Susi vom Mars - Frank Hertel - ebook

Susi vom Mars ebook

Frank Hertel

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Opis

Er will sich nur eine Zigarette anzünden. Da springt ihm aus der Schachtel eine wunderschöne Nackte entgegen. Aber nicht nur schön ist sie, die Susi vom Mars. Die Außerirdische kann auch allerlei Zaubertricks, die sie dem Ich-Erzähler, einem am Existenzminimum herumkrebsenden Werbetexter aus einem bayerischen Kaff, nur allzu gerne zur Verfügung stellt. Endlich beginnt das glamouröse Leben abseits von Ü30-Party in Burghausen und Augustiner Edelstoff aus der Flasche: Monströser Sex und Kohle ohne Ende halten Einzug in die coole Neuöttinger Kümmerexistenz. Zwischen Schumann's Bar und Pferderennbahn kann man sich so richtig austoben. Nur das Rauchen geht nicht mehr, weil jetzt ja Susi vom Mars in der Schachtel wohnt. Oder wird auch das irgendwann langweilig, dass man alles haben kann, was das Herz begehrt? Neuerdings sogar blaue Wunderpillen aus marsianischer Produktion, die den Dauerkater in Windeseile besiegen. Mei, dann fliegen wir doch nach China! Susi zurück in die Kippenschachtel gerufen, Freund Peter eingepackt - und los geht's! Mit viel Tempo in der Sprache, mit immer neuen spritzigen Ideen hält der Autor seine Leser stets bei bester Laune. Der Autor liefert Unterhaltung im Dauer-Pressing, die so irrsinnig ist, dass man süchtig danach werden könnte. Mit Susi vom Mars hat Frank Hertel DEN Roman für alle Männer geschrieben, die auf Frauen und Bier stehen, die Fußball schauen und davon träumen, endlich reich zu sein. Die einer normalen Arbeit nachgehen und nicht alles zwölfmal hinterfragen. Die nicht schon alles kennen und alles wissen und sowieso immer auf der richtigen Seite stehen. Dieses Buch ist für die Typen vom Bau und die aus der Fabrik, für die Handwerker und Arbeitslosen, für all diejenigen, die sich eine Susi wirklich verdient haben, weil sie das Leben von früh bis spät in den Arsch tritt. Aber auch die ganz normalen Frauen, die es mit ganz normalen Männern aushalten müssen, lesen das Buch mit Gewinn. Hier finden sie das Kind im Mann, seinen Größenwahn, die Träume, Wünsche und Sehnsüchte, die ihn ausmachen. Und am Ende klingeln die Hochzeitsglocken und die kleinen Kinderlein schreien im neuen Neuöttinger Riesenpalast. Was könnte es Schöneres geben?

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EPUB
MOBI

Liczba stron: 265




Frank Hertel

Susi vom Mars

Roman

Dieses Buch widme ich meiner Frau Katrin und meinen Kindern Leonie und Paul.

Besonderer Dank geht an Martin Brinkmann, ohne dessen regen Zuspruch dieses Buch niemals entstanden wäre.

KAPITEL 1

Susi tritt in mein Leben

Ich will euch eine Geschichte erzählen, die ich selbst erlebt habe. Ich war damals 40 Jahre alt und lebte in einem kleinen bayerischen Kaff in der Nähe von München. Es war mitten im Sommer, ein elend heißer Tag, als ich eine Außerirdische kennenlernte. Es war Samstagabend. Ich war mit meinem Freund Peter auf der Ü-30-Party in Burghausen. Die Musik war genauso altbacken wie immer, ich hatte wie immer drei Augustiner Edelstoff getrunken und war dann auf der Tanzfläche am Rumzappeln. Peter hatte wie immer die kleine Sophie im Arm, mit der er rumknutschte, als sei er nicht 42, sondern 24. Wie jeden Samstag wurde es der kleinen Sophie bald zu viel und sie bekam ihren Moralischen. Also bat mich Peter zur Moraldiskussion mit ihm und der kleinen Sophie nach oben auf die Hollywoodschaukel. Sophie wollte gerade anfangen, ihren Mann und ihre drei Kinder zu beweinen, wegen ihrer Eskapaden, weil sie doch mit Peter jeden Samstag rumknutschte. Da zündete ich mir wie jeden Samstag zu diesem Zeitpunkt eine Zigarette an, doch diesmal tat es einen Knall, und aus der Zigarette in meiner rechten Hand kam ein Stöhnen, das so laut und komisch war, dass ich die Kippe fallen ließ.

Die Zigarette bewegte sich auf dem Boden vor der Hollywoodschaukel ganz von alleine. Sie rollte hin und her, dann verlängerte und krümmte sie sich, und irgendwann kam aus der Zigarette, die ich mir doch anzünden wollte, eine nackte Frau raus, etwa 1,80 groß, extrem rothaarig und gut gebaut. Die Frau stand vor uns, und Peter und ich und die kleine Sophie waren ziemlich verblüfft. Die kleine Sophie sagte Hallo zu der Frau. Ich wollte mir noch eine anzünden, aber Peter schlug mir auf die Hand und sagte: »Spinnst du?«

Die Frau fragte uns, ob wir was zum Anziehen für sie hätten.

Ich sagte: »Wieso, ist doch total warm.« Aber okay, ich bot an, sie zu mir nach Hause zu fahren, und ich war echt überrascht, als sie einwilligte. Also verabschiedete ich mich von Peter und der kleinen Sophie und ging mit der nackten Frau zu meinem Opel. Dann fuhren wir zu mir. Ich war froh, dass uns die Polizei nicht anhielt, wegen der drei Bier, die ich getrunken hatte.

Ich wohnte damals in Neuötting in einer kleinen Wohnung im siebten Stock eines Hochhauses. Wir standen im Fahrstuhl, die Frau und ich, und fuhren hoch. Da sagte sie: »Wow, Fahrstuhl.« Das war das Einzige, was sie gesagt hat bis zu meiner Wohnungstür. Die ganze Autofahrt über hatte sie geschwiegen. Ich hatte ihr zwar ein paar Fragen gestellt, wo sie herkam, wie sie hieß und so, was man eben fragt, wenn man sich gerade kennenlernt, aber sie hatte nie geantwortet, mich immer nur so komisch angeschaut. Die Augen fingen bei ihr so zu leuchten an, dass ich das Fragen dann lieber sein ließ. Ich hatte Angst, aus ihren Augen kommt Feuer und der Opel fängt an zu brennen. Aber im Fahrstuhl sagte sie: »Wow, Fahrstuhl«, und ich sagte: »Geil, oder?«

Jedenfalls, in der Wohnung war sie dann ganz anders. Kaum war die Tür zu, fragte sie: »Wo ist dein Pandalonsch?«

Ich sagte: »Was? Was für ein Pandalonsch?«

Sie wurde irgendwie nervös und fragte wieder, wo das Scheißpandalonsch ist, und die Augen leuchteten wie irre, und da zeigte ich ihr das Klo, da war sie Gott sei Dank zufrieden. Sie ging rein, und wow, so viel hatte mein Pandalonsch noch nie aufnehmen müssen, das zischte und platschte und stank wirklich furchterregend. Die Frau musste sich ernsthaft entleeren. Na ja, jedenfalls war sie irgendwann fertig, und dann kam sie wieder raus und hüpfte so in der Wohnung rum. Sie hüpfte wirklich.

Ich sagte mal lieber: »Cool«, und hüpfte ein bisschen mit, obwohl ich ja Rücken hatte, aber das war wohl besser, weil sie dann lachte, und na ja, es hat ihr und mir gefallen, und ich war ja damals auch Single und hatte schon Lust, die gute Frau mal ein bisschen näher kennenzulernen, also hüpften wir gemeinsam Richtung Schlafzimmer, und als die Frau das Bett sah, legte sie sich rein.

Aber wie! Ich zog mir die Hose, die Unterhose und das Hemd aus und wollte mich eben dazulegen, da fing die Frau an zu lachen und zeigte auf meinen Schwanz.

»Kranda«, sagte sie dauernd, »Kranda, Kranda«, und lachte und lachte und mir wurde es schon peinlich. Ich wollte mich wieder anziehen. Da schüttelte sie schnell den Kopf und zeigte wieder auf meinen Kranda und kam langsam näher. Ich war froh, dass ich schon drei Bier getrunken hatte, sonst wäre es mir wohl etwas mulmig mit der guten Frau geworden, wie sie sich da mit ihren Blitzaugen meinem Penis näherte. Jedenfalls tippte sie ihn kurz mit ihrem rechten Zeigefinger an, und was soll ich sagen, plötzlich hatte ich da unten ein Ding baumeln, auf das Pornostarmänner neidisch hätten werden können. Ich war so verblüfft, dass ich dachte, ich träume. Aber es war kein Traum; während der nächsten zwei Stunden hatte ich wirklich den spacigsten, geilsten, längsten und besten Sex meines Lebens mit dieser Wahnsinnsfrau, bevor ich völlig erschöpft gegen drei Uhr morgens einschlief.

Ich dachte nicht, dass die Außerirdische am nächsten Morgen noch da sein würde. Was heißt Morgen? Ich wachte gegen elf Uhr auf, schlurfte in die Küche und wollte mein kleines Leben weiterführen. Mist, keine Kippen, dachte ich, doch dann fiel mir ein, dass ich noch welche im Hemd hatte. Aber wo war das Hemd? Ich suchte noch mal im Schlafzimmer, im Klo, in der Küche. Kein Hemd da. Aber draußen auf dem Balkon flatterte was. Das war mein Hemd! Es flatterte in der Luft vor meinem Balkon, ohne irgendwo befestigt zu sein. Da wusste ich, die Irre muss noch da sein.

Und tatsächlich. Als ich das Hemd aus der Luft catchte und die Zigarettenschachtel aus der Brusttasche nehmen wollte, stöhnte es wieder und aus der Schachtel wuchs die Frau. Sie hatte da drin geschlafen, ganz klein hatte sie sich gemacht. Irgendwie konnte sie wohl alles groß und klein werden lassen. Sie kam raus aus der Schachtel und sagte: »Guten Morgen, Schatz, hast du gut geschlafen?«

»Jawohl. Kann ich jetzt gar nicht mehr rauchen, oder wie?«, erwiderte ich.

Da sagte sie: »Ich bitte darum.«

»Schade«, sagte ich, »Willst du Kaffee?«

»Ja gerne, Hermann«, antwortete sie.

»Ich heiße Franz, nicht Hermann.«

»Ja gerne, Hermann«, sagte sie noch mal.

»Wie heißt du eigentlich?« Ich fragte sie das schon zum dritten Mal.

Diesmal antwortete sie: »Susi, mein Schatz.«

»Susi, mein Schatz?«

»Schöner Name«, sagte sie.

Irgendwie merkte ich, dass man mit der Frau, mit Susi, nicht so viel reden konnte, aber das passte mir ganz gut, am Morgen rede ich sowieso nur selten. Ich machte ihr Kaffee, stellte ihr die Tasse hin, tat einfach mal Milch rein, und Susi trank Kaffee mit Milch und sah eigentlich ganz normal aus. Aber sie war immer noch nackt.

Also gab ich ihr nach dem Frühstück ein Hemd von mir. Das zog sie sich drüber. Sie sah wirklich gut aus mit ihren langen roten Haaren, nur für die Beine und die Füße hatte ich nichts im Haus. Ich hatte nur zwei Jeans, die ich selber brauchte.

»Was machen wir da, Susi?«, fragte ich sie.

»Susi, mein Schatz«, sagte sie und deutete auf den alten Teppich von meiner Mutter, der vor meinem Bett lag und längst auf dem Müll gelandet wäre, wenn ich nicht so faul wäre.

»Was willst du mit dem Teppich?«, fragte ich.

Sie nahm ihn in ihre Zauberhände und machte einen Rock daraus. Den zog sie sich an. Sah irgendwie komisch aus, andererseits passte der Teppichrock gut zu Susi.

»Und jetzt noch Schuhe?«

»Pandalonsch?«, fragte sie.

»Nein, nicht Pandalonsch. Schuhe brauchen wir für dich.«

Und schon hatte sie Schuhe an. High Heels, ziemlich scharfe Teile, wo die herkamen, wusste ich nicht. Ich wunderte mich bei Susi über nichts mehr. So sah sie jetzt aus: ein Holzfällerhemd in Blau-Grün, ein lila-grauer Teppichrock und scharfe schwarze High Heels mit Riesenabsätzen.

»Okay, gehen wir!«

»Wohin?«, fragte die komische Frau.

Ich sagte: »Zum Pferderennen, heute ist Sonntag.«

Ich fuhr jeden Sonntag nach Daglfing bei München zum Pferderennen. Das war so eine Art Hobby von mir. Ich mochte Pferde, und vor allem fand ich es geil, Geld auf die Viecher zu setzen und ab und zu etwas zu gewinnen. Susi sprach auf der ganzen Fahrt im Auto wieder kein Wort. Ich glaubte, sie hatte ein bisschen Angst vorm Autofahren. Sie machte so einen ängstlichen Eindruck. Ab und zu schaute ich zu ihr rüber. Einmal tätschelte ich ihr linkes Knie, da fing sie gleich an zu stöhnen und sich zu rekeln, also ließ ich es lieber. Mir steckte noch die letzte Nacht in den Knochen.

Wir kamen an und gingen zum Schalter. »Und, Susi, welches Pferd gewinnt?«, fragte ich sie.

»Klabautermann«, antwortete sie.

»Klabautermann ist ein Ackergaul.« Dann schaute ich mir Susi an und dachte an ihre Fähigkeiten. »Wirklich, Klabautermann?«, fragte ich noch einmal.

Sie sagte: »Aber gerne, Hermann«, und das überzeugte mich. Ich hatte 300 Euro in der Tasche.

»Okay«, sagte ich, und zu dem Kerl hinterm Schalter: »300 Euro auf Sieg Klabautermann.«

Der lächelte und fragte mich, ob ich gestern Nacht zu viel gesoffen hätte.

»Ganz im Gegenteil«, gab ich zurück.

Jedenfalls war die Quote 54 zu 1. Das Rennen fand eine Stunde später statt. Vorher gingen wir noch an einen Bratwurststand und aßen. Susi mochte keine Semmeln, sie aß die Bratwurst pur. Die Semmel hielt sie für Verpackung und warf sie weg.

»Susi, das ist eine Semmel, die kann man essen.«

»Nein, mein Herr«, antwortete sie, und das fand ich gut. »Mein Herr« hatte schon lange niemand mehr zu mir gesagt, wenn es überhaupt schon mal vorgekommen war.

Die Leute schauten uns ein bisschen neugierig an, weil ich eben mit so einer tollen Frau aufkreuzte, die in ihrem Aufzug nicht ganz nach Daglfing passte, aber niemand sagte etwas, und die Münchner Oberschichttussis mit ihren komischen Hüten sahen auch nicht besser aus als Susi im Teppichrock. Dann begann das Rennen. Klabautermann gewann. Meine Herren, was habe ich mich gefreut. 300 mal 54 gleich 16.200 Euro. Ich ging zur Kasse und holte den Gewinn ab. Irgendwie konnte das alles doch gar nicht sein, wieder dachte ich, ich träume, aber dann musste ich dringend aufs Klo. In Träumen war das ja immer ganz anders. Nein, es war kein Traum, aber Susi war eine Traumfrau.

Ich bedankte mich bei ihr und sagte: »Jetzt gehen wir essen.«

»Aber gerne, mein Schatz«, antwortete die Frau, und ich küsste sie auf den Mund.

Da sagte sie: »Danke, Hermann«, und ich lachte.

Mit so viel Kohle in der Tasche sollte man feiern. Ich beschloss, den Opel in Daglfing zu lassen und ihn am nächsten Tag abzuholen. Heute wollte ich mir noch ordentlich die Kanüle volllaufen lassen. Also nahmen wir die S-Bahn und fuhren zum Hauptbahnhof. Susi war sehr beeindruckt.

Als wir dann am Hauptbahnhof in die U-Bahn zum Odeonsplatz umstiegen, sagte sie: »Maaahsch, Maaaahsch.«

»Susi, du musst noch sprechen lernen, das ist kein Maahsch oder was, sondern eine U-Bahn, quatsch bitte nicht immer so laut solchen Kram, wenn’s recht ist, ja?«

»Aber gerne, mein Schatz.«

Am Odeonsplatz stiegen wir aus und gingen in die Schumann-Bar. Es war schon drei Uhr am Nachmittag und Sonntag, das heißt, da saß schon die Münchner Hautevolee versammelt an ihren Tischen und auf den Barhockern und schaute uns mit großen Augen an. Ich war da ab und zu Gast. Jedes Mal sagte ich: »Ein Helles, bitte!« Und jedes Mal sagte der Dressman hinterm Tresen, dass es im Schumann’s kein Helles gibt, nur Pils.

Diesmal sagte ich: »Ach ja, na dann bring mal eine Flasche Moët & Chandon.« Das ist teurer Champagner.

Der Schönling sah mich kritisch an.

»Und zwei Gläser bitte«, sagte ich.

»Zwei Gläser«, wiederholte er perplex.

»Habt ihr heute Hummer oder so Krabbenzeug oder was?«

Er sagte, nein, eine Pizza könne er mir bringen.

»Nein danke, dann lieber noch eine Flasche Lagavulin.« Das ist teurer Whisky.

»Lagavulin?«, fragte er.

Ich sagte: »Junge, stell nicht so viele Fragen: Schampus, Whisky und vier Gläser, aber hopp, hopp, sonst frage ich deinen Chef, wo er dich gekauft hat!«

Da rollte der schöne Jüngling seine blauen Augen, fuhr sich durchs pechschwarze Haar, stöhnte und machte sich an die Arbeit.

Ein betrunkener Mann kam zu uns. Breit, mittellanges dunkles Haar, Dreitagebart.

»Hallo, kennen wir uns?«, lallte er Susi an und legte den Arm um sie.

Susi sagte zu dem Mann: »Machen S’ bitte Musik, dann können wir uns kennen machen.«

»›Kennen machen‹, das ist gut«, lachte der Mann. »Wo haben Sie die her?«, fragte er mich. »Ist das eine Russin, oder was?«

Ich musste überlegen. Was war sie denn? »Das ist Susi vom Mars«, sagte ich.

»Susi vom Mars, meine Güte, eine Außerirische«, sagte er.

»Irdische«, verbesserte ich.

»Machen S’ bitte Musik, dann können wir uns kennen machen«, erinnerte Susi.

»Ach ja. Piet«, sagte er laut in Richtung Barkeeper, der gleich aufschaute. »Mach Musik, ja? Aber laut! Für die Lady vom anderen Stern.«

Piet machte Musik. Dann brachte er uns die zwei Flaschen und die vier Gläser. »Noch viel vor heute, oder?«, fragte der Mann. Ich sagte: »Yep!«

Die Musik fing an. Wir tranken den Champagner. Den Mann lud ich ein. Der hatte gleich geschnallt, dass es bei uns was zu holen gab. Nach der Flasche waren wir beim Du. Er hieß Heinz und war Chef bei einer Internetfirma in München.

»Alles Penner«, sagte Heinz, »keine Ahnung, nur 1 und 0, 1 und 0«, sagte Heinz. Er war schon ziemlich weit voran mit dem Rausch.

»Heinz, trink Kaffee, aber ordentlich«, schlug ich vor.

Er bestellte sich einen zweifachen Doppio, dann ging es wieder. Susi trank den Sekt wie ein Profi. Ab und zu sagte sie sogar ein paar normale Sachen, vor allem hörte sie uns aber zu. Sie will die Sprache lernen, dachte ich.

Als wir mit dem Lagavulin begannen, kam Technomusik. Susi sprang auf und bewegte sich seltsam. Es sollte wohl Tanz sein. Sie riss die Augen auf. »Yek, Yek, Yek«, sang sie immer dazu, »Yek, Yek, Yek«, und sprang und hüpfte.

»Eine lustige Frau«, sagte Heinz, »nicht so langweilig wie die ollen Schabracken.«

Er machte mit, »Yek, Yek«, riss die Arme hoch, sein grünes Hemd hatte dicke Schweißflecken, es rutschte aus der Hose. Piet schaute woandershin. Die anderen Gäste wurden unruhig. Da kam Pepe, der Barchef, zu uns und fragte, ob alles klar sei.

Ich stand auf und fasste Susi an der Schulter. »Ruhig, Susi, setz dich wieder.«

»Aber gerne, Hermann, mein Schatz«, sagte sie und setzte sich.

Und auch Heinz setzte sich, Piet hatte die Musik gewechselt und leiser gemacht. Jetzt lief harmloser Schlagerkram, was wohl besser war.

Heinz war begeistert. »Gut erzogen, die Kleine, wirklich gut erzogen.«

Auch Pepe war beeindruckt.

Den Whisky tranken wir schließlich zu fünft leer. Piet und Pepe bekamen auch ein, zwei Schlucke. Ich zahlte bar. Wir verabschiedeten uns und traten gut gelaunt ins Freie.

Heinz kam aus der Tür gestürzt. »Nehmt mich mit, Mann, ihr seid klasse«, sagte er.

Zu dritt gingen wir zum Taxistand. Ich schaute mir Susi von hinten an. Man sah gar nicht mehr, dass sie den Rock aus einem Teppich gemacht hatte. Lag das am Alkohol? Der Rock sah gut aus, das Hemd, das doch von mir war, hatte sich zu einer richtig scharfen Bluse oder was verwandelt. Die Schuhe waren nach wie vor 1A.

»Jetzt gehen wir ordentlich essen!«, rief ich den beiden zu, die vor mir Arm in Arm gingen. »Heinz, wo isst man hier in München?«

»Ich habe keinen Hunger, ich will lieber saufen«, sagte er.

»Willst du essen, Susi, hast du Hunger?«, fragte ich meine charmante Begleiterin.

»Nein, Hermann, lass uns lieber saufen«, sagte Susi, und ich willigte ein.

»Essen ist was für alte Leute«, sagte ich.

Wir ließen uns vom Taxi ins Hofbräuhaus fahren. Dort stiegen wir aus, ich gab dem Taxler einen Hunderter, er bedankte sich und fuhr, dann hielt er an, und ich sah, wie er den Hunderter anstarrte. Die Fahrt hatte viel weniger gekostet.

»Giggerl, Giggerl«, sagte Susi und aß dann doch zwei halbe Hähnchen, ich aß eins. Heinz blieb wirklich nur beim Trinken, er war auch ziemlich dick und brauchte nicht mehr so viel zu essen.

An unserem Tisch saßen junge Leute aus Spanien. Es war lustig, aber bald war ich ziemlich betrunken, und obwohl es erst neun Uhr abends war, hatte ich schon genug.

»Susi, ich bin voll«, sagte ich zu meiner neuen Freundin, die nach all dem Alkohol immer noch einen klaren Eindruck machte. »Komm mit, mein Schatz«, sagte sie.

Wir standen auf. Vor der Tür gab sie mir eine kleine blaue Pille.

»Gut. Gut gegen Brizzel«, sagte Susi.

»Gegen Brizzel?« Ich schluckte das Teil und wurde auf einen Schlag wieder nüchtern. »Wow, Susi! Du bist ein Superweib, weißt du das?«

Wir küssten uns.

Sie fragte mich: »Was möchtest du jetzt tun, Hermann?«

»Tja, liebe Susi, am liebsten würde ich jetzt mit dir in ein Hotel und fernsehen.«

Heinz ließen wir liegen. Er hatte sich auf der Bierbank schon schlafen gelegt. Im Hofbräuhaus war das nichts Besonderes. Susi und ich nahmen uns ein Hotel und schauten nicht fern.

Ich erwachte wie ein junger Gott. So fit war ich noch nie nach einem Vollrausch gewesen. Mir war egal, was in der blauen Pille gewesen war. Aber da fiel mir ein, dass ich schon seit einem ganzen Tag Nichtraucher war. Daran wird es wohl liegen, dachte ich. Wir frühstückten ordentlich Rührei mit Speck, und Susi trank eine ganz Kanne Fruchtsaft aus, ohne Glas, direkt aus der Kanne. Direkt am Buffet.

»So geht das nicht, Susi«, sagte ich, aber sie sagte nur: »Hermann, mit deinen blauen Augen machst du mich so sentimental.«

Ich sagte: »Pass auf, Susi, ich heiße Franz und nicht Hermann, und ich habe braune Augen und nicht blaue«, aber sie antwortete lächelnd: »Macht nichts, mein Schatz«, und eigentlich war es ja auch egal.

Nach dem Frühstück checkten wir aus. Wir sahen ziemlich zerlumpt aus und beschlossen, ein paar Klamotten zu kaufen. Also liefen wir in die Maximilianstraße und kleideten uns wunderbar ein. Ich kaufte mir drei Hemden und zwei Hosen, zwei Paar Schuhe, zwei Gürtel und drei Krawatten. Susi begnügte sich mit zwei Sommerkleidern, die aber doppelt so teuer waren wie mein ganzes Zeug.

Wir hatten drei Riesentüten in der Hand, da sagte Susi: »Hermann, mein Schatz, deine Haare.«

»Was ist mit meinen Haaren?«, fragte ich, wusste aber schon ungefähr, was sie meinte, also gingen wir in einen Friseursalon, und ich ließ mir eine Frisur schneiden, die gut zu meinen Klamotten passte.

Nach all dem Geldausgeben waren von den 16.000 noch 8.000 übrig, und ich wollte nach Hause fahren. Susi bockte in keiner Weise rum, sie fuhr mit mir zurück nach Daglfing, wir setzten uns in den alten Opel und kurvten heim ins schöne Neuötting.

Zu Hause in der Wohnung sagte ich: »So, Susi, ich muss jetzt arbeiten, was mache ich in der Zeit mit dir? Zwei, drei Stunden brauche ich jetzt Ruhe, du Superschnecke.«

»Hermann, mein Schatz, mit dir ist es wie mit einer Rose, du blühst und duftest, als sei der Frühling schon vorbei«, sagte Susi, und es knallte ein bisschen, dann verschwand sie in der Zigarettenschachtel, die auf dem Küchentisch lag.

Gut erzogen war sie wirklich, dachte ich und machte erst mal Kaffee. Ich war gar nicht erschöpft oder so, sondern fühlte mich kraftvoll wie schon lange nicht mehr. Mein E-Mail-Fach war gut gefüllt. Es waren zwei Anfragen dabei. Ich war Werbetexter und konnte mehr schlecht als recht davon leben. Ein Shampoo sollte ich betexten und eine Schokolade. Ich sagte beide Aufträge zu. Was sonst? Ich sagte immer zu. Beide Firmen waren in München. Für beide hatte ich schon oft gearbeitet. Es ging um ein paar Hundert Euro. Was war das schon, wenn man auf der Rennbahn mit Susi so absahnen konnte! Ich beschloss, mit ihr am Abend die Salzburger Spielbank zu besuchen. Danach bin ich ein verdammter Bonze und kann meine eigenen Shampoos betexten lassen, dachte ich.

Ich machte ein paar Stunden am PC rum, dann reichte es mir für heute. Ich fuhr die Kiste runter, da klingelte das Telefon. Peter war dran und wollte wissen, wie die Nacht mit der schönen, nackten Unbekannten gewesen war. Ich erzählte ihm, was abgelaufen war. Er konnte es kaum glauben und gratulierte mir zu so viel Glück. Abends wollte er mit nach Salzburg. Er könne auch ein bisschen Geld vertragen, sagte er, und wir verabredeten uns um sechs bei mir.

»Ich komme allein«, sagte er. Die kleine Sophie hatte ihm vorgestern ziemlich zugesetzt und ihm die Ohren vollgejammert, bevor er sie um drei Uhr früh nach Hause gefahren hatte, wo ihr Mann schon am Fenster stand und schimpfte.

»Peter, lass doch die Finger von der«, sagte ich ihm, »Susi reicht für uns beide. Die ist scharf genug für zwei«, und Peter wollte sich heute Abend fein anziehen, um Eindruck zu schinden.

Es war fünf Uhr, Susi war noch in der Kippenschachtel. Ich tippte die Schachtel an und sagte: »Susi, komm raus«, aber nichts passierte. Ich wurde nervös. »Susi, Susi«, rief ich und machte die Schachtel auf.

Da hörte ich: »Hermann, mein Schatz, ich bin schon hier.« Sie stand direkt hinter mir, splitternackt.

»Susi, wo kommst du jetzt her?«, fragte ich. »Ich denke, du bist in der Schachtel.«

»Nicht alle Katzen sind grau«, sagte sie, und ich bat sie, sich etwas anzuziehen.

Als Peter um sechs klingelte, waren wir schon ausgehbereit, aber er hatte drei Pizzas dabei, die aßen wir erst, dazu gab es Limonade.

»Kein Brizzel?«, fragte Susi.

»Nein, nein, Brizzel gibt’s später«, sagte ich, »wir müssen noch klar sein, heute werden wir reich.«

Peter hatte 2.000 Euro dabei, ich hatte 8.000 im Beutel. In Salzburg angekommen, lösten wir erst mal Chips für je 500. Am Roulettetisch fragte ich Susi: »Und, welche Zahl kommt?«

Sie sagte nichts und deutete auf ihren Hintern.

»Nein, jetzt doch nicht«, sagte ich, aber sie deutete immer wieder auf ihren Hintern, und ihre Augen leuchteten schon wieder so beunruhigend, dass ich mit ihr raus auf die Terrasse ging, wo im Moment niemand war. Sie hob ihren Rock hoch und zeigte mir ihre rechte Pobacke. Darauf stand etwas. Ich bückte mich runter und versuchte, es zu lesen, aber es war zu dunkel. Ich leuchtete mit meinem Feuerzeug an ihrem Hintern rum und es war mir wirklich peinlich, aber dann konnte ich erkennen, was da stand: 21:06 Uhr, Tisch zwei, 31.

»Wow«, sagte ich und schaute auf die Uhr. Es war kurz nach halb neun. »Stimmt das?«, fragte ich sie, die gerade ihren Rock richtete.

»Aber gerne, mein Schatz«, sagte Susi, und ich beschloss, der Dame zu vertrauen. Wir gingen langsam rein, ich bestellte mir einen kleinen Drink, dann schlenderte ich zu Tisch zwei. Die Uhr genau im Blick. Es war 21:02 Uhr.

Susi sagte: »Hermann, gib Gummi!« Sie tippte mir in die Seite.

Ich setzte 500 Euro auf die 31. Und die kam.

Der Abend war lustig, aber fast schon etwas gefährlich. Gegen Mitternacht hatte ich 270.000 Euro gewonnen und Peter immerhin 30.000. Wir ließen uns auszahlen und schauten, dass wir heil nach Hause kamen. Das war gar nicht so leicht, weil im Kasino nicht jeder besonders gönnerisch unterwegs ist. Als wir rauskamen, regnete es, und in unserer Nähe hörten wir dunkle russische Stimmen, die nicht gerade vertrauenerweckend klangen.

»So geht das nicht«, sagte ich zu den beiden. »Wie kommen wir jetzt nach Hause?«

»Gib Fliege«, sagte Susi.

»Fliege?«, fragte ich. »Sollen wir fliegen?«

Da zeigte sie auf meinen Hals, und na klar, ich hatte ja eine Fliege an. Sie hielt sie in ihrer rechten Hand hoch in die Luft, nachdem ich sie ihr gegeben hatte, und sagte: »Neuötting, ich komme schon.«

Und es war wirklich nicht zu glauben, aber schon saßen wir in meiner Küche und vor uns auf dem Tisch lag das Geld säuberlich aufgeteilt, 270.000 für mich und 30.000 für Peter.

»Das ist eine Frau«, sagte mein Freund.

»Wahnsinn, oder?«, sagte ich, »Danke, Susi, leg dich jetzt bitte schlafen«, und daraufhin verschwand sie wieder in der Zigarettenschachtel, und Peter und ich machten uns erst mal jeder ein Bier auf.

»Das gibt’s doch gar nicht«, sagte Peter und schaute ungläubig auf den Geldstapel. »Wir sind reich, Mann!«

»Was heißt hier reich?«, sagte ich: »Da geht noch viel mehr!«

»Und die schläft jetzt da drin in der Kippenschachtel, oder wie?«, fragte Peter.

»Ja, und wenn ich sie haben will, mache ich die Schachtel auf, dann sagt sie Hallo und erfüllt mir alle Wünsche.«

»Mir auch?«, fragte Peter.

»Dir auch, Kompagnon, mit der machen wir uns heute noch eine schöne Nacht.«

»Du meinst …?«

»Ganz genau«, sagte ich. »Vergiss die kleine Sophie!«

»Ist die irgendwie gesund, oder muss man sich da schützen oder wie, ich meine, nimmst du Kondome?«, fragte Peter.

Ich lachte: »Kondome? Für meine Größe gibt es keine Kondome mehr.«

»Was?«, sagte Peter. »Hör auf! Zeig mal her!«

»Spinnst du?«, sagte ich. »Das geht doch nur mit Susi.«

»Ein Bier nehme ich noch, und dann habe ich Mut, glaube ich«, sagte Peter.

Und tatsächlich sagte er nach dem zweiten Halben: »Also komm, Franz, hol mal deine Frau raus!«

»Lass ich mal die Sau raus, oder?«, lachte ich und ging zur Schachtel. »Susi, mein Schatz, Partytime«, sagte ich, und schon duftete es betörend, in einem lila Dampf erschien die Königin der Nacht: lange rote Haare, nackt und extrem bereit. Wir zogen uns beide aus, sie tippte unsere besten Stücke an, Peter schüttelte den Kopf, und ich hatte schon Angst, dass er das alles gar nicht verkraftete, aber er wurde wieder jung und stark, und wir vergnügten uns zu dritt bis zur Erschöpfung.

Um drei Uhr morgens sagte Peter, dass es ihm jetzt doch langsam reichte und dass er glaubte, er spinne.

Ich sagte: »Das glaube ich schon lange, dass du spinnst«, und brachte ihn zum Fahrstuhl. Allerdings sagte ich mir, dass das doch alles gar nicht sein konnte.

Drinnen fragte ich Susi, wo sie denn jetzt herkam, wer sie war, was sie von mir wollte, ob sie wieder ging, und alles war so hart, dass ich mich nach einer normalen Kippe sehnte und sagte: »Mann, kann ich denn jetzt gar nicht mehr rauchen?« Ich flehte sie direkt an.

Sie sagte wieder: »Ich bitte darum.«

Und ich sagte: »Scheiße«, und legte mich aufs Ohr.

KAPITEL 2

Susi macht mich reich

Am nächsten Morgen hatte ich keinen Bock mehr auf Susi. Ich hatte jetzt drei Nächte hintereinander Mega-Sex gehabt, gestern sogar einen flotten Dreier, das hatte ich davor natürlich noch nie gehabt, höchstens im Traum. Auf meinem Küchentisch lagen 270.000 Euro. Die verstaute ich erst mal in einem Schuhkarton. In meinem Schrank hingen Kleidungsstücke für 400 Euro das Stück. Ich war in einem Bonzenhotel gewesen und hatte im Schumann’s Champagner getrunken. All das hatte ich vorher noch nie gemacht. Es war mir sozusagen ein bisschen zu viel für drei Tage. Ich wollte heute meine Ruhe vor Susi.

Ich nahm die Zigarettenschachtel ganz vorsichtig hoch und legte sie in eine Schublade. Es war mir auch ein bisschen schlecht und schwummerig von dem ganzen Spaß und Vögeln und Lachen. Heute sollte es still sein, beschloss ich und fuhr den PC hoch. Ich wollte in aller Ruhe arbeiten und auch mal wieder schlecht drauf sein und die Welt beschissen finden, so wie ich es gewohnt war. Ich wollte mein altes Leben zurück. Das kann man zwar fast nicht glauben, aber ehrlich gesagt, war mein altes Leben gar nicht so schlecht gewesen.

Also arbeitete ich ein paar Stunden, schrieb die üblichen miesen Texte, telefonierte mit ein paar Heinis, las zwischendurch die Zeitung, wusch Geschirr und Wäsche, schaute ein bisschen fern, ging einkaufen, machte mir Mittagessen und erholte mich allmählich von all dem Stress der letzten Tage. Nur keine Susi heute, nur kein Hermann-mein-Schatz-Geplapper. Ich war nie verheiratet gewesen und hatte das auch noch nie bereut. Ich brauchte nicht dauernd eine Frau um mich herum, die mir die Ohren vollquasselt und jeden Tag Sex will. Ich war ein Mann, der es gerne ruhig hat, der auch mal in die Kneipe geht, ohne viel zu sagen, der ein kleines bescheidenes Leben in einer kleinen bescheidenen Stadt führt. Jedenfalls war ich mit 40 so drauf. Und heute bin ich eigentlich noch genauso.

Aber als dann der Abend kam und draußen die Schwalben so aufgeregt rumflogen und der Himmel so rot wurde, musste ich an die roten Haare von Susi denken, und ich ging zur Schublade und holte die Zigarettenschachtel raus.

»Susi, komm raus!«, sagte ich.

Und normalerweise klappt so was ja immer nicht, aber bei mir klappte es wie am Schnürchen, und schon stand Susi nackt vor mir und sagte: »Hallo, mein Freund, so allein unterwegs heute?«

»Was redest du nur immer für einen Blödsinn, Susi!«, sagte ich. »Kann man mit dir denn nicht reden wie mit einem normalen Menschen?« Aber da fiel mir ein, dass normale Menschen nicht nackt in einer Zigarettenschachtel schlafen, und ich akzeptierte einfach ihre komische Art. »Aber bitte, Susi, nenn mich nicht immer Hermann, ich bin Franz Gabler, ich heiße gar nicht Hermann, mein Schatz oder so was.«

Aber Susi lernte es leider nicht, und sie quatschte wieder ihren komischen Kram und ich schlug vor, mal zusammen irgendwie normal fernzusehen oder was Ehepaare eben so machen. Da war sie ganz passabel, und wir schauten tatsächlich gemeinsam eine politische Sendung an und dann noch ein bisschen Auswanderer-TV. Und dann fragte ich sie, ob sie nicht mal mit mir im Bett schlafen wolle, aber wirklich nur schlafen, ganz normal, weil ich doch ein großes Bett habe und doch auch schon 40 bin und so weiter, aber es wurde dann doch wieder eine Sex-Orgie. In einer Woche mit Susi nahm ich übrigens fünf Kilo ab. Wer so aktiv ist, kommt schnell auf sein Kampfgewicht. Sie schlief dann doch wieder in der Zigarettenschachtel, aber ich dachte mir, Franz, ganz oder gar nicht, wer weiß, wie lange dir die liebe Frau hold ist. Am besten, ich mache mit der Guten erst mal ordentlich Kohle. Zwei, drei Millionen dürften reichen. Mit der habe ich in fünf Tagen so viel Kohle, dass ich nie mehr arbeiten muss. Ich sagte mir, dass ich jetzt nicht abschlaffen dürfe. Jetzt, Franz, ist die Zeit deines Lebens, jetzt machst du alles klar. Und morgen gehen wir in die Vollen, aber absolut. Und ich schlief zufrieden und erwartungsfroh ein.

Am nächsten Tag erklärte ich Susi, was ich beruflich machte, dass ich Werbetexte schrieb und immer Sprüche brauchte, die ich dann verkaufte. Und ich erklärte ihr, was Werbung ist und worauf es ankommt, und gab ihr die drei, vier Tipps, die ich mir in zehn Jahren Texten selbst hart erarbeitet hatte. Sie nickte immer, und ab und zu sprang sie auf und schrie: »Yek, Yek!«, aber ich sagte: »Susi, jetzt setz dich mal wieder hin, jetzt wird gearbeitet, nicht Yek, Yek, weißt du, manchmal muss man auch ganz normal was tun, es ist nicht immer Party und alles lustig. Und jetzt schau mal her, diese Schokolade hier, die muss ich betexten, da brauche ich einen guten Spruch, damit die Leute das Zeug kaufen, und vor allem, damit mir der Kunde den Spruch abkauft. Jetzt sag mir doch einfach mal, was man da schreiben muss, um echt abzusahnen.«

»Aber gerne, Hermann, mein Schatz, ich sag’s dir jetzt«, sagte sie, aber sie sagte dann nichts mehr.

»Ja, was?«, fragte ich. »Was soll ich denn jetzt schreiben?«

»Hermann, ich sag’s dir jetzt«, sagte sie wieder.

Ich wartete. Nach einer Minute fragte ich: »Susi, sag doch mal, was soll ich schreiben?«