Der Apparat - Jeannette Schweitzer - ebook

Der Apparat ebook

Jeannette Schweitzer

0,0

Opis

Als Jeannette Schweitzer sich 1989 zu einem Kommunikations-Seminar anmeldet, ahnt sie nicht, worauf sie sich einlässt. Denn hinter dem Veranstalter steckt Scientology. Einzelheiten des Kurses wirken zwar befremdlich, aber sie kann im Beruf davon profitieren. Immer wieder gibt die junge Frau bereitwillig persönliche Daten preis und investiert ein Vermögen für weitere Seminare. Schon nach kurzer Zeit ist sie voll in die Organisation integriert. Erst als sie menschenverachtende Maßnahmen erlebt und betrügerische Bilanzmanipulationen aufdeckt, werden Zweifel wach. Aber da offenbart Der Apparat sein wahres Gesicht … Jeannette Schweitzers Geschichte berichtet eindrücklich davon, wie leicht man sich in das Netzwerk von Scientology verstricken kann, welchem Psychodruck die Mitglieder ausgesetzt sind und wie befreiend es für sie war, den christlichen Glauben neu zu entdecken.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 126

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



Jeannette Schweitzer

DerApparat

Meine Jahre bei Scientology

Ein Erfahrungsbericht

2. Auflage 2012

© 2009 Brunnen Verlag Gießenwww.brunnen-verlag.deLektorat: Eva-Maria BuschUmschlagmotiv: Panther MediaUmschlaggestaltung: Ralf SimonSatz: DTP BrunnenISBN 978-3-7655-1709-9eISBN 978-3-7655-7160-2

Inhalt

Persönliche Vorbemerkung

Vogelfrei

Kindheit und Karriere

Erster Kontakt zu Scientology

Im Netz der Scientologen

In der scientologischen Firma

Die Kleine schiebe ich immer mehr ab …

St. Hill – Straflager der Scientologen

Der Druck nimmt zu

Schwarzer Dezembertag

Der Geheimdienst agiert

Der Ausstieg

Nachwort

Grundbegriffe der Scientology

Gemeinschaft kann gefährlich werden: Welche Anzeichen gibt es?

Auswahl von Kontaktstellen für Sektenberatung

Persönliche Vorbemerkung

Drei Jahre lang war ich Mitglied in der Scientology-Organisation, innerlich sehr engagiert und bereit, ihre Ideologie zum Maßstab meiner ganzen Existenz zu machen. Auf der „Brücke zur völligen Freiheit“ erreichte ich den Grad eines „Operierenden Thetan“ der Stufe I. Als ich das Angebot von Scientology erhielt, in führender Stellung mitzuwirken, um eine Firma nach ethischen Prinzipien aufzubauen, brach ich alle Brücken zu meinem bisherigen Leben um dieser Aufgabe willen ab. Es kam zum entscheidenden Konflikt, als ich merkte, dass Scientology den Begriff „Ethik“ ganz anders verstand und ich gezwungen werden sollte, an kriminellen Machenschaften mitzuwirken.

Meine heutigen Kenntnisse fundieren zum einen auf dem Wissen, das ich durch viele Kurse und Auditings sowie durch meine Tätigkeit in der scientologischen Firma zum Teil auf sehr leidvollen Wegen erworben habe. Zum andern kam ich durch meine vielen Vorträge vor verschiedenem Publikum mit existentiellen Ängsten der Menschen in Berührung. Viele Aussteiger, darunter höchst ausgebildete „Operierende Thetane“ der Stufe VIII, durfte ich aus der Abhängigkeit von Scientology heraus begleiten. Sie gaben mir erschreckende Einblicke, wie dieses menschenverachtende System bis in die obersten Etagen funktioniert.

Je mehr menschliches Elend ich hier erlebte, desto motivierter wurde ich im Kampf gegen die unmenschlichen Methoden der Scientology mit dem Tarnnamen „Kirche“. Ich möchte meinen Lesern mitteilen, dass ich durch mangelnde Aufklärung in das Netzwerk dieser Organisation geraten bin. Und dass ihre Methoden, Mitglieder zu gewinnen, auf die Unerfahrenheit und Gutgläubigkeit der Menschen geradezu aufbauen, um sie dann durch psychische Manipulation immer stärker zu binden und total abhängig zu machen. Es kostet einen hohen seelischen und finanziellen Preis, nach der Ideologie der Scientology zu leben. Wer sich kritisch äußert oder gar der Organisation den Rücken kehren will, hat als „Abtrünniger“ mit Psychoterror und sonstigen Repressalien zu rechnen. Am Beispiel des Unternehmers ist es mir wichtig zu zeigen, dass derjenige recht bekommt, der in Scientology am meisten Geld investiert. Der Organisation geht es letztendlich nicht um Befreiung des Menschen, wie sie gerne propagiert, sondern allein um totale Abhängigkeit, Geld und Macht.

Mein lebenslanges Anliegen ist aufklären – aufklären über die Methoden der Scientology-Organisation. Deshalb nenne ich in meinem Erlebnisbericht bewusst keine Namen von Personen, obwohl mir genügend Material und Beweismittel zur Verfügung stehen würden. Die meisten Scientologen handeln als funktionierende Rädchen in einem System, das gnadenlos über sie bestimmt.

Bisher habe ich mich auf die Vortragsarbeit beschränkt und war durch die Sekten- und Ausstiegsberatung zeitlich und persönlich stark in Anspruch genommen. Dies ist auch jetzt noch Schwerpunkt meiner ehrenamtlichen Arbeit. Immer wieder wurde ich jedoch gebeten, mein Erleben in ein Buch zu fassen und dadurch die Aufklärungsarbeit einem größeren Personenbereich zugänglich zu machen. Diesem Wunsch komme ich hiermit nach. Durch die Ermutigung liebevoller Menschen und die tatkräftige Unterstützung meines geduldigen Mannes ist es mir gelungen, vieles aus der Vergangenheit wieder hervorzuholen und niederzuschreiben. Es kostet noch immer viel Kraft, das Erlebte mit seinen Verletzungen zu verarbeiten, ehrlich damit umzugehen und mich den Herausforderungen zu stellen.

Ich danke von ganzem Herzen allen Menschen, die mich seit meinem Ausstieg begleitet und immer wieder zu dieser Aufklärungs- und Beratungsarbeit ermutigt haben, besonders den von mir beratenen Angehörigen, Eltern, Unternehmern, Politikern, Polizeibeamten, Lehrern und vielen anderen.

Jeannette Schweitzer

Vogelfrei

Wir schreiben den 6. Januar 1992 – heute ist mein 40. Geburtstag. Nach einer unruhig verbrachten Nacht bin ich aufgestanden, blicke aus dem Fenster in den grauen Tag.

Mein Geburtstag! Ein „runder“ Festtag könnte es sein, trotzdem wird es keine Feier geben. Ich habe keine Freunde und auch kein Geld mehr!

Im Briefkasten liegt Post, darunter ein Brief von Scientology Deutschland! Meine Hände beginnen zu zittern, als ich den Absender sehe. Die Angst schnürt mir die Kehle zu. Ich öffne den Umschlag, reiße hastig das Schreiben heraus. Dies ist kein Geburtstagsgruß, das ist mir klar!

Warum hört das denn niemals auf? Warum lässt man mich nicht einfach nur in Ruhe, einfach nur leben? Warum findet dieser Terror kein Ende?

„Suppressive Person“, lese ich, „Unterdrücker“.

Ich möchte losschreien, aber ich kann nicht mehr und will auch nicht mehr! Bleierne Müdigkeit drückt mich zu Boden. Kreuz und quer laufen meine Gedanken durcheinander; ich kann sie nicht mehr ordnen und kontrollieren! Ich bin einer fremden, unheimlich starken Macht ausgeliefert, die mein Denken bestimmt.

Suppressive Person! Ausgestoßen haben sie mich! Zur Unperson erklärt! Ein Nichts bin ich, das nicht mehr verdient weiterzuleben! Das war’s dann wohl. Sie haben mich tatsächlich zur unterdrückerischen Person erklärt! Verurteilt zur Höchststrafe im Kodex der Scientology, der besagt: Wer gegen einen Scientologen klagt und dabei nicht das scientologische Rechtssystem in Anspruch nimmt, begeht eine „unterdrückerische Handlung“! Er begibt sich in die Lage eines Schwerverbrechers, der es nicht verdient, dass er weiterlebt.

Scientology ist ein Staat im Staat, hat ein eigenes Justizsystem, einen eigenen Justizchef in Los Angeles – und nur an ihn darf man sich wenden. Ich aber habe das deutsche Rechtssystem in Anspruch genommen.

Nach scientologischem Recht bin ich nun rechtlos der Willkür meiner Gegner preisgegeben. Ron Hubbards spezielle Anweisungen dazu schießen mir durch den Kopf: „Finden Sie den Unterdrücker und schießen Sie … Rotten Sie sie aus! Sie können sie belügen und betrügen und mit ihnen machen, was Sie möchten, Sie werden niemals dafür zur Rechenschaft gezogen werden …“ Ein wahrer Freibrief für Lynchjustiz!

Aber wieso ich? Warum ich und nicht der Chef der Firma? Er, dessen aus meiner Sicht kriminelles Tun ich hätte mittragen und unterstützen sollen! Warum wird er nicht zur Rechenschaft gezogen? Ich trage doch keine Schuld. Ich habe nur gegen sein Handeln protestiert!

Die Gedanken wollen mir schwinden. Es ist, als ob ich in einen tiefen Abgrund blicke. Habe ich überhaupt eine Chance zu überleben? Wie in einem Albtraum sehe ich mich in einem Auto, wie es mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Brücke kracht. Ich werde in die Tiefe stürzen, erlöst sein und endlich wird dieser Wahnsinn aufhören!

Aber es sollte ganz anders kommen, unerwartet anders …

Kindheit und Karriere

Wie war ich überhaupt in diese Situation gekommen? Ich dachte an meine Kindheit zurück.

Im Jahr 1952 wurde ich im Saarland als zweites von fünf Kindern geboren. Unsere Familie wohnte damals in einem kleinen Ort in der Nähe von Saarbrücken. Großeltern, Eltern und Kinder, wir alle lebten unter einem Dach. Die wirtschaftlichen Nöte der Nachkriegszeit spürten und ertrugen wir gemeinsam. Als Kinder machten wir uns weniger Gedanken darüber, schließlich ging es den Leuten in der Nachbarschaft auch nicht besser. Mit großer Selbstverständlichkeit genossen wir dafür die bescheidenen Freuden des Alltags. Unendlich viel Freiraum boten etwa die Spielwiesen rund ums Haus. Der nahe gelegene Wald lud zum Versteckspielen ein, und wenn Tante Weis Zeit hatte, nahm sie uns mit, um Pilze zu sammeln oder Beeren zu pflücken.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!