Das Berghotel 210 - Heimatroman - Verena Kufsteiner - ebook

Das Berghotel 210 - Heimatroman ebook

Verena Kufsteiner

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Opis

Lass Blumen sprechen Heimatroman um einen Rosenkavalier im Berghotel Im Edelweißsaal des Berghotels findet die jährliche Leistungsschau der Tiroler Floristeninnung statt. Hedi Kastler als Blumenliebhaberin geht das Herz auf, und sie ist unsagbar stolz, dass ihr geliebtes Hotel in diesem Jahr Austragungsort ist. Als sie eines Morgens schon in aller Frühe das Büro betritt, stutzt sie. Auf ihrem Schreibtisch steht ein zauberhaftes Rosengesteck. Auf Hedis Gesicht breitet sich ein Lächeln aus. Auch nach so vielen Ehejahren verwöhnt ihr Anderl sie immer noch. Doch das Lächeln erlischt und weicht einem zunehmend verwirrten Gesichtsausdruck, als sie die beiliegenden Karte liest: Von einem unbekannter Verehrer. Als Andi kurz darauf von dem ominösen Blumengruß erfährt, ist seine Eifersucht jäh geweckt. Hedi fühlt sich geschmeichelt, fragt sich aber krampfhaft, wer der geheimnisvolle Fremde wohl sein mag. Doch Andi hat schon einen Plan gefasst: Er wird sich auf die Lauer legen und den Rosenkavalier dingfest machen!

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Inhalt

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Lass Blumen sprechen

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BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Bastei Verlag / Anne von Sarosdy

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9173-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Lass Blumen sprechen

Heimatroman um einen Rosenkavalierim Berghotel

Von Verena Kufsteiner

Im Edelweißsaal des Berghotels findet die jährliche Leistungsschau der Tiroler Floristeninnung statt. Hedi Kastler als Blumenliebhaberin geht das Herz auf, und sie ist unsagbar stolz, dass ihr geliebtes Hotel in diesem Jahr Austragungsort ist.

Als sie eines Morgens schon in aller Frühe das Büro betritt, stutzt sie. Auf ihrem Schreibtisch steht ein zauberhaftes Rosengesteck. Auf Hedis Gesicht breitet sich ein Lächeln aus. Auch nach so vielen Ehejahren verwöhnt ihr Anderl sie immer noch.

Doch das Lächeln erlischt und weicht einem zunehmend verwirrten Gesichtsausdruck, als sie die beiliegenden Karte liest: Von einem unbekannter Verehrer.

Als Andi kurz darauf von dem ominösen Blumengruß erfährt, ist seine Eifersucht jäh geweckt. Hedi fühlt sich geschmeichelt, fragt sich aber krampfhaft, wer der geheimnisvolle Fremde wohl sein mag. Doch Andi hat schon einen Plan gefasst: Er wird sich auf die Lauer legen und den Rosenkavalier dingfest machen!

Der März hatte im Tiroler Land noch einmal große Mengen von Neuschnee gebracht. Wie im Märchen lag das Zillertal mit der weißen Pracht unter dem tiefblauen Winterhimmel. Doch das Idyll konnte trügerisch sein. Wenn das Wetter wechselhafter wurde, strömte mildere Luft über den Feldkopf ins Tal von St. Christoph und ließ den Schnee über Tag tauen. In der Nacht sanken die Temperaturen dann wieder weit unter den Gefrierpunkt. Dieser Wechsel führte oft dazu, dass die Lawinengefahr stieg. Dann war die Bergwacht doppelt so aufmerksam wie sonst. Und auch die Angestellten der Straßenmeisterei mussten dafür sorgen, dass die Bergstraße, die nach St. Christoph führte, befahrbar blieb. Schließlich war dies der einzige Weg ins Tal.

Der idyllische Ort lag ganz am Ende des Zillertals, weltabgeschieden, aber keineswegs hinter dem Mond. Die Menschen hier waren ein eigener Schlag. Erdverbunden und allem Traditionellen verhaftet. Der Gemeiderat unter der Federführung von Ortsvorsteher Toni Angerer hatte etwas gegen die Vermarktung der Heimat. Massentourismus lehnte man hier ab. Es gab keine Bettenburgen, keine lauten Partymeilen, keine Skigaudi. Doch es gab einen sanften Tourismus, von dem beide Seiten profitierten: Einheimische wie Feriengäste.

Im Sommer lud die majetätische Bergwelt rings um St. Christoph mit ihren sechs charakteristischen Bergen zum Kraxeln und zu ausgedehnten Hüttenwanderungen ein. Im Winter war sie ein Paradies für Skiläufer. Erst im Februar hatte wieder das internationale Abfahrtsrennen am Feldkopf stattgefunden. Da wurde das beschauliche St. Christoph dann wieder zum Anziehungspunkt eines internationalen Publikums.

Und sie alle, Promis, Profisportler oder ganz normale Gäste waren im Sporthotel „Am Sonnenhang“, kurz Berghotel, willkommen.

Das schöne Haus, im traditionellen alpenländischen Stil errichtet, grüßte von der Westseite des Dorfes auf einer kleinen Anhöhe den Ankommenden. Das tief gezogene, regional typische Schindeldach, die umlaufenden Holzbalkone, von denen im Sommer die üppigen, roten Geranien leuchteten, das urige Holz der Tiroler Zirbelkiefern außen wie innen, all das machte den besonderen Charme des Berghotels aus.

Die Besitzer Hedi und Andi Kastler hatten das Haus vor einer Weile einer grundlegenden Renovierung unterzogen. Der rustikale äußere Eindruck war erhalten geblieben, während im Innern moderner Luxus den Reisenden empfing.

In der lichten, großzügigen Hotelhalle erwartete den Gast eine stets besetzte Rezeption. Oft stand Andi Kastler selbst hinter dem Tresen, meist in kariertem Hemd und Krachledernen, denn darin fühlte er sich so richtig wohl. Die Hausdame Gerda Stahmer löste ihn ab, und natürlich gab es auch einen Nachtportier. Die Kastlers empfingen ihre Gäste nicht nur mit der sprichwörtlichen Tiroler Gastfreundschaft und Herzlichkeit, es war ihnen auch wichtig, jeden Gast zu umsorgen und, wenn möglich, jeden Wunsch zu erfüllen. Die Menschen sollten sich im Berghotel wohlfühlen. Und das taten sie, die Buchungszahlen belegten dies. Das schöne Haus war fast das ganze Jahr über ausgebucht. Viele Stammgäste kamen immer wieder, um die Tiroler Landschaft und den erstklassischen Service im Berghotel zu genießen.

Neben Einzelzimmern gab es Doppelzimmer und Suiten. Urig eingerichtet, ganz im Stil der Region, boten sie allen Luxus, den der moderne Reisende gewöhnt war.

Bar und Restauration hatten einen hervorragenden Ruf. Die Köche Rosi Stadler und Leo Hofbacher verstanden ihr Handwerk und verwöhnten die Gäste ebenso mit regionalen Schmankerln wie den Highlights der Haute Cuisine.

Das Berghotel bot zudem diverse Freizeitvergnügungen. Wer es gemütlich liebte, konnte sich im Schönheitsinstitut im Untergeschoss massieren lassen oder im Sommer entspannte Stunden im Biergarten verbringen. Für die sportlichen Gäste stand Lukas Einrieder, der Fitnesstrainer bereit. Es gab ein großes Hallenbad mit Sauna und Fitnesraum, einen Swimmingpool im Außenbereich sowie Tennisplätze. Lukas bot Kurse und Einzelunterricht an. Bei ihm konnte man auch das Kraxeln lernen, und er führte gern Gruppen über den Höhenwanderweg rund um St. Christoph.

Jetzt im Winter war der fesche Sunnyboy freilich als Skilehrer gefragt und vor allem bei den weiblichen Gästen sehr beliebt.

Doch das Berghotel hatte noch mehr zu bieten. Der kleine Enzian- und der große Edelweiß-Saal eigneten sich nicht nur für Familienfeiern, hier fanden auch Tagungen und Ausstellungen statt. Jetzt, Anfang März, trafen sich die Mitglieder der Tiroler Floristeninnung zu ihrer jährlichen Leistungsschau.

Diese fand im großen Saal des Berghotels statt und war sowohl für die Teilnehmer als auch für die Kastlers ein logistischer Kraftakt. Die Floristen reisten schon Tage vor Beginn der Leistungsschau an, um ihre Kreationen aufzubauen. Sie wohnten im Berghotel, meist ein kleiner Tross pro Gartenbaubetrieb, und das erforderte neben der üblichen Belegung der Zimmer eine besondere Planung. Denn während solcher Ereignisse durften die Kastlers nichts dem Zufall überlassen.

Das Hotel war ausgebucht. Es gab keine Möglichkeiten, umzubelegen, falls jemand spontan anreiste oder ein Gast länger blieb. Andi, der diese undankbare Aufgabe übernommen hatte, rotierte im Dauerstress. Zudem musste zusätzliches Personal eingestellt werden, um die Mehrarbeit bewältigen zu können. Doch das Ganze hatte auch angenehme Seiten. Und die wusste Hedi zu schätzen. Sie kannte viele der Aussteller, die aus dem nahen Schwaz oder aus Mayrhofen kamen. Da im Berghotel auch oft Hochzeiten gefeiert wurden, gab es immer wieder Berührungspunkte mit den Floristen. Und die dralle Blondine mit der Vorliebe für zünftige Dirndl liebte zudem Blumen. Im Sommer konnte der Rosengarten sie immer wieder begeistern. Und nun ließ Hedi es sich nicht nehmen, bei den Vorbereitungen für die Ausstellung Mäuschen zu spielen.

Dass sie dabei von jemandem ganz genau im Auge behalten wurde, merkte sie zunächst nicht.

Hedi plauderte gerade angeregt mit einer jungen Floristin aus Schwaz, als ein fescher Mann in den besten Jahren zu ihr trat, sich leicht verneigte und dann doch tatsächlich einen galanten Kuss auf Hedis Rechte hauchte. Sie war so perplex, dass sie ihn einen Moment lang nur wortlos musterte.

Er kam ihr bekannt vor. Er war groß und schlank, das dichte, eisgraue Haar umrahmte ein markant männliches Gesicht mit strahlend blauen Augen und einem kecken Schnauz. Der teure Janker, den er trug, hatte Stil. Der ganze Mann machte auf Anhieb einen gewissen Eindruck auf Hedi. Trotzdem konnte sie sich nicht auf seinen Namen besinnen, oder darauf, wo und wann sie ihn schon einmal gesehen hatte.

„Ich freue mich sehr, Sie endlich mal wieder zu sehen, Frau Kastler“, sagte er charmant, wobei seine blauen Augen nur so blitzten vor Begeisterung.

Er schien sich tatsächlich sehr über das Wiedersehen zu freuen. Im Gegensatz zu Hedi, denn die wusste ja nicht mal, ob sie einander tatsächlich schon einmal begegnet waren. Ihre ratlose Miene musste ihm das verraten haben, denn er bedachte sie nun mit einem nachsichtigen Lächeln, während er sich vorstellte: „Ferdinand Bach, der Seniorchef der gleichnamigen Gärtnerei in Schwaz. Wir haben in den vergangenen Jahren etwa ein halbes Dutzend Hochzeiten hier im Berghotel mit dem nötigen Blumenschmuck versorgt.“

Nun dämmerte es Hedi. Zwar konnte sie sich an Ferdinand nicht wirklich erinnern, aber die Gärtnerei Bach aus Schwaz war ihr freilich ein Begriff. Sie erwiderte sein Lächeln mit geschäftsmäßiger Freundlichkeit und fragte: „Sie sind gewiss auch einer der Aussteller, net wahr?“

„Ich gebe da seit Jahren nur noch meinen Namen. Für die Kreationen ist meine Tochter zuständig. Sie und ihr Mann kommen morgen her.“ Er machte eine wegwerfende Geste. „So ganz glücklich bin ich mit diesem Juniorchef net. Aber wo die Liebe hinfällt …“

Irritiert stellte Hedi fest, dass sein Blick sich bei dieser letzten Bemerkung quasi an ihrem üppigen Dekolletee festgesaugt hatte. Sie drehte sich ein wenig zur Seite, wechselte noch ein paar Worte mit der jungen Floristin und sagte dann distanziert zu Ferdinand Bach: „Hat mich gefreut, viel Glück bei der Präsentation.“

Dann beeilte sie sich, etwas Abstand zwischen sich und diesen zweifelhaften Charmeur zu bringen.

Andi hockte im Büro hinter der Rezeption und aktualisierte den Belegungsplan für die Einzelzimmer.

„Alles in Ordnung drüben?“, wollte er wissen.

Hedi schenkte sich ein Haferl Kaffee ein und nickte.

„Alle sind sehr fleißig.“ Sie legte eine Hand auf Andis Schulter und drückte ihm ein Busserl auf die Wange.

„Wofür war das denn?“, wunderte er sich, angenehm überrascht.

Hedi deutete auf das zauberhafte Gesteck aus lachsfarbenen Rosen und Schleierkraut.

„Dafür. Hast dich von unseren Floristen inspirieren lassen? Du weißt doch, ich liebe Rosen.“

Andi wusste nicht, was los war, seine Miene war fragend.

„Das? Ich dachte, du hast es bei einem von diesen Blumenkünstlern bestellt. Von mir kommt es jedenfalls net.“

„So?“ Hedi schaute etwas genauer nach und fand auch eine kleine Karte zwischen den zarten Blütenköpfen.

„Wer ist der Rosenkavalier?“, wollte Andi in einem ersten Anflug von Eifersucht sofort wissen. Er spitzte auf die Karte, die seine Frau ihm aber sogleich in die Hand drückte.

„Die Rose der Rose. Ein unbekannter Verehrer“, las er ungläubig vor, denn musste er grinsen. „Der hat wohl einen Defekt im Hirnkasterl …“

Hedi fand das gar nicht lustig.

„Willst du damit andeuten, dass einer, der deine Frau heimlich verehrt, deppert ist?“, forschte sie sogleich mit strenger Miene nach.

Andi machte eine beschwichtigende Geste, zog Hedi auf seinen Schoß und erklärte ihr versöhnlich: „Damit hab ich nur sagen wollen, dass einer, der einer glücklich verheirateten Frau Blumen schenkt, ein Malefitz ist, der net weiß, was sich gehört. Schließlich bist die Meine. Und daran wird nix und niemand je etwas ändern können, gelt?“ Er schenkte ihr ein zartes Busserl, das ihr Herz sogleich höherschlagen ließ.

Mit einem zufriedenen Lächeln erhob sie sich und stellte dabei fest: „Sei ruhig ab und zu mal eifersüchtig, Anderl. Ich muss sagen, mir gefällt’s!“ Damit schwebte sie aus dem Büro.

Andi hingegen blickte finster auf seinen PC-Bildschirm. Er musste herausfinden, wer sich da erdreistet hatte, Hedi Blumen zu schicken. Denn das konnte er unter keinen Umständen dulden!

***

Tobias Fischer warf seiner Frau einen aufmerksamen Blick zu. Hatte Vroni etwa heimlich geweint? Ihre Stupsnase war verdächtig gerötet.

Der junge Gärtner biss die Zähne zusammen. Er konnte es nicht ertragen, wenn es Vroni schlecht ging, denn er hatte sie von ganzem Herzen lieb. Hatte sie Kummer, dann war das für ihn viel schlimmer, als selbst unglücklich zu sein. Er litt, denn er konnte nichts dagegen tun. Nicht solange Vroni sich ihm entzog. Es war nicht immer so gewesen zwischen ihnen. Schließlich waren sie erst gut ein Jahr verheiratet. Und ihre Ehe hatte als das, was man eine Liebesheirat nannte, begonnen. Doch seitdem war viel geschehen.

Der junge Gärtner stammte aus Schwaz, hatte dort seine Ausbildung gemacht und danach ein paar Jahre im Ausland verbracht. Vor allem in Großbritannien, dem Mutterland der Gartenkunst, hatte er an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen und dabei wichtige Preise gewonnen. So hatte er sich einen Namen gemacht und war schließlich nach Tirol zurückgekehrt, wo er sich in der Gärtnerei Bach um eine Stellung beworben hatte. Ferdinand Bach war von seinen Zeugnissen und Qualifikationen sehr angetan gewesen und hatte ihn sozusagen mit Kusshand eingestellt. In der ersten Zeit hatten die beiden gut zusammen gearbeitet, unter der Hand sprachen die anderen Mitarbeiter schon davon, dass der Chef in dem Neuen eine Art Ziehsohn sah, den er aufbaute, um ihn später zu seinem Nachfolger zu machen.

Dann aber hatten Tobias und Vroni, Ferdinands einzige Tochter, sich ineinander verliebt und beschlossen, zu heiraten.

Von diesem Tag an war zwischen Ferdinand und seinem Schwiegersohn in spe die Eiszeit ausgebrochen. Der Seniorchef fing an, ihn wie einen Eindringling zu behandeln. Er ließ keinen Zweifel daran, dass er Tobias unlautere Absichten unterstellte. Seine offen ablehnende Haltung gipfelte darin, dass Ferdinand in Tobias’ Anwesenheit davon sprach, er setze sich ins gemachte Nest. Und dass er Vroni nicht wirklich liebe, sie nur aus praktischen Erwägungen heiraten wollte.

Natürlich verwahrte der junge Gärtner sich gegen solche Behauptungen, die jeder Grundlage entbehrten. Er hatte im Gegenteil lange gezögert, um Vroni anzuhalten. Nicht etwa, weil er sie nicht wirklich lieb hatte, sondern weil er verhindern wollte, dass man ihm eben jene Vorwürfe machte, die Ferdinand ihm nun ständig aufs Brot schmierte.

Letztlich war es Vroni gewesen, die vorgeschlagen hatte, zu heiraten, weil sie Tobias von Herzen lieb hatte. Doch selbst diese Tatsache hatte ihr Vater als schlauen Schachzug seines hinterhältigen Angestellten betrachtet und ihm vorgeworfen.

Vroni hatte sich gegen den Vater durchgesetzt. Kurz vor der Hochzeit hatte Tobias ihr dann vorgeschlagen, Schwaz zu verlassen und woanders gemeinsam neu anzufangen.

„Da werden wir doch unseres Lebens nimmer froh. Dein Vater wird gewiss nie aufhören, gegen mich zu stänkern“, waren seine Worte gewesen.

Vroni konnte sich aber nicht entscheiden, alles hinter sich zu lassen. Und sie fand es auch falsch.

„Ich geb net nach, der Vater soll sich endlich damit abfinden, dass ich erwachsen bin. Und wenn er das net kann, gehen wir halt. Aber jetzt noch net, das wäre ja wie eine Flucht.“

Im Nachhinein hatte Tobias es oft bereut, dass er sich damals nicht durchsetzen konnte. Denn Ferdinand hatte sich keinesfalls damit abgefunden, dass er nun sein Schwiegersohn war. Nach wie vor stänkerte er gegen Tobias und tat alles, um diesem das Leben schwer zu machen. Privat wie beruflich.

Freilich hatte er seine Methoden verfeinert. Da er mit offener Kritik bei seiner Tochter nichts erreichen konnte, setzte er auf kleine Nadelstiche. Immer wieder ließ er wie nebenbei Bemerkungen fallen, die Tobias diskreditieren und Vronis Vertrauen in ihren Mann untergraben sollten. Zunächst ohne Erfolg. Aber der alte Bach agierte nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Er gab nicht auf. Und irgendwann waren seine Lügen bei seiner Tochter doch noch auf fruchtbaren Boden gefallen.

Zwar hatte Ferdinand die Liebe von Vroni und Tobias nicht zerstören können. Doch das Vertrauen, zumindest auf ihrer Seite. Manchmal hörte Tobias seine Frau weinen, wenn sie sich unbeobachtet glaubte. Manchmal fing er einen Blick von ihr auf, der ihn alarmierte. Und immer häufiger war die Atmosphäre zwischen ihnen angespannt, sie zankten sich ständig.