Diagnose: Zurück ins Leben - Mareike Jörger - ebook

Diagnose: Zurück ins Leben ebook

Mareike Jörger

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Opis

Mareike Jörger, Mutter und Ehefrau, muss seit vielen Jahren eine Krankheit nach der anderen erdulden, ohne sich jemals gesund fühlen zu können, bis sie schließlich eine der schlimmsten Diagnosen überhaupt erhält. Sie durchleidet ein unvorstellbares Martyrium, wird zum Spielball der modernen Medizin und ist auch nach erfolgreicher Therapie noch lange nicht am Ende ihres Leidensweges angelangt. Wer hätte gedacht, dass der simple Tipp eines Freundes eine lebensverändernde Wendung bringt?

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

1 Prolog

2 Der Beginn

3 Der Lauf geht weiter

4 Schöne Nachrichten:

5 Und noch mehr

6 Eine harte Diagnose

7 Planen

8 Untersuchungen und Operationen

9 Fakten und Gedanken vor der ersten Therapie

10 Die Therapie beginnt

11 Ein schöner Urlaub

12 Die 2. Therapie

13 Die 3. Therapie

14 Die vierte Therapie:

15 Die 5. Therapie

16 Die letzte Therapie

17 Der Abschluss

18 Zurück im Leben

19 Doch noch nicht so gut

20 Letzte Chance für die Lösung

21 Die Lösung

22 Anders testen nicht erfolgreich

23 Wichtige Vitamine

24 Weitere Erkenntnisse

25 Weniger ist manchmal mehr

26 Neue Therapieform – Immuntherapie

27 Wechselwirkungen durchNahrung und Medikamente

28 Faszientraining

29 Chronobiologie

30 Planänderung

31 Knapp daneben ist auch vorbei

32 Unser Darm ist so wichtig

33 Ketogene Ernährung

34 Neueste wissenschaftlicheErkenntnisse über Getreide/ATI

35 Epilog

Danksagung

Quellenverzeichnis

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2019 novum Verlag

ISBN Printausgabe: 978-3-95840-828-9

ISBN e-book: 978-3-95840-829-6

Lektorat: Silvia Zwettler

Umschlagfotos: Stephaneponceletphotography | Dreamstime.com, Dipl.-Designerin Marion Richter, BildArt/www.marionrichter.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum Verlag

Innenabbildungen: Mareike Jörger

www.novumverlag.com

1 Prolog

Dieses Buch schreibe ich, um euch und anderen eine Verkettung von Ereignissen, die ich durchleben musste, zu ersparen und Mut zu machen, falls sich jemand an einer oder mehreren Stellen meiner persönlichen Erfahrungen wiederfindet. Dass vorher niemand auf die Lösung gekommen ist, macht mich heute noch sprachlos. Sie kam sehr spät, nach vielen Jahren, und es war die letzte Chance für mich. In dieser Zeit habe ich einige Erkenntnisse über medizinische Zusammenhänge gewonnen, über die ich sonst nie Wissen erlangt hätte und die möchte ich an euch weitergeben. Heute geht es mir sehr gut, aber das war lange nicht so. Durch das Schreiben erhoffe ich mir auch die vielen Erlebnisse noch besser bewältigen zu können. Manchmal weiß ich nicht, ob man das alles verarbeiten kann, aber ich gebe mir Mühe. Ich habe erst mal gezögert, ob ich das Buch in meinem Namen schreiben möchte oder unter einem Pseudonym. Ich habe meinen Sohn und meinen Mann gefragt, wie sie das auch für sich selbst sehen. Mein 13-jähriger Sohn Felix hat mich wie auch mein Mann Ralph dazu ermutigt, es in meinem Namen zu schreiben. Sie sagten, es ist meine Geschichte und ich habe ein Recht darauf, sie weiterzugeben und vielleicht hilft sie anderen. Wenn ich es schaffen würde, einem Leser dadurch zu helfen, hätte sich das Aufschreiben schon gelohnt, und so beginne ich euch an mehreren Abschnitten meines Lebens teilhaben zu lassen …

Ich musste die Erfahrung machen, dass es meinen damaligen Hausärzten leider nicht möglich war, die Ursache meiner vielen medizinischen Probleme zu erkennen, und somit habe ich nie die richtige Ursprungsdiagnose gestellt bekommen. Ich bin dadurch in den letzten Jahren öfters in verschiedenen Krankenhäusern in der Notaufnahme gelandet, wo ich nicht sein sollte, wie ich immer wieder fand, aber entweder konnte ich mir wegen der Schmerzen nicht mehr anders helfen oder mein letzter Hausarzt hat mich dahin überwiesen mit Vermutungen, die sich als nicht richtig herausstellten. Im Krankenhaus ist es für Ärzte aufgrund der Aufteilung in verschiedene, medizinische Fachbereiche schwer bis teils gar nicht möglich, Diagnosen zu stellen, wo auch der restliche Stoffwechsel, also ich als Mensch als Ganzes gesehen werde, und weshalb die eigentliche Problematik unentdeckt bleibt. Ich erinnere mich immer wieder an die gleichen Sätze, egal in welchem Krankenhaus: „Ihre Blutwerte sind soweit o. k., nur die Leberwerte sind viel zu hoch.“ Das sagte mir auch schon mein erster Hausarzt und der zweite. Ich habe dann entweder die Empfehlung bekommen, den Konsum von Milch und Käse zu verringern, oder andere Lebensmittel sollte ich mehr zu mir mehmen oder auch auf Alkohol zu verzichten. Ich verringerte den Konsum einiger Lebensmittel und andere aß ich durch die Empfehlung mehr, aber alles ohne Erfolg. Blut abnehmen war schon als Kind bei mir sehr schwierig, da kaum etwas kam. Das gestaltete sich für mich entweder schmerzhaft, weil mehrfach gestochen werden musste, oder es kam nichts. Über die Jahre wurde das immer schlimmer. Es wurde dann sogar im Bein versucht. Irgendwann wird das für einen selbst immer anstrengender und man entwickelt eine gewisse Panik vor dieser eigentlich harmlosen Untersuchung. Auch dass ich als Kind immer viel zu dünn war, ließ niemanden auf eine Stoffwechselstörung schließen. Dass ich als Mensch nicht mehr in einem gesehen wurde und bestimmte, wichtige Stoffwechselzusammenhänge nicht erkannt wurden, dazu kommen später immer wieder Beispiele. Natürlich ist mir bewusst, dass kein Mensch in allen Fachbereichen Profi sein kann und auch nicht operativ abdecken kann, dennoch habe ich selbst die Erfahrung machen müssen, dass Diagnosen gestellt wurden, immer wieder operiert, aber die Ursache des Problems nicht erkannt wurde. Das muss in meinen Augen nicht zwingend der Internist, Chirurg oder ein anderer Arzt im Krankenhaus sein, der mich wegen akuter Schmerzen kennenlernt und behandelt. Auch dazu später ein paar Beispiele. Ich bin heute der Meinung, dass ein Hausarzt bei Patienten wie mir mit aneinandergereihten, jahrelangen, schmerzhaften Problemen auf eine Lösung kommen sollte oder sich Hilfe bei Kollegen einholen müsste, anstatt Yoga oder eine Psychotherapie zu empfehlen, wie es mein letzter Hausarzt gern getan hat. Ich habe mich auch zu dem Buch entschlossen, weil ich immer mehr Menschen kennenlerne, die entweder erst gar keine Diagnosen bekommen, sich aber trotzdem krank fühlen und merken, dass etwas nicht mit ihnen stimmt, oder sie bekommen Diagnosen mit einer Operationsempfehlung, was auch nicht immer zwingend notwendig ist, oder sie werden mit Medikamenten nicht richtig eingestellt. Dazu schreibe ich später auch noch meine Erfahrungen, und wie ich heute damit umgehe. Diese Menschen haben mich auch ermutigt dieses Buch zu schreiben, weil ich einigen helfen konnte, wo ihre Ärzte nicht weiterkamen.

Ich möchte betonen, dass mein Buch keine Abrechnung mit Ärzten sein soll, obwohl mir manchmal wegen vieler, langwieriger Schmerzen danach war.

Es ist mir auch sehr wichtig, zu sagen, dass ich sehr viele gute Ärzte kenne, auch im privaten Umfeld. Genau da habe ich den für mich entscheidenden Tipp bekommen.

Wie wichtig Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn auf manchen Wegen sind, wird auch erst klarer, wenn man sie „ungefragt“ gehen muss. Ich bin sehr froh, dass ich viele tolle Menschen an meiner Seite hatte.

2 Der Beginn

Meine Erinnerung startet als Kind. Ich war zu der Zeit und viele Jahre danach sehr blass und dünn, bin auch öfters darauf angesprochen worden, aber selbst mit mehr Essen hat sich nichts verändert … Ich war immer recht blass und Blutabnehmen war eine solche Tortur für mich, dass ich vor der Abnahme schon teils in Panik verfallen bin, weil es immer schrecklich war, und meist klappte es auch gar nicht. Störte aber niemanden, nur mich. Als Jugendliche hatte ich dann immer wieder sehr starke Halsschmerzen, Mandelentzündungen. Das war so häufig, bis es hieß, die Mandeln seien völlig zerklüftet, deshalb nicht zur Virenabwehr geeignet und sie wurden entfernt. Nach der immer wiederkehrenden, sehr unangenehmen Erkrankung, war es eher eine Erlösung, zunächst. Der Eingriff war notwendig, da Entzündungen auch das Herz schädigen können und sich auch der Rest des Körpers nicht über ein kaputtes Organ erfreut. Wenn ich danach Halsschmerzen bekam, waren sie sehr stark und im Hals „eine Etage tiefer“, das heißt Seitenstrangangina. Wünsche ich keinem. Bei Kindern hieß es nach solchen Eingriffen, dass es schnell heilt. Ja, das glaube ich, da die Wundfläche noch nicht so groß wie bei einem Erwachsenen ist, aber meine Erfahrung war leider in einem späteren Alter, und so empfand ich die Schmerzen deutlich extremer, als ich es mir vorgestellt hatte. Also wer die Mandeln behalten kann, bitte behalten . In diesem Zusammenhang möchte ich kurz ergänzen, dass mein Sohn Jahre später, Im Alter von 3 Jahren, die Mandeln herausoperiert bekommen sollte, auf Anraten eines Hals-, Nasen-, Ohrenarztes. Ich habe das kritisch hinterfragt, weil das Organ intakt war, nur zu groß, sodass mein Sohn im Kleinkindalter schnarchte. Ich habe den Arzt gefragt, ob wir die Mandeln per Laser nicht einfach nur verkleinern könnten, nachdem ich mich mit dem Thema beschäftigt und eingelesen hatte. Die Antwort des Arztes war: „Es gibt in dem Krankenhaus, in dem meine Belegbetten sind, keinen Laser.“ Ich erkundigte mich nach einer Überweisung für ein Krankenhaus, welches für diese Fälle ausgerüstet ist, da ich die Notwendigkeit, ein gesundes Organ komplett entfernen zu lassen, wenn die Möglichkeit besteht, es zu erhalten, nicht verstand. Letztendlich bekam ich dann doch widerwillig eine Überweisung ausgestellt und mein Sohn freut sich auch heute noch über seine gesunden Mandeln, die ihm damals in der anderen Klinik nur verkleinert wurden.

3 Der Lauf geht weiter

Als junge Frau mit Mitte zwanzig hatte ich einen tollen Beruf, der mich ausgefüllt und mir Spaß gemacht hat. Nach und nach ging es mir allerdings gesundheitlich merkwürdiger. Ich fühlte mich in meinem Körper ×durcheinander“. Ich fragte meinen damaligen Hausarzt um Rat. Er schob es auf Stress wegen meiner unterschiedlichen Symptome wie Schlafstörungen, gefühlte Extraschläge des Herzens, es pochte immer bis in den Hals und ich fühlte mich schlichtweg durcheinander. Ich kann es so beschreiben, es fühlte sich wie falsch programmiert an. Und im Widerspruch zu seiner Theorie war mein eher ansteigendes Gewicht. Meine Arbeit machte mir sehr viel Spaß, also hatte ich keinen negativen Stress zu der Zeit. Ich hatte dann zunehmend mehr Symptome, Schmerzen und Probleme. Ich fühlte mich von meinem Hausarzt nicht richtig ernst genommen. Auf mein Drängen hin wurde dann ein Langzeit-EKG gemacht. Jeder Kontraktion des Herzmuskels geht eine elektrische Erregung voraus, die im Normalfall vom Sinusknoten ausgeht (Der Sinusknoten ist das primäre Schrittmacherzentrum des Herzens und an der komplexen Regulation der Herzfrequenz beteiligt. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Erregungsbildung). Über das herzeigene elektrische Leitungssystem aus spezialisierten Herzmuskelzellen läuft sie zu den übrigen Herzmuskelzellen. Diese elektrischen Spannungsänderungen am Herzen kann man an der Körperoberfläche messen und im Zeitverlauf aufzeichnen. Es ergibt sich ein immer wiederkehrendes Bild der elektrischen Herzaktion. Mit dem EKG lassen sich vielfältige Aussagen zu Eigenschaften und Gesundheit des Herzens treffen.

Bei mir wurden dann deutliche Extrasystolen (eine Extrasystole ist ein Herzschlag, der außerhalb des physiologischen Herzrhythmus auftritt. Sie zählt zu den Herzrhythmusstörungen. Der eigentliche Rhythmus kann dabei unbeeinflusst bleiben oder verschoben werden.) des Herzens festgestellt und meine Schilddrüse rückte in den Fokus. Hier in Düsseldorf wurde mir leider nicht geholfen. Durch einen glücklichen Zufall hatte ich über eine Düsseldorfer Ärztin, der mein Leidensweg naheging, den Namen eines Schilddrüsenspezialisten in Karlsruhe als Tipp bekommen.

Ich bin vorher schon wegen meines heutigen Mannes von Düsseldorf nach Mannheim gezogen.

Ich bekam einen Termin bei diesem Spezialisten. Ein sehr sympathischer, toller Arzt. Er operierte mich nach vorherigen, längeren Untersuchungen, und das war mein Glück. Im Vorfeld hatte er einen kalten und warmen Knoten diagnostiziert, also nicht nur eine Art, wie es in Düsseldorf festgestellt worden war, und während der OP wurde entschieden die Schilddrüse bis auf 3 % ganz zu entfernen, da das Organ sich zu stark selbst angegriffen hatte. Ich war nicht überrascht, da ich auf die Eventualität vorher angesprochen wurde.

Dieser Prozess lief wohl schon über viele Jahre in meinem Körper. Auch schon vor den entfernten Mandeln. Erst war ich nur zu dünn, dann eher zu kräftig. Das Ungleichgewicht ist leider keinem Arzt während aller Untersuchungen aufgefallen und dann muss ich sagen, dass mich dieser Spezialist nicht von früher kannte, nur meine aktuellen Probleme und Werte.

Heute mit 42 Jahren, 15 Jahre nach der Schilddrüsen-OP, weiß ich durch meine jetzige Hausärztin, dass man diese Erkrankung der Schilddrüse Hashimoto Thyreoiditis nennt. Damals und von zwei Hausärzten zwischendurch wurde das leider mit keiner Silbe erwähnt und ich hatte von medizinischen Zusammenhängen noch gar keine Ahnung. So dachte ich, durch die OP sei das Problem gelöst.

Heute weiß ich, was der Auslöser dieser Autoimmunerkrankung sein kann. Dazu schreibe ich euch später mein heutiges Wissen, denn eins steht fest, bei mir haben die weiteren Autoimmunerkrankungen erst seit dem entscheidenden Tipp durch einen Freund, den ich im März 2017 bekam, aufgehört. Dazu dann später mehr.

Jetzt wache ich erst mal nach der Schilddrüsen-OP 2003 auf ;-).

Für mich war vorerst wichtig, dass ich nach dem Aufwachen aus der Narkose keine Herzprobleme mehr hatte, und das ist auch so geblieben. Es war ein irres Gefühl und meine Freude war grenzenlos.

Durch den Selbstangriff und die Zerstörung meiner Schilddrüse wurden über einen längeren Zeitraum sämtliche Hormone willkürlich in meinem Körper abgegeben, was u. a. dem Herzen zu schaffen machte und mich in einen Zustand des völligen Durcheinanderseins versetzte. Seit der Entfernung nehme ich ein Schilddrüsenhormon als Ersatz des Schilddrüsen-L-Thyroxin. Der operierende Arzt hat mich schon im Vorfeld darüber aufgeklärt, dass es sich ohne Schilddrüse gut leben lässt, und das stimmt auch. Man muss nur gut eingestellt sein. Tja, nur ist da ein kleines Wort mit großer Auswirkung, denn genau bei der Einstellung wird es schwierig. Diese Tablettentherapie muss lebenslang eingehalten werden.

Ein Teil der Patienten fühlt sich dennoch nicht gesund, obwohl der Hormonhaushalt den Laborwerten zufolge ausgeglichen ist.

Ich selbst treffe immer mehr Bekannte, denen es so geht.

Ich brauchte nach dem Eingriff lange, um mich zu erholen. Der Schnitt im Hals ist heute so gut wie gar nicht mehr zu sehen, aber damals war die lange Wunde sehr schmerzhaft und unangenehm. Ich hatte zwei Drainagen im Hals, die das Blut in der Operationswunde durch die Schläuche in Flaschen saugen, damit es nicht zu einer Wundheilungsstörung kommt. Es dauerte ca 4 Tage, bis die Drainagen gezogen wurden. Als es so weit war, sagte mir der Arzt, ich solle tief einatmen. Das tat ich, allerdings trat ich zusätzlich noch hinten in das Krankenbett. Das hatte er vorher nicht angeordnet, aber der Schmerz beim Entfernen der Drainagen war recht mächtig, und so passierte es .

Danach war ich erleichtert, denn ich wusste, bald darf ich nach Hause. Es fühlte sich ungewohnt an, morgens immer Tabletten nehmen zu müssen, um mich im Takt zu halten. Ich muss dann eine halbe Stunde warten, bis ich frühstücken kann, weil die Tabletten erstmal aufgenommen werden müssen. Dann fühle ich mich erst fit. Heute ist es für mich normal, so zu leben.

4 Schöne Nachrichten:

Nachdem ich mich endlich erholt hatte, wurde mein größter Wunsch Wirklichkeit. Ich wurde schwanger. Das hatte vorher längere Zeit nicht geklappt. Verständlich, wenn sämtliche Hormonvorgänge im Körper durcheinander sind. So war dann 2004 mein Sohn Felix unterwegs. Mit das Beste, was mir je passiert ist , abgesehen von meinem Mann, der mich auch die folgenden Jahre, als es gesundheitlich noch schwieriger wurde, begleitet hat. Bedingungslos. Sicherlich musste ich selbst viel kämpfen, wie ich noch schreiben werde, aber mit meinem Mann, für den es nicht immer leicht war, ging es einfacher.

Und obwohl ich mich so sehr gefreut hatte, empfand ich die Schwangerschaft teils sehr anstrengend. Ich dachte mir, bei anderen ist das auch, und redete mir die starken Ödeme und andere Probleme schön.

Längere Zeit nach der Geburt sah ich immer noch eher aus wie schwanger, was ich nicht verstand. Erstmals wunderte sich ein Arzt wegen meines Gewichts, was ich nicht mehr so in den Griff bekam. Früher war ich ja eher zu dünn. Er sprach mich darauf an, aber wir schoben es auf meine Schilddrüsenentfernung und dass ich vielleicht länger bräuchte, um den „Babyspeck“ wegzubekommen. Das war für mich nicht wichtig, aber ich war es vorher immer gewohnt gewesen, dass man mich wegen meines „Zu-dünn-Seins“ ansprach. Nun war das Gegenteil der Fall und es ging auch nicht mehr weg. Bis zu dem Tipp aus dem Freundeskreis, den ich erst im März 2017 bekommen sollte. Ich schreibe später, nach den nächsten Ereignissen, was die eigentliche Ursache meiner ständigen Autoimmunerkrankungen war.

5 Und noch mehr

Es folgten erst mal Venenoperationen, da auch in dem „Feld“ nicht alles in Ordnung war, wie man ständig bei Blutabnahmen, die ewig dauerten, weil es bei mir so schlecht floss, auch immer wieder feststellte. Leider hat dabei auch keiner kontrolliert was mein Körper vorher schon für andere Defizite hatte.

Ich hatte immer mehr den Eindruck, es fließt nicht richtig in mir. Auch mein Hautbild war merkwürdig. Selbst nach dem Sport wunderte mich auch immer mehr, dass ich mich nicht gut fühlte, sondern eher das Gefühl hatte, als liefe es nicht so richtig in meinem Körper, aber ich hatte keine Ahnung warum ich mich so fühlte.

Als mein Sohn drei Jahre war, hatte ich immer mehr Krämpfe und starke Schmerzen im Unterleib. Während der Periode hatte ich das Gefühl zu verbluten, so stark war sie. Mir wurde schwindelig und ich fühlte mich immer schlapper. Ich wohnte mit meiner Familie wieder in Düsseldorf. Es wurde recht zügig durch einen Arzt in Düsseldorf Endometriose bei mir diagnostiziert. Ich selbst hatte keine Ahnung, was das ist, aber konnte zumindest sagen, dass es sich unglaublich schmerzhaft anfühlte. Der Arzt erklärte mir, dass er die Endometriose in der Gebärmutter mit einem Eingriff entfernen wolle.

Zur Erklärung, was das genau ist:

Bei der Endometriose handelt es sich um gutartige, meist schmerzhafte Wucherungen von Gewebe der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die sich außerhalb der Gebärmutter in benachbarten Organen ansiedeln. Dabei sind häufig der untere Bauch- bzw. Beckenraum, die Eierstöcke und Eileiter und die tieferen Wandschichten der Gebärmutter betroffen. Prinzipiell kann das Endometrium an jeder Stelle im Körper wachsen.

Diese versprengten Endometrioseherde wachsen während des Monatszyklus analog zur Gebärmutterschleimhaut. Damit verbunden sind krampfartige Schmerzen sowie oft chronische Bauch- und Rückenschmerzen, die während des Menstruationszyklus auftreten. Da sie bei jeder Menstruation mitbluten, das Blut aber meist nicht abfließen kann, kommt es häufig parallel zur Bildung von Zysten.

So verschieden die Orte sind, an denen sich Endometrium ansiedelt, so unterschiedlich kann die Erkrankung ausgeprägt sein. Oft zeigen sich nur stecknadelkopfgroße Auflagerungen, doch es kann auch zur Entwicklung größerer, blutgefüllter Zysten kommen – allen voran an den Eierstöcken. Weiterhin können die Eileiter verkleben, in sehr ausgeprägten Fällen sind auch Verklebungen zwischen Gebärmutter, Eileitern, Eierstöcken, Harnblase und Darm möglich.

Der Name der Erkrankung leitet sich von Endometrium ab, der medizinischen Bezeichnung für die Gebärmutterschleimhaut. Normalerweise kleidet diese Schleimhaut nur das Innere der Gebärmutterhöhle aus. Angaben zur Erkrankungshäufigkeit schwanken zwischen 5 und 15 Prozent der Frauen im fruchtbaren Lebensalter. Die Erkrankung gilt als eine der wichtigsten Ursachen für weibliche Unfruchtbarkeit. Bei etwa 40 bis 60 % der Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, steckt eine Endometriose dahinter. Unerkannt und entsprechend unbehandelt kann diese Erkrankung bis zum Beginn der Wechseljahre fortschreiten.

Da die Schmerzen so enorm waren, ließ ich mir in Düsseldorf die Endometriose in der Gebärmutter entfernen. Der Eingriff wurde mit einer leichten Schlafnarkose durchgeführt. Einige Zeit nach dem Aufwachen war ich fit genug, um nach Hause gehen zu können. Ich hatte dann noch Kontrolluntersuchungen bei dem Arzt. Nach einigen Tagen fühlte ich mich besser. Ich war froh, bedankte mich und der Arzt wünschte mir alles Gute. Er hat mir leider keine Ratschläge oder Informationen gegeben, die – wie sich später herausstellte – wichtig gewesen wären! Ich habe mich deshalb gar nicht weiter mit dem Thema beschäftigt. Ich dachte nun, es sei einmalig notwendig gewesen, und habe dieses Kapitel abgehakt.

Es vergingen einige Jahre, in denen ich ein schmerzfreies Leben führen konnte, wobei die Messlatte für mein Wohlbefinden recht niedrig von mir angesetzt war, wie sich nach dem Tipp, den ich dann im März 2017 bekam, herausstellte .

In den nächsten Jahren ging es mir zwar besser, weil ich diese enormen Schmerzen nicht mehr hatte, aber ich wunderte mich, dass das merkwürdige „Insgesamtgefühl“ eher stärker wurde, selbst nach Sport fühlte ich mich weiterhin nicht so wirklich gut. Ich hatte ständig das Gefühl, es fließt nicht so, wie es sollte, in meinem gesamten Körper, egal was ich anstellte oder wieder mal an Lebensmitteln wegließ. Ich hatte kein gutes Gefühl in meinem Körper, teilweise Hautauschläge, was ich sonst nicht hatte, und es zwickte und zwackte hier und da. Meine Haare wurden dünner, aber ich hatte keine Ahnung, was mit mir los war. Ich machte weiter Sport, was mir zunehmend schwerfiel. Leider wusste ich damals noch nicht, was sich da ständig meldete. Das erfuhr ich erst 2017, also noch mal viele Jahre später …

6 Eine harte Diagnose

Dann kam ich in eine Phase, in der ich erst ab und an müde war. Irgendwann wurde die Müdigkeit selbst tagsüber zum Dauerzustand, nachts war ich zwar müde, aber doch sehr aufgewühlt und somit meist schlaflos. Das wurde für mich zu einem nicht enden wollenden Kreislauf. Ich konnte kaum noch den kurzen Weg mit meinem Sohn Felix und unserem Hund Finn zum Kindergarten laufen. Innerlich wurde ich immer verzweifelter, aber ich wusste keine Lösung. Da ich sonst bei meinen Vorsorgeuntersuchungen war, dachte ich, es müsse ein kurzes Formtief sein. Die Schilddrüsenwerte hatte ich regelmäßig kontrollieren lassen und ich war gut eingestellt. Daran konnte es also auch nicht liegen.

Das Tief hielt sich aber hartnäckig und ich hatte das Gefühl, sämtliche Power verloren zu haben. Ich schob es immer auf etwas anderes, um mich zu beruhigen und irgendwie durch den Tag zu kommen. Leider wurde mein Befinden immer schrecklicher. Nachts lag ich dann meistens wach und fühlte mich durcheinander, tags war ich müde und antriebslos. Selbst die schönen Spaziergänge mit meinem Hund Finn wurden zur Qual, weil ich so erschöpft war. Auch verabreden wollte ich mich nicht mehr und andere Dinge, die mir sonst Spaß gemacht hatten, rückten in den Hintergrund. Mehr und mehr Schüttelfrost kam dazu, selbst bei wärmeren Temperaturen. Ich hatte aber keine Schmerzen und fragte mich, was bitte nun wieder sein könnte. Dann verstarb meine Oma, die ich sehr geliebt habe, und ich fand dadurch einen neuen Grund, warum es mir so schlecht gehen durfte und dass die Traurigkeit bestimmt dieses schlappe Gefühl in mir auslöste.

Wir sind dann zu ihrer Beerdigung nach Berlin gefahren. Mein Sohn bekam nachts einen Pseudo-Krupp-Anfall und wir mussten vom Hotel sofort mit dem Krankenwagen in die Charité. Der Fahrer des Krankenwagens sagte damals, er mache sich mehr Sorgen um mich, wenn er mich anguckte, als um meinen Sohn. Und er sollte recht behalten. Meinem Sohn ging es zügig wieder gut und ich fühlte mich, zurück in Düsseldorf, noch schrecklicher als die Monate zuvor. Ein paar Tage später fühlte ich einen Knoten in der linken Brust. Es war sonntags.

Meine ersten Gedanken waren, das probiere ich später noch mal, vielleicht hab ich mich getäuscht. Und wieder. Und wieder … Als ich merkte, dass ich mich nicht getäuscht hatte und der Knoten da einfach blieb, egal was ich dachte oder später versuchte, habe ich gewusst, dass ich es am nächsten Tag abklären lassen musste.

Die Nacht war sehr lang, denn ich konnte nicht schlafen.

Ich fuhr direkt am nächsten Tag zu meiner Frauenarztpraxis. Mein Frauenarzt war nicht da. Ich lernte eine neue, nette Ärztin kennen, bei ihr bin ich heute noch, da ich das Vertrauen in den anderen Arzt gänzlich verloren hatte. Sie bestätigte den Knoten. In den Praxisunterlagen war notiert, dass ich einige Wochen zuvor bei meiner Vorsorgeuntersuchung dort war. Von einem Knoten war nichts notiert. Sie überwies mich in ein Krankenhaus, wo direkt Stanzproben aus dem Knoten entnommen wurden. Zur Erklärung:

Der Begriff Stanzbiopsie hängt mit dem technischen Verfahren der Gewebeentnahme zusammen. Die Gewebeprobe wird nämlich tatsächlich herausgestanzt.

Nun werdet Ihr euch zu Recht fragen, was „Stanzen“ bedeutet. Habe auch erst mal komisch geguckt bei dem Wort . Im Prinzip geht es darum, bei der Entnahme des Gewebes nicht „abzurutschen“ und den verdächtigen Gewebebezirk auch wirklich zu erwischen. Das erreicht man mit einer sogenannten „Biopsie-Pistole“. Ist die Nadel kurz vor dem verdächtigen Herd angekommen, betätigt der Arzt diese Pistole. Dann schießt die Nadel bzw. der Greifarm mit hoher Geschwindigkeit vor und umschließt den kleinen Gewebebezirk, ohne abzugleiten. Und diese Prozedur nennt man auch „Stanzen“.

Die Frauenärztin sagte vorher zu mir, ich sollte mir den großen Knoten auf jeden Fall entfernen lassen, da so etwas entarten kann, also sich von gutartig in bösartiges Gewebe verändern kann. Es war Frühling 2011 und ich dachte nur, dass ich gerade keine Lust  auf eine OP hätte.

Dass mich ein ganz anderer Weg erwartete, daran hatte ich nicht ansatzweise gedacht.

Ich war es immer gewohnt, in der Woche alles alleine zu organisieren und zu erledigen, weil mein Mann über sehr viele Jahre in der Woche beruflich wegmusste. An diesem Tag vor, während und nach dem Stanzen fiel mir das logistisch und nervlich etwas schwer, weil ich mal wieder nur daran gedacht hatte, Felix bei einer meiner Freundinnen unterzubringen, aber nicht, dass ich nach dem Eingriff kein Auto fahren sollte und mich an dem Tag auch nicht mehr viel bewegen sollte, um Nachblutungen zu vermeiden. Ich fuhr dann mit dem Auto nach Hause, freute mich, weil mein Hund mich stürmisch begrüßte, und lief mit ihm zu meiner Freundin, um Felix abzuholen. Es ist alles gut gegangen, ich hatte keine Blutungen, aber empfehlen kann ich mein Verhalten an der Stelle nicht. Ich war immer alleine klargekommen, und das sollte auch so bleiben. Zumindest habe ich mich an dem Tag so verhalten, als wenn alles normal wie immer wäre. Denke, weil es sonst immer normal für mich war und auch als Selbstschutz.

Das Ergebnis der Stanzprobe lag zwei Tage später vor. Zusammen mit meinem Mann bin ich in die Klinik gefahren. Dass ich mich schon länger nicht gut fühlte, hielt mich nicht davon ab, mir ständig zu sagen, dass alles o. k. sei. Unsere Psyche ist so mächtig. Mehr, als ich jemals gedacht hätte. Ich hatte tatsächlich durch das ständige Mir-selbst-Einreden, es sei mit mir alles in Ordnung, wirklich das Gefühl, es wäre auch so, dabei ging es mir faktisch körperlich nicht gut.

Ich werde den Moment niemals vergessen, in dem wir in dem Zimmer auf die Ärztin warteten. Ich war sehr aufgeregt und froh, dass mein Mann bei mir war. Sie kam herein und betrachtete meine Ergebnisse. Ich erinnere mich noch, als wenn es eben gewesen wäre, dass ihr Ausdruck sich veränderte. Ich wusste dann, was los war, und sie sagte es direkt nach meinen Gedanken. Sie sagte mir, dass es leider Krebs sei, noch dazu eine aggressive Form, G3.

Es gibt verschiedene Formen:

» Grad 1 (G1): gut differenziertes, bösartiges Gewebe („low-grade“), hohe Übereinstimmung mit Ursprungsgewebe

» Grad 2 (G2): mäßig differenziertes, bösartiges Gewebe

» Grad 3 (G3): schlecht/niedrig differenziertes, bösartiges Gewebe

» Grad 4 (G4): nicht differenziertes, bösartiges Gewebe (undifferenziert bzw. anaplastisch) („high-grade“). Der Tumor kann manchmal nicht mehr oder nur aufgrund immunhistochemischer Untersuchungen einem bestimmten Ausgangsgewebe zugeordnet werden.

Ich habe mich noch nie so gefühlt wie in dem Moment. Es fühlte sich an wie ein Albtraum … ich bekomme auch heute noch Gänsehaut, wie jetzt gerade beim Schreiben. Das Gefühl ist da wie 2011 … und ich sehe, wie ich in dem Raum sitze und versuche zu denken, und alles ist so dumpf und doch sitze ich da wirklich und ich kann nicht einfach weglaufen, aber ich versuche es …

Ich habe es denn doch geschafft, aus dem Raum zu rennen und stand auf einem Flur und konnte gar nicht denken, nur weinen, es passierte einfach und hörte nicht auf …

Ich verstand auf einmal den Satz: Es zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Ja, so habe ich mich gefühlt und alles war so leer.

Dann hatte ich Felix in meinen Gedanken und ich fing an mich wieder zu spüren … langsam.

Die Tür hatte sich selbstständig hinter mir geschlossen und ich konnte sie von außen nicht öffnen, aber ich wurde nicht allein gelassen. Die Ärztin kam hinter mir her und auch mein Mann. Ich versuchte mich zu sammeln. Seltsamerweise ging das nicht so wie in früheren Situationen, dachte ich so …

… und ich dachte weiter an Felix und es kam ein weiterer Hauch von Leben in meinen Kopf zurück. Langsam …

Nach dem Gespräch veränderte sich mein Leben so rasant, dass ich kaum mitkam, obwohl ich dabei war.

Die Ärzte sagten, der Knoten war schon ca. 1 ½ Jahre in mir, zweimal war ich in der Zeit bei der Vorsorgeuntersuchung.

Ich möchte an der Stelle trotzdem betonen, dass Vorsorgeuntersuchungen wichtig sind und sie jeder einhalten sollte. Ich empfehle sich zusätzlich selbst abzutasten.

7 Planen

Was ich heute noch als sehr krasses Gefühl empfinde, wenn ich an den Tag zurückdenke, ist die Tatsache, dass ich von dem Schockgefühl, Weinen, Hilflosigkeit, Angst, Panik noch am gleichen Tag in einen strukturierten Fahrplan getaucht bin.

Ausgelöst durch meine Gedanken an Felix. Er war noch im Kindergarten und ich hatte nicht die Absicht, ihn in diesem Alter ohne mich aufwachsen zu lassen. Dieses Empfinden hat mich noch fertiger gemacht als die Tatsache, dass ich Krebs hatte.

So, das war also mein Ziel!!

Während der halben Nacht nach der Diagnose habe ich mich zu meinem Labrador Finn gesetzt, gelegt, wieder gesetzt. Ich habe ihm alles erzählt, wie ich den Kampf gegen den Krebs angehe, organisiere. In meinem Fokus war ständig Felix. Wie sage ich es ihm, was da alles so mit mir passiert? Wo ich doch selbst noch nicht wusste, was mit mir passieren wird, wann die ersten Operationen nötig werden und wie es ausgehen wird. Wo ich doch selbst nicht wusste, wie er betreut werden kann, wenn ich operiert werde und es mir nicht gut geht. Es waren so viele Gedanken, dass ich vor lauter Denken immer wieder Schwindel empfand. Ich wartete auf die Stelle, an der endlich der Wecker klingelte, aber es klingelte nicht und ich verstand, das es wirklich passierte. Es war nicht nur ein Albtraum, sondern real.

Und dann kam mir eine wichtige Gewissheit: Ich war erleichtert, dass ICH diese Krankheit hatte und nicht mein Kind.

Und dann ging er los, der Kampf gegen den Krebs.

Ich bekam ein Buch für Felix, das heißt „Warum trägt meine Mutter im Sommer eine Mütze“.

Ich las es immer und immer wieder, bis ich beim Lesen nicht mehr weinen musste, und dann erst habe ich es Felix vorgelesen und wir haben darüber geredet.

Aber die Krankheit Krebs ist so mächtig, dass selbst er mich in seinem Alter (er war damals 6 Jahre alt) direkt fragte: „Wirst du dann sterben?“

Es ist mir ein Schauer über den Rücken gelaufen, aber ich sagte mit fester Stimme: „NEIN“! Das war nicht gelogen, wie sich hinterher herausstellte, aber in dem Moment wusste ich es nicht, aber musste es sagen. In seine Augen stand so große Angst und er war so blass.

Das Krankenhaus stellte mir eine Psychologin zur Seite. Die Psychologie ist eine empirischeWissenschaft. Ihr Ziel ist es, menschliches Erleben und Verhalten, deren Entwicklung im Laufe des Lebens sowie alle dafür maßgeblichen inneren und äußeren Ursachen oder Bedingungen zu beschreiben und erklären.

Sie hat mich den ganzen Weg begleitet. Von der Diagnose über Operationen, Chemotherapie … bis heute. Eine fantastische Ärztin. Ihr Mann ist Chefanästhesist im selben Krankenhaus und er hat vor und während einiger Operationen auf mich aufgepasst Ein toller Arzt. Ich habe mich dadurch sicherer gefühlt. (Anästhesie, altgriechischἀναισθησία „Empfindungslosigkeit“, ist in der Medizin ein Zustand der Empfindungslosigkeit zum Zweck einer operativen oder diagnostischen Maßnahme und zugleich das medizinische Verfahren, um diesen herbeizuführen.

Die Anästhesie als medizinische Fachdisziplin ist ein Teilgebiet der Anästhesiologie, zu welcher auch die Gebiete Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin gerechnet werden.)

8 Untersuchungen und Operationen

Nun begann eine lange, anstrengende Zeit. An einem Tag bin ich durch so viele Krankenhausabteilungen gewandert von Untersuchung zu Untersuchung. Es musste geklärt werden, ob der Krebs gestreut haben könnte. Das heißt, ob sich nicht nur ein Tumor in der Brust befindet, sondern über Lymphbahnen schon im Körper verteilt hat.

Lymphknoten sind 0,5 bis max. 2 cm große ovale bzw. bohnenförmige lymphatische Organe, die über den Körper verteilt sind. Sie sind Teil des menschlichen Immunsystems und filtern das Gewebswasser (Lymphe) der umliegenden Körperregion. An manchen Körperstellen, z. B. am Hals, liegen die Lymphknoten so dicht unter der Haut, dass man sie ertasten kann.

Angeschwollene Lymphknoten sind ein Zeichen für eine Erkrankung, die Lymphknoten sind dann aktiviert. Sind nur die Lymphknoten einer bestimmten Körperregion geschwollen, deutet das auf eine lokale Entzündung oder Verletzung im Einzugsgebiet dieser Lymphknoten hin. Sind alle Lymphknoten betroffen, kann es sich um eine Allgemeininfektion, eine Immunreaktion oder eine Erkrankung des lymphatischen Systems handeln. Lymphknoten können auch von Krebs befallen werden.