Schöpferisches Schlesien von A bis Z (Band 2) - Suzanna Wycisk-Müller - ebook

Schöpferisches Schlesien von A bis Z (Band 2) ebook

Suzanna Wycisk-Müller

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Viele Zuschriften, E-Mails, Kommentare, Hinweise, Anregungen und Bewertungen der Leser des ersten Bandes »Schöpferisches Schlesien von A bis Z« (2014) haben die Autorin angespornt, einen zweiten Band zu erstellen, denn »es gäbe doch noch so viele Schlesier und schlesische Akzente, die es verdient hätten, nicht in Vergessenheit zu geraten«. Das stimmt gewissermaßen, denn man nannte Schlesien »Das Land der Gottsucher und Dichter«. Das Land Schlesien brachte selten Politiker oder Staatsmänner hervor: Die Begabung seiner Menschen lag eher auf künstlerischem Gebiet. Die Kultur und die Atmosphäre Schlesiens wurden geprägt von Dichtern und Dramatikern, Theologen, Malern und Bildhauern, Wissenschaftlern, großartigen Bauherren und Architekten sowie von der Handwerkskunst. Die Reihe der Lebensskizzen spiegelt das geistige und schöpferische Schlesien wider. Sie schafft einen kleinen Überblick, was Schlesier der vergangenen Jahrhunderte geleistet hatten. Und es ist leider nur ein Bruchteil. »Was Schlesien geschaffen hat, bleibt für immer seine Errungenschaft und sein Ruhm«.

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Suzanna Wycisk-Müller

Schöpferisches

Schlesien

von A bis Z

Band 2

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2016

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im

Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte bei der Autorin

Copyright der Abbildungen soweit nicht gemeinfrei

bei den angegebenen Quellen!

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Bach, Erle/Schriftstellerin, Volkskundlerin

Ballestrem, von/Industrieller, Unternehmer

Benz, Gerda/Autorin, Volkskundlerin, Herausgeberin

Berg, Max/Architekt, Erbauer der Breslauer Jahrhunderthalle

Brochenberger, Hans/Bildhauer

Jacob/Holzschnitzer

Donnersmarck, von/Industrieller, Unternehmer

Drobek, Johann/Restaurator, Maler

Fechner, Hanns (Johannes)/Maler, Grafiker, Porträtist

Fechner, Werner/Maler

Gabor, Joachim/Schuhmacher, Unternehmer

Giesche, Georg von/Industrieller

Goedtke, Karlheinz/Steinbildhauer

Gosen, Marcus von/Bildhauer

Gottschlich, Erich Johannes/Maler

Herrmann-Neiße, Max/Schriftsteller

Iwan, Friedrich/Maler

Kaergel, Hans Christoph/Schriftsteller

Keller, Paul /Schriftsteller

Klahr d. Ältere, Michael/Bildhauer

Klahr d. Jüngere, Michael Ignatius/Bildhauer

Klepper, Jochen/Theologe

Kowalski, Ludwig Peter/Maler, Bildhauer

Krautwald, Josef

Malcher, Konrad/Walzwerkmeister, Erfinder

Meidner, Ludwig/Maler

Menzel, Wilhelm/Mundartdichter, Volkskundler

Moll, Oskar /Maler

Morgenstern, Carl Ernst/Maler

Myrtek, Thomas/Bildhauer

Niekrawietz, Hans/Schriftsteller

Schaffgotsch/Industrieller, Unternehmer

Schenke, Ernst/Mundartdichter

Scheurich, Paul/Porzellanmaler

Sintenis, Renee/Bildhauerin, Schöpferin des Berliner Bären

Stoltzer, Thomas/Komponist

Strachwitz, Moritz Graf von/Dichter

Süßmuth, Richard/Glasschleifer, Glaskünstler

Tag, Konrad/Glasschleifer, -graveur

Troplowitz, Oskar/Unternehmer, Erfinder der Nivea-Creme

Ury, Else/Schriftstellerin

Wagner, Franz Joseph/Bildhauer

Wichmann, Georg Heinrich/Maler

Wittig, Joseph/Theologe

Zanth, Karl Ludwig von/Architekt

Schlesische Kostbarkeiten

Schlesisches Glas, die Künstlerfamilie Benna

Schlesische Hinterglasmalerei

Wiese, Erich

Bernatzky, Georg

Helle, Heidi und Fritz

Leinen und Damast aus Schlesien

Hirschberger Nadelspitze und Weißstickerei

Elisabeth Bräuer

Holzschnitzkunst- Warmbrunner Holzschnitzschule - die Direktoren Cyrillo dell’Antonio und Ernst Rülke, und Meisterschüler Helmut Benna, Hans Brochenberger, Walter Volland, Fritz Thomas-Gottesberg und Elsbeth Siebenbürger

Riesengebirgsverein

Donat, Theodor

Riesengebirgsmuseum Hirschberg– Muzeum Karkonoskie

Dr. Hugo Seydel

Arbeitskreis Archiv für schlesische Mundart

Friedrich-Wilhelm Preuss

Literaturverzeichnis

Nur im Geiste der Wahrheit,

nicht der Lüge,

kann man die Vergangenheit aufarbeiten.

Władysław Bartoszewski1

Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels

am 17. April 1990 in „Die Welt“

Vorwort

Viele Zuschriften, E-Mails, Kommentare, Hinweise, Anregungen und Bewertungen der Leser des ersten Bandes „Schöpferisches Schlesien von A bis Z“ (2014) haben mich angespornt weiterzumachen und einen zweiten Band zu erstellen, denn „es gäbe doch noch so viele Schlesier und schlesische Akzente, die es verdient hätten, nicht in Vergessenheit zu geraten“.

Das stimmt gewissermaßen, denn man nannte Schlesien „Das Land der Gottsucher und Dichter“. Das Land Schlesien brachte selten Politiker oder Staatsmänner hervor: Die Begabung seiner Menschen lag eher auf künstlerischem Gebiet. Die Kultur und die Atmosphäre Schlesiens wurden geprägt von Dichtern und Dramatikern, Theologen, Malern und Bildhauern, Wissenschaftlern, großartigen Bauherren und Architekten sowie von der Handwerkskunst.

Die Reihe der Lebensskizzen spiegelt das geistige und schöpferische Schlesien wider. Sie schafft einen kleinen Überblick, was Schlesier der vergangenen Jahrhunderte geleistet haben. Und es ist leider nur ein Bruchteil. „Was Schlesien geschaffen hat, bleibt für immer seine Errungenschaft und sein Ruhm“.

Schlesien war 700 Jahre lang eine der bedeutendsten und lebendigsten Kulturlandschaften Deutschlands. Siebenhundert Jahre deutsche Dichtung, deutsches Schrifttum, deutsche Errungenschaften und Leistungen in Schlesien müssen das Wissen um Schlesien lebendig erhalten.

Auch die in diesem Band gesammelten Lebensskizzen, Gedichte, Zitate und Bilder sollen einen Eindruck vom Reichtum der Einflüsse und Anregungen geben, die von Schlesien ausgegangen sind.

Dichter, wie die Brüder Hauptmann und Hermann Stehr, haben das Wesen Schlesiens um die Jahrhundertwende unvergesslich und bildhaft dargestellt. Für Schlesien legten nicht nur Schlesier mit schlesischen Wurzeln Zeugnis ab, sondern auch Menschen, die nicht in Schlesien geboren wurden, aber in Schlesien wirkten und dort ihre Heimat fanden.

Die Aufgabe dieses Buches ist es auch, die wissenschaftlichen, künstlerischen, wirtschaftlichen und technischen Leistungen sowie die geistige und geschichtliche Eigenart Schlesiens im Bewusstsein der Leser nicht nur einzuprägen, sondern sie auch zu vertiefen und nicht vergessen zu lassen.

Von Herzen danke ich allen, die die Realisierung meines Vorhabens durch tatkräftige Unterstützung, Beratung und durch Überlassung bzw. Vermittlung des notwendigen Buch- und Bildmaterials ermöglicht und bei der Literaturrecherche, beim Nachdenken und der Gestaltung dieses zweiten Bandes geholfen haben. Ich hatte auch das Glück, aus dem eigenen Brunnen Wissen zu schöpfen, dachte an mein eigenes schlesisches Zuhause zurück, ging der Spur nach kulturellen Überlieferungen Schlesiens nach und so entstanden diese Skizzen. Bei manchen wird der Leser sagen: „Ach ja, der oder die ist auch Schlesier?“ und bei manchen ist die Herkunft allen bekannt.

Möge auch dieser zweite Band „Schöpferisches Schlesien von A bis Z“ zur Besinnung und Bewahrung des schlesischen Kulturerbes beitragen.

Bach, Erle

geb. Hanna-Barbara Rauthe

* 5. November 1927 in

Hirschberg/Jelenia Góra

† 27. Mai 1996 in Efringen-Kirchen,

Baden-Württemberg

Schriftstellerin

Gründerin des Archivs für schlesische Mundart

Volkskundlerin

Ihr Vater stammte aus Harrachsdorf/Harrachov und war als Skilehrer und Musik-Interpret am Spindlerpass bekannt. Er war Gegner des Nationalsozialismus, wurde verfolgt und musste die Familie verlassen. Ihre Mutter stammte aus Oberschlesien, litt unter dem Druck ihren Mann zu verraten. Dies führte zu Depressionen und mehreren Selbstmordversuchen. Deshalb wurde sie zwangsweise in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt in Plagwitz eingewiesen, wo sie den Euthanasietod fand. Barbara-Hanna kam nach Hirschberg in die Obhut der Familie Drechsler, der jüngsten Schwester ihrer Urgroßmutter Barbara Feist, die von der Erlebach-Baude am Spindlerpass stammte.

Hanna-Barbara wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Die schulische Ausbildung schloss sie mit der Grundschule vor dem Krieg ab. Die Urgroßmutter war ihr Vorbild. Von ihr lernte sie Fähigkeiten, die später die Grundlage für ihre Entwicklung und die Liebe zum Riesengebirge und dessen Volkstradition bildeten. Schon als Kind nahm sie an volkstümlichen Veranstaltungen in Hirschberg teil und durfte als „Trachtenputzel“ teilnehmenden Persönlichkeiten Blumen überreichen. Die Urgroßmutter brachte ihr die Kunst der Hirschberger Stickerei und die schwierige Technik des Nadeltülls bei, sie lehrte sie die Volkskunde, führte sie in das Brauchtum, die Trachtenkunde und die schlesische Mundart ein. Diese Kenntnisse prägten ihr Leben.

Das Kriegsende erlebte sie als Kinderbetreuerin in Albendorf/Wambierzyce in der Grafschaft Glatz/Kotlina Kłodzka. Die traumatischen Erlebnisse, die Gefahr seitens der sowjetischen Soldaten, die Plünderungen und Vergewaltigungen, bildeten die Grundlage ihres bekanntesten und literarisch wohl besten Buches „Matka mit den bloßen Füßen“ (1980).

Ein Pole half ihr in den westlichen Teil Deutschlands zu flüchten. Daher vermutlich auch ihr starkes Engagement für die Völkerverständigung. Nach der Flucht kam sie nach Buchholz in der Nordheide/Niedersachsen.

1950, nach der Eheschließung, zog sie als Hanna-Barbara Strehblow nach Lörrach, wo ihr Mann eine Stelle bekam. Nach der Trennung von ihrem Mann siedelte sie nach Efringen-Kirchen um, wo sie neben den familiären Verpflichtungen auch ihren Heimatdialekt pflegte, die niederschlesische Volkstradition verbreitete, insbesondere die „einzigartige Sticktechnik des Hirschberger Nadeltülls“2, die eine der seltensten sieben Sticktechniken in Europa ist.

Erle Bach ist es zu verdanken, dass die berühmten Hirschberger Stickereien und Spitzen nicht in Vergessenheit geraten sind. In Lörrach gründete sie eine Jugend- und Trachtengruppe, in der eine Stickgruppe Trachtentücher und -schürzen nach Originalmustern stickte. Sie bot Kurse, Seminare und Workshops für die Hirschberger Stickerei an.

Erle Bach in Hirschberger Tracht

Von ihr stammte die Idee der Bildchen mit Stickerei. Interessenten für die Hirschberger Stickerei fand Erle Bach allerdings zuerst im Engadin: Sie stellte ihre Arbeiten auf der Basler Mustermesse aus, und sie fanden sich auch in Basler Galerien zum Verkauf. Sie gab Stickkurse u.a. in St. Moritz und St. Gallen und präsentierte schlesische Trachten und Volkskunst.

In den 70iger Jahren gelang es ihr, in Baden-Württemberg Interesse für die Hirschberger Stickerei und die Technik der schlesischen Weißstickerei mit Nadeltüll zu wecken.

Sie arbeitete unermüdlich an der Wiederbelebung und Erhaltung der Hirschberger Stickkunst. Ihr Vorhaben, die Veröffentlichung eines Fachbuches über die „Hirschberger Stickerei“, musste sie aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen verwerfen. Sie selbst erlernte diese Technik mit acht Jahren, sie war Bedingung, als Trachtenkind oder Hirschberger Trachtenputzel auftreten zu dürfen. In ihrer Freundin, Gerda Benz3, fand Erle Bach eine würdige Nachfolgerin, um die Hirschberger Stickerei weiterzuvermitteln.

1964 setzte sie sich für die Gründung der Europeade4 ein, die jährlich stattfindet und jeweils in einem anderen europäischen Land ausgetragen wird.

Erle Bachs Verdienst ist auch die Pflege des schlesischen Dialekts. Sie wurde als Mundart- und Volkskundlerin gebeten eine Mundartgruppe aufzubauen. So gründete sie 1982 den Arbeitskreis „Archiv für schlesische Mundart in Baden-Württemberg“5. Sie leitete ihn 14 Jahre. Zudem wirkte sie mit an der Veröffentlichung der Publikation des Arbeitskreises „Woas die Stoare pfeifa“ im schlesischen Dialekt.

Nicht unerwähnt soll ihr literarisches Schaffen sein: Bereits als Schülerin schrieb Hanna-Barbara Gedichte und Märchen, die jedoch während der Kriegswirren verlorengingen. Nachdem sie in mehreren Berufen u.a. als Hausmädchen, Waldarbeiterin, Sprechstundenhilfe, Justizangestellte und 25 Jahre als freischaffende Journalistin für bekannte Zeitschriften tätig war, erlernte sie den Beruf einer Buchhändlerin in der Schweiz. Ihre Arbeiten veröffentlichte sie zunächst unter Hanna-Barbara Rauthe, nach der Eheschließung unter Hanna-Barbara Strehblow-Rauthe, danach unter Barbara Strehblow, bis sie den Künstlernamen Erle Bach annahm. Vermutlich zu Ehren der einstigen Besitzer der Erlebach-Baude, mit denen sie sehr verbunden war6.

Das Hauptmotiv ihrer Werke ist das Leid der Mütter und Kinder während des Krieges und die verlorene Heimat. Sie berichtet in ihren Werken über das Erlebte, schreibt für Frieden und gegen Gewalt, insbesondere gegen Frauen. Sie hielt Vorträge und Lesungen und wirkte als Zeitzeugin. Sie engagierte sich auch für die schlesischen Vertriebenenverbände.

Ihre bekanntesten Werke sind:

1974 Die Knoblauchschmiede

1977 Erzählung der Eidechse

1980 Matka mit den bloßen Füßen – Die Straße der Mütter

1982 Brieger Gänse fliegen nicht

1987 Das ganze Riesengebirge – Rübezahls böhmisch-schlesisches Reich

1988 Ganz Niederschlesien in Farbe – Zwischen Iserkamm und Schlesiersee

1991 Vom Sudetenland zur Oberschlesischen Platte

1990 Baudenzauber

1992 Das alte Hirschberg zwischen Handel und Poesie. Eine 700jährige Stadt im Herzen Europas im Spiegel ihrer Geschichte

1995 In ihrem Atem schläft die Zeit.

Eine Suche nach Quellen, Wurzeln und Herkunft

Ihr engagiertes und reichhaltiges Wirken für Schlesien begleiten zahlreiche Preise und Ehrungen, darunter:

1974 und 1977 Erzählerpreis des Ostdeutschen Kulturrats

1988 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg

1988 Bundesverdienstkreuz am Bande für Völkerverständigung

1988 Hirschberger Ehrenmedaille des Kuratoriums der Stadt Hirschberg in Alfeld

1988 Ehrengabe des Wangener Kreises Gesellschaft für Literatur und Kunst „Der Osten“ e. V.

1989 Ehrengabe der Gemeinde Efringen-Kirchen

1993 Schlesierschild der Landsmannschaft Schlesien

Die neue Erlebach-Baude/Erlechova Bouda (1150 m) im Riesengebirge mit der Kapelle des hl. Franziskus von Assisi.7

Ballestrem, von

Die Grafen von Ballestrem waren Großgrundbesitzer und Industrielle und sind fest mit Oberschlesien verwurzelt. Sie trugen maßgeblich über Generationen zur Entwicklung der Bergbau- und Hüttenindustrie bei, insbesondere der Zinkhüttenindustrie in Oberschlesien und der Entwicklung Oberschlesiens zu einem deutschen Bergbau- und Industriezentrum.

Die Ballestrem-Industriewerke repräsentieren:

Carl Franz Graf von Ballestrem

* 5. Mai 1750 in Woischnik, † 14. August 1822 in Plawniowitz/Pławniowice

Carl Ludwig Graf von Ballestrem (jüngerer Bruder des Grafen Carl Franz)

* 19. November 1755 in Rosenberg/Olesno, † im Sommer 1829

Majoratsbesitzer und Unternehmer der Montanindustrie in Oberschlesien

Carl Wolfgang Graf von Ballestrem (ältester Sohn des Grafen Carl Ludwig)

* 15. März 1801 in Ratibor/Racibórz, † 20. November 1879

Er studierte am Technischen Institut in Breslau.

Franz Graf von Ballestrem

(Sohn von Carl Wolfgang)

* 5. Sepember 1834 in Plawniowitz

† 23. Dezember 1910 in Plawniowitz

Er studierte Bergwissenschaft und trat nach Abschluss seines Studiums die Offizierslaufbahn an. Bei der Übernahme des Besitzes war er sowohl Bergfachmann als auch Soldat, was sich sehr positiv auf seine Betriebs- und Menschenführung auswirkte. Franz Graf von Ballestrem war ein bekannter Zentrumspolitiker und von 1896 bis 1906 erster schlesischer Reichstagspräsident.

Graf Valentin von Ballestrem (ältester Sohn des Grafen Franz)

* 21. Dezember 1860 in Breslau, † 17. Mai 1920 Schloss Plawniowitz

Er studierte Rechtswissenschaften und übernahm als Jurist die Verwaltung des industriellen Besitzes.

Dr. Graf Nikolaus von Ballestrem (Sohn des Grafen Valentin)

* 29. November 1900 in Obergläsersdorf/Szklary Górne

† im Februar 1945 beim Bomben-Inferno auf Dresden

Er studierte Jura an der Universität Göttingen und promovierte 1925 zum Thema „Das Materielle Bergbauliche Grundabtretungsrecht Preußens in seinen Grundzügen“.

1926 übernahm er die Verwaltung des Besitzes von Ballestrem.

Die Anfänge der Graf von Ballestrem-Industriewerke gehen auf das Jahr 1737 zurück, als der kurpfälzische Hofrat und Kammerherr Franz Wolfgang Freiherr von Stechow8 das Gut Plawniowitz erwarb. 1748 kaufte er noch die Güter Ruda/Ruda, Biskupitz/Biskupice und Hammer/Kuźnia und gründete ein Majorat. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn, Carl Franz von Stechow, den Besitz.

Carl Franz Freiherr von Stechow war der letzte männliche Nachkomme im oberschlesischen Zweig dieser uralten märkischen Familie. Er starb kinderlos.

Die älteste Schwester von Franz Wolfgang von Stechow, Elisabeth Maria, war mit Giovanni Battista Angelo Graf Ballestrem di Castellengo verheiratet.

Giovanni Battista Angelo Graf von Ballestrem stammte aus Savoyen. Seit 1742 diente er dem preußischen König Friedrich d. Großen. Aus dieser Ehe stammen zwei Söhne: der ältere, Graf Carl Franz, und der jüngere, Carl Ludwig von Ballestrem. Beide waren preußische Offiziere. Giovanni Battista Angelo Graf von Ballestrem ist der Begründer des oberschlesischen Grafengeschlechtes.

Nach dem Tode des Carl Franz Freiherr von Stechow (1798) erbte sein Neffe, der Sohn des Grafen Giovanni Battista Angelo Graf von Ballestrem, Carl Franz Graf von Ballestrem (1750–1822), den gesamten Besitz, das Majorat Plawniowitz, und baute diesen Grubenbesitz weiter aus. Mit ihm beginnt die Ära des Hauses von Ballestrem.

Stammsitz der Familie von Ballestrem, Schloss Plawniowitz/Pławniowice

Der letzte deutsche Besitzer von Plawniowitz war Dr. Nikolaus Graf von Ballestrem. Er flüchtete im Frühjahr 1945 vor der Roten Armee und kam beim Dresden-Inferno mit seinen drei Kindern ums Leben.

Die von Ballestrems sorgten für ihre Arbeiter und deren Familien: Sie bauten Krankenhäuser, Waisenhäuser und Arbeiterwohnsiedlungen, die zu jener Zeit die modernsten in Europa waren, wie z. B. die Castellengo-Siedlung in Rokittnitz/Rokitnica. Sie bauten Kirchen, Klöster, ein großes Rehabilitationszentrum in Bad Ziegenhals/Głucholazy, und finanzierten dessen Betrieb. Sie eröffneten das erste Gymnasium in Ruda (1895)/Ruda Śląska und errichteten Schulen, darunter auch eine Mädchenschule.

(links) Denkmal des Grafen Giovanni Battista Angelo Ballestrem di Castellengo, des Begründers des oberschlesischen Adelsgeschlechts, (rechts) Eingangsportal zum Schloss, über dem Balkon das Wappen derer von Ballestrem und über dem Fenster (rechts) die Inschrift Carl F. Ballestrem. (Fotos: Autorin, 2012)

Nach Kriegsende 1945 wurde der Besitz der von Ballestrem verstaatlicht, und das Schloss diente Benediktinerinnen als Kloster.

In den 1990er Jahren wurde die Schloss- und Parkanlage u.a. mit Geldern des deutschen Bundesinnenministeriums restauriert. Das Schloss dient heute als Tagungsstätte der Diözese Gleiwitz/Gliwice.

Graf Franz von Ballestrem stiftete u.a. die St. Joseph-Kirche in Ruda/Kościól pw. św. Józefa in Ruda Śląska (1902-1904). In der Krypta unter dem Presbyterium befindet sich die letzte Ruhestätte der Familie von Ballestrem.

(Fotos: priv. 2015)

Die heutigen Einwohner der Stadt Ruda/Ruda Śląska wissen die Verdienste Franz von Ballestrem für die Stadt und die industrielle, wirtschaftliche und politische Entwicklung der Region sehr zu schätzen. 2015 fand im Städtischen Museum von Ruda Śląska eine Ausstellung zu Ehren von Franz von Ballestrem statt. Die Stadt unterhält auch regen Kontakt mit der Familie von Ballestrem.

Benz, Gerda, geb. Scholz

* 06. Oktober 1919 in Kamin/Kamień Górowski

† 10. Oktober 1999 in Herne

Volkskundlerin

Autorin und Herausgeberin

Die schulische Ausbildung erhielt Gerda Benz im Lyzeum der Höheren Lehranstalten Bethanien in Breslau. Sie heiratete einen Lehrer aus dem Ruhrgebiet, der in Neu-Ellguth, Kreis Guhrau/Ligota, powiat Góra, unterrichtete und übernahm bald den Handarbeitsunterricht in der Schule.

Ende Januar 1945 flüchtete sie mit ihren zwei kleinen Kindern vor der Sowjetarmee. Sie war mehrere Wochen auf der Flucht. Der Weg führte sie über Steinau/Ścinawa, Lüben/Lubin, weiter über Sprottau/Szprotawa nach Meißen und Marbach bei Nossen, bis sie über Frankenberg/Saale in Thalheim bei Chemnitz ankam. Dort nahm sie eine Stelle als Junglehrerin an. Die politischen Umstände in der sowjetisch besetzten Zone führten sie bald auf den Weg nach Herne, in die Heimat ihres Mannes (1946).

1954 kam sie zur Landsmannschaft Schlesien. Sie wurde schnell eine wichtige Mitarbeiterin zu den Themen Volkskunde, Literatur und Mundart. 1957 übernahm sie die Leitung der Kindergruppe, baute zunächst die schlesische Trachtengruppe Herne und danach die Jugendgruppe auf. Sie vermittelte den jungen Leuten ihr Wissen über das schlesische Brauchtum und erarbeitete Unterrichtshefte. Es entstand das Arbeitsheft „Wir basteln“ und „Tänze für Kinder“. Bald wurde sie Referentin für Kindergruppenarbeit der schlesischen Jugend und danach Kreisvorsitzende der Deutschen Jugendorganisation in Herne. Sie übermittelte alle Facetten der Geschichte und Kultur ihrer schlesischen Heimat, die Bräuche, Trachten, Tänze, Gesang, Handarbeitstechniken und praktizierte die schlesische Mundart. Sie arbeitete daran, die schlesische Tradition im westlichen Teil Deutschlands zu integrieren. Sie wirkte als Referentin, schrieb Bücher und Beiträge für verschiedene Publikationen und leitete Kurse. Sie war bei Schlesiertreffen im In- und Ausland aktiv.

Gerda Benz pflegte leidenschaftlich jegliche Art von Handarbeiten. Ihre Begeisterung für die Stickerei wuchs mit der Schönwälder Buntstickerei9, die in einem kleinen Dorf namens Schönwald/Bojków10 zu Hause war. Gerda Benz fand, neben der Schönwälder Buntstickerei und der Hirschberger Weißstickerei11, die bekanntlich zu den sieben seltensten Techniken weltweit zählt, noch weitere Stickereien. Die 26 von Gerda Benz entdeckten Stickereien reichen bis nach Ostpreußen und in den Donauraum. Sie beschreibt diese Sticktechniken und Muster in ihrem Buch „Von der Ostsee bis zum Karpatenbogen. Deutsche Stickereien aus Osteuropa“12, u.a. die:

Bunte Schönwälder Stickerei13

- Hirschberger Weißstickerei – Nadelspitze

- Schönwälder Stickerei

- Fischschuppenstickerei

- Kuhländer Weißstickerei und Bortenstickerei

- Niederschlesische Weißstickerei – Schleife

- Kaschubische Bundstickerei

- Banaten-Stickerei

- Böhmerwald-Stickerei

- Egerländer Stickerei

- Mark Brandenburg

- Tüllstickerei im Altvatergebirge

Die Hirschberger Weißstickerei lag Gerda Benz besonders am Herzen, denn sie gehört zur Riesengebirgstracht wie die Schneekoppe zum Riesengebirge. Dieser gab sie die Priorität neben allen anderen Stickereien und pflegte sie ganz besonders.

Ihre bestickten Bildchen fanden ein großes Echo, sie machten die ostdeutschen Stickereien einem großen Publikum bekannt. G. Benz selbst steuerte viele Exponate zu Ausstellungen bei und demonstrierte die Geheimnisse der Hirschberger Stickerei, die sie perfekt beherrschte.

Als Volkskundlerin dachte sie auch an das Wohl der Schlesier, wovon ihr kleines Büchlein „Von Scheinevesper und Lachrampfteln“ spricht. Die beliebten schlesischen Nusskrippel beschreibt sie in ihren „Volkskundlichen Werken“. Sie war auch Herausgeberin der sogenannten Lila Hefte: Darunter finden wir Titel, wie „Der stille Osten des Riesengebirges“, „Guhrau im Neiderland“ und „Unbekanntes von Rübezahl“. Das erste Lila Heft widmet sie den schlesischen Volkstänzen und zählt 110 Tanztitel auf. In einem Heft „Die goldene Schnur geht um das Haus…“ (1976) trug Gerda Benz Texte, Geschichten und Lieder anlässlich des Sommer-Einsingens14 am Sonntag Lätare in Schlesien zusammen, zeichnete 26 Sommerstecken auf und beschriftete sie, s. Muster:

Sie pflegte besonders die seltene und einzigartige schlesische Mundart des Neiderländischen und bewahrte sie vor Vergessenheit. Sie erarbeitete für das „Archiv für schlesische Mundart in Baden-Württemberg“ einen Band mit dem Titel Neiderland – Eiber derr Auder. Es ist wohl die einzige Publikation über diese Mundart. Diese neiderländische Mundart war „die Sprache“ ihres Geburtsortes, sie lernte sie von ihrem Vater.

Ihre unermüdlichen zahlreichen Aktivitäten für die schlesische Kultur wurden mit hohen Auszeichnungen gewürdigt:

1965Silberne Ehrennadel der Landsmannschaft Schlesien1968Goldene Nadel der Landsmannschaft Schlesien1980Schlesierkreuz1988Anerkennungspreis zum Ostdeutschen Kulturpreis für kulturelle Jugendarbeit1997Schlesierschild

Schlesisches Brauchtum15: Sommersingen am Sonntag Lätare: Zeichnungen von Gerda Benz

Der Erbauer der Breslauer Jahrhunderthalle

Berg, Max Paul Eduard

* 17. April 1870 in Stettin/Szczecin

† 22. Januar 1947 in Baden-Baden

Architekt

Seine schulische Ausbildung absolvierte Berg in Stettin. Nach Ablegung des Abiturs studierte er an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg (1889-1893). Danach diente er zwei Jahre beim Militär in seiner Geburtsstadt. 1898, nach Ablegung der zweiten Staatsprüfung, wurde Berg zum Regierungsbaumeister ernannt. Zunächst war er in der Stettiner Hochbauverwaltung tätig, danach als Bauinspektor bei der Stadtverwaltung in Frankfurt am Main. 1908 unternahm er eine Studienreise nach Großbritannien. Im selben Jahr wurde Berg zum Stadtbaurat für Hochbau in Breslau gewählt. In dieser Funktion wirkte Berg von 1909 bis 1925.

Als nach dem Ersten Weltkrieg die Frage der Hochhäuser in Deutschland diskutiert wurde, unterbreitete Berg 1920 seine Hochhausentwürfe dem Breslauer Stadtrat. Er bemühte sich auch um die Reform der Bauordnung bei der preußischen Regierung, die den Hochhausbau allgemein regeln sollte. Berg scheiterte: Der Provinzialverband Schlesien kritisierte seine Hochhausentwürfe, sie würden die Stadt verunstalten. Es gab aber auch mehrere Befürworter dieser Vorschläge, u.a. den Schriftsteller und Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann16. Zur Realisierung seiner Hochhauspläne kam es auch aus finanziellen Gründen nicht. Als Städteplaner schlug Berg am Beispiel von Breslau planmäßig und durchdacht verteilte Hochhäuser an wichtigen Punkten der Stadt vor; in der Nähe von großen Plätzen, am Wasser und in Industriegebieten, so dass sie andere Wohngebiete nicht in den Schatten stellen.

Während eines von Berg organisierten Wettbewerbs für die Entwicklung der Stadt Breslau war er Mitglied im Preisgericht. Die ausgewählten Entwürfe entsprachen jedoch nicht seinen Ideen, er unterzeichnete den Endbericht nicht. Bergs Verhalten wurde als skandalös betrachtet und von der Presse, dem Stadtrat, seinen Parteifreunden, den Sozialdemokraten, stark kritisiert. Es hagelte Proteste. Aufgrund zahlreicher Konflikte trat Berg aus der SPD aus und legte 1925 sein Amt als Stadtbaurat im gegenseitigen Einvernehmen nieder.

Im Ruhestand widmete sich Berg der Publizistik, Theosophie und christlichen Mystik. Zudem war er 1929 Preisrichter im Wettbewerb für das Hochhaus der Sparkasse am Ring in Breslau17. 1930 wurde Max Berg eine Retrospektive gewidmet.

Einige seiner Projekte blieben unverwirklicht, wie z. B. der Architekten-Wettbewerbs-Entwurf für Groß-Berlin (1910), der Entwurf eines Krematoriums für den Friedhof in Breslau-Gräbschen/Wrocław-Grabiszynek (1914-1916), Projekte für die Errichtung von Hochhäusern in Breslau, darunter eines Hochhauses neben dem Breslauer Rathaus, Pläne für den Umbau des Stadtzentrums von Hindenburg/Zabrze. Wir können uns aber freuen, dass einige verwirklichte Pläne bis heute erhalten geblieben sind.

Die Breslauer Jahrhunderthalle ist Bergs bedeutendstes Werk. Sie wurde 1913 nach seinem Entwurf fertiggestellt. Als Architekturvorbild diente das antike, um 118 n. Chr. fertiggestellte Pantheon in Rom.

Sie wurde nach der Stahlbeton-Technologie errichtet und war damals das weltweit größte Bauwerk dieser Bauart. Der Stahlbeton-Kuppelbau hatte damals die größte Spannweite in der Welt und wurde als Ausstellungs- und Festhalle zur Hundertjahrfeier der Befreiung von der napoleonischen Herrschaft (1813, Völkerschlacht bei Leipzig) errichtet. Es war eine Pionierleistung. Über dem Eingangsportal war eine Großplastik angebracht, die der damals junge Bildhauer Alfred Vocke18 schuf. Das Betonrelief stellte den Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen dar und war mit einem Zitat aus Friedrich Wilhelm III. Aufruf „An mein Volk“19umrandet (entfernt). Zudem entwarf Hans Poelzig20 ein Ausstellungsgebäude mit vier kleinen Kuppeln und eine Pergola um den künstlich angelegten Teich, und Robert Bednorz21 schuf einen Brunnen mit der Skulptur von Pallas Athene22 (entfernt)23.

Die Jahrhunderthalle hat den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstanden. 2006 wurde sie in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO24 aufgenommen. Die Breslauer Jahrhunderthalle zählt zu den Wahrzeichen der Stadt Breslau. Heute finden hier verschiedene Ausstellungen, Wettbewerbe, kulturelle und sportliche Veranstaltungen statt. 2013 feierte Breslau den 100jährigen weltbekannten Hallenbau von Max Berg.

Die Breslauer Jahrhunderthalle und ihr Kuppelbau

Die Jahrhunderthalle wurde eröffnet mit Gerhart Hauptmanns25 „Festspiel in deutschen Reimen“.

(Fotos: Autorin, 2015)

Zu den verwirklichten Plänen und noch erhaltenen Bauwerken zählen u.a. das Südliche Wasserkraftwerk (1921-1924, mit Ludwig Moshamer) und das Nördliche Wasserkraftwerk an der Oder (1921-1925, mit Paul Schreiber26 und Wilhelm Anders27).

Tafel am Eingang zum Wasserkraftwerk in polnischer und englischer Sprache.Südliches Wasserkraftwerk an der Oder Es wurde 1924 an der Stelle der früheren Mittleren Mühle nach dem Projekt von M. Berg und L. Moshamer errichtet. An der architektonischen Ausschmückung des Wasserkraftwerkes arbeiteten mehrere Künstler, u.a. R. Bednorz, Th. Myrtek, H. Leistikow und J. Vonka.

(Fotos und Übersetzung: Autorin, 2015)

Am Eingangstor der Villa von Max Berg in Breslau, Copernicusstraße 19/ul. Kopernika 19, ist eine Gedenktafel in polnischer und englischer Sprache angebracht:

(Fotos und Übersetzung: Autorin, 2015)

Max Berg

1870-1947

In diesem, nach eigenem Plan umgebauten Haus wohnte in den Jahren 1910-1923 der hervorragende Architekt Max Berg, der Erbauer der Jahrhunderthalle, Stadtbaurat von Breslau von 1909-1924, Projektant städtischer Bauwerke, u.a. von zwei Wasserkraftwerken, einem Säuglingsheim, einer Städtischen Badeanstalt, von Armenhäusern und einer Kapelle am Oswitzer Friedhof.

Brochenberger, Hans

* 1887 in Berchtesgaden

† 1976 in Landshut

Holz- und Steinbildhauer

Brochenberger war kein gebürtiger Schlesier, hat aber viele Jahre in Jannowitz/Janowice Wielkie und Waltersdorf/Mniszków gelebt und gewirkt.

Rübezahl, Holzplastik28

Nach Abschluss der mittleren Reife besuchte Brochenberger die Fachschule für Holzschnitzerei in Berchtesgaden, danach die Kunstgewerbeschule in München und die Meisterklasse der Münchner Kunstakademie. Seine hervorragenden Werke brachten ihm Stipendien ein, die er für Studienreisen nutzte. Brochenberger war Rom-Preisträger29, was ihm einen Studienaufenthalt in der Deutschen Akademie, der Villa Massimo in Rom, ermöglichte. Als Assistent an der Kunstgewerbeschule in München schuf er den „Nonnenbrunnen“, ursprünglich am Stachus, und die bildhauerischen Arbeiten am Dallmayr-Haus. Danach war er am Städel-Institut in Frankfurt am Main und an der Bildhauer-Kunstakademie in Düsseldorf tätig.

1914 zog er in den Kriegsdienst, wurde schwer verwundet und kriegsuntauglich.

1917 erhielt Brochenberger einen Ruf an die Holzschnitzschule30 in Bad Warmbrunn/Cieplice Zdrój im Riesengebirge, an der er bis 1922 tätig war. Danach wirkte er als freischaffender Künstler. Zunächst lebte er im Künstlerhaus in Schreiberhau/Szklarska Poręba, zog danach nach Jannowitz, wurde aber später in Waltersdorf ansässig. Er erwarb dort ein altes Schulhaus, das er zu der Drei-Linden-Baude (nicht erhalten) umbaute und auch bewirtschaftete. In seinem Waltersdorfer Atelier schnitzte er u.a. lustige Wegweiser, die ihn berühmt machten und die Besucher erfreuten.

Wegweiser von Hans Brochenberger im Riesengebirge:

rechts oben: Dieser Wegweiser stand am Bahnhofsplatz in Jannowitz mit folgendem Text:

„Nehmt heim ein Stück von Berg und Wald,

Laßt uns ein Stück von Eurem Herzen.“

links: Der einstige Wegweiser von Brochenberger in Jannowitz 1992 mit den Hinweisen: links Richtung Bahnhof, rechts Richtung Kupferberg

Heute will man die Tradition der historischen Wegweiser im Riesengebirge wieder aufleben lassen. In Schreiberhau stehen bereits die ersten dreizehn polnischen holzgeschnitzten Wegweiser. Sie sind eine neue touristische Attraktion.31

(Foto: priv. 2015)

Brochenberger fertigte Grabkreuze für den Friedhof bei der Stabkirche Wang in Krummhübel/Kościół Wang in Karpacz an. Heute stehen noch vier Holzkreuze, können aber Brochenberger nicht hundertprozentig zugeordnet werden.

Seine Holzschnitzarbeiten mit schlesischen Motiven schmückten zahlreiche Gebirgsbauden im Iser-und Riesengebirge und außerhalb dieser Region. In der Andreasbaude/Andrzejówka bei Waldenburg/Wałbrzych ist noch seine Holzschnitzarbeit „Schlesisches Tanzpaar“ erhalten. Für den Gästesaal der Andreasbaude schuf Brochenberger die berühmte Skulptur „Gute Seele des Hauses“ und eine ganze Reihe schlesischer Motive.

(Foto: priv. 2013)