Der Hofmeister von J. M. R. Lenz. - J. M. R. Lenz - ebook

Der Hofmeister von J. M. R. Lenz. ebook

J. M. R. Lenz

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Opis

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MOBI

Liczba stron: 152




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 441

Textanalyse und Interpretation zu

Jakob Michael Reinhold Lenz

DER HOFMEISTER

Rüdiger Bernhardt

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Jakob Michael Reinhold Lenz: Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung. Eine Komödie. Husum/Nordsee: Hamburger Lesehefte Verlag, 2011 (168. Hamburger Leseheft). Zitatverweise sind mit HL unter der Angabe von Seite und Zeile gekennzeichnet. Jakob Michael Reinhold Lenz: Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung. Eine Komödie. Anmerkungen von Friedrich Voit. Nachwort von Karl S. Guthke. Stuttgart: Reclam, durchgesehene Ausgabe 2001, Nachdruck 2013 (RUB Nr. 1376). Zitatverweise sind mit R unter der Angabe von Seite und Zeile gekennzeichnet.

Über den Autor dieser Erläuterung: Prof. Dr. sc. phil. Rüdiger Bernhardt lehrte neuere und neueste deutsche sowie skandinavische Literatur an Universitäten des In- und Auslandes. Er veröffentlichte u. a. Studien zur Literaturgeschichte und zur Antikerezeption, Monografien zu Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Peter Hille, gab die Werke Ibsens, Peter Hilles, Hermann Conradis und anderer sowie zahlreiche Schulbücher heraus. Von 1994 bis 2008 war er Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Stiftung Kloster auf Hiddensee. 1999 wurde er in die Leibniz-Sozietät gewählt.

Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst.   Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2014

ISBN 978-3-8044-6980-8

© 2006, 2014 by C. Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Titelfoto: Aufführung am Schauspielhaus Zürich: Lenz, „Der Hofmeister“, 2010, Regie: Frank Castorf © Matthias Horn, Berlin Alle Rechte vorbehalten!

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. J. M. R. Lenz: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Sturm und Drang und verfallender Feudalabsolutismus

Kritik am Bildungssystem und soziale Widersprüche

Entdeckung der Sexualität

Forderung nach „Originalität“

Handeln und Revolution als Ideale

Der Hofmeister als gesellschaftliche Figur

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

Erster Akt

Zweiter Akt

Dritter Akt

Vierter Akt

Fünfter Akt

3.3 Aufbau

Aristoteles, Dreieinheit und Shakespeare

Ironie und Satire im Hofmeister

Handlungszeit und Zeitverhältnisse

Simultane Handlungsführung

Ende gut, alles gut?

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Sprechende und authentische Namen

Herrmann Läuffer

Gustchen (Auguste) von Berg

Fritz von Berg

Geheimrat von Berg

Major von Berg

Majorin von Berg

Wenzeslaus

Rehaar

Kathrin Rehaar

Gustav Pätus

Marthe (Pätus), eine alte blinde Frau,

Lise

Die Personen und ihre Beziehungen

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

Sexualität, Ehe und Geschlechtlichkeit

Bildungs- und Gesellschaftskritik

Tragikomödie der nichtgelebten Existenz

Philosophische Debatten im Stück

4. Rezeptionsgeschichte

Rezeption zu Lebzeiten

Lenz-Rezeption im 19. Jahrhundert

Wiederentdeckung in der literarischen Moderne

Kein Platz für Lenz im „Dritten Reich“

Lenz-Renaissance nach 1945

Exkurs: Bertolt Brechts Hofmeister-Bearbeitung

Lenz heute

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 ***

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4 **

Literatur

Zitierte Ausgaben

Primärliteratur

Lernhilfen und Kommentare für Schüler

Sekundärliteratur

Film

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in diesem Band sofort zurechtfindet und das für ihn Interessante entdeckt, folgt eine Übersicht.  

Im 2. Kapitel wird Jakob Michael Reinhold Lenz‘ Leben beschrieben und auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund verwiesen:

Lenz lebte von 1751 bis 1792. Nach Studium in Königsberg (1768) und der Tätigkeit als Begleiter zweier Offiziere in Straßburg (1771) wanderte er rast- und ziellos durch Deutschland und die Schweiz, wurde 1778 zeitweilig wahnsinnig und kehrte zurück nach Livland. Seine Bemühungen um eine bürgerliche Existenz scheiterten. Er starb in Moskau.

Angeregt durch eigene Erfahrungen als Hofmeister und Einblicke in die Bildungsmisere entstand 1772 die Komödie Der Hofmeister, die durch Goethe, mit dem Lenz seit 1771 befreundet war, zum Druck vermittelt wurde.

Sie ist ein Höhepunkt der Dramatik des Sturm und Drang und ein Gegenwartsdrama in dem Sinne, dass es in Lenz‘ Gegenwart spielt. Obwohl als Komödie ausgewiesen, ist es eine Tragikomödie.

Im 3. Kapitel findet der Leser eine Textanalyse und -interpretation.

Der Hofmeister – Entstehung und Quellen:

Die entscheidende Quelle waren eigene Lebenserfahrungen als Hofmeister und zeitgenössische Auseinandersetzungen, u. a. um die Selbstkastration. Als Quelle diente auch die umfangreiche Bildungsdiskussion der Zeit. Bei den Namen verwendete Lenz authentische und sprechende Namen. Möglicherweise bereits 1770 als Idee vorhanden, entstand das Manuskript 1772, das an Goethe gelangte, der es zum Druck (1774) empfahl.

Inhalt:

Der Theologe Läuffer wird in Ostpreußen Hofmeister beim Major von Berg. Neben dem Sohn des Hauses soll er auch die Tochter Gustchen unterrichten. Deren Cousin und Liebhaber Fritz geht zum Studium nach Halle, dort kommt es mit seinem Freund Pätus zu finanziellen und anderen Verwicklungen. – Läuffer wird intim mit seiner Schülerin, die er schwängert; er flieht und wird von einem Schullehrer aufgenommen. Gustchen läuft weg, bringt bei einer Bettlerin ihr Kind zur Welt, versucht sich zu ertränken, wird aber von ihrem Vater gerettet. Die Bettlerin, die sich später als Großmutter von Pätus erweist, findet Läuffer, der sein Kind erkennt und sich kastriert. Er heiratet Lise, der es gleichgültig ist, dass er keine Kinder zeugen kann. Fritz kehrt zurück und vereinigt sich mit Gustchen samt ihrem Kind. Pätus wird Jungfer Rehaar ehelichen. Scheinbar glücklich stehen am Ende drei Paare.

Chronologie und Schauplätze:

Der Hofmeister Läuffer unterrichtet um 1766 auf dem Gut des Majors von Berg in Heidelbrunn bei Insterburg (Ostpreußen) als Hofmeister den Sohn Leopold und die Tochter Gustchen von Berg. Läuffer hat in Leipzig studiert; Gustchens Cousin und Liebhaber Fritz geht auf die preußische Universität Halle (Saale). Läuffer flieht in die Schule des Lehrers Wenzeslaus, Gustchen in eine Bettlerhütte im Wald. Beide Orte befinden sich in der Nähe des Gutes Heidelbrunn. Weitere Orte sind Leipzig (Sachsen), wohin die Studenten aus dem preußischen Halle (Saale) fliehen, und Königsberg; das Stück schließt 1770 am Orte des Beginns, in Insterburg.

Personen:

Läuffer:

junger Theologe ohne berufliche Aussichten,

trägt Züge Lenz‘ und ist triebgesteuert,

wird als Hofmeister diskriminiert.

Gustchen:

etwa vierzehnjährige Tochter aus adligem Hause,

lebt nach literarischen Vorbildern,

weder soziales Verständnis noch Sinn für Realitäten.

Fritz von Berg:

etwa 16 Jahre, lebt seine Liebe zu Gustchen nach literarischem Vorbild,

wird aufklärerisch-bürgerlich erzogen,

wird durch das Studium in Halle von seiner Geliebten getrennt.

Geheimrat von Berg:

rational argumentierender und zynisch handelnder Beamtentyp,

vertritt aufklärerische Ideen,

bürgerlicher Denker im Kleid des Adligen, ohne Entscheidungskraft.

Major von Berg:

Dummkopf und bildungsfeindlich,

Vater und Tyrann, ansatzweise zum Umdenken fähig.

Majorin von Berg:

dumm; Typ der bösen Mutter,

bleibt als Typ unverändert, gerät im Verlauf des Stückes in Vergessenheit,

„will alleweil herrschen“ (HL 9, 23/R 13, 2), arrogant.

Wenzeslaus:

selbstbewusster, pietistischdenkender, beschränkter Dorfschullehrer,

Vertreter eines provinziellen Kantianismus,

typischer Vertreter einer versagenden Bürgerlichkeit.

Rehaar:

Alternativfigur zu Wenzeslaus: ohne Selbstwertgefühl,

ursprünglich nach dem authentischen Stadtmusikus Reichardt genannt,

deutliche Züge der Karikatur.

Kathrin Rehaar:

gleichaltrig mit Gustchen,

vergleichbares Schicksal,

vervollständigt die Konstruktion der Beziehungen aller mit allen.

Gustav Pätus:

Sohn eines Ratsherren und bester Freund Fritz‘,

leichtlebig, verschuldet und künstlerisch interessiert,

flieht von Preußen nach Sachsen, wohin ihm Fritz folgt.

Marthe Pätus, eine alte blinde Frau:

nimmt Gustchen vor der Geburt ihres Kindes auf,

verstoßene Mutter des alten Pätus,

erscheint wie eine mythische Figur.

Lise:

Kind aus dem Dorfe, wurde möglicherweise vergewaltigt,

verehrt Läuffer bis zur Liebe,

ist eine reduzierte Heloise (Lise).

Stil und Sprache in Der Hofmeister:

typische Sprache des Sturm und Drang, der Alltagssprache ähnlich

Prosa, Mischung von Stilebenen und Semantik, mundartliche Wörter

Zeichen (Gedankenstriche, Auslassungspunkte) sind häufig, Tendenz zum Epischen

Hoher Anteil mimisch-szenischer Hinweise ist charakteristisch für ein modernes Drama.

Interpretationsansätze:

Auslöser eines politischen und eines Bildungs- und Reformprozesses

demütigende zwischenmenschliche Beziehungen

Scheinbar glückliche Lösung macht auf Verluste aufmerksam.

Rezeptionsgeschichte:

Der Hofmeister hatte bis ins 20. Jahrhundert eine unauffällige Bühnengeschichte; das änderte sich 1950 durch die Bearbeitung Bertolt Brechts.

Auch literaturgeschichtlich war die Aufnahme zwiespältig, die wesentlich durch Goethes Einschätzung des Jugendfreundes bestimmt wurde.

Das änderte sich mit dem deutschen Naturalismus und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Zustimmung und Ablehnung überschritten politische und geistige Grenzen.

2.J. M. R. Lenz: Leben und Werk

Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792) © Wikipedia

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1751

Seßwegen, lett.: Casvaine (Livland), heute Lettland

23. Januar (12. Januar des alten russischen Kalenders): Jakob Michael Reinhold Lenz wird als 4. Kind des protestantischen Pfarrers Christian David Lenz und seiner Frau Dorothea, geb. Neoknapp, geboren. Anfangs Unterricht beim Vater, strenge pietistische Erziehung im Geist der Halleschen Frühaufklärung (August Hermann Francke). Den Geburtsort erwähnt Lenz nie.

1759

Dorpat, heute: Tartu (Estland)

Übersiedlung der Familie. Elementar-, später Lateinschule.

8

1766

Dorpat

Nach lokalen Ereignissen entsteht Der verwundete Bräutigam. Erste Veröffentlichung in den Rigischen Anzeigen (Gedicht: Der Versöhnungstod Jesu Christi).

15

1768–70

Königsberg (heute: Kaliningrad, Russland)

Herbst: Unterstützt von der Armenkasse und vom Vater Studium der Theologie. Vorlesungen bei Immanuel Kant, dem er 1770 ein Huldigungsgedicht widmet. Beschäftigung mit Shakespeare und Lessing. Kurzzeitig Hofmeister. Erste Buchveröffentlichung: Die Landplagen nach dem Beispiel von Edward Youngs Klagen oderNachtgedanken (1742–45).

19

1771

Königsberg

Frühjahr: Abbruch des Studiums. Reisebegleiter der beiden Barone von Kleist über Berlin und Leipzig nach Straßburg

20

Berlin

April: Lernt Christoph Friedrich Nicolai (1733–1811), bedeutender Verleger und Autor der Aufklärung, kennen. Begegnung verläuft unglücklich.

Straßburg

Mai: Ankunft im Zentrum der Stürmer und Dränger. Salzmann und sein Kreis. Juni: Bekanntschaft mit Goethe, Johann Daniel Salzmann (1722–1812, Rechtsanwalt, Vorsitzender der literarischen Sozietät) und seinem Kreis (Heinrich Leopold Wagner, Lersé, Jung-Stilling u. a.). Bis 1778 entsteht der Hauptteil von Lenz‘ Gesamtwerk.

1772

Fort Louis Sesenheim

Mit einem der von Kleist auf der Festung. Mai/Juni: Verliebt sich in Friederike Brion – von der Goethe sich 1771 trennte. Oft zu Besuch. Arbeit amHofmeister.

21

Landau

September: mit dem Regiment nach Landau. August: Übersetzt Plautus‘ Miles Gloriosus.Oktober:Der Hofmeisterbeendet.

1773

Straßburg

Rede vor der Sozietät: Über Götz von Berlichingen. Briefwechsel mit Goethe.

22

1774

Leipzig

Ostern:Der Hofmeistererscheint, gedruckt auf Kosten der Buchhandlung. Beziehungen zu Sophie von La Roche, Johann Heinrich Merck u. a.

23

Straßburg

Unerfüllte Liebe zur Juwelierstochter Susanna Cleophe Fibich, deren Schicksal er in den Soldaten verarbeitet. Juni: Beginn der Freundschaft mit Lavater. Die Brüder von Kleist haben Straßburg verlassen. Lenz bleibt als freier Schriftsteller, gibt Stunden. Begeistert sich für Goethes Die Leiden des jungen Werther.

1775

Emmendingen

27. Mai –5. Juni: Mit Goethe bei dessen Schwester Cornelia, einseitige Liebe zu ihr. Juli: Goethe, unterwegs in die Schweiz, macht in Straßburg Station. Briefwechsel mit Herder. Herbst: Konstituierung der Deutschen Gesellschaft in Straßburg aus der Sozietät im Salzmann’schen Haus unter Mitwirkung von Lenz (Sekretär).

24

1776

Straßburg

Einseitige Liebe zu Henriette Waldner von Freundstein, die er nie persönlich trifft und die im Frühjahr heiratet. Druck der Soldaten.

25

Mannheim, Darmstadt, Frankfurt, Weimar

März: Besuch der Antikensammlungen u. a.

Bad Berka Großkochberg

3. April –1. Dezember, 5. April: Vorstellung bei Hofe, schockiert mit seinem Verhalten mehrfach. Zwischenzeitlich vom 27. Juni – 10. September Begleiter und Englischlehrer Charlotte von Steins; Begegnung mit Klinger.

Weimar

26. November: „Eseley“ bei Hofe führt zur Ausweisung durch den Herzog. Planlose Reisen, u. a. nach Erfurt, Straßburg und Emmendingen, wo ihn die Schlossers aufnehmen.

1777

Reisen nach Straßburg, Colmar, Basel, Zürich, Schaffhausen, besteigt den St. Gotthard.

26

Emmendingen

8. Juni: Tod Cornelia Schlossers, schwere Erschütterung.

Zürich

August–November: Gast bei Lavater in Zürich. Ende November: Krise (Wahnsinnsanfälle, Depressionen als Zeichen einer ersten schizophrenen Phase). Selbstmordversuch.

Winterthur

Jahreswechsel bei Christoph Kaufmann.

1778

Waldersbach (Elsass)

20. Januar–8. Februar: Aufenthalt bei Johann Friedrich Oberlin. Zeitweise wahnsinnig. Selbstmordversuche.

27

Straßburg

8. Februar: Verbringung nach Straßburg. Rückkehr nach Emmendingen: Schlosser versucht Geld zu sammeln und Arbeitstherapie (Schuhmacherlehre) für den immer schwierigeren Patienten, sie scheitert. August: Einquartierung bei einem Förster im Schweizer Wiswyl.

1779

Hertingen

Unterbringung bei einem Arzt in Hertingen bei Basel. Juni: Der Bruder holt ihn ab, Wanderung über Emmendingen, Frankfurt, Weimar nach Lübeck, Überfahrt nach Riga, wo der Vater inzwischen Generalsuperintendant geworden ist.

28

Riga

23. Juni: Ankunft in Riga. Suche nach einer festen Anstellung scheitert.

1780

St. Petersburg/ Moskau

Philosophische Vorlesungen erscheinen. Febr.–Sept.: Versuche, eine Anstellung als Lehrer, Vorleser oder Soldat zu finden, scheitern. Herbst: Rückkehr nach Livland, Hofmeister. Nach kurzer Zeit erneut Aufbruch nach St. Petersburg. Moskau: Gibt Stunden an einer Adelsschule. Arbeitet als Übersetzer und Hofmeister; kaum Verbindung zur Familie und zu den Freundeskreisen, zunehmende Vereinsamung. Wegen einer Verwechslung in der Presse totgesagt.

29

1784

Moskau

Mitglied in der Freimaurerloge „Zu den drei Fahnen“. Bekanntschaft seit 1787 mit dem russischen Schriftsteller Nikolai M. Karamsin (1766–1826), der den Gefühlsreichtum des Menschen einer feindlichen Umgebung gegenüberstellte, u. a. Unterricht an Moskauer Schulen, philanthropische Bemühungen.

33

1787

Moskau

Übersetzung von Sergei Pleschtschejews Übersicht des Russischen Reiches ins Deutsche.

36

1789

Moskau

Lenz streift durch die Umgebung, zieht von Landsitz zu Landsitz. Karamsin reist durch Deutschland und erinnert in Weimar an Lenz; er stößt auf Unverständnis.

38

1792

Moskau

4. Juni (24. Mai nach russischem Kalender): Tod des Alkoholikers im größten Elend auf der Straße. Grab unbekannt. Das Intelligenzblatt der Allgemeinen Literaturzeitung meldete seinen Tod: „Heute starb allhier Jac. Mich. Reinh. Lenz, der Verfasser des Hofmeisters, des Neuen Menoza etc. von wenigen betrauert, und von keinem vermisst“[1].

41

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Um 1770 war die Zeit des Sturm und Drang, diese Epoche wurde geprägt vom verfallenden Feudalabsolutismus; die Entwicklung steuerte auf die Französische Revolution von 1789 zu.

Der Sturm und Drang übte soziale Kritik und drängte auf eine „nationale“ Kunst.

Die Aufmerksamkeit des Sturm und Drang galt einer möglichst breiten Bildung für das gesamte Volk; Bildungs- und Erziehungsfragen nahmen breiten Raum ein und spielten eine große Rolle in den Programmschriften und Werken. Aufmerksam nahm man die Ideen Rousseaus wahr.

Lenz erlebte in seiner Kindheit Livland, das seit Jahrhunderten umkämpft, geknechtet und verwüstet wurde, von Elend und Fremdherrschaft geprägt war.

Sturm und Drang und verfallender Feudalabsolutismus

Die Bewegung des Sturm und Drang stellte sich an die Seite der bürgerlichen Aufklärung und setzte diese um 1770 fort; beides sind geistige bürgerliche Emanzipationsbewegungen. Die Bewegung bekam den Namen von Friedrich Maximilian Klingers Drama Der Wirrwarr (1776), dem Christoph Kaufmann (1753–1795) gegen Klingers Willen den Titel Sturm und Drang gegeben hatte. Es war die Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763), in dem sich Preußen als Großmacht in Europa durchgesetzt hatte. Die Folgen für die Bevölkerung waren katastrophal: Preußen verlor 180.000 Mann, in Sachsen und Pommern litt besonders die Zivilbevölkerung unter Verwüstungen und Plünderungen. Es dauerte Jahre, ehe die Auswirkungen des Krieges teilweise beseitigt waren. Der Krieg hatte die kritische Sicht auf die absolutistischen Herrschaftssysteme verstärkt.

Der Sturm und Drang bezog deshalb eine „In-Tyrannos“-Haltung („Gegen die Selbstherrscher!“), unter der man die Beseitigung der Unterdrückung verstand; der Göttinger Hainbund (1772–75) propagierte sie. Schillers Die Räuber (1781) hatte in der 2. Auflage 1782 die Worte in der Titelvignette. Eine Hauptidee des Sturm und Drang war, dass Kunst soziale Veränderungen bewirken und sowohl nationale als auch „originale“ Züge aufweisen müsse. Herder schuf mit literaturtheoretischen Schriften wie Kritische Wälder (1769) und Von deutscher Art und Kunst (1773) die geistigen Grundlagen, Heinrich Wilhelm von Gerstenberg mit dem Drama Ugolino (1768) das erste shakespearisierende Drama der deutschen Literatur, Goethe mit Götz von Berlichingen (Urfassung 1771) das erfolgreichste shakespearisierende Drama der deutschen Literatur und J. M. R. Lenz mit dem Hofmeister (1774) ein ebenfalls shakespearisierendes Gegenwartsstück.

Kritik am Bildungssystem und soziale Widersprüche

Im Hofmeister ging es um Kritik an sozialen und gesellschaftlichen Zuständen, neben vielen anderen auch an den vorhandenen Bildungs- und Erziehungsmöglichkeiten, mit deren Veränderung dass nationale Profil geschärft werden sollte. Um das preußische Bildungswesen – Königsberg gehörte dazu – mit einem Fakt zu beschreiben: Das preußische Heer kostete jährlich 13 Millionen Taler, die vier preußischen Universitäten (Duisburg, Königsberg, Frankfurt/Oder und Halle) hatten einen Jahreshaushalt von zusammen 44.362 Taler. – Die Stürmer und Dränger, auch Lenz, konfrontierten das erstarrte Bildungssystem mit den Ideen Jean-Jacques Rousseaus (1712–1778): mit den Entwürfen eines „natürlichen Lebens“ und eines „natürlichen Menschen“. Es entwickelte sich eine breite gesellschaftliche Diskussion um Bildungskonzepte, die aus pietistischer Sicht von Halle (Saale) und den Franckeschen Stiftungen betrieben wurden; Fritz (aus dem Hofmeister) studiert in Halle, der Vater von Lenz hatte dort studiert. In der Aufklärung war der Philanthropismus entstanden, der auf religiöse Toleranz und Vernunft setzte und sich auf Johann Bernhard Basedow (1724–1790) berief, der erste Erfahrungen als Hofmeister erworben hatte. 1770 erschien der erste Teil seines Elementarwerks, ein Grundlagenwerk der Philanthropie.