Protokolle des Todes - Ingo Wirth - ebook

Protokolle des Todes ebook

Ingo Wirth

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Opis

Spurensuche - Was uns die Toten verraten Nach einem Autounfall wird eine Leiche gefunden, doch ist wirklich der Aufprall die Todesursache? Eine Frau ertrinkt in ihrer eigenen Badewanne, ihr Ehemann schwört auf einen Anfall - Wahrheit oder Lüge? Kurz nachdem er eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, wird ein Mann tot in dem ausgebrannten Wrack seines Autos gefunden. Doch ist er tatsächlich einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen? In all diesen Fällen waren es die Gerichtsmediziner und die forensischen Untersuchungen der Leichen, die die Wahrheit ans Licht und die wahren Täter hinter Schloss und Riegel brachten. Die rechtsmedizinischen Untersuchungen machen es möglich, die Toten sprechen zu lassen. Ob Leichenflecken, Temperatur oder der Grad der eintretenden Leichenstarre - viele Fakten ergeben ein Bild vom Tathergang und den Details des Todes. Eindrucksvoll und spannend erklärt Ingo Wirth in seinem Buch an historischen sowie aktuellen Beispielen die forensischen Methoden, ihre Entwicklung und natürlich ihre Bedeutung für die Aufklärung von Kriminalfällen. Die Betrachtung des Lebensendes vom Mysterium zum vollends entschlüsselten und nachvollziehbaren Prozess - spannender ist über die Geschichte der Rechtsmedizin nie geschrieben worden.

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INGO WIRTH

PROTOKOLLE

DES TODES

AUTHENTISCHE FÄLLE DER RECHTSMEDIZIN

INGO WIRTH

PROTOKOLLEDES TODES

AUTHENTISCHE FÄLLE DER RECHTSMEDIZIN

IMPRESSUM

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek:Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Originalausgabe: © Militzke Verlag GmbH, Leipzig 2009, Alle Rechte vorbehaltenAusgabe eBook: © Militzke Verlag GmbH, Leipzig 2015, Alle Rechte vorbehaltenLektorat: Elisabeth Herzer,Julia LösslUmschlaggestaltung: Thomas ButschUmschlagfoto: © panthermedia.net / Manfred Halter

http://www.militzke.de

ISBN: 978-3-86989-977-8 (eBook)ISBN: 978-3-86989-824-5 (Hardcover)eISBN: 978-3-86989-977-8

INHALT

GELEITWORT ZUR ERSTAUSGABE

AN DEN GRENZEN VON MEDIZIN UND RECHT

THANATOS, GOTT DES TODES

Die Tode eines Menschen

Gibt es einen Scheintod?

Mumien aus alter und neuer Zeit

EIN AUFTRAG FÜR DEN OBDUZENTEN

Der Tote auf der Landstraße

Tatort Badewanne

Tod oder tot in den Flammen?

Der Fall Anna Voigt

AUF DIE DOSIS KOMMT ES AN

Was ist Gift?

Das klassische Mordgift Arsen

Die altbewährten Pflanzengifte

Das Modegift E 605

DROSCHKENFAHRT ZUM LEICHENSCHAUHAUS

Identifizieren heißt Wiedererkennen

Knochen ohne Geheimnis

Ein Mord in der Universität

Zwei unbekannte Schädel

UNSICHTBARE BEWEISE

Blutige Spuren

Verräterische Sekrete

NACHBEMERKUNG

GELEITWORT ZUR ERSTAUSGABE

In jedem Jahr erscheinen hunderte von Kriminalromanen. Die Autoren sind mit Sicherheit nicht Gerichtsmediziner, aber sie haben die Fantasie, sich besonders raffinierte Fälle auszudenken. Je grausamer ein Verbrechen geschildert wird, umso größer ist dann die Befriedigung der Leser, wenn endlich Kriminalisten und Gerichtsmediziner den Fall lösen.

Die Praxis ist in der Regel einfacher, wenn man die Täterpsychologie und die Handlungsmöglichkeiten einkalkuliert. Hierbei gibt es einige Gesetzmäßigkeiten, die wir selbst in manchen Schriften dargestellt haben. Grundmotive aus der Sexualsphäre, Neid, Eifersucht und Hass wirken heute wie gestern. Der Autor zeigt das in seinem Buch ganz realistisch. Er hat es als Facharzt für Gerichtliche Medizin geschrieben, der sich seit Jahren mit der Geschichte unseres Faches befasst. Wir haben ihn zu diesem Buch ermutigt, weil wir wissen, dass kaum eine Woche vergeht, in der nicht um Vorträge zu Themen aus der Gerichtsmedizin gebeten wird. Mit der vorliegenden Darstellung gibt der Autor den Interessierten eine Grundlage zum Verständnis.

Eigentlich sieht für den Leser alles klar und logisch aus. Er kann freilich nur ahnen, dass das Lebenswerk vieler Wissenschaftler den heutigen Stand der Gerichtsmedizin auf höchstem naturwissenschaftlichem Niveau begründet hat. Aus Landsteiners drei (und später vier) Blutgruppen haben sich auch in der Praxis über fünfhundert Trillionen Blutmuster entwickelt. Eine ganze Reihe von Glanzleistungen aus den letzten Jahren ließe sich hier auflisten.

Da es sonst nicht ersichtlich wird, muss ich noch vermerken, dass der Autor aus dem großen und traditionsreichen Institut für Gerichtliche Medizin der Humboldt-Universität zu Berlin hervorgegangen ist.

Berlin, im Juni 1987

Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Otto Prokop

AN DEN GRENZENVON MEDIZIN UND RECHT

Schon lange bevor es die Gerichtliche Medizin im heutigen Sinne gab, wurden Ärzte bei Rechtsstreiten zu Rate gezogen. Bereits im Altertum beurteilten Sachverständige die Tödlichkeit einer Wunde oder die Wirkung eines Giftes. Aus der über Jahrhunderte praktizierten Wund- und Leichenschau ging schließlich im späten Mittelalter die gerichtliche Leichenöffnung hervor.

Die Anfänge der wissenschaftlich begründeten Gerichtsmedizin reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Ihre Ursprünge liegen in Frankreich und vor allem in Italien. Dort erschienen die ersten Abhandlungen gerichtlich-medizinischen Inhalts der Neuzeit. Mit dem Anwachsen des Schrifttums begannen die Bemühungen, das Fach zu charakterisieren. Paul Ammann, Professor der Botanik und Physiologie in Leipzig, nannte es 1670 »beurteilende oder entscheidende Medizin«, während es der kurfürstlich-sächsische Leibarzt Thomas Reinesius 1679 als »medizinische Schule der Rechtsgelehrten« beschrieb. Im Titel eines 1690 veröffentlichten Buches verwendete der Leipziger Anatomieprofessor Johannes Bohn erstmalig die Bezeichnung »medicina forensis«. Allen Autoren gemeinsam ist, dass sie die Gerichtsmedizin zutreffend als eine dem Wesen nach medizinische Disziplin ansahen.

Symbolgestalten der Gerichtlichen Medizin: Äskulap, griechisch-römischer Gott der Heilkunde, und Justitia, römische Göttin der Gerechtigkeit.

Dementgegen stellte Michael Alberti, Professor der Medizin und Naturphilosophie an der Universität Halle, mit dem 1725 geprägten Begriff »medizinische Rechtswissenschaft« die juristische Seite in den Vordergrund. Aus der Überbetonung des naturwissenschaftlichen Inhalts resultierten Namensgebungen wie »gerichtliche Physik« – Physik als Synonym für Naturkunde – von dem Breslauer Arzt Wolfgang Friedrich Wilhelm Klose aus dem Jahr 1814.

Durchgesetzt hat sich schließlich die von Johannes Bohn gewählte Fachbezeichnung »Forensische Medizin«. Das Adjektiv forensisch, zu deutsch gerichtlich, geht auf das lateinische Wort forum für Marktplatz zurück. In den Städten des Römischen Reiches war das Forum als Zentrum des politischen und kulturellen Lebens sowohl Volksversammlungsplatz als auch Ort der Rechtsprechung.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte an den Universitäten im deutschen Sprachraum eine Vereinigung der Gerichtlichen Medizin mit der neu geschaffenen Disziplin »medizinische Polizei«, der heutigen Hygiene, zur Staatsarzneikunde. Zunächst wurden beide Teilgebiete, wenn überhaupt, nur nebenamtlich gelehrt. So hielten Chirurgen, Gynäkologen und Pharmakologen, vereinzelt sogar Chemiker und Tierärzte die Vorlesungen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Lehrstühle. Den Anfang machte Dorpat 1801, es folgten Krakau 1804, Wien 1805 und Prag 1808.

An der Universität Berlin schuf der Gerichtsmediziner und Hygieniker Wilhelm Wagner im Jahr 1833 eine »Praktische Unterrichtsanstalt für die Staatsarzneikunde«. Sein Nachfolger Johann Ludwig Casper war am Ausbau der wissenschaftlichen Basis des gesamten Faches wesentlich beteiligt. Auf der Grundlage reicher eigener Erfahrungen – zur damaligen Zeit durchaus keine Selbstverständlichkeit – entstand sein 1857/58 erschienenes zweibändiges »Practisches Handbuch der gerichtlichen Medicin«. Das Buch enthält eine Vielzahl von Falldarstellungen, die anschaulich einen Eindruck von den damaligen Aufgaben der Gerichtsärzte vermitteln.

Als sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Hygiene zu einem umfänglichen Spezialgebiet entwickelte, zerfiel das nicht mehr zeitgemäße Doppelfach Staatsarzneikunde. Im Gegensatz zu Österreich blieb in Deutschland die Gerichtliche Medizin gegenüber ihrer Schwesterdisziplin zurück. Die beklagenswerte Situation Ende der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts beschrieb der Bonner Gerichtsmediziner Emil Ungar wie folgt: »Die Berücksichtigung und Werthschätzung, welche ihr zu Theil wird, ist eine so geringe, dass heute sogar die Existenzberechtigung dieser Doctrin vielfach angezweifelt und geleugnet wird.«

Mit Tatkraft und Beharrlichkeit gelang es jedoch, einige grundlegende Forderungen durchzusetzen. Im Jahr 1901 wurden die Vorlesungen über Gerichtliche Medizin an den deutschen Universitäten obligatorischer Bestandteil des Medizinstudiums, zunächst aber ohne Abschlussprüfung. Die Berichte über schwer wiegende Justizirrtümer infolge mangelhafter ärztlicher Gutachten, die der Direktor des Hallenser Instituts, Arthur Schulz, sammelte und an die zuständigen Ministerien weitergab, trugen ganz wesentlich dazu bei, dass die neue Prüfungsordnung von 1924 endlich das lange geforderte Examen vorsah.

Den gewachsenen Aufgabenumfang des Faches, auch in der akademischen Lehre, verdeutlicht die Begriffserweiterung »Gerichtliche Medizin, Versicherungsmedizin und ärztliche Rechtsund Berufskunde«. Unter der 1968 eingeführten Fachbezeichnung Rechtsmedizin werden die verschiedenen Aufgabenbereiche zusammengefasst. Dieser Name hat sich jedoch nicht überall im deutschen Sprachraum durchsetzen können.

Nach einer langen historischen Entwicklung stellt sich die Gerichtliche oder Rechtsmedizin heute als ein Fachgebiet der Medizin dar, das »einerseits naturwissenschaftlich-medizinische Kenntnisse der Rechtspflege sowie andererseits juristische Fragen und arztrechtliche Probleme dem Ärztestand vermittelt und dabei gleichzeitig die sich im Grenzbereich von Medizin und Recht ergebenden Fragen wissenschaftlich bearbeitet und erforscht«. In Deutschland hat die Geringschätzung der Gerichtlichen Medi-zin eine lange Tradition. Während des 20. Jahrhunderts war das Fach nicht nur einmal in seiner Existenz bedroht. Gegenwärtig vollzieht sich eine Entwicklung, die durch undifferenzierte Zusammenlegung von Universitätsinstituten und Schließung von Standorten bestimmt ist. Zu den beseitigten Einrichtungen gehört auch das traditionsreiche und leistungsfähige Institut für Rechtsmedizin der Humboldt-Universität zu Berlin, das die älteste Facheinrichtung in Deutschland war.

THANATOS, GOTT DES TODES

Sterben, Tod und Leichenerscheinungen

Die Tode eines Menschen

Am Ende jeden Lebens stehen Sterben und Tod. Seit Jahrtausenden beschäftigt dieses Naturgesetz die Menschen. Ein Ausdruck dessen sind die verschiedenartigen sinnbildlichen Darstellungen des Todes in Malerei und Literatur. Bereits in der Antike begegnet uns der Tod als geflügelter Dämon und spätestens seit dem 12. Jahrhundert als Knochenmann. Seine Macht über alle Stände und Geschlechter schildern allegorisch die Anfang des 15. Jahrhunderts aufkommenden Totentänze. Die bekannte Gestalt des Sensenmannes symbolisiert den als Schnitter gedachten Tod, der die Menschen dahinrafft. Demgegenüber machte der Dichter Matthias Claudius das Hüllwort Freund Hein für den Tod als willkommenen Erlöser populär.

Stets bestimmten religiöse und philosophische Anschauungen auf der Grundlage des jeweiligen Wissensstandes die unterschiedliche Einstellung der Menschen zum Tod. Schon vor langer Zeit erwuchs aus der Unwissenheit eine geradezu fantastisch anmutende Vielfalt abergläubischer Vorstellungen, die sich teilweise hartnäckig bis in die Gegenwart erhalten haben. Manch ein Verstorbener wurde zum Wiedergänger, bekannt als Schwarzer Mann und Weiße Frau, oder zum Vampir erklärt. Die Furcht, als Scheintoter lebendig begraben zu werden, breitete sich aus.

Der Knochenmann als Sinnbild des Todes.

Die moderne Medizin hat all dem fundierte Erkenntnisse über den Ablauf des Sterbens und die Leichenerscheinungen entgegenzusetzen. Das meist langsame Erlöschen der Lebensfunktionen des Organismus wird als Agonie bezeichnet und geht mit einer Herabsetzung wichtiger Stoffwechselprozesse einher. Diese letzte Phase des Lebens kann auch sehr kurz sein oder bei bestimmten gewaltsamen Todesfällen völlig fehlen. Nach den vorliegenden Beobachtungen wird das Eintreten des Todes vom Sterbenden nicht mehr wahrgenommen, da bereits vorher das Bewusstsein schwindet. Noch heute trifft man gelegentlich die Auffassung an, die Gesichtszüge des Verstorbenen widerspiegelten seine Empfindungen unmittelbar vor dem Tod. In Berichten über den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 ist zu lesen, dass tote Soldaten mit finsteren, von Schmerz verzerrten Gesichtern und andere mit einem »lustig lachenden Gesicht« aufgefunden wurden. Daraus resultierte die Annahme, dass die einen im Gefecht, die anderen »während eines heiteren Gespräches« gefallen seien. Eine derartige Schlussfolgerung, so schrieb der Prager Gerichtsmediziner Josef Maschka bereits vor mehr als einem Jahrhundert, »ist jedoch gänzlich werthlos und entbehrt eines jeden begründeten Anhaltspunktes«. Mit dem Tod erschlaffen sämtliche Muskeln des Körpers, demzufolge auch die mimische Muskulatur.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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