Rohfütterung für Hunde - Silke Böhm - ebook

Rohfütterung für Hunde ebook

Silke Böhm

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Opis

Gesunde Ernährung liegt stark im Trend und ist für viele Menschen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Hundehalter möchten auch ihren Vierbeinern gern eine gesunde und abwechslungsreiche Kost anbieten und gehen dazu über, ihre Hunde frisch zu füttern. Rohes Fleisch und frisches Gemüse in Kombination mit Ölen und Kräutern ist eine gesunde und vor allem auch preiswerte Alternative zu Trocken- und Dosenfutter. Die Autorin erklärt verständlich und praxisnah, wie die Frischfleischfütterung einfach und wenig zeitintensiv in den Alltag integriert werden kann – auch in den von beruflich stark eingespannten Hundehaltern. Sie beschreibt die nötigen Futterbestandteile und zeigt auf, dass mit guter Vorbereitung auch die Frischfütterung kaum aufwändiger ist, als eine Dose zu öffnen oder dem Hund ein paar Trockenbrocken in den Napf zu werfen. Silke Böhm macht außerdem Schluss mit Vorurteilen wie "Rohes Fleisch macht Hunde aggressiv" oder "Wenn ich meinem Hund rohes Fleisch gebe, wird er diese Tiere jagen", stellt Einkaufslisten auf, beschreibt, welches Fleisch besonders wertvoll für Hunde ist und hält Negativlisten mit Substanzen parat, die ihnen schaden.

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Silke Böhm

ROHFÜTTERUNG FÜR HUNDE

FRISCH FÜTTERN LEICHT GEMACHT

Haftungsausschluss

Autorin und Verlag haben den Inhalt dieses Buches mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für eventuelle Schäden an Mensch und Tier, die als Folge von Handlungen und/oder gefassten Beschlüssen aufgrund der gegebenen Informationen entstehen, kann dennoch keine Haftung übernommen werden.

 

IMPRESSUM

Copyright © 2016 by Cadmos Verlag, Schwarzenbek

Titelgestaltung und Layout: ravenstein2.deSatz: Das Agenturhaus, MünchenCoverfoto: Silke BöhmFotos: Silke Böhm, Sabine Hans, shutterstock.comLektorat der Originalausgabe: Maren Müller

Konvertierung: S4Carlisle Publishing Services

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten.

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

eISBN: 978-3-8404-6431-7

INHALT

Warum frisch füttern?

Der Wolf – Vorfahre des Hundes und Vorbild bei der Hundefütterung?

Die Verdauung des Hundes

Vorurteile

Knackig frisch in den Napf!

Die Ausstattung – vom Teigschaber bis zur Küchenmaschine

Der Thermomix® – eine Arbeitserleichterung

Die alltägliche Routine

Die Umstellung

Mengenverhältnisse

Wo bekomme ich das frische Fleisch?

Welches Fleisch ist geeignet?

Welche Gemüse- und Obstsorten sind geeignet?

Milch und Milchprodukte

Die Knochenmahlzeit

Getreide ja oder nein

Futterzusätze

Salz und Öle

Weitere Futterzusätze

Aufpeppen von Fertigfutter

Der Speiseplan

Die Eingewöhnungswoche

Nach der Umgewöhnung

Frischfütterung im Urlaub

Frischfütterung bei Welpen und alten Hunden

(Foto: Shutterstock)

Kuren gegen Alltagsprobleme

Kur bei Durchfall

Frühjahrskur

Fellkur

Hustenkur

Kur bei chronischen Schmerzen

Kur bei Blasenschwäche

Kur gegen Verstopfung

Kur gegen Mundgeruch

Kur zur Stärkung der Abwehrkräfte

Kur bei Magenverstimmung

Allergien

Futtermittelallergien und Futtermittelintoleranzen

Beschäftigung des Hundes während einer Ausschlussdiät

Yodas Futterprotokoll

Samstag

Sonntag

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Anhang

Nährwerttabelle für ausgewählte Fleisch- und Fischsorten

Nährwerttabelle für ausgewählte Gemüsesorten

Nährwerttabelle für ausgewählte Obstsorten

Nährwerttabelle Sonstiges

Literatur

Danksagung

(Foto: Silke Böhm)

WARUM FRISCH FÜTTERN?

(Foto: Sabine Hans)

Als im August 2003 unser Parson Russell Terrier Yoda bei uns einzog, hatten wir von seiner Züchterin gleich ein Starterpaket mit Trockenfutter mitbekommen. Als dieses Futter nahezu aufgebraucht war, begann ich, mich intensiver mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen und stellte überrascht fest, welche unterschiedlichen Qualitäten an Hundefutter angeboten werden. Es folgte eine außerordentlich umfangreiche Recherche im Internet, in Foren, in Büchern und Artikeln. In Dutzenden Telefonaten diskutierte ich mit den Beratern verschiedener Futtermittelhersteller die Zusammensetzung der jeweils angebotenen Pellets, Kroketten und Kekse. Nach langem Hin und Her entschied ich mich für eine Sorte, von der ich meinte, dass sie die richtige für meinen Hund sei.

Leider teilte mein Vierbeiner meine Ansicht überhaupt nicht. Er verweigerte anfangs das Futter. Ich jedoch blieb konsequent und nach 2 Tagen fraß Yoda die Pellets, allerdings mit den sprichwörtlichen „langen Zähnen“. Er war weit weg davon, aufzuspringen, wenn er mich in der Küche mit dem Futternapf hantieren hörte. Außerdem fraß er nie die empfohlene Menge. Und da Yoda damals ohnehin eher zu dünn als zu dick war, machte ich mir Sorgen.

Eines Tages drückte mir das Frauchen von Yodas Hundekumpel Leo ein Tütchen mit Frischfleisch in die Hand. Mehr als zögerlich raspelte ich an diesem Abend das erste Mal Gemüse und vermengte es mit dem Fleisch. Ein erwartungsvoll blickendes Paar Hundeaugen und die dazugehörige Knopfnase verfolgten jede meiner Handbewegungen.

Das Angebot an Trocken- und Nassfutter ist groß. Die Qualitäten sind sehr unterschiedlich. (Foto: Silke Böhm)

Yoda fraß alles auf und hinterließ einen blitzblanken Napf. Allein der Anblick des mit Appetit und Freude fressenden Hundes hätte mich von der Frischfütterung überzeugen müssen. Doch ich blieb weiter skeptisch. Wiederum begann ich zu recherchieren. Nach relativ kurzer Zeit stand für mich fest: Möchte ich meinen Hund artgerecht ernähren, sollte ich frisch füttern. Ich begann Futterpläne aufzustellen, erkundigte mich über die Zusätze, die Öle und die Kräuter. Es verging eine ziemlich lange Zeit, bis ich bei der heutigen Routine angelangt war.

Hundehalter kommen sehr schnell miteinander ins Gespräch, und bald ist man auch beim Thema Fütterung. Wenn ich dann berichte, dass ich ausschließlich frisch füttere, ist das Interesse in der Regel sehr groß. Ich muss all die Fragen beantworten, die ich anfangs selbst hatte und zu denen ich mühsam recherchieren musste. Im Fokus stehen in diesen Gesprächen immer die Alltagstauglichkeit und die konkrete Umsetzung. Und daraus resultiert dieses Buch: Es ist eine praktische Einführung in das Thema Frischfütterung beim Hund mit Tipps, Ratschlägen und Erfahrungswerten. Übrigens: Viele Hundehalter, die ihren Hund auf die Frischfütterung umgestellt haben, ernähren sich und ihre Familie von da an ebenfalls viel gesünder. Das muss wohl daran liegen, dass immer frisches Gemüse im Haus ist. Eine – wie ich finde – mehr als positive Nebenwirkung.

Der Wolf – Vorfahre des Hundes und Vorbild bei der Hundefütterung?

Der Hund stammt vom Wolf ab. Diese Theorie wurde im Jahr 2013 ein wenig ins Wanken gebracht. Eine Genomstudie, die ein internationales Forscherteam um John Novembre an der Universität Chicago durchgeführt hat, ergab: Hunde sind nicht aus unseren heutigen Wölfen hervorgegangen. Sie sind bereits vorher entstanden. Hund und Wolf haben sozusagen die gleichen Vorfahren. Beide entwickelten sich – laut dieser Studie – vor 16 000 bis 11 000 Jahren. Die Wissenschaftler untersuchten die Genome von 3 Grauwolfarten aus Kroatien, China und Israel – Regionen, die als mögliche Ursprungsländer des Haushundes gelten. Darüber hinaus analysierten sie das Erbgut der australischen Dingos und der afrikanischen Basenjis – 2 Hunderassen, die seit Langem von modernen Wölfen isoliert leben. Sie verglichen all diese Genome mit denen von verschiedenen Haushunderassen. „Unsere Analyse deutet darauf hin, dass keine der untersuchten Wolfspopulationen enger als die jeweils anderen mit Hunden verwandt ist und dass Hunde sich von Wölfen zu der gleichen Zeit abspalteten, zu der sich die untersuchten Wolfspopulationen voneinander trennten“, schreiben die Forscher in dem englischen Fachblatt Plos Genetics. Hunde stammen also „von etwas Älterem ab“. Eventuell waren ihre Vorfahren andere Wolfslinien, die dann aber ausstarben, ist dem Mitteilungsblatt der Universität Chicago zu entnehmen.

Dennoch kann man Wolf und Hund miteinander vergleichen, denn sie haben ein und denselben „Vater“. Wobei bei dieser These ungeklärt ist, ob der Vierbeiner auf den Menschen zuging oder umgekehrt.

In einer anderen wissenschaftlichen Studie aus Schweden haben Forscher das Erbgut von 60 Hunden verschiedener Rassen sowie das von 12 Wölfen aus unterschiedlichen Gebieten untersucht. Sie wollten herausfinden, ob und wie sich die Domestikation auf das Genom auswirkt. Die Ergebnisse waren nach 3 Forschungsjahren oberflächlich betrachtet nicht besonders überraschend: Die Gehirnentwicklung von Haushunden und Wölfen ist signifikant unterschiedlich, was sich beispielsweise daran erkennen lässt, dass der Haushund bei Problemen Hilfe beim Menschen sucht, während der Wolf versucht, seine Probleme selbst zu lösen. Allerdings kam auch heraus – und das hatten die Wissenschaftler so nicht erwartet –, dass es markante Unterschiede im Bereich der Verdauung gibt: Hunde können Stärke deutlich besser verwerten als Wölfe. Die Forscher vermuten als Grund dafür die Sesshaftigkeit des Menschen. Je sesshafter der Mensch wurde, desto häufiger baute er Getreide an. Und je mehr Getreide verfügbar war, desto häufiger wurde der Kanide damit gefüttert beziehungsweise gelangte er an Fressbares aus Getreide.

Es waren, so die Schweden, also die Tiere im Vorteil, die mit der ungewohnten Nahrung besser umgehen konnten. Und genau diese vermehrten sich folglich. Die schwedischen Forscher gehen davon aus, dass Hunde 5-mal besser Getreide oder ähnliche Kohlehydrate verdauen können als Wölfe. Das heißt jetzt aber nicht, dass es sinnvoll ist, einen Hund mit reichlich Getreide zu füttern, denn optimal verwerten kann er es dennoch nicht. Es bedeutet aber, dass ein gesunder Hund, der neben einer artgerechten Ernährung hier und da auch mal getreidehaltige Kost bekommt, nicht grundsätzlich falsch gefüttert wird. Außerdem wird damit das Totschlagargument der ideologischen Barfer: „Haben Sie schon mal einen Wolf in der Natur gesehen, der an einem Getreidehalm knabbert?“, entkräftet. Ich persönlich habe im Übrigen noch nie einen Wolf in der Natur beobachtet – was sich bald ändern könnte.

Hunde und Wölfe gehören zu den Karnivoren, also zu den Fleischfressern. Das bedeutet zwar, dass sie sich bevorzugt von Fleisch ernähren, allerdings tun sie das nicht ausschließlich, sondern sie nehmen durchaus auch pflanzliche Nahrung auf. Wölfe fressen in der Natur ganze Tiere, also auch die Innereien, die Knochen und sogar das Fell.

Laut neuerer Forschungen stammt der Hund nicht direkt vom Wolf ab. Die Ernährungsbedürfnisse sind dennoch ähnlich. (Foto: shutterstock.com)

Zusätzlich fressen sie Pflanzen wie Gräser, Beeren und Kräuter. Der Nahrungsbedarf eines Wolfes liegt bei etwa 2 Kilogramm pro Tag. Frisst er mehr, wird er immobil, und das kann sich kein Tier in der Natur leisten. Ausgehungerte Wölfe fressen zwar mehr, würgen den Anteil oberhalb der Fassungskapazität des Magens aber wieder aus, verstecken ihn und nehmen ihn zu einem späteren Zeitpunkt zu sich. Dass Hunde ihr Erbrochenes fressen, kann man gelegentlich auch beobachten. Dies ist in Maßen völlig normal.

Unser heutiger Haushund ist im Gegensatz zum Wolf kein Beutegreifer im eigentlichen Sinne – er geht nicht mehr auf die Jagd, sondern bekommt von seinem Menschen einen Napf vorgesetzt –, seine Verdauungsmechanismen ähneln nach wie vor denen des Wolfes, auch wenn sie nicht ganz identisch sind.

Die Beutetiere des Wolfes sind überwiegend Pflanzenfresser, und da Mageninhalte mitgefressen werden, nimmt er so auch pflanzliche Nahrung – Lieferant wichtiger Mineralien und Vitamine – zu sich. An unsere Hunde verfüttern wir in der Regel keine ganzen Tiere mit Mageninhalt, weshalb wir seine Mahlzeiten aus Fleisch und pflanzlichen Bestandteilen zusammen setzen müssen, um ihn ausgewogen zu ernähren.

Die Verdauung des Hundes

Beginnen wir mit dem Maul des Hundes. Mit seinen vorderen Zähnen reißt der Karnivore Fleischstücke von großen Brocken ab und zerkleinert sie mit den Backenzähnen. Allerdings ist er nicht in der Lage, die Nahrung wie wir Menschen oder wie ein Pflanzenfresser richtig zu zermahlen und bereits durch den Speichel zu fermentieren. Der – im Vergleich zu dem des Menschen – eher dickflüssige Speichel des Hundes trägt in erster Linie dazu bei, dass die recht großen Fleischbrocken in den Magen-Darm-Trakt rutschen. Er ummantelt die Nahrung wie ein Schmierstoff und erleichtert so den Transport zum Ort der eigentlichen Verdauung. Zuerst passiert die Nahrung die Speiseröhre. Dieser Muskelschlauch pumpt die Nahrungsbrocken mechanisch in den Magen. Auch der Magen ist ein Muskel, der sich bei der Verdauung ständig bewegt, um die einzelnen Nahrungsbestandteile mit den Verdauungssäften zu vermengen. Die Magenschleimhaut sondert relativ große Mengen an Salzsäure ab, wodurch die Nahrung so verändert wird, dass die vorhandenen Enzyme sie leichter verarbeiten können. Der Magen eines Hundes kann viel mehr Nahrung aufnehmen als z. B. der menschliche Magen. Theoretisch wäre es daher möglich, einen gesunden erwachsenen Hund nur einmal täglich zu füttern. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass kleinere Futtermengen – 2 bis 3 Portionen pro Tag – das Risiko einer gefährlichen Magendrehung reduzieren und außerdem durch Hunger erzeugtem Stress vorbeugen.

Der sogenannte Sackmagen eines Karnivoren gibt ständig kleinere Portionen an den Darm ab. In welchen Mengen und wie oft, hängt von der Aktivität des Hundes ab – am häufigsten geschieht es in Ruhe.

Bei Hunden, die auf Stöcken kauen, findet man die geschluckten Holzstückchen später unverdaut im Kot. (Foto: Silke Böhm)

Da die Magen- und Darmtätigkeit nach dem Fressen am höchsten ist, sollte der Hund nach der Nahrungsaufnahme seinem dadurch entstandenen Ruhebedürfnis nachgehen können. Es gilt: Nach der Fütterung sollten für 1 bis 2 Stunden größere Aktivitäten mit dem Hund vermieden werden. Im Idealfall lässt man noch mehr Zeit vergehen. Das bedeutet, dass Hunde, die nur eine Mahlzeit am Tag bekommen, möglichst am späten Abend gefüttert werden sollten.

Vom Magen aus wird der Nahrungsbrei zunächst in den Zwölffingerdarm gepresst. Weiter geht es durch den Dünn- und dann durch den Dickdarm, an dessen Ende die unverdaulichen Nahrungsreste wieder herauskommen. Je weniger Output der Hund hat, desto besser hat er die Nahrung verwertet.

Sie werden sehen: Ihr Hund wird nach der Umstellung auf Frischfutter weniger und auch kleinere Häufchen produzieren (ein Vorteil für alle verantwortungsbewussten Hundebesitzer, die die Hinterlassenschaften aufsammeln).