Amerikanische Wald- und Strombilder. Band I–II - Friedrich Gerstäcker - ebook

Amerikanische Wald- und Strombilder. Band I–II ebook

Friedrich Gerstäcker

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Opis

Friedrich Gerstäcker veröffentlichte eine Vielzahl von Erzählungen, Romanen und vor allem Berichte über seine verschiedenen Reisen, die ihn zu einem der meistgelesenen und bekanntesten Autoren Deutschlands machten. Als Sohn eines gefeierten Tenors wurde ihm die Reiselust quasi in die Wiege gelegt. So war er in Amerika unter anderem als Holzfäller, Viehtreiber, Heizer und Koch auf einem Mississippidampfer, Lehrer und vor allem als (Großwild-) Jäger unterwegs. Er durchstreifte Nord- und Südamerika, die Inselwelt des Stillen Ozeans, Australien. In mehreren Kurzgeschichten erzählt Gerstäcker von seinen Aufenthalten in Amerika. Seit dem Krieg mit den Seminolen (1818) hatten sich die Stämme der nordamerikanischen Indianer ziemlich still und ruhig verhalten und die Regierung selbst vermied natürlich Jedes, was wieder zu Reibungen und Streitigkeiten Anlaß geben konnte. Nichts desto weniger und trotz tausend verschiedenen Freundschaftsversicherungen und geschlossenen Bündnissen, drängte sie die armen Kinder der Wildniß immer weiter und weiter von den Gräbern ihrer Väter zurück, und nahm ihnen sogar, wenn ein paar trunkene Häuptlinge vielleicht ihre Zustimmung gegeben, wieder Strecken hinweg, in deren fortwährendem Besitz sie frühere Präsidenten bestätigt hatten.

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Friedrich Gerstäcker

Amerikanische Wald- und Strombilder

Band I–II

Warschau 2018

Inhalt

Erster Band

Die Leichenräuber.

Nordamerikanische Jagd.

Curtis Brautfahrt

Schulen in den Backwoods.

Die Alligator-Jagd.

Ein Versuch zur Ansiedlung, oder wie's dem Herrn von Sechingen im Urwald gefiel.

Cincinnati.

Der Markt.

Boardinghäuser.

Money-Brokers.

Auctionen.

Kleiderladen

Der wunderbare Traum.

Eine Pantherjagd.

Wandernde Krämer.

Der amerikanische Urwald.

Die Bärenjagd am Bayou Meter in Arkansas.

Erster Band

Die Leichenräuber.

Seit dem Krieg mit den Seminolen (1818) hatten sich die Stämme der nordamerikanischen Indianer ziemlich still und ruhig verhalten und die Regierung selbst vermied natürlich Jedes, was wieder zu Reibungen und Streitigkeiten Anlaß geben konnte. Nichts desto weniger und trotz tausend verschiedenen Freundschaftsversicherungen und geschlossenen Bündnissen, drängte sie die armen Kinder der Wildniß immer weiter und weiter von den Gräbern ihrer Väter zurück, und nahm ihnen sogar, wenn ein paar trunkene Häuptlinge vielleicht ihre Zustimmung gegeben, wieder Strecken hinweg, in deren fortwährendem Besitz sie frühere Präsidenten bestätigt hatten.

Da standen, dieser Willkühr müde, im April des Jahres 1832 die Winnebagoes, die Füchse und Sioux's auf, und wollten unter ihrem tapferen Häuptling Black Hawk — der schwarze Falke — ihr schönes am oberen Mississippi gelegenes Besitzthum von den frechen Eindringlingen reinigen. Wohlbewaffnet und beritten richteten sie auch fürchterliche Verwüstungen in den Grenzländern ihrer weißen Unterdrücker an; sie umzingelten und vernichteten ganze Ansiedlungen, mordeten und scalpirten jedes lebende Wesen und erfüllten den ganzen Staat mit Furcht und Beben.

Die Regierung sah sich endlich gezwungen ernsthafte Maaßregeln zu ergreifen und Gewalt mit Gewalt zu vertreiben; denn die Indianer, von ihrem leichten Sieg berauscht, drohten auch die Nachbarstaaten mit ihren wilden Schaaren zu überfluthen. Die Generäle Atkinson und Scott wurden deshalb mit der Vertheidigung der Grenzen beauftragt. Unter des Letzteren Truppen aber, die man in Buffalo an Bord von Dampfbooten schaffte, um sie in der dringenden Noth auch schnell dem Kriegsschauplatz zuführen zu können, brach die Cholera aus — die übermäßige Hitze und das Zusammendrängen so vieler Menschen in einem kleinen Raum war die Ursache, entsetzliches Elend aber die Folge dieser Krankheit. Viele starben, Viele desertirten, und mußten dann, von Seuche und Hunger gleich aufgerieben, in den Wäldern umkommen. General Atkinson dagegen traf durch forcirte Märsche an der Mündung des oberen Iowa mit Black Hawks Kriegern — es war am 2. August — zusammen, schlug nach glücklichem Kampf die Indianer und nahm sogar ihren Häuptling und dessen Sohn gefangen, die beide zuerst in Fort Monroe mehrere Monate festgehalten, dann aber durch alle Hauptstädte der vereinigten Staaten geführt wurden, um ihnen die Macht zu zeigen, gegen die sie einen Krieg unternommen, und ihnen zugleich zu beweisen, wie thöricht, wie ganz hoffnungslos jedes weitere Auflehnen gegen solche ungeheure Streitkräfte sein müßte.

Black Hawk erschrack besonders über die für ihn so bedeutende Anzahl waffenfähiger junger Männer, und kehrte, bestürzt über das was er gesehen, zu den Seinigen zurück. Er widersetzte sich auch von da an nicht länger dem Beschluß der Regierung, die, um einem zweiten Einfall der Wilden vorzubeugen, und sich zugleich das schöne Land vollkommen zu sichern, was jene bis jetzt noch immer bewohnten, sämmtliche Stämme an das westliche Ufer des Mississippi schaffte.

Jahre waren hiernach vergangen, die Jagdgründe jener tapferen Nationen wühlte der Pflug auf, die Gebeine der Krieger bleichten neben denen des von ihnen selbst erlegten Wildes in Wald und Prairie, und nur noch einzelne und nicht oft die besseren der Stämme waren zurückgeblieben und im weiten Land zerstreut, wo sie sich mit Körbeflechten, oder auch mit der Jagd kümmerlich ernährten.

In dieser Zeit also und etwa im Jahre 1845 hatte sich auch ein alter Indianer, aus dem Stamme der Winnebagoes, dann und wann in Waterton, einem kleinen Städtchen am Forriver, eingefunden, und für Prairiehühner oder einen gelegentlich erbeuteten Hirsch, Pulver, Blei, Whiskey und was er sonst brauchen mochte, eingetauscht. Eines Tages aber, ob er nun des Guten ein Bischen zu viel gethan, oder sonst vielleicht schon vorher krank gewesen, hatte er kaum das gewöhnliche Geschäft beendet, und einen Theil seines Whiskeys getrunken, als er krampfhafte Zufälle bekam, zu Boden stürzte und wenige Minuten darauf den Geist aufgab.

Allerdings wurde der Doktor — der einzige im kleinen Städtchen und zwar ein Ire — augenblicklich gerufen — jede Hülfe kam jedoch zu spät, der arme alte Mann hatte geendet, und in einem roh gezimmerten Sarge trug man ihn etwa eine englische Meile von der Stadt fort, wo ein alter »Indianischer Mound« oder Erdhügel lag, der stets von dort vorbeikommenden Wilden besucht ward und der Begräbnißort eines großen Häuptlings der »Füchse« sein sollte. Dort, aus einer Art Zartgefühl, das dem armen alten Indianer gerade da seine Grabstätte anwies, grub man ihm sein letztes Bett, und bald verrieth nichts weiter, als die frisch aufgeschüttete Erde, den stillen Ruheort eines alten Mannes, der doch wenigstens in dem Lande schlafen durfte, in dem sein Stamm einst geherrscht und glücklich gewesen war.

Eine Person lebte aber in Waterton, die alles Mögliche gethan hatte, um dieses Begräbniß zu hintertreiben, und diese Person war eben der, schon früher erwähnte kleine irische Doktor, der — zum Nutzen der Menschheit, wie er behauptete — seit dem Tode des Indianers nicht abließ mit Bitten und Versprechungen, den Leichnam ausgeliefert zu bekommen, damit er ihn seciren und dadurch vielleicht wichtige Entdeckungen in diesem Zweige der Wissenschaft machen könne. — So lautete nämlich der Grund, den er angab, eigentlich wünschte er aber nur das Skelett zu besitzen, für das er in New-York einen bedeutenden Preis zu bekommen wußte.

Nun hätten sich die guten Wolferinen wohl allerdings sehr wenig daraus gemacht, was aus dem Leichnam eines Indianers wurde, die sie, der verübten Gräuel wegen, sämmtlich in die höllischen Regionen wünschten; eben diese Greuelscenen waren aber auch noch zu frisch in ihrem Gedächtniß, und nicht mit Unrecht fürchteten sie, wenn so etwas von ihrem Ort bekannt geworden wäre, die Rache der übrigen Wilden, die, wenn auch nicht offen ausgeführt, ihrem kleinen unbeschützten Flecken um so verderblicher werden konnte.

Überdies war der alte »Salomo« — wie sie ihn genannt hatten, obgleich er sich keineswegs zur christlichen Religion bekannt — so lange Jahre dort aus- und eingegangen, daß wirklich eine Art Freundschaft zwischen ihnen aufgesprungen schien, und zugleich mit der Scheu, die alle Hinterwäldler vor dem Zerschneiden und Zerlegen eines menschlichen Leichnams haben, widersetzten sie sich einstimmig der Bitte des Doktors. Der Indianer wurde begraben und damit glaubten sie die Sache abgemacht.

Dem war aber nicht so; Doktor Mac Botherme sah allerdings, daß hier mit weiteren Protestationen Nichts mehr auszurichten sei, eins aber blieb ihm noch, und zwar die List. Schon in Irland hatte er manchen Leichnam stehlen helfen, und wenn auch die Zeit viele viele Jahre lang hinter ihm lag — Jahre, in denen er noch kräftig und jung gewesen — so wußte er auch dafür, daß das Ausgraben eines Körpers mitten im Wald, wo er Entdeckung gar nicht zu fürchten brauchte, mit viel weniger Schwierigkeiten und Gefahr verknüpft sei — ja, wäre es nicht des unbemerkten Heimschaffens der Leiche und vielleicht der halbunbewußten Furcht vor Indianern wegen gewesen, er hätte das ganze Abenteuer allein bestehen können; so aber mußte er sich nach einem Gehülfen umsehen, und den fand er augenblicklich in seinem eigenen Diener, einem erst in demselben Monat eingewanderten, noch rohen, oder wie sie in Amerika sagen, wilden Irländer, den er leicht, durch Versprechung eines guten Lohnes, dahin zu bewegen hoffte ihm beizustehn, wie auch später über die ganze Sache reinen Mund zu halten.

Um aber nun mit dem Doktor, der so kühne Absichten hatte und einer ganzen Gemeinde und den Schrecknissen des Grabes trotzen wollte, etwas näher bekannt zu werden, muß ich den guten Mann wohl bei dem Leser in Lebensgröße einführen.

Doktor Mac Botherme war ein kleines korpulentes Wesen, mit rothen Backen, etwas echauffirter Nase, kleinen grauen Augen, grauen Augenbraunen und pechschwarzem Haar, welches letztere ihm übrigens ein keineswegs nordländisches Aussehen verliehen haben würde, wären nicht die aufgestülpten Geruchswerkzeuge, wie das ganze fröhliche, breitgedrückte Antlitz des immer munteren Doktors zu sichere Bürgen der »grünen Insel« gewesen. Nach seiner, dem Leser eben mitgetheilten Absicht, möchte dieser jedoch verleitet werden, den Doktor für ein Wunder von Muth, Entschlossenheit und Charakterfestigkeit zu halten, da er trotz der verweigerten Einwilligung von Waterton dennoch auf seiner Absicht bestand, und jetzt sogar eine Leiche bei Nacht Nebel stehlen wollte — ein Geschäft, vor dem selbst der kühnste Jäger jener Wälder zurückgeschreckt sein würde. Dem war aber gar nicht so. — 

Doktor Mac Botherme hatte allerdings, was auch schon sein »Geschäft« mit sich brachte, keine Furcht vor Leichen — der menschliche Körper war ihm etwa dasselbe, was einem eifrigen Botaniker die Pflanze ist, die er zerlegt und nach ihren inneren Theilen classificirt; er würde also auch das Stehlen der Leiche an sich selbst als etwas sehr unschuldiges, ja vielleicht Interessantes betrachtet haben, wäre nicht noch ein anderer Umstand dazu gekommen, der allerdings der ganzen Sache eine Schattenseite gab, und ihn sogar mit einem Gefühl erfüllte, das, er mochte sich dagegen sträuben so viel er wollte — der Furcht ungemein ähnlich sah.

Die Leiche lag nämlich im Wald — eine Meile von jeder menschlichen Wohnung entfernt, und erst vor wenigen Tagen hatten die Jäger von Waterton gerade dort einen Panther gejagt und nicht erwischt. Der Panther mußte also noch nothwendiger Weise im Walde sein, denn es war nicht einmal auf ihn geschossen worden, so daß man sich vielleicht damit hätte beruhigen können, er sei verwundet und später irgendwo verendet.

Außerdem schienen auch die Einreden der Bewohner von Waterton einen nicht unbedeutenden Eindruck auf ihn gemacht zu haben, daß sich nämlich in letzter Zeit wieder mehrere Indianer, und zwar von den Winnebagoes eben in der Gegend gezeigt hätten, die, wenn sie von dem Leichenraub eines ihres Stammes hören sollten, nie im Leben eine solche That vergessen, sondern sie an dem Thäter und seiner ganzen Nachbarschaft rächen würden, indem sie, wenn sie nicht dieser selbst habhaft würden, doch wenigstens ihre Maisfelder und Häuser in Brand steckten und ihnen vielleicht auch noch außerdem mit heimlicher Kugel im Walde auflauerten.

Das Alles blieb zu bedenken, die Versuchung zeigte sich aber hier zu stark, Mac Botherme konnte nicht widerstehen, und beschloß nun, der äußeren Vorsicht und der Bequemlichkeit im Allgemeinen wegen seinen eben angenommenen Diener Patrik O'Flaherti zu Schutz und Hülfe mitzunehmen und die Sache wo möglich vollkommen geheim zu halten.

O'Flaherti, ein wahres Muster eines Irländers der niederen Klassen, mit brennendrothem Haar und ordentlich Funken sprühender Nase — starkknochig und keck, mit unverwüstlichem Humor und nicht zu ermüdender Dienstfertigkeit, war denn auch, besonders noch durch die zugesicherte reichliche Belohnung gelockt, gern bereit, dem Doktor, wie er sich ausdrückte, »durch dick und dünn zu folgen,« heißt das, wenn sie es nur »mit wirklich todten« Personen zu thun hätten, und nicht etwa gar der Geist des »seligen Rothfells« neben dem Grabe säße und aus seinem Tomahawk schlechten Tabak rauche.

Auch hatte Patrik — der sonst keinen Menschen fürchtete, eine nicht unbedeutende Scheu vor den Wilden selbst, da ihm schon in der Heimath die fürchterlichsten Schilderungen von diesen gemacht waren, die dort als Cannibalen und wahre Teufel verschrieen wurden. Das was er, in Illinois angekommen, hie und da über die letzten Einfälle und Gräuelscenen gehört, diente ebenfalls nicht dazu, ihm einen besseren Begriff von ihnen beizubringen, und so äußerte er denn auch diese Befürchtung ziemlich frei und offen gegen seinen neuen Herrn. Mac Botherme, obgleich er Ihm im Innern vollkommen recht gab, hütete sich jedoch wohl, ihm davon etwas merken zu lassen; im Gegentheil suchte er mit dem unbefangensten Lächeln von der Welt jede etwa aufsteigende Furcht in ihm zu beschwichtigen.

Das gelang ihm denn auch vollkommen, und die Ausführung des Unternehmens wurde auf den nächsten Abend festgesetzt, da an diesem, als an einem Sonntag, nicht zu fürchten war, daß vielleicht irgend Jemand von Waterton auf der Jagd draußen sei, und zufällig in die Nähe des Indianischen Mound kommen könnte. Alle nöthigen Vorbereitungen wurden nun getroffen, und der Plan schien sich auch leicht und gefahrlos ausführen zu lassen.

Der Doktor bewohnte nämlich ein eigenes kleines Haus mit zwei Abtheilungen, in deren einer er und der Diener schlief, während er die andere zu seinem Wohn- und Studierzimmer erhoben hatte. In das erstere nun sollte die Leiche geschafft und dort zubereitet werden, bis sich später einmal eine Gelegenheit fand, das hergerichtete Gerippe ohne Aufsehen an den Ort seiner Bestimmung zu befördern.

Patrik mußte sich dabei Hacke und Schaufel zurecht legen, und der Doktor nahm die alte Muskete vom Haken, schnallte seinen breiten, bis dahin zu Schutz und Trutz über dem Bett hängenden Hirschfänger um, steckte ein Brecheisen und kleines Beil zu sich, um ohne weitere Mühe den Sarg öffnen zu können, und während er noch das Letzte — einen großen grauen Leinwandsack über seine Schultern hing, um darin den Leichnam desto leichter fortschaffen zu können, brachen an dem bezeichneten Abend die Beiden, als der Mond eben unterging (und das war etwa gerade um neun Uhr) vorsichtig auf, wobei sie, um jedes Aufsehen zu vermeiden und nicht etwa von einem noch zufällig auf der Straße Weilenden bemerkt zu werden, das kleine Haus umgingen, die nächste Fenz, die des Gastwirths Maisfeld einschloß, übersprangen, und dann durch dieses hin, und von den hohen breitblättrigen Maisstöcken vollkommen verdeckt, dem Walde zueilten.

Es war dies allerdings ein ziemlich bedeutender Umweg, den sie machten; sie hatten ja aber die ganze Nacht vor sich, und setzten so, leise und geräuschlos, ihren dunkeln unheimlichen Weg fort. — 

Indessen saßen in der Schenke von Waterton die vier einzigen nicht religiösen Männer, die, außer dem Doktor und Patrik in dem kleinen Städtchen zu finden waren, fröhlich beisammen, und thaten dem erst frisch von Vincennes eingetroffenem Biere alle nur mögliche Ehre an. Diese vier waren aber erstlich James Glassy, der Wirth selbst, ein seit der frühsten Gründung von Waterton hier eingewanderter Pennsylvanier, und kurzweg von seinen Bekannten und Gästen Jim genannt, dann Josy, der Schmied, Weppel, der Schulmeister, und Shark, der Krämer.

Eines nur, wie sie so friedlich und heiter bei einander saßen, wirkte höchst störend auf ihre Unterhaltung ein, und zwar ein Umstand, der vielleicht zugleich wieder die Dauer ihrer Eintracht verbürgte  — sie waren alle viere Demokraten, hatten für Polk gestimmt, und im Ganzen eine so genau übereinstimmende Meinung in Allem was Politik betraf, daß Weppel der Schulmeister mehrere Male in aller Verzweiflung erklärte, er werde nächstens gegen seine Überzeugung des Whigticket stimmen, blos um einmal in einer so verwünscht langweiligen Gesellschaft widersprechen zu können.

Die Politik war deshalb auch fast ganz aus ihrer Unterhaltung verbannt, und Jim hatte eben einen Bericht gegeben, wie viel Bienenbäume er im letzten Monat gefunden, während sich Josy seines Glücks auf der Jagd rühmte, mit dem er in voriger Woche zwei Hirsche und drei Truthühner geschossen und Shark behauptete dabei, er würde auch einen Hirsch und noch dazu einen recht feisten Bock erlegt haben, wäre ihm nicht gerade, als er die Büchse heben wollte, so eine verwünschte Rothhaut in die Quere gekommen, die ein paar Sekunden früher geknallt, und dadurch ein ungemein delikates Stück Wildpret für sich gewonnen hätte.

»Wir sollten es überhaupt gar nicht mehr dulden,« fuhr jetzt Weppel auf, »daß diese schleichenden Hallunken, diese Indianer, hier immer um die Ansiedlung herum kriechen — in Arkansas leiden sie's auch nicht — ich hielt im vorigen Jahr am Mulberry Schule, und da fingen sie einmal einen ganzen Trupp von ihnen auf — es waren ihrer vierzehn oder fünfzehn — nahmen ihnen die Jagdbeute ab und jagten sie aus dem County.«

»Ja,« sagte Shark geheimnißvoll — »das hat aber auch hier eine andere Bewandtniß — wißt Ihr denn nicht, was man sich in Vincennes über Waterton erzählt?«

»In Vincennes?« frug ungläubig Josy — »was wissen sie denn in Vincennes von uns, wovon wir hier an Ort und Stelle noch nicht einmal etwas gehört haben sollten — Unsinn — wäre doch verdammt neugierig das zu erfahren!«

»Was sie in Vincennes wissen, will ich Euch sagen,« fuhr Shark fort, trank sein Blechmaas aus, das ihm von der aufmerksamen Wirthin augenblicklich wieder gefüllt wurde, rückte sich seinen Stuhl ein bischen näher zum Tisch, putzte das Licht, stemmte beide Ellbogen auf, stützte gegen die zurückgestreckten Daumen das spitze Kinn, und sagte dann nach allen diesen Vorbereitungen mit leise flüsternder Stimme:

»Sie glauben, es wäre hier nicht ganz richtig.« — 

»Nicht ganz richtig?« frugen die drei übrigen wie aus einem Munde.

»Nein« — sagte der Krämer — »nicht ganz richtig — oder eigentlich gar nicht richtig, denn die Indianer schnüffelten blos deshalb hier noch in der Nähe herum, weil sie auf der Stelle, wo Waterton jetzt stünde, einen Schatz vergraben hätten, den sie heben müßten, ehe sie sämmtlich das Land verlassen dürften.«

»Einen Schatz?« rief die junge Wirthin, erstaunt näher tretend.

»Ja, einen Schatz von Gold, Silber und allerlei kostbaren Steinen und Schmucksachen« — fuhr der Krämer eben so geheimnißvoll wieder fort.

»Aber wo sollten sie denn das Alles hergekriegt haben,« sagte der Wirth ungläubig — »das was die Indianer für kostbar halten, ist für uns Weiße keinen Pfifferling werth — das sind gewöhnlich immer nur Muschelstückchen, die an den Wampum genäht werden, rothe Erde, um Pfeifen d'raus zu machen, und allerlei seltene Federn, die man in New-York für einen Spottpreis kaufen kann.«

»Wo sie's hergekriegt haben sollen?« rief Shark in allem Eifer; — »haben sie denn nicht von jeher die weißen Ansiedlungen überfallen, und da geraubt und fortgeschleppt, was ihnen unter die Hände kam? wird denn nicht sogar behauptet, daß es in dem Alleghany-Gebirge Stellen gebe, wo das Gold klumpenweis läge, und daß es die Indianer wohl gefunden und mitgenommen, aber nicht gewußt hätten, was sie damit anfangen sollten, bis sie es später durch die Gier der Europäer erfahren! Nein, die Schätze sind da, das ist gewiß, und daß sie hier in der Nähe liegen mögen, vielleicht gerade hier unter uns, wo wir jetzt sitzen, das ist auch möglich. Was hätten denn auch wirklich die rothen Hallunken immer hier herum zu suchen? gestern bin ich wieder Dreien begegnet, wie ich, um ein Eichhörnchen zu schießen, in den Wald ging.«

»Die sind nach Vincennes zu,« unterbrach ihn hier die Wirthin, »sie wollten auch blos eine Parthie Otterfelle verkaufen und dachten gewiß wenig genug an Schätze.«

»So?« rief der Krämer pikirt. — »Otterfelle verkaufen, als ob sie deshalb nach Vincennes zu gehen brauchten. Da gibt es auch in Waterton Leute, die Geld genug haben, ihnen ein paar lumpige Otterfelle abzukaufen. Nein, das hat einen anderen Grund, und wir werden's schon noch erfahren. Deshalb war ich übrigens auch so dagegen, daß der kleine Doktor den Indianer zerschneiden sollte — der Teufel hole die rothen Schurken, vielleicht hätten sie das als eine Ausrede genommen, uns die Häuser über dem Kopf angesteckt, und hier mitgenommen, was sie mitzunehmen wünschten.«

»Ja, das sag' ich auch« — meinte Josy — »das wäre auf keinen Fall gegangen; ich weiß noch recht gut, wie sie's ein Mal in Greentown einem Deutschen machten, der auch das Gerippe von einem am Mississippi begrabenen Häuptling hatte stehlen wollen — sie erwischten ihn dabei — zogen ihm den Scalp ab, und ließen ihn laufen — drei Stunden drauf war er todt. Ich habe die Geschichte Mac Botherme zur Warnung erzählt.«

»Ja, und nachher haben sie noch fünf aus derselben Ansiedlung erschossen,« sagte Weppel — »ich kann mich recht gut darauf besinnen, denn ich kam acht Tage später durch Greentown.«

»Und dann war Salomo auch ein herzensguter Mensch« sagte Mrs. Glassy — »gar nicht wie die anderen Indianer — überall gefällig und immer freundlich — es hätte mir in der Seele weh gethan, wenn er nicht einmal ruhig im Grabe geblieben, sondern von dem — Irländer da, zerschnitten wäre. Soviel weiß ich — wenn der hier in Waterton Menschen die Eingeweide herausnimmt und an ihnen herumsticht als wie an einem anderen Stück Vieh, dann mag er mir nur hier aus dem Hause bleiben, dann dank' ich ihm für seinen Besuch — ich ekelte mich zu Tode.«

»Na, das wäre nun das Wenigste,« lachte ihr Mann — »das wäscht sich Alles wieder ab, und was Salomo betrifft, so ist Einer von den Moccasinzertretern so schlimm wie der andere — je freundlicher sie sich stellen, desto mehr muß man sich vor ihnen in Acht nehmen. Aber darin hat Shark recht  — ich möchte nachher nicht mehr vor die Thür gehen, wenn es unter dem Stamm bekannt würde, wir hätten hier in Waterton Einen von ihnen nicht allein nicht begraben, sondern sogar noch zerschnitten  — am Ende glaubten sie gar, wir wären Menschenfresser.«

»Brrr,« sagte Mrs. Glassy, und schüttelte sich bei dem Gedanken.

»Ja Kinder,« meinte Mr. Weppel, als er jetzt aufstand und ans Fenster trat, um hinaus auf die menschenleere Straße zu sehen — »was Besonderes ist hier nicht weiter zu bekommen, und da will ich denn lieber zu Hause gehen — meine Alte möchte doch sonst brummen.«

»Wie viel Uhr hat's denn?« frug Jim — »es muß ja noch früh sein.«

»Es ist gerade neun vorbei,« sagte der Schullehrer, »der Mond drückt sich auch da drüben in's Nest — morgen muß ich um sieben wieder auf den Beinen sein und Schule geben — also gute Nacht, meine Herren.«

»Wartet Weppel,« rief Shark, während er aufstand und nach seinem eignen Hute griff — »ich gehe mit — ich muß so ein Bischen in's Freie, habe in der Stubenluft ordentlich Kopfweh bekommen. Aber wer klopft da draußen — ist denn zugeschlossen?«

Die Thüre war inwendig eingeklingt und Mrs. Glassy öffnete sie schnell, hätte aber fast einen lauten Angstschrei ausgestoßen, als plötzlich, halbgebückt, den rabenschwarzen runden Wollkopf entblößt, ein kleiner, etwa zwölfjähriger Negerknabe in's Zimmer glitt, der, augenscheinliche Angst in den dunklen Zügen, die Männer der Reihe nach ansah, und nicht zu wissen schien, ob er mit der Sprache heraus sollte.

»Jesus im Himmel!« sagte Mrs. Glassy, indem sie überrascht einen Schritt zurücktrat, »habe ich doch wahrhaftig geglaubt, es wäre ein Indianer, der da den Kopf zur Thüre herein streckte. Was willst du denn noch so spät, Sip? schickt dich dein Master?«

Sip war ein freier Negerknabe, der sich bei dem Baptistenprediger vermiethet hatte, und auch dann und wann, besonders wenn sein Herr nach irgend einem benachbarten Flecken zum Predigen gegangen war, allerhand kleine Aufträge und Wege für das Wirthshaus besorgte, wo er sich nur zu gern mit einem paar Centen und einem Schluck Whiskey dafür belohnen ließ. — Jetzt verrieth sein ganzes Wesen aber mehr Furcht und Besorgniß, und mit leiser, bebender Stimme stotterte er:

»Ne — ne — nein, Missus — Ma — Massa nicht, a — aber — ich ha — habe wa — wa —  was gehört — «

»Du hast was gehört?«

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