Sansibar oder der letzte Grund. Königs Erläuterungen. - Sabine Hasenbach - ebook

Sansibar oder der letzte Grund. Königs Erläuterungen. ebook

Sabine Hasenbach

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Opis

Königs Erläuterung zu Alfred Andersch:: Sansibar oder der letzte Grund - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben. In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download ... sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. ... und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. ... mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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Liczba stron: 134




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 420

Textanalyse und Interpretation zu

Alfred Andersch

SANSIBAR ODER DER LETZTE GRUND

Sabine Hasenbach

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Andersch, Alfred: Sansibar oder der letzte Grund. Zürich: Diogenes Verlag, 2006.

Über die Autorin dieser Erläuterung: Sabine Hasenbach hat Mineralogie (mit den Nebenfächern Mathematik, Physik und Chemie) an den Universitäten Köln und Bonn sowie Literaturwissenschaft (mit den Nebenfächern Psychologie und Soziologie) an der FernUniversität in Hagen studiert, wo sie mit einer Arbeit über Katherine Mansfield zum Baccalaureus Artium graduiert worden ist. Sie wohnt in Düsseldorf und arbeitet an der dortigen Heinrich-Heine-Universität.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

2. Auflage 2014

ISBN 978-3-8044-6988-4

© 2013 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: © Cinetext/Allstar

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Alfred Andersch: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Der deutsche Vorkriegsfaschismus

Kommunistenverfolgung

Verfolgung jüdischer Menschen

Euthanasie

„Entkonfessionalisierung des öffentlichen Lebens“

Diffamierung und Ausgrenzung von Künstlern der Moderne

Die deutsche Literaturszene in den 1950er Jahren

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

Sansibar im Kontext von Anderschs bisherigem Schaffen

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Die Textoberfläche

Das erzählte Geschehen

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Gregor

Helander

Judith Levin

Der Junge

Heinrich Knudsen

Bertha Knudsen

Der Wirt des „Wappen von Wismar“

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Die Sprache Alfred Anderschs

Sprachliche Mittel

Dynamik des Erzählens: Motive und ihre Wiederholungen

Intertextualität

Erzähltheorie und Erzählverhalten

story und plot in der Literaturwissenschaft

Sansibar oder der letzte Grund – Roman und Drama?

3.7 Interpretationsansätze

Leben in einem ideologisch-repressiven System

Zurückgewinnen der Selbstbestimmung

4. Rezeptionsgeschichte

Sansibar oder der letzte Grund in der Literaturwissenschaft

Sansibar oder der letzte Grund im 21. Jahrhundert

5. Materialien

Die innenpolitischen Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland in den 1950er Jahren

Alfred Andersch und die Littérature engagée

Äußerungen Alfred Anderschs

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 *

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Biografie und Biografisches

Übergreifende Darstellungen – Literatur

Übergreifende Darstellungen – Geschichte

Zu Sansibar oder der letzte Grund

Hörspiel

Hörbuch

Verfilmungen

Oper

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel beschreiben wir Alfred AnderschsLeben und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund dar:

Alfred Andersch wurde am 4. Februar 1914 in München geboren und starb am 21. Februar1980 in Berzona/Schweiz. Er lebte in Hamburg und München, bevor er 1958 ins Tessin übersiedelte.

Die Romanhandlung ist vor dem Hintergrund des deutschenVorkriegsfaschismus zu verorten.

Sansibar oder der letzte Grund ist 1957 erschienen. Auf sich aufmerksam machte Andersch mit der 1954 publizierten Erzählung Die Kirschen der Freiheit.

Sansibar oder der letzte Grund ist literaturgeschichtlich der deutschen Nachkriegsliteratur zuzuordnen. Diese wiederum ist in den Kontext der literarischen Moderne einzuordnen.

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

Sansibar oder der letzte Grund – Entstehung und Quellen:

Zu Sansibar oder der letzte Grund wurde Andersch angeregt durch den Kauf von Skulpturen Ernst Barlachs durch Hermann Reemstma sowie durch die Verfolgung seiner ersten Frau und deren Mutter durch die Nationalsozialisten.

1955: Andersch beginnt mit der Niederschrift des Romans Sansibar oder der letzte Grund.

1957: Publikation des Romans beim Walter-Verlag in Olten

Inhalt:

Der Roman umfasst 37 Kapitel.

Im Herbst 1937 treffen in der an der Ostsee gelegenen Stadt Rerik mehrere Menschen aufeinander. Zu ihnen gehört Judith Levin, die jüdischen Glaubens ist und deren gelähmte Mutter sich am Vortag aus Angst vor Verfolgung das Leben genommen hat. Judith Levin hofft, per Schiff nach Schweden gelangen zu können. Sie trifft auf den Kommunisten Gregor, der einen Parteiauftrag ausführen und sich mit dem Verbindungsmann Heinrich Knudsen treffen soll. Gregor hat sich der kommunistischen Ideologie entfremdet, allerdings will er diesen einen Auftrag noch ausführen und sich dann ins Ausland absetzen. Judith gefällt ihm und er entschließt sich, ihr zu helfen. In der Kirche Reriks wartet er auf Heinrich Knudsen, wobei er der SkulpturLesender Klosterschüler Ernst Barlachs ansichtig wird, die ihn beeindruckt. Heinrich Knudsen ist ebenfalls Kommunist. Er leidet unter der Inaktivität der KP, seiner psychisch kranken Frau Bertha wegen will er, der sich auch gerne absetzen würde, in Rerik bleiben. Mit Fluchtgedanken trägt sich auch Knudsens fünfzehnjähriger Schiffsjunge, der vom Leben in Rerik angeödet ist und ihm durch ein Leben à la Huckleberry Finn in Übersee entgehen will.

Knudsen wird von Reriks Pfarrer Helander gebeten, die Plastik Lesender Klosterschüler ins schwedische Skillinge zu bringen, um sie vor der Konfiszierung durch die Nationalsozialisten, die sie als „entartete Kunst“ diffamieren, zu bewahren. Unterstützung bekommt der Pfarrer unerwartet durch Gregor, der sich der Wirkung der Plastik nicht entziehen kann. Mit Knudsen, der zunächst seine Hilfe verweigerte, schließlich doch einwilligt, vereinbart Gregor einen Treffpunkt an der Küste, zu dem er außer der Plastik auch Levin mitbringt. Nach anfänglichem Widerstand bringt Knudsen mit Hilfe seines Schiffsjungen Judith Levin und die Plastik nach Schweden, was deren Rettung bedeutet. Gregor verzichtet auf die Mitfahrt. Der Schiffsjunge, der bei dieser Aktion eine Möglichkeit zur ersehnten Flucht findet, nimmt Abstand von seinem Vorhaben und kehrt mit Knudsen nach Rerik zurück.

Helander tötet einen der Beamten, die ihn wegen des Verschwindens der Statue verhaften wollen. Er wird daraufhin erschossen.

Chronologie und Schauplätze:

Die Handlung des Romans ereignet sich an einem Tag im Oktober 1937. Schauplatz ist die an der Ostsee gelegene Stadt Rerik. Der Roman umfasst eine erzählte Zeit von ungefähr 24 Stunden.

Personen:

Die Hauptpersonen sind

Gregor:

ein desillusionierter Kommunist,

auf der Suche nach einem neuen Lebensentwurf,

Helander:

der Pfarrer Reriks,

hadert mit Gott und der Amtskirche,

Judith Levin:

eine junge Frau jüdischen Glaubens,

auf der Flucht vor den Nationalsozialisten,

der Junge:

Schiffsjunge Heinrich Knudsens,

angeödet von seinem Leben in Rerik,

Heinrich Knudsen:

ein enttäuschter Kommunist,

verhärtet.

Weitere Personen sind Bertha Knudsen, der Wirt des „Wappen von Wismar“, Dr. Frerking, Fischer aus Rerik, Küster Paulsen, Mutter des Jungen, schwedische Seeleute, Haushälterin Helanders und Gestapo-Beamte.

Stil und Sprache Alfred Anderschs:

Andersch schreibt in einer klaren, nüchternen Sprache.

Er setzt eine individuell geprägte Figurensprache ein.

Er bedient sich der seemännischen Terminologie.

Er bedient sich der faschistisch überprägten Sprache.

Er erzählt überwiegend chronologisch.

Er arbeitet mit Motivwiederholungen.

Er setzt Intertextualität ein.

Er wechselt das Erzählverhalten.

Auf folgende Interpretationsansätze gehen wir näher ein:

Leben in einem ideologisch-repressiven System

Zurückgewinnen der Selbstbestimmung

Alfred Andersch beschreibt individuelle Wege zur Selbstbestimmung und Souveränität angesichts existenzieller Bedrohung.

2. Alfred Andersch: Leben und Werk

Alfred Andersch 1914–1980 © akg images – Keystone

2.1 Biografie[1]

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1914

München

Alfred Andersch wird am 4. Februar als zweites Kind des Offiziers Alfred Andersch und seiner Frau Hedwig geboren.

1924

München

Besuch des Wittelsbacher-Gymnasiums, das er 1928 wegen schlechter Leistungen verlassen muss.

10

1928

München

Beginn einer Buchhändlerlehre beim WEGA-Verlag. Lektüre sozialkritischer Literatur.

14

1929

München

Tod des Vaters.

15

1930

Eintritt in den kommunistischen Jugendverband KJV.

16

1931

München

Abschluss der Ausbildung, im Anschluss daran arbeitslos.

17

1932

Organisationsleiter des Kommunistischen Jugendverbandes Südbayern.

18

1933

München

Verhaftung und dreimonatige Internierung im KZ Dachau. Nach der Haftentlassung stellt Andersch seine politischen Aktivitäten ein. Anstellung bei J. F. Lehmann’s Verlagsbuchhandlung.

19

1934

Erste Italienreise. Begegnung mit Angelika Albert.

20

1935

Zweite Italienreise. Hochzeit mit Angelika Albert.

21

1937

Hamburg

Umzug nach Hamburg. Anstellung in der Werbeabteilung der Leonar-Werke.

23

1938

Hamburg

Geburt der Tochter Susanne.

24

1939

Beginn der Beziehung mit Gisela Groneuer.

25

1940

Geburt des Sohnes Michael. (Mutter ist Gisela Groneuer). Einsatz als Soldat in Frankreich.

26

1941

Hamburg

Entlassung aus der Armee. Tätigkeit als Büroangestellter bei Mouson & Co.

27

1943

Scheidung von Angelika Albert.

29

1944

Publikation der Erzählung Erste Ausfahrt in der „Kölnischen Zeitung.“ Einsatz als Soldat in Dänemark und Italien. Andersch desertiert zu den Amerikanern und wird in die USA verschifft.

30

1945

USA

Verlegung von Louisiana nach Rhode Island. Andersch verfasst Beiträge für die Lagerzeitschrift „Der Ruf – Blätter für deutsche Kriegsgefangene“. Rückkehr nach Deutschland. Geburt des Sohnes Martin.

31

1946

München

Anstellung als Redaktionsassistent Erich Kästners bei der „Neuen Zeitung“

32

1947

München

Gründung der Monatszeitschrift „Der Ruf“ mit Hans Werner Richter. Entlassung Anderschs durch die amerikanische Militärregierung wegen politischer Differenzen. Initiierung des ersten Treffens der Gruppe 47.[2]

33

1948

Frankfurt

Andersch wird Redakteur der Hörfunksendung Abendstudio. Erste Buchpublikation mit Deutsche Literatur in der Entscheidung. Ein Beitrag zur Analyse der literarischen Situation.

34

1950

Andersch heiratet Gisela Groneuer. Geburt der Tochter Annette.

36

1951

Frankfurt

Herausgeber der Buchreihe studio frankfurt.

37

1952

Publikation der Erzählung Die Kirschender Freiheit.

38

1955

Stuttgart

Herausgeber der Literaturzeitschrift „Texte und Zeichen“. Andersch wird Redaktionsleiter beim Süddeutschen Rundfunk und ruft die Hörfunk-Sendung Radio-Essay ins Leben.

41

1957

Veröffentlichung des RomansSansibar oder der letzte Grund.

43

1958

Schweiz

Übersiedlung nach Berzona/Schweiz. Auszeichnung mit dem Schleußner-Schuller-Preis des Hessischen Rundfunks und mit dem Förderpreis der Stadt Düsseldorf. Auszeichnung mit dem deutschen Kritikerpreis für Sansibar oder derletzte Grund.

44

1960

Publikation des Romans Die Rote.

46

1962

Reise nach Rom. Der Reisebericht Wanderungen imNorden erscheint.

48

1963

Die Anthologie Ein Liebhaber desHalbschattens erscheint.

49

1965

Die Hörspielsammlung Fahrerflucht erscheint. Publikation der Essaysammlung Die Blindheit des Kunstwerks.

51

1966

Publikation der Reiseberichte Aus einem römischen Winter.

52

1967

Publikation des Romans Efraim.

53

Dortmund

Andersch wird mit dem Nelly-Sachs-Preis ausgezeichnet.

1968

Lausanne

Auszeichnung mit dem Charles-Veillon-Preis.

54

1970

USA

Vortragsreise durch die USA.

56

1971

Publikation der Erzählungen Mein Verschwinden in Providence.

57

1972

Mexiko

Reise nach Mexiko.

58

1974

Veröffentlichung des Romans Winterspelt.

60

1975

Reisen nach Spanien, Portugal und in die UdSSR.

61

München

Auszeichnung mit dem Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

1976

Mit dem Gedicht Artikel 3 löst Andersch eine Debatte zum Radikalenerlass aus.

62

1977

Publikation der Gedichtanthologie Empört euch der Himmel ist blau. Schwere Nierenerkrankung.

63

1979

Publikation der Studienausgabe der Werke Anderschs.

65

Marbach

Übergabe seines Nachlasses an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach.

1980

Berzona

Alfred Andersch stirbt am 21. Februar an Nierenversagen. Posthume Veröffentlichung der Erzählung Der Vater eines Mörders. Eine Schulgeschichte.[3]

66

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Der Roman ist im Deutschland des Jahres 1937 verortet, die Handlung vollzieht sich also vor dem Hintergrund des deutschen Vorkriegsfaschismus. Auf folgende politische Realitäten wird im Roman rekurriert:

Kommunistenverfolgung,

Verfolgung jüdischer Menschen,

Euthanasie,

Entkonfessionalisierung des öffentlichen Lebens,

Diffamierung und Ausgrenzung von Künstlern der Moderne.

Der deutsche Vorkriegsfaschismus

Am 30. 01. 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler berufen. Der Ausbreitung der nationalsozialistischen Ideologie war damit Tür und Tor geöffnet. Zwar gab es ein Rechtssystem, allerdings wurde es peu à peu der faschistischen Ideologie angepasst. Deutschland entwickelte sich zu einem rechtsfreien Raum.

Kommunistenverfolgung

Die deutschen Kommunisten waren in der 1919 gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands KPD versammelt. Die KPD gehörte zu den politischen Gegnern der Nationalsozialisten. Diese wiederum ließen die Anhänger der KPD nach der Machtergreifung 1933 verfolgen. Auslöser einer massiven Verhaftungswelle war der Brand des Reichstagsgebäudes in der Nacht vom 27. Februar 1933. Obwohl die Urheberschaft des Brandes nicht eindeutig geklärt werden konnte, beschuldigten Adolf Hitler und Hermann Göring, dem die Polizei unterstand, die Kommunisten und warnten vor einem bevorstehenden kommunistischen Umsturz. Noch in der Brandnacht ordnete Göring die Verhaftung der Abgeordneten und der führenden Funktionäre der KPD an sowie das Verbot ihrer Presse und die Schließung ihrer Parteibüros. Am Tag darauf erließ Hitler die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“,[4] die die massive Verfolgung der politischen Opposition legitimierte. Die sich dem Erlass anschließende Verfolgungs- und Verhaftungswelle richtete sich vor allem gegen die Kommunisten, deren Parteiapparat und Organisationsstrukturen schließlich zerschlagen wurden. Der der Verhaftung entkommene Teil der KPD-Führung ging in die Emigration, andere hielten sich noch einige Monate in Deutschland auf und versuchten eine illegale Organisation aufzubauen. Im März 1933 folgte das Ermächtigungsgesetz, auf dessen Grundlage die nationalsozialistische Regierung ohne Beteiligung des Reichstages und Reichsrates Gesetze erlassen konnte.

1937 wurde das Ermächtigungsgesetz um vier Jahre verlängert, was die Fortführung antidemokratischer Verhältnisse bedeutete.

Mit den Figuren des im Untergrund agierenden Gregor und des Fischers Heinrich Knudsen verweist Andersch auf die kommunistische Opposition und deren Verfolgung durch die Nationalsozialisten: „Man hörte von Verhaftungen in Rostock, in Wismar, in Brunshaupten, an der ganzen Küste.“ (S. 17).

Verfolgung jüdischer Menschen

Eines der Spezifika des deutschen Nationalsozialismus war seine Rassenpolitik. „Auslese und Ausmerze wurden zu Leitbegriffen der nationalsozialistischen Ideologie.“[5] Davon betroffen waren u. a. sogenannte Rassefremde. Zu den Rassefremden zählten gemäß der nationalsozialistischen Ideologie die jüdischen Menschen.

Die Maßnahmen gegen diese Bevölkerungsgruppe können in mehrere Phasen eingeteilt werden:

Maßnahmen auf der Grundlage von Notverordnungen und dem Ermächtigungsgesetz (1933–1935),

Nürnberger Gesetze (1935–1938),

Pogrome und erste Massendeportationen (1938–1941),

Organisierte Tötungen (1941–1945).

Die erste offizielle, sich gegen jüdische Menschen richtende Maßnahme war der eintägige Boykott ihrer Geschäfte am 1. April 1933.

Die zweite Phase wurde durch die Akklamation der „Nürnberger Gesetze“ im September 1935 eingeleitet. Diese Gesetze bildeten den Rahmen, innerhalb dessen die antisemitische Ideologie in politische Realität umgesetzt wurde. Sie umfassten das „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ sowie das „Reichsbürgergesetz.“ Das „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ verbot generell Sex zwischen jüdischen und nichtjüdischen Partnern. Eheschließungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Menschen waren ebenfalls untersagt. Das „Reichsbürgergesetz“ fraktionierte die deutschen Bürger in „Reichsbürger“ mit vollen Rechten und „Staatsangehörige“ mit eingeschränkten Rechten. Die jüdischen Menschen wurden den „Staatsangehörigen“ zugeordnet und so zu Bürgern zweiter Klasse mit eingeschränkten Rechten degradiert. Durch in den folgenden Jahren erlassene Verordnungen wurden sie mehr und mehr in die rechtliche und soziale Isolierung gedrängt. Einige versuchten der gefährlichen Situation durch Ausreise zu entkommen.

Die Figur der Judith Levin symbolisiert die jüdischen Bürger und deren massive Gefährdung im nationalsozialistischen Deutschland, so lässt der Erzähler die junge Frau folgendes sagen: „Früher dachte ich, ich sei eine Deutsche. … Seitdem hat man mich zu einer Jüdin gemacht.“ (S. 123)

Euthanasie