Take Five - Die fünf Schlüssel zu mehr Lebendigkeit und innerer Stärke - Heinz Peter Wallner - ebook

Take Five - Die fünf Schlüssel zu mehr Lebendigkeit und innerer Stärke ebook

Heinz Peter Wallner

0,0

Opis

Wie Sie mit Self Leadership Ihr volles Potenzial zur Entfaltung bringen Erklären Sie Ihren Alltag zur Übungswiese und lassen Sie es sich dabei gut gehen. Entwickeln Sie mehr Willenskraft, es ist einfacher, als Sie denken. Verbinden Sie sich mit den Quellen des Lebens, das gibt Ihnen Energie für den Alltag und das Gefühl des inneren Friedens. Befreien Sie sich von Blockaden und Hemmungen und beginnen Sie, Ihr Potenzial zu entfalten. Das klingt schwierig, aber mit einer profunden Anleitung und den vielen Inspirationen in diesem Buch wird es Ihnen gelingen. Es zählt nicht der eine große Erfolg, sondern die Summe der kleinen Schritte, die schließlich ganz automatisch zu Ihrem ganz persönlichen Erfolgserlebnis führen wird. Dieses Buch ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Ihr ganz individuelles Self Leadership. Es dreht sich alles nur um Sie und um Ihre positive Entwicklung. Sie lernen, mit dem Leben intensiver in Kontakt zu kommen und innere Stärke und Lebendigkeit zu fühlen. Einfache Übungen werden Sie auf dem Weg unterstützen. Freuen Sie sich schon bald auf ein sinnerfüllteres Leben. Jeder Bereich Ihres Lebens wird sich zum Guten verändern und Sie von innen stärken und verwandeln.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 307

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



TAKEFIVE

DIE FÜNF SCHLÜSSELZU MEHR LEBENDIGKEIT UND INNERER STÄRKE

DR. HEINZ PETER WALLNER

Für Dodo und Philipp

Edition Summerhill

Wir leben Nachhaltigkeit!

Edition Summerhill – Eco-Premium Books

Edition Summerhill bietet Inspirationen für ein schöneres Leben. Ein Aspekt dabei ist die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft und der Gesellschaft. Wir möchten sicherstellen, dass unsere Bücher und Leistungen den Menschen Unterstützung leisten, sich ganzheitlich zu entwickeln. Ganzheitlich betrachtet aber müssen unsere Bücher in der Produktion ebenso einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten. Das erkennen wir an einer nachgewiesenen ökologischen Nebenwirkungsarmut und einem sozialen Wirkungsreichtum. In der Produktion dürfen unsere Produkte die Umwelt nicht belasten. Wir wollen Ihnen, lieber Leserin, lieber Leser, in dieser Frage jeden Zweifel nehmen!

Daher arbeiten wir mit einem Druckpartner, der alle denkmöglichen Auswirkungen auf die Umwelt berücksichtigt und minimiert.

Klimaneutrale Produktion mit CO2 Ausgleich,

ausgewählte Recyclingpapiere,

giftstofffreie Farben

Ein regionaler Ansatz in der Wertschöpfung ist ebenso wichtig, damit Transportkosten minimiert werden. Wir drucken daher in Österreich. In der Produktion ist der Umgang mit Menschen und der Gesellschaft wichtig:

Gesunde Arbeitsbedingungen,

faire Entlohnung,

eine inspirierende Atmosphäre,

und ein Geist der Nachhaltigkeit.

Auch das haben wir bei unserem Druckpartner Bösmüller gefunden. Überzeugen Sie sich selbst: www.boesmueller.at/zertifikate/

Natürlich haben Eco-Premium Books ihren Preis. Welchen Sinn aber hätte es, mit billigen Büchern aus schlechten Produktionsbedingungen unseren Planeten zu belasten? Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihren fairen Beitrag für eine bessere Welt!

Always keep a diamond in your mind

Wherever you may wander, wherever you may roam,

Always keep a diamond in your mind

(Lyrics by Tom Waits – Diamond in Your Mind)

Vorwort

Ich widme dieses Buch all jenen Menschen, die sich persönlich weiterentwickeln und entfalten wollen. Wenn Sie Ihre Entwicklung als Lebensaufgabe sehen und wenn Sie damit Erfolge haben, aber auch Rückschläge erleiden und immer wieder zweifeln, dann ist dieses Buch für Sie geschrieben. Es will Ihnen helfen, sich als Mensch zu stärken, Beschränkungen abzulegen und in ein Leben voller Freude und Sinn zu finden.

Es gibt zum Thema persönliche Entwicklung mehr Bücher, als Sie je lesen könnten und es gibt einen wirklich einfachen Lösungsweg, der sich seit Jahrtausenden bewährt hat, nämlich: Atme und lächle. Das ist der Weg der Kontemplation1. An ihm ist allerdings nur die Idee einfach. Ihn umzusetzen und ins Leben zu integrieren ist ein jahrelanger Weg der ständigen Übung. Er zahlt sich ganz gewiss aus. Damit ist schon alles gesagt und wenn Ihnen atmen und lächeln als Lösung passend erscheint, gibt es wunderbare Bücher, die sich ausschließlich diesem Zugang widmen. Dieses Buch hier können Sie dann einfach weglegen oder verschenken.

Mir persönlich aber geht beim Weg der Kontemplation etwas ab. Und zwar etwas, womit mein bewusster Geist etwas anfangen kann, etwas, das mich herausfordert, etwas, das ich verstehen kann. All das brauchen Sie nicht wirklich, sagen die Meister und Gurus des obigen Weges. Und genau hier setze ich mit diesem Buch an. Es liegt mir fern, die Dinge komplizierter machen zu wollen als notwendig, ich bin nur zutiefst davon überzeugt, dass unser Denken mehr ist als nur ein Hindernis auf unserem Entwicklungsweg, das es zu überwinden gilt. Ich sehe in unserem unglaublich weit entwickelten Geist – sofern wir ihn verstehen und zu nutzen wissen – eine Pforte zum Weg des Lichts und zur Selbstverwirklichung. Und wenn es diese Pforte gibt, die der Geist öffnen kann, dann möchte ich sie finden und benutzen. Das ist der Weg der Entfaltung.

Der Weg, den ich hier aufzeige, ist zwar einfach, aber komplex genug, um unseren Geist zu fordern. Es ist ein gangbarer Weg, der sich mit unserem Leben in der westlichen Welt – als Teil eines größeren Spiels, das wir hier spielen – sehr, sehr gut verbinden lässt. Ich zeige Ihnen fünf Lebensaufgaben – die „Take Five“2, die sich mir auf meinem Weg gestellt haben. Sie sind mir nacheinander begegnet. Als ich mich den Aufgaben widmete, habe ich erkannt, dass sie immer offen bleiben. Sie lassen sich nie ganz abschließen mit der Bemerkung „erledigt“. Das ist eine wichtige Erkenntnis, der Weg bleibt ein Weg, den wir nur bis zu unserem eigenen Ende gehen können. Diese Aufgaben werden zum Teil unseres Lebens. Wir müssen uns ihnen stellen, damit unser Leben gut wird. Daher die Aufforderung: „Take Five!“

Ich gehe in der Beschreibung des Weges der Entfaltung auf Widersprüche ein, die wir alle spüren, wenn wir die Botschaft „Atme und lächle!“ hören und gleichzeitig an unsere Arbeit und unser randvolles Lebens denken. Deshalb haben sich mir ständig die Fragen gestellt: Soll ich mich nun auf das Jetzt, den Augenblick, konzentrieren und mehr Achtsamkeit in mein Leben bringen? Oder soll ich mir besser Ziele setzen und mich mit der Zukunft beschäftigen? Ist es der Erfolg, der mir wichtig ist, oder ist es einfach ein sinnerfülltes Leben? Sind es die esoterischen Methoden wie beispielsweise das Gesetz der Anziehung, sind es die praktischen Übungen wie Meditation oder Yoga? Sind es konkrete Erfolgsmechanismen, die neueren Methoden zur Stärkung meiner Resilienz, meiner Widerstandskraft, die Formeln gegen die Aufschieberitis oder die Arbeit an meinen Gewohnheiten, die ich konsequent verfolgen soll? Und was ist mit meinem Selbstmanagement, was liegt hier im Argen? Wenn Ihnen dabei auch der Überblick fehlt und Sie immer wieder neuen Ideen nachlaufen, dann geht es Ihnen wie mir. Dem wollte ich für mich ein Ende setzen und die Essenz aus vielen Büchern und Ansätzen zusammenfassen.

Die fünf Lebensaufgaben bilden einen Raum der Entwicklung ab, in dem sehr viele verschiedene Dinge Platz finden. Was immer Sie für Ihre persönliche Entwicklung auch tun mögen, ich bin sicher, dass Sie Ihre bisherigen diesbezüglichen Aktivitäten einer der fünf Aufgaben zuordnen können. Warum das wichtig ist? Mir hat es geholfen, meine Aktivitäten zu strukturieren und so meinen Anstrengungen mehr Sinn zu geben. All die scheinbar unabhängigen Ideen und Zugänge haben sich plötzlich zu einem bunten Bild des Lebens zusammengefügt. Verstehen Sie dieses Buch bitte als gedanklichen Raum, der Ihnen hilft, Ihre Entwicklungsvorhaben zu priorisieren und in einen Zusammenhang zu bringen.

Jeder Lebensaufgabe – die wie ein Schlüssel für ein Tor zu mehr Lebendigkeit wirkt – ist ein Kapitel gewidmet. Ich eröffne jeweils mit einem Raum der Gedanken voller kurzer Inputs und wichtiger Zusammenhänge, die unserem gemeinsamen Verständnis dienen sollen. Besonders interessierten Leserinnen und Lesern biete ich am Ende des Buches zahlreiche Anmerkungen und Literaturhinweise für die weitere Vertiefung an. Natürlich dürfen die Übungen nicht fehlen. Leben ist Übung. Ich zeige Ihnen, was ich gefunden habe, und was ich wirklich empfehlen kann. Am Ende motiviere ich Sie, für Ihr Leben ein individuelles „Take Five Summary“ oder Ihre „Take Five Collage“ zu kreieren. In dieser mannigfaltigen Zusammenschau von Entwicklungsideen, Affirmationen3 und symbolischen Übungen wird sich Ihr persönlicher Weg abbilden. Machen Sie diese „Collage“ zu Ihrem Lebensbegleiter. Ein Blick darauf induziert viele Gedanken, intensive Gefühle, geistige Übungen und Sie bleiben auf dem Weg.

Ich wünsche Ihnen mit diesem Buch neue Erkenntnisse, die Ihnen helfen mögen, einen guten Weg zu finden. Innere Stärke und Lebendigkeit – ein Leben voller Kraft, Liebe und Segen – sind das erklärte Ziel. Und dann wünsche ich Ihnen all die Energie, die Ihr persönlicher Weg der Weiterentwicklung brauchen wird.

Herzlich,

Heinz Peter Wallner

Tauchen Sie ein

Weiterentwicklung als Lebensaufgabe

So viel kann ich sagen: Der Sinn des Lebens und die eigene Weiterentwicklung haben viel gemeinsam. Was wäre mein Leben ohne den Wunsch zur Weiterentwicklung? Welchen Sinn hätten meine ganzen Zweifel, die Ängste in den dunklen Gassen, die Leiden der Rückschläge gehabt, wenn nicht die eigene Entwicklung am Ende der Lohn wäre? Es wird ein lebenswertes Leben, wenn wir uns unsere Weiterentwicklung im Einklang mit der Welt zur Lebensaufgabe machen. Aus dem Weg der Kontemplation und dem rationalen Weg der Entfaltung wird ein Weg der Selbstfindung. Es ist immer so. Wenn sich zwei Gegensätze – zwei Pole – berühren und vereinigen, entsteht aus Ihnen etwas Drittes, Neues, Lebendiges. Schauen Sie sich in der Natur um und dieses Prinzip wird sich Ihnen offenbaren.

Was Sie vorher wissen sollten

Jeder Mensch ist ein Energiefeld und daher eine Schwingung. Wir haben mit unserer Art zu leben eine Art Eigenschwingung mit einer Eigenfrequenz herausgebildet. Wenn wir üben, dann können wir uns vorstellen, dass wir unser Energiefeld verändern und dabei die Frequenz unserer Schwingung erhöhen. Wir bringen mehr Spannung in unser Leben, wie bei einem alten Klavier, dessen Saiten neu gestimmt werden. Wir erhöhen dabei unseren „inneren Zug“. Das bleibt nicht ohne Folgen. Es passiert mit uns das Gleiche wie wenn wir Sport treiben. Wenn wir nach langer Pause zu trainieren beginnen, dann spüren wir das Training in allen Muskeln. Mitunter kann intensives Training auch starke Schmerzen mit sich bringen. Mit der Arbeit an uns selbst ist es sehr ähnlich. Wenn wir eher unreflektiert gelebt haben, dann werden viele Probleme und ungelöste Konflikte verdrängt in unserem Inneren schlummern. Oft dösen unsere verdrängten Probleme tief in uns, ohne dass wir davon Notiz nehmen. Vielleicht fühlen wir uns sogar recht gut, ohne akute Beschwerden oder bewusste Krankheiten. Wenn wir intensiv mit Übungen beginnen, dann kann es passieren – ich würde sogar meinen, es wird sehr wahrscheinlich so sein –, dass sich solche verdrängten Probleme plötzlich bemerkbar machen. Die Kellerräume unserer Psyche öffnen ihre Tore und lassen die Schattenwesen in unser Wohnzimmer kommen. Das ist eine Warnung! Wer den Weg der Übung ernsthaft gehen will, wird auf seinem Weg durch einige dunkle Gassen gehen müssen. Überlegen Sie daher, ob Sie jetzt beginnen wollen und überlegen Sie, ob sie diesen Weg alleine gehen können. Wenn es Grund zur Annahme gibt, dass Sie ernsthafte Probleme aufstöbern könnten, dann rate ich Ihnen zu professioneller Unterstützung.

Der Weg der ganzheitlichen Übung braucht Mut. Denn sie tauchen alle wieder auf: die kleinen Geister, Kobolde und Dämonen. Sie zeigen sich in Form eines alten Leidens, das wieder erweckt wird, als Schmerz, als Konflikt, als Angst, die Sie schon ganz vergessen hatten. Alle kommen sie wieder hervorgekrochen, wirklich nichts bleibt verborgen. Wahre Lebendigkeit kann die Geheimnistuerei nicht leiden, sie deckt auf, was unter dem Teppich verborgen liegt.

Bei mir haben sich in den letzten Jahren meiner Übungen die Kobolde munter in mein Leben gemischt. Ich dachte an einen Weg voller Sonne und Blumen, eine reine Stärkung und Gesundung, einen Pfad des Erfolges und des Glücks. Diese Annahme war ja gar nicht so falsch. Es sind nur die dunklen Gassen hinzugekommen, weil es keinen Tag ohne Nacht geben kann. Plötzlich ist mein Bandscheibenproblem nach mehr als zehn Jahren wieder akut geworden. Lange hatte es geschwiegen. Überhaupt haben mich Rückenprobleme in meiner ersten Zeit der Übung überraschend stark beeinträchtigt. Da will der Mensch endlich wieder üben und was passiert: Es tut einfach weh. Wenn das kein Grund ist, damit gleich wieder aufzuhören … Mein Herz hat mir mit heftigen Rhythmusstörungen die Ruhe genommen und meine Suche nach Stille wesentlich erschwert. Je mehr ich spüren lernte, desto stärker sind mir seltsame Muster meines Herzschlags aufgefallen. Was wollte mir mein Herz sagen? Welche Botschaft hatte es für mich? Und dann kamen die alten, ungelösten Konflikte, die ich elegant kaschiert hatte, wieder ans Tageslicht. Von alten Ängsten und persönlichen Unsicherheiten – den alten Gesellen aus frühen Zeiten – gar nicht erst zu reden. Sie kannte ich ja immer schon, aber dass sie plötzlich frecher wurden und mich auch am Tage aufsuchten, hat mich schon überrascht. Der Alltag gab mir ebenfalls viele Ansatzpunkte, meine Übungen und deren Wert auf die Probe zu stellen. War ich bisher eher vom Glück verwöhnt, so drängten sich zahlreiche Alltagshürden in mein Leben. Auch ärgerliche Kleinigkeiten, vom defekten Auto bis zum Keller, der gleich zweimal unter Wasser stand, war alles dabei. Ich hatte das alles nicht erwartet. Für mich war klar: Der Weg der Übung führt mich schnell ans Licht. Vielleicht sind diese Hindernisse auf dem Weg die Prüfungen, wie wir sie aus Reisen in den Märchenwelten kennen. Vielleicht ist es einfach so, dass jede Heilung und jede Entwicklung auch mit Schmerzen verbunden ist.

Wir können es so sehen: Wenn der nach einer ersten und erfolglosen Bearbeitung über 40 Jahre nutzlos herumliegende Marmorblock den Steinmeißel von Michelangelo nicht an sich herangelassen hätte, dann wäre David nie aus ihm herausgekrochen. Steckt also ein David in uns, dann sollten wir Michelangelo rufen. Ohne Hammer und Meißel aber kann er seine Arbeit nicht tun. Ein David ist ohne Staubwolken und einem Haufen Schutt nun mal nicht zu haben.

Oder gefällt Ihnen das Bild des Klaviers besser? Dann können Sie es so sehen: Vielleicht sind Sie einem alten Klavier vergleichbar, das jahrelang im Keller verstaubte, ein Überbleibsel aus anderen Zeiten. Nun aber werden Sie ins Wohnzimmer geholt, mitten ins Leben gestellt, neu gestimmt und Ihrer Berufung zugeführt. Ihre Saiten beginnen zu klingen. Zuvor aber müssen Sie dem Zug standhalten, wenn die Saiten stärker gespannt werden. Es knarrt im Gebälk.

Zur inneren Meisterschaft finden

Ich verwende die Formulierung „zur Meisterschaft finden“ und nicht etwa „Meisterschaft anstreben“. Anstreben drückt zu sehr den Stress aus, der mit einer zwanghaften Veränderung verbunden ist. Vielleicht ist der Unterschied nicht groß. In keinem Fall möchte ich zum „Performancewahn“ beitragen, der unsere Gesellschaft schon so tief durchdrungen hat. Erfolgreich sein mit allen Mitteln und dabei auch noch glücklich lächeln, das scheint mir ein sinnloser Anspruch zu sein. Wenn dazu dann noch spirituelle Konzepte als Mittel eingespannt werden, Ziele zu erreichen, dann sind wir in einer Sackgasse mit übel stinkenden Mülltonnen gelandet. Mir ist sehr wohl klar, welch schmalen Grat ich hier beschreite. Eine Stufe höher kommen geht nur durch Übung, also durch eine Form des Trainings. Das wiederum setzt bestimmte Verhaltensweisen voraus, die für die Entwicklung hilfreich sind. Es ist also eine Frage der inneren Haltung, die ich im Training einnehme. Im reinen Tun wird der Unterschied zwischen Finden und Anstreben nicht gut erkennbar sein.

Gleich zu Beginn möchte ich einige Weisen des Übens darstellen, die mir selbst sehr hilfreich waren, und die vielen Menschen, mit denen ich in den letzten Jahren gearbeitet habe, ebenso nützlich erschienen.

Weise 1: Den bewussten Geist als Tor zur spirituellen Welt nutzen (Neues Denken)

Mir scheint der menschliche Geist das eigentliche Tor zum neuen Bewusstsein und zu einer spirituellen Welt zu sein. Natürlich führt uns nicht jede Art des gewöhnlichen Denkens durch diese Pforte. Der Geist aber ist unser großes Potenzial, das wir nutzen können. Ein gutes Leben braucht eine inspirierte und bunte Gedankenwelt.

Weise 2: Bereitwillig annehmen, Widerstand aufgeben, nichts zwingend wollen (Neue Haltung)

Dazu ist es gut, Bewertungen auszusetzen, Richtig und Falsch als Denkgewohnheiten abzulegen und letztlich an nichts wirklich festzuhalten, sondern im Fluss des Lebens zu bleiben. Mit dieser Weise schließe ich mich den östlichen, buddhistisch orientierten Weisheitslehren direkt an. Entnommen sind diese Weisen den Lehren von Eckhart Tolle 4.

Weise 3: Sich auf den Augenblick konzentrieren (Neues Tun)

Die Konzentration auf das Jetzt ist Gegenstand nahezu aller spirituellen Lehren. Damit verbinde ich ein bewusstes Reduzieren der Zeitspannen, mit denen wir uns im Leben aktiv beschäftigen. Es ist hilfreich, Vergangenheit und Zukunft auf Essenzen zu reduzieren und symbolisch „einzudampfen“. Je kürzere Zeiträume wir aktiv im Geiste bearbeiten, desto geringer ist der Widerstand, den wir unserem Leben gegenüber aufbringen. Wenn wir zu stark in die Probleme der Vergangenheit verstrickt sind und gleichzeitig unser Glück weit in der Zukunft suchen, dann verreiben wir uns am Zug der Zeit und verlieren Energie. Da hilft die Besinnung auf das Jetzt, sie reduziert und fokussiert unsere Gedanken. Es geht um Gegenwärtigkeit.

Weise 4: Ganzheit erkennen lernen (Neue Erkenntnis)

Am Ende wollen wir immer neue Verhaltensmuster in unser Leben bringen und hilfreiche, uns nährende Gewohnheiten einstudieren. Dazu ist es wichtig, unsere Achtsamkeit zu schärfen. Unbewusst und unreflektiert wird es uns nämlich nicht gelingen, an unseren Gewohnheiten zu arbeiten.

Diese vier Weisen des Übens beschreiben einen Zyklus: Neues Denken, neue Haltung, neues Tun und neue Erkenntnis. Ich nenne diesen Zyklus auch den Geist-Herz-Bewegung-Form-Zyklus5.

Der Zyklus beschreibt, wie wir Menschen aus unseren Gedanken und Ideen Formen in die Welt bringen und unser Leben aktiv gestalten. Jede Entwicklung beginnt im Kopf, in unserem Geist. Wir denken etwas neu. Unsere Gedanken werden erst wirksam, also erschaffend, schöpferisch, wenn wir sie intensiv fühlen. Das formt unsere innere Haltung und entlässt uns in ein neues Tun. Das neue Tun bringt Erkenntnisse und wir beginnen zu lernen. Durch die ständige Wiederholung dieses Zyklus entstehen letztlich neue Gewohnheiten in unserem Leben, also neue Strukturen und Formen. Neale Donald Walsch6 nennt dieses Zyklus den „Prozess der Manifestation“. Alles, was wir uns für unser Leben wünschen, lässt sich damit ansteuern und erreichen!

Alles durchleben, alle Erfahrungen machen, nichts auslassen

Wir Menschen haben, zusammen mit allen Wesen der Welt, die Gabe des Fühlens erhalten. Fühlen ist das Leben selbst, es ist reine Lebendigkeit. Es eröffnet uns eine Erfahrungswelt mit Möglichkeiten für unbeschreibliche Höhepunkte und für sehr schmerzliche Momente. Diese Bandbreite des Fühlens mit allen Hochs und Tiefs ist ein Geschenk des Lebens. Warum sollten wir auf irgendetwas verzichten? Wir Menschen aber erlegen uns Gesetze und Regeln auf, damit unser Zusammenleben funktionieren kann. Einige davon bereichern uns als Ganzheit und sind dem Leben förderlich. Andere Gesetze unserer Enkultivierung7 aber werden zu Schranken und Hindernissen für ein gutes Lebens. Sie hemmen uns. Daher möchte ich mich hier gleich zu Beginn ganz bewusst vom Paradigma von Schuld und Sünde verabschieden. Es kann wirklich gar nichts zur Lebendigkeit und zum befreiten Leben voller innerer Kraft beitragen, aber uns im Gegenteil mit negativen Gedanken und Gefühlen extrem belasten. Viel hilfreicher erscheint es mir, das Leben als Widerspruch zu verstehen und immer die einander widersprechenden Pole – die zwei Seiten jeder Medaille – zu erkennen und auszukosten. Alles im Leben hat immer zwei Seiten, zwei einander widersprechende Pole wie Mann und Frau. Nur aus diesem Widerspruch kann neues Leben entstehen. Wenn wir uns zusätzlich darauf einigen, dass wir Bewertungen wie Gut und Schlecht aussetzen wollen und auch Richtig und Falsch für unsere persönliche Entwicklung keine große Relevanz haben, dann sollten wir immer beide Pole – auch wenn sie einander widersprechen – wie auch die hellen und dunklen, die geliebten und ungeliebten Seiten in uns suchen und akzeptieren.

In unserem westlichen Kulturkreis, wo das Paradigma des Wachstums die treibende Kraft im großen Spiel der Gesellschaft und Wirtschaft geworden ist, kommt mir ein Leben, in dem wir uns von der „Formenwelt“ verabschieden, nicht sehr gelegen. Die Formenwelt umfasst alles, was wir in unserer Welt nach dem Zyklus der Manifestation schaffen. Eckhart Tolle nennt selbst unsere Gedanken eine „Form“. Den Spielweisen des westlichen Lebens zu entsagen, sich allein auf den inneren Wesenskern zu konzentrieren, mag in Klöstern und Ashrams funktionieren. Dorthin können wir uns auch eine Zeit lang zurückziehen. Nur wenige aber können diese Lebensform dann dauerhaft zu der ihren machen. Wir sind in der westlichen Welt direkt zum Formenschaffen angetreten. Wir wollen uns verwirklichen, wachsen und im Leben etwas erschaffen, gerade auch materielle Dinge. Das ist unsere Welt, das ist unser großes Spiel. Haltungen der Achtsamkeit sind für uns als Spieler auf westlichen Spielfeldern mehr als wertvoll. Sie sind die Bedingung dafür, dass unser Spiel weitergehen kann und eine Zukunft hat. Der vollkommene Rückzug nach innen steht hierzulande nur recht wenigen Menschen als Lebenskonzept offen. Zu ihrem Lebensmittelpunkt können das nur Menschen in religiösen Herbergen machen, oder die Weisheitslehrer selbst und all jene, die diese Lehren für ihren Broterwerb nutzen und von anderen dafür bezahlt werden. Wenn wir zu den anderen gehören – und bei mir ist das ebenso der Fall wie bei nahezu allen Menschen, die ich persönlich kenne –, dann brauchen wir eine andere Lösung. Diese Lösung werde ich in Form der fünf Schlüssel – „Take Five“ – darstellen.

Inspirationen für „Take Five“ habe ich auch aus der Natur bekommen. Mich fasziniert der Entwicklungsprozess, beispielsweise wie aus einer Blumenzwiebel eine Blume wird. Biologen werden mein einfaches Bild vielleicht belächeln, aber mir gefällt es. Eine Blumenzwiebel ist in der Erde vergraben und wartet. In einem ersten Schritt muss in ihr der Lebenswille erwachen, sie beginnt zu keimen. Sobald ihr Keimling sich einen Weg gebahnt hat, nimmt er Verbindung mit Quellen des Lebens auf. Er zieht Nährstoffe aus dem Boden, er nimmt Wasser auf und lässt sich wärmen. Dann schafft er den Durchbruch durch die Erdschicht und befreit sich. Er durchdringt den Boden und erblickt das Sonnenlicht. Jetzt beginnt die Phase der Entfaltung. Alle verborgenen Talente kommen zum Vorschein und die Blume erblüht in ihrer ganzen Pracht. Vollendet nimmt sie nun am lebendigen Spiel des Ökosystems teil.

Take Five – entdecke die fünf Schlüssel

Auf dem Weg der ganzheitlichen persönlichen Entwicklung sind mir fünf Lebensaufgaben begegnet, für die es jeweils einen Schlüssel zur Lösung gibt. Sie sind einfach, aber essentiell. Ich gebe Ihnen hier einen ersten Überblick:

Wirkebenen

Bedeutung

Kurzbeschreibung der Aufgabe

Willenskraft

Das eigene Wollen stärken und mit der Entwicklung beginnen

Das ist das Einzige, was ich als Mensch alleine tun muss:

Ich muss wollen und die innere Kraft entwickeln, den ersten Schritt zu tun (Willenskraft). Bei allen anderen Schritten wird mir geholfen.

Quellen

Sich mit den drei Quellen des Lebens verbinden und Hilfe annehmen.

Die Verbindung mit den Quellen des Lebens ist uns eine Hilfe.

Entdecken Sie die drei Quellen des Lebens, die sich uns Menschen offenbaren. Diese Quellen unterstützen uns und füllen uns mit Energie. Sie heißen Kraft, Liebe und Segen.

Befreiung

Sich selbst von Zwängen befreien. Dazu brauchen wir:

Vergebung,Heilung und Dankbarkeit.

Befreiung von Zwängen und Beschränkungen, die unseren Lebensfluss verschmutzen. Erst wenn wir unsere Hemmnisse erkennen und ablegen, können wir uns gut entwickeln. Die Befreiung ist daher das Hauptstück auf dem ganzheitlichen Entwicklungsweg.

Entfaltung

Die eigenen Talente entfalten und wachsen

Befreit von Zwängen und durchdrungen von der Energie der drei Quellen können wir unsere Talente wirkungsvoll entfalten. Wir lernen alles, was wir brauchen, um an der Entwicklung der Welt teilhaben zu können.

Wirkung

Schöpferisch wirksam werden und an der Welt beteiligen

Als ganzer Mensch mit Kraft und Talent positiv zur Entwicklung der Welt beitragen. Das führt uns in ein sinnerfülltes Leben.

Die fünf Schlüssel der Entwicklung

Jeder der fünf Schlüssel, jede Lebensaufgabe, beherbergt in sich einen Dreischritt der Entwicklung. Es sind immer drei Schritte, die uns zur Ganzheit führen. Hier folgt ein erster Überblick über die „Dreischritte“, die mit den fünf Schlüsseln verbunden sind. Lassen Sie sich einmal darauf ein. Der Titel „Take Five“ erinnert uns zunächst an ein berühmtes Musikstück und der Dreischritt an einen Tanz, der uns mit Lebensfreude erfüllt. Ganz nebenbei bemerkt, ist die Drei eine magische Zahl, die uns viel zu offenbaren hat.

Take Five-Schlüssel

Jeweils ein Dreischritt für eine ganzheitliche Entwicklung

Take One: Willenskraft stärken

Sich die Entwicklung als Prinzip zu eigen machen

Angst überwinden und Mut ins Leben lassen

Auf die Stimme des höheren Selbst hören lernen

Take Two: Verbindung aufnehmen

Sich mit der Quelle der schöpferischen Kraft verbinden

Sich mit der Quelle der universellen Liebe vereinen

Mit der Quelle des göttlichen Segens gestärkt ans Werk gehen

Take Three: Befreiung zulassen

Vergebung lernen

Heilung zulassen

Dankbarkeit üben

Take Four: Entfaltung ermöglichen

Gegenwärtigkeit erfahren

Zukunft visualisieren

Widersprüche entscheiden

Take Five: Wirkung entfalten

Teil einer Gemeinschaft werden

An der Entwicklung mitwirken

Eine Mission leben

Im Hauptteil dieses Buches führe ich Sie schrittweise durch die fünf Lebensaufgaben, die wie Schlüssel wirken und neue Tore zu unserer ganzheitlichen Entwicklungswelt öffnen. Das Motto dabei: Take Five – lass keine aus! Für jede Aufgabe gehen wir auf die Suche nach dem Dreischritt, der uns der Lebendigkeit und der inneren Stärke näher bringt. Am Ende wird es ein Tanz durch das Leben. Dabei müssen wir lernfreudig sein und uns etwas Übung zumuten. Was aber spricht dagegen? Vielleicht der Zweifel, ob es dadurch wirklich besser wird? Der ist berechtigt. Aber wird es denn besser werden, wenn Sie sich nicht auf Veränderungskurs begeben? Wahrscheinlich nicht.

Take One Der erste Schlüssel

Take one: Willenskraft entwickeln

Wir Menschen wollen viel. Es gibt unzählige gute Ideen, die wir umsetzen könnten, und viele Entwicklungsschritte, die wir meistern sollten. All das wäre gut für uns, ganz ohne Zweifel. Der Geist ist leicht zu überzeugen und die guten Argumente sprechen für sich. Es gibt meist wenige gute Gründe, etwas nicht zu tun oder es wenigstens zu probieren. Und dennoch liegt zwischen dem, was wir denken, und dem, was wir tatsächlich konsequent tun, ein tiefer Graben.

Neurobiologisch konnte gezeigt werden, dass unser rational induziertes Denken und unser emotional induziertes Wollen und Tun unterschiedliche Hirnareale beanspruchen, und dass zwischen den beiden Mechanismen keine direkte Verbindung besteht8. Das ist eine interessante Erkenntnis. Und es ist eine – wenn auch billige – Ausrede, warum es mit unseren Vorsätzen nicht immer so gut klappt, obwohl wir doch die Sache rational für gut befanden.

Willenskraft zeigt sich uns als psychische Energie, die in uns sprudelt, oder eben nicht. Dabei geht es um ein wichtiges Entwicklungsprinzip. Es ist das Prinzip von Anfang und Ende9. Wir brauchen Willenskraft, um uns aus der eigenen Trägheit zu befreien und mit unserer Entwicklung zu beginnen. Das ist der gute Anfang, den wir machen können. Aber wenn wir vor Vollendung unseres Werkes wieder aufhören, sprechen wir nicht von bemerkenswerter Willenskraft. Erst wenn wir die Dinge zu Ende bringen, die wir beginnen, sprechen wir einem Menschen Willenskraft oder Willensstärke zu. Zwischen dem guten Anfang und dem guten Ende liegt eine weite Strecke der Anstrengung, die Konsequenz braucht. Willenskraft muss also langfristig wirken und uns den ganzen Weg entlang begleiten.

Mir scheint jedoch der Anfang das Wichtigste dabei zu sein. Wenn wir in unserem Sumpf des Lebens gefangen sind, dann gibt es nur selten eine hilfreiche Hand, die sich uns entgegenstreckt und Rettung anbietet. Wir müssen zumindest von uns aus ein Zeichen setzen, wir müssen laut um Hilfe rufen und nach Ästen suchen, an die wir uns klammern können. Es geht darum, aus eigener Kraft den weiteren Abstieg, das weitere Einsinken in den Sumpf des Lebens, zu stoppen und willentlich den Weg nach oben anzutreten. Wir müssen uns sozusagen selbst an die Hand nehmen und eine erste Aktion starten.

Genau genommen durchlaufen wir ja die ganze Zeit ein Trainingsprogramm. Wir sind als Menschen übende Wesen. Wir wären gar nicht in der Lage, durchs Leben zu gehen, wenn wir nicht dauernd an uns arbeiten würden. Ganz ohne Aufwand und Energie bleiben wir nämlich nicht einmal auf demselben Niveau, wir würden uns Stufe für Stufe abwärts bewegen. Ständig sind wir damit beschäftigt, Gewohnheiten besser einzustudieren und diese dann täglich ablaufen zu lassen. Unser Leben ist eine ewige Wiederholungsreihe von Gewohnheiten, die so stark werden, dass wir irgendwann glauben, wir sind diese Gewohnheiten. Ab einem bestimmten Alter kommen selten gänzlich neue Gewohnheiten hinzu.

Und hier liegt auch schon der wahre Grund dafür, dass Veränderung im positiven Sinne, also eine Veränderung, die uns auf der Himmelsleiter10 eine Stufe weiter nach oben bringt, sich oft so mühsam anfühlt und sich als so schwierig zu meistern entpuppt. Veränderung meint nicht mehr und nicht weniger, als eine alte Gewohnheit durch eine neue zu ersetzen. Das wiederum ist eine wahrlich große Herausforderung! Gewohnheiten sind Prägungen und unglaublich mächtig, wenn wir sie gut eintrainiert haben11 . Das hilft uns auf der einen Seite effizient zu leben, aber auf der anderen Seite sind unter unseren Gewohnheiten auch weniger hilfreiche. Solche nämlich, die uns gar nicht guttun. Es gibt Denkgewohnheiten, die uns mit negativen Gedanken, Ängsten und Sorgen belasten und uns nach unten ziehen. Es gibt Gefühlsgewohnheiten, die automatisiert in uns ablaufen und uns ins Opferland verschleppen, uns mit Schuld beladen oder aggressiv werden lassen, uns aber jedenfalls ebenso nach unten ziehen. Und dann gibt es noch Handlungsgewohnheiten, die wir per Autopilot ausführen, auch wenn sie uns schaden. Hierzu zählen auch jene Gewohnheiten, die uns davon abhalten, etwas Sinnvolles mit unserer Zeit anzufangen. Ein Beispiel? Wenn ich nach Hause komme und einen anstrengenden Tag hinter mir habe, so ist der Weg zum Sofa der nächste und der wahrscheinlichste. Und wenn ich dort häufig mit Fernsehen, Bier und Chips den Abend verbringe, statt einen Spaziergang zu machen oder mit meinen Lieben in die Stadt zu fahren, dann wirkt eine negative Handlungsgewohnheit in meinem Leben. Gewohnheiten können, müssen aber nicht, mit einem Suchtverhalten gekoppelt sein. Wohl gibt es immer eine Art Belohnung bei einer Gewohnheit, aber echtes Suchtverhalten macht Gewohnheiten noch erheblich mächtiger, wie wir das bei allen Formen des Drogenkonsums erfahren können.

Mir endlich wieder einmal etwas vorzunehmen und mit aller Konsequenz umzusetzen, bleibt oft nur ein frommer Wunsch. Damit wir dem Wunsch eine Chance auf Realisierung geben können, brauchen wir also die Kraft und die Entschlossenheit, den Weg zu beginnen. Das ist die Willenskraft, die am Anfang wirken muss und die nur aus mir selbst heraus – Ausnahmen bestätigen die Regel – sprudeln kann. Es ist wie eine Energie, deren Ursprung in mir selbst liegt. Willenskraft kann sich in uns entwickeln, wenn wir einen „inneren Ruf“ hören, eine Stimme, die uns etwas Wichtiges zu sagen hat. Oder sie entsteht, weil wir unsanft unter Druck gesetzt werden und unsere Mitmenschen oder unsere Lebensumstände uns zu einer Handlung mit Veränderungsabsicht zwingen.

Hermann Hesse beschreibt diesen inneren Ruf in seiner indischen Dichtung Siddhartha auf wunderbare Weise: „Da zuckte aus entlegenen Bezirken seiner Seele, aus Vergangenheiten seines ermüdeten Lebens her ein Klang. Es war ein Wort, eine Silbe, die er ohne Gedanken mit lallender Stimme vor sich hinsprach, das alte Anfangswort und Schlußwort aller brahmanischen Gebete, das heilige ‚OM‘, das so viel bedeutet wie ‚das Vollkommene‘ oder ‚die Vollendung‘. Und im Augenblick, da der Klang ‚Om‘ Siddharthas Ohr berührte, erwachte sein entschlummerter Geist plötzlich, und erkannte die Torheit seines Tuns.“12

Willenskraft ist der erste Schlüssel. Er eröffnet uns eine Aufgabe, die aus einem Dreischritt besteht. Diese drei Schritte müssen wir gehen, um genügend Willenskraft für unsere Weiterentwicklung aufzubringen:

Sich die Entwicklung als Prinzip zu eigen machen

Angst überwinden und Mut ins Leben lassen

Auf die Stimme des höheren Selbst hören lernen

Sich die Entwicklung als Prinzip zu eigen machen

Wir sind auf der Suche nach der Willenskraft. Wo könnte sie herkommen und was könnte sie verstärken? Ein erster Schritt ist die Beschäftigung mit der Entwicklung als Prinzip. Wenn ich erkenne, was Menschsein bedeutet und welche Rolle Entwicklung dabei spielt, wird mir die eine oder andere Erkenntnis zuteilwerden, die mich anstoßen kann, meinen neuen, eigenen Weg zu beginnen.

Von Kindesbeinen an sind wir Menschen neugierig und erkunden unsere Welt. Ganz nebenbei erlernen wir dabei so wichtige Dinge wie laufen und kommunizieren, wir erfahren uns selbst und unsere Wirksamkeit in der Umwelt, aber wir erkennen auch unsere Grenzen. In den frühen Jahren ist es nie eine Frage, ob wir eine uns auferlegte Grenze überschreiten wollen. Wir tun es einfach. Ständig lernen wir neue Dinge kennen, lernen neue Abläufe und trainieren Gewohnheiten ohne Unterlass. Beim Überschreiten unserer Grenzen bekommen wir zwei Arten von Feedback aus unserer Umwelt: Wir erfahren Anerkennung für etwas, das wir eben zum ersten Mal getan haben, beispielsweise wenn wir das erste Wort aussprechen oder wenn wir die ersten selbstständigen Schritte tun, und wir erfahren Zurückweisung für etwas, das wir in gleicher, unschuldiger Weise, von Neugier getrieben, getan haben, weil es jemandem in unserer Umwelt gefährlich vorkommt oder einfach nicht passt. Diese kindliche Neugier, die uns eine rasante Entwicklung hinlegen lässt, ist kraftvoll und zeugt von einer großen Willenskraft. Beeinflusst durch Einwirkungen aus unserer Umwelt lernen wir aber auch alle mit dem freiwilligen und freudigen Lernen wieder aufzuhören. Das Nichtlernen wird ebenso zu einer Gewohnheit, die wir mit uns tragen. Es wird für viele Menschen zur dramatischen Prägung, nur dann noch etwas zu lernen und sich weiterzuentwickeln, wenn dafür aus der Umwelt genügend Druck kommt oder zumindest eine Belohnung ansteht. Dieses Verhalten wird häufig, und meist unbewusst, trainiert und bleibt als Gewohnheit mit schädlichen Langzeitfolgen zurück.

Jede Entwicklung, die wir als erwachsener Mensch absichtlich durchlaufen, beginnt mit einer Einsicht. Es ist diese Einsicht, die ein Ursprung der Willenskraft ist. Die Einsicht ist meist einfach und lautet: So kann es nicht weitergehen! Ich will oder ich muss etwas in meinem Leben und an mir verändern, wenn es gut werden soll. Aber es bleibt immer noch die Frage offen, woher diese Einsicht plötzlich kommen soll. Was ist, wenn es genau diese Einsicht ist, die mir fehlt, weil ich zwar leide, aber gar nicht auf die Idee komme, etwas verändern zu können. In dieser Situation kommt uns eine Besonderheit bei uns Menschen sehr zugute. Wir beschäftigen uns mit der Zeit und in diesem Zusammenhang auch mit unserer Vergänglichkeit. Genau aus dieser Eigenschaft ziehen wir Vorteile gegenüber allen anderen Lebewesen, weil wir besser antizipieren und reflektieren können. Wir sind in der Lage, in die Zukunft vorzudenken und Pläne zu schmieden, und wir können durch eine Rückschau in unsere Vergangenheit Schlüsse ziehen und lernen. Das Antizipieren und Reflektieren ermöglicht uns ein gutes Leben in der Gegenwart und es lässt uns Komplexität meistern13 . Beide Fähigkeiten können wir bei der Suche nach unserer Willenskraft sinnvoll einsetzen. Wir können daraus ein „Hin-zu“ und ein „Weg-von“ ableiten.

„Hin-zu“ und „Weg-von“ sind Impulse der Willenskraft

Für Menschen, die ihre Entwicklung gut im Griff haben und die sich mit verschiedenen Methoden der persönlichen Entwicklung herumschlagen, ist das Antizipieren meist eine große Hilfe. Wenn ich mir eine Zukunft ausmale, die meiner derzeitigen Situation wesentlich überlegen ist, dann ist es sinnvoll, diese Zukunft zu konkretisieren und beispielsweise über große Ziele zu beschreiben oder zu visualisieren. Auf diese Weise kann ich mich durch die Formulierung eines „Hin-zu“ gefühlsmäßig aus dem Jetzt befreien und eine starke Willenskraft freisetzen. Wenn ich mir ausmalen kann, dass sich mein Leben erheblich verbessert, wenn ich beispielsweise eine bestimmte Ausbildung abschließe, dann kann ich mir dieses „Hin-zu“ – ein Hin zu einem Berufsleben mit höherer Qualifikation, das mit einer angenehmeren Arbeit, einem besseren Verdienst und vor allem mit mehr Optionen verbunden ist – bildlich und emotional gut vorstellen. Weiterhin kann ich durch konkrete Schritte diesen Weg relativ leicht beschreiten. Die Kraft aber, die mich dazu befähigt, folgt aus dem Wunschbild, dem „Hin-zu“.

Auch das Reflektieren ist eine menschliche Kunst, aus der sich Willenskraft entwickeln kann. Wenn ich meine Vergangenheit kritisch durchleuchte und versuche, sich wiederholende Muster, die mir schaden, zu erkennen, dann lässt sich daraus ein „Weg-von“ ableiten. Wenn mir die gleichen Dinge immer wieder passieren, ich beispielsweise knapp vor einem Erfolg wiederholt einbreche oder den entscheidenden letzten Schritt nicht setze, vielleicht überhaupt nie wirklich etwas zu Ende bringe, dann kann ich dieses Muster durchbrechen. Vielleicht keimt in mir der Gedanke, dass ich den Erfolg verdient habe. Ich will ein Muster aus der Vergangenheit nicht mehr wiederholen! Ich will weg davon! Ich kann meine Willenskraft dabei noch erheblich verstärken, wenn ich nach dem Blick in die Vergangenheit auch noch in die Zukunft schaue und mir ausmale, wo mich mein derzeitiger Weg hinführt. Wenn ich nichts unternehme und weitermache wie bisher, wo stehe ich dann in fünf Jahren? Wie tief werde ich dann gesunken sein? Daraus kann ich ein sehr starkes „Weg-von“ ableiten und Willenskraft in mir schüren. Willenskraft ist eine Folge der Einsicht und diese folgt aus einem „Hin-zu“ oder einem „Weg-von“.

Der Geist-Herz-Bewegung-Form-Zyklus

Abbildung 1: Der Zyklus der Manifestation oder der „Geist-Herz-Bewegung-Form-Zyklus“

Ich muss zu Beginn noch nicht das ganze Bild im Kopf haben. Anfangs reichen ein paar vage Vorstellungen, ein paar Pinselstriche meiner neuen Zukunft. Das „Weg-von“ und das „Hin-zu“ sind meine ersten Ansatzpunkte. Es ist hilfreich, dieses Bild der Zukunft mit einfachen Skizzen, Symbolen oder Fotos zu visualisieren oder mit einer „Wolke von Begriffen“ einmal grob zu beschreiben. Ich stecke dabei nur einen Korridor und keinen ganz konkreten Weg ab. Schrittweise komme ich dann dem Wunschbild immer näher. Das Bild im Kopf lässt Willenskraft in mir aufkommen.

Das Bild in meinem Kopf muss sich erst einen Weg in mein Herz bahnen. Sobald ich das Bild, sei es auch noch so vage, in mir spüren kann, hat es eine Chance auf konsequente Umsetzung. Was immer ich neu in mein Leben bringen will, ich brauche dafür eine neue Haltung. Vielleicht muss ich mir den neuen Weg erst einmal erlauben oder ich brauche das Gefühl, dass sich erst dadurch mein Leben radikal verbessert. Geist – mein Bild im Kopf – und Herz – meine innere Haltung und mein Gefühl dazu – müssen erst in Resonanz kommen und sich gegenseitig positiv aufschaukeln. Vielleicht muss ich etwas unternehmen und tiefer in eine Sache eintauchen, vielleicht brauche ich noch Inspirationen durch Bücher, Zeitschriften oder durch Gespräche mit Freunden. Was immer ich mache, es ist letztlich diese Geist-Herz-Resonanz, die in mir eine starke und dauerhafte Willenskraft entfacht. Eine Willenskraft, die aus einer Geist-Herz-Resonanz folgt, wird sich auf meinem Weg immer wieder erneuern und mir in kritischen Situationen hilfreich sein.

Damit es anders und besser werden kann, müssen wir auch etwas tun. Nach der Entscheidung etwas zu tun, die aus der Geist-Herz-Resonanz gespeist wurde, enthemmen wir uns zur Tat und tun vielleicht seit langer Zeit wieder etwas zum ersten Mal. Das ist die Folge der Willenskraft. Wir tun etwas, das wir uns vorgenommen haben, auch wenn es uns nicht leichtfällt und viel Widerstand zu spüren ist. Wir bringen uns und andere in Bewegung, wir probieren Neues aus und machen dadurch auch ganz neue Erfahrungen. Jedes Tun, das keiner Gewohnheit entspringt, wird in meiner Umwelt eine Reaktion nach sich ziehen. Ich und mein Tun werden beobachtet und – egal in welcher Form – es wird eine Rückmeldung aus der Umwelt geben.

Das Feedback aus der Umwelt bringt uns in den vierten und letzten Quadranten. Es ist der Quadrant der Reflexion, der Raum, in dem wir die Folgen unseres Tuns ansehen und Schlussfolgerungen ziehen. Nicht alles, was wir probieren, kann uns gleich gelingen. So ist das Leben. Aber nie ist etwas ganz schlecht oder ganz gut. Es wird Dinge geben, die es wert sind, wiederholt zu werden und solche, die angepasst oder ganz verändert werden müssen. Der entscheidende Teil im vierten Quadranten der Erkenntnis ist die zentrale Frage: Bin ich bereit zur guten Wiederholung? Gute Wiederholung meint nicht die Wiederholung auf demselben Niveau. Sie meint vielmehr eine Wiederholung unseres Vorhabens, aber besser, weil wir Dinge neu denken werden und somit anpassen und verändern. Der zweite Durchlauf im Geist-Herz-Bewegung-Form-Zyklus ist eine kleine Verbesserung im Vergleich zum ersten Durchlauf. Wir denken unser Bild um ein paar Pinselstriche konkreter, wir tauchen tiefer in die neue Haltung ein und verstärken unsere Geist-Herz-Resonanz. Erneut enthemmen wir uns zur Tat und gehen erfrischt und gestärkt in die Wiederholung unseres Tuns. Der wiederum folgen im vierten Quadranten neue Erkenntnisse und – hoffentlich – eine weitere Entscheidung zur Wiederholung. Dieser Zyklus muss also wiederholt durchlaufen werden. Dabei sind wir auf dem Weg der ständigen Verbesserung15 und Vertiefung unseres Vorhabens. Wir lernen schrittweise eine neue Gewohnheit. Der Weg eröffnet sich uns dabei im Gehen und wir manifestieren unsere Gedanken in unserer Lebenswelt. So werden wir zum aktiven Gestalter und wohl auch zum Schöpfer in unserem Leben.

Nahezu alle Entwicklungen im Leben können mit diesem Entwicklungszyklus beschrieben werden. Es gibt die eher stabilen Phasen, in denen wir uns nur wenig verändern, in denen mehr oder weniger alles beim Alten bleibt. Unsere Bewegungen auf der liegenden Acht sind fast konstant und erweitern sich nicht nach außen. Dann aber gibt es Phasen, in denen wir uns erheblich und grundsätzlich weiterentwickeln. In diesen Zyklen holen wir schon beim neuen Denken weiter aus und eröffnen uns einen neuen Raum. Wir stärken unser Bewusstsein und entwickeln uns ganzheitlich weiter.

Abbildung 2: Die „spiralförmige Acht“ erweitert sich nach außen, wenn wir unser Bewusstsein entwickeln

Wenn Sie diesen ganzheitlichen Entwicklungszyklus verinnerlicht haben, wird er Ihnen bei all Ihren Veränderungen wertvolle Dienste leisten. Sie können diese Form der Entwicklung als etwas Grundsätzliches ansehen und als Prinzip verstehen. Dieses Prinzip prägt unser Leben. Wir sind in Entwicklung, weil Lebendigkeit Entwicklung ist.

Zum Aussuchen: Kleine Häppchen zur weiteren Vertiefung

Dodo Kresse16 zeigt in Ihrem Buch „The Colours of Happiness – die 5 Prinzipien erfolgreicher Veränderung“ anhand einer Geschichte aus dem Alltag, wie Ihnen Veränderung einfach so passieren kann, wenn Sie den ersten Schritt tun. Die Geschichte von Dañiel, der sich in ein Meer von Farben verliebt und sein Leben auf eine neue Basis stellt, ist herrlich zu lesen und 2015 in der Edition Summerhill erschienen.

Take One-Essenz: Willenskraft entwickeln „Die eigene Entwicklung zum Lebensprinzip machen“

Mit dem Zyklus der Manifestation (Geist-Herz-Bewegung-Form-Zyklus) haben wir ein mächtiges Tool in unseren Händen. Damit können wir ein wichtiges geistiges Prinzip für uns realisieren: Du musst dein Leben ändern!

Mit dem Zyklus haben wir ein Tool, um Gewohnheiten in unserem Leben zu verändern. Wir können eine neue Gewohnheit in unser Leben bringen oder mit einer wenig nährenden Gewohnheit brechen. Es liegt an uns, Entwicklung als Prinzip in unser Leben zu holen.

Die Essenz lautet: Der Mensch, der Macht über seine Gewohnheiten erlangt, hat die Freiheit, sein Leben so zu gestalten, wie er will. Es wird ein gutes Leben!

Für Ihre persönliche Toolbox: Zyklus der Manifestation

Zusammenfassend: Der Geist-Herz-Bewegung-Form-Zyklus: Wir beginnen mit der Einsicht, etwas in unserem Leben verändern zu wollen, etwas Neues zu beginnen, etwas tun zu wollen, das unser Leben bereichert. Wir manifestieren so unsere eigenen Gedanken in unserem Leben.

GEIST

Neues Denken

Wir malen uns ein Wunschbild im Kopf, wir beschreiben einen besseren Zustand, auf den wir uns freuen können.

HERZ

Neue Haltung

Wir verinnerlichen uns diesen neuen Zustand und gehen damit in Resonanz. Wir entwickeln die Vorfreude in unseren Herzen.

BEWEGUNG

Neues Tun

Wir enthemmen uns zur Tat und tun unseren Teil zum Gelingen. Mutig gehen wir die ersten Schritte und machen Erfahrungen.

FORM

Neue Erkenntnis

Wir prüfen, ob wir auf einem guten Weg sind und entscheiden uns zur guten Wiederholung und zum besseren Durchlauf im Zyklus.

Angst überwinden und Mut ins Leben lassen

Angst und Mut sind ein Gegensatzpaar, eine Polarität, wenn Sie so wollen. Wir leben auf einem Planeten, der uns nährt, der uns Schutz bietet und alle denkbaren Ressourcen für unsere Entwicklung bietet. Dieser Sicherheit steht ein kleines Restrisiko gegenüber, durch Naturgewalten zu Schaden zu kommen. Den Rest der Gefahren machen wir Menschen uns selbst und in unseren Breitengraden oft nur im Kopf. Aufgrund diffuser Ängste sammeln wir Reichtümer an, horten sie in kleinen Gemeinschaften und schließen den Rest der Welt aus. Im größeren Spiel, in den gesellschaftlichen Systemen, ist Angst eine treibende Kraft, aber auch in unserer Lebenswelt18. Dazu zähle ich am ehesten den Laptop und den Internetzugang. Jedenfalls herrscht in unseren Lebenswelten so viel Angst vor, dass man mit Recht die Frage stellen kann: Wo kommt all diese Angst her?

Wir haben bereits in der Grundschule Angst vor den Prüfungen. Wir haben Angst vor anderen Menschen, vor Autoritäten, vor Gemeinschaften, vor Einsamkeit, Angst vor dem Regen, Angst unseren Job zu verlieren, Angst aus dem Haus zu gehen, Angst mit dem Lift zu fahren, Angst vor Menschen zu sprechen, Angst einen Konflikt auszutragen, Angst vor einem Gespräch mit dem Chef, Angst vor einer Beziehung, Angst vor Trennung, Angst vor tiefem Wasser, Angst in der Dunkelheit, Angst vor Kometeneinschlägen, Angst vor anderen Naturkatastrophen oder einfach nur Angst, einmal Nein zu sagen. Besonders plagt uns Menschen die Angst, krank zu werden, die Angst vor Terroranschlägen und die Angst vor dem Tod. Die mächtigste und hinderlichste Angst für die persönliche Entwicklung scheint mir die Angst vor dem Versagen zu sein. Anerkennung zu verlieren und beschämt zu werden, das drückt so viele Menschen nieder und macht sie zu verunsicherten Gewohnheitsbündeln, die nur das Notwendige tun und dabei vergessen, wie besonders sie sind. Ängste über Ängste, die je nach subjektiver Wahrnehmung größer oder kleiner sind. Es sind die Ängste, die uns meist daran hindern etwas zu verändern und unser Leben mit voller Selbstverantwortung in die Hand zu nehmen. Klar steckt in jedem neuen Versuch ein Risiko, aber ein risikofreies Leben ist prinzipiell nicht möglich. Ein Risiko besteht immer und es ist vollkommen egal, wie eng ich meine Lebenswelt gestalte, wie wenig ich mir und anderen erlaube und worauf ich verzichte. Das Unerwartete – der schwarze Schwan19 – kann hinter jeder Tür sitzen und uns anlachen.

Nun haben Ängste für unser Überleben natürlich eine wichtige Funktion, weil sie uns warnen und davon abhalten, etwas wirklich Gefährliches zu tun. Wenn wir ernsthaft bedroht werden, schaltet die Angst unseren Denkapparat aus und lässt Energie frei werden, um schnell davonzulaufen. Auch das kann einmal nützlich sein. Sehr selten aber gibt es in unserer Welt gute Gründe, aus so vollkommenen Wesen kleine Angstbündel zu machen, die sich nicht dem Leben und seiner Fülle hingeben und ihre Talente lieber vergraben als vermehren. Der Psychoanalytiker Fritz Riemann20 nennt unter anderen die Angst vor der Selbstwerdung und die Angst vor Veränderung als Grundängste der Menschen. Es mag viele Gründe geben, warum Menschen große Ängste entwickeln. Viele davon sind auch psychoanalytisch erforscht worden. Ich möchte hier nicht die krankhaften Angstzustände von Menschen ansprechen, sondern nur die quasinormalen und kulturell geprägten Ängste der Menschen, die sie davon abhalten, sich ihrem eigenen Wesen zu nähern und eine ganzheitliche Entwicklung zu beginnen. Angst soll nicht länger als Grund zum Sich-gehen-Lassen und zum Verbleib in der engen Normalität eines beschränkten Lebens dienen. Es zahlt sich einfach aus, die eigenen Ängste zu überwinden. Das Problem dabei ist, dass wir in einer Kultur leben, die diese Ängste im Tausch gegen eine Pseudosicherheit fördert, und dass wir mit unseren eingeprägten Glaubenssätzen und Erfahrungen eine Geisteshaltung geschaffen haben, die beschränkend und hemmend wirkt und die unsere Lebensfreude beschneidet.

Zum Hineinspüren: Huberts Angst vor Menschen zu sprechen

„Hubert ist nun seit zwei Jahren Führungskraft. Eigentlich war er in seinem Job glücklich. Die unerwartete Bestellung zur Führungskraft in seiner Gruppe hat ihm Anerkennung eingebracht und ihn stolz gemacht. Heute aber ist er von Ängsten geplagt. Immer wieder muss er in seiner neuen Rolle vor Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleitern sprechen und kurze Vorträge halten. Nicht dass er dort unfair behandelt würde oder es einen anderen Grund für seine Ängste gäbe, nein, er fühlt sich schlagartig wie ein kleines Kind, er bekommt Herzrhythmusstörungen. Seine unglaubliche Nervosität macht ihn zunehmend fertig. Statt mit der Zeit zu verschwinden, wird die Angst immer stärker. Er fürchtet nichts mehr, als von Kolleginnen und Kollegen beschämt und zum Gespött der Meute zu werden. Diese unerträgliche Situation hat ihn insgesamt verunsichert. Er geht mit einem unangenehmen Gefühl in jedes Gespräch mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, fühlt sich oft klein und überlegt, aus dieser Situation auszubrechen. An eine Verbesserung der Situation kann er nicht so recht glauben. Einige Monate später legt Hubert seine Führungsfunktion ab und gibt dafür private Gründe an. Schade, denn viele in seinem Team haben eine gute Führungskraft in ihm gesehen. Und auch für ihn ist damit ein kleiner Traum gestorben.“

Angst hat einen Gegenpol, den Mut. Dieses ungleiche Paar, Angst und Mut, könnte auf wunderbare Weise für uns zusammenspielen und unseren Weg der Entwicklung sinnvoll begleiten. Jemand, der sein Leben nur auf Mut aufbaut und kaum Ängste in sich spürt, wird sich keines langen Lebens erfreuen. Was passiert eigentlich bei diesen Übertreibungen? Es gibt eine einfache und wirkungsvolle Weise, dieses Zusammenspiel darzustellen. Ausgangspunkt ist der Widerspruch Angst ⇔ Mut. Beide Begriffe sind für uns Menschen gleichermaßen wichtig, fürs Überleben und für unsere Entwicklung. In der jeweiligen Übertreibung aber sind sie entweder Hemmschuh oder Gefahrenquelle. Die negative Überhöhung – wenn wir zu viel von einer Seite haben – können wir den „Schatten“ nennen.

Der Schatten der Angst ist die hemmende Feigheit, ein Zustand, der zur Erstarrung führt. Der Schatten des Mutes ist die dumme Waghalsigkeit, ein Zustand, der zur eigenen Vernichtung führt. Wir können den Widerspruch nun in einem Quadrat darstellen.21

Pol

Gegenpol

Konstruktive Ebene

Angst

Mut

Destruktive Ebene: „Schatten“

Feigheit

Waghalsigkeit

Abbildung 3: Das Wertequadrat „Angst – Mut“

Wenn ich ein ängstlicher Mensch bin und besondere Angst vor meiner Veränderung und Ganzwerdung habe, dann spielt sich in meinem Kopf unbewusst ein „Fall in den eigenen Schatten“ ab. Ich stehe also vor einer Situation, die nur etwas Mut erfordern würde. Eine erste intuitive und leise innere Stimme regt mich an, jetzt den notwendigen Schritt zu tun. Schnell aber meldet sich eine weitere innere Stimme zu Wort, nennen wir sie den Angsthasen, und der brüllt aus vollem Rohr: „Das ist eine dumme Waghalsigkeit, tu das auf keinen Fall, es wird dir nur schaden! Riskiere es ja nicht!“ Und der notwendige Schritt wird wieder nicht unternommen. Eine Situation, die auf der konstruktiven Ebene beginnt und zu einem schönen Dialog zwischen meiner Angst und meinem Mut führen könnte, fällt in das Reich der Schatten ab. Hier geht es nur noch um schwarz oder weiß, um dumme Waghalsigkeit oder hemmende Feigheit. In diesem Spiel wird mir meist nicht bewusst, dass ich Mut immer negativ überhöhe und mit dummer Waghalsigkeit gleichsetze, daher also nie den ersten Schritt setzen kann.

Wenn wir dieses innere Spiel aber einmal durchschaut haben und die verschiedenen inneren Stimmen besser hören und verstehen können, steigt die Chance, auch einmal die andere Seite anzuhören und nicht einer Stimme immer das letzte Wort zu überlassen. Wenn ich das nämlich unbewusst mache, dann hat nicht mein höheres Selbst die Steuerung meines Lebens in der Hand, sondern eine meiner inneren Stimmen, in diesem Fall der Angsthase.

Wir können von Mut sprechen, wenn wir trotz unserer Ängste aktiv bleiben und unser Leben leben. Es geht nicht um den Mut der Helden. Der Alltag ist Herausforderung genug. Ich sehe viele mutige Menschen, die schwierige Alltagssituationen meistern und viel Mut beweisen.

Zum Ausprobieren: Umpolung der Angst in Mut

Phil Stutz und Barry Michels haben mit ihrem Buch „The Tools“22 einen wunderbaren Wegweiser zu mehr Selbstvertrauen geschrieben. Sie stellen einige Tools vor, die wir in unser Leben integrieren können und die uns bei der Weiterentwicklung unterstützen. Eines der Tools nennen sie die „Umpolung des Verlangens“23. Das ist eine kurze mentale Übung, die wir sehr einfach wiederholt anwenden und erlernen können. Wie ihr Name verrät, geht es um die Umpolung eines Verlangens. Wenn ich etwas im Leben vermeide, weil ich Angst vor möglichen Schmerzen habe, dann kommt dieses Tool zum Zug. Ich stelle mich gedanklich meinem Schmerz, ich rufe ihn bewusst herbei, gehe in ihn hinein, erkenne ihn als Freund und gehe beherzt meinen Weg weiter. Das klingt zu einfach? Ich zeige Ihnen hier eine einfache Übung, die sich an der Umpolung des Verlangens orientiert und ebenso wirksam ist. In unserem Fall geht es um die Umpolung der Angst, die uns hemmt, in den gesunden Mut, der uns lebendig und empfindsamer für das Leben macht, hineinzugehen.

Widmen Sie Ihrer Angst eine kurze Filmszene24, in der Sie selbst spielen und die Welt aus Ihren eigenen Augen sehen. Hier ein Beispiel: Setzten Sie sich hin und schließen Sie Ihre Augen. Stellen Sie sich vor, Sie gehen allein in einen dunklen Wald. Spüren Sie, wie die Angst in Ihnen aufsteigt. Bleiben Sie stehen und lauschen Sie den unheimlichen Geräuschen. Sie hören etwas näher kommen, ein Tier, vielleicht ist es ein Wolf. Der Wolf symbolisiert nun Ihre größte Angst. Er kommt nun direkt auf Sie zu und bleibt nur wenige Meter vor Ihnen stehen. Sie blicken ihn an und wenden sich ihm voll zu. Jetzt atmen Sie ein und schreien den Wolf im Stillen an. Meine Angst, komm zu mir! Spüren Sie nun, wie Sie sich zum Wolf hingezogen fühlen. Laufen Sie mit einem Schrei auf Ihn zu. Schreien Sie dabei wieder im Stillen: Ich brauche meine Angst! Laufen Sie in den Wolf hinein, der sich in eine dunkle Wolke auflöst, die Sie vollständig einhüllt. Werden Sie nun eins mit Ihrer Angst, die Sie umgibt. Sagen Sie nun voller Kraft und innerer Überzeugung: Meine Angst macht mich frei! Dann spuckt Sie die dunkle Wolke wieder aus, wirft Sie auf den Waldboden und verzieht sich leise. Stehen Sie auf, nehmen Sie die hellen Lichtstrahlen der aufgehenden Sonne wahr und folgen Sie dem Licht, das Ihnen nun den Weg weist. Sagen Sie zum Abschluss leise: Neuer Mut erfüllt mein Herz.So ist es, so ist es, so ist es. Danke, danke, danke!

Wie viele Dinge im Leben erschließt sich eine solche Übung erst nach einigen Wiederholungen. Nehmen Sie sich diese wenigen Minuten immer dann, wenn Sie Ängste in sich aufsteigen fühlen. Sie können die Übung nach einiger Zeit sehr schnell anwenden und auch im Gehen durchführen. Sie ist zum Beispiel sinnvoll, wenn Sie Angst vor einem Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten haben und der Termin schon in wenigen Minuten ist. Machen Sie die Übung zum ersten Mal, wenn Sie noch an Ihrem Schreibtisch sitzen. Wiederholen Sie sie, wenn Sie hingehen, kurz bevor Sie die Tür öffnen. Hinter der Tür wird Sie dann kein Wolf mehr verängstigen können. Im Gegenteil: Sie spüren nun, dass Sie aus dem Gespräch innerlich gestärkt hervorgehen werden. Folgen Sie Ihrem Licht, es wird Sie durch das Gespräch führen.

Zum Aussuchen: Kleine Häppchen zur weiteren Vertiefung

Tsültrim Allione25 und ihre buddhistische Technik „den Dämonen Nahrung geben“ gefällt mir wirklich gut. Die Idee ist einfach und genial. Sie geht auf die Meisterin Macig Labdrön und die Cö-Praxis zurück, die Teil des tibetischen Buddhismus ist. Allione hat das Ritual an die westliche Kultur angepasst. Statt mein Gegenüber als Feind zu sehen und es zu bekämpfen, gebe ich mich meinem Gegner hin. Mit der Hingabe wird aus dem Feind ein Verbündeter. In unserem Fall ist unser Dämon die Angst, die uns hindert, frei unser Leben zu leben.

Unser Dämon ist also unsere Angst. Im ersten Schritt schenken wir unserer Angst ein Wesen in Form eines Dämons und machen uns von diesem Wesen ein geistiges Bild. Wie sieht es aus? Sobald wir das Wesen vor Augen haben, können wir mit ihm reden. Dazu schlägt Allione drei Fragen vor: Was willst du von mir? Was brauchst du von mir? Wie fühlst du dich, wenn du von mir bekommst, was du brauchst? Wenn wir das nun von dem Dämon, der unsere Angst verkörpert, erfahren haben, können wir ihm Nahrung geben. Wir geben ihm eine Schale, gefüllt mit dem, was er von uns braucht, und sehen dabei zu, wie er den Inhalt der Schale verschlingt und vollkommen satt wird. Tsültrim Allione beschreibt diese Übung detaillierter. Wenn Sie sich darin vertiefen möchten, empfehle ich Ihnen sehr ihr Buch.

Colette Baron-Reid26 schreibt sehr erkenntnisreich über den Umgang mit Kobolden, eine andere Bezeichnung für unsere Dämonen. Die von ihr entwickelte Landkarte der Seele ist als Buch lesenswert und als Kartenset vergnüglich. Sie bietet uns eine alte Weisheit als Lösung für unsere Probleme an. Aus dem Märchen „Rumpelstilzchen“ der Gebrüder Grimm kennen wir den Ausspruch: „Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ Hinter diesem Ausspruch versteckt sich eine Weisheit. Ein Dämon verliert seine Macht über uns, wenn wir ihn beim Namen nennen. Wir kennen das auch bei jeder Problemstellung. Sobald wir das Problem erkannt und benannt haben, finden wir dafür eine Lösung. Der Name macht aus dem unbekannten Problem, dem Ungewissen, etwas Konkretes und Reales, etwas, womit wir besser umgehen können.

Unser Innerstes ist eine Geisterbahn, in der so mancher Dämon oder Kobold sein Unwesen treibt. Sie wollen uns nichts Böses. Im Gegenteil. Sie wurden zeitgleich mit einem traumatischen Erlebnis geboren, sie sind sozusagen aus einer unserer Wunden entschlüpft. Jede tiefe Wunde bringt einen Kobold zur Welt. Später identifizieren sie uns mit dieser Verletzung und wollen uns dieses Bild ständig vor Augen halten. Wir sind die Verletzung, das ist ihre Botschaft. Stellen Sie sich Ihre Angst als Kobold vor und geben Sie ihm einen Namen! Das ist einfach, aber es wirkt, und wird Ihnen helfen, Ängste zu überwinden.

Take One-Essenz: Willenskraft entwickeln „Angst überwinden und Mut ins Leben lassen“

Willenskraft für die eigene Ganzwerdung aufzubringen, verlangt zu Beginn mutige Schritte von uns. „Du musst Dein Leben ändern!“ ist eine Aufforderung, die Zone unseres komfortablen Lebens zu verlassen und so manche Verwöhnungsmaschinerie zu durchschauen und ihr den Rücken zu kehren. Wenn wir mit einem ersten Schritt Neuland betreten und wieder einmal den Stiefel in den nassen Sand einer unbekannten Insel drücken, meldet sich in uns die Angst.

Die Essenz lautet:

Wenn es dem Menschen gelingt, seine übermäßigen Ängste in Mut umzupolen, wird er zu einem neugierigen Erkunder seines eigenen Lebens. Das erzeugt Lebendigkeit. Es ist ein Grundprinzip des Lebens, mutig Beziehungen einzugehen, einander zu berühren, zu verstehen und einander achtsames Interesse entgegenzubringen. Beziehungen, die wir mit dem Mut des Herzens eingehen, lassen universelle Liebe in uns reifen. Es wird ein gutes Leben!

Für Ihre persönliche Toolbox:

Das Prinzip von Anfang und Ende: Wer ein freudiges Ende erwartet, der muss einen mutigen Anfang machen. Es sind keine großen Sprünge notwendig, sondern meist nur kleine Schritte. Aber der erste Schritt, und sei er noch so klein, erfordert Mut.

Der Angst einen Namen geben: Beschäftigen Sie sich mit Ihrer Angst! Lassen Sie Ihre Angst persönlich werden, erkennen Sie die Angst als ein Wesen und benennen Sie es. Sobald Ihre Angst einen Namen trägt, verliert sie schon einen Teil ihrer Macht über Sie.

Die Umpolung der Angst in Mut: ∞

Meine Angst, komm zu mir!

Ich brauche meine Angst!

Meine Angst macht mich frei!

Neuer Mut erfüllt mein Herz.

So ist es, so ist es, so ist es. Danke, danke, danke!

Auf die Stimme meines höheren Selbst hören lernen

Was ist unser höheres Selbst? Das höhere Selbst ist unser feinstofflicher Wesensteil, jener Teil von uns, der mit allem verbunden ist und somit zu einer großen Einheit, dem Ganzen, gehört. Das höhere Selbst ist der spirituellen Welt zugehörig und will von uns erst erschlossen werden. Einige würden es vielleicht auch Seele nennen. Und dieses höhere Selbst hat eine Stimme, die zu uns spricht. Seine Stimme aber ist leise, sie ist eher ein Flüstern. Wir nennen diese Stimme Intuition und wir können sie nur in der Stille hören.

Wir haben über den Angsthasen, einen unserer Dämonen, schon Bekanntschaft mit anderen inneren Stimmen geschlossen. Die lauten inneren Stimmen sind kleine Plaudertaschen, die immer den Mund offen haben und uns innerlich vollplappern. Diese Stimmen haben mit den Stimmen unseres höheren Selbst, unserer Intuition, nichts zu tun. Sie sind unsere Einflüsterer, unser ganz privater Beraterinnen-Stab. Sie beeinflussen unser Leben erheblich. Einige davon wirken positiv, andere negativ, wie das mit Beraterinnen eben so ist, alle aber meinen es im Grunde gut mit uns. Laute innere Stimmen gibt es sehr viele. Hier geht es nicht hauptsächlich um innere Stimmen, dazu findet man anderswo Kurse27, weil es aber so viele von ihnen in unseren Köpfen gibt, ist es wichtig, sie alle zu hören, sie alle zu Wort kommen zu lassen, aber sehr genau zu wissen und zu unterschieden, wer hier jeweils spricht. Ich möchte eine innere Stimme herausgreifen, die fast jeder Mensch als dauernden mentalen Lärm rauschen hört. Es ist ein Rauschen, das alles andere übertönt. Es ist die Stimme unseres Egos.

Unser Ego verfolgt dabei nur diesen Zweck: Es will sich selbst schützen, es will weiter wachsen, sich aufblähen und unser Leben bestimmen. Dabei ist es natürlich nicht unser Feind. Es kann nur ein Dämon sein, der uns unwissend auf eine falsche Fährte hetzt. Wie alles auf unserer Welt hat auch unser Ego zwei Seiten, eine helle und eine dunkle, es ist in sich gespalten und wirkt in uns als Polarität28. Es zählt daher zu unseren wichtigsten Aufgaben, das Ego als bipolar (zweipolig: gut und schlecht) zu erkennen und es auch so zu entwickeln.

Die positive Seite unseres Egos will uns erfolgreich machen, sie treibt uns zu besonderen Leistungen an, sie drängt uns dazu, unseren Körper zu trainieren, als besonders intelligent zu wirken, einfach etwas Außergewöhnliches in der Gesellschaft zu sein. Die negative Seite unseres Egos