Studio Babelsberg - Isabella Fetzer - ebook

Studio Babelsberg ebook

Isabella Fetzer

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Opis

2012 feiert das Studio Babelsberg sein 100-jähriges Jubiläum. Das eBook „Studio Babelsberg – Das deutsche Hollywood“ beschäftigt sich in vier Kapiteln mit der wechselvollen Geschichte des Studios, den bedeutendsten Filmen, die hier entstanden, und den bekanntesten Stars vor und hinter der Kamera. Filmklassiker wie „Metropolis“ (1927) oder „Der blaue Engel“ (1930) werden dabei ebenso vorgestellt wie „Die Feuerzangenbowle“ (1944) und Meisterwerke der DEFA wie „Spur der Steine“ (1966) oder „Solo Sunny“ (1980) sowie aktuellere Werke wie „Der Pianist“ (2002) oder „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ (2007). Zu den porträtierten Stars zählen unter anderem Schauspieler und Schauspielerinnen wie Heinz Rühmann und Manfred Krug, Marlene Dietrich und Hildegard Knef sowie die berühmten Regisseure Fritz Lang, Konrad Wolf und Roman Polanski.

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IMPRINT / IMPRESSUM

Studio Babelsberg – Das deutsche Hollywood Herausgeber: contentplus communications GmbH Autoren: Holger Hühn, Isabella Hopp published by: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de Copyright: © 2012 contentplus communications GmbH ISBN 978-3-8442-1782-7

Realisation: contentplus communications GmbH, Augsburg, www.contentplus.de
Konzept: Holger Hühn, Isabella Hopp
Redaktion: Julia Thienel
Technische Umsetzung: Isabella Hopp, Martin Holland
Bildnachweis: Cover: Margit Weißer unter Verwendung eines Gemäldes von Ron Cramer Vorwort: Studio Babelsberg AG Kapitel 1: Totentanz: Deutsche Bioscop / Projektions AG / Album / AKG; Seeber: Filmmuseum Potsdam; Nibelungen: AKG / Horst von Harbou-Stiftung; Pommer: akg-images; Metropolis: AKG / Horst von Harbou-Stiftung; Lang: akg-images; Blauer Engel: akg-images; Dietrich: akg-images Kapitel 2: Münchhausen: akg-images; Albers: Interfoto / Friedrich; Feuerzangenbowle: akg-images; Rühmann: akg-images Kapitel 3: Mörder: DEFA-Stiftung / Eberhard Klagemann; Knef: Interfoto / Lu Wortig; Untertan: akg-images; Staudte: DEFA-Stiftung / Eberhard Klagemann; Spur: DEFA-Stiftung / Klaus D. Schwarz; Krug: Interfoto / Ingo Barth; Paul und Paula: DEFA-Stiftung / Herbert Kroiss; Carow: akg-images / Udo Hesse; Jakob: DEFA-Stiftung / Herbert Kroiss; Beyer: Interfoto / Mary Evans; Sunny: DEFA-Stiftung / Dieter Lück; Wolf: akg-images / Binder Kapitel 4: Sonnenallee: ullstein bild / Jänichen; Haußmann: akg-images / Brigitte Hellgoth; Pianist: Focus Features / Album / AKG; Polanski: Interfoto / Moore; Fälscher: Babelsberg Film GmbH / Josef Aichholzer / Album / AKG; Ruzowitzky: ullstein bild / aslu; Walküre: United Artists / Achte Babelsberg Film GmbH / Album / AKG; Singer: 20th Century Fox / Album / AKG

Alle Angaben dieses Werkes wurden von der Redaktion sorgfältig recherchiert und auf den aktuellen Stand (Februar 2012) gebracht. Für die Richtigkeit der Angaben kann jedoch keine Haftung übernommen werden. Für Hinweise und Anregungen sind wir jederzeit dankbar.

Vorwort

Am 12. Februar 2012 feiert das Filmstudio Babelsberg ein großes Jubiläum: Vor genau 100 Jahren begannen hier die ersten Dreharbeiten. Nachdem wir letztes Jahr das eBook Hollywood Boulevard – Filme über die Traumfabrik veröffentlicht haben, steht nun die wechselvolle Geschichte des berühmtesten deutschen Filmstudios im Fokus. Das Ergebnis ist das vorliegende eBook Studio Babelsberg – Das deutsche Hollywood.

Das eBook gliedert sich in vier Kapitel, die chronologisch angeordnet sind und die verschiedenen Schaffensphasen des Filmstudios widerspiegeln. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit den Anfangsjahren und der ersten Blütezeit des Studios während der Weimarer Republik. Das zweite Kapitel schildert die Situation in Babelsberg während des Dritten Reichs. Das dritte Kapitel ist der Zeit der deutschen Teilung gewidmet, in der hier die DEFA, die staatliche Filmgesellschaft der DDR, angesiedelt war. Im letzten Kapitel geht es schließlich um die Jahre seit der Wende bis heute. Neben der Studiogeschichte stellen wir für jeden Zeitabschnitt die wichtigsten Filme und die an ihnen beteiligten Filmemacher oder Schauspieler vor.

Bei der Umsetzung war es unser Ziel, die vielfältigen Möglichkeiten des ePUB-Formats bestmöglich zu nutzen. Alle 16 vorgestellten Filme werden daher mit Plakaten oder Szenenfotos bebildert, die sich auf dem iPad, iPhone oder iPod touch per Doppelklick auf das Motiv bildschirmfüllend genießen lassen. Mit Lesezeichen und Notizen lässt sich Studio Babelsberg personalisieren, mit der Volltextsuche schnell durchsuchen. Links verknüpfen die einzelnen Texte untereinander. Zugleich hat Studio Babelsberg optisch viele Anklänge an ein klassisches Buchlayout. Als modernes eBook funktioniert es aber mit nahezu jeder Schrifteinstellung und auf allen Readern, die ePUB (bzw. mobi) unterstützen.

Viel Spaß beim Lesen wünschen Holger Hühn und Isabella Hopp

Anfangsjahre und Goldene Zeiten 1912–1933

Studiogeschichte 1912–1933

Die Geschichte des Filmstudios Babelsberg begann am 12. Februar 1912, als dort die ersten Dreharbeiten starteten. Das Gelände entwickelte sich rasch zu einem beliebten Drehort. Nach der Eingliederung in die UFA erlebten die Babelsberger Filmstudios in den 20er- und frühen 30er-Jahren eine Glanzzeit.

Als Anfang des 20. Jahrhunderts das neue Medium Film seinen Siegeszug antrat, war Berlin das Zentrum der deutschen Filmindustrie. Doch das Filmmaterial war extrem feuerempfindlich, weshalb die in der Stadt befindlichen Filmfirmen, die meist in kleinen Fotoateliers produzierten, in einem ständigen Konflikt mit der zuständigen Feuerpolizei standen.

Eine dieser Filmfirmen war die Deutsche Bioscop GmbH, die 1899 gegründet worden war. 1911 wurde deren Technischer Direktor, der Kameramann und Filmpionier Guido Seeber, beauftragt, ein neues Grundstück außerhalb Berlins zu suchen. In der Gemeinde Nowawes bei Potsdam fand er unweit der Villensiedlung Neubabelsberg ein geeignetes Grundstück: ein leer stehendes Fabrikgebäude, an das er ab Spätherbst 1911 ein Glasatelier anbauen ließ. Dieses wurde zum Grundstein des Filmstudios Babelsberg.

Drehbeginn im neuen Atelier

Am 12. Februar 1912 begannen in Babelsberg die ersten Dreharbeiten. Der Film hieß Der Totentanz und hatte als Hauptdarstellerin die damals äußerst populäre Stummfilmschauspielerin Asta Nielsen, eine gebürtige Dänin. Regie führte ihr späterer Ehemann Urban Gad. Das neue Filmstudio wurde sofort zu einem beliebten Drehort und so wurde das Gelände schon 1913 um ein Außengelände und ein zweites Atelier erweitert.

Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, hatte dies auch Auswirkungen auf die Filmindustrie. So sollten nun vor allem unterhaltende Filme produziert werden, die zugleich eine patriotische Grundhaltung demonstrieren sollten. Da zudem die meisten männlichen Mitarbeiter Kriegsdienst leisteten, hielten Frauen den Filmbetrieb in Babelsberg aufrecht. Bis 1918 entstanden allerdings nur noch wenig künstlerisch anspruchsvolle Filme.

Babelsbergs Glanzzeit

1920 fusionierte die Deutsche Bioscop mit der Filmgesellschaft Decla, der deutschen Tochterfirma der französischen Eclair-Gesellschaft, und wurde zur Decla Bioscop. Im Oktober 1921 ging die Decla Bioscop in der 1917 gegründeten Universum Film AG (UFA) auf. Diese übernahm 1922 das Studiogelände in Babelsberg und machte es zum wichtigsten in Deutschland. Unter der Leitung des ehemaligen Decla-Produzenten Erich Pommer entstanden nun zahlreiche Filmklassiker in Babelsberg, wie beispielsweise der Zweiteiler Die Nibelungen (1924) von Fritz Lang. Der deutsche Film fand weltweit Beachtung.

1926 wurde Babelsberg massiv ausgebaut: Für die Produktion des Science-Fiction-Films Metropolis (1927) entstand mit der Großen Halle (heute Marlene-Dietrich-Halle) das größte Filmatelier Europas. Durch verschiebbare Wände konnten hier auch mehrere Filme gleichzeitig gedreht werden. Obwohl Metropolis heute als Filmklassiker gilt, war er bei seinem Erscheinen ein verheerender Misserfolg für die UFA. Die meisten Kritiker zerrissen den Film und die hohen Produktionskosten konnten nicht wieder eingespielt werden.

Finanzielle Nöte und Verkauf

Die UFA stand nun kurz vor dem Ruin. Schon 1925 hatte sie einen Knebelvertrag mit den amerikanischen Firmen Metro-Goldwyn-Mayer und Paramount eingehen müssen. 1927 kaufte der rechtskonservative Medienmogul Alfred Hugenberg die UFA aus diesem Vertrag frei und integrierte die Filmfirma in seinen Scherl-Pressekonzern. Damit änderte sich die politische Grundausrichtung der UFA allmählich und reaktionäre Filme entstanden.

Doch das Ende der finanziellen Nöte bedeutete für Babelsberg auch einen Aufschwung. Nachdem in den USA der Siegeszug des Tonfilms längst begonnen hatte, entstand 1929 in Babelsberg mit dem Tonkreuz das erste schalldichte Filmatelier, das die Produktion deutscher Tonfilme erlaubte. Noch im gleichen Jahr erschien der erste abendfüllende Tonfilm Melodie des Herzens. 1930 wurde in Babelsberg Der blaue Engel gedreht, der die Karriere von Weltstar Marlene Dietrich begründete. Ab 1931 wurden dann kaum noch Stummfilme in Babelsberg produziert. Da es aber noch keine Synchronisationstechnik gab, entstanden die meisten Filme in mehreren Sprachfassungen, die mal mit deutschen, mal mit englischen und mal mit französischen Darstellern in den selben Kulissen gedreht wurden.

Chronik
1911 – Baubeginn des ersten Filmstudios in Nowawes (später Babelsberg)12.2.1912 – Drehbeginn des ersten Babelsberger Films Der Totentanz7.9.1912 – Uraufführung von Der Totentanz1914–1918 – Erster Weltkrieg: überwiegend Produktion von Propaganda-Filmen1920 – Fusion der Deutschen Bioscop mit der Deutschen Eclair-Gesellschaft (Decla) zur Decla Bioscop1921 – Fusion der Decla Bioscop mit der Universum Film AG (UFA)14.2.1924 – Uraufführung von Die Nibelungen: Siegfried26.4.1924 – Uraufführung von Die Nibelungen: Kriemhields Rache1926 – Bau der Großen Halle (heute Marlene-Dietrich-Halle) für den Film Metropolis10.1.1927 – Uraufführung von Metropolis1927 – Übernahme der UFA durch Alfred Hugenberg1929 – Bau des Tonkreuzes1.4.1930 – Uraufführung von Der blaue Engel

Der Totentanz 1912

Der Totentanz war 1912 der erste Film, der in Babelsberg gedreht wurde. Das Stummfilmdrama mit dem dänischen Star Asta Nielsen in der weiblichen Hauptrolle legte damit den Grundstein zu einer 100-jährigen Erfolgsgeschichte.

Ingenieur Burk (Oskar Fuchs) ist glücklich mit der jungen Bella (Asta Nielsen) verheiratet. Doch dann ereignet sich eine furchtbare Explosion, bei der Burk schwer verletzt wird. Wochenlang schwebt er zwischen Leben und Tod. Bella lernt den Komponisten Czerneck (Fritz Weidemann) kennen. Er lehrt sie das Singen, sodass Bella durch gemeinsame Auftritte für den Unterhalt ihrer Familie sorgen kann. Dabei entwickeln sich Gefühle zwischen Bella und Czerneck, doch die verheiratete Bella weist den Komponisten immer wieder zurück. Der wieder genesene Burk verfolgt Bellas Erfolge auf der Bühne mit Misstrauen und Eifersucht. Czerneck will Bella unbedingt für sich gewinnen. Deshalb fälscht er einen Brief an Burk, der diesem die Untreue seiner Frau suggerieren soll. Bella findet jedoch den Brief und ist außer sich vor Wut. Sie sinnt auf Rache gegen Czerneck.

Ursprung der Babelsberger Studios

1911 hatte die Deutsche Bioscop den lukrativen Auftrag zu mehreren Filmen mit der Schauspielerin Asta Nielsen und dem Regisseur Urban Gad erhalten. Nielsen und Gad, beide Dänen, hatten 1910 ihren ersten gemeinsamen Film gedreht und Nielsen war sofort der Aufstieg zu einem europäischen Filmstar gelungen – sie war einer der ersten Filmstars überhaupt. Der Kameramann Guido Seeber, technischer Leiter der Deutschen Bioscop, suchte für den Dreh mit Gad und Nielsen nun nach einem geeigneten Gelände, da die Studios in Berlin nicht groß genug waren und zudem schon mehrfach die Feuerschutzpolizei auf den Plan gerufen hatten. Wenige Kilometer von Berlin entfernt fand Seeber ein leer stehendes Fabrikgebäude bei der Villensiedlung Neubabelsberg. An dieses ließ er ab Herbst 1911 ein Glashausatelier anbauen, denn damals konnte nur bei Tageslicht gefilmt werden.

Als Geburtsstunde der Filmstudios Babelsberg gilt der 12. Februar 1912: An diesem Tag fiel die erste Klappe für Der Totentanz. Der Stummfilm wurde damals noch mit recht einfachen Mitteln in nur wenigen Tagen abgedreht. Für die Kameraarbeit war Seeber höchstpersönlich verantwortlich.

Premiere und Nachleben

Seine Premiere feierte der Film am 7. September 1912. Zuvor wurde er von der Zensur mit einem Jugendverbot belegt, sodass vor jungem Publikum nur eine stark gekürzte Version gezeigt werden durfte. Die zeitgenössischen Reaktionen fielen eher gemischt aus. Während zwar Asta Nielsens Schauspieltalent sehr gelobt wurde, wurde die Handlung entweder als zu seicht oder als zu unsittlich gerügt. Dennoch war dem Film ein relativ großer Erfolg beschieden und Nielsen, Gad und Seeber konnten ihre erfolgreiche Zusammenarbeit noch eine Weile fortsetzen.

Ursprünglich hatte Der Totentanz eine Länge von etwa 60 min. Der Film ist allerdings nur fragmentarisch erhalten. Lange Zeit galten etwa 23 min als überliefert. Anlässlich des 100. Geburtstags des Studios Babelsberg wurde der Film jedoch umfassend restauriert und hat nun wieder eine Länge von immerhin 35 min.

Infos zum Film
Regie: Urban GadDrehbuch: Urban GadDarsteller: Asta Nielsen (Bella), Oskar Fuchs (Ingenieur Burk), Fritz Weidemann (Komponist Czerneck)

Guido Seeber

* 22.6.1879 in Chemnitz, † 2.7.1940 in Berlin

Guido Seeber war Kameramann und einer der wichtigsten Pioniere der deutschen Filmindustrie. Er legte den Grundstein für die Filmstudios Babelsberg, als er dort ein Glasatelier für den Film Der Totentanz erbauen ließ.

Guido Seeber wurde als Friedrich Konrad Guido Seeber am 22. Juni 1879 in Chemnitz geboren. Sein Vater Clemens Seeber war Fotograf und betrieb in der Stadt sein eigenes Atelier. Guido Seeber erhielt nach der Schulzeit dort eine Ausbildung. 1896 sah der Vater die ersten Filme der Brüder Lumière und war von der neuen Technik begeistert. Die Seebers kauften vom damals führenden deutschen Hersteller Oskar Messter einen Projektionsapparat und führten ab 1898 eigene Filme auf. Clemens und Guido Seeber entwickelten Messters Apparat zu einem handlichen Reisekinematografen weiter, der unter dem Namen „Seeberograph“ 1903 ein eigenes Patent erhielt. Später kombinierten sie den Apparat mit einem Grammophon, was dann unter der Bezeichnung „Seeberophon“ lief. Vater und Sohn zogen dann mit einer Art Wanderkino durch ganz Sachsen.

Filmpionier und Studiogründer

1905 starb Clemens Seeber. Sohn Guido übernahm zunächst sein Atelier, verkaufte es jedoch zwei Jahre später und zog mit seinem Filmprogramm durch Europa. 1909 wurde er Technischer Leiter bei der Filmfirma Deutsche Bioscop in Berlin. Seeber drehte als Kameramann nun auch eigene Filme, wie den 4 min langen Trickfilm Die geheimnisvolle Streichholzdose (1910). Auf dem Gebiet der Kameraarbeit war er damals einer der Vorreiter. Bald darauf filmte Seeber auch seine ersten Spielfilme.

Die Deutsche Bioscop beauftragte ihn 1911, ein geeignetes Studiogelände außerhalb Berlins für eine geplante Filmreihe mit dem dänischen Star Asta Nielsen und dem Regisseur Urban Gad zu finden. Seeber wurde bei der Villensiedlung Neubabelsberg fündig und stellte dort im Oktober 1911 einen Bauantrag für ein Glasatelier. Innerhalb kürzester Zeit wurde es fertiggestellt, sodass schon am 12. Februar 1912 die Dreharbeiten zu Der Totentanz beginnen konnten, bei dem Seeber hinter der Kamera stand. Seeber gilt damit als Begründer der Filmstudios Babelsberg.

Anschließend drehte Seeber noch einige weitere Filme mit Nielsen und Gad. Doch die beiden verließen schon bald die Deutsche Bioscop. Seeber arbeitete weiter dort und entwickelte für den Film Der Student von Prag (1913) eine neue Technik, mit der eine Doppelgänger-Aufnahme möglich wurde. Beeindruckende Kameraarbeit leistete Seeber auch in Der Golem (1915). Kurz nach Ende der Aufnahmen für diesen Film wurde er jedoch in den Ersten Weltkrieg eingezogen und arbeitete lange Zeit als Leiter der Bildabteilung eines Seeflugzeug-Versuchskommandos. 1918 kehrte er zur Deutschen Bioscop zurück und wurde ein Jahr später erneut ihr technischer Leiter. Nach der Fusion der Bioscop mit der Decla 1920 arbeitete Seeber dann jedoch als freier Kameramann.

Kameramann, Tricktechniker und Autor

In den 20er-Jahren widmete sich Seeber weiterhin technischen Experimenten und verfeinerte die Tricktechnik. Daneben beteiligte er sich schon 1923 an ersten Tonfilmexperimenten, die jedoch scheiterten. Als Kameramann drehte Seeber zudem einige erfolgreiche Filme wie den Vierteiler Fridericus Rex (1920–1923) und Die freudlose Gasse (1925) von Regisseur Georg Wilhelm Pabst. Seeber war auch publizistisch tätig: Er war Mitherausgeber der ab 1925 erscheinenden Zeitschrift „Filmtechnik“ und verfasste einige Bücher über Kameratechnik.

1932 erlitt Seeber einen Schlaganfall und war in dessen Folge gesundheitlich beeinträchtigt. Er drehte nun nur noch wenige Filme. 1935 wurde er in Babelsberg Leiter der Abteilung Filmtrick bei der UFA. Am 2. Juli 1940 starb Seeber in Berlin.

Die Nibelungen 1924

Der Monumentalfilm Die Nibelungen besteht aus den beiden Teilen Siegfried und Kriemhilds Rache und hat insgesamt eine Laufzeit von fast fünf Stunden. In beeindruckenden Bildern setzte Regisseur Fritz Lang die mittelalterliche Nibelungensage um und schuf damit einen Klassiker der Stummfilmzeit.

Siegfried