Tschick von Wolfgang Herrndorf. Königs Erläuterungen. - Wolfgang Herrndorf - ebook

Tschick von Wolfgang Herrndorf. Königs Erläuterungen. ebook

Wolfgang Herrndorf

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Opis

Königs Erläuterungen – Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick – ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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Liczba stron: 118




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 493

Textanalyse und Interpretation zu

Wolfgang Herrndorf

TSCHICK

Von Thomas Möbius

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgabe: Herrndorf, Wolfgang: Tschick. Roman. Reinbek: Rowohlt 232013

Über den Autor dieser Erläuterung: Prof. Dr. phil. habil. Thomas Möbius, Studium der Germanistik, ev. Theologie und Philosophie, Studienrat an einem Gymnasium in Mannheim und an der German European School in Singapur, Akademischer Oberrat an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, nach Professuren in Freiburg, Osnabrück, Greifswald und Aachen, Professor für Germanistische Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Für Philipp

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1. Auflage 2014

EPUB: 978-3-8044-7008-8

© 2014 by C. Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: Landstraße bei Berlin © ullstein bild – CHROMORGANGE/ Karl-Heinz Spremberg

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Wolfgang Herrndorf: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Die Grundstruktur der Handlung

Thematische Schwerpunkte

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Maik Klingenberg

Andrej Tschichatschow

Isa Schmidt

Herr und Frau Klingenberg

Sprachtherapeutin

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

Tschick als Adoleszenzroman

Tschick als Auseinandersetzung mit Adoleszenzthemen

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

Definition „Adoleszenzliteratur“

Werteorientierung junger Menschen zwischen 12 und 29

Nachrufe auf Wolfgang Herrndorf

Begründung der Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises 2011

Jugendliche und Alkohol

Straftaten in Deutschland

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Deutung der Schlussszene Aufgabe 1 ***

Charakterisierung Tschick und Isa Aufgabe 2 *

Charakterisierung Maik Aufgabe 3 *

Thema Sexualität und sprachliche Gestaltung Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Weitere Quellen

Lernhilfen und Kommentare für Lehrer

Sekundärliteratur

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht:

Im zweiten Kapitel beschreiben wir das Leben Wolfgang Herrndorfs und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund dar:

Wolfgang Herrndorf wurde 1965 in Hamburg geboren und starb 2013 in Berlin. Er studierte Malerei in Nürnberg, arbeitete dann als Illustrator für verschiedene Verlage. Er schrieb zunächst eher als Hobby, 2002 veröffentlichte er sein erstes Werk In Plüschgewittern.

Die Zeit war politisch geprägt durch das Ende des „Kalten Krieges“, den Fall des „Eisernen Vorhangs“ und die deutsche Wiedervereinigung mit allen politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen.

Der Roman Tschick wurde 2010 veröffentlicht. Er zählt zum Genre der Adoleszenzliteratur und weist motivgeschichtliche Parallelen zu anderen jugendliterarischen Werken desselben Genres auf.

Im dritten Kapitel bieten wir eine Textanalyse und Interpretation.

Entstehung und Quellen:

Wolfgang Herrndorf erzählt in einem Interview, dass er im Jahre 2004 die Bücher seiner Jugend wieder gelesen habe. Er nennt als Beispiele Herr der Fliegen von William Golding, Huckleberry Finn von Mark Twain und Der Bericht des Arthur Gordon Pym von Edgar Allan Poe, Pik reist nach Amerika von Franz Werner Schmidt. Er stellt fest, dass diese Bücher drei Gemeinsamkeiten aufweisen: Fehlen der erwachsenen Bezugspersonen, Reise und Wasser. Alle diese Motive wollte er in einem Jugendroman um ein gestohlenes Auto vereinen.

Inhalt:

Die beiden 14-jährigen Klassenkameraden Maik Klingenberg und Andrej Tschichatschow unternehmen während der Sommerferien eine Reise durch Ostdeutschland in einem gestohlenen Auto. Die Familien, aus denen beide Schüler stammen, sind unterschiedlich: Maiks Mutter ist Alkoholikerin, sein Vater scheitert mit Immobilieninvestitionen, Maik selbst ist ein Außenseiter in der Klasse genauso wie Andrej, der „Tschick“ genannt wird und der mit seinem Bruder aus Russland gekommen ist. Auf ihrer planlosen Reise begegnen sie Menschen, die ihnen in schwierigen Situationen helfen: Bei einer Familie können sie ausgiebig zu Mittag essen, Isa, ein Mädchen, das auf einer Müllkippe lebt, zeigt ihnen, wie man Benzin aus einem Tank zapft, eine Sprachtherapeutin leistet nach einem Autounfall erste Hilfe. Zwischen den beiden Jungen entwickelt sich eine enge Freundschaft. Nach dem zweiten Unfall kommt Andrej in ein Heim, während Maik nach einem Krankenhausaufenthalt nun nicht mehr als Außenseiter in das neue Schuljahr starten kann.

Chronologie und Schauplätze::

Handlungszeit ist die Gegenwart. Der Roman weist eine Rahmenhandlung auf, die in der Erzählgegenwart spielt und in die ein ca. vier Jahre umfassender Rückblick eingebettet ist, in dem die Zeit von der 5. bis zur 8. Klasse erzählt wird. In den ersten vier Kapiteln befindet sich der Ich-Erzähler Maik Klingenberg erst auf der Polizeistation, dann im Krankenhaus und wird zum Unfallhergang befragt. Im 12. bis 44. Kapitel wird die erzählte Zeit auf 13 Tage verdichtet; hier geht es im Wesentlichen um die Reise der beiden Jungen, die mit zwei Unfällen ein Ende findet. In den letzten vier Kapiteln befindet sich der Ich-Erzähler Maik Klingenberg am Beginn der 9. Klasse.

Die Handlung spielt in Berlin. Die Reise der beiden Jungen findet in der Umgebung von Berlin und überwiegend in Brandenburg statt.

Personen:

Die Hauptpersonen sind

Maik Klingenberg:

unauffällig, mit guten Leistungen in Mathematik und Sport,

stammt aus einem bürgerlichen Elternhaus

ist selbstreflektiert, bekennt sich zu seiner Freundschaft mit Tschick

Andrej Tschichatschow:

Außenseiter durch sein Aussehen, seine Kleidung und sein Auftreten; weiß sich in der Schule Respekt zu verschaffen

kam vier Jahre vor Beginn der Romanhandlung mit seinem Bruder aus einfachen Verhältnissen aus Russland

ist homosexuell, steht zur Freundschaft mit Maik auch in der Gerichtsverhandlung

Isa Schmidt:

wie Maik und Tschick 14 Jahre alt, neugierig, möchte später zum Fernsehen

bis zum Baden im See ungepflegte, verwahrloste Erscheinung, später mit artikuliertem sexuellen Interesse an Maik, mit dem sie sich anfreundet

will zu ihrer Halbschwester nach Prag, schließt sich den Jungen an und hilft ihnen beim Stehlen von Benzin

Eltern von Maik Klingenberg:

Vater Josef als Immobilienmakler tätig, in den letzten Jahren zunehmend erfolglos

Maiks Mutter ist Alkoholikerin, die immer wieder Entziehungskuren macht

die Ehe zwischen beiden ist gescheitert; am Ende zieht der Vater mit seiner Geliebten Mona zusammen

Sprachtherapeutin:

kommt den Jungen nach dem Unfall zu Hilfe

unvoreingenommene Zuwendung, positiv gezeichnetes Bild eines Erwachsenen

Neben diesen Hauptfiguren existiert eine Reihe von mehr oder weniger bedeutsamen Nebenfiguren wie z. B. die Familie, bei der die beiden Jungen zu Mittag essen, oder die Mitschüler von Maik und Tschick. Im Schaubild zur Figurenkonstellation haben wir versucht, die erwähnten Figuren zu erfassen.

Stil und Sprache:

Der Roman ist in einer Kunstsprache verfasst, die Merkmale der Jugendsprache und des Slang aufweist. Die Sprache des Ich-Erzählers Maik ist über weite Passagen durch einen ruhigen, unaufgeregten Stil geprägt, der dem mündlichen Sprachgebrauch mit einem einfachen Satzbau nachempfunden ist.

Interpretationsansätze:

Zwei Interpretationsansätze bieten sich an:

Tschick ist

ein Werk, das formal-gattungsmäßig als Adoleszenzroman zu begreifen ist, da es der für das Genre typischen Struktur der „Heldenreise“ folgt und die Identitätsfindung des Protogonisten zum Ziel hat.

ein Werk, das sich thematisch-inhaltlich mit einer Vielzahl von aktuellen gesellschaftlichen Problemen aus der Perspektive Heranwachsender auseinandersetzt: Freundschaft – Liebe – Sexualität, Familienkonzepte, Sucht und Suchtmittel, straffällige Jugendliche – Umgang mit Gesetzen und Regeln.

2.Wolfgang Herrndorf: Leben und Werk

Wolfgang Herrndorf 1965–2013 © Isolde Ohlbaum

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1965

Hamburg

Geburt am 12. Juni

[nach dem Schulabschluss]

Nürnberg

Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste

ca. 20

[nach dem Studium]

Berlin

Arbeit als Illustrator z. B. für „Luke & Trooke“ und „Titanic“

ca. 30

2002

Berlin

In Plüschgewittern als erstes publiziertes Werk

38

2010

Berlin

Diagnose der Krebserkrankung (bösartiger Hirntumor, sog. Glioblastom)

45

Berlin

Tschick

45

2010–2013

Berlin

Chemotherapien, Bestrahlungen, Operationen

45–48

2011

Frankfurt am Main

Deutscher Jugendliteraturpreis für Tschick

46

2012

Leipzig

Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik für Sand

47

2013

Berlin

15. 7.: Diagnose von Rezidiva[1], weitere Behandlung zwecklos

48

Berlin

26. 8.: Tod; Suizid

48

Über das Leben von Wolfgang Herrndorf gibt es – zumindest bis zum Jahr 2010 – nur wenige Informationen, eine Biografie existiert nicht. Bekannt ist, dass er nach seinem Malerei-Studium Anfang/Mitte der 1990er Jahre nach Berlin gezogen ist und dort Illustrationen und Comics für satirische Zeitschriften angefertigt hat, u. a. für „Luke & Trooke“ und „Titanic“. Eher zufällig kam er als Hobbyautor zum Schreiben und publizierte 2002 seinen ersten Roman In Plüschgewittern. Sehr viele Informationen erhält man in dem Moment, als bei ihm ein bösartiger Hirntumor entdeckt wird und er am 8. 3. 2010 mit dem Schreiben eines Tagebuchblogs beginnt (Arbeit und Struktur unter www.wolfgang-herrndorf.de/), in dem er detailliert Auskunft gibt über seine persönliche Lage, aber auch über die Arbeitsprojekte, mit denen er sich während seiner Krankheit befasst: So erfährt man in Arbeit und Struktur, dass der Autor an einer Erzählung arbeitet, die den Titel Lisa trägt. Auch die Entwicklung seiner Erkrankung wird bis hin zu exakten Mengenangaben der verabreichten Medikamente minutiös geschildert; dokumentiert wird auch, dass das Tumorwachstum nicht zum Stillstand gebracht werden konnte:

„Beim Aufstehen am Morgen drei oder vier Meter rückwärts durchs Zimmer getaumelt und mit Kopf und Nacken gegen die Tischkante geknallt. Mit Rückenschmerzen zum Westhafen, S-Bahn zu Dr. Vier. Befund schlecht wie erwartet. Avastin ohne Wirkung, Glioblastom beiderseits progressiv. Ende der Chemo. OP sinnlos.“[2]

Vor diesem Hintergrund sind seine Aufzeichnungen in Arbeit und Struktur eine Auseinandersetzung mit dem sich abzeichnenden Lebensende. Er schied freiwillig aus dem Leben: „Wolfgang Herrndorf hat sich am Montag, den 26. August 2013 gegen 23.15 Uhr am Ufer des Hohenzollernkanals erschossen.“[3]

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

In diesem Kapitel wird der zeitgeschichtliche Hintergrund von Wolfgang Herrndorf dargestellt, zum zeitgeschichtlichen Hintergrund der Romanhandlung siehe Kapitel 3.1 dieses Bandes. 

Wichtig für den Zeitraum von den 1960er Jahren bis heute:

nach dem wirtschaftlichen Wiederaufbau in den 1950er Jahren Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit in den 1960er Jahren

Politisierung aller Lebensbereiche in den 1970er und 1980er Jahren

Wiedervereinigung in den 1990er Jahren

Auseinandersetzung mit den ökonomischen, gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Folgen der Wiedervereinigung seit den 1990er Jahren

In der Bundesrepublik waren die 1950er Jahre bestimmt durch den Wiederaufbau, der sich, auch unterstützt durch massive amerikanische Finanzhilfen („Marshallplan“), bald zum sogenannten „Wirtschaftswunder“ entwickelte. Am Ende der 1950er Jahre waren der Wiederaufbau und die politische Westintegration der Bundesrepublik (Nato-Beitritt 1955, EWG-Vertrag 1957) abgeschlossen. Die einseitige Ausrichtung auf wirtschaftlichen Erfolg und das nach den Kriegsjahren durchaus verständliche Nachholen von Konsumbedürfnissen zeigten in der Adenauer-Ära ihre Schattenseiten beispielsweise in der einseitigen Orientierung an materiellen Wünschen und in der Verdrängung der NS-Vergangenheit: Schon kurz nach Kriegsende forderten erste Stimmen, „endlich“ einen „Schlussstrich“ unter die deutsche Vergangenheit zu ziehen; viele ehemalige Nazis und Parteimitglieder konnten in der Bundesrepublik in Wirtschaft, Justiz und Politik Karriere machen. Nicht zuletzt an diesem Desinteresse an einer Aufarbeitung während der sogenannten „Adenauer-Ära“ entzündeten sich die Studentenproteste Ende der 1960er Jahre.

Wolfgang Herrndorfs Geburtsjahr 1965 liegt gerade ein Jahr vor dem offiziellen Ende dieser Ära: Von 1966 an regierte die SPD die Bundesrepublik, zunächst in einer großen Koalition, ab 1969 dann in einer Koalition mit den Liberalen unter Bundeskanzler Willi Brandt bzw. Helmut Schmidt. Die SPD setzte mit ihrer innenpolitisch umstrittenen Ostpolitik auf Entspannung und Vertrauensbildung zwischen den Machtblöcken („Ostverträge“ Anfang der 1970er Jahre). Gesellschaftlich waren die 1960er und 1970er Jahre von heftigen Auseinandersetzungen, kulturellen Umbrüchen und Generationenkonflikten geprägt: Eine marxistisch-maoistisch orientierte „Außerparlamentarische Opposition“ (APO) richtete sich gegen die Politik der Großen Koalition (z. B. 1968 gegen die „Notstandsverfassung“), gegen den Krieg der USA in Vietnam sowie grundsätzlich gegen die Werte einer bürgerlichen Gesellschaft („Studentenrevolte“, Auseinandersetzung mit der verdrängten NS-Vergangenheit der Eltern-Generation). In den 1970er Jahren mündeten militante Ausläufer der Protestbewegung in den Terrorismus der RAF („Rote Armee Fraktion“), in deren Verlauf zahlreiche Straftaten (darunter über 30 Morde) begangen wurden.

Die DDR, die sich seit 1961 durch den Mauerbau vor dem Westen abgeschottet hatte, reagierte in den 1970er Jahren auf die lauter werdende Kritik ihrer Intellektuellen an der herrschenden Bevormundung und den Entwicklungen im real existierenden Sozialismus mit der Bespitzelung durch Staatssicherheit und einem Heer „informeller Mitarbeiter“, der Verhängung von Berufsverboten, mit Inhaftierung sowie mit Ausbürgerungen und Abschiebungen. Prominente DDR-„Dissidenten“ sind Jürgen Fuchs, Wolf Biermann, Rudolf Bahro, Erich Loest, Hans Mayer und Bettina Wegener.