Wasserstoffperoxid - Jochen Gartz - ebook

Wasserstoffperoxid ebook

Jochen Gartz

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Vor mehr als 130 Jahren wurde eine einfache, billige und wirksame Substanz in die Therapie eingeführt, die bemerkenswerte Eigenschaften aufwies: Sie wirkte desodorierend und desinfizierend, beschleunigte die Wundheilung, tötete nachhaltig Viren, Bakterien, Pilze und Sporen ab und zerfiel dabei in zwei alltägliche Substanzen: Wasser und Sauerstoff. Sie führte weder zu Allergien noch Resistenzen und wurde nachgewiesenermaßen erfolgreich gegen die verschiedensten Krankheitsbilder eingesetzt.Doch das Wasserstoffperoxid, das noch heute in jeder Apotheke erworben werden kann, ist in Vergessenheit geraten – zusammen mit den internationalen Forschungen und detaillierten wissenschaftlichen Analysen, die seine Wirksamkeit belegen. Das vorliegende Buch beschreibt die historische Entwicklung, zitiert und referenziert für Laien wie Mediziner die geleisteten Forschungen und schildert die schon realisierten und möglichen Anwendungen dieser faszinierenden Substanz und ihrer chemischen Abkömmlinge, die bereits heute die wichtigsten Pharmaka gegen Malaria sind.Es ist ein längst überfälliger Appell, diese Peroxide erneut umfassend therapeutisch und auch im häuslichen Gebrauch anzuwenden.

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Dr. habil. Jochen Gartz

H2O2

Dr. habil. Jochen Gartz

Wasserstoffperoxid: Das vergessene Heilmittel

Deutsche Erstausgabe, 2014

Lektorat: Daniel Wagner

Layout: Inna Kralovyetts

Umschlaggestaltung: Gabriel Reinert

Korrektur: Dominik Wagner

www.mobiwell.com

© Mobiwell Verlag, Immenstadt 2014

Nachdrucke oder Kopien dieses Buchs, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Haftungsausschluss des Verlags

Die in diesem Buch wiedergegebenen Ratschläge des Autors stellen keinen medizinischen Rat dar und können einen solchen auch nicht ersetzen. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie die folgenden Empfehlungen umsetzen. Unser Verlag kann keine Haftung für etwaige Risiken bei der Einnahme oder Verwendung der vom Autor genannten Stoffe übernehmen.

Hinweis zu den Warenzeichen

Die Verwendung von Warenzeichen wie zum Beispiel die Aufzählung der verschiedenen Präparate des Magnesiumperoxids berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese außerhalb dieses Buches frei verwendbar sind.

Meinem Großvater Friedrich Gartz (1896-1946) aus gegebenem Anlass gewidmet.

Danksagung

Dr. med. Maike Hülsebusch, Berlin, sei sehr herzlich für die Inspiration zu diesem Buch gedankt. Genauso herzlich danke ich Dr. Simon Brandt, Liverpool, dafür, dass er kontinuierlich damit beschäftigt war, die sehr seltene Literatur aufzuspüren.

Vorwort

„Zum Schluß möchte ich noch erwähnen, es möge mir hoffentlich gelungen sein, in Form dieses kleinen Referates zu zeigen, daß es auch heute noch möglich ist, mittels einer seit langer Zeit bekannten und ganz einfachen Chemikalie, wie sie das Wasserstoffperoxid darstellt, zu völlig neuen und wertvollen therapeutischen Anwendungen zu kommen, die einen erheblichen Fortschritt unserer therapeutischen Hilfsmittel darstellen.“

Fritz Hauschild (1908-1974), Direktor des Institutes für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Leipzig, beim Eröffnungsreferat zum „Wasserstoffperoxid-Symposium“ am 10. März 1967 in Leipzig.

Einleitung

Dieses Buch beschreibt die kontroverse Geschichte der Anwendung von Wasserstoffperoxid sowie einiger seiner nahen chemischen Verwandten in der Medizin. Ich habe mich entschlossen, meine Erkenntnisse in Buchform zu veröffentlichen, da mir im Laufe meiner theoretischen und praktischen Arbeit an und mit diesen Substanzen klar wurde, dass der Ausspruch von Hauschild heute aktueller denn je sein könnte. Nicht nur lässt sich Hauschilds These mit wenig bekannten, älteren Forschungsberichten belegen, sondern auch mit sehr aktuellen, die die Funktion der Substanz im Körper sowie beim Stoffwechsel von Krebszellen betreffen.

Im Rahmen meines Diploms und der Promotion habe ich solche Peroxide hinsichtlich ihrer Synthese und des Zerfalls ausführlich untersucht und auch in der pharmazeutischen Industrie entsprechende Präparate auf ihre Stabilität hin analysiert. Auch konnte ich mit Kollegen dabei einige neuartige Peroxide patentieren lassen.

Während der Literaturrecherchen zu den Peroxiden erweckten zunehmend die vielen medizinischen Publikationen mein Interesse, die kontinuierlich etwa seit 1880 weltweit zu erscheinen begannen, wobei hier die Medizin in den USA die Pionierrolle innehatte. Die Substanz wurde für die verschiedensten Zwecke eingesetzt, zum Beispiel zur Desinfektion oder zur Behandlung von Infektionskrankheiten, ja, sogar von Krebsheilung war die Rede. Da gab es Anregungen, durch Applikation kleiner Mengen mehr körperliches Wohlbefinden zu erreichen und Berichte über geheilte Arteriosklerose. Staunend sah ich, dass das Interesse danach nicht etwa nachließ, sondern eine stete Zunahme zu verzeichnen war. Seit den 1920er Jahren mehrten sich auch die kritischen Stimmen, wobei das Hauptgebiet der Kontroversen in den USA lag.

Schaut man sich diese Berichte näher an, so stellt man schnell fest, dass deren Autoren kaum eine der damals längst existierenden Publikationen zu kennen schienen. In neuerer Zeit werden besonders europäische Befunde kaum berücksichtigt. Neben amerikanischer Egozentrik spielt sicher auch die mangelnde Sprachkenntnis eine große Rolle. So werden oft von einer Publikation zur nächsten schon die Titel von Literaturangaben falsch abgeschrieben und gelegentlich wird das Rad sogar neu erfunden, aus Unkenntnis schon lange beschriebener Sachverhalte.

Aber auch in der europäischen Medizin wird oft unzureichend zitiert und man gewinnt den Eindruck, dass – aus welchen Gründen auch immer – keine umfassende Literaturrecherche erfolgte. So las ich erstmals davon, dass ein Peroxid mit gutem Erfolg die Metastasen bei Prostatakrebs zurückgedrängt hatte, nicht etwa in einer medizinischen Zeitschrift – der polnische Chemiker T. Urbanski zitierte diese französische Arbeit von 1960 wenige Jahre später interdisziplinär in seinem dreibändigen Standardwerk über Explosivstoffe! Die betreffende Substanz, die später noch beschrieben wird, kann – wie viele andere Peroxide – explodieren, wenn sie trocken vorliegt.

In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass ich in diesem Jahr bei gleich zwei verschiedenen fachlichen Anfragen an Forscher, die sich mit dem Krebsstoffwechsel auseinandersetzen (Universität Regensburg, Krebsforschungszentrum Heidelberg) überhaupt keine Antwort erhielt. Das hatte ich in meiner wissenschaftlichen Laufbahn so nie erlebt –gewöhnlich entwickelt sich eine Kommunikation, von der beide Parteien profitieren. Auch der Präsident der Deutschen Krebshilfe e.V. hüllte sich nach einer Anfrage in Schweigen. In Teilen dieser Zirkel scheint offenbar eine gewisse Bunkermentalität zu herrschen.

Um die Problematik dieses Buches und sicher auch solcher Verhaltensweisen besser zu verstehen, ist es wichtig, die Unterschiede der exakten Naturwissenschaften wie Chemie oder Physik zur Medizin aufzuzeigen.

Gemeinsam ist diesen Fächern natürlich, dass sie sich beständig weiterentwickeln. Während aber in den Naturwissenschaften Hypothesen im unbelebten Bereich der Materie experimentell überprüft werden können und die Theorien die Natur zunehmend exakter spiegeln, sieht es in der Medizin viel komplizierter und teilweise auch verworrener aus. Das resultiert dann zum Beispiel in „Therapiewellen“, Behandlungsformen, die in regelmäßigen Abständen wieder „in Mode kommen“ und trotz neuem Gewand die alten Inhalte umschließen – was aber mitunter auch den endgültigen Durchbruch der wissenschaftlichen Wahrheit bedeuten kann.

Sicher haben in den letzten Jahrzehnten exakte Messmethoden in die Medizin Eingang gefunden, die vorher völlig undenkbare Feinanalysen des Gewebes ermöglichen, so die Computertomographie, der Ultraschall, PET-Untersuchungen, Szintigraphien oder die Kernspintomographie. Diese kommen aus den naturwissenschaftlichen Bereichen; der Vorläufer der Kernspinuntersuchungen (MRT) etwa wird schon seit 50 Jahren als NMR-Verfahren zur Strukturanalyse chemischer Stoffe angewendet.

Allerdings hinkt die Therapie mit Pharmaka der Exaktheit der analytischen Befunde erheblich hinterher. Neben dem noch immer sehr mangelhaften Verständnis darüber, was im Körper in seiner Komplexität biochemisch und physikalisch tatsächlich passiert, spielen traditionell auch andere Faktoren in der Medizin eine sehr bedeutende Rolle. Hier steht kein unbelebtes Objekt zur Analyse, sondern der Patient in seiner individuellen Vielschichtigkeit. Gleiches gilt natürlich auch für die Veterinärmedizin. Wenn dagegen der Chemiker im Labor unter identischen Bedingungen gleiche Stoffe miteinander reagieren lässt, dann kommen immer die gleichen Endprodukte heraus.

Ganz anders bei der Therapie mit Pharmaka. Abgesehen davon, dass ein Wirkstoff leider durch fehlende Spezifik in den allermeisten Fällen viele Wirkungen entfaltet, wobei meist nur eine erwünscht ist, gibt es auch Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen. Weitere Variationen treten zwischen Männern und Frauen auf, wobei Letztere generell gegen Gifte (Pharmaka als Fremdstoffe) empfindlicher sind. Noch empfindlicher, mit teilweise abweichenden Stoffwechselwegen, sind Kinder, die nicht nur wie „kleine Erwachsene“ behandelt werden dürfen. So ist zum Beispiel Aspirin für sie giftig und verbietet sich als Medikament. Senioren sind eine weitere Problemgruppe: Sie bekommen aufgrund multipler Erkrankungen mit Abstand die meisten Pharmaka verschrieben. Die teils wilden Kombinationen von zehn hochwirksamen Arzneistoffen (und mehr) können auch von besten Pharmakologen nicht mehr in ihrer möglichen Wechselwirkung überblickt werden. Viele Arzneimittel werden von alten Menschen langsamer abgebaut und können sich so im Körper ansammeln (Kumulation).

Es darf nicht vergessen werden, dass neue Stoffe stets an jungen männlichen Erwachsenen geprüft werden. Diese Gruppe zeigt von der Konstitution her die wenigsten Nebenwirkungen. Nicht ohne Grund gibt es Pharmaskandale, die zur Rücknahme von Stoffen führen. Manchmal werden die Nebenwirkungen aber auch erst nach längerer Anwendung sichtbar, weil vielleicht nur ein Teil der Bevölkerung aufgrund einer bestimmten biochemischen Variation abnorm reagiert.

Eine andere Komponente bei der Therapie mit Arzneimitteln ist der Placebo-Effekt, der schon zur Interaktion zwischen Arzt und Patient überleitet, bei der komplizierte psychosomatische Prozesse ablaufen. Wird zum Beispiel mit der nötigen Autorität eine Zuckerlösung als Morphium deklariert und angewendet, dann können Schmerzen verschwinden und Patienten schläfrig werden. Aber auch auf „rein“ psychischer Ebene hat schon früher mancher Händedruck des Heerführers für den Moment den Schmerz vom abgeschossenen Bein verschwinden lassen. In diese Kategorie gehörten auch die Ankündigungen von Schamanen, dass für Kranke keine Hoffnung mehr bestehe. Die Betroffenen zogen sich daraufhin zurück und starben tatsächlich. Bei den anschließenden Untersuchungen durch die westliche Medizin wurde dann ein Herztod registriert, eine reine Angstreaktion also, die mit der anderen Krankheit gar nichts zu tun hatte. Ähnliche Todesfälle aus Hoffnungslosigkeit wurden auch in Kriegsgefangenenlagern beobachtet.

Traditionell stehen Ärzte auf einem hohen Sockel („Halbgötter in Weiß“), was sich zusätzlich auf die Wirkung einer Therapie mit Arzneistoffen auswirkt. Ist der Arzt gut und trifft er bei der Therapie die richtigen Entscheidungen, kann der Patient mehrfach profitieren. Allerdings können durch dieses Phänomen auch Studien hinsichtlich der Therapiewirkung verfälscht werden. Deshalb werden heute die Stoffe im doppelten Blindversuch getestet: Man schaltet diese menschliche Komponente dadurch aus, dass man dem Arzt die genaue Zusammensetzung der konkreten Tablette vorenthält.

Dieser autoritäre Mechanismus, der im Verhältnis zwischen Arzt und Patient zum Tragen kommt, findet sich aber auch in der Struktur der Ärzteschaft selbst. Traditionell bauen Koryphäen der Zunft ganze Schulen auf, bei denen streng von oben nach unten die Ideen des Meisters gepflegt und realisiert werden müssen. So folgen noch heute viele Kliniken ihren speziellen Abläufen und Therapien aus dem großen, existierenden Pool an Möglichkeiten. Früher war das durchaus noch schlimmer: Koryphäen, die als Pioniere Großtaten geleistet haben, wurden zum Hemmschuh der historischen Entwicklung und verzögerten diese im Extremfall erheblich. Ein markantes Beispiel ist Rudolf Virchow (1821-1902), ein historisch bedeutender Mediziner, der (neben seinen Tätigkeiten als Politiker und selbst Archäologe) als Begründer der Pathologie gilt und bedeutende Beiträge zur Hygiene lieferte: In seiner Spätphase stand er den Erkenntnissen der neuen Bakteriologie, auch in hygienischer Sicht, ablehnend gegenüber und verhöhnte etwa Ignaz Semmelweis (1818-1865), der nachwies, das beim Kindbettfieber die Ärzte selbst durch ihre Hände die Erreger von Wöchnerin zu Wöchnerin übertrugen. Als Virchow schließlich am 4. Januar 1902 in Berlin zu einem Vortrag eilte, dabei im hohen Alter aus der noch fahrenden Straßenbahn sprang, stürzte und bald an den Folgen der Knochenbrüche starb, gab es bereits seit zehn Jahren das Preußische Institut für Infektionskrankheiten. Dieses war nach dem neuen Reichsseuchengesetz vom 30. Juni 1890 speziell für Robert Koch (1843-1910) geschaffen worden. Koch erhielt später, im Jahre 1905, für seine mikrobiellen Entdeckungen mit Recht den Nobelpreis für Medizin.

Aber auch die Schule um Robert Koch hatte ihr Feindbild, wobei hier vielleicht noch politische Aspekte eine Rolle spielten. Der Franzose Louis Pasteur (1822-1895) hatte ebenfalls grundlegende Arbeiten zu Bakterien veröffentlicht, so über das noch heute verwendete Pasteurisieren zur Keimfreiheit durch Erhitzen von Lösungen, oder neu eingeführte Impfungen. Aus heutiger Sicht stritten sich beide Lager sehr lange um eine Vielzahl kleiner Details, die aber nie die großen Errungenschaften beider Männer in Zweifel ziehen konnten.

Die Hierarchie ist auch heute leicht an medizinischen Publikationen abzulesen, in denen oft außergewöhnlich viele Autoren bei Themen auftreten, die sicher in der Praxis vorher nur einen oder zwei tatsächliche Bearbeiter hatten. Die Leiter werden in allen Veröffentlichungen genannt, auch wenn sie häufig über die Forschungen bis zur Publikation keine Kenntnis hatten.

Für diese beschriebenen inneren Mechanismen ist die Geschichte der medizinischen Anwendung des Wasserstoffperoxids und seiner Verwandten geradezu ein Paradebeispiel. Wobei hier fast von einer schizophrenen Spaltung gesprochen werden kann: Einzelne Gebiete wie die Zahnheilkunde verwenden die Substanz schon über 100 Jahre ausgiebig, während andere Verwendungen oft als Scharlatanerie behandelt werden, obwohl auch hier medizinische Berichte mit überzeugenden Ergebnissen vorliegen.

Dieses Buch möchte zunächst die historische „Achterbahnfahrt“ der Anwendung des Wasserstoffperoxids nachzeichnen, anhand alter und neuester Daten dessen Wirksamkeit aufzeigen und nicht zuletzt ein Aufruf zu rationeller Forschung und Therapie sein.

Entdeckungsgeschichte des Wasserstoffperoxids

Das Wasserstoffperoxid ist mittlerweile fast zweihundert Jahre bekannt. Die Vorarbeiten zu dieser Entdeckung wurden von berühmten Forschern geleistet. Zunächst forschte Carl Wilhelm Scheele (1742-1786) in Stralsund, das infolge des Dreißigjährigen Krieges zu dieser Zeit zu Schweden gehörte. Er entdeckte eine große Anzahl grundlegender Elemente und Verbindungen, so Chlor, Sauerstoff, Glycerin, Zitronen-, Wein- und Milchsäure sowie die hochgiftige Blausäure. Man nimmt an, dass er das erste Opfer der letztgenannten Substanz war, da er im Alter von nur 44 Jahren tot im Laboratorium aufgefunden wurde und keine Vorerkrankungen bekannt waren.

Scheele erforschte auch Erze, so den „Bologneser Sonnenstein“, der eine Verbindung des damals noch unbekannten Elementes Barium war und heute Schwerspat oder Baryt genannt wird. Dieses chemisch als Bariumsulfat bezeichnete Salz wird heute noch als Kontrastmittel bei Röntgenuntersuchungen des Magens verwendet. Im Gegensatz zu den stark giftigen wasserlöslichen Bariumsalzen ist das Baryt wegen der völligen fehlenden Löslichkeit untoxisch. Er stellte aus dem Erz die neue Verbindung Bariumoxid her, den Grundstoff für die nächste Entdeckung.

Als Universalgenie war der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) vor seinen Forschungsreisen in seiner Pariser Zeit 1799 auch auf chemischem Gebiet tätig. Er erhitzte das Bariumoxid an der Luft und erhielt eine neue chemische Verbindung, die bei noch höheren Temperaturen wieder Sauerstoff abgab und sich zu Bariumoxid zurückbildete. Bei diesem Prozess war also Sauerstoff aufgenommen worden. Dieser Stoff wird heute Bariumperoxid genannt; früher wurden dieses und andere Peroxide als „Hyperoxyd“ oder als „überoxydiert“ bezeichnet. Erst Ende des 19. Jahrhunderts bürgerte sich allgemein der Name Peroxyd ein, das „y“ wurde dann vor etwa 50 Jahren allmählich durch ein „i“ ersetzt. Bariumperoxid war der Ausgangsstoff für die Herstellung des Wasserstoffperoxids.

Im Jahre 1818 versetzte schließlich der französische Chemiker Louis Jacques Thenard (1777-1857) in Paris das Bariumperoxid mit starken Säuren wie Salpeter-, Salz- oder Schwefelsäure. Letztere wurde dann zum Mittel der Wahl, da neben dem Wasserstoffperoxid die Säure hier als unlösliches Baryt gebunden wurde und als weißer Niederschlag ausfiel. Nach der Filtration wurden wässrige Lösungen des Wasserstoffperoxids erhalten, das neue, bemerkenswerte Eigenschaften besaß. Versuche, die neue chemische Substanz aus dem Wasser abzutrennen, scheiterten. Beim Erwärmen der Lösung entstand Sauerstoff, doch zur Verblüffung der Forscher ließ sich im zurückbleibenden Wasser kein weiterer Stoff nachweisen. Deshalb wurde die Substanz zuerst „Sauerstoffwasser“ oder „überoxydiertes Wasser“ genannt. Die Zersetzung konnte auch schon durch Staub, Laugen oder Metallpulver eingeleitet werden und war mitunter sehr heftig. Neben weiteren chemischen Reaktionen fiel besonders die Bleichwirkung gegenüber natürlichen Farbstoffen auf. Ähnliches war schon von dem stinkenden und giftigen Chlor bekannt.

Heute weiß man, dass das Wasserstoffperoxid überall in der Natur in Spuren vorkommt. Es bildet sich in geringen Mengen aus Wasser und Sauerstoff unter Einfluss von UV-Bestrahlung oder elektrischen Entladungen. Auch die sogenannte Rasenbleiche beruht auf der Bildung von Wasserstoffperoxid. Meerwasser, Schnee und Mineralwasser enthalten es; angeblich soll das Heilwasser der Quelle des Wallfahrtsorts Lourdes besonders reich an Peroxid sein. Im Stoffwechsel von Mensch, Tier und Pflanzen tritt Wasserstoffperoxid bei den verschiedensten Vorgängen als Zwischen- und Signalstoff auf, wie neueste Erkenntnisse zeigen, über die später berichtet wird. Muttermilch enthält viel Wasserstoffperoxid, besonders große Mengen sind in der zuerst gebildeten Milch (Kolostrum) nachzuweisen.

Als Kuriosum ist die Bildung eines relativ konzentrierten Wasserstoffperoxids als Waffe des Bombardierkäfers zu nennen, der hauptsächlich in Afrika und Asien vorkommt. Der nur 1,5 cm große Käfer kann ein Wehrsekret über 20 cm verschießen. In speziellen Kammern entsteht Wasserstoffperoxid mit dem Phenol Hydrochinon, wobei Ersteres dann blitzartig bei Zugabe von Enzymen wie Katalase in Wasser und Sauerstoff zerfällt und die etwa 100 Grad heiße, ätzende Mischung verschießt. Verblüffend ist hierbei das Zusammenspiel der Elemente: So öffnen sich die „Ventile“ gerade zum richtigen Zeitpunkt, und der Käfer kann gezielt in verschiedene Richtungen auf Bedrohungen wie Frösche und Vögel schießen. Er lädt sogar für mehrere Schüsse nach.

Die schon durch kleinste Verunreinigungen ausgelöste Zersetzung des Peroxids in Wasser und Sauerstoff verhinderte andererseits lange die Anwendung des Peroxids in der Technik. Erst der Berliner Chemiker Richard Wolffenstein (1864-1926) entdeckte, dass die Substanz sich konzentrieren lässt, wenn die wässrigen Lösungen im Vakuum destilliert werden. In Abhängigkeit vom reduzierten Luftdruck kann Wasser zum Beispiel schon bei 60 Grad sieden, nicht erst bei den üblichen 100 Grad. Wolffenstein bemerkte auch die weitaus größere chemische Aktivität des konzentrierten Präparates gegenüber organischen Stoffen und stellte so Peroxide her, die neben Kohlenstoff und Wasserstoff auch die -O-O-Gruppierung des ursprünglichen Moleküls vom Wasserstoffperoxid enthielten (organische Peroxide). So gewann Wolffenstein im Jahre 1895 erstmalig das stark explosive Acetonperoxid.

Die Firma Merck brachte in dieser Zeit das 30-prozentige Peroxid als Perhydrol in den Handel, wobei bereits 1873 die Firma Schering in Berlin großtechnisch eine dreiprozentige Lösung hergestellt und vertrieben hatte. Inzwischen sind verschiedene Stabilisatoren bekannt, die die Zersetzung weitgehend verhindern und so 70- bis 80-prozentige Lösungen ermöglichen. Früher wurden Letztere bis hin zum reinen Peroxid auch als Raketentreibstoff verwendet, wobei sie in Sauerstoff und Wasser unter starker Hitzeentwicklung sehr schnell zersetzt wurden.

Heute werden in der Welt ungeheure Mengen Wasserstoffperoxid für industrielle Zwecke hergestellt. So schwankt die produzierte Jahresmenge zwischen einer und 3,5 Millionen Tonnen! In den letzten Jahren war eine beträchtliche Steigerung festzustellen, da die Substanz durch ihren Zerfall in Wasser und Sauerstoff im ökologischen Verhalten unübertroffen ist. Neben der Rolle als chemisches Zwischenprodukt dient das Peroxid zur Abwasserbehandlung und zur Herstellung riesiger Waschmittelmengen. Bei der Bleiche von Baumwolle zur Zellstoffherstellung hat es das giftige und umweltschädliche Chlor völlig verdrängt.

Im Zuge der ersten Herstellung des 30-prozentigen Peroxids wurde eine neue Substanz entdeckt, die heute oftmals die flüssige Variante ersetzt und auch für medizinische Zwecke sehr interessant ist. Als man das Peroxid in die kalte Lösung des Harnstoffs goss, fiel eine feste und weiße Substanz aus. Es handelte sich um ein Additionsprodukt aus Peroxid und Harnstoff, das in Wasser und auch Glycerin löslich ist und sich wie eine Lösung aus Harnstoff und Wasserstoffperoxid verhält. Das Produkt ist trocken stabil und enthält 33 bis 36 Prozent Wasserstoffperoxid.

Harnstoff ist in vielen Hautmitteln (Dermatika) enthalten und begünstigt die Aufnahme von Wirkstoffen in die Haut. Der Name wird heutzutage als etwas anrüchig wahrgenommen, weshalb er auf den Präparaten unter der Bezeichnung Urea oder Carbamid zu finden ist. Seit 1828 ist Harnstoff ein rein synthetisches Produkt, nachdem Friedrich Wöhler (1800-1882) ihn als erste organische Substanz aus anorganischen Grundstoffen synthetisiert hatte.

Das feste Peroxid taucht unter verschiedenen Namen auf: Perhydrit, Ureaperoxid, Ureaperhydrat, Carbamidperoxid, Carbamidperhydrat, Harnstoffperoxid, Harnstoffperhydrat oder auch festes Wasserstoffperoxid. Es wird zum Blondieren von Haaren, zum Bleichen von Zähnen und auch in Gebissreinigern verwendet.

Bei meiner früheren Tätigkeit im Leipziger Arzneimittelwerk habe ich dessen starke Bleichwirkung selbst erlebt. Es wurde dort von einem Mitarbeiter zu Tabletten für die Gebissreinigung gepresst. Infolge der unzureichenden Arbeitsschutzbedingungen entwickelte sich Staub, der die Haare des Mitarbeiters bleichte, sodass die Firma neben der Bekleidung auch die Kosten für die Haarfärbung bezahlte.

Die Reaktivität der organischen Peroxide ist wesentlich durch die -O-O-Gruppe des Wasserstoffperoxids bestimmt. Sie zerfallen meist leicht. Allerdings entsteht hier kein Wasser, da der organische Rest im Molekül aus Kohlenstoff und Wasserstoff besteht. Manchmal sind auch weitere Atome wie Stickstoff oder zusätzlicher Sauerstoff im Molekül enthalten. Die -O-O-Gruppe war insbesondere für die medizinische Anwendung maßgeblich.

Frühe medizinische Anwendungen und Heilerfolge

Spannend, gerade im Hinblick auf das Anliegen dieses Buches, wurde es, als die Wirksamkeit des Peroxids Ende des 19. Jh. im medizinischen Bereich untersucht wurde. Schon im Zuge der Erforschung der chemischen Eigenschaften hatte Thenard herausgefunden, dass sich das Peroxid unter Aufschäumen und Sauerstoffentwicklung bei Kontakt mit Blut zersetzt.

Der eigentliche Pionier der Verwendung von Wasserstoffperoxid in der Medizin ist der seinerzeit berühmte Arzt und Hygieniker Benjamin Ward Richardson (1828-1896) aus London. Er stellte 1857 fest, dass Wunden weitaus schneller und sauberer abheilen, wenn sie mit der damals vorhandenen verdünnten Lösung benetzt wurden. Der entstandene Sauerstoffschaum säuberte verunreinigte Wunden durch das Abstoßen der Schmutzpartikel, konnte Infektionen verhindern oder bereits bestehende bekämpfen. Richardson wurde 1893 von Queen Victoria für seine Verdienste in der Medizin und Hygiene zwar zum Ritter geschlagen, doch geriet seine Entdeckung für einige Jahre in Vergessenheit.

Sie wurde zuerst wohl als Kuriosität angesehen und stand im Schatten der Entdeckung der Desinfektion durch den Engländer Joseph Lister (1827-1912), der als „Vater der antiseptischen Chirurgie“ bezeichnet wird. Er führte das Phenol, die berühmte Karbolsäure, in die allgemeine Praxis ein. Bald jedoch bemerkte man die nicht unbeträchtliche Giftigkeit der Substanz und suchte zunehmend intensiver nach harmloseren Stoffen, die auch auf Schleimhäuten desinfizierend wirken und verträglich sind.

Durch die neuen Anzuchtmethoden der erst durch Robert Koch entdeckten bakteriellen Krankheitserreger konnten verschiedene Desinfektionsmittel auch in vitro in Kolben und Petrischalen auf eine Hemmwirkung überprüft werden. Im Zuge dieser Entwicklung hielt Paul Gibier, Direktor des Pasteur-Instituts in New York, auf dem Internationalen Medizinkongress in Berlin am 7. August 1890 einen Vortrag über die Eigenschaften des Wasserstoffperoxids. Er beschrieb, dass Mikrobiologen schon seit 20 Jahren die Substanz untersuchten. Diese würde verschiedenste Krankheitserreger wie die von Milzbrand, Typhus, Cholera, Gelbfieber, Streptokokken und Staphylokokken aus Hautinfektionen sofort abtöten und infektiöses Gewebe von mit Tollwut infizierten Tieren augenblicklich inaktivieren. (Pasteur hatte fünf Jahre zuvor die erste Tollwutimpfung entwickelt.) Gibier forderte die Ärzteschaft auf, das Peroxid umfassend in die Medizin einzuführen und hob besonders die Verwendung in Hals und Mund sowie bei Wunden hervor, da die Substanz ungiftig sei.

Schon gut zehn Jahre vor Gibiers Vortrag hatten Mediziner in verschiedenen Ländern damit begonnen, das Peroxid bei unterschiedlichsten Krankheiten anzuwenden.

In Deutschland schrieb Willinger 1911 in seiner „Zahnärztlichen Chirurgie“:

„Das beste Munddesinfizienz, das wir augenblicklich besitzen, ist unzweifelhaft das Wasserstoffperoxid. Es besitzt den Vorzug der Ungiftigkeit und der Unschädlichkeit, während es gleichzeitig eine ausgezeichnete desinfizierende und desodorierende Kraft hat. Vom Arzt kann es unbedenklich zu Mundwaschungen im unverdünnten Zustand benutzt werden, die Patienten sollten es in verdünnten Lösungen (1/2 bis 1 Teelöffel auf 1 Glas Wasser) zu Mundspülungen und Mundbädern verwenden.“

An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert. Gleichzeitig wurden in Deutschland Präparate entwickelt, die im Ersten Weltkrieg mit ausgezeichnetem Erfolg zur Behandlung der oft sehr verschmutzten Wunden an der Front zum Einsatz kamen. So verwendete Pichler die sogenannte Peraquinsalbe, die die Peroxidverbindung des Harnstoffs enthielt und daher lange haltbar war. Schläpfer führte den entsprechenden Puder unter den Namen Perhydrit mit gleichem Erfolg ein. Beide Autoren betonten die bakterizide (Bakterien tötende), desodorierende (Gerüche beseitigende) sowie hyperämisierende (die Durchblutung fördernde) Wirkung. Genaue Vorstellungen über den Wirkmechanismus bestanden zu dieser Zeit aber noch nicht.

Die weitaus umfangreichste Erforschung und Anwendung des Wasserstoffperoxids in dieser Zeit erfolgte etwa ab 1880 in den USA, wo Mediziner es bei verschiedensten Krankheiten auch am Patienten zu testen begannen. Aber erst als Edward Robinson Squibb (1819-1900) 1887 die Verwendung in der Medizin anregte, setzte sich das Peroxid überall im Land durch. Squibb ist der Stammvater von Bristol-Myers Squibb, einem der größten Arzneimittelkonzerne weltweit. Als junger Marinearzt gründete er 1858 in Brooklyn, New York, sein eigenes pharmazeutisches Labor, in dem er auch Arzneimittel herstellte. Angeregt durch die Unzuverlässigkeit der Arzneien hatte er sich zum Ziel gesetzt, Mittel mit gleichbleibender Qualität herzustellen. Das gelang ihm so gut, dass er im Sezessionskrieg mit den Südstaaten (1861-1865) zum alleinigen Arzneilieferanten der Unionstruppen verpflichtet und schließlich ein reicher Mann wurde. So hatte er im Krieg gegen Malaria noch Chinin und Whiskey im Angebot; 20 Jahre später wurde er durch seine große Autorität zum Katalysator der Peroxidanwendung, die erst heute dank neuer Peroxide die maßgebliche Behandlungsmethode bei Malaria geworden ist. Dazu später mehr.

Neben diesen Pionieren machte sich der französische Chemiker Charles Marchand (1848-1917) besonders verdient, der ebenfalls in New York lebte. Er stellte als erster Produzent in den USA neun-, später auch 30-prozentiges Peroxid her. Dabei kam das Verfahren nach Wolffenstein zur Anwendung. Marchand brachte es für medizinische Zwecke in den Handel und die Mediziner stellten sich die benötigten Verdünnungen damit selbst her. Nach allen Aussagen und Analysen war dieses Produkt – das sogenannte „Hydrozone“ – das reinste Peroxid seiner Zeit, auch noch, nachdem mehrere Konkurrenzprodukte in den Handel gelangt waren, die meist nur eine Konzentration von fünf Prozent hatten. Hydrozone kostete vier Cent pro Liter Lösung.

Das größte Verdienst von Marchand liegt darin, dass er aufgrund seiner Überzeugung vom Nutzen der Therapie die gesamte medizinische Literatur, die zu diesem Gebiet herauskam, sammelte und in insgesamt 18 Büchern von 1880 bis 1904 veröffentlichte. Dadurch liegt uns eine einzigartige Zusammenstellung von den medizinischen Bemühungen und Erfolgen dieser Therapie seiner Zeit vor. So enthält der glücklicherweise im Jahre 2010 herausgekommene Reprint eines Buches von 1896 allein 100 Originalartikel. Nur eine mit riesigem Aufwand durchgeführte Recherche in den USA könnte heute diese Artikel aufspüren, wobei manches nur lokal erschienene Blatt sicher nicht mehr aufzufinden wäre. Die Zusammenfassungen von Marchand liefern einen unvergleichlichen Blick auf die Anwendung und Erfolge dieser Therapie im historischen Kontext, der auch wichtige Anregungen für die heutige Medizin liefert.

Bei der Auswertung der umfassenden klinischen Darlegung der Therapien in diesen Werken kann man festhalten, dass es sich bei diesen Anwendungen um die ersten umfassenden antimikrobiellen Therapien im Körper handelte, noch bevor neue Wirkstoffe bei Tropenkrankheiten sowie später Sulfonamide und Antibiotika in die Medizin einzogen.

Diese Therapie ging schon über die reine Bekämpfung betreffender Bakterien hinaus. Im Folgenden sollen nun die Anwendungen und Erfolge im Kontext dieser Zeit dargestellt werden, wobei zweckmäßigerweise eine Aufgliederung in Organe und Krankheitsarten erfolgt.

Bereich: Hals-Nasen-Ohren (HNO)

Die spektakulärsten Erfolge lagen hier zweifelsohne in der Behandlung der Diphtherie. Die Therapie der schweren Erkrankung wird im Buch von 1896 von 14 Autoren behandelt.

Erst 1884 hatten Edwin Klebs (1834-1913) und Friedrich Löffler (1852-1915) in Berlin den gefährlichen Erreger entdeckt, ein Bakterium, das vor allem durch die Bildung eines starken Giftes, dem Diphtherietoxin, die Todesfälle und Folgeschäden verursacht. In dieser Zeit starb fast jedes zweite Kind an Diphtherie. Emil-Adolf von Behring (1854-1917), der „Vater der Serumtherapie“, erforschte im Labor von Robert Koch die Immunität und entdeckte das Antitoxin 1891. So wurde dann in Deutschland ab 1894 ein Impfstoff gegen Diphtherie verfügbar und der „Retter der Kinder“ erhielt 1901 den ersten Nobelpreis für Medizin und Physiologie überhaupt.

In der früheren amerikanischen Therapie wurde in Nase, Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf der infizierten Kinder die Wasserstoffperoxidlösung gesprüht. Meist wurden drei- bis sechsprozentige Lösungen verwendet, teils war das Wasser auch zur Hälfte durch Glycerin ersetzt, da es dadurch an den Schleimhäuten haften bleibt. Bei der lokalen Peroxidtherapie ist aus heutiger Sicht bemerkenswert, dass neben der bakterientötenden Wirkung sicher auch eine Inaktivierung (Oxidation) des Toxins erfolgte. Eine Zerstörung des verwandten Toxins von Wundstarrkrampf (Tetanus) durch das Peroxid konnte 80 Jahre später nachgewiesen werden. Auch betonen die damaligen Autoren, dass die „falsche Membran“, die oft von den Bakterien auf den Schleimhäuten gebildet wird und Atembeschwerden verursacht, durch das Peroxid zerstört wurde und in Stücken abging.

Eine typische Behandlung verlief folgendermaßen:

„Anfänglich wurde alle 20 Minuten in den Hals gesprüht und in der Nacht zu jeder Stunde, bis sich die falsche Membran löste. Dann konnte die Anwendung auf zwei- bis dreimal pro Tag reduziert werden. Nach jedem der zwei bis drei Pumpstöße pro Anwendung wurde eine Minute Zeit gelassen, damit das Kind atmen konnte. Man konnte so die sichere Zerstörung der Membran veranlassen, die sich dann oft in Stücken ablöste.“

Dr. A. Weber, New Orleans, 1894

Dieser Arzt beschrieb 18 Fälle, wobei einer dennoch tödlich verlief und zwei der Patienten Folgeschäden erlitten. Für die Zeit vor der Immunisierungstherapie war das eine beeindruckende Bilanz, die trotz der in die Jahre gekommenen Befunde auf die Wirksamkeit der Therapie bei Diphterie schließen lässt. Noch weitaus eindrucksvoller aber sind die umfangreichen Berichte zu den heute noch üblichen Krankheiten wie Rachen-, Kehlkopf-, Nasen-, Ohren- und Mandelentzündung (Tonsillitis) als auch ausgeprägter Mundsoor (Hefepilze) und Zahnfleischproblemen – diese führten nämlich in jedem Fall zum Erfolg!