Das Berghotel 208 - Heimatroman - Verena Kufsteiner - ebook

Das Berghotel 208 - Heimatroman ebook

Verena Kufsteiner

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Opis

Ein Zeichen vom Himmel Heimatroman um ein schicksalhaftes Wiedersehen im Berghotel Von Verena Kufsteiner Mit Sebastian Hellmoser steigt im Berghotel ein gefeiertes Ski-Ass ab. Vor einem Vierteljahr hatte ein komplizierter Beinbruch mehrere OPs und einer längere Reha zur Folge. Gegen den Rat seines Managers hat Sebastian trotzdem wieder angefangen zu trainieren und will am bevorstehenden Abfahrtslauf am Feldkopf teilnehmen. Im Berghotel wird der junge Sportler, der aus dem Zillertal stammt, nicht nur herzlich begrüßt, er trifft auch Anna Semmler wieder, die er noch aus Kindertagen kennt und die im Berghotel als Stubenmadel arbeitet. Beide freuen sich über das Wiedersehen und verbringen viel Zeit miteinander. Sebastian lernt auch Annas fünfjährigen Sohn Peterle kennen und ist bald ganz vernarrt in Mutter und Kind. Anna geht es nicht anders, aber sie bleibt auf Distanz. Schließlich wird er als Profisportler bald wieder unterwegs sein und sie schnell wieder vergessen haben. Als er ihr in der Silvesternacht aber überraschend einen Heiratsantrag macht, stellt Anna ihm eine Bedingung: Sie sagt nur Ja, wenn er seinen gefährlichen Sport an den Nagel hängt und mit ihr im Zillertal lebt ...

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Inhalt

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Impressum

Ein Zeichen vom Himmel

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Bastei Verlag / Anne von Sarosdy

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9046-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ein Zeichen vom Himmel

Heimatroman um ein schicksalhaftes Wiedersehen im Berghotel

Von Verena Kufsteiner

Mit Sebastian Hellmoser steigt im Berghotel ein gefeiertes Ski-Ass ab. Vor einem Vierteljahr hatte ein komplizierter Beinbruch mehrere OPs und einer längere Reha zur Folge. Gegen den Rat seines Managers hat Sebastian trotzdem wieder angefangen zu trainieren und will am bevorstehenden Abfahrtslauf am Feldkopf teilnehmen.

Im Berghotel wird der junge Sportler, der aus dem Zillertal stammt, nicht nur herzlich begrüßt, er trifft auch Anna Semmler wieder, die er noch aus Kindertagen kennt und die im Berghotel als Stubenmadel arbeitet. Beide freuen sich über das Wiedersehen und verbringen viel Zeit miteinander. Sebastian lernt auch Annas fünfjährigen Sohn Peterle kennen und ist bald ganz vernarrt in Mutter und Kind. Anna geht es nicht anders, aber sie bleibt auf Distanz. Schließlich wird er als Profisportler bald wieder unterwegs sein und sie schnell wieder vergessen haben. Als er ihr in der Silvesternacht aber überraschend einen Heiratsantrag macht, stellt Anna ihm eine Bedingung: Sie sagt nur Ja, wenn er seinen gefährlichen Sport an den Nagel hängt und mit ihr im Zillertal lebt …

Inmitten der majetätischen Tiroler Bergwelt, in einem schmalen Seitenteil des bekannten Zillertals fand sich der kleine Ort St. Christoph. Ganz weltabgeschieden lag er, umgeben von sechs markanten Gipfeln, deren Höchster der Feldkopf war. Nur eine schmale, kurvige Bergstraße führte hierher. Dreimal am Tag verkehrte der Linienbus, sonst war man auf das Auto angewiesen.

Obwohl St. Christoph in einer landschaftlich überaus reizvollen Gegend lag, gab es hier aber, im Gegensatz zum übrigen Tiroler Land, keinen Massentourismus. Und das hatte einen guten Grund.

Die Menschen in St. Christoph waren bodenständig und der Tradition verbunden. Das freie Bauernturm wurde hier noch stolz gepflegt. Man lebte mit und von der Natur. Umweltfrevel um des Profits Willen suchte man vergebens. Der Gemeinderat unter Federführung des ehrenamtlichen Ortsvorstehers Toni Angerer hielt nichts von Bettenburgen, Skiliften und Hüttengaudi. Stattdessen setzte man seit Jahrzehnten auf sanften Tourismus und war damit immer gut gefahren.

Wanderer, Kraxler und im Winter Skifahrer kamen gern und immer wieder nach St. Christoph. Sie machten Ferien auf dem Bauernhof, denn auf vielen Anwesen gab es private Fremdenzimmer. Oder sie mieteten sich beim Ochsenwirt ein, der einfache, aber saubere Kammern bot, dazu eine rustikale, regionale Küche.

Ein Hotel gab es in St. Christoph freilich auch. Es lag auf einer kleinen Anhöhe am Ortsrand, gegenüber dem Barockschloss der Barone von Brauneck. Erbaut im typischen Tiroler Gebirgsstil, passte es sich wunderbar in die Landschaft ein. Geführt wurde das rund ums Jahr fast immer ausgebuchte Haus von Hedi und Andi Kastler. Das Ehepaar legte großen Wert darauf, seine Gäste in einer familiären Atmosphäre zu verwöhnen und hielt sehr auf die sprichwörtliche Tiroler Gastfreundschaft. Wohl auch deshalb kamen Jahr für Jahr zahlreiche Stammgäste immer wieder und genossen die schönsten Wochen des Jahres im Sporthotel „Am Sonnenhang“, unter Einheimischen als Berghotel bekannt.

Vor einer paar Jahren hatten die Kastlers ihr Haus einer grundlegenden Modernisierung unterzogen, sodass das außen urig traditionelle Hotel innen allen Komfort bieten konnte, den der moderne Reisende erwartete.

Eine großzügige Empfangshalle mit übersichtlicher Rezeption empfing den Gast. Oft stand Andi Kastler, zünftig in kariertem Hemd und Krachledernen, hinter dem Empfang. Er wurde von der freundlichen Hausdame Gerda Stahmer abgelöst. Und natürlich gab es im Berghotel auch einen Nachtportier.

Hedi Kastler, eine wohl proportionierte Blondine mit einer Vorliebe für fesche Dirndl-Kleider, war für die Bürorbeit zuständig, die Zimmerbuchungen und auch für die Planung der täglichen Menüfolgen mit den Köchen Leo Hofbacher und Rosi Stadler. Beide Kastlers hatten einen sehr guten Draht zu ihren Angestellten, auch hier galt der freundschaftliche, fast familiäre Umgang miteinander als selbstverständlich. Alle arbeiteten Hand in Hand und gaben ihr Bestes für das große Ganze.

Hedi und Andi waren glücklich verheiratet, Kinder waren ihnen aber versagt geblieben. So betrachteten sie das Berghotel als ihr „Baby“ und verbrachten beinahe ihre gesamte Zeit dort, obwohl sie ein gepflegtes Haus ganz in der Nähe besaßen. Die Kastlers und das Berghotel, das gehörte aber einfach zusammen, war für Belegschaft, Gäste und auch die Bewohner von St. Christoph eine untrennbare Einheit. Und nicht zuletzt waren sie einer der wichtigsten Arbeitgeber im Tal.

Beide legten Wert darauf, Menschen aus der Region zu beschäftigen. Sie unterstrichen so die Authentizität des Hauses und gaben den Gästen das Gefühl, von Freunden umgeben zu sein. Ob das der Fitnesstrainer Lukas Einrieder war, der Gärtner Franz Kroneder oder der Hausbursche und Mann für alle Fälle Kilian Garnreiter, sie alle waren echte Zillertaler und fest mit ihrer Heimat verwurzelt.

Wieder einmal neigte sich ein Jahr dem Ende entgegen. Der Dezember hatte im Zillertal große Kälte und Unmengen von Neuschnee gebracht. So manchen Tag hatte es schon gegeben, an dem die Schneepflüge kaum mit der weißen Pracht fertiggeworden waren. Die Wintersportler unter den Hotelgästen freute es natürlich. Denn was konnte es Schöneres geben, als mit seinen Brettern durch den herrlich schimmernden Pulverschnee ins Tal zu sausen? Bald stand nun auch wieder der bekannte Skiabfahrtslauf am Feldlkopf an, zu dem alle Größen dieses Sports nach St. Christoph kamen. Auch Sebastian Hellmoser, der fast schon legendäre Athlet, der es mehrfach geschafft hatte, in einer Saison alle großen Rennen zu gewinnen.

Hedi war an diesem Morgen gerade damit beschäftigt, neue Zimmerbuchungen zu bearbeiten, als ihr Mann ins Büro kam und verkündete: „Für unseren wichtigsten Gast, den Sebastian Hellmoser ist alles gerichtet. Und die Rosi hat mir versichert, dass auch kulinarisch für ihn keine Wünsche offen bleiben werden. Na, wie haben wir das hingekriegt, mein Herzerl?“

„Gut, tät ich sagen. Aber wieso ist der Sebastian Hellmoser unser wichtigster Gast? All unsere Gäste liegen uns doch schließlich am Herzen. Und er ist ganz gewiss net unser erster Promi. Um das festzustellen, musst nur mal wieder einen Blick ins Gästebuch werfen, Anderl.“

„Schon. Aber der Sebastian stammt von hier, ist gebürtig aus Hochbrunn. Hast du eigentlich eine Ahnung, was für einen Rückhalt der in St. Christoph hat? Zu seiner morgigen Ankunft wird net nur der Angerer, samt Gemeinderat erscheinen, sondern auch eine Abordnung vom Schützenverein, vom Kirchenchor, net zu vergessen der Herr Baron höchstpersönlich.“

Hedi trank einen Schluck Kaffee und verdrehte die Augen.

„Er ist Gast hier und will gewiss seine Ruh. Hast denn diesen Almauftrieb net verhindern können?“

„Leider net. Es ist heutzutag schwer, so was geheim zu halten. In Zeiten von Social Media spricht sich halt alles gleich doppelt so schnell herum. Aber er wird es gewiss net krumm nehmen, der Basti, ist so einen Rummel um seine Person ja schließlich gewöhnt“, meinte der Hotelier entspannt.

Ein zaghaftes Klopfen an der Tür unterbrach die Unterhaltung der Kastlers. Es war Anna Semmler, eines der Stubenmadeln, die nun auf entsprechende Bitte hin eintrat und Hedi schüchtern erinnerte: „Sie wollten mich sprechen, Frau Chefin.“

Diese überlegte kurz, dann nickte sie. „Ja, Anna, setz dich nur her. Ich hab was mit dir zu bereden.“

Andi machte dem hübschen Madel mit den blonden Locken und den großen, rehbraunen Augen den Stuhl vor dem Schreibtisch frei und zwinkerte ihr lustig zu.

„Nur keine Angst, die Chefin beißt net“, scherzte er gut aufgelegt und warf seiner besseren Hälfte im Gehen noch eine Kusshand zu.

Hedi schüttelte nachsichtig den Kopf, dann wandte sie sich an Anna, die erst seit ein paar Wochen im Berghotel angestellt war. Das Madel war gelernte Friseurin, hatte aber in seinem Beruf nichts Passendes finden können. Als alleinerziehende Mutter eines kleinen Buben musste sie beruflich kürzertreten.

„Hoffentlich hab ich nix falsch gemacht“, murmelte das bescheidene Madel nun. „Ich geb mir alle Mühe, aber an die Arbeit muss ich mich trotzdem erst gewöhnen.“

„Keine Sorge, Anna, ich hab an deinen Leistungen nix auszusetzen, hab dich wegen was anderem sprechen wollen. Du kennst doch den Sebastian Hellmoser, net wahr?“

Anna nickte. Auch sie stammte aus Hochbrunn, hatte im Nachbarhaus der Hellmosers gewohnt und war mit Sebastian, der ein Jahr älter war, zur Schule gegangen.

„Steht ihr noch in Kontakt, seit er Profisportler ist?“

„Leider net. Früher haben wir uns gut verstanden, waren ein Herz und eine Seele“, erzählte Anna freimütig. „Aber als es ihm mit dem Sport ernst geworden ist, hatte er fei kaum noch Zeit. Dann ist er wegen dem Training von daheim fort. Ich hab ihn schon lange nimmer gesehen. Und im Grunde bin ich froh drum.“

„Wieso denn das?“, wunderte Hedi sich. „Magst ihn vielleicht nimmer leiden?“

„Doch, schon. Daran hat sich nix geändert. Aber ich hab was gegen das Skilaufen, wie er es ausübt. Das ist eine wahnsinnig gefährliche Sportart. Und der schwere Unfall, den er in der letzten Saison hatte, beweist das ja auch, oder?“

Die Hoteliersgattin konnte Anna nicht widersprechen.

„Der Unfall ist durch die Medien gegangen. Das war schon schlimm“, gestand sie dem Madel zu. „Aber es scheint ihm nun wieder besser zu gehen. Deshalb hab ich auch mit dir reden wollen. Er kommt morgen hierher und wird eine Weile bleiben. Er hat auch vor, am Feldkopflauf teilzunehmen.“

„Dann ist er wieder aktiv? Es hieß doch, dass er seine sportliche Karriere nach dem Sturz beenden wird.“

„Das scheint net zu stimmen. Er hat hier gemeldet.“

Anna seufzte und gab zu: „Ich freu mich, ihn wiederzusehen. Nett von Ihnen, dass Sie mir das gesagt haben. Aber dass er sich wieder auf die Bretterln stellen will, das gefällt mir gar net. Einmal so einen Sturz zu überleben, das hat schon was von einem Wunder. Mag er seinen Schutzengel jetzt herausfordern?“

***

„Und mit der Startnummer 18, seiner persönlichen Glückszahl, geht Bastian Hellmoser an den Start!“

Der junge Skisportler winkte einmal kurz der jubelnden Menge zu, die sich am Skihang in Kitzbühel drängte, dann stieß er sich ab und schon ging die rasante Fahrt talwärts los.

Unter seinem Helm und der Sturmhaube hörte er das Geschrei der Fans nur noch gedämpft. Der scharfe Fahrtwind brauste in seinen Ohren. Jeder Muskel seines Körpers war angespannt, perfekt wie ein Schweizer Uhrwerk arbeiteten sie zusammen, um den jungen Athleten wieder einmal in Bestzeit ans Ziel zu bringen. Seine ganze Konzentration galt den wenigen Zehntel Sekunden, die er sich noch steigern wollte, um einen neuen Rekord aufzustellen.

„Markstein für die sportliche Ewigkeit“, so nannte Heiko Schubert, sein Trainer diese Zeiten. Und das waren sie in der Tat. Nachfolgende Generationen würden sich an ihnen orientieren und irgendwann den Triumph spüren, sie unterboten zu haben. Doch das lag noch in weiter Ferne. Nun war Bastian am Drücker, auf dem Gipfel seiner Leistungsfähigkeit, an der Spitze des österreichischen und internationalen Skisports. Keiner konnte ihn schlagen, er war der Beste.

Schon erkannte er in greifbarer Nähe das Ziel. Das Banner am Ende der Strecke schien nur auf ihn zu warten, ebenso wie die jubelnde Menge, die ihn mit Kuhglocken und Fanfaren zum Sieg zu tragen schien. Ein letztes Mal legte Bastian an Tempo zu, gab alles. Das Adrenalin schoss durch seinen Körper, kribbelte bis in die Fingerspitzen. Nichts und niemand sollten seinen neuerlichen Triumph noch verhindern.

Urplötzlich aber war alles anders. Ein Schlag unter dem rechten Ski, sein perfekter Parallelschwung geriet aus dem Takt, gewaltige Fliehkräfte packten ihn. Es war, als habe ein böser Riese seine Faust in die Seite des Athleten gerammt.

Bastian versuchte verzweifelt, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Zu spät. Vom eigenen Schwung wurde er aus der Bahn gebracht, von den Beinen gefegt. Er stürzte und merkte nicht einmal, dass er schrie. Seine eben noch wohl geordnete Welt zerbarst in tausend Splitter, wurde zu einem einzigen Albtraum aus wirbelndem Schnee, Stößen, Schmerzen und einem Sog, dem er nichts entgegen zu setzen hatte. Abrupt endete der Wahsinn, als Bastian gegen die Bande knallte und bewusstlos liegen blieb.

Stille breitete sich über die Abfahrtsstrecke, Menschen starrten fassungslos auf den wie leblos da liegenden Sportler, der eben noch ihre Liebe und Begeisterung erfahren hatte.

Sanitäter und der Mannschaftsarzt eilten zu ihm, schon bald darauf wurde er ins Spital geschafft. Bastian merkte von all dem nichts, gnädige Bewusstlosigkeit hatte sein Denken und Fühlen ausgeschaltet. Still war es nun rings um ihn herum, still und dunkel. Nur der Schlag seines Herzens, fern und seltsam schwach, war noch da. Und dann auch der nicht mehr …

Sebastian Hellmoser schreckte hoch und starrte mit jagendem Puls und weit aufgerissenen Augen in das wattige Grau der späten Nacht. Es dauerte eine Weile, bis er sich soweit beruhigt hatte, dass er die Nachttischlampe einschalten konnte. Ein Blick auf den Wecker sagte ihm, dass es eben erst auf sechs Uhr zuging.

Mit einem erschöpften Seufzen ließ der junge Mann sich nach hinten zurück in die Kissen fallen und starrte blicklos gegen die Zimmerdecke. Zähe Schmerzen zogen in seinem rechten Bein ihre stupide Bahn. Er kannte sie mittlerweile so gut wie sein eigenes Gesicht. Und er fragte sich, ob er sie wohl jemals wieder loswerden würde …

„Ich schaffe das“, murmelte er entschlossen.

Nach dem Sturz beim Königsrennen in Kitz war seine Prognose lange schlecht gewesen. Der komplizierte Bruch des Wadenbeins, die gerissene Achillessehne, alles war zusammen gekommen, was für jeden Profisportler den Supergau bedeutete. Heiko hatte ihm zur Geduld geraten. Doch Monat um Monat war vergangen, ohne dass eine wirkliche Besserung eingetreten wäre.

Der Bruch war inzwischen verheilt, die Sehne aber noch nicht belastbar. Chronische Schmerzen machten Sebastian zu schaffen. Doch er war fest entschlossen, sich aus diesem Tief wieder an die Spitze zu kämpfen. Er dachte nun oft an seine Anfangszeiten. Damals, als er noch ein unbekanntes Talent gewesen war, hatte er sich jeden Sieg mühsam erarbeiten müssen. Es hatte Jahre gedauert, sich einen Namen zu machen.

Das harte Training hatte sein Leben bestimmt. Disziplin in jeder Beziehung. Genug Schlaf, Diät, keine Extravaganzen, wie Heiko das nannte. In einem Alter, in dem andere ausgingen, erste Erfahrungen mit Madeln machten, den ersten Rausch hatten, war für Bastian der Tag streng geregelt gewesen. Und er hatte sich nie einen Patzer erlaubt, hatte mit eisernem Willen die Spitze angestrebt. Nur deshalb hatte er mit Mitte zwanzig bereits alles gewonnen, was im Skisport möglich war. Ein Sturz sollte ihn nicht davon abhalten, diesen Weg weiter zu gehen. Er würde es erneut schaffen, es allen zeigen!

Vorsichtig drehte er sich auf die linke Seite, um das rechte Bein zu entlasten. Dann schloss er die Augen und versuchte, sich noch ein wenig zu entspannen. Und es gelang ihm sogar, wieder einzuschlafen. Traumlos diesmal und erholsam.