Zusammenarbeit im Betrieb - Klaus Boese - ebook

Zusammenarbeit im Betrieb ebook

Klaus Boese

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89,99 zł

  • Wydawca: Litho
  • Kategoria: Edukacja
  • Język: niemiecki
  • Rok wydania: 2018
Opis

Seit der ersten Auflage im Jahr 2001 sind nun acht Jahre vergangen, so dass eine gründliche Überarbeitung des gesamten Buches überfällig war. Die Änderungen und Erweiterungen des vorliegenden Bandes geben die Unterrichtserfahrungen der letzten Jahre wieder. Besonders hinzuweisen ist auf eine ganze Reihe neuer handlungsorientierter Aufgabenstellungen, die sich 1:1 umsetzen lassen und so das Unterrichten erleichtern. Gleichzeitig stellt das Buch mit seiner Ausrichtung auf die Prüfungsinhalte die ideale Vorbereitung auf die Meisterprüfung dar.

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Liczba stron: 252




Bädermanagement

Klaus Boese

© Litho-Verlag e.K., Wolfhagen

www.litho-verlag.de • www.badeliteratur.de

Mittelstrasse 4, 34466 Wolfhagen

Tel: 05692-9960682 • Fax: 05692-9960683

Alle Rechte vorbehalten

Druck: Druckleister, Windeck

3. Auflage Oktober. 2018 (Nachdruck)

ISBN Print: 978-3-941484-11-5

ISBN Ebook PDF: 978-3-941484-47-4

ISBN Ebook Epub: 978-3-946128-29-8

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Inhalt

Vorwort zur zweiten Auflage..........................................................................................3

A Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb.................................................5

Einführung......................................................................................................5

A 1.1 Der Entwicklungsprozess des Einzelnen.....................................................10

A 1.1.1 Die körperliche Entwicklung.........................................................................10

A 1.1.2 Entwicklungsphasen des Jugendalters........................................................12

A 1.1.3 Einige Grundbegriffe der Entwicklungspsychologie.....................................17

A 1.1.4 Handeln und Verhalten als Funktion von Person und Umwelt.....................17

A 1.1.5 Die Leistungskurven des Menschen............................................................22

A 1.2 Gruppenverhalten.........................................................................................26

A 2 Einflüsse des Betriebes auf das Sozialverhalten.........................................40

A 2.1 Arbeitsorganisation und soziale Maßnahmen..............................................40

A 2.1.2 Der Betrieb als Arbeitssystem......................................................................41

A 2.2 Arbeitsplatz- und Betriebsgestaltung............................................................43

A 2.3 Führungsgrundsätze....................................................................................56

A 3.1 Die Rolle des Meisters.................................................................................70

A 3.2 Kooperation und Kommunikation.................................................................74

A 3.3 Führungstechniken und Führungsverhalten.......................................................85

B Bäderbetrieb ..............................................................................................105

B1.1 Techniken und Methoden der Gesprächsführung......................................105

B 1.2 Motivation....................................................................................................115

B 1.3 Methoden der Konfliktlösung......................................................................123

B 2.1 Bedarfsanalyse...........................................................................................131

B 2.1.1 Mit Informationen umgehen........................................................................131

B 2.1.2 Informationen darstellen.............................................................................138

B 2.1.3 Informationen gewinnen.............................................................................143

B 2.2 Organisation und Durchführung.................................................................148

B 2.3 Grundsätze von Werbung und Öffentlichkeitsarbeit...................................163

Literaturverzeichnis....................................................................................172

Index...........................................................................................................173

Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb

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Vorwort zur zweiten Auflage

Seit der ersten Auflage im Jahr 2001 sind nun acht Jahre vergangen, so dass eine gründliche Überarbeitung des gesamten Buches überfällig war. Die Änderungen und Erweiterungen des vorliegenden Bandes geben die Unterrichtserfahrungen der letzten Jahre wieder. Besonders hinweisen möchte ich auf eine ganze Reihe neuer handlungs-orientierter Aufgabenstellungen, die sich 1:1 umsetzen lassen und so das Unterrichten erleichtern. Gleichzeitig stellt das Buch mit seiner Ausrichtung auf die Prüfungsinhalte die ideale Vorbereitung auf die Meisterprüfung dar.

Mannheim, Juni 2009

Klaus Boese

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A Grundlagen der Zusam-menarbeit im Betrieb

Einführung

Die „Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Meis-ter für Bäderbetriebe/Geprüfte Meisterin für Bäderbetriebe“ vom 7.Juli 1998 (im folgenden einfach Prüfungsverordnung genannt, veröffentlicht im Bundesge-setzblatt, nachzulesen z.B. unter www.gesetze-im-internet.de oder www.bds-ev.de) gibt für die Meisterprüfung vor, dass der Prüfling

• über soziologische Grundkenntnis-se verfügen und

• soziologische Zusammenhängeim Betrieb erkennen und beurteilen kön-nen soll.

Damit ist zum einen der Rahmen des Fa-ches abgesteckt, zum anderen gibt es auch Hinweise über die Art der zu vermit-telnden Kenntnisse und Fertigkeiten. Be-trachten wir zuerst die hervorgehobenen Begriffe. Erst mal steckt das Wort „Sozio-logie“ drin. Die Soziologieist die Lehre vom Miteinander von Gesellschaftsmit-gliedern. Es soll hier natürlich kein Sozio-logiestudium vermittelt werden, sondern es geht um Grundkenntnisse, über die der angehende Meister für Bäderbetriebe

verfügen soll. Verfügen bedeutet soviel wie besitzen, haben. Im Gegensatz dazu soll er/sie soziologische Zusammenhän-ge erkennen und beurteilen können. Die Worte „erkennen“ und „beurteilen“ be-deuten etwas ganz anderes als das Wort „verfügen“. Sie bedeuten, dass man das Wissen, über das man verfügt, anwen-den muss, dass man damit eine gewisse Handlungskompetenz aufweisen kann. Das hat einen ganz andere Qualität als nur „besitzen“ oder „verfügen“. Den Un-terschied kann man sich etwa so verdeut-lichen: Überall kann man lesen, dass Be-wegung gesund ist. Also kaufen wir uns ein Fahrrad, wir können über es verfügen. Der Besitz allein macht noch lange nicht gesund. Wir müssen mit dem Rad fahren, und zwar nicht zu knapp und regelmäßig. Genauso ist es mit dem Wissen. Wissen allein ist sinnlos, wenn man es nicht an-wenden kann. Allerdings ist ein bestimm-tes Grundwissen notwendige Vorausset-zung dafür, dass man dieses anwenden kann, das ist genau wie mit dem Fahrrad.

Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb

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Das soziologische Denken

Nun zu den Inhalten der Soziologie. So-ziologisches Denken unterscheidet sich vom herkömmlichen Denken dadurch, dass der Mensch nicht als isoliertes Ein-zelwesen betrachtet wird. Es wird ver-sucht, den Menschen im Zusammenhang mit dem Umfeld, mit der Gemeinschaft, in der lebt, zu sehen. Das Umfeld, das sind andere Menschen, Gruppen, Organisatio-nen, Betriebe, Gesellschaften, letztlich die Welt, in der wir leben.

Ein Beispiel: Michaela (16), eine Auszubil-dende im ersten Lehrjahr. Was bestimmt ihr Verhalten, ihr Handeln, ihre Einstellun-gen und Sichtweisen?

Herkömmlicher Weise neigt man dazu, das Verhalten der Einzelpersonals Ei-genschaft zuzuordnen. Z.B. Michaela ist nett und freundlich, sie ist hilfsbereit und höflich, oder sie ist oft schlecht gelaunt, aufbrausend und zickig. Michaela denkt vielleicht genauso: „Wenn ich schlecht drauf bin, werd’ ich schnell pampig!“ oder „Ich bin nun mal cholerisch, das hab’ ich vom Vater geerbt.“

Bei dem Vorstellungsgespräch, das Mi-chaela vor einem Jahr hatte, hat sie versucht, sich von ihrer „guten Seite“ zu zeigen, war pünktlich und höflich. Die Ausbilder, die das Gespräch führten, ha-

ben ihrerseits versucht Michaelas Eigen-schaften auszuloten und zu schauen, ob sie ins Anforderungsprofil passt. Es wäre aber falsch, jetzt ein endgültiges Urteil zu fällen. Jeder, der etwas mit Ausbildung oder Auszubildenden zu tun hat, weiß, dass sich ein junger Mensch in drei Jah-ren sehr stark ändern kann, auch wenn vielleicht einige Wesensmerkmale erhal-ten bleiben.

Der soziologische Ansatz versucht nun, das Bild von Michaela um noch weitere Ebenen zu erweitern. Wenn wir Michaela und ihr Verhalten verstehen wollen, müs-sen wir auch die (Klein-) Gruppen, in de-nen sie sich bewegt, betrachten.

Als erstes wäre hier die Familiezu nen-nen. Dass die Familie einen Menschen prägt, ist völlig klar und muss eigentlich nicht mehr erwähnt werden. Allein schon die Konstellation der Familie wirkt sich auf deren Mitglieder aus. Vielleicht hat Micha-ela noch eine kleine Schwester. Sie war immer die Ältere, musste frühzeitig „ver-nünftig“ sein und musste manchmal auf die Kleine aufpassen, daher ist das Über-nehmen von Verantwortung für sie nichts Neues. Oder Michaela war Nachkömm-ling, hat zwei ältere Brüder, die schon aus dem Haus sind und eigene Familien haben. Michaela war das „Nesthäkchen“ und wurde von ihren Eltern verwöhnt

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und ihr wurde jedes Steinchen aus dem Weg geräumt. Sie ist deshalb nur wenig selbstständig bei der Arbeit. Kinder mit Geschwisternhaben andere soziale Kom-petenzenals Einzelkinder. Auch die Atmo-sphäre in der Familie prägt den Menschen. Wie werden Konflikteausgetragen? Wer-den sie totgeschwiegen oder wird in sach-licher Umgebung darüber geredet, wel-che Lösungen werden gefunden, setzen sich die Eltern immer autoritär durch oder werden Kompromisse angestrebt? Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Alles das beeinflusst Michaelas Handeln und Denken. Unter Beeinflussung darf man übrigens keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung verstehen. Manche Jugendliche rauchen, weil die Eltern rau-chen, andere rauchen eben nicht, gerade weil die Eltern rauchen.

Neben der Familie spielen vielleicht noch andere Gruppen in Michaelas Leben eine Rolle und prägen sie und ihr Verhalten. Vielleicht trifft sich Michaela oft mit ei-ner Freundesclique. Sie verbringen ihre Freizeit zusamen, gehen in die Disco, ins Kino oder zum Minigolf. Sie tauschen sich über Jungs aus, jammern über ihre Eltern und lästern über Ausbilder oder Lehrer. Michaela übernimmt automatisch einige Denkweisen dieser Gruppe. Sie fin-det cool, was Andere cool finden, sie teilt modische Vorlieben, und anderes mehr.

Michaela befindet sich mit der Gruppe in einem wechselseitigen Prozess. Sie wird durch die Gruppe in ihren Anschauungen und in ihrem Auftreten und Verhalten ge-prägt. Gleichzeitig prägt sie aber auch die Gruppe. Das gilt natürlich nicht nur für die Clique, sondern für alle kleinen und gro-ßen Gruppen, in denen sie ist. Schließlich hat Michaela aber auch einen gewissen Spielraum. Sie muss nicht alle Denkwei-sen der Gruppe 1:1 übernehmen. Im Gro-ßen und Ganzen wird aber ein Konsens über wesentliche Dinge bestehen, sonst würde sich Michaela nicht wohl fühlen. Über kurz oder lang müsste sie sich an-passen oder die Gruppe verlassen.

Möglicher Weise ist Michaela Spielerin ei-ner Hockeymannschaft. Auch hier gelten die gleichen Prinzipien. Sie wird von der Gruppe geprägt und sie prägt die Grup-pe. Allerdings ist das Ziel dieser Gruppe – vorausgesetzt sie nimmt an Wettkämp-fen teil - eher leistungsorientiert. Michaela wird also auf Dauer, wenn sie in der Grup-pe verbleiben will, sich angewöhnen müs-sen, pünktlich zum Training zu erschei-nen, regelmäßig zu trainieren und nicht nur nach dem Lustprinzip zu handeln.

Wie wir wissen ist Michaela Auszubilden-de im ersten Lehrjahr. Das bedeutet, dass sie einer weiteren Gruppe angehört. Sie ist Betriebsangehörige. Je nach Betriebs-

Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb

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größe kann diese Gruppe klein, aber auch sehr groß sein. So groß, dass sich gar nicht alle Kolleginnen und Kollegen ken-nen (z.B. Großkonzerne wie VW, Daimler oder BASF). Eine derartige Organisationunterscheidet sich von den Gruppen, de-nen wir bisher begegnet sind, nicht nur durch ihre Größe, sondern sie hat auf-grund dieser Größe und der Ausrichtung auf ein bestimmtes Betriebsziel auch ei-nen ganz anderen Organisationsgrad. Die Regeln, die in dieser Organisation einge-halten werden müssen, sind nicht freiwillig oder zufällig, sondern sie sind vertraglich bzw. gesetzlich (arbeitsrechtlich) festge-legt. Selbstverständlich werden Micha-elas Verhalten und ihre Anschauungen auch hier wieder geprägt und sie selbst prägt die Organisation ein Stück mit. Ob sie Schicht arbeitet, ob sie bei Problemen allein gelassen wird oder ob sie im Team arbeitet; was ihre Vorgesetzten von ihr er-warten, ob sie offen Kritik üben kann oder buckeln muss, all das und vieles andere mehr prägt Michaela und ihre Sicht der Dinge.

Wir können noch einen Schritt weiter gehen. Michaela lebt natürlich in einem bestimmtenLand und in einer bestimm-tenKultur. Auch das wirkt auf sie ein und beeinflusst ihr Denken und Handeln. Viel-leicht hat Michaela – wie sie findet – ein paar Pfund zu viel auf den Rippen (mög-

licher Weise spielt sie deshalb Hockey) und findet sich zu dick. Dass sie so denkt, liegt an dem Schönheitsideal, das hier-zulande gilt und an den Medien, die uns allzeit berieseln. Die in einer Gesellschaft geltenden Normenbetreffen selbstver-ständlich auch Michaela. Das gilt für die geschriebenen (Gesetze, Verordnungen, usw.) genauso wie für die ungeschrie-benen (Normen und Werte). Wie sie als Mädchen und als junge Frau lebt, ob sie selbstständig und emanzipiert leben kann oder ob sie als Frau benachteiligt ist, bzw. eine andere Rolle zugewiesen bekommt, das liegt an der Gesellschaft, in der sie lebt. Zu anderen Zeiten war und an an-dern Orten ist das möglicher Weise ganz anders. Auch die wirtschaftliche Lage ei-nes Landes spielt in diesem Zusammen-hang eine wichtige Rolle. Drohende Ar-beitslosigkeit z.B. wirkt auf die Menschen und ihr Denken und Verhalten. Länder mit großer Armut oder einer ungleichen Ver-mögensverteilung (vergl. USA) haben oft eine wesentlich höhere Kriminalität.

Schließlich bleibt noch ein Punkt übrig: die größte denkbare „Gruppe“, nämlich das globale Dorf, in dem wir alle leben. Die Globalisierung erfasst uns alle, jeder ist irgendwie davon betroffen. Michaela trägt T-Shirts, die in Taiwan hergestellt wurden, ihr mp3-player wurde in China zusam-mengebaut und damit sie mit ihrem Handy

Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb

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telefonieren kann, wurden Satelliten ins All geschossen. Je nach dem in welchem Beruf sie arbeitet, muss sie fürchten, dass ihr Betrieb Arbeitsplätze ins benachbarte Ausland verlagert, um Personalkosten zu sparen. Wenn sie ein Steak isst, werden dafür vielleicht in Südamerika Wälder für die Viehzucht gerodet. Die Liste der Aus-wirkungen der Globalisierung auf den ein-zelnen Menschen ließe sich fortsetzen.

Die verschiedenen Ebenen durchdringen und beeinflussen sich gegenseitig. Wenn man ein richtiges und vollständiges Bild von Menschen und deren Verhalten ha-ben will, dann muss man alle Ebenen mit einbeziehen. Das ist auch bei der Ausbil-dung und der Arbeit mit jungen Menschen der Fall. Im Folgenden werden wir daher auf die verschiedenen aufgezeigten As-pekte eingehen. Es geht dabei in erster Linie darum – wie eingangs aus der Prü-fungsordnung zitiert - Grundkenntnisse zu erwerben und Zusammenhänge zu erken-nen und beurteilen zu können.

Erarbeitungsaufgaben

Aufgabe 1: Erklären Sie den Unterschied zwischen „... über Kenntnisse verfügen ...“ und „... Zusammenhänge erkennen ...“.

Aufgabe 2: Worum geht es der Soziologie im Allgemeinen?

Aufgabe 3: Im Text geht es um ein Vor-stellungsgespräch, das Michaela hatte. Was muss ein Ausbilder vor dem Hintergrund des Beschriebenen bei einem solchen Gespräch beachten?

Aufgabe 4: Beschreiben Sie die Art und Weise, wie die Familie einen Menschen prägt.

Aufgabe 5: In welchen Gruppen bewegt sich in dem Beispiel Michaela?

Aufgabe 6: Zeichnen Sie ein Schaubild, in dem alle Gruppen aufgezählt werden, in denen Sie Mitglied sind.

Gibt es Abhängigkeiten, Beziehungen oder Konflikte zwischen diesen Gruppen?

Aufgabe 7: Welchen Einfluss hat die Kultur auf unser Verhalten? Geben Sie konkrete Bei-spiele.

Aufgabe 8: Im Text ist von der Globalisie-rung die Rede. Glauben Sie, dass Sie persön-lich davon betroffen sind?

Aufgabe 9: In welche Bereiche gliedert der Text das Umfeld bzw. die Umwelt eines Men-schen?

Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb

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A 1.1 Der Entwicklungspro-zess des Einzelnen

A 1.1.1 Die körperliche Ent-wicklung

In welchem Alter waren Sie halb so groß wie heute?

Die meisten Menschen - nehmen wir als Beispiel einen Mittzwanziger, der 180 cm misst – halbieren ihr Alter erst mal (also 12-13) und ziehen dann noch ein biss-chen ab, weil es ihnen doch noch zu viel vorkommt. Viele würden also zwischen 5 und 10 Jahre schätzen. Dass das Wachs-tumnicht unbedingt gleichmäßig vonstat-ten geht, ist eigentlich klar, denn irgend-

wann hört der Mensch auf zu wachsen. Also wird ein 80Jähriger nicht glauben, er sei mit 40 halb so groß gewesen wie mit 80. Wie verhält es sich nun wirklich mit dem Wachsen?

Das obige Diagramm gibt die jährliche Zu-nahme der Körperlänge eines Jungen an, also nicht etwa die jeweilige Größe, son-dern den jeweiligen Zuwachs der Körper-größe. Die Art der Darstellung heißt So-matogrammund wir verdanken sie dem französischen Grafen de Montbeillard, der – warum auch immer – von 1759 bis 1777 jährlich seinen Sohn vermessen und das der Nachwelt erhalten hat. Der gute Junge war schließlich mit 18 Jahren über einsachtzig groß.

Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb

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Was sagt uns nun diese Darstellung und wie wird unsere Eingangsfrage (Alter der halben Körpergröße) beantwortet?

Das Körperwachstum ist keineswegs gleich-mäßig, sondern bis-weilen sprunghaft.

Auffällig sind die bei-den „Gipfel“. Zum ei-nen die hohen Werte zu Beginn des Lebens. Die Kurve beginnt hier eigentlich erst im Alter von einem hal-ben Jahr. Wenn man bedenkt, dass in den neun Monaten vor der Geburt (= 3/4 Jahr) das Längenwachstum von fast Null auf etwa 50 cm stattfindet, so kann man sich vorstellen, dass die Anfangskurve noch steiler wäre. Würde dieses Längenwachs-tum beibehalten, so wäre der Mensch mit 18 Jahren über elf Meter groß. So gese-hen ist es beruhigend, dass das Wachs-tum in seiner Geschwindigkeit nachlässt und der durchschnittliche Mensch seine halbe Körpergröße schon etwa mit zwei (!) Jahren erreicht hat. Damit wäre die Ein-gangsfrage beantwortet. (Den Pathologen unter den Lesern ist bekannt, dass man-che Madenarten, die bei Toten gefunden werden, tatsächlich ihr Leben lang wach-sen. Aus ihrer Größe kann man durchaus ihr Alter – und somit den Todeszeitpunkt – bestimmen.)

Ein Somatogrammwie es bei den Un-tersuchungen für Kinder verwendet wird. Eine durchschnittliche halbe Erwachse-nengröße (ca. 90 cm) wird bei 50% der Kinder etwa im Alter von zweieinhalb Jahren erreicht (linke Hälfte). Rechts die Gegenüberstellung von Körpergröße und Gewicht.

Sehr viel interessanter für uns ist der Berggipfel um das 15. Lebensjahr herum. Hier findet offenbar ein Wachstumsschub statt. Es handelt sich um den sog. pube-ralen Wachstumsschub, d.h. das starke Wachstum in der Pubertät. Bei Mädchen findet dieser Schub um das zwölfte Le-bensjahr statt (Wachstum durchschnittlich acht Zentimeter), bei Jungen um das vier-zehnte Lebensjahr (durchschnittlich neun Zentimeter). Was bedeutet das für die Be-troffenen? Die Motorik(die Fähigkeit des

Der Entwicklungsprozess des Einzelnen

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menschlichen Körpers, sich zu bewegen) ist u.a. ein Lernprozess. Wenn sich nun der Körper relativ schnell verändert, wie das bei einem Wachstumsschub der Fall ist, dann hat der/die Betroffene möglicher-weise Anpassungsschwierigkeiten. Ge-nau das ist in dieser Phase der Fall. Das Auftreten wird schlaksiger, unsicherer.

Ideale Proportionen erreicht ein Mensch – meistens gar nicht und wenn überhaupt – erst im Erwachsenenalter.

A 1.1.2 Entwicklungsphasen des Jugendalters

Bestimmte Wasserschildkrötenarten ver-scharren ihre Eier am Strand in selbst gegrabenen Gruben. Wenn die Kleinen schlüpfen, müssen sie möglichst schnell in das nahe gelegene Wasser kommen,

denn sie sind bevorzugtes Nahrungsmit-tel für einige Vogelarten. Im Wasser sind sie dann erst mal vor diesen sicher. Wenn die kleinen Kröten das Licht der Welt erbli-cken, müssen sie also schon wissen, dass sie sofort das Wasser erreichen müssen und sie müssen wissen, wo das Wasser ist. Wenn sie dann dort ankommen, müs-sen sie zudem noch schwimmen können. Das alles können diese Tiere, auch wenn nicht alle das rettende Nass erreichen. Das ist eigentlich nur zu erklären, wenn man annimmt, dass diese Tiere gewisse Kenntnisse und Fertigkeiten von der Na-tur bei der Geburt mitgeliefert bekommen.

Im Gegensatz dazu stellen sich die meis-ten Menschen (nicht nur im zartesten Al-ter) recht tölpelhaft an. Ein ausgesetztes Menschenjunges hat keine Chance zu überleben. Es kann sich keine Nahrung besorgen, es kann nicht laufen, es kann sich nicht gegen Kälte und Witterung schützen u.v.m. Selbst im Erwachsenen-alter sind viele Menschen nicht in der Lage, sich richtig zu ernähren. Dafür hat der Mensch aber einen gewaltigen Vorteil. Er kann lernen und ist anpassungsfähig.

Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb

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Und er kann eben nicht nur alles lernen, er muss auch alles lernen und braucht dafür wesentlich länger als Tiere (die natürlich auch in gewissem Maße lernfähig sind).

Bemühen wir einen technischen Ver-gleich. Ein herkömmlicher Taschenrech-ner (Tier) braucht kein Programm, er kann rechnen, weil die entsprechenden Funkti-onen bei ihm fest „verdrahtet“ sind. Ein PC (Mensch) kann erst mal überhaupt nichts. Er braucht ein Betriebssystem und dann noch Anwendungsprogramme, um rech-nen zu können. Viel Aufwand! Doch der

Vorteil besteht darin, dass man alle mög-lichen Programme auf ihm laufen lassen kann. Deswegen kann man eben nicht nur rechnen, sondern auch schreiben, malen, spielen, simulieren, steuern, u.v.a. Der PC ist nicht auf eine Funktion festgelegt, er ist eine universelle Maschine.

Kehren wir zurück zum Lernen der Men-schen. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Phasen, die ein junger Mensch durchläuft.

Stufen

Phasen

Durchschnittsalter

Lerninhalte (u.a.)

Säuglingsalter

Schlafalter

0 – 0,2

Nahrungsaufnahme, Aus-scheidungen, Gehen

Zuwendungsalter

0,2 – 1,0

Kleinkind

Spracherwerb

1,0 – 2,5

Geschlechtsunterschiede, Unterscheidung richtig - falsch; Bewusstsein

1. Trotzalter

2,5 – 3,5

Ernstspielalter

3,5 – 5,5

Großkind

1. Gestaltwandel

5,5, - 6,5

Grobmotorik, SpielenSelbsteinschätzungRollen

Mittleres Kindesalter

6,5 – 9,0

Spätes Kindesalter

9,0 – 10,5 / 12

Jugendalter

Vorpubertät

m 10,5 – 13 f 10 – 12

Übernahme sozialer,emotionale Unabhängigkeit von Eltern

Pubertät

m 13,0 – 16 f 13 –15

Adoleszenz

m 17 – 21 f 16 – 20

Erwachsenen-alter

18 – 60

Partnerwahl; gesellschaftl. Und soziale Verantwortung; u.v.m.

Seniorenalter

60 – 80

Anpassung an die physiolo-gischen Veränderungen im Alter

Greisenalter

Ab 80

Entwicklungsphasen des Jugendalters

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Uns interessieren in erster Linie die Pha-sen des Jugendalters, also die Vorpuber-tät, die Pubertät und die Adoleszenz.

Die Pubertät ist die Sturm- und Drangzeit, die Zeit, in der die Eltern komisch wer-den, wie es oft scherzhaft genannt wird. Diese Zeit ist durch die Suche nach einer eigenen, individuellen Identität geprägt. Dieses Erwachsenwerden wird in die fol-genden drei Phasen eingeteilt.

Die Vorpubertät

Die Vor- oder auch Frühpubertät ist die erste Phase und beginnt kurz vor dem oben schon genannten präpuberalen Wachstumsschub, bei Mädchen also mit dem 9./10 und bei Jungs mit dem 11./12. Lebensjahr. Natürlich sind das alles Durchschnittswerte, die bei dem Einen oder der Anderen unter oder überschrit-ten werden können. Gegen Ende tritt bei den Mädchen (12./13. Lebensjahr) die erste Regelblutung auf und bei den Jungs (13./14. Lebensjahr) beginnt die Samen-produktion.

Im körperlichen Bereich findet ein star-kes Wachstum vor allem der Extremitäten (Arme und Beine) statt, auch findet die Reifung der sekundären Geschlechts-merkmale statt, u.a. der Bartwuchs und Adamsapfel bei Jungs, Wachstum der Brüste bei den Mädchen. Als Folge des

schnellen Wachstums kann eine gewisse Unbeholfenheit in der Motorik und eine vorübergehend unharmonische Gestalt auftreten.

Im seelischen Bereich gehen große Ver-änderungen vor sich. Die Stimmungen schwanken oft, das ganze Gefühlsleben ist unausgeglichen. Die Jugendlichen werden leicht aggressiv und sind oft un-beherrscht. Sie sind im Wesentlichen mit sich selbst beschäftigt und lehnen nicht selten herkömmliche Vorbilder (Eltern) ab.

Die Pubertät

Dieser Prozess setzt sich in der Puber-tät fort. Es werden neue, eigene Leitbil-der gesucht, ein eigener Wille bildet sich heraus, der Einfluss der Eltern nimmt ab, dagegen finden viele Jugendliche Ori-entierung in Gruppen Gleichaltriger. Die ersten Freundschaften mit dem anderen Geschlecht treten auf, die Jugendlichen sind auf dem – natürlich nicht immer grad-linigen Weg – eigene, selbständige Per-sönlichkeiten zu werden.

Körperlich findet wieder eine gewisse Harmonisierung der Körpergestalt statt, die Motorik verbessert sich und die Ge-schlechtsreifewird vollendet. Bei Mäd-chen geht die Pubertät bis zum 15., bei Jungs ungefähr bis zum 16. Lebensjahr.

Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb

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Zwei Tendenzen sind hier bemerkens-wert. Erstens sind Mädchen wohl eher reif als Jungs, das ist wohl nichts Neues. Zweitens verlagern sich diese Zeiten aber immer mehr nach vorne. Vor 30-50 Jah-ren waren diese Phasen später als heute.

Die Adoleszenz

Die Adoleszenz schließt als letzte dieser drei Phasen vorläufig die Entwicklung des Jugendlichen zum Erwachsenen ab. Hier gibt es „offene“ Grenzen. Während rein juristisch der Mensch mit der Vollendung des achtzehnten Lebensjahres volljährig und damit voll verantwortlich für sein Tun ist, geht man im pädagogischen Bereich davon aus, dass dieser Prozess sich etwa bis zum 25. Lebensjahr hinzieht. Die Ge-stalt reift endgültig aus, die Jugendlichen werden auch rein äußerlich Erwachsene.

Die Beschäftigung mit sich selbst tritt et-was zurück, die Menschen beginnen sich Gedanken über ihre Lebensplanung zu machen, oft werden feste Bindungen in Partnerschaften gesucht, es erfolgt eine Zuwendung zu den Realitäten des Le-bens.

Erarbeitungsaufgaben

Aufgabe 10: Nennen Sie wichtige Phasen im jugendlichen Entwicklungsprozess. Beschrei-ben Sie die Veränderungen, die dabei in der

körperlichen und seelischen Entwicklung der Jugendlichen vor sich gehen.

Aufgabe 11: Überlegen Sie sich Situationen aus Ihrer Berufspraxis, in denen Sie mit Ju-gendlichen zu tun hatten, die sich in einer der oben beschriebenen Weisen verhielten. Wie reagierten Sie? Würden Sie heute mit einigem Abstand zum Geschehenen anders reagieren?

Aufgabe 12: Ein 16jähriger Auszubildender ist häufig unausgeglichen, manchmal flegelhaft, manchmal aber auch scheu und abweisend. Worauf führen Sie dieses Verhalten zurück? Spielt das Alter des Auszubildenden eine Rolle?

Wie reagieren Sie am besten? Betrachten Sie den Sachverhalt von mehreren Seiten.

Aufgabe 13:

Von der niedlichen Tochter zum Grufti

Umbruchphase Pubertät: Abgrenzung von den Eltern wichtiger Entwicklungsschritt

Die Pubertät hält für Eltern viele Überraschun-gen bereit. Plötzlich kleidet sich die Tochter von Kopf bis Fuß in Schwarz. Aus ihrem Zimmer dringen sakrale Klänge mittelalterlicher Musik, auf dem Boden verstreute Buchstaben und Zahlen sind die Überbleibsel vom Gläserrücken mit den Grufti-Freunden. Der Sohn ist Punk und zeigt den Eltern seine Ablehnung der blöden Spießerwelt. Ein Irokesenhaarschnitt, Nieten-armbänder und Springerstiefel runden den neu-en Auftritt ab.

Nicht nur die äußerlichen Veränderungen ih-

Entwicklungsphasen des Jugendalters

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rer Kinder machen Eltern schwer zu schaffen: Rebellion steht nun auf der Tagesordnung. Dis-kussionen und Streit sind kaum zu vermeiden, ehemals feste Grenzen werden ständig über-schritten. „Eltern müssen in dieser Phase viel aushalten“, sagt Klaus Fischer, Sozialpädagoge in Schmallenberg (Nordrhein-Westfalen). Die Abgrenzung von der Erwachsenenwelt und den Eltern ist jedoch ein ganz normaler und wich-tiger Entwicklungsschritt: „Anders zu sein und sich gegenüber der sozialen Umwelt auszutes-ten, gehört zum Weg in die Eigenständigkeit.“

Die Jugendlichen strampeln sich frei aus der engen Beziehung zu den Eltern und wollen die Welt auf ihre eigene Art und Weise entdecken. „In der Pubertät findet die körperliche, emotio-nale und verstandesmäßige Verselbstständi-gung statt“, erklärt der Pubertätsexperte Peer Wüschner.

Ob Grufti, Punk, Mittelalter- oder Heavymetal-Fan, besonders die extremen Formen der Ver-änderungen ermöglichen Jugendlichen eine größtmögliche Abgrenzung. Um erwachsen zu werden, suchen sie fortlaufend Reibung und Auseinandersetzung: „Erst diese schwer nachzuvollziehende, nervende und manchmal auch verletzende Überprüfung des Rollenvor-bildes der Eltern ermöglicht die Bildung eines eigenen Standpunkts“, erklärt Wüschner. Eltern würden auf diese anstrengende Entwicklungs-phase gerne verzichten, doch sie legt einen wichtigen Grundstein auf dem Weg in die Welt

der Erwachsenen: „Pubertierende, die diese Sturm- und Drangphase nicht durchmachen dürfen, können sich nicht richtig entwickeln“, sagt Wüschner. Doch anstatt sich täglich über den Nachwuchs aufzuregen, sollten Eltern ge-lassen bleiben, empfiehlt die Psychologin Helga Gürtler aus Berlin. „Verständnis ist besonders wichtig.“ Strenge Verbote und schlaue Vorträge führten hingegen zu nichts.

Das tägliche Treffen mit der Clique, der Wo-chenendausflug aufs Rockfestival, der Wunsch nach einem Piercing oder Tattoo: Eltern sollten sich über die Interessen und Aktivitäten des Kindes informieren und den Dialog suchen, rät Gürtler: „Reagieren Sie nicht gleich mit Angst und Widerstand, sondern hören Sie sich die Motive ihres Kindes an.“ Denn Gespräche über Gedanken und Wünsche stärken die familiäre Beziehung. Geschmacksfragen über das Äuße-re des Kindes dürfen mit dem nötigen Respekt diskutiert werden, Verbote hingegen bewirken oft das Gegenteil. gms

Mannheimer Morgen

15. Mai 2007

Fassen Sie die Aussagen des Artikels zusam-men. Was halten Sie von den gegebenen Rat-schlägen? Diskutieren Sie sie in der Gruppe.

Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb

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A 1.1.3 Einige Grundbegriffe der Entwicklungspsy-chologie

Jede Fachsprache hat ihre eigenen Fachbegriffe, die genau eine bestimmte festgelegte Bedeutung haben, um Miss-verständnisse zu vermeiden. Wir haben schon einige davon verwendet, ohne uns Gedanken über ihre genaue Bedeutung zu machen. Das soll jetzt nachgeholt wer-den.

Einen Vorgang, bei dem relativ dauerhaf-te Veränderungen (körperlich, geistig oder seelisch) vollzogen werden, nennt man Entwicklung. Veränderungen im körper-lichen Bereich, die eine unumkehrbare Zunahme der körperlichen Substanz be-deuten, nennt man dagegen Wachstum.

Einen Vorgang, bei dem besondere Or-gane und Funktionszusammenhänge ent-stehen, heißt Reifung.

Die körperliche Reifeist mit der Fort-pflanzungsfähigkeit verbunden, die so-ziale Reifeist ereicht, wenn der junge Mensch in der Lage ist, im jeweiligen Kulturbereich sein Leben selbständig zu führen.

Ein auffallendes Zurückbleiben eines Kindes hinter der normalen Entwicklung

nennt man Retardation, eine auffällige Beschleunigung hingegen heißt Akzele-ration. Ein Rückfall in an sich überwunde-ne Entwicklungsstufen wird Regressiongenannt, Ursachen dafür können orga-nisch bedingte oder durch mangelnde Entwicklungsanreize hervorgerufene Be-lastungssituationen sein.

Erarbeitungsaufgabe

Aufgabe 14: Schlagen Sie die hervorgeho-benen Begriffe in einem Online-Lexikon nach und klären Sie, in welchen weiteren Zusam-menhängen die Begriffe noch benutzt werden.

A 1.1.4 Handeln und Verhalten als Funktion von Per-son und Umwelt

Schon immer wurde versucht, das Han-deln und Verhalten der Menschen zu er-klären. Warum verhält sich der Eine gera-de so und der Andere handelt vornehmlich auf diese oder jene Weise? Schon vor langer Zeit unterschied man vier, auf den griechischen Arzt Hippokrateszurückge-hende, Temperamente. Unter Tempera-ment ist der grundsätzliche Verhaltensstil eines Menschen zu verstehen, die Art und Weise, wie ein Mensch (oder allgemein ein Lebewesen) handelt und auf die Um-welt reagiert. Der gute Hippokrates unter-

Einige Grundbegriffe der Entwicklungspsychologie

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schied den Choleriker, den Melancholiker, den Phlegmatikerund den Sanguiniker. Die allesamt griechischen Bezeichnun-gen gehen auf verschiedene Körpersäfte zurück, die man den verschiedenen Tem-peramenten zuordnete.

Die Entstehung der Charaktereigenschaf-ten (charakter war im griechischen der Prägestempel für Münzen oder Siegel) wird heute viel differenzierter betrachtet.

Erarbeitungsaufgabe

Aufgabe 15: Sind Sie der Meinung, dass eine wie oben beschriebene Einteilung der Menschen in vier Gruppen der Wirklichkeit ge-recht wird? Begründen Sie Ihre Meinung aus-führlich.

Wir hatten weiter oben davon gespro-chen, dass Tiere schon bei der Geburt sehr viel können, während der Mensch sich alles erst mühsam aneignen muss. Das ist zweifellos richtig. Trotzdem be-kommt auch der Mensch vieles in die Wie-ge gelegt. Neben körperlichen Merkmalen (Gestalt, Haarfarbe, Augenfarbe, usw.) können das auch Talente, Begabungen und andere Eigenschaften sein, z.B. ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, logisches Denken, Intelligenz(was immer das auch sein mag), künstlerische Bega-bungen u.v.a. Oder sind diese Eigenschaf-ten im Laufe des Lebens durch Erfahrung erworben, d.h. erlernt? Der Streit darüber ist uralt und wird wohl nie entschieden werden. Die Vertreter der „Vererbungsthe-orie“ (=man bekommt viele Eigenschaf-ten, aber auch Schwächen in die Wiege

Bädermanagement - Grundlagen der Zusammenarbeit im Betrieb

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gelegt) stehen den Vertretern der „Milieu-theorie“ (= die Menschen erlernen vieles im Laufe ihres Lebens) gegenüber. Was wie ein rein akademischer Streit aussieht, hat eine eminente praktische Bedeutung.

Stellen wir uns einmal den folgenden Fall vor: Ein Auszubildender fällt dadurch auf, dass er auf Fragen der Badegäste un-wirsch, gereizt und unhöflich reagiert. Sie stellen ihn zur Rede und er erklärt Ihnen, dass er eben sein Temperament vom cholerischen Vater geerbt habe. Oder ein Auszubildender bringt nur mangelhaf-te Leistungen und begründet das damit, dass er eben keine Intelligenz von seinen Eltern geerbt habe. Hat der arme Kerl Recht?

Die Wahrheit liegt sicherlich in der Mitte. Natürlich kann man positiv oder negativ vorbelastet sein, aber was man daraus macht, das liegt nun einmal in der Verant-wortung jedes Einzelnen. Da kann sich keiner rausreden. Man muss allerdings manchen eingestehen, dass sie es viel-leicht schwerer als andere haben.

Was die Intelligenzangeht, so wird gern folgendes Bild gebraucht: Die Intelligenz, die man von seinen Vorfahren erbt, ist wie ein Behälter, den man im Laufe sei-nes Lebens füllen muss. So hat der eine – bildlich gesprochen - vielleicht nur ein Wasserglas geerbt, das er aber im Laufe

seiner Entwicklung bis zum Rand aufge-füllt hat, während ein anderer einen gan-zen Maßkrug geerbt hat, bei dem