Carvalho und der einsame Manager - Manuel Vázquez Montalbán - ebook

Carvalho und der einsame Manager ebook

Manuel Vázquez Montalbán

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Opis

Ressentiments gegen Konzernmanager gab es offenbar schon lange vor der Finanzkrise. Damals wurden missliebige Manager allerdings einfach gnadenlos aus dem Weg geräumt - häufig von Leuten aus den eigenen Reihen. Diesmal geht es um Antonio Jaumá, den Manager eines internationalen Konzerns, der nicht nur einsam, sondern obendrein auch noch ermordet worden ist. Pepe Carvalho lässt nicht locker, denn er war dem Opfer dereinst in den USA begegnet. Die Tatsache, dass der Tote einen Damenslip bei sich trug, scheint auf eine Beziehungstat - womöglich noch mit Verstrickungen ins Rotlichtmilieu - hinzudeuten. Doch je intensiver Carvalho nachforscht, desto mehr Gegenwind bekommt er aus höchsten Kreisen in Politik und Wirtschaft zu spüren: Die haben anscheinend etwas zu verbergen ...

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Manuel Vázquez Montalbán

Carvalho und der einsame Manager

Aus dem Spanischen von Bernhard Straub und Günter AlbrechtNeu überarbeitet von Bernhard Straub

Verlag Klaus Wagenbach    Berlin

Die spanische Originalausgabe erschien 1977 unter dem Titel La soledad del manager bei Planeta in Barcelona, die deutsche Erstausgabe unter dem Titel Carvalho und der tote Manager 1993 beim Rowohlt Verlag in Reinbek bei Hamburg.

Wagenbachs E-Book-Ausgabe 2013

© 1977 Herederos de Manuel Vázquez Montalbán

© 2013 für diese Ausgabe:

Verlag Klaus Wagenbach, Emser Straße 40/41, 10719 Berlin

Alle Rechte vorbehalten.

Jede Vervielfältigung und Verwertung der Texte und Bilder, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für das Herstellen und Verbreiten von Kopien auf Papier, Datenträgern oder im Internet sowie Übersetzungen.

ISBN 978 3 8031 4127 9Auch in gedruckter Form erhältlich: ISBN 978 3 8031 2701 3.

Bei einem bestimmten Anlass sagte der spätere Abgeordnete Solé Barberá zu mir: »Ich bin gespannt, wann du deinen nächsten Räuber-und-Gendarmen-Roman schreiben wirst.« Ich nahm dies als Auftrag und will ihm diesen einsamen Manager widmen.

Er hatte den Fensterplatz eher eingefordert als darum gebeten. Die Angestellte der Western Airlines betrachtete seinen Ausweis halb überrascht, halb anerkennend.

Was für ein Ziel konnte ein CIA-Agent verfolgen, während er am Fenster einer Boeing saß, die regelmäßig zwischen Las Vegas und San Francisco verkehrte? Das Mädchen kannte die in der Gegend vorherrschenden Gerüchte über angebliche Trainingscamps irgendwo in der Mojave-Wüste, aber verfügte der Geheimdienst nicht über eigene Aufklärungsflugzeuge? Carvalho ahnte die logische Schlacht, die in diesem Moment hinter der künstlich gebräunten Stirn der Stewardess entbrannte, während sie das Flugticket ausfüllte. Carvalho zückte ein weiteres Mal seinen Ausweis, als die beiden Polizisten auf ihn zukamen, um ihn zu durchsuchen. Sie winkten ihn mit einer Geste durch, die ebensogut blinde Unterwerfung wie tiefste Verachtung bedeuten konnte.

Als Carvalho seinen Fensterplatz einnahm, freute er sich wie ein Kind auf ein frohes Ereignis. Eine besonnene Freude, bei der der Körper Herr der Situation bleibt, die Beine aber außer Kontrolle geraten, als wollten sie dem Ereignis entgegeneilen. Carvalho konzentrierte sich auf das Abheben des Flugzeugs, den schnell entschwindenden Anblick von Las Vegas, das wie eine Pappkulisse mitten aus der Wüste aufragte, und auf die Vorbereitung des Augenblicks, an dem die Boeing über Zabriskie Point und Death Valley hinwegfliegen würde. Carvalho war schon mehrmals zu diesen Orten gepilgert, fasziniert von der sogenannten Ästhetik der stumpfen Borsalz-Hügel, deren Weiß sich zunehmend dunkelviolett tönte, je mehr der Abend sie einfärbte, und angezogen vom lockenden Trichter des Death Valley mit seinen schwefligen Tümpeln und glitzernden Salzkrusten. Vom Flugzeug, aus der Vogelperspektive, zeichnete sich die absurde Großartigkeit einer Landschaft ab, die geologisch betrachtet ein Trümmerfeld war und dennoch auf ihn wirkte wie eine wollüstige Sirene. Gerne hätte er sich mit dem Fallschirm hineingestürzt, ausgerüstet mit einem Tornister voller Wunderdinge, wie sie aus Hemingways Tornistern zum Vorschein kommen: Dosen mit weißen Bohnen und geräuchertem Speck vor allem. Irgendetwas hemmte Carvalho jedoch, wie sonst seinem einsamen und geheimen Laster zu frönen. Etwas, das in seiner Umgebung vorging, wirkte wie ein Störgeräusch in einer Radiosendung. Etwas, das jemand sagte, oder die Art, wie er es sagte. Der Störungsherd lag ganz in seiner Nähe, befand sich direkt an seiner Seite. Seine beiden Sitznachbarn unterhielten sich über Spanien, und einer von ihnen sprach Englisch mit eindeutig katalanischem Akzent.

»Merkwürdig, daß Sie in den acht Jahren Ihres Aufenthaltes auf der Militärbasis von Rota kein Spanisch gelernt haben.«

»Diese Militärbasen sind völlig unabhängig vom Land. Einheimische arbeiten bei uns nur in der Putzkolonne oder als …«

Der Amerikaner lachte und machte eine eindeutige Geste, die er wahrscheinlich in einer Bar in Cádiz gelernt hatte. Der Katalane überging die Unverschämtheit und brachte das Gespräch wieder auf geschäftliche Themen. Der Amerikaner besaß eine kleine Firma für Sportartikel und machte eine Inspektionsreise zu seinen Konzessionsinhabern. Die Welt zerfiel für ihn in Kunden und Nichtkunden. Selbst die kommunistischen Chinesen waren für ihn Ausnahmewesen, da sie ihm via Hongkong Wanderausrüstungen abkauften. Kubaner, Brasilianer und Franzosen hingegen konnte er nicht ausstehen. Es war ihm noch nicht einmal gelungen, ihnen eine Feldflasche zu verkaufen. Während er Ethik und Kaufverhalten der verschiedenen Gemeinschaften pries, klatschte er zu seinem jeweiligen Urteil in die Hände und rief »olé«, offensichtlich in einer sprachlichen Verbeugung vor der Heimat seines Gegenübers. Was diesen betraf, so resümierte er rasch und präzise seine Aufgabe. Er sei Manager bei Petnay, einem der größten multinationalen Konzerne der Welt, und zuständig für Spanien und irgendeine Region Lateinamerikas. Häufig reise er auch in die Vereinigten Staaten, um Gespräche mit der Konzernzentrale zu führen und sich im Marketing auf den neuesten Stand zu bringen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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