Der Tote, der Bount Reiniger hieß - Cedric Balmore - ebook

Der Tote, der Bount Reiniger hieß ebook

Cedric Balmore

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Opis

Krimi von Cedric Balmore Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten. Ein Liebespaar trifft zufällig auf eine Yacht mit einer Leiche an Bord – und einen Koffer voller Geld: eine halbe Million Dollar. Beim Opfer finden die jungen Leute einen Ausweis ausgestellt auf den Namen Bount Reiniger. Sie nehmen den Geldkoffer an sich in der Hoffnung, nicht erwischt zu werden – was sich jedoch als verhängnisvoller Fehler herausstellen soll, denn das Geld war die Anzahlung für eine Waffenlieferung. Nur gut, dass der echte Bount Reiniger einer der besten Privatdetektive ist und herausfinden will, wer und warum man seine Identität stahl. Dabei sticht er in ein gefährliches Wespennest ...

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Cedric Balmore

Der Tote, der Bount Reiniger hieß

N.Y.D. - New York Detectives

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Der Tote, der Bount Reiniger hieß

Krimi von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten.

 

Ein Liebespaar trifft zufällig auf eine Yacht mit einer Leiche an Bord – und einen Koffer voller Geld: eine halbe Million Dollar. Beim Opfer finden die jungen Leute einen Ausweis ausgestellt auf den Namen Bount Reiniger. Sie nehmen den Geldkoffer an sich in der Hoffnung, nicht erwischt zu werden – was sich jedoch als verhängnisvoller Fehler herausstellen soll, denn das Geld war die Anzahlung für eine Waffenlieferung. Nur gut, dass der echte Bount Reiniger einer der besten Privatdetektive ist und herausfinden will, wer und warum man seine Identität stahl. Dabei sticht er in ein gefährliches Wespennest ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Die Hauptpersonen des Romans:

Andy und Maureen - Ein junges Pärchen, das einen Toten und eine halbe Million Dollar findet und von diesem Moment an mit einem Fuß in der Hölle steht.

Raymond Callner - Er ist ebenfalls hinter der halben Million her, und er wird vom Teufel geholt.

Noel Avon - Ein übler Bursche, der vor nichts zurückschreckt, um sein Ziel zu erreichen.

Dassy - Seine Geliebte, die zu spät erkennt, mit welch einem Satan sie sich eingelassen hat.

June March - ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

1

„Mein Gott“, sagte die Mädchenstimme. „Der ist tot!“

Andy Robertson zuckte aus dem Halbschlaf hoch. Maureens Worte trafen ihn wie ein Hammer.

Andy richtete sich mit einem Ruck auf, er brachte das schmale Boot fast zum Kentern. Die Sonne brannte auf seiner Haut, sie spiegelte sich vieltausendfach in den kleinen, tanzenden Wellenkämmen und legte einen wabernden Hitzeglast über Meer und Küste.

Andy tastete nach seiner Sonnenbrille. Er wusste nicht, wie lange er in der Sonne gedöst hatte. Er blickte auf seine Uhr. Es war kurz nach drei.

Maureen saß im Bootsheck, mit nacktem Oberkörper. Sie waren weit genug hinausgefahren, um sich völlig unbeobachtet fühlen zu können. Maureen hat ihren hübschen Blondkopf zur Seite gedreht. Sie starrte auf ein elegantes, jachtähnliches Kajütboot, das mit abgestelltem Motor träge im Wasser schaukelte.

Andy setzte die Brille auf. Die kleine Yacht war etwa hundert Yards von ihnen entfernt. Unter dem Sonnensegel, das das gesamte Heck überspannte, lag ein Mann direkt an der Reling. Sein linker Arm baumelte wie leblos über den Bootsrand hinweg. Der Mann ruhte auf dem Bauch, er rührte sich nicht.

„Du spinnst“, sagte Andy. Er hatte seit einiger Zeit Schwierigkeiten mit seinen Augen, war aber nicht bereit, es zuzugeben. Es war ihm in tiefster Seele zuwider, eine Brille zu tragen – Sonnenbrillen ausgenommen.

„Er ist angezogen. Er liegt im Schatten. Er hat sogar noch seine Mütze auf. Warum sollte er so an Deck liegen?“, fragte Maureen aufgeregt. Sie griff nach dem Oberteil ihres Bikinis und legte es um.

„Okay, sehen wir mal nach, was los ist“, meinte Andy. Als er behutsam aufstand, um den Außenbordmotor zu starten, wurde ihm bewusst, dass er sich einen Sonnenbrand zugezogen hatte. Maureen glitt behutsam, an ihm vorbei, sie machte ihm Platz.

Andy setzte sich auf die Heckbank, riss an der Zugleine und startete den kleinen Motor. Er kippte den Schraubenflügel ins Wasser und nahm Kurs auf die weiße Yacht. Beim Näherkommen erkannten sie den Namen des weißen Schiffes. Er lautete JESSICA.

Der Mann, der reglos auf seinem Bauch lag, ließ sich von dem Knattern des näher kommenden Bootes nicht beeindrucken. Er blieb liegen, ohne sich zu rühren.

„Ich habe Angst“, sagte Maureen und zog wie fröstelnd ihre Schultern hoch.

Andy grinste. Er hatte seine Benommenheit abgeschüttelt und brannte darauf, Maureen seine Männlichkeit und sein Talent zum kühlen, überlegenen Handeln zu beweisen.

„Angst!“, sagte er. „So’n Quatsch. Wovor denn? Wahrscheinlich ist der Kerl stinkbesoffen. Er hat sich den Bauch voll Whisky laufenlassen und ist prompt umgekippt. Wahrscheinlich ist ihm seine Alte durchgebrannt, oder er hat pleite gemacht. Wenn man so’nen noblen Kahn fährt, muss man mit ’ner Menge Verpflichtungen fertigwerden, das darfst du mir glauben.“

Sie erreichten das Heck der JESSICA.

Andy stoppte den Motor und kippte ihn hoch, dann kletterte er in das kleine, durch eine Leine mit der Jacht verbundene Beiboot und gelangte ohne große Anstrengung über das Befestigungstau an Bord des Schiffes.

Andy ging auf den Mann zu, der auf den Bootsplanken ruhte, und sah, dass es sich um einen etwa Dreißigjährigen handelte. Der Mann trug karierte Bermudashorts und ein weißes, am Rücken durchgeschwitztes Polohemd. Seine muskulösen Beine waren stark behaart. Er hatte weiße Seglerschuhe an den Füßen. Unter der Mütze auf seinem Kopf kräuselte sich dichtes, schwarzes Haar.

„Was ist?“, rief Maureen nervös.

Andy kniete sich zögernd neben den Mann auf den Boden. Er berührte dessen Schulter, er rüttelte daran. „He, Mister“, sagte Andy. „Aufstehen!“

„Andy!“, rief Maureen.

Der Angesprochene reagierte nicht.

Andy richtete sich auf. Er schwitzte. Er fand, dass es unter dem Sonnensegel noch drückender war als innerhalb des Schattenspenders. „Komm rauf“, rief er über seine Schulter. „Schaffst du das?“

Maureen war ein paar Monate lang Schwesternschülerin gewesen, dann hatte sie den Job gewechselt und war als Arzthelferin in einer vornehmen Praxis an der 5th Avenue gelandet. Andy hatte seine Freundin seitdem in Verdacht, dass sie zu ihrem Boss intime Beziehungen unterhielt, aber Maureen bestritt es, und er, Andy, war bislang nicht in der Lage gewesen, Maureen das Gegenteil zu beweisen. So oder so verstand sie einiges von medizinischen Dingen, und gewiss würde sie in der Lage sein, einem Bewusstlosen zu helfen.

Maureen kletterte an Bord. Sie war biegsam und sportlich, eine Augenweide, aber in ihren großen, graugrünen Augen hockte die Furcht.

„Was ist mit ihm?“, fragte sie.

„Das siehst du doch. Er rührt sich nicht!“

„Er ist tot“, murmelte das Mädchen. „Ich habe es gleich gesagt ...“

Andy schaute sich um. Er bewunderte die beiden ledergepolsterten Pilotensessel der Kommandobrücke, den schwarzen Kasten mit den vielen, glänzenden Armaturen, die kleine Radaranlage. Neben dem Aufbau führte eine steile Treppe nach unten, ins Innere des Bootes. Andy ging darauf zu, hielt sich an der blankpolierten Messingstange fest und rief laut: „Hallo? Ist da jemand?“

Er erhielt keine Antwort.

Maureen hatte sich von der Reling gelöst. Sie ging neben dem mutmaßlichen Bootseigner in die Hocke und griff nach seinem Handgelenk. Andy wandte sich um, er schaute ihr zu. Maureen blickte ihn an.

„Kein Puls“, stellte sie fest.

„Vielleicht ein Schlaganfall“, meinte Andy. „Oder ein Sonnenstich. Der Kahn besitzt eine Funkanlage. Ich kann versuchen, sie in Betrieb zu setzen. Wir müssen die Küstenwache verständigen.“

„Hilf mir, bitte“, sagte Maureen. „Wir drehen ihn auf den Rücken.“

Andy befolgte die Aufforderung. Maureen stieß einen schrillen Schrei aus.

Auch die Vorderseite des weißen Polohemdes war nass. Nur handelte es sich nicht um Schweiß, wie auf dem Rücken, sondern um rotes, schillerndes Blut.

Andy und Maureen richteten sich auf. Andy musste seinen Arm um das Mädchen legen und sie halten. Maureen zitterte am ganzen Leibe.

„Mein Gott“, flüsterte sie. „Er ist ermordet worden, erschossen!“

„Scheiße“, entfuhr es Andy. Sein Blick war starr auf die hässliche, blutgetränkte Einschussöffnung gerichtet. „Was nun?“

„Da gibt es doch keine Frage“, erregte sich das Mädchen. „Die Polizei muss her!“

Andy nickte. Er ließ Maureen los und bewegte sich auf die Einstiegsluke zu.

„Was hast du vor?“, fragte ihn das Mädchen.

Andy griff nach der Messingstange und blickte über seine Schulter. „Du bleibst oben“, entschied er. „Mal sehen, ob es noch mehr Tote an Bord gibt.“

„Andy!“, schrie Maureen und hielt sich an der Reling fest. „Bleib hier!“

Er schüttelte den Kopf und verschwand. Maureen musterte das Gesicht des Toten. Es war hart, markant und ausdrucksvoll. Trotzdem wirkte es seltsam leer. Es zeigte nichts von dem Grauen der letzten Sekunden. Der Mann musste vom Tod überrascht worden sein.

Maureen schüttelte sich. Sie wandte sich ab und blickte hinaus aufs Meer, dann zwang sie das grelle, von den Wellen reflektierte Sonnenlicht dazu, ihre Augen dem graublauen Küstenstreifen zuzukehren.

Maureen zählte in Strandnähe vier kleine, weiße Segel, ansonsten war weit und breit keine Menschenseele zu sehen, niemand, der ihnen in dieser Situation rasch und direkt hätte helfen können.

Maureen löste sich von der Reling, sie trat an die Einstiegsluke. „Andy!“, rief sie.

Andy antwortete nicht.

Maureens Furcht vertiefte sich.

„Andy!“, wiederholte sie. Es war wie ein Schrei. Ihre Stimme kippte dabei fast um. Maureen war erleichtert, als Andy sich am unteren Ende der Treppenleiter zeigte. Er hatte einen kleinen, rotbraunen Lederkoffer bei sich und sagte: „Alles okay. Keine weiteren Leichen.“

Er kletterte an Deck. „Lass uns von hier verschwinden“, sagte er.

Maureen musterte ihn fassungslos. „Ich denke, du willst die Polizei rufen?“

„Das können andere besorgen.“

„Andy! Das können wir nicht machen. Was ist plötzlich in dich gefahren?“

Andy setzte sich auf eine mit Kissen gepolsterte Gerätekiste, den Koffer stellte er zwischen seinen nackten Füßen ab. Er blickte über das Meer und registrierte zufrieden, dass weit und breit kein Schiff und kein Boot zu entdecken war.

„Rate mal, was hier drin ist“, sagte er und wies auf den rotbraunen Koffer.

„Das ist doch völlig egal!“, erwiderte Maureen ungeduldig. „Der Mann ist tot. Er wurde ermordet. Es ist unsere selbstverständliche Pflicht, die Polizei zu benachrichtigen. Das weißt du so gut wie ich!“

Andy legte den Koffer um, er ließ die Schlösser aufschnappen und hob den Deckel an. Maureen stieß einen dumpfen Überraschungslaut aus, ihre Augen wurden groß und rund.

Der Koffer war randvoll mit gebündelten Dollarnoten gefüllt.

„Hunderter“, sagte Andy, in dessen blauen Augen ein fast irres Funkeln getreten war. „Jedes Bündel steht für zehntausend Dollar. Ich habe das Ganze rasch überschlagen. Das Köfferchen enthält eine halbe Million.“ Er holte tief Luft. „Eine halbe Million!“ Er schrie die Worte heraus, er musste sich von dem Druck befreien, der sich wie ein eiserner Reif um seine Brust gelegt hatte.

„Es ist Blutgeld, Andy!“

„Es ist Geld. Echtes dazu! Sieh dir das an“, erregte sich Andy und nahm eines der Bündel aus dem Koffer. „Gebrauchte Scheine, da ist kein neuer darunter, dieses Geld kannst du ausgeben, ohne befürchten zu müssen, dass du damit auf den Bauch fällst ...“

Maureen hielt sich an der Reling fest. „Andy ...“ begann sie. Sie wusste nicht weiter. Ihre Blicke wurden von den gebündelten Banknoten festgehalten. Eine halbe Million! Andy schaute sie an, in seinem Gesicht verbanden sich wilder Triumph mit der Angst, dass Maureen ihn nicht verstehen oder den Versuch machen könnte, diese einmalige, fantastische Chance mit Füßen zu treten.

„Wir haben den Kerl nicht umgebracht, nicht wahr?“, fragte Andy. „Wir sind ganz zufällig auf ihn gestoßen. Und auf sein Geld. Der Mörder hat offenbar nicht gewusst, dass es sich in der Kajüte befand. Er hat den Bootseigner umgelegt und ist getürmt. Mit einem Boot, nehme ich an. Sie waren hier draußen verabredet, um irgendein schmutziges Geschäft zu tätigen.“

„Es ist nicht unsere Aufgabe, dumme Theorien aufzustellen – das besorgt die Polizei!“, sagte Maureen.

Andy ließ sich nicht beirren. „Die Polizei! Okay. Sie wird die JESSICA mit dem Toten früher oder später finden, sie wird ihre Ermittlungen aufnehmen und den Killer zur Strecke bringen – vielleicht“, fügte er einschränkend hinzu. „Aber das ist nicht unser Bier.“

„Du willst das Geld klauen. Damit machst du dich mitschuldig.“

„Mitschuldig woran?“, fragte Andy.

„An dem Verbrechen. Du erschwerst der Polizei die Aufklärungsarbeit, du lenkst sie auf eine falsche Fährte.“

„Quatsch! Das Geld hat mit dem Tatmotiv nichts zu tun. Der Koffer lag unten auf dem Tisch. Der Mörder hätte ihn mitnehmen können! Aber er war nur an einem interessiert – am Leben seines Gegners. Mensch, Maureen, kapierst du nicht, welche fantastische Chance sich uns hier bietet? Wir sind mit einem Schlag reich. Soll ich zusehen, wie die Polizei das Geld beschlagnahmt und in ihrer Asservatenkammer verschwinden lässt?“

„Wo, bitte?“

„In der Asservatenkammer. Dort landet alles, was von den Bullen beschlagnahmt wird und aus irgendwelchen Gründen nicht zurückgegeben werden kann.“

„Wer sagt dir, dass der Tote keine trauernde Witwe mitsamt Kindern hinterlässt, die Anspruch auf das Geld im Koffer erheben?“

„Das sagt mir mein Riecher“, erklärte Andy. „Wer erschossen auf einem Luxuskahn liegt und eine halbe Million in bar in seiner Kajüte liegen hat, gehört nicht zu denen, die sich auf legalen Gelderwerb berufen können. Mit dem Burschen war etwas faul – sonst hätten sie ihn nicht auf diese Weise abserviert.“

„Du bist grausam!“

„Ich halte mich nur an die Wirklichkeit!“

„Du bist unfair. Du redest über einen Menschen, der sich nicht verteidigen kann“, sagte Maureen.

„Er konnte sich ’ne todschicke Jacht leisten“, meinte Andy, „ich stottere jetzt noch an den Raten für meinen Außenbordmotor herum. Du kannst nicht erwarten, dass ich für so einen Kerl Mitleid aufbringe. Ich habe seinen Tod weder gewollt noch herbeigeführt, aber jetzt, wo mich der Zufall dazu zwingt, das Verbrechen zu analysieren, kannst du nicht von mir erwarten, dass ich in Tränen ausbreche. Das ist unsere große Chance, Maureen. Eine halbe Million Dollar! Weißt du, was das bedeutet? Ein Haus, ein größeres Boot, Geld In Hülle und Fülle! Vor allem aber: Wir können endlich heiraten.“

„Heiraten?“, echote Maureen.

„Aber klar! Bis jetzt war das nicht drin. Dieser Trip aufs Meer ändert mit einem Schlag unser Leben! Er macht es schöner, er macht uns frei ...“

„Das Geld macht dich anscheinend besoffen“, sagte Maureen grob. „Ich will nichts damit zu tun haben! Wie stellst du dir das überhaupt vor? Deine und meine Eltern wissen, was wir verdienen. Wie willst du denen und unseren Freunden erklären, woher der plötzliche Reichtum stammt?“

„Das ist ein Problem“, gab Andy zu. Er schloss den Koffer. „Wir werden es meistern.“

Maureen setzte sich. Ihr war übel. Eine halbe Million Dollar! Sie fing an, sich vorzustellen, was man mit dem Geld beginnen konnte. Schmuck. Kleider, Reisen ...

„Ich weiß, warum du nicht heiraten willst“, grollte Andy. „Du hast Angst, dass es dann mit deinem verdammten Doktor nicht weitergehen könnte, du willst diesen blöden Blinddarmschneider nicht sitzen lassen.“

„Ich heirate dich noch heute“, begehrte Maureen auf, „aber nicht zu diesen Bedingungen! Für mich ist Glück keine leere Phrase. Wir können nicht glücklich werden, wenn wir die Ehe auf diesem Blutgeld gründen.“

„Und wir werden bis ans Ende unserer Tage unglücklich sein, wenn wir uns diese Chance durch die Lappen gehen lassen“, erklärte Andy und stand auf. Er näherte sich dem Toten und kniete sich neben ihm nieder. Er tastete die Taschen des Mannes ab.

„Was hast du vor?“, fragte Maureen irritiert.

Andy schaute sie nicht an. Er zog ein flaches Lederetui aus der Gesäßtasche der Bermudashorts und klappte es auf. „Ich muss wissen, wem wir diesen unerwarteten Wohlstand verdanken. Ich muss wissen, wie unser toter Millionär heißt“, sagte er.

„Nun?“, fragte Maureen.

Andys Augen weiteten sich. Er sah verdutzt aus.

„Wer ist es?“, drängte Maureen.

„Ein Privatdetektiv“, erwiderte Andy. „Ein Mann namens Bount Reiniger.“

2

Das Telefon klingelte. Bount stand auf der Schwelle. Er machte verdrossen kehrt. Es war ein wundervoller Sonntagmorgen. Über Kings Point spannte sich ein wolkenlos blauer Himmel. Bount befand sich auf dem Wege zum Angeln, aber irgendetwas am monotonen Läuten des Telefons signalisierte ihm, dass er sich zu früh auf eine sonntägliche Entspannung gefreut hatte.

„Reiniger“, meldete er sich.

„Ich dachte es mir“, tönte ihm Captain Rogers' Stimme entgegen.

Captain Rogers war der Chef der Mordkommission Manhattan. Er neigte nicht einmal an Sonntagen dazu, einen telefonischen Plausch zu suchen. Wenn Toby sich an die Strippe hängte, konnte man sicher sein, dass der Anruf mit seinem Job zusammenhing.

„Was dachtest du dir?“, fragte Bount.

„Dass du noch atmest.“

„Ich habe dich schon witziger erlebt.“

„Du bist als tot gemeldet.“

„Von wem?“

„Die Küstenwache hat ein Boot aufgebracht, eine kleine Jacht mit dem hübschen Namen JESSICA. Auf ihr befindet sich ein Toter. Er hat deine Ausweispapiere in der Tasche.“