Perry Rhodan-Extra: Catomens Gesetze - Achim Mehnert - ebook

Perry Rhodan-Extra: Catomens Gesetze ebook

Achim Mehnert

0,0

Opis

"Die dunklen Jahrhunderte" - so bezeichnen Historiker jene Epoche der Milchstraße, in der die gesamte Galaxis unter dem Joch eines unbekannten Tyrannen und seiner Helfer, der Cantaro, stöhnte. In jener Zeit schien es, als sei der unsterbliche Terraner Perry Rhodan tot oder jedenfalls mit unbekanntem Ziel verschwunden. Tatsächlich steckten die meisten der Unsterblichen in einer Raum-Zeit-Falte fest, und nur wenige standen der heimatlichen Galaxis zur Verfügung. Dies waren vor allem Homer Gershwin Adams, das Finanzgenie, Geoffrey Abel Waringer, der Wissenschaftler, und Galbraith Deighton, Gefühlsmechaniker und Verteidigungsminister. Sie mussten gegen Zwietracht, gegen marodierende Hauri-Horden und die geheimnisvollen, Planeten verwüstenden kämpfen. Doch selbst sie mit all ihrer Erfahrung erkannten die eigentliche Gefahr nicht, und so entstanden CATOMENS GESETZE ...

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 154

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
Oceny
0,0
0
0
0
0
0



EXTRA

Catomens Gesetze

Der Cyborg und das Finanzgenie – die Dunklen Jahrhunderte beginnen

Achim Mehnert

Cover

Vorspann

Prolog

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

Epilog

Impressum

»Die dunklen Jahrhunderte« – so bezeichnen Historiker jene Epoche der Milchstraße, in der die gesamte Galaxis unter dem Joch eines unbekannten Tyrannen und seiner Helfer, der Cantaro, stöhnte.

In jener Zeit schien es, als sei der unsterbliche Terraner Perry Rhodan tot oder jedenfalls mit unbekanntem Ziel verschwunden. Tatsächlich steckten die meisten der Unsterblichen in einer Raum-Zeit-Falte fest, und nur wenige standen der heimatlichen Galaxis zur Verfügung. Dies waren vor allem Homer Gershwin Adams, das Finanzgenie, Geoffrey Abel Waringer, der Wissenschaftler, und Galbraith Deighton, Gefühlsmechaniker und Verteidigungsminister.

Sie mussten gegen Zwietracht, gegen marodierende Hauri-Horden und die geheimnisvollen, Planeten verwüstenden »Blitzer« kämpfen.

Doch selbst sie mit all ihrer Erfahrung erkannten die eigentliche Gefahr nicht, und so entstanden CATOMENS GESETZE ...

Prolog

»Herr, zur Bestückung des Funkwalls benötigen wir dringend Hyperkristalle dieser Qualität.« Der Cantaro ließ nicht erkennen, ob er die Anrede wie einen Namen verwendete oder wie eine Respektsbekundung.

»Speziell diese Kristalle? Mit Howalgonium ist euch nicht geholfen?«

»Nein, Herr.«

Der scheinbare Terraner nahm die Probe entgegen und betrachtete sie. Er benötigte keine technische Ausrüstung, um den Hyperkristall zu analysieren. Ihm standen andere Mittel zur Verfügung. Warum auch immer die cantarische Technik auf diese blutroten Kristalle zurückgreifen musste, damit er die Milchstraße abriegeln konnte ... Es war geboten, sie einzusetzen.

»Ich besorge sie euch.«

»Danke, Herr!«

Der mit kybernetischen Implantaten aufgewertete Humanoide, einem Menschen nicht unähnlich, zog sich zurück. Der scheinbare Terraner war zufrieden.

1.

Oktober 491 NGZ

Im Jahre 448 NGZ war der Transfer von Hangay aus dem sterbenden Universum Tarkan in unser Standarduniversum abgeschlossen. Die Superintelligenz ESTARTU war nach 55.000 Jahren neu entstanden. Perry Rhodans galaktisches Expeditionskorps trat den Rückflug von Tarkan in die Milchstraße an. Der sogenannte Tarkan-Verband geriet infolge des DORIFER-Schocks jedoch in den abweichenden Zeitablauf eines Stasisfeldes und verlor 695 Jahre. Perry Rhodan erreichte die Milchstraße erst im Jahr 1143 NGZ.

Aus Hoschpians unautorisierter Chronik des 12. Jahrhunderts NGZ.

*

Homer G. Adams stand am Fenster eines Büros im HQ Hanse und ließ den Blick über Terrania City gleiten, als das Sprechgerät auf seinem Schreibtisch anschlug.

Der schmächtige Mann mit dem auffallend großen Schädel auf einem kleinen, buckligen Körper ging zum Tisch und drückte eine Taste. »Ja?«

»Du hast Besuch«, teilte ihm seine Vorzimmerdame mit.

»Von wem?« Adams konnte sich nicht erinnern, verabredet zu sein.

»Von Kriegsminister Deighton und dem neuen Hansesprecher Ager Catomen.«

Catomen also. Adams hatte schon von dem Mann gehört, war ihm aber noch nicht persönlich begegnet. Und Deighton machte sich in jüngster Zeit rar, seit Unbekannte seinen Zellaktivator gestohlen hatten. Sein Gehirn lebte dank eines Cyborg-Körpers weiter, den ihm die Cantaro zur Verfügung gestellt hatten.

Adams traute den Cantaro nicht. Er hielt es für möglich, dass sie mit den Blitzern identisch waren, die immer wieder überfallartige Angriffe auf Raumschiffe der Galaktiker unternahmen. Hinzu kam, dass das Verhältnis zwischen den alten Freunden Adams und Deighton abgekühlt war.

»Ich lasse bitten.«

Sekunden später öffnete sich die Tür und Deighton trat ein. Ihm folgte ein äußerlich unscheinbarer Mann, schmächtig und kaum mehr als 1,70 Meter groß. Adams betrachtete ihn forschend. Er konnte nicht sagen, wie er sich Catomen vorgestellt hatte – beeindruckender vielleicht.

»Guten Tag, Homer«, begrüßte Deighton das Finanzgenie.

»Hallo, Gal.« Adams ergriff die Hand des langjährigen Weggefährten und drückte sie.

»Darf ich dir Ager Catomen vorstellen, meinen Protegé gewissermaßen? Zudem frischgewählter Hanse-Sprecher. Wir sind eben per Transmitter von Luna eingetroffen, wo er in seinem Amt bestätigt wurde.«

Die Hanse-Sprecher legten auf dem irdischen Mond im STALHOF einen Eid auf das Buch der Hanse ab, das sogenannte Eherne Gesetz. Nach ihrer Überprüfung durch NATHAN erhielten sie das Hanse-Siegel und wurden vereidigt. Auf Luna trafen sich die vierunddreißig Sprecher, die sich paritätisch aus Terranern und Nicht-Terranern zusammensetzten, auch zu ihren Sitzungen und Abstimmungen.

Mit Bedacht hatte man für diese Zusammenkünfte die Nähe des Mondgehirns gewählt, da bei einem Abstimmungspatt die letzte Entscheidung bei NATHAN lag. Das allerdings war seit Langem ausgeschlossen, da Perry Rhodan als verschollen galt und somit nur dreiunddreißig Stimmberechtigte zur Verfügung standen.

»Ihr habt keine Zeit verloren, mich zu besuchen.«

»Du weißt, dass ich nicht viel davon halte, die Dinge auf die lange Bank zu schieben. Ich dachte, du als Finanzchef der Hanse solltest Agers persönliche Bekanntschaft machen.«

Vernahm Adams einen Anflug von Zynismus? Schon seit einer Weile war er unschlüssig, wie er den alten Bekannten behandeln sollte. Vor ihm stand ein Cyborg, der angeblich das Bewusstsein Deightons in sich trug. Dennoch empfand Adams jedes Mal ein unterschwelliges Unbehagen, wenn er ihm gegenüberstand. Er sah nicht nur Deighton, nicht nur einen Cyborg, sondern auch einen Cantaro. Hatten diese Wesen seine Umwandlung zum Cyborg wirklich ohne Hintergedanken betrieben? Oder besaßen sie Kontrolle über den Kriegsminister des Galaktikums und zogen aus dem Hintergrund die Fäden?

»Ich freue mich, einen der verdientesten Männer der Menschheit kennenzulernen.« Catomen hatte einen festen Händedruck. »Nur ganz wenige haben über Jahrtausende hinweg so Großes geleistet, unermüdliche Integrität bewiesen und ihre Fähigkeiten uneingeschränkt in den Dienst Terras gestellt.«

Adams erkannte Entschlossenheit, einen eisernen Willen. Dazu Sprachfertigkeit und den Hang zu diplomatischem Geschick, das bis zu Bauchpinselei gehen konnte, wenn es den Zwecken dienlich war. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für einen Hanse-Sprecher.

»Ich gratuliere zur erfolgreichen Wahl. Wenn Galbraith so große Stücke auf dich hält, dürftest du der richtige Mann in der richtigen Position sein.«

»Das will ich hoffen.«

»Ich bin überzeugt davon, Homer. Ager ist ein junger Mann, der von sich reden machen wird.«

»Wenn du es sagst, Gal.« Adams sprach leise und bedächtig. Er versuchte, seiner Besorgnis mit Logik zu begegnen. Der Cyborg vor ihm redete wie Deighton, er hatte die gleichen Angewohnheiten und Erinnerungen.

Adams hatte nie viel auf Äußerlichkeiten gegeben. Mit seinem verkrümmt verwachsenen Rückgrat, das ihm eine bucklige Gestalt verlieh und zu humpelndem Gang zwang, war er über optische Attribute erhaben. Der Cyborg war Deighton. Innerlich war er unverändert. Der Mensch Deighton wurde durch die Cyborghülle nicht angetastet, jedenfalls nicht in Adams' Augen.

»Nehmt Platz«, bot er seinen Besuchern an.

Die drei Männer ließen sich auf einer gemütlichen Sitzgarnitur nieder. Ein wenig linkisch strich Adams sein schütteres Blondhaar nach hinten.

Deighton hatte sich nicht herbemüht, nur um seinen Schützling vorzustellen. »Heraus mit der Sprache, Gal. Wo drückt der Schuh?«

*

Pascalen war eine jener Welten, die man am liebsten im Rückholo seines Raumschiffs sah, wie Derek Ghousen sich gern ausdrückte. Aus dem Weltall betrachtet eine düstere, scheinbar unwohnliche Kugel aus Dreck und Sand, wurde der Planet kaum schöner, wenn man in die Atmosphäre eintauchte. Dass sich dennoch menschliche Siedler auf Pascalen niedergelassen hatten, zeugte von der Verwegenheit terranischer Auswanderer, jede freie Nische im Universum mit Leben füllen zu müssen.

»Hoffentlich haben wir nicht dieselbe Prozedur vor uns wie bei unserer letzten Lieferung«, unkte Finter Lombardi, der vor der Funk- und Ortungsstation kauerte. »Einen zusätzlichen Tag hat uns der Ausfall der Entladekräne gekostet, einen ganzen Tag. Kannst du dir das vorstellen, Derek?«

Ghousen grinste. »Da ich dabei war, kann ich es mir sogar bildlich vorstellen.«

»Wenn die ihre Schrottmaschinen inzwischen nicht repariert haben, lösche ich die Ladung mittels Antigravfeldern auf ihr Landefeld«, überging Lombardi die Antwort des Skippers. »Ich sage es dir, geradewegs auf ihr Landefeld.«

Ghousen stellte die Ohren auf Durchzug. Seit zwei Jahren belieferten sie Pascalen. Mal brachten sie Lebensmittel, dann wieder Maschinenteile. Es gab nichts, worauf die kleine Kolonie nicht angewiesen war. Von den meisten großen Transportschiffen wurde sie nicht angeflogen, weil sie weit abseits der befahrenen Routen lag.

Ghousen kannte keine regelmäßigen Routen. Er flog mit der LOULOUBELLE dorthin, wo der Galax lockte. Als selbstständiger Kapitän, der keinem Handelskonzern angehörte, musste man zusehen, wo man blieb. Kleinvieh machte auch Mist, und Ansiedlungen wie auf Pascalen waren auf Seelenverkäufer wie die LOULOUBELLE angewiesen.

»Gleich erfahren wir, ob du wieder Grund hast, dich aufzuregen.«

Im Bugholo zeichnete sich der Mond Quentin ab, dahinter die graue Ödwelt. Ghousen nahm eine letzte Kurskorrektur vor.

»Ich rate es unseren Freunden nicht.« Lombardi drohte theatralisch mit dem erhobenen Zeigefinger. »Ich rate es euch nicht, Kameraden.«

»In drei Minuten leite ich den Landeanflug ein.«

»Hm«, machte Lombardi. Knurrend fügte er an: »Ich bekomme auf einmal eigenartige Werte herein.«

»Von Pascalen?«

»Nein. Irgendwo aus dem interplanetaren Raum. Anscheinend sind wir nicht die Einzigen, die Pascalen anfliegen.« Lombardis Worten folgte ein derber Fluch. »Dreh ab, Derek, sonst kriegen die uns am Arsch.«

»Was ist denn los?«

Wie von Geisterhand gezaubert, baute sich über der Hauptkonsole ein weiteres Holo auf. Ghousens Kopf ruckte herum. Der Kubus offenbarte ein buckelförmiges Schiff, wie sie in der öffentlichen Berichterstattung der letzten Jahre immer wieder aufgetaucht waren.

»Ein Blitzer! Nun mach schon, Derek. Weg von hier!« Lombardis Stimme drohte sich vor Panik zu überschlagen.

Der Kapitän spuckte Gift und Galle, während er die LOULOUBELLE mit einem unverantwortlichen Manöver von dem Planeten fortbrachte. Die Maschinen protestierten heulend. Tief aus dem Schiffsleib drangen Geräusche, die belegten, dass die Walze ihre besten Zeiten schon lange hinter sich hatte.

»Schick einen Warnruf raus!«

»Das bringt doch eh nichts.«

Woran die Berichte, die die beiden Raumfahrer kannten, keinen Zweifel ließen. Dort wo die Blitzer auftauchten, hinterließen sie ein Werk der Zerstörung. Es war kein Fall bekannt, wo sie ohne Vernichtungsorgie wieder verschwunden waren. Trotzdem jagte Lombardi den Funkspruch hinaus.

»Jetzt wissen die Kolonisten wenigstens, was auf sie zukommt. Vielleicht hätten wir es ihnen besser verschwiegen.«

Eine leuchtende Erscheinung geisterte durch die Holos. Der Blitzschlag, dem die Buckelschiffe die Bezeichnung Blitzer verdankten, erzeugte einen Dimensionsriss, durch den unvorstellbare Energiemengen aus dem Hyperraum zielgerichtet auf einen Planeten gelenkt wurden.

Oder auf ein Raumschiff, dachte Ghousen. Er flehte zu allen verdammten Klabautermännern des Sternenozeans, dass der Angriff den armen Schweinen in der Kolonie galt und nicht der LOULOUBELLE.

Lombardi keuchte. »Unsere Instrumente sind völlig überfordert. Sie können die Energiemengen nicht anzeigen.«

Dafür war ein bläuliches Wabern zu sehen, visueller Ausdruck der Energie, die sich wie ein Netz über der Planetenoberfläche ausbreitete. Die Messeinrichtungen arbeiteten so verzweifelt wie ergebnislos. Sie belegten nicht einmal annähernd die Wirkung des bei Raumfahrern und Siedlern gefürchteten Phänomens. In kürzester Zeit wurde dem Planeten sämtliche thermische Energie entzogen, bis die Oberfläche zum absoluten Nullpunkt gefror. In dieser Sekunde war jegliches Leben auf Pascalen erloschen. Die Siedler waren tot.

Ein zweiter Blitz füllte die Holos aus, ließ Ghousen für einen Moment geblendet die Augen schließen. Der Dimensionsriss hatte sich wieder geschlossen. Die LOULOUBELLE war verschont geblieben, Pascalen nicht. Gemäß den Gesetzen der Thermodynamik hatte sich die Planetenoberfläche vom absoluten Nullpunkt schlagartig wieder aufgeheizt, um sich der Umgebung anzupassen. In dieser Phase erreichten die Oberflächentemperaturen an die 10.000 Grad Celsius. Ghousen vermied einen Blick in die Holos. Er wusste, wie der Planet nun aussah.

»Die Oberfläche hat sich in flüssiges Magma verwandelt.« Lombardi schnappte nach Luft, japste, würgte, als müsse er sich im nächsten Augenblick übergeben.

»Wo ist das Buckelschiff? Siehst du es?«

»Nein«, krächzte der Funker. »Es ist weg. Weg!«

*

»Ohne Umschweife? Also gut, Homer, wie du willst. In den vergangenen Wochen ist es zu vermehrten Angriffen der Blitzer auf Schiffskonvois gekommen. Sie haben eine nur leicht bewaffnete Kolonie dem Erdboden gleichgemacht. Nicht genug damit, haben die Hauri eine Reihe von Offensiven gestartet. Sie schicken sich an, in Gebiete vorzudringen, an denen sie bisher kein Interesse zeigten.«

»Wir sehen uns mit einer neuen Dimension der Gewalt konfrontiert«, empörte sich Catomen.

»Was schlägst du vor?«

»Dass wir dem angemessen entgegentreten. Das Galaktikum muss gegen die Bedrohung noch entschlossener vorgehen als bisher. Wir können die permanente Bedrohung unserer Sicherheit nicht hinnehmen. Ich weiß durchaus, wie es um die Finanzen bestimmt ist, trotzdem kommen wir nicht umhin, dem Kriegsminister zusätzliche Summen zur Verfügung zu stellen.«

»An dieser Stelle kommst du ins Spiel, Homer«, sagte Deighton. »Du musst bei einer Versammlung der Hanse-Sprecher auf die Dringlichkeit hinweisen. Einen Alleingang können wir uns nicht erlauben. Wir brauchen die Unterstützung der sechzehn außerirdischen Sprecher. Deine Kompetenz und deine Stimme als Hanse-Chef haben Gewicht.«

»Ich verlange, dass terranische Militäreinheiten an neuralgischen Orten stationiert werden«, warf Catomen ein.

Adams merkte auf. »Du verlangst?«

»Ja, in Abstimmung mit dem Kriegsminister.«

Deighton nickte. »Wir haben darüber gesprochen und sehen keine Alternative. Seit fast hundert Jahren stehen wir im Krieg mit den Hauri. In der Milchstraße gehen Gespenster um, unbekannte, nicht aufzuhaltende Raumschiffe unbekannter Bauart. Die Identität ihrer Besatzungen ist uns bis heute verborgen geblieben.«

»Deshalb neue Flotten? Weitere Aufrüstung, die uns finanziell in den Abgrund führen wird? Wir, sowohl Terra als auch das Galaktikum, sind militärisch gut aufgestellt.« Du siehst überall Feinde, alter Freund. »Es wäre ein großer Fehler, unsere Wirtschaft zu ruinieren.«

»Eben weil sie funktioniert, müssen wir die Wirtschaft für unsere Zwecke benutzen«, plädierte Catomen.

»Für unsere Zwecke?«

»Ja, denn Wirtschaft ist kein Selbstzweck«, unterstützte Deighton seinen Protegé. »Sie dient der Politik. Zumindest sollte sie das.«

»Deshalb muss sie lenkend eingesetzt werden.«

»Ganz meine Meinung«, stimmte Adams zu. »Aber mit größter Behutsamkeit. Nur die unsichtbare Hand des Marktes einerseits und eine starke staatliche Kontrolle andererseits verhindern, dass sie ausufert. Die Jahrhunderte haben es bewiesen: Eine erfolgreiche Wirtschaft bewirkt Stabilität und Frieden.«

»Erzähl das den Hauri oder den Blitzern«, maulte Catomen.

»Anger hat recht, Homer, und tief in deinem Innersten weißt du das«, beschwor Deighton seinen Freund. »Deine Sichtweise der Wirtschaft in allen Ehren.«

»Sie hat uns dahin gebracht, wo wir heute stehen.«

»Niemand leugnet das, doch manchmal muss sie hinter dem Primat der Politik zurückstehen. Mehr noch, sie muss sich selbst verleugnen und stattdessen der Politik dienen. Unterliegen wir militärisch, ist sowohl die Politik am Ende als auch die Wirtschaft zerschlagen.«

Adams presste die Lippen zu zwei blutleeren Strichen aufeinander. Wer miteinander handelte, schoss nicht aufeinander. Demjenigen blieb keine Zeit, einen Krieg vorzubereiten. Das war sein Credo, war es immer gewesen. Andererseits ließen sich weder Deightons noch Catomens Argumente von der Hand weisen.

»Die unsichtbare Hand, die du nanntest«, sagte der neue Hanse-Sprecher, »existiert nicht. Damit alles funktioniert, bedarf es eines klaren Verstandes. Nichts anderes hat die Kosmische Hanse doch jahrhundertelang getan. Sie hat gelenkt, nicht laufen lassen. Diesen richtigen Ansatz gilt es zu intensivieren. Niemand ist bereit, für öffentliche Güter wie Jahrhundertprojekte, wichtige Zentren und Abwehrvorrichtungen zu zahlen, wenn die Politik keinen Zwang ausübt.«

»Ihr könnt eine Hanse-Order erwirken. Ich werde euch nicht in den Rücken fallen, unterstütze euch aber auch nicht ausdrücklich«, sagte Adams.

Deighton erhob sich. Ein zaghaftes Lächeln huschte über sein Gesicht. »Du wirst wie immer die richtige Entscheidung treffen, Homer. Nun entschuldige uns bitte. In meinem Ministerium stehen weitere Entscheidungen an, die nichts mit Geld zu tun haben. Militärisches Geplänkel, du verstehst schon.«

»Sicher, Gal. Wir hören voneinander.« Adams verabschiedete seine Gäste.

Nachdem sie gegangen waren, wandte er sich wieder der Fensterfront zu. Er war keineswegs so gelassen, wie er sich gab. Deightons Position hatte sich nicht verändert. Er wäre am liebsten militärisch auf jede Eventualität vorbereitet gewesen, doch dazu hätte es eines ausufernden Apparats bedurft, der sich mit gewissen demokratischen Grundrechten nur schwer in Einklang bringen ließ.

Seine Einstellung änderte nichts daran, dass Galbraith mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Demokratie verwurzelt war. Bei Ager Catomen hingegen hatte Adams ein unbehagliches Gefühl. Etwas schien sich hinter seinen Sätzen zu verbergen, ein unterschwelliger Eifer, den Adams am ehesten mit individuellem machiavellistischen Machtwillen charakterisiert hätte.

Seufzend schloss er die Augen. Der Zellaktivatorträger galt nicht nur wegen seines fotografischen Gedächtnisses als Halbmutant, sondern vor allem wegen seiner Gabe des voraussehenden Ahnens. Sie war nicht besonders ausgeprägt und zeigte sich häufig in intuitiver Form. Genau das war bei dem vorausgegangenen Gespräch geschehen. Der neue Hanse-Sprecher war Adams nicht geheuer.

Ich werde die Augen offen halten, dachte er.

2.

Juli 492 NGZ

»Das war ein Schlag ins Kontor, um beim Sprachgebrauch der Hanse zu bleiben. Was haben die Sprecher sich nur bei ihrer Entscheidung gedacht?« Adams bebte vor Zorn, nachdem er den STALHOF verlassen hatte.

Konkret ging es um die Hanse-Order J-C-75/287, die ihm die Stimmung verdorben hatte. Was nichtssagend klang, eröffnete weitreichende Konsequenzen, die sich noch nicht absehen ließen. Der Antrag war mit achtzehn Ja-Stimmen bei dreizehn Enthaltungen und nur zwei Nein-Stimmen angenommen worden. Die daraus resultierende Verordnung gestattete die Stationierung von terranischen Militäreinheiten auf den verbliebenen Kosmischen Basaren. Bei den zu Handelszentren umgebauten riesigen Raumstationen handelte es sich um vier ehemalige Sporenschiffe der Sieben Mächtigen, nämlich um die NOWGOROD, die BERGEN, die LÜBECK und die HAMBURG. Die ROSTOCK und die DANZIG waren im Jahr zuvor von Blitzern zerstört worden.

»Beruhige dich, Homer.« Deighton hatte als Einziger außer Adams gegen die Order gestimmt.

»Wie soll ich mich beruhigen? Die Basare sind zivile Einrichtungen. Sie waren es, bisher jedenfalls, doch dieser Status wird durch Order J-C-75/287, wenn nicht außer Kraft gesetzt, so doch zumindest unterhöhlt.«

»Ich stimme dir zu. Auch ich halte diese Entwicklung für bedenklich.«

»Für gefährlich«, versetzte Adams. »Ich sehe möglichen Machtverschiebungen Tür und Tor geöffnet.«

»Was unterstellst du mir?«

»Dir gar nichts, Gal. Aber Kräften, auf die selbst du als Kriegsminister keinen Einfluss hast. Außerdem werden ausnahmslos terranische Soldaten auf die Basare abkommandiert. Die anderen Hansemitglieder werden uns Vorteilsnahme vorwerfen.«

»Keiner von ihnen hat das Recht, sich über den Ausgang der Abstimmung zu beschweren. Darf ich dich daran erinnern, dass sich ausnahmslos alle Nicht-Terraner enthalten haben?«

»Das wird deren Regierungen gegebenenfalls nicht an Protestnoten hindern. Doch darüber mache ich mir weniger Sorgen. Mein Augenmerk gilt gewissen schleichenden Veränderungen. Raumsoldaten an Bord der Basare! Weißt du, wie sich mir das darstellt? So, als würden Figuren in strategisch bedeutende Positionen gerückt.«

»Strategisch bedeutend?« Deighton schüttelte verständnislos den Kopf. »Wovon redest du eigentlich? Die Begründung für den Entscheid ist nachvollziehbar. Mit der Verordnung soll der permanenten Bedrohung unserer Sicherheit entgegengewirkt werden.«

»Aber selbst du hast dagegen gestimmt, obwohl ich von deiner Befürwortung des Antrags ausgegangen bin.«

»Weil man alles übertreiben kann. Ich will wie du kein Militär in zivilen Einrichtungen sehen.«

Adams beruhigte sich noch immer nicht. »Dein Schützling ist offenbar anderer Ansicht. Nachdem er mit seinem letzten Antrag knapp gescheitert ist, kann er diesmal einen Erfolg für sich verbuchen. Er hat der Verordnung zugestimmt.«

»Aber er hat diesen Antrag nicht eingebracht.«

»Es würde mich nicht wundern, wenn er trotzdem dahintersteckte. Du solltest ihn das mal fragen.«