Schattenträumer - Andrea Busfield - ebook

Schattenträumer ebook

Andrea Busfield

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Opis

Liebe in Zeiten des Krieges Zypern, 1955. Der 15-jährige Loukis trennt sich von seiner großen Liebe, um sich einer Widerstandsgruppe in den Bergen anzuschließen. Er ist fest entschlossen, den Tod seines Bruders Nicos zu rächen, der von den britischen Besatzern erschlagen wurde. Jahre später kehrt er in sein Dorf zurück, und nichts ist mehr wie zuvor. Eine schmerzvoll schöne Familiensaga über Liebe und Trennung vor dem Hintergrund der Konflikte, welche die Insel bis heute nicht zur Ruhe kommen lassen. 'Ein bezaubernder Roman, der die Herzen der Leser erobern wird.' News of the World

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EPUB
MOBI

Liczba stron: 586




Andrea Busfield

Schattenträumer

Roman

Aus dem Englischen von Carina Tessari und Yasemin Dinçer

Impressum

Die Originalausgabe mit dem TitelAphrodite’s Warerschien 2010 bei Doubleday, London

ISBN E-Pub 978-3-8412-0211-6ISBN PDF 978-3-8412-2211-4ISBN Printausgabe 978-3-352-00798-9

Aufbau Digital,veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, März 2011© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, BerlinDie deutsche Erstausgabe erschien 2011 bei Rütten & Loening,einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG© Andrea Busfield, 2010Karte © Rainer J. Fischer

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung capa, Anke Feselunter Verwendung eines Motivs von © Clayton Bastiani / trevillion images,© Andrew Holt / getty-images und © Olive Images / photolibrary

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,KN digital – die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

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Innentitel

Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

Informationen zur Autorin

Impressum

Inhaltsübersicht

Erster Teil 1955

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Zweiter Teil 1963

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

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Dritter Teil Pissouri, 2007

25

Danksagung

Anhang

Zeittafel

Leseprobe

1

Für »Mamma« Erato Hajisavva und in stillem Gedenken an »Papa« Varnavas Hajisavva

Erster Teil

1955

Die Generalversammlung,

die Auffassung vertretend, dass die Verabschiedung einer Resolution in der Zypernfrage vorläufig nicht angemessen erscheint, beschließt, sich nicht weiter mit der Sache »Anwendung, unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, des Grundsatzes der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker im Fall der Bevölkerung der Insel Zypern« zu befassen.

Resolution 814 (IX) der UN-Generalversammlung

17. Dezember 1954

1

Dhespina war gerade dabei, im Gartenhaus die Salbe gegen die Hämorrhoiden des alten Televantos anzurühren, als der Greis angerannt kam, mit einer Hand seinen Stock umklammernd, mit der anderen seinen Hosenboden.

»Loukis!«, keuchte er mit hochrotem, schmerzverzerrtem Gesicht, als er auf wackeligen Beinen in der Tür zum Stehen kam.

»Was ist mit ihm?«

»Er kam mit vollkommen irrem Blick ins Haus gestürzt und ist direkt vor meinen Füßen zusammengebrochen. Wie ein Felsbrocken. Krach! Er fiel zu Boden wie ein nasser Sack!«

Dhespina warf die Schüssel mit der Salbe hin, griff nach zwei Blecheimern, die unter dem Tisch standen, und rannte hinüber zum Haus. Gleich hinter der offenen Holztür lag ihr Sohn der Länge nach wimmernd auf dem Boden. Sein Gesicht glühte, und seine schwarzen Haare waren so verschwitzt, dass sie sich kräuselten.

»Mamma …«

»Keine Angst, Loukis. Mamma ist da. Mamma ist schon da, mein Sohn.«

Vorsichtig nahm Dhespina ihr jüngstes Kind hoch und trug es in sein Zimmer, wo sie als Erstes die Fensterläden schloss, um seine von Angst geweiteten Augen vor dem Licht zu schützen.

Es war lange her, seit Loukis seinen letzten Angstanfall erlitten hatte; den ersten hatte er vor acht Jahren gehabt, kurz nach dem Tod ihres Hundes Apollo. Bei Dhespinas Vater war es genauso gewesen – sein gesamtes Leben hatte ihn etwas heimgesucht, dem sein Geist nicht gewachsen war, und nun linderte Dhespina Loukis’ Qualen mit denselben Mitteln, die ihre Mutter ihr einst gezeigt hatte: ein Tuch, so kalt wie Eis, ein zweites so warm wie der Sommer. Die Kälte half das Fieber zu senken, die Wärme besänftigte den Druck in seinem Kopf.

Doch bei allem, was sie von ihrer Mutter und den heimischen Pflanzen gelernt hatte, wusste Dhespina, dass es kein Heilmittel gegen diese Angst gab: Es war eine Krankheit, deren Ursache in der Seele lag, nicht im Körper. Aus Erfahrung wusste sie auch, dass ihr Sohn, sobald der Zauber der Tücher wirkte, in den Schlaf gleiten würde, wo sich dann die Träume seiner annehmen und ihn von der Ohnmacht und der Dunkelheit zurück ans Licht führen würden.

Leise, um ihn nicht aufzuschrecken, entfernte sich Dhespina vom Bett des Jungen und ging mit dem warmen Tuch zu dem Wassereimer, in dem Rosmarinzweige schwammen. Voller Dankbarkeit für die schmalen Blätter und die zartblauen Blüten der Pflanze, die man das ganze Jahr über bekommen konnte, küsste sie das Tuch, bevor sie es wieder in den Eimer tauchte. Dann griff sie nach dem Stückchen Stoff in dem Eimer mit dem kalten Wasser und legte es ihrem Sohn auf die Stirn. Bei dem plötzlichen Temperaturunterschied begannen Loukis’ Lider zu zucken. Er war leichenblass, und auf seinem schmächtigen nackten Oberkörper tanzten die Schatten des Kerzenlichts, das neben der Statue von Apollo flackerte, die sein Bruder vor so vielen Jahren geschnitzt hatte.

Mit der Liebe einer Mutter wechselte Dhespina bis in den Abend hinein Tücher, um die ungesunde Röte von den Wangen ihres jüngsten Sohnes zu vertreiben. Bald würde die Angst ihren Griff ganz gelöst haben, würde seine zartbraune Gesichtsfarbe zurückgekehrt sein, ehe der Morgen aufzog.

Mikros Lykos. Kleiner Wolf. So hatte Georgios ihn genannt, als er ihr fünftes und letztes Kind zum ersten Mal erblickt hatte. Denn Loukis war mit dunklem Flaum auf dem Rücken zur Welt gekommen, und aus seinem Zahnfleisch hatten bereits vier winzigkleine Zähnchen gespitzt. Sein Kopf war von tiefschwarzen Haaren bedeckt gewesen, und seine Augen hatten geschimmert wie Kohlen. »Mikros Lykos«, hatte Georgios geflüstert, und Loukis hatte seinen Kopf zurückgeworfen, so als würde er die Worte seines Vaters genau verstehen und hätte beschlossen, sie zu verinnerlichen.

In diesem Moment, da ihr Sohn noch ganz vom blutigen Film der Geburt umhüllt war, erkannten Georgios und Dhespina, dass ihr fünftes Kind in einer Weise anders war, die über seine Behaarung hinausging. Nicht so wie Nicos’ Zwillingsbruder Marios, dessen sanftmütiges Wesen seine verlangsamte Entwicklung aufwog, eher eine Eigenheit, mit der sie später alle Hände voll zu tun haben würden.

»Artemis muss auf ihrem Weg zur Jagd vorbeigekommen sein, als er gezeugt wurde«, witzelte Georgios, während er Loukis über seine zarten, kleinen Wangen strich. »Der Atem ihrer Wölfe lebt in unserem Sohn weiter.«

Damals hatte Dhespina gelächelt bei der Vorstellung, dass ihr Kind von der unzähmbaren Göttin gesegnet worden sein sollte, doch die im Spaß gesagten Worte ihres Mannes verloren nach und nach ihren Zauber, als die Jahre vergingen und Loukis vom Baby zum Kleinkind heranwuchs, ohne irgendwelche Anstalten zu machen, sich auf seine Füße zu stellen. Noch mit drei Jahren weigerte sich ihr jüngster Sohn standhaft, etwas anderes zu tun, als zu krabbeln, was Dhespina mit großer Sorge erfüllte. Ihre älteren Jungs fanden das natürlich höchst amüsant und ermunterten ihren Bruder lautstark, ihnen in die Knöchel zu beißen. Doch außerhalb ihrer vier Wände sorgte das sonderbare Verhalten ihres Kindes für mitleidige Blicke der Nachbarn, die, nicht ganz ohne Grund, vermuteten, Dhespina könnte einen weiteren Schwachkopf zur Welt gebracht haben. Doch Marios hatte, bei aller Beeinträchtigung, mit vierzehn Monaten aufrecht stehen können, und Dhespina wurde das Gefühl nicht los, dass es im Fall ihres Jüngsten weniger eine Frage des Könnens als vielmehr des Wollens war. Von dem Zeitpunkt an, als seine schwarzen Augen Dinge zu fixieren vermochten, zeigte Loukis wenig Interesse an all dem, wozu ihn seine Familie so dringend zu bewegen versuchte. Er ignorierte sie einfach vollkommen und jagte stattdessen auf Händen und Knien Apollo, dem Hund, nach.

»Er wird sich aufrichten, wenn er so weit ist«, beruhigte Georgios seine Frau, als diese während des Abendessens wieder einmal auf das Thema kam.

»Wenn es nur das wäre, Georgios! Aber Loukis versucht genauso wenig zu sprechen. Das ist doch nicht normal für einen Jungen in seinem Alter. Ganz bestimmt nicht.«

»Du machst dir zu viele Sorgen, Dhespo. Unsere Söhne sind alle gesund und kräftig, und in den Adern von Mikros Lykos fließt das gleiche Blut. Eines Tages wird er aufstehen, so, wie es unsere anderen auch gemacht haben, und dann wird er ums Haus rennen, zwischen deinen geliebten Töpfen und Pfannen herumklettern, dein Geschirr kaputtschlagen und die Sachen zerreißen, die du ihm genäht hast. Und dann wirst du dir wünschen, er würde wieder auf dem Boden herumkrabbeln und mit dem Hund tollen!«

»Er heißt Loukis, Georgios! Er ist kein kleiner Wolf, er ist ein kleiner Junge, und je länger du ihn Kleiner Wolf nennst, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich zu einem großen entwickelt. Also hör endlich auf damit. Ich flehe dich an!«

Georgios seufzte wie ein Ehemann, der sich geschlagen gibt. Seine Frau war eine getriebene Seele: einerseits stark, andererseits innerlich zerrissen, und momentan war sie am Rande des Nervenzusammenbruchs. Er stand auf, um in seine Werkstatt zurückzugehen, die er neben dem von Oleander umwachsenen Gartenhaus errichtet hatte, in dem seine Frau ihre Mixturen herstellte. Er wusste, dass er Rücksicht auf Dhespinas momentane Empfindlichkeit hätte nehmen sollen, doch er konnte nicht anders: Beim Hinausgehen beugte er sich kurz vor der Tür zu Loukis hinunter, der gerade auf Apollos warmem Bauch ruhte, und knurrte ihn an. Das Kind blickte auf und lächelte seinen Vater an. Für Dhespina sah dies eindeutig wie eine verschwörerische Geste aus. Sie schüttelte den Kopf und sandte ein Stoßgebet zur Jungfrau Maria.

Als Apollo bemerkte, dass Georgios das Haus verließ, stand er auf, streckte sich einmal ausgiebig und folgte seinem Herrchen nach draußen. Seines Kissens beraubt, erhob sich nun auch Loukis träge auf alle viere und trottete hinter den beiden her.

»Heilige Mutter Gottes«, stöhnte Dhespina. Ihr Sohn war soeben nicht nur aus dem Haus gekrabbelt, er hatte seine Händchen eindeutig wie Pfoten aufgesetzt. Ihr eigenes Fleisch und Blut ahmte den Familienhund nach!

»Als nächstes wird er an Bäume pinkeln«, murmelte sie.

So ungern sie es sich eingestand – Dhespina musste zugeben, dass die Schuld an all dem allein bei ihr lag. Schließlich war sie es gewesen, die darauf bestanden hatte, dass Apollo ins Haus geholt wurde, anstatt das Schicksal eines jeden anderen Jagdhunds auf Zypern zu teilen und an einen Baum gekettet zu bleiben. Ja, sie war es auch gewesen, die sich über ihren Mann hinweggesetzt und den wunderlichen Marotten ihres Sohnes gegenüber Nachsicht gezeigt hatte – jenes Sohnes, um dessentwillen ihr Herz über ihre Vernunft siegte. Doch was hätte sie auch tun sollen, als sie Morgen für Morgen beim Aufwachen ihren Sohn schon wartend an der Haustür vorgefunden hatte? Natürlich, sie hatte ihn auf den Arm genommen, auf beide Wangen geküsst und versucht, ihn mit Frühstück abzulenken. Doch was er zurückgab, war weniger liebevoll als duldsam, und kaum hatte sie die Türklinke hinuntergedrückt, um die Sonne ins Haus zu lassen, da strampelte er sich auch schon aus ihren Armen frei. Sobald er wieder festen Boden unter sich spürte, war er auf und davon und krabbelte den Weg hinunter, um sich zu Apollo zu setzen. Selbst bei Regen, Wind und Wetter, wenn die Tür wegen der Nässe geschlossen bleiben musste, saß Loukis davor und sehnte herbei, dass sie aufschnappte. Er jammerte nicht ein einziges Mal, das lag nicht in seiner Natur. Er saß einfach nur da und gab keinen Laut von sich. Schließlich verlor Dhespina die Geduld, und sie redete sich ein, dass ihr keine andere Wahl bliebe, als den Hund ins Haus zu lassen. Natürlich verlangten die Zwillinge Nicos und Marios daraufhin das gleiche Recht für ihre Ziege.

»Sobald euch Athena auf ihrem Bauch schlafen und an ihrem Schwanz ziehen lässt, sobald sie mit ihrer Zunge die Fliegen von eurem Gesicht verjagt, könnt ihr sie mit ins Haus bringen – vorher nicht«, erwiderte Dhespina und musste daraufhin mit ansehen, wie ihre Jungs das arme Tier so lange zu Boden drückten, bis Athena, die noch nie sonderlich sanftmütig gewesen war, einen von ihnen gegen den Kopf trat. Dhespina hatte mittlerweile vergessen, welchen der beiden.

»Diese Ziege ist so dumm wie ein Türke!«, hatte Nicos wütend gebrüllt, woraufhin sich sein Vater auf ihn gestürzt hatte.

»So redest du vielleicht auf dem Schulhof, aber nicht hier!«, befahl er, bevor er über die »verfluchte Kirche« schimpfend zurück in seine Werkstatt ging, um Leder in Schuhe zu verwandeln.

Die Monate flossen dahin, und Loukis verleugnete weiterhin seine Spezies. Schließlich war es Praxi, die Tochter von Dhespinas Freundin Elena, die die Sache in die Hand nahm, und zwar auf eine Weise, wie es keiner der Erwachsenen bislang fertiggebracht hatte. Praxi war vierzehn Monate älter als Loukis und schon immer von ihm fasziniert gewesen. Eines Tages, als sie ihn wieder einmal auf dem Boden herumrutschen sah, ließ sie sich vom Schoß ihrer Mutter gleiten und lief zu ihm hinüber. Sie hockte sich vor ihn hin, strich sich ihren langen Pony aus der Stirn, nahm seine Wangen zwischen ihre kleinen Hände und sah ihn mit strenger Miene an.

»Lauf jetzt, Loukis«, befahl sie. »Lauf!«

Loukis blickte sich hilfesuchend nach Apollo um, der jedoch völlig von einer Ameise in Anspruch genommen war, die durch die Haare an seinem empfindlichen Hinterteil flitzte.

»Na gut«, seufzte er schwer wie ein störrischer alter Mann, der sich in das Unvermeidliche fügt.

Und so wurden die Erwachsenen zunächst belustigt, dann mit atemlosem Erstaunen Zeuge, wie Loukis nach einem Tischbein griff und sich auf die Beine zog. Er schwankte ein bisschen, bevor er das Gleichgewicht fand, doch seine Beine erwiesen sich als überraschend kräftig und der Herausforderung gewachsen. Nun nahm Praxi ihn an die Hand, und gemeinsam liefen sie, dicht gefolgt von Apollo, zum Spielen hinaus in den Garten.

Die nächsten zwei Jahre hindurch waren Junge, Mädchen und Hund unzertrennlich, bis der tödliche Biss einer Schlange einen von ihnen aus ihrer Mitte riss.

Loukis sagte kein einziges Wort bei Apollos Beerdigung unter dem Orangenbaum, der seine Blüten wie Tränen auf das kleine Grab weinte. Seine vier älteren Brüder schluchzten bitterlich, und Praxi war untröstlich. Tatsächlich war ihr Schmerz so groß, dass ihre Mutter sie nach Hause bringen musste, wo sie die nächsten beiden Tage im Bett verbrachte und jegliche Nahrung verweigerte. Loukis hingegen vergoss keine einzige Träne. Er stand einfach nur am Grab und blieb noch lange dort, nachdem seine Familie schon längst ins Haus zurückgegangen war. Als er später am Abend noch nicht einmal zum Abendessen hereinkommen wollte, entschied Dhespina, ihn auf seine eigene Art trauern zu lassen.

Nachdem die Sonne schließlich untergegangen war und der Mond das Regiment am Himmel übernommen hatte, waren die Zwillinge fertig mit dem Weinen und bewarfen sich schon wieder mit Murmeln. Dhespina machte sich an den Abwasch und schaute dabei ihrem ältesten Sohn Christakis zu, wie er dem Hund zu Ehren eine Apollo-Figur schnitzte. Ihr Zweitältester, Michalakis, war in seinem Zimmer und lernte, während ihr Mann auf einem Stuhl neben dem Ofen laut schnarchte. Plötzlich drang von draußen ein markerschütterndes, unheimliches Geräusch herein. Dhespina ließ vor Schreck einen Teller fallen. Ihr war eingefallen, dass ihr Jüngster noch draußen war, und sie rannte hinaus in den Garten. Dort fand sie Loukis, auf dem Grab des Hundes kauernd. Den Kopf zum Himmel gereckt, heulte er den Mond an. Sein hübsches Gesicht war angstverzerrt, und alles Leid der Welt schien sich in diesem verzweifelten animalischen Schrei zu bündeln, der sich seiner Kehle entrang und seiner Mutter beinahe das Herz brach. Er heulte wie der Wolf, zu dem sie ihn gemacht hatten – und seine Mutter konnte nichts anderes tun als danebenstehen und warten, bis es vorüber war.

Dhespina fürchtete weiteres Gerede unter den Nachbarn, die ohnehin schon über Loukis tratschten, weil er erst so spät angefangen hatte zu laufen und sich hartnäckig weigerte, mit ihren Söhnen zu spielen. Daher erklärte sie ihrem Sohn am darauffolgenden Tag, dass es sich auf Zypern nicht gehörte, den Mond anzuheulen, besonders nicht für einen fünfjährigen Jungen. Er war schließlich ein Kind, und kein Wolf. Sie wollte, dass er dem zustimmte, was sie gesagt hatte, doch obwohl er sie aufmerksam anschaute, sagte er kein Wort. Zwei Tage später erlitt er seinen ersten Anfall.

Während Dhespina ihn nun betrachtete, acht Jahre nach alledem und wie gelähmt von einem anderen Schmerz, schämte sie sich. Sie war diejenige gewesen, die aus ihm ein menschliches Wesen gemacht hatte, das seine Tränen so lange in sich einschloss, bis der Druck zu groß wurde und sie unerträglich gegen seinen Schädel hämmerten. Doch da war noch ein anderes, angenehmes Gefühl, das ihre Scham milderte: das befriedigende Bewusstsein, dass ihr Sohn sie brauchte. Auch wenn es ihr in der Seele weh tat, mit anzusehen, wie die Dämonen sein liebes Gesicht blass werden und seine Brust qualvoll nach Luft ringen ließen, war sie zugleich doch dankbar für die Gelegenheit, ihm helfen und diejenige sein zu können, die ihn von seinen Qualen erlöste. Loukis war sein ganzes junges Leben hindurch ein so unerreichbares Geschöpf gewesen, und Momente wie dieser, in denen er körperlich ihre Nähe suchte, waren so rar und schön wie eine Rose im Winter. Und mochte die Hand Gottes sie auch niederstrecken für ihre Gedanken, sie liebte diese Hilflosigkeit des Jungen und das Gefühl, dass sie – wenn auch nur für kurze Momente – seine Welt war. Loukis war ihr Sohn, und sie liebte ihn – Gott war ihr Zeuge, wie sehr sie ihn liebte –, doch er hatte ihr nie gehört. Diese Wahrheit hatte sie schon ganz am Anfang erkennen müssen, als ihr Bauch fest und groß hervorstand und Praxi ihre kleinen Ärmchen ausstreckte und Anspruch auf ihren Sohn erhob. Sie verlangte, auf Dhespinas Schoß gehoben zu werden, wo sie sich dann um die Wölbung schlang, in der sich Loukis verbarg, und man konnte sie nicht fortnehmen, bevor sie nicht eingeschlafen war. Wenn Praxi ihm nahe war, hatte ihr Baby stets ganz still gelegen, und Dhespina hatte spüren können, wie glücklich es war.

Damals hatte das versammelte Kaffeekränzchen – Dhespinas Schwester Lenya, Praxis Mutter Elena und Frau Germanos, die Nachbarin – kichern müssen, und Elena hatte gewitzelt, dass die Hochzeit von Dhespinas Kind, sollte es wieder ein Junge werden, damit so gut wie arrangiert sei.

»Wenn es nicht hier im Kaffeesatz geschrieben steht, dann in den Sternen«, hatte sie prophezeit, und die anderen waren sich einig gewesen, dass sie wohl recht hatte.

Doch natürlich kann sich auf Zypern selbst der hellste Stern im Dunkeln verirren.

Als Loukis eingeschlafen war, nahm Dhespina die beiden Eimer und schloss leise die Tür hinter sich, damit die Träume des Jungen ihr Werk tun konnten.

Jetzt, da Christakis, ihr ältester Sohn, mit seiner Frau zusammenlebte, und Michalakis nach Lefkosia, in die Hauptstadt, gezogen war, um für die Zeitung zu arbeiten, hatten die Zwillinge ihr eigenes Zimmer bekommen. Zum ersten Mal war Dhespina dankbar für den Platz, den ihre älteren Söhne freigemacht hatten. Jungs hatten ein ausgeprägtes Revierverhalten und zeigten sich zunehmend unvernünftiger, je größer sie wurden. Der Teufel wäre los gewesen, wenn die Zwillinge ihre Betten für »Mammas Liebling« hätten räumen müssen, und gerade spürte Dhespina das Alter in den Knochen, und ihr Kopf schmerzte vom vielen Denken. Eine Streiterei mit aufsässigen Halbstarken war das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte.

»Mach dir keine Sorgen, Mamma. Loukis geht’s bald wieder gut«, versicherte ihr Marios, als sie sich endlich zum Rest der Familie im Wohnzimmer gesellte. Er streckte ihr eine Hand entgegen, und sie griff lächelnd danach, bevor sie ihm einen Kuss auf die Stirn gab.

»Du hättest ihn heulen lassen sollen, als er Wolf spielen wollte«, warf Nicos ihr vor, aber er machte nur Spaß, und sein strahlendes Lächeln nahm seinen Worten jede Schärfe.

»Ja, und vielleicht hätte ich einen richtigen Wolf aus ihm werden lassen sollen, damit er dich frisst!«, gab Dhespina zurück. Ihre Zwillinge, die einander äußerlich wie ein Ei dem anderen glichen, hätten innerlich nicht unterschiedlicher sein können: der eine empfindsam und rücksichtsvoll, der andere frech und mutwillig.

»Ach, übrigens«, warf Georgios ein, »der alte Televantos wartet immer noch drüben im Gartenhaus und wärmt mit seinem Hinterteil unsere Kissen.«

Dhespina schlug die Hände über dem Kopf zusammen. »Televantos! Warum hast du ihm denn nicht gesagt, dass er nach Hause gehen soll?«

»Er hat sich geweigert und darauf bestanden, auf seine Salbe zu warten.«

»Heilige Mutter Gottes«, sagte Dhespina lachend und war schon aus der Tür.

Im Gartenhaus, an dessen Wänden sich Regalbretter unter der Last von Essigflaschen und Pfannen sowie Tiegeln voller getrockneter Kräuter, eingelegter Schweineohren und Wurzeln bogen, fand sie den laut schnarchenden Televantos. Er saß gegen die Wand gelehnt, sein Hinterteil ruhte auf zwei großen Kissen, die Georgios offenbar von ihrem Bett herbeigeschleppt hatte. Dhespina nahm die Schüssel, die sie so hastig auf den Arbeitstisch geworfen hatte, und füllte die darin angemischte Salbe aus Ringelblume und Mäusedorn in einen Tiegel.

Dann rüttelte sie den alten Mann behutsam wach.

»Herr Televantos. Ihre Medizin.«

Ihr Nachbar schreckte zusammen und blickte sich verwirrt blinzelnd um, bis ihm endlich wieder einfiel, wo er sich befand und warum er hergekommen war.

»Sie sollten Frau Televantos wirklich sagen, dass sie häufiger Gemüse für Sie kochen soll.« Dhespina lächelte ihn an.

»Es ist ganz egal, was sie kocht. Es schmeckt alles grauenhaft«, grummelte er, während er sich unter Schmerzen vom Boden hochzustemmen versuchte.

»Das mag ja sein, aber Ihr Zustand würde sich dadurch bestimmt verbessern.«

»Meine kleine Dhespo, mein Zustand, wie du es nennst, ist sowohl Fluch als auch Segen. Hätte ich diese lästigen Hämorrhoiden nicht, würde mich meine Gemahlin binnen einer Woche unter die Erde bringen. Die Frau ist unersättlich.«

Dhespina zog die Augenbrauen hoch. Herr Televantos war schon in den späten Siebzigern – schwer vorstellbar, dass seine gleichaltrige Frau über die Kondition verfügte, geschweige denn das Verlangen verspürte, ihrem altersfleckigen Ehemann derart zuzusetzen.

»Kommen Sie, ich helfe Ihnen.« Dhespina nahm den alten Mann beim Arm, während er sich mühsam hochrappelte. Sie reichte ihm seinen Stock und den Tiegel mit der Salbe, den er in seine Tasche steckte.

»Na, dann hoffen wir mal, dass mich die Briten auf dem Heimweg nicht verhaften.« Er lachte. »Vermutlich halten sie Hämorrhoiden für den neuesten Sprengstoff, frisch eingeschmuggelt aus dem Mutterland.«

»Ich glaube, jetzt sind Sie ziemlich sicher, Herr Televantos. Um diese Zeit sind die Soldaten längst betrunken in ihren Kasernen.«

»Ja, natürlich, richtig.« Der alte Mann gluckste. »Wenn sie nicht gerade anderen Völkern das Land klauen, legen sie ihre poulloues in warmes Bier ein.«

Damit tippte sich Televantos zum Abschied mit seinem Stock an die Stirn und humpelte schwerfällig den Weg hinunter, den er fünf Stunden zuvor heraufgerannt gekommen war.

Dhespina schaute ihm eine Weile nach, dann räumte sie ihre Töpfe und Utensilien auf, hauchte einen Kuss auf das Bild ihrer Mutter, das an der Tür hing, und ging zurück zum Haus. Beim Näherkommen entdeckte sie den Schatten eines Mädchens, das am Tor kauerte.

»Praxi?«

Der Schatten sprang auf und trat ins Mondlicht. Mit ihren großen Augen und den zarten Beinen glich das Mädchen einem wunderhübschen Rehkitz.

»Frau Economidou, geht es Loukis gut?«

»Ja, mein Kind, er schläft. Hast du etwa die ganze Zeit hier gesessen? Warum bist du nicht ins Haus gekommen?«

Praxis Lippen bebten, und in ihren Augen standen dicke Tränen, die ihr im nächsten Moment die Wangen hinunterkullerten. »Ich konnte nicht reinkommen. Ich hab so ein schlechtes Gewissen«, sagte sie schluchzend. »Es ist nämlich alles meine Schuld. Mein Tod bringt uns beide um.«

Unwillkürlich trat Dhespina einen Schritt nach vorn und nahm die Hände des Mädchens zwischen ihre eigenen. »Was um alles in der Welt redest du da, Praxi? Dein Tod bringt euch beide um?«

»Oh, Frau Economidou, es ist so schlimm, wir sind doch beide noch so jung. Wir können es selbst kaum glauben, aber es ist wahr. Ich werde sterben, Frau Economidou, es hat keinen Zweck mehr, es zu leugnen. Deshalb haben Loukis und ich die letzten zwei Tage nach der perfekten Stelle gesucht, an der ich beerdigt werden und in ewigem Frieden ruhen kann. Heute haben wir uns dann für ein Fleckchen Erde unterhalb der Burg St. Hilarion entschieden, im Schutze eines Pistazienbaums. Wir lieben diesen Platz beide so sehr, und der Geist des verrückten Mönchs wird ihn stets bewachen, und Loukis war wie ich der Meinung, dass es die perfekte Stelle für mein Grab ist. Und obwohl ich wusste, dass er traurig war, hat er nichts gesagt, also hab ich geglaubt, er hätte sich mit meinem Tod abgefunden. Aber ich habe mich geirrt, Frau Economidou, denn jetzt scheint es, als würde meine Krankheit auch Ihren Sohn fordern, und das halte ich nicht aus. Es tut mir leid … so schrecklich leid … Ich wollte Ihnen Ihren Loukis nie wegnehmen. Zumindest jetzt noch nicht. Es ist alles so schrecklich, so, so schrecklich. Und ich würde es Ihnen nicht übelnehmen, wenn Sie mir jetzt, wo Sie es noch können, etwas tun würden.«

Das Mädchen brach in Dhespinas Armen zusammen. Tiefe Schluchzer nahmen ihr die letzte Kraft.

»Schluss damit, Praxi! Hör auf mit diesem Unsinn. Wie in Gottes Namen kommst du darauf, dass du sterben musst?«

Praxi schnappte nach Luft und versuchte sich zu beruhigen. Es war nicht leicht, aber Frau Economidou verdiente eine Erklärung.

»Weil … also … es geht nun schon zwei Tage … und es kommt immer noch Blut. Es hört nicht auf, dabei hab ich schon alles probiert. Ich hab versucht, die Wunde mit Stoff zu verschließen, und Loukis hat mir Medizin aus Ihrem Arbeitsraum gebracht, aber es blutet immer weiter, und jetzt hab ich auch noch ganz schlimmen Durchfall. Es ist ganz klar, Frau Economidou: Meine Eingeweide werden vom Krebs zerfressen.«

Dhespina sah die Todesangst in den Augen des Mädchens, und das in ihr aufsteigende Lachen wurde im Keim erstickt.

»Mikri mou, du wirst nicht sterben! Versprochen. Du wirst reifer, das ist alles. Du wirst eine Frau, Praxi. Und den Durchfall hast du ganz gewiss von der Medizin, die Loukis dir nicht hätte geben dürfen. Hier, komm mit. Es wird höchste Zeit für ein Gespräch mit deiner Mutter.«

Dhespina nahm das Mädchen bei der Hand und zog sie den Weg hinunter zu Elenas Haus, weiter ins Dorf hinein.

Christakis war groß und blond – beides ziemlich ungewöhnlich für einen Griechen –, und obwohl ihm seine Mutter als Kind andauernd den Kopf rasiert hatte, um das Unglück abzuwenden, das ihm laut Aberglauben drohte, wuchsen seine Haare kein bisschen dunkler nach. Das Schicksal war ihm dennoch hold: Er hatte eine wunderschöne Frau, einen süßen neugeborenen Sohn, und er war glücklich. Er hatte keine bedeutende Stellung in der Stadt, so wie sein Bruder Michalakis, aber er machte sich allmählich einen Namen mit einem Talent, das sich irgendwann sogar bis zum Oberbefehlshaber der britischen Landstreitkräfte im Nahen Osten herumgesprochen hatte. Vier Monate zuvor war zu seiner Überraschung ein Landrover der Armee vor seinem Geschäft vorgefahren, und ein Soldat in kurzer Khakihose hatte ihm eröffnet, dass sein Vorgesetzter einen Tisch mit acht Stühlen wolle.

»Machen Sie sie so stattlich, wie Sie möchten«, erklärte der Soldat strahlend, und Christakis nickte. Da er zu Schulzeiten im Englischunterricht nie wirklich aufgepasst hatte, verstand er außer Tisch und Stuhl nichts von dem, was der sommersprossige Soldat sagte. Dennoch schüttelte er ihm die Hand und bedankte sich für den Auftrag. Er ging davon aus, dass ein britischer Befehlshaber, dem so viele Truppen unterstanden, etwas Massives und Stattliches erwarten müsse, und er würde ihn nicht enttäuschen.

Kaum war der Soldat wieder abgefahren, nahm Christakis seinen Bleistift zur Hand und zeichnete Skizzen von filigran geschnitzten Stuhllehnen mit gewagt proportionierten Beinen aus feinstem Walnussholz. Er würde Handwerkskunst liefern, auf die ein hoher Offizier und seine Frau stolz sein könnten. Und das hätte er auch getan, wenn die EOKA das Haus des Befehlshabers nicht direkt am nächsten Tag in die Luft gejagt hätte. Wenige Stunden später stand der Soldat wieder auf Christakis’ Matte und sagte, er solle die Möbel vergessen und stattdessen rasch ein paar Türrahmen zimmern. Auch wenn ihn diese Aufgabe nicht gerade forderte, nahm der Tischler den Auftrag an – trotz des Geredes über Kollaboration, das es bestimmt geben würde. Christakis brauchte schlicht das Geld – und wenn auch nur zum Bezahlen der Steuern, die von den Briten eingeführt worden waren.

Christakis betrat das Kaffeehaus und setzte sich zu seinem Vater in die Ecke, wo dieser fast jeden Vormittag verbrachte und mit seinem Freund Stavros die Probleme der Welt löste.

»Die Zeitung, Papa.« Christakis ließ die Die Stimme vor ihm auf den Tisch fallen. Sie war mit der Morgenpost aus Lefkosia eingetroffen, und auf Seite sechs stand ein kleiner Artikel von Michalakis, irgendetwas über Töpferei. So sehr Christakis die Arbeit seines jüngeren Bruders bewunderte, bezweifelte er doch, dass sein Artikel es heute zum Hauptgesprächsthema der Männer im Dorf bringen würde. Seit der britische Gouverneur in seiner grenzenlosen Weisheit entschieden hatte, mit eiserner Faust auf die Köpfe der Bevölkerung einzuschlagen, loderten in Lefkosia Flammen der Wut, und das war dieser Tage alles an Gesprächsstoff, wofür die Menschen noch Kraft aufbringen konnten.

Mit Ausnahme der Tumulte im Jahr 1931, als Aufständische den Sitz des Gouverneurs in Brand steckten, hatten die Briten die Insel seit 1878 verhältnismäßig friedlich regiert, doch nun riefen die Kirchenglocken die Menschen zu Hunderten auf die Straßen. Sie protestierten gegen Gesetze, die Inhaftierungen ohne Prozess legitimierten, das mutwillige Anhalten und Durchsuchen von Passanten oder sechsmonatige Haftstrafen für den Besitz von Schusswaffen. Als sich die Nachricht verbreitete, dass die neuen Gesetze verabschiedet worden waren, hatte sich in der Hauptstadt ein Sturm wütender Entrüstung erhoben. Gebäude brannten, und die britischen Truppen antworteten mit Tränengas und einem Kugelhagel. Inzwischen schien es jede zweite Woche zu neuen Ausschreitungen zu kommen; bislang waren siebenundfünfzig Griechen verhaftet worden. Innerhalb weniger Monate hatte es der Gouverneur geschafft, Lefkosia in ein Kriegsgebiet zu verwandeln.

»Mit diesen Mitteln wird es den Besatzern nie im Leben gelingen, den Aufstand niederzuschlagen«, erklärte Georgios rundheraus, während der hysterische Kommentar von Radio Athen durch das Café hallte und Gift und Galle spuckte.

»Was bleibt ihnen denn anderes übrig?«, fragte Stavros und lehnte sich auf seinem Stuhl nach vorn, wobei sich sein dicker Bauch über dem Gürtel der Hose wölbte. »Ihr Griechen habt eine terroristische Organisation gebildet …«

»Es ist keine terroristische Organisation«, korrigierte ihn Christakis. »Die EOKA kämpft für unsere Freiheit: für die Freiheit Zyperns und die Einheit mit Griechenland.«

»Gut«, räumte Stavros ein. »Dann eben eure ›Freiheitskämpfer‹. Sie sagen, sie werden für die ›Befreiung Zyperns vom Joch der Briten‹ kämpfen, sie schmuggeln Dynamit aus Griechenland, jagen Regierungsgebäude, Polizeireviere, Kraftwerke und Hotels in die Luft – verüben sogar einen Mordanschlag auf den Gouverneur, während der in Ammochostos im Kino sitzt und sich einen Film anschaut. Und da erwartet ihr, dass die Briten kapitulieren und alles aufgeben? Hat euch die Geschichte nicht gezeigt, wozu sie imstande sind? Ihr benehmt euch wie kleine Jungs, und zwar Jungs, die mit dem Feuer spielen.«

»Niemand spielt hier mit irgendwas, Stavros. Das ist kein Spiel, es ist viel zu ernst. Hier geht es um unsere Rechte als Nation.«

Christakis gab dem kafetzi ein Zeichen. »Kaffee, mittelsüß«, bestellte er und fuhr fort. »Wir haben genug von den Besatzern, und die EOKA – auch wenn ich nicht alle ihre Mittel gutheiße – kämpft für uns. Zypern gehört rechtmäßig zu Griechenland, das weiß jeder, unsere Herzen schlagen im Takt des Mutterlandes.«

»Und was ist mit denjenigen unter uns, die keine Griechen sind?«, wollte Stavros wissen. »Was ist mit unseren Herzen, die nicht im Takt der griechischen Trommeln schlagen und es auch niemals tun werden? Dieser EOKA-Führer – Grivas – sagt, dass sie sich Zypern notfalls mit Blut erkämpfen werden. Dieses Blut, Christakis, es fließt bereits, und ich sage dir, es wird weiter fließen, bis unser Land in einem Meer aus Blut ertrinken wird.«

»Ist schon gut, alter Freund.« Beschwichtigend legte ihm Georgios eine Hand aufs Knie. »So weit wird es nicht kommen. Das werden wir nicht zulassen. Die Welt wird es nicht zulassen.«

»Das sagst du, Georgios, und Gott weiß, wie gern ich dir glauben würde, aber ich sehe die Katastrophe wie eine Kanonenkugel auf uns zuschießen. Die Welt will nichts mit der Sache zu tun haben, die Vereinten Nationen reden nicht einmal mehr darüber. Und ich sage dir, dieser Krieg gegen die Briten wird sich wie ein Krebsgeschwür über unsere Insel ausbreiten, und es wird unser beider Gemeinschaften auffressen. Sieh uns doch an! Sieh dir mein Volk an. Sieh dir an, wie die Griechen bereits über uns denken! Innerhalb kürzester Zeit sind wir von Muslimen zu Türken geworden. Und das ist erst der Anfang, denk an meine Worte.«

Georgios betrachtete den alten Mann, der ebenso Teil seines Lebens war wie der Sohn, der neben ihm saß. Er wollte seinen Prophezeiungen keinen Glauben schenken, dennoch hatte er ein ungutes Gefühl. Stavros war der Freund seines Vaters gewesen, und er war der einzige Türke, mit dem Georgios je zusammen an einem Tisch gesessen und Kaffee getrunken hatte. Die anderen – nun, sie blieben in ihren eigenen Cafés, auf ihrer Seite des Dorfes. War es nicht sogar sein eigener Vater gewesen, der Stavros einst seinen griechischen Namen gegeben hatte, damit sie den Priester an der Nase herumführen konnten und er sein Trauzeuge sein konnte? Dieser Name hatte ihn die vergangenen vier Jahrzehnte seines Lebens begleitet und zu dem gemacht, was er heute war: ein muslimischer Türke mit einem griechischen Namen, der griechischen Kaffee in einem griechischen Kaffeehaus trank. Wenn Georgios sich umschaute, konnte er an zwei Fingern abzählen, wer von den Anwesenden noch Stavros’ Geburtsnamen kannte: nämlich Stavros und er selbst. Ihre Freundschaft war ein Zufallsprodukt, und sie war eine Anomalie. Die Insel war geteilt – ob sie es nun wahrhaben wollten oder nicht. Sie war immer geteilt gewesen: durch Geschichte, durch Religion, letztlich durch unterschiedliche Träume. Selbst die Städte waren multiple Persönlichkeiten: griechisch, türkisch und nun britisch. Wo sonst in der Welt hatte ein einzelner Ort drei Namen? Lefkosia, Lefkoşa oder Nicosia; Lemesos, Leymosun oder Limassol; Ammochostos, Gazimağusa oder Famagusta. Die Liste war endlos.

»Weißt du, Georgios«, fuhr der alte Mann fort, als könnte er Gedanken lesen, »die Insel steckt in einer Identitätskrise. Wir, die Muslime, betrachten uns zuerst als Zyprer und dann als Türken. Aber ihr, ihr werdet immer erst Griechen und dann Zyprer sein. Das ist das Damoklesschwert, das über Zypern schwebt: Euer Blick ist starr in die Vergangenheit gerichtet, während wir anderen in die Zukunft schauen.«

Loukis saß auf der Erde und wartete. Doch es dauerte nicht lange, bis das Fenster über ihm aufging.

»Mamma hat gesagt, dass du nicht sterben wirst und dass du gerade etwas hast, das man Periode nennt.«

»Scheint so«, bestätigte Praxi und lehnte sich ein Stückchen weiter über den Fenstersims, um ihren Freund besser sehen zu können. Er saß mit dem Rücken an die Wand gelehnt und zupfte kurze Grashalme, die sich durch den Kies bohrten. »Morgen soll es aufhören zu bluten, vielleicht auch erst übermorgen, und weißt du was?«

»Was?«

»Nächsten Monat kommt es wieder, und übernächsten, und überübernächsten, mein ganzes verfluchtes Leben lang – na ja, zumindest bis mir die Zähne ausfallen und mir Haare am Kinn wachsen. Das hat Mamma gesagt. Ganz schön eklig, wenn du mich fragst. Ich hasse es jetzt schon, eine Frau zu sein.«

Praxi seufzte und lehnte ihren Kopf an den Fensterrahmen. Er war ganz warm von der Sommersonne und fühlte sich gut an auf der Haut.

»Wird dich deine Mamma wieder rauslassen, wenn diese Periode rum ist, oder bist du jetzt nicht nur eine Frau, sondern auch eine Gefangene?«, fragte Loukis. Er war unruhig und fühlte sich unwohl, ohne zu verstehen, warum.

»Keine Ahnung. Aber sie hat gesagt, dass ich von jetzt an mit Mädchen in meinem Alter spielen soll, wegen der Gefahr, in der ich bin. Sie hat sogar schon Maria Germanos zum Mittagessen eingeladen, was bestimmt gaaanz toll …«

»In was für einer Gefahr sollst du denn jetzt sein?« Loukis schaute nach oben, doch alles, was er von Praxi sehen konnte, waren ihre langen Haare, die aus dem Fenster hingen.

»Männer«, antwortete sie. »Jetzt, wo ich eine Frau bin, schwebe ich unentwegt in Gefahr, angegriffen zu werden. Männer sind wie Tiere, sagt Mamma. Erst beschnüffeln sie dich, dann zerren sie an dir herum, und bei der erstbesten Gelegenheit werfen sie dich zu Boden und stecken dir ihre Zunge in den Mund und ihren poullou in deine poulli. Und wenn das passiert, dann krieg ich ein Kind und werde mein Leben lang eine Schande sein und nie einen Mann finden, der mich heiratet.«

»So ein Quatsch. Und überhaupt, was für einen Mann hoffst du denn zu finden?«

»Weiß nicht.« Praxi lachte. »Wen immer der heilige Antonius für mich vorgesehen hat!«

Loukis stand auf.

»Wo gehst du hin?«

»Weiß nicht – vielleicht such ich mir ’ne Frau zum Heiraten. Hier ist es langweilig. Du langweilst mich.«

»Hey! Das ist nicht nett, Loukis. Ich kann nichts dafür, dass ich eine Frau bin. Ich will ja gar keine sein. Also nimm das zurück!«

Loukis schaute nach oben und direkt in Praxis schokoladenbraune Augen.

»Nein«, sagte er schließlich und drehte sich um.

»Nimm es zurück, Loukis, du sturer Bock!« Aber Loukis war schon am Gartentor und hatte nicht die geringste Absicht, irgendetwas zurückzunehmen. Wenn sie wirklich eine Frau war, dann sollte sie lernen, ihn so zu behandeln, wie seine Mutter es tat.

Als Loukis um die Ecke bog, begegnete er Maria, die offensichtlich auf dem Weg zum Mittagessen bei Praxi war. Sie galt als das schönste Mädchen im Dorf, und auch wenn Loukis zugeben musste, dass es stimmte, fand er sie verwöhnt und anstrengend wie ein Kind, das zu viel Spielzeug besitzt.

»Yassou, Loukis«, grüßte sie ihn und schützte mit den Händen ihre Haare gegen den Wind, der an ihnen zerrte.

»Yassou«, erwiderte er.

»Wohin gehst du?«, fragte sie und nötigte ihn so, stehen zu bleiben.

»So weit weg von Frauen, wie ich nur kann«, sagte er und lief weiter. Hätte er sich die Mühe gemacht, sich noch einmal umzudrehen, dann hätte er gesehen, wie Maria ihm den ganzen Weg bis zur Kreuzung nachschaute, bis er schließlich nach rechts abbog und aus ihrem Blickfeld verschwand.

Ohne ein konkretes Ziel, ohne irgendetwas zu tun zu haben oder jemanden, mit dem er es hätte tun können, jetzt, da Praxis Jungfräulichkeit in höchster Gefahr war, schlenderte Loukis in Richtung der türkischen Seite des Dorfes. Er fand sie kaum anders als die griechische Seite, außer dass es dort mehr Türken gab. Unbemerkt schlüpfte er in die Felder, die Stavros gehörten, dem Freund seines Vaters. Es hieß, sie wären im Laufe der Jahre geschrumpft, da die Griechen sich wieder zurücknahmen, was die Osmanen einst verschenkt hatten. Doch sie waren immer noch imposant, und der alte Mann ging äußerst großzügig mit dem ihm verbliebenen Besitz um. So erlaubte er Loukis, auf seinem Land Schlangen zu jagen – ein Akt der Rache zum Gedenken an Apollo, mit dem er begonnen hatte zu jagen, seit sein Vater ihm gestattet hatte, eine Waffe in die Hand zu nehmen.

Langsam, denn es war heiß, und ihm schwirrte der Kopf von den Veränderungen, streifte Loukis zwischen den Orangenbäumen umher, an denen allmählich die Früchte heranreiften, die laut seiner Mutter in der Antike »goldene Äpfel« genannt wurden. Er lief weiter, immer tiefer in das Land des Bauern hinein, bückte sich unter den Zweigen des Johannisbrotbaums hindurch, an denen die flachen Hülsen mit den glänzend braunen Kernen hingen, die Stavros an seine Tiere verfütterte und die seine Frau zu pekmez verarbeitete. Ein Stück weiter, hinter dem großen Olivenhain, wo die Früchte gerade von Grün zu Schwarz heranreiften, bemerkte er einen Lastwagen, der soeben vier britische Soldaten absetzte. Die Männer begannen einen Kontrollpunkt zu errichten, und aus Neugier und um sich abzulenken schlenderte Loukis auf sie zu.

»Yassou«, grüßte einer der Soldaten, als er näherkam.

»Yassou«, grüßte Loukis zurück. »Was macht ihr da?«

»Nach Makarios’ bösen Jungs suchen. Du bist nicht zufällig einer von ihnen, oder?« Die anderen lachten.

Loukis zuckte mit den Schultern und ging weiter.

Eine halbe Stunde später kam er am Hafen von Keryneia an, auch wenn er sich gar nicht vorgenommen hatte, dorthin zu gehen. Aus irgendeinem Grund wimmelte es dort von britischen Soldaten, die sämtliche Lagerhäuser durchkämmten, in denen das Johannisbrot auf seine Verschiffung wartete, Kisten ausschütteten und gegen Kartons traten. Loukis entdeckte Yiannis Christofi, der mit einer Cola in der Hand und einer Zigarette zwischen den Fingern an einer Wand lehnte. Obwohl Yiannis fünf Jahre älter war, lief Loukis zu ihm hinüber, denn es war niemand sonst da, den er kannte, und außerdem war Yiannis mit seinem Bruder Michalakis zur Schule gegangen.

»Was ist hier los?«

Yiannis fing an zu lachen. »Hast du’s noch nicht gehört?«

Loukis schüttelte den Kopf.

»Gestern Nacht sind sechzehn EOKAs aus dem Gefängnis abgehauen.« Yiannis wies mit einer Kopfbewegung in Richtung der mächtigen Festung, die eine ganze Seite des Hafens einnahm. Vor vielen Jahrhunderten hatte sie die Insel vor den Arabern beschützt. Nun benutzten sie die Briten, um sich vor den Zyprern zu schützen. »Die Jungs haben sich an zusammengeknoteten Bettlaken die Mauer runtergelassen. Die Briten schäumen vor Wut, diese nichtsnutzigen Drecksäcke.«

Yiannis bot ihm eine Zigarette an. Loukis hatte noch nie in seinem Leben geraucht, zudem mochte er den Mann nicht mal, nahm die Zigarette aber trotzdem.

»Wo hast du denn heute deine Freundin gelassen?«, fragte Yiannis. »Euch gibt’s doch sonst nur im Doppelpack.«

»Sie ist krank«, erwiderte Loukis ausweichend.

»Zu schade. Sie ist ein hübsches Mädel. Wie alt ist sie jetzt? Fünfzehn?«

»Vierzehn.«

»Aber danach wird sie fünfzehn, eh?«

»Das ist für gewöhnlich der Lauf der Dinge.« Loukis drückte die Zigarette mit der Schuhsohle aus und ließ den anderen stehen. Sein Bruder Michalakis hatte Yiannis einmal eine reingehauen. Loukis wusste nicht mehr warum, aber er vermutete, dass er es verdient hatte.

2

Es war nicht leicht, Loukis zum Lachen zu bringen – aber Aphrodite schaffte es einfach immer wieder. Im Unterschied zu allen anderen Eseln auf der Insel, die auf vier Hufen über die steinigen Felder trappelten, durchquerte dieses Exemplar die Landschaft in Lederschuhen – entworfen und angefertigt von Georgios höchstpersönlich. Als Aphrodite noch ein junges Ding war, stellte Stavros irgendwann fest, dass die Weigerung der Eselin, den Stall zu verlassen, weniger mit Sturheit zu tun hatte als mit dem Wetter, woraufhin er sich vertrauensvoll an seinen Freund Georgios wandte. Trotz anfänglicher Belustigung nahm dieser die Bitte seines Freundes ernst und machte sich sofort daran, das Tier auszumessen. Begleitet von den spöttischen Bemerkungen seiner Söhne, die ihn mit Bestellungen von Ziegensätteln, Hundesandalen, Katzenhandschuhen und Fischwämsern aufzogen, fertigte Georgios in seiner Werkstatt aus dem strapazierfähigsten gegerbten Leder, das er finden konnte, zwei Paar schalenartige Stiefel, die durch eine Schnalle an der Rückseite festgezogen wurden. Als er sein Werk vollendet hatte, half er Stavros’ stolzer Eselin in die Schuhe, und nach kurzem Widerstreben verließ Aphrodite schließlich mit hoch erhobenem Kopf und nach vorne gestellten Ohren freiwillig den Stall.

»Es nennt sich Mysophobie«, erklärte Stavros, während er Aphrodites Rücken mit Orangenkörben belud. »Sie fürchtet sich vor Schmutz. Es fängt im Herbst an, wenn der Boden durch den Regen matschig wird, dauert den ganzen Winter über und zieht sich bis in den Frühling, meistens sogar noch bis in den Sommer. Sie ist eben ein Weibsbild durch und durch: Verlässt das Haus erst, wenn sie anständig zurechtgemacht ist.«

Stavros tätschelte dem alten Mädchen den Hals und griff nach dem Melonensaft, den ihm seine Frau Pembe gebracht hatte. Obwohl sie mit Engelszungen auf Loukis eingeredet hatte, auch ein Glas davon zu trinken, weil er gut für die Nieren sei, bestand der Junge weiter auf Coca-Cola.

Loukis half Stavros inzwischen seit drei Monaten auf seinem Hof, genau gesagt seit dem Tag, als seine Brüder ganz aus Versehen dafür gesorgt hatten, dass die Schule geschlossen wurde. Aus einer dummen Laune heraus, die zweifelsfrei auf Nicos’ Konto ging, hatten die Zwillinge eine weiße Wand des Schulgebäudes mit blauer Farbe beschmiert: »Wir fordern die Einheit mit Griechenland – und wenn wir dafür Steine essen müssen!« Am nächsten Tag hatten die Briten, die ohnehin der festen Überzeugung waren, dass griechische Lehranstalten nichts als Brutstätten für Terroristen waren, die Schule dichtgemacht. Und mit ihr 418 andere Schulen, die nach Demonstrationen und dem Hissen der griechischen Flagge als ebenso überflüssig erachtet wurden.

Georgios, der Bildung sogar über das Erlernen eines Handwerks wie des seinen stellte, war außer sich vor Wut gewesen. Und die Solidaritätsbekundungen, mit denen er jedes Mal empfangen wurde, wenn er das Kaffeehaus betrat, vermochten sein erhitztes Gemüt nicht zu besänftigen. Für die Männer im Dorf waren Nicos und Marios zu patriotischen Helden aufgestiegen. Sogar der Priester erwähnte sie in seiner Sonntagspredigt, lobte den Widerstand gegen die Unterdrücker, den die »ruhmreichen Söhne von Georgios, diese Söhne Zyperns, ja ganz Griechenlands« geleistet hatten. Einem Tobsuchtsanfall nahe entschied Georgios daraufhin, dass seine drei noch schulpflichtigen Söhne nur durch harte Arbeit zu der Einsicht kommen konnten, dass sie falsch gehandelt hatten. Bis die Briten einlenken und die Klassenzimmer wieder öffnen würden, mussten sich die drei einen Aushilfsjob suchen. Loukis war fuchsteufelswild gewesen, nicht nur, weil er es als himmelschreiende Ungerechtigkeit empfand, für die Missetaten seiner Brüder bestraft zu werden, sondern auch, weil er Praxi nur während der Schulzeit überhaupt noch zu Gesicht bekam. Seit dem Einsetzen ihrer Periode durfte sie ihre Freizeit ausschließlich in weiblicher Eintracht verbringen, mit Maria oder mit irgendeinem anderen Mädchen, das ihre Mutter anschleppte. Aus diesem Grund, und aus keinem anderen, hatte sich Loukis eine Arbeit bei Stavros gesucht und nicht wie seine Brüder in den Lagerhäusern am Hafen von Keryneia. Hier im Dorf war er näher bei Praxi.

Da Stavros jeden Tag älter und dicker wurde und der Großteil seiner Familie entweder in den Süden gezogen, verheiratet worden oder in Richtung Türkei verschwunden war, erklärte sich der Bauer einverstanden, Loukis ein Zypern-Pfund pro Woche für seine Hilfe bei jeder Ernte zu zahlen, die saisonbedingt gerade anfiel. Es war Knochenarbeit, doch der salzige Geschmack von Schweiß auf seinen Lippen, die zunehmende Bräune seiner Haut und die Muskeln, die er durch das Schleppen der schweren Körbe trainierte – all das gefiel Loukis.

Er sah auf und leerte hastig seine Cola. Praxi kam die Straße herauf. Sie trug ein grünes Kleid und schwenkte fröhlich eine Ledertasche. Darin befanden sich frisches Brot, ein Glas schwarze Oliven und ein Stück Ziegenkäse. Auch Stavros entdeckte sie und zwinkerte Loukis zu.

»Na, hau schon ab«, sagte er. »Wir sehen uns dann nach dem Mittagessen.«

Da die Sonne das Meer nach dem Winter nun allmählich aufzuwärmen begann, beschlossen Praxi und Loukis, am Strand zu essen. Praxis ärmelloses Kleid schmiegte sich eng an ihre Taille und flatterte ihr frech und knapp um die Oberschenkel. Sie musste, so stellte Loukis fest, seit dem letzten Jahr ein ganzes Stück gewachsen sein. Und für den Bruchteil einer Sekunde fiel ihm etwas spitzenbesetztes Blaues ins Auge.

»Trägst du etwa einen BH?«

»Ja, Loukis, das machen Frauen so. Und willst du wissen, warum? Soll ich’s dir zeigen?«

Praxi kicherte, und Loukis lief knallrot an, woraufhin sie immer lauter lachte. Sie war in Hochstimmung, fühlte sich anders, schön – und frei. Seit die Briten Erzbischof Makarios von der Insel gejagt hatten, verharrte ihre Mutter in einer Art religiöser Schockstarre, was bedeutete, dass sie Praxis Tugendhaftigkeit nicht mehr mit derselben erstickenden Radikalität zu überwachen vermochte, die sie in den vergangenen acht Monaten an den Tag gelegt hatte.

Makarios war Zyperns geistlicher und politischer Führer – und man beschuldigte ihn, junge Griechen mit anti-britischer Propaganda indoktriniert und sie außerdem dazu ermuntert zu haben, sich der EOKA anzuschließen. Nach allem, was Loukis von seinem Bruder Michalakis wusste, hatte sich der Erzbischof seit dem Tag der Beisetzung von Charalambous Mouskos mit den Briten auf Kollisionskurs befunden. Charalambous war nicht nur Makarios’ Cousin, sondern auch Mitglied der EOKA gewesen und bei einer Schießerei mit den Briten im Troodos-Gebirge ums Leben gekommen. Den Trauergottesdienst hatte Makarios selbst abgehalten, und aus Angst vor Ausschreitungen hatten die Briten ihre Soldaten rund um die Kirche postiert. Als sich die Trauergemeinde am Ende der Beisetzung trotz sintflutartiger Regenfälle nicht zerstreuen wollte, zwangen die Soldaten die Menschen unter Einsatz von Tränengas, nach Hause zu gehen. Makarios bezeichnete dieses Vorgehen als Sakrileg und als »einen dunklen Fleck in der Geschichte der britischen Besetzung Zyperns«. Jeder pflichtete ihm bei.

Bei den Economidous wuchs dieser schändlichen Respektlosigkeit seitens der Besatzer noch eine andere, besondere Bedeutung zu: Es war Michalakis’ erster großer Bericht, der es in die Zeitung schaffte. Dhespina war so stolz auf ihren Sohn, dass sie den Artikel ausschnitt und an die Wand pinnte, direkt neben ein Bild des Erzbischofs.

Die Euphorie des neuen Gouverneurs, Sir John Harding, hielt sich dagegen in Grenzen, und drei Monate nach jener Beerdigung verbannte er Makarios auf die Seychellen. Als diese Untat bekannt wurde, brachen auf der Insel Krawalle aus. Schon bald überschlugen sich die Meldungen: Ein britischer Polizist wurde niedergeschossen, ein türkischer Beamter tot aufgefunden, man feuerte auf eine Engländerin und ihr Kind, Läden wurden verwüstet und geplündert, im Dorf Vassilia sagten sich einstige Nachbarn den Kampf an, und unter Hardings Bett fand man eine Bombe, die jedoch nicht detonierte.

Wenn Michalakis seine Eltern zu Hause besuchte, berichtete er oft von solchen Zwischenfällen; er war überzeugt, dass Zypern kurz vor einem Krieg stand. Bis in sein Heimatdorf schien sich diese Nachricht allerdings noch nicht herumgesprochen zu haben. Das einzig Aufrührerische, was Praxi beobachten konnte, waren kleine, alte Frauen, die Vergeltung für Makarios’ Verbannung übten, indem sie patrouillierende Soldaten mit Steinen bewarfen.

»Ich weiß, dass ich so was nicht sagen sollte«, begann Praxi, während sie die sandige Klippe zum Strand hinunterkletterten, »aber mein Leben ist um einiges besser geworden, seit Erzbischof Makarios Zypern verlassen hat.«

»Und meins erst«, sagte Loukis. »Was meinst du, wie lange deine Mutter in Trauer sein wird?«

Praxi machte sich geschäftig daran, die Picknicktasche auszupacken. »Wer weiß? Vielleicht für den Rest ihres Lebens – oder zumindest so lange, bis Makarios zurückkommt.«

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass das je passieren wird.«

»Nein. Ich auch nicht.«

Praxi reichte Loukis das Brot, ließ aber nicht los, als er danach griff. Sie blickte ihn ernst an, und Loukis konnte ihren Atem auf seinen Lippen spüren.

»Glaubst du, es ist Krieg, Loukis?«

Er hielt ihrem Blick stand. Hier in der Sonne, während ihnen das klare, blaugrüne Wasser des Mittelmeers die Füße umspülte, erschienen ihm die Unruhen so weit weg, als würden sie an einem anderen Ort stattfinden. Doch er hatte seinen Vater und Michalakis reden gehört, und beide waren der Ansicht, dass sich die Situation sogar noch verschärfen würde, solange die Briten nicht einlenkten und Zypern an Griechenland abtraten.

»Ich weiß es nicht, Praxi«, antwortete er ehrlich. »Die Erwachsenen scheinen das zu glauben. Ich habe keine Ahnung, wo wir hinsteuern. Und wenn du mich fragst, verstehe ich auch nicht, warum alle so darauf brennen, zu Griechenland zu gehören.«

»Weil wir Griechenland sind!«, rief Praxi und ließ das Brot los. »Griechenland ist unsere Mutter, und wir müssen wieder zu ihr gehören! Oder was würdest du sagen, wenn die Briten in dein Haus marschiert kämen, um dir mitzuteilen, dass du nie wieder mit deiner Mutter zusammen sein darfst? So musst du es sehen, Loukis. Du kannst nicht einfach im Dorf herumrennen und sagen ›ich verstehe nicht, warum alle so darauf brennen, zu Griechenland zu gehören‹. Du klingst wie ein Türke!«

Loukis gab sich geschlagen, und während er sein T-Shirt auszog und seine Hose aufknöpfte, wurde ihm klar, dass das Einzige, was er im Leben brauchte, gerade neben ihm saß. Alles andere verwirrte ihn bloß.

Er rannte ins Wasser und stürzte sich kopfüber in die schneidende Kälte des Meeres. Sekunden später jagte Praxi ihm hinterher.

Fernab von Tageslicht und salziger Meeresbrise erhellte eine einzelne nackte Glühbirne den stickigen Raum. In der abgestandenen Luft hing der Geruch von kaltem Zigarettenqualm, überall stapelten sich Rechnungen und Kartons. Der Anblick dieses Büros und die Atmosphäre, die hier herrschte, waren vor allem eines: trostlos. Nicos wusste genau, warum man ihn hierher beordert hatte. Ein paar Stunden zuvor hatte er die Beherrschung verloren, und das Opfer seiner Raserei lag nun mit gebrochener Nase zu Hause. Er nahm Platz.

»Ich dulde keine Schlägereien in meinem Lagerhaus«, erklärte der Chef, steckte sich eine Chesterfield in seinen vollen Bart und zündete sie an. »Hast du irgendetwas zu deiner Verteidigung zu sagen? Willst du dich vielleicht entschuldigen?«

Nicos schüttelte den Kopf. Der Chef schloss für einen kurzen Moment die Augen, um zu demonstrieren, wie enttäuscht er war.

»Du weißt, dass ich das nicht einfach so durchgehen lassen kann. Du hast jemandem die Nase gebrochen. Gibt es wirklich nichts, was du mir sagen möchtest? Den Grund für deinen Ausraster zum Beispiel?«

Nicos schätzte die Geduld seines Gegenübers, schwieg jedoch hartnäckig. Er wusste, wann er den Mund zu halten hatte, selbst wenn sein Handeln gerechtfertigt gewesen war. Marios hatte sich nichts weiter dabei gedacht, er war bloß neugierig geworden, weil die Kiste so gescheppert hatte. Als er daraufhin hineingeschaut hatte, war Costas gleich zu ihm gerannt gekommen, hatte ihn grob an den Haaren gepackt und einen blöden vlaka genannt, der sich gefälligst um seinen eigenen Scheiß kümmern sollte. Nicos war gerade am anderen Ende des Lagerhauses beschäftigt gewesen, sah den Schmerz und das Unverständnis im Gesicht seines Bruders und drehte durch. Niemand nannte seinen Bruder einen Idioten, und ohne nachzudenken hatte er sich auf Costas gestürzt und mit der Faust zugeschlagen. Ein widerliches Knacken – dann war das Blut geflossen.

»Wie mir der Vorarbeiter sagte, bist du für deinen Bruder eingetreten«, fuhr der Chef fort und machte dann eine Pause, um Nicos’ Bestätigung abzuwarten. »Nun, wenn dem so sein sollte, ehrt dich das, und in gewisser Weise respektiere ich, was du getan hast. Trotzdem ist das hier eine Arbeitsstätte und kein Spielplatz oder Boxring. Betrachte das hier also als offizielle Verwarnung. Fürs Erste behältst du deinen Job, aber sollte ich dieses Gespräch noch einmal mit dir führen müssen, bist du gefeuert. Verstanden?«

»Verstanden«, wiederholte Nicos.

Der Chef erhob sich von seinem Stuhl und gab dem Jungen damit zu verstehen, dass ihre Unterredung beendet war. Erleichtert, wenn auch nicht sonderlich überrascht kehrte Nicos in das Lagerhaus zurück. Er machte sich keine Illusionen, warum er diesmal mit einem blauen Auge davongekommen war. Nun musste er dafür sorgen, dass Marios es ebenfalls verstand. Denn sollte seinem Bruder irgendetwas über die Waffen rausrutschen, die er in der Kiste entdeckt hatte, würden die beiden das nicht mit ihrem Arbeitsplatz bezahlen, sondern mit ihrem Leben.

»Du errätst nie, wie sie im Dorf inzwischen eure Jungs nennen.«

»Wer, sie?«

»Na ja, so das ganze Dorf in etwa.«

»Mich schaudert bei dem Gedanken«, sagte Dhespina zu ihrer Schwester.

»Sie nennen sie die Dighenis-Brüder – nach dem Fünf-Finger-Gebirge!«

Dhespina lächelte. Sie begriff sofort, was es mit dem Vergleich auf sich hatte: Der Legende nach entkam Dighenis – der riesenhafte byzantinische Held – seinen arabischen Verfolgern, indem er von Kleinasien hinüber nach Nordzypern sprang. Bei seiner Landung auf der Insel krallte er sich an den Felsen fest und hinterließ dort bis in alle Ewigkeit den Abdruck seiner fünf Finger. Auch wenn ihre Söhne über die Grenzen ihres Dorfes hinaus keine legendären Helden sein dürften, so waren sie doch alle ungewöhnlich groß. Selbst Loukis, der sie mit seinen vierzehn Jahren längst überragte, wuchs seinem Vater mit jedem Tag ein Stückchen mehr über den Kopf.

»Ich finde, es passt zu ihnen«, erklärte Lenya und ließ die Tinktur, die Dhespina aus den roten Beeren des Mönchspfeffers zusammengebraut hatte, in ihrer Handtasche verschwinden.

»Trägst du nachts noch die Hose?«

»Morgens, mittags, nachts, sie kommt nie runter, außer natürlich, wenn wir ES tun«, sagte Lenya lachend. »Andreas dreht allmählich durch. Er nennt mich inzwischen schon dolmades!«

Dhespina schnappte nach Luft. Keine Frau, die klar bei Verstand war, sollte ihrem Mann gestatten, sie mit Weinblättern zu vergleichen, in die man Reis stopft. Die Hose sollte dafür sorgen, dass auch die trägen Spermien nach dem Sex im Körper blieben, eine sehr effektive Maßnahme, wie jeder wusste, insbesondere, wenn die Frau zusätzlich ihre Beine in die Luft streckte. Zugegeben, die Hose sah grässlich aus, aber in manchen Fällen war sie ein notwendiges Übel und ganz bestimmt nichts, worüber man sich lustig machen durfte.

»Ist schon in Ordnung«, versicherte ihr Lenya. »Andreas macht nur Spaß, das weiß ich. Er liebt mich mit allem, was dazugehört.«

»Trotzdem … dolmades?«

»Ach, mach dir keine Gedanken. Wenn die Hose und deine Medizin erst mal wirken, wird er schon einsehen, dass es sich gelohnt hat.«

Dhespina lächelte ihre Schwester an. Es war nicht leicht für Lenya: Seit drei Jahren war sie nun schon verheiratet, und noch immer hatte sie keine Kinder. Niemand verstand, warum, am wenigstens Lenya selbst. Sie war gesund und kräftig und hatte als kleines Mädchen dabei zugesehen, wie das silberne Kreuz ihrer Mutter über ihrer Handfläche gekreist war und ihr die Geburt von zwei Töchtern vorausgesagt hatte. Ein paar Jahre zuvor war Dhespina der Ohnmacht nahe gewesen, als ihr fünf Jungs prophezeit worden waren. Das Kreuz irrte sich nie.

»Benehmen sich die Zwillinge denn im Lagerhaus?«, wollte Lenya wissen und riss ihre Schwester damit aus ihren Gedanken.

Dhespina blickte auf. »Das behaupten sie zumindest, aber du kennst sie ja, sie halten zusammen wie Pech und Schwefel. Sie könnten die Festung in Keryneia abfackeln, und ich wäre die Letzte, die davon erfahren würde.«

»Stimmt. Und ganz ehrlich, mir tut jetzt schon die Frau leid, die mal Nicos’ Angetraute wird!« Lenya zwinkerte ihr zu.

Dhespina lächelte zurück, und obwohl sie wusste, dass Lenya es nicht böse meinte, versetzten ihr die Worte der Schwester einen Stich. Nicht, weil sie glaubte, Nicos gäbe einen perfekten Ehemann ab – Gott bewahre, in ihm tobten Licht und Finsternis, und er besaß den Charme des Leibhaftigen. Sie konnte sich nur schwer vorstellen, dass er sich je dem Willen einer Frau beugen würde. Nein, was Dhespina verletzte, war, dass sie gerade über die Zwillinge sprachen, nicht nur über Nicos, und wenn sie Marios unerwähnt ließ, ging Lenya offenbar davon aus, dass er niemals heiraten würde. Womit sie vielleicht recht haben könnte, aber Dhespina war noch lange nicht bereit, sich damit auseinanderzusetzen, geschweige denn es zu akzeptieren. Marios war ebenso groß und stark und schön wie ihre anderen Söhne. Doch in seinem Kopf war er ein Kind und würde auch immer eins bleiben. Während die Zeit verging und ihre Jungs zu Männern heranreiften, wagte Dhespina nicht, sich vorzustellen, wie Marios wohl reagieren würde, wenn Nicos eines Tages heiratete und eine eigene Familie gründete. Ihr Baby würde der Welt allein ins Auge sehen müssen, als die Hälfte eines Lebens, das immer zu zweit gelebt worden war.

»Also dann, Dhespo, es wird Zeit für mich.« Herrlich arglos und sich in keiner Weise bewusst, was sie soeben angerichtet hatte, umarmte Lenya ihre Schwester und drückte ihr einen Abschiedskuss auf die Wange. Als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, wandte sich Dhespina seufzend den Kartoffeln zu, die auf dem Herd kochten.

Am anderen Ende des Dorfes hatte Michalakis seinen Vater gerade im Kaffeehaus abgeholt, und zusammen machten die beiden Männer sich auf den Weg nach Hause, vorbei an der Kirche, der Dorfbäckerei und dem kleinen Gemischtwaren-Laden, in dem schon vor Stunden die Lichter ausgegangen waren. Bis zur Sperrstunde waren es nur noch wenige Minuten, doch Michalakis hatte keine Eile. Er war erleichtert, der nach Misstrauen stinkenden Hauptstadt mit ihren Sperrzonen entkommen zu sein, und atmete genussvoll den Duft von Jasmin ein.

»Du machst dich gut«, lobte ihn sein Vater und klopfte ihm mit einer zusammengerollten Ausgabe der Zeitung auf die Schulter. »Schon wieder eine Titelgeschichte. Demnächst wirst du noch Chefredakteur.«

»Wenn sie den Laden nicht vorher dichtmachen«, erwiderte Michalakis halb im Scherz.

Seitdem der Notstand ausgerufen worden war, hatte man eine Reihe von Pro-EOKA-Blättern mundtot gemacht. Sogar die Übertragungen von Radio Athen wurden mitgehört und bisweilen unterbrochen. Es geschah so unglaublich viel im Land, doch je mehr passierte, desto weniger Wege standen Journalisten wie Michalakis offen, um den Menschen davon zu berichten. Die Folge war, dass Gerüchte für bare Münze genommen wurden und die Flammen einer berechtigten Auseinandersetzung immer höher loderten, bis sie in etwas weniger Ehrenhaftes umschlugen und alles niederzubrennen drohten.