereichen der Gesellschaft die verwirrende Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Entwicklungen. Nie zuvor konnten sich die Menschen so umfassend und intensiv über die Welt informieren wie heute – Studien deuten indes daraufhin, dass der Kirchturm-Blick allerorten zunimmt, dass sich die Interessen vor allem junger Menschen nur auf wenige Felder konzentrieren. Medien dominieren den Alltag der Menschen mehr denn je – aber zahlreiche Medien bangen um ihre Zukunftschancen.

Die allgemeine Verunsicherung über die mediale Zukunft und die einschüchternde Unübersichtlichkeit der digitalen Revolution legen es nahe, mit Prognosen und Visionen besonders vorsichtig zu sein. Wir haben im besten Fall Ahnungen, wie die Medienwelt, wie die Kommunikation zwischen den Menschen in einigen Jahrzehnten aussehen wird. Technologie wird den Wandel weiter vorantreiben. Die Weichen stellen allerdings Politik und Gesellschaft.

Sicher ist, dass demokratische Gesellschaften als Fundamente ebenso ein hochwertiges Bildungssystem wie eine ausreichende Versorgung mit relevanten Informationen brauchen. Das ist ohne professionellen Journalismus unmöglich. Aber auch wenn es ein breites Angebot an hochwertigen Informationen gibt, muss die demokratische Idee scheitern, wenn die Bürger sich nicht für die wichtigen Vorgänge in der Welt interessieren. Kaum ein Unternehmen spürt den revolutionären Wandel stärker als die dpa, ein Dienstleister aller Medien und damit direkt von deren Wohl und Wehe abhängig.

I Revolution der Nachrichtenwelt?

„Zur Hölle mit den Massenmedien“

Journalistik-Professor Jeff Jarvis1

Medien und Journalisten braucht es nicht mehr. Das zumindest propagieren die Apologeten eines neuen Informationszeitalters. Sie schwärmen von der Vision direkter, weltumspannender Kommunikation, einer digital vernetzten Welt, die zum vielzitierten globalen Dorf wird. In der Tat können wir heute auch ohne die Massenmedien von Ereignissen und Entwicklungen, sei es in der eigenen Region, sei es auf fernen Kontinenten, erfahren. Der Jahrhunderte alte Zusammenhang zwischen Nachrichten und Medien ist zerrissen. Mit Digitalisierung, Internet und Vernetzung ist für Nachrichten eine neue Ära angebrochen.

Diese historische Zäsur ist erst zwei Jahrzehnte alt. Seit Mitte der 90er Jahre eröffnet eine rasant wachsende Zahl von Blogs, Webseiten und neuen Internet-Medien sowie sozialen Plattformen und Netzwerken einen völlig neuen Zugang zum Weltgeschehen. Dank wachsender Vernetzung und rascher Verbreitung von Handys, Smartphones, Notebooks und Apple-Uhren senden nun Hunderte von Millionen Menschen ständig von allem und jedem Informationen und Bilder, Songs und Videos. Journalist ist heute potenziell jeder. Die Ressourcen, Öffentlichkeit herzustellen, liegen für alle nutzbar im Netz.

Eine unsichtbare Mauer ist zusammengebrochen. Sie trennte seit jeher die Bevölkerung von den Vorgängen in der Welt. Ohne die Arbeit der Torwächter und Schleusenwärter dieser Mauer – der Journalisten und Medien – blieben für die überwältigende Mehrheit der Menschen die Handlungen der Regierungen und Politiker, der Reichen und Mächtigen, der Stars und der Verbrecher in dunkler Ferne. Das hat sich radikal geändert. Wer möchte, hat nun einen fast uneingeschränkten Blick auf das Weltchaos, auf eine irrsinnig große Zahl von Bildern, Themen, Ereignissen, Dokumenten und Menschen, eine überwältigende Vielfalt von Informationen.

In diesen gigantischen Mitteilungsfluten befinden sich auch nachrichtenrelevante Informationen über bedeutsame, zuweilen spektakuläre Ereignisse. Manche verwechseln das mit wirklichen Nachrichten, glauben, dass der ständig aktuell genährte Informationsreichtum der digitalen Welt die traditionellen Nachrichtensysteme alter und neuer Medien weitgehend überflüssig machen werde. Dieser revolutionäre Wandel münde schließlich in der völligen Entbehrlichkeit des professionellen Journalismus. Doch gerade wenn aber unsere Welt wirklich zum globalen, digitalisierten und interaktiven Dorf werden sollte, werden deren Bewohner mehr denn je Orientierung brauchen.

Wir befinden uns mitten im Wandel

Selbst die prominentesten Protagonisten der neuen digitalen Zukunftskommunikation wissen, dass wir uns noch inmitten gravierender Strukturveränderungen befinden. Noch sei es gar nicht möglich, eine realistische Prognose zu stellen, glaubt Professor Jeff Jarvis, eine der wichtigsten Stimmen, wenn es um die Zukunft der Medien und der Kommunikation geht. „Wir wissen nicht, was das verpisste Internet überhaupt ist“, meinte der amerikanische Wissenschaftler im April 2015 bei einem Medienkongress in Perugia.2 Schließlich habe es nach der Erfindung des Buchdrucks auch 50 Jahre gedauert, bis die geniale Idee begann die Welt zu verändern, bis Bücher massenhaft gedruckt wurden. Und erst 150 Jahre später sei die erste Zeitung gegründet worden.

Auch dem von vielen verehrten Guru des neuen Medienzeitalters aus New York muss allerdings klar sein, dass im Gegensatz zu früheren Epochen technische Innovationen heute meist in sehr schnellem, zuweilen in schwindelerregendem Tempo umgesetzt werden. In der Tat lässt sich, obwohl wir uns noch inmitten des historischen Umbruchs befinden, schon heute in Umrissen erkennen, welche Folgen die digitale Ära für Kommunikation, Information und Nachrichten mit sich bringt.

1Nachrichtenprofis hinken hinterher

„Qualitätsmedien zeichnen sich manchmal dadurch aus, was sie nicht berichten.… Der Wert der Zurückhaltung lässt sich schlecht beziffern. Man bekommt nicht mehr Traffic, wenn man nicht berichtet. Aber man weiß, dass die Menschen sich daran erinnern, wer es falsch, nicht aber, wer es richtig hatte oder sich zurückhielt.“3

Es sind nicht mehr die Korrespondenten, die uns als erste über weltbewegende Ereignisse informieren. Ob ein Tsunami in Japan, neue Unruhen in Istanbul, ein Anschlag in Boston oder ein Häuserbrand in Tröglitz: Bevor professionelle Journalisten und Medien die „breaking news“ verkünden, die erste Eil-Meldung verschicken, haben Augenzeugen, Rettungskräfte oder Behörden, zuweilen auch Opfer oder Täter, längst über Twitter oder Instagram die ersten Informationen und Bilder geschickt.

Dank der Video-Stream-App „Persicope“ besteht seit Anfang 2015 zunehmend die Möglichkeit, am Smartphone Augenzeuge von Ereignissen zu sein, die auch Tausende von Kilometern entfernt sein können. „Periscope wird die Art und Weise verändern, wie wir die Welt sehen”, meint der TV-Moderator und Blogger Richard Gutjahr.4 Den Schaden werde das Fernsehen haben, vermutet der renommierte Medienexperte.

In dieser neuen Welt hinken Medien und Journalisten in der Regel in ihrer Berichterstattung über wichtige Vorfälle oder Entwicklungen hinterher. Der neue Maßstab heißt vor allem Twitter. Aber niemand sollte die Ambition haben, den Kurznachrichtendienst mit seinen Millionen Quellen bei der Geschwindigkeit zu schlagen. Die Langsamkeit der Medien wird vermutlich sogar noch vielfach zunehmen– denn die Zahl von Informationen und Berichten, hinter denen Propaganda, Desinformation oder Sensationsheischerei steht, droht weiter zuzunehmen. Das Beharren auf verlässliche Quellen jedoch erzwingt zuweilen aufwändige Recherchen.

Seine Existenzberechtigung schöpft der professionelle Journalismus genau aus seiner Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit, seiner Fähigkeit zu gewichten, zu sortieren, einzuordnen und zu erklären. Für Nachrichtenprofis sind in dieser Hinsicht die neuen digitalen Realitäten oft auch schmerzlich. Schließlich kontrollieren Nachrichtenagenturen traditionell bis hin zu den Minuten-, zuweilen sogar Sekundenabständen, welches Medium, vor allem aber welche Nachrichtenagentur mit einer wichtigen Eil-Meldung zuerst auf dem Markt war. Das ist heute zwar noch wichtig, aber dennoch ganz anders als früher.

Als Reich-Ranicki starb

Wegen der geradezu pedantischen Prinzipientreue müssen die dpa-Macher in der Berliner Redaktion nicht selten sogar den Spott der Kunden ertragen. Als am Nachmittag des 18.Septembers 2013 der damalige Mitherausgeber der ), Frank Schirrmacher, mit einem Tweet den Tod des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki verkündete, suchte dpa vergeblich nach einer raschen Bestätigung. Deshalb wurde nur folgender Hinweis gesendet:

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