Nick 6 (zweite Serie): Baltimore Lees Diamanten - Thomas Newton - ebook

Nick 6 (zweite Serie): Baltimore Lees Diamanten ebook

Thomas Newton

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Opis

Diese werkgetreue Umsetzung als Roman umfasst den Inhalt des sechsten Abenteuers aus den Großband-Comicheften 55-62 sowie des siebten Abenteuers aus den Großband-Comicheften 62-68 von Hansrudi Wäscher. - Jane Lee bitte Nick, an der Expedition des Sternenschiffs in die andere Dimension teilnehmen zu dürfen, um das Vermächtnis ihres Vaters zu bergen. Nick erhält zudem die Order, auf die Expedition auch Eric Marsh, den Sohn des Leiters der Weltsicherheitsbehörde, mitzunehmen. Schon bald nach dem Start kommt es allerdings zu unerklärlichen Geschehnissen, und Nick wird klar, dass ein Verräter an Bord sein muss. Als er mit seinen Freunden nach bestandenen Abenteuern die Dimension wieder verlassen will, wird das Sternenschiff von einer fremden Energie festgehalten, die jedes Entkommen unmöglich macht …

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Impressum

 

Originalausgabe Februar 2020

Charakter und Zeichnung: Nick © Hansrudi Wäscher / becker-illustrators

Text © Thomas Newton

Copyright © 2020 der eBook-Ausgabe Verlag Peter Hopf, Petershagen

 

Korrektorat: Andrea Velten, Factor 7

Redaktionelle Betreuung: Ingraban Ewald

Umschlaggestaltung: etageeins, Jörg Jaroschewitz

Hintergrundillustration Umschlag: © Karelin Dimitriy – fotolia.com

 

ISBN ePub 978-3-86305-295-9

 

www.verlag-peter-hopf.com

 

Hansrudi Wäscher wird vertreten von Becker-Illustrators,

Eduardstraße 48, 20257 Hamburg

www.hansrudi-waescher.de

 

Alle Rechte vorbehalten

 

Die in diesem Roman geschilderten Ereignisse sind rein fiktiv.

Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Begebenheiten, mit lebenden oder verstorbenen Personen wäre rein zufällig und unbeabsichtigt.

 

Der Nachdruck, auch auszugsweise, die Verarbeitung und die Verbreitung des Werkes in jedweder Form, insbesondere zu Zwecken der Vervielfältigung auf fotomechanischem, digitalem oder sonstigem Weg, sowie die Nutzung im Internet dürfen nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages erfolgen.

 

Inhalt

EINS

ZWEI

DREI

VIER

FÜNF

SECHS

SIEBEN

ACHT

NEUN

ZEHN

ELF

ZWÖLF

DREIZEHN

VIERZEHN

 

 

THOMAS NEWTON

Baltimore Lees Diamanten

 

 

Nick Großband 6

 

 

 

EINS

 

Nick steuerte seinen Turbowagen von der Hochstraße, die in einer weiten Kurve auf das Parkdeck des Hotels führte, in dem er abgestiegen war. Gedankenversunken warf er einen schnellen Blick zum Himmel. In einer der Passagiermaschinen, deren Rumpf sich als blitzendes Objekt vor dem blauen Himmel abzeichnete, saß Ramon Garcia auf dem Weg zurück nach Hause.

Er seufzte und lenkte den Wagen in eine freie Parkbucht. Die Erinnerung an das gefahrvolle Abenteuer in Ecuador war noch lange nicht verblasst. Und doch ergriff ihn bereits die Unruhe, wenn er an den bevorstehenden Start des Sternenschiffs dachte, um endlich zu der lange erwarteten Expedition in das fremde Paralleluniversum aufzubrechen.

Geschäftiges Treiben umgab ihn, als er über die Rolltreppe in die lichtdurchflutete Lobby gelangte. Zahlreiche Geschäftsreisende und Touristen scharten sich um die Rezeption. Überall standen Koffer, und so musste er mehr als einmal ausweichen, um nicht über einen davon zu stolpern.

Fast wäre er dadurch mit der jungen Frau zusammengestoßen, die sich ihm mit einem Mal in den Weg stellte. Sie fuhr sich mit der Hand durch ihr blondes Haar, das in Wellen über die Schultern fiel, und taxierte den Piloten. Er wollte schon zu einer Entschuldigung ansetzen, als er die blitzenden Augen erkannte. Die Lippen in dem fein geschnittenen Gesicht verzogen sich zu einem nur allzu vertrauten leicht spöttischen Lächeln.

»Miss Lee!«, stieß er aus. »Das ist aber ein Zufall. Wie kommen Sie nach New York?« Er reichte der Tierfängerin die Hand. »Ich dachte, Sie pflegen Ihr Getier im Weltraum-Zoo in Kalifornien.«

Sie überging seine Bemerkung über die wertvollen und exotischen Tiere, die sie im Laufe ihrer noch jungen Karriere bereits hatte einfangen können, und ergriff die gereichte Hand.

»Hallo, Nick«, erwiderte sie und neigte leicht den Kopf. »Ich bin nicht zufällig hier.« Sie hielt kurz inne und schien nach Worten zu suchen. »Seit zwei Tagen versuche ich, Sie hier zu treffen«, eröffnete sie.

»Oh, das tut mir aber leid«, antwortete der Pilot. »Der Prozess um Drago hat mich ganz in Anspruch genommen.« Er musterte sie und konnte förmlich sehen, wie es hinter ihrer Stirn arbeitete. Ein Lächeln umspielte seinen Mund. »Ich wette, dass ich weiß, was Sie auf dem Herzen haben. Sie wissen, dass ich mit dem Sternenschiff in wenigen Wochen auf einen Expeditionsflug in das neu entdeckte Universum starte!«

Sie öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch er fuhr unbeirrt fort.

»Selbstverständlich wollen Sie dabei sein und Tiere für Ihren unersättlichen Zoo einfangen.« Er zwinkerte ihr zu. »Stimmt’s, oder habe ich recht?«

Jane Lees Gesicht blieb verschlossen. »Ihre Wette haben Sie nur zur Hälfte gewonnen. Ich möchte tatsächlich an der Expedition teilnehmen, aber nicht, um Tiere einzufangen, sondern …« Erneut hielt sie inne und sah sich hastig um. Sie legte ihm die Hand auf den Unterarm und sah ihn eindringlich an. »Ich kann hier nicht darüber sprechen. Könnten wir nicht …?«

»Aber sicher!« Nick machte eine einladende Geste. »Kommen Sie in mein Appartement.«

Sie wollten gerade aufbrechen, als ein Hoteldiener an sie herantrat und eine leichte Verbeugung machte. »Miss Lee?«, fragte er, und sie drehte sich zu ihm um. »Sie werden am Visiphon verlangt. Kabine sechs.«

»Oh!« Sie wandte sich an Nick. »Entschuldigen Sie mich einen Augenblick.«

Der Pilot nickte nur stumm und sah ihr nach, wie sie in den Seitentrakt für die abgetrennten Visiphon-Kammern ging. Er dachte über ihr Verhalten nach, das einen angespannten Eindruck gemacht hatte, und beschloss, ihr zu folgen. Jane Lee verschwand gerade um eine Ecke, als sie von einer Hand gepackt und in eine Kabine gezerrt wurde.

Bei allen … was ist das?, schoss es ihm durch den Kopf, und er verlor keine Sekunde. Mit schnellen Schritten hastete er um die Ecke und hörte hinter einer der geschlossenen Türen zuerst ein Poltern und dann einen unterdrückten Schrei.

Nick riss die Tür auf und sah, wie die Tierfängerin mit einem Mann rang, der ihr die Hand vor den Mund legen wollte.

»Ich störe doch nicht etwa?«, meinte Nick mit lauter Stimme, und der Mann fuhr herum.

»Teufel!«, stieß er aus und griff ohne zu zögern nach einer Pistole.

»Du bist ja ein schönes Früchtchen!«, rief Nick. »Aber damit hast du kein Glück bei mir!«

Noch bevor sein Gegner die Waffe abfeuern konnte, hatte ihn ein mächtiger Fausthieb gegen das Kinn zu Boden geschickt. Benommen blieb er liegen. Nick nahm die Waffe an sich und packte den Fremden beim Kragen. In diesem Augenblick kamen mehrere Hotelbedienstete und ein älterer Mann in einem teuren Anzug den Gang entlanggeeilt.

»Was … was ist geschehen?«, fragte einer der Angestellten und sah mit entsetztem Blick zuerst auf den Ohnmächtigen, dann auf die Waffe.

»Dieser ›Held‹ wollte die Dame hier berauben«, erklärte Nick und wies auf Jane Lee. »Bringen Sie ihn in die Wirtschaftsräume, und dann lassen Sie ihn von der Polizei abholen!«

»Ja, ja! Das ist die beste Lösung«, schnaufte der ältere Mann und wischte sich den Schweiß von seiner glänzenden Halbglatze. »Noch nie ist in meinem Hotel … ja, ja, nur kein Aufsehen!« Er wies seine Angestellten an, den Mann zu ergreifen und schirmte ihn auf dem Weg durch die Lobby so gut er konnte ab, damit keinem seiner Gäste etwas auffiel.

Nick sah der Gruppe nach, bevor er sich der jungen Frau zuwandte. »Wie fühlen Sie sich, Miss Lee?«, fragte er mit Besorgnis in der Stimme.

Sie rang sich ein Lächeln ab. »Dank Ihrem schnellen Eingreifen gut.«

»Sie werden sich nach einem Drink noch besser fühlen«, antwortete Nick und bot ihr seinen Arm an. »Kommen Sie.«

Sie hakte sich ohne Widerspruch bei ihm unter und folgte ihm zu den Aufzügen. Nur kurz darauf betraten sie das weiträumige Appartement, das Nick bezogen hatte. Er führte Jane Lee zu einer Sitzgruppe, und sie nahm in einem der modern designten Sessel Platz.

Auf Rückfrage mischte er ihr einen Scotch mit Eis und reichte ihr den Drink, dann goss er auch sich ein Glas ein. Sie nahm einen großen Schluck und stieß gepresst den Atem aus.

Nick lehnte sich gegen die Bar und betrachtete seinen Gast forschend. »Ich verstehe nicht, dass in einem solchen Hotel etwas Derartiges geschehen konnte«, meinte er schließlich.

Jane Lee schüttelte leicht den Kopf.

»Es war kein gewöhnlicher Raubüberfall«, erwiderte sie. »Seit einer Woche werde ich ständig bedroht.«

»Wie?!«, entfuhr es Nick entgeistert.

Gedankenversunken strichen ihre Finger über den Rand des Glases. »Ich möchte Ihnen alles erzählen«, fuhr sie fort. »Sie sind einer der wenigen Menschen, denen ich vollkommen vertraue. Und ich brauche Ihre Hilfe.«

Nick konnte seine Verblüffung bei dieser Eröffnung kaum verbergen, dennoch erwiderte er nichts, um Jane Lee nicht zu unterbrechen.

Ihre Augen suchten die seinen, als wisse sie nicht so recht, wie sie anfangen sollte. »Sie erinnern sich, dass mein Vater, der Biologe Baltimore Lee, mit seinem Raumschiff seit vier Jahren als verschollen gilt und vor zwei Jahren für tot erklärt wurde?«, fragte sie.

»Ja, natürlich«, antwortete Nick. »Mein Freund Tom hat mit Ihrem Vater gearbeitet, bevor er in dieselbe Abteilung der Weltraumforschungsbehörde wie ich kam.«

Sie kaute auf ihrer Unterlippe und schien erneut nach den passenden Worten zu suchen.

»Mein Vater ist wirklich vor zwei Jahren gestorben«, sagte sie. »Ich habe vor acht Tagen eine Botschaft von ihm erhalten.«

Nick sah sie verwundert an. »Aber … das ist doch unmöglich!«

Sie erwiderte seinen Blick unverwandt. »Nicht, wie Sie meinen. Ein Raumschiffkapitän, Vince Anderson, hat mir die Botschaft meines Vaters gebracht.«

Nick schürzte die Lippen. »Anderson? Den Namen habe ich nie gehört.«

Jane Lee winkte ab. »Er fliegt auf eigene Rechnung und ist ein übler Bursche. Aber hören Sie …«

Sie nahm einen weiteren Schluck, bevor sie erneut ansetzte.

»Anderson ist wie andere Glücksritter in das neu entdeckte Universum eingedrungen. Als sein Schiff den zweiten Planeten des Systems umkreiste, das für normale Raumschiffe mit R-3-Antrieb erreichbar ist, hat er einen Satelliten im Orbit entdeckt. Es stellte sich heraus, dass dieser Satellit das Tagebuch meines Vaters enthielt.«

»Oh!«, stieß Nick erstaunt aus und bat Jane Lee mit einer Geste, fortzufahren.

»So, wie es aussieht, hatte mein Vater die Dimensionsspirale bereits vor fünf Jahren entdeckt und war in das dahinter kreisende Sonnensystem eingedrungen. Auf dem zweiten Planeten hat er Schiffbruch erlitten. Außer ihm ist die gesamte Besatzung von den Eingeborenen niedergemetzelt worden.«

Sie presste ihre Lippen zusammen, bevor sie weitersprach.

»Meinen Vater hatten die Wilden nicht getötet, um eines dieser für sie seltsamen Wesen sozusagen als Sehenswürdigkeit zu behalten. Nach und nach gelang es ihm aber, das Vertrauen dieser Wilden zu gewinnen … und schließlich haben sie ihn sogar zu ihrem Häuptling gemacht.«

Ihre Hände legten sich fester um die Armlehnen des Sessels.

»Ein Aggregat des Schiffs war unbeschädigt geblieben. Da mein Vater den Planeten damit jedoch nicht verlassen konnte, hat er es kurz vor seinem Tode dazu benutzt, den Satelliten mit seinem Tagebuch auf eine Kreisbahn zu bringen. Er war zu diesem Zeitpunkt an einem tropischen Fieber erkrankt und ist ihm schließlich erlegen.«

Sie senkte den Kopf, und Nick betrachtete sie nachdenklich.

»Eine tolle Geschichte«, antwortete er. »Aber was hat das alles mit den Überfällen auf Sie zu tun?«

Jane Lee strich sich eine Strähne ihres blonden Haars aus der Stirn.

»Sie werden gleich verstehen«, entgegnete sie. »Das Gebiet, in dem die Wilden leben, ist ungeheuer reich an Diamanten von für uns unvorstellbarer Größe. Mein Vater hat die bedeutendsten Fundgebiete ausbeuten lassen und einen riesigen Schatz angehäuft.« Sie zuckte mit den Schultern. »Für die Wilden sind die Diamanten ohne Bedeutung. Mein Vater hat den Schatz mir vermacht. Er hat den Wilden ein Medaillon mit meinem Bild gegeben, und da er wusste, dass ich ein identisches Medaillon besitze, die Wilden angewiesen, den Schatz nur jemandem auszuhändigen, der ihnen das zweite Medaillon bringt.«

»Langsam begreife ich«, sinnierte Nick. »Anderson hat das Tagebuch natürlich gelesen, und …«

In diesem Augenblick flog die Tür zum Appartement mit einem Krachen auf. Im Türrahmen stand ein Mann mittleren Alters und richtete seine Waffe auf die beiden Anwesenden. Hinter ihm waren die Schatten zweier weiterer Männer zu erkennen.

»Ihre Kombination ist goldrichtig«, meinte er mit einem wölfischen Grinsen.

»Anderson!«, stieß Jane Lee aus.

Der Mann deutete eine Verbeugung an. »Ich habe Miss Lee den Vorschlag gemacht, sie zum zweiten Planeten zu bringen. Zwei Drittel für mich wegen der Unkosten und ein Drittel für sie.« Er warf der Tierfängerin einen grimmigen Blick zu. »Da sie aber nicht auf meinen Vorschlag eingehen wollte, habe ich beschlossen, das Geschäft alleine zu machen.«

Anderson machte mit der Waffe eine Geste und bedeutete damit Nick und Jane Lee, sich zu erheben. Sein Blick ging zwischen beiden hin und her. »Dazu brauche ich das Medaillon. Leider haben die auf Sie angesetzten Jungs versagt.« Er stieß ein theatralisches Seufzen aus, bevor sich sein Körper anspannte.

»Rücken Sie das Ding heraus, vorwärts!«, presste er hervor und richtete den Lauf der Waffe auf Jane Lee.

Die junge Frau sah unschlüssig zu Nick herüber. Dieser gab ihr mit den Augen ein Zeichen, das Medaillon herauszugeben. Zuerst sah sie ihn entsetzt an, dann nickte sie stumm und lockerte den Kragen ihrer Kombination, als läge das Schmuckstück darunter verborgen.

Nick verfolgte, wie Vince Anderson sich davon ablenken ließ, und sprang wie ein Panther vor. Sein mächtiger Fausthieb erwischte die waffenführende Hand und schlug sie nach oben. Die Finger lösten sich um den Griff, und die Waffe flog durch die Luft.

Anderson schnappte nach Luft und wich zurück. »Hilfe! Teddy, Ringo!«, brüllte er.

Das Rufen schreckte die beiden Komplizen auf, die im Flur vor der Tür Stellung bezogen hatten. Mit gezogenen Waffen stürmten sie herein.

»Hände hoch, oder wir schießen!«, knurrte einer von ihnen, ein Mann mit grobschlächtigem Gesicht.

Nick verlor keine Sekunde und packte Anderson. Er hielt ihn in einem unnachgiebigen Griff gefangen und zog ihn vor sich. »Das dürfte eurem sauberen Kapitän schlecht bekommen!«

Vince Anderson schrie auf und stemmte sich verzweifelt gegen den Griff. »N… nicht schießen, Jungs!«, stammelte er. Sein Kopf fuhr suchend umher. »Bedroht Jane Lee!«, forderte er seine Gehilfen mit einem Mal auf. »Dann ist Nick machtlos!«

Die junge Frau stieß einen wütenden Schrei aus und machte den Eindruck, auf Anderson losgehen zu wollen. Die beiden Bewaffneten waren dadurch einen Moment lang abgelenkt, und so hob Nick den Raumschiffkapitän an und schleuderte ihn seinen Komplizen entgegen.

Die Männer hatten keine Zeit mehr, auszuweichen, und so gingen sie unter dem Aufprall zu Boden. Stöhnend blieben sie liegen, doch schnell waren sie dabei, sich wieder aufzurappeln. Nick bereitete sich auf den nächsten Schlagabtausch vor, als zwei weitere Schatten im Türrahmen erschienen.

»Hallo, Nick«, grüßte ein Mann mit grüner Hautfarbe. »Du hast das Klopfen überh…« Er stieß wie der Mann hinter ihm einen erstaunten Laut aus, als er den Tumult erblickte. »Was ist das denn für ein Empfang?«

»Xutl! Tom!«, rief Nick aus. »Haltet die Burschen fest!«

Andersons Gehilfen hatten in dem Gemenge ihre Waffen verloren und mussten einsehen, dass sie gegen die Überzahl keine Chance hatten. Sie setzten zur Flucht an und wollten sich an Xutl und Tom Brucks vorbeischieben. Doch Nicks Faust fällte einen, bevor er auch nur aufstehen konnte.

»Hoppla … nicht so eilig!«, entfuhr es dem Marsianer, und er packte den anderen.

»Lassen Sie mich los!«, schrie dieser und wehrte sich nach Leibeskräften. Tom Brucks konnte nur mit Mühe sein Gleichgewicht halten und schob seine Brille zurecht, die ihm halb von der Nase gerutscht war.

Einen Augenblick lang war Xutl von der Gegenwehr überrascht und wich zurück, dann jedoch schoss seine Faust vor. »Ich weiß zwar nicht, worum es hier geht, aber wenn du ein raues Spiel liebst, dann bitte!«

Wie vom Blitzschlag getroffen, ging der Mann zu Boden.

Xutl schüttelte verwundert den Kopf und besah sich die drei Fremden.

»Was hat das zu bedeuten, Nick?«, wandte er sich an seinen Freund. »Gehört das etwa neuerdings zu deinen täglichen Übungen nach dem Mittagessen?«

Nick lachte trocken auf. »Nein, ganz sicher nicht. Danke, dass ihr mir so geistesgegenwärtig geholfen habt. Übrigens …«, er machte einen Schritt zur Seite und deutete in das Innere des Appartements, »… hier ist noch jemand, der sich über euer unverhofftes Erscheinen freut.«

Er wies auf Jane Lee, die den beiden Männern zunickte.

»Nanu, sehe ich richtig?«, meinte Xutl. »Unsere nimmermüde Tierfängerin der Sternenschiff-Expedition!«

Tom Brucks nestelte noch immer an seiner Brille. »Wie geht es Ihnen?«, fragte er die junge Frau. »Haben Sie diesen Trubel inszeniert?«

Er bereute seine flapsige Formulierung, als er ihr angespanntes Gesicht sah.

»Inszeniert nicht«, erwiderte sie. »Aber ich muss gestehen, dass er meinetwegen entstanden ist …«

 

*

Wenig später hatte sie noch einmal die Erlebnisse ihres Vaters geschildert. Tom und Xutl hatten aufmerksam zugehört.

»Das ist die abenteuerlichste Geschichte, die ich je gehört habe«, gestand der Biologe ein und kratzte sich am Kopf.

Jane Lee lächelte dünn. »Sie können sich sicher vorstellen, was es für mich bedeuten würde, wenn ich die Diamanten bekommen könnte, die mein Vater für mich von den Eingeborenen fördern ließ.« Sie machte eine entschuldigende Geste, als sei es ihr selbst unangenehm, darüber zu sprechen. »Ich wäre nicht mehr von der Weltraum-Zoo-Direktion abhängig und könnte eigene Expeditionen ausrüsten!«

»Großer Himmel!«, erwiderte Tom Brucks. »Haben Sie denn nichts anderes im Kopf als Ihre unheimlichen Biester? Ich könnte mir vorstellen …«

Sie lachte auf. »Ich weiß, was Sie sich vorstellen«, unterbrach sie ihn. »Riesige Treibhäuser, in denen sich alle unheimlichen Pflanzen des Universums versammeln würden.«

»Sie haben es dem fanatischen Biologen gut gegeben, Miss Lee«, feixte Xutl und grinste seinen Freund an. »Aber Scherz beiseite«, wurde er wieder ernst. »Dieser Geier wollte sich das für die Bergung des Schatzes notwendige Medaillon unter den Nagel reißen?«

Er deutete auf Vince Anderson, der nach wie vor besinnungslos zwischen seinen Komplizen am Boden lag.

»Ja, mein Vater schreibt in seinem Tagebuch ausdrücklich, dass er die Wilden angewiesen hat, den Schatz nur demjenigen zu übergeben, der das Medaillon vorweist«, bestätigte Jane Lee.

Sie machte eine hilflose Handbewegung. »Ich hatte ihm ein großzügiges Angebot gemacht, weil ich es ja ihm verdanke, dass ich das Tagebuch meines Vaters erhalten habe. Anderson verlangte wie schon gesagt zwei Drittel, und aus seinem Verhalten schloss ich schnell, dass er mir auch das eine Drittel vorenthalten würde, wenn er den Schatz erst einmal an Bord gehabt hätte.«

Nick fuhr sich übers Kinn.

»Nach dieser Entwicklung können Sie unmöglich mit Anderson zum Planeten fliegen, Miss Lee. Ich richte ein Gesuch an die Weltraum-Forschungsbehörde, damit Sie mit uns fliegen können.«

Sie sah ihn aus großen Augen an. »Das … wäre wunderbar«, stieß sie aus.

Er winkte mit einem Lächeln ab. »Das Sternenschiff wird zurzeit für den Flug in das neu entdeckte Weltall ausgerüstet. Man wird nichts dagegen einzuwenden haben, wenn wir mit dem Besuch des zweiten Planeten auch persönliche Ziele verfolgen.«

Ein Stöhnen war zu hören, und er wandte sich um. Anderson und seine Männer erhoben sich benommen.

»Sieh an. Unser stürmischer Besuch kommt wieder zu sich«, kommentierte Nick den Anblick.

Vince Anderson hob den Kopf und zischte schmerzerfüllt auf. Er legte eine Hand an die Schläfe.

»Teufel …«, murmelte er und stieß dann einen Laut aus, als ihm bewusst wurde, wo er sich befand.

Nick suchte den Teppich um die Männer herum mit den Augen ab, um sicherzugehen, keine Waffe übersehen zu haben, dann ging er vor dem Raumschiffkapitän in die Hocke. »Miss Lee hat mir erzählt, dass sie Ihnen ein Drittel des Diamantenschatzes für Ihre Dienste geben wollte.« Er schüttelte den Kopf. »Das Angebot dürfte durch Ihr Verhalten hinfällig geworden sein.«

Mit einer raschen Bewegung erhob er sich und wies zur Tür.

»Verschwinden Sie mit Ihren ›Helden‹, und lassen Sie es sich nicht einfallen, unseren Weg noch einmal zu kreuzen, Anderson«, machte er ihm unmissverständlich klar. »Ein zweites Mal kommen Sie nicht so glimpflich davon!«

Andersons Körper bebte vor unterdrückter Wut, dennoch blieb ihm nichts anderes übrig, als einzusehen, dass er verspielt hatte. Er rappelte sich schwerfällig auf und schnauzte seine Männer an, aufzustehen.

Als er die Tür erreicht hatte, drehte er sich noch einmal zu Nick um. »Das … werden Sie mir noch büßen!«, schnaufte er und taumelte auf den Gang.

Der Weltraumpilot sah ihm nach und verschloss die Tür, dann kehrte er in den Wohnbereich zurück.

Tom Brucks schürzte die Lippen. »Hoffentlich hast du keinen Fehler gemacht«, meinte er zu seinem Freund. »Wir hätten Anderson nicht laufen lassen dürfen. Für den bewaffneten Überfall wäre er bestimmt zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und damit aus dem Verkehr gezogen worden.«

Nick bedachte ihn mit einem nachdenklichen Blick, bevor er den Kopf schüttelte.

»Ich glaube nicht, dass er noch etwas unternehmen wird, um Miss Lee zu schaden. Er weiß jetzt, dass sie nicht mehr allein ist. Außerdem kann er mit seinem Klapperkasten von Raumschiff nicht mit dem Sternenschiff konkurrieren.«

Tom zog die Augenbrauen hoch. »Damit hast du allerdings recht!«

Nick ging zur Bar hinüber und griff nach einer der Flaschen, in der eine bernsteinfarbene Flüssigkeit schimmerte. »Kommt, wir wollen Anderson vergessen und stattdessen auf Miss Lees künftiges Unternehmen anstoßen!«

Tom Brucks lachte. »Das ist die beste Idee, die du seit Langem gehabt hast!«

 

 

 

ZWEI

 

Am nächsten Morgen startete Nick zusammen mit Jane Lee und seinen Freunden vom New Yorker Großflughafen zum Flug nach Nevada. Ihr Ziel war das Forschungsgelände, auf dem das Sternenschiff nach der Entführung durch Diktator Drago wieder instand gesetzt worden war und für die bevorstehende Expedition ausgerüstet wurde.

Einen Feuerschweif hinter sich herziehend, schraubte sich der Jet in den wolkenverhangenen Himmel. Schon bald blieben die hoch auftürmenden Wolkenkratzer der Metropole hinter ihnen zurück.

Nick setzte sich mit der Flugkontrolle in Verbindung und schwenkte nach Bestätigung durch den Tower seine Flugroute auf einen südwestlichen Kurs, dann schaltete er auf Autopilot. Der Jet würde schon bald die Stratosphäre erreichen und die Entfernung von mehreren tausend Kilometern binnen einer Stunde zurücklegen.

»Ich habe übrigens eine Überraschung für Sie, Miss Lee«, meinte er zu der Tierfängerin, die direkt hinter ihm saß. »Kurz vor dem Start habe ich von der Weltraum-Forschungsbehörde alle Vollmachten für die Zusammenstellung der Sternenschiff-Besatzung erhalten. Sie stehen natürlich mit als Erste auf der Liste.«

Die junge Frau konnte einen Freudenschrei nur mit Mühe unterdrücken. »Sie … sind wunderbar!«, entfuhr es ihr stattdessen.

»He, keine Übertreibungen«, grummelte Tom Brucks hinter ihr. »Xutl und ich haben uns auch für Sie eingesetzt!«

Nick musste bei dem kleinen Wortgefecht, das nun zwischen den beiden folgte, schmunzeln und lehnte sich entspannt zurück.

 

*

Zur gleichen Zeit herrschte auf einem Raumschiff-Flughafen in der Nähe New Yorks reger Betrieb. Die privaten Gesellschaften setzten alle verfügbaren Schiffe ein, um möglichst viele von den Gütern des neu entdeckten Sonnensystems für sich zu gewinnen. Nahezu im Minutentakt starteten und landeten die Raketen. Ein Grollen und Brausen der zahlreich aufheulenden Triebwerke erfüllte die Luft.

Abseits der Gebäudetrakte der großen Gesellschaften lagen die Bürogebäude der kleinen Unternehmen. Sie waren in einem Halbkreis um ein kleines Landedeck angeordnet, auf dem soeben ein Helicar landete. Drei Männer warteten, bis die Maschine gelandet war und die Rotoren aufgehört hatten, sich zu drehen, bevor sie den Mann begrüßten, der mit seinen Begleitern ausstieg.

Bereits an seinem Gesichtsausdruck konnten Vince Andersons Männer sehen, dass die Pläne ihres Chefs fehlgeschlagen waren. Mit verhärteter Miene schritt der Raumschiffkapitän auf sein Büro zu. Der Schnauzer in seinem Gesicht vibrierte vor unterdrückter Wut.

»Sie hätten auf Miss Lees Vorschlag eingehen sollen, Chef«, wagte Theo ›Teddy‹ Cummings es, die Stille zu durchbrechen. »Ein Drittel des unermesslichen Schatzes …«

»Halt den Mund!«, schnauzte Anderson ihn an, und Teddy zog unwillkürlich den Kopf ein. Die Gruppe betrat die Büros von Andersons alles andere als gut laufendem Transportgewerbe. Frank Stone, der als Letzter den Raum betrat, stellte sicher, dass die Tür hinter ihnen geschlossen war und niemand das Gespräch zufällig verfolgen konnte.

Anderson herrschte seine Leute mit einer Geste an, sich um ihn zu versammeln. Sein Blick ging von einem zum anderen, bevor er ansetzte.

»Noch ist gar nichts verloren«, grollte er.

»Aber … ohne das Medaillon können wir doch gar nicht an den Schatz heran«, warf Ringo Olsen ein.

»Das ist noch nicht das Schlimmste«, fügte Butch Saunders neben ihm an. »Jane Lee hat diesen Nick überredet, sie im Sternenschiff mitzunehmen!«

Ein Raunen ging durch die Gruppe.

»Was soll dann Ihr Gerede, dass nichts verloren ist, Chef?«, warf Ringo ein. »Mit dem Sternenschiff haben sie den Schatz gehoben, ehe wir überhaupt gestartet sind!«

»Dummkopf!«, brauste Anderson auf. »Das Sternenschiff startet erst in vier Wochen. Und bis dahin wollen wir ja nicht untätig sein, oder?«

Die Männer sahen ihn fragend an.

»Wenn wir in den nächsten drei Tagen starten, können wir fast gleichzeitig mit dem Sternenschiff den zweiten Planeten erreichen«, führte der Kapitän aus.

»Hm … das stimmt«, überlegte Matt Norris, der sich bisher aus dem Gespräch herausgehalten hatte, um seinen Boss nicht gegen sich aufzubringen. »Aber was hätten wir damit gewonnen?«

»Damit allein nicht viel. Aber wir werden an Bord des Sternenschiffs einen Verbündeten haben«, erwiderte Anderson mit einem Grinsen.

»Was?!«, entfuhr es Teddy. »Sie kennen jemand der Besatzung?«

Anderson wiegte den Kopf, und sein Grinsen wurde noch breiter. »Noch nicht … aber du wirst mir die Besatzungsliste besorgen. Der Rest ist eine Frage des Geldes. Du wirst schon sehen!«

 

*

Nachdem Theo Cummings seine Kontakte eingesetzt hatte und zudem eine stattliche Summe Geld hatte springen lassen, lag Anderson die Besatzungsliste tatsächlich vor. Er ordnete seine Männer an, das Schiff startklar zu machen und teilte ihnen mit, dass er für eine ›kurze Reise‹ unterwegs sein würde.

Keiner seiner Untergebenen wagte es nachzufragen, was er damit genau meinte, und so machten sie sich stattdessen an die vor ihnen liegende Aufgabe. Ihre Rakete war nach der letzten Reise alles andere als in einem guten Zustand, und so würden sie die verbleibende Zeit benötigen, um sie raumtauglich zu machen.

Als Anderson nach zwei Tagen zurückkehrte, ging er vergnügt auf seine Männer zu, die ihn vor dem Büro erwarteten.

»Ist die Kiste startklar?«, fragte er mit einem Nicken zu der Rakete, die nur unweit von ihnen entfernt in den Himmel ragte.

»Ja«, bestätigte Butch Saunders, der als sein leitender Ingenieur die Triebwerke überwachte. »Donnerwetter«, fügte er an, als er sah, wie sein Boss mit ausladenden Schritten und schwungvoll auf die Einstiegsluke zulief. »Sie haben Erfolg gehabt?«, raunte er ihm zu.

Anderson warf ihm nur einen verschwörerischen Blick zu und stieg die Leiter empor. Nachdem sich alle Männer auf ihren Plätzen eingefunden hatten, ließ er den Raketenmotor hochfahren und bat über Funk um Starterlaubnis.

Die Zufriedenheit, die eben noch sein Gesicht erfüllt hatte, wich nun einer starren Grimasse, als er die Antwort hörte.

»Raumschiff A-1 von Kapitän Anderson«, meldete sich ein Mitarbeiter aus dem Tower, »Ihr Startgesuch ist abgelehnt. Der Weltraum-Sicherheitsdienst verlangt eine technische Überprüfung Ihres Schiffes.«

Anderson schlug mit der Faust aufs Instrumentenpult.

»Bei allen Teufeln! Dahinter kann nur Nick stecken!«, stieß er aus. »Der Kerl hat seine Beziehungen spielen lassen, um uns aufzuhalten. Na warte …« Seine Finger huschten über die Kontrollelemente. »Ich kann auch ohne Erlaubnis starten!«

»Aber Chef!«, wollte Frank Stone am Navigationspult einwerfen. »Dann …«

Anderson machte eine unwirsche Handbewegung. Rasend vor Wut war er bereit, alle Risiken einzugehen und sich über das Startverbot hinwegzusetzen. Allen Vorschriften zum Trotz riss er den Starthebel zu sich heran und wartete nicht einmal, bis sich alle seine Männer angeschnallt hatten. Sie schrien wild durcheinander, als sie durch den Andruck von ihren Sitzen geworfen wurden.

 

 

Das Hecktriebwerk brüllte auf, und eine Feuerlohe leckte über den Bodenbelag. Dunkle Rauchschwaden hüllten die umstehenden Maschinen ein. Bodenpersonal und Piloten rannten über den Platz und versuchten sich in Sicherheit zu bringen.

Zuerst nur langsam, dann immer schneller schoss die Rakete in die Höhe. Fassungslos sahen ihr die Lotsen im Tower hinterher.

Vince Anderson starrte mit versteinerter Miene auf den Hauptbildschirm und ließ sich durch nichts in seinem Tun beirren. Als er aus dem Augenwinkel das Licht für den Sprechfunk sah, schaltete er ihn wie beiläufig ein.

»Achtung, Achtung! Kapitän Anderson! Landen Sie sofort! Sie haben bei dem unerlaubten Start zwei Raumschiffe beschädigt!«, schnarrte eine Stimme aus dem Lautsprecher. »Landen Sie sofort! Sonst schicke ich Ihnen die Raumpatrouille auf den Hals!«

Mit unbewegtem Gesicht schaltete Anderson das Funkgerät ab und stellte den R-3-Antrieb ein, als das Schiff die oberste Schicht der Atmosphäre passierte. Trotz seines verwegenen Vorhabens wusste er genau, was er seiner Maschine abverlangen konnte. Auch wenn er wertvolle Zeit gewonnen hätte, wäre es zu riskant gewesen, den Antrieb bereits innerhalb der Atmosphäre hinzuzuschalten.

Hinter sich hörte er ein Stöhnen aus mehreren Kehlen.

»Was … was ist geschehen?«, fragte Ringo Olsen und fasste sich an den Kopf.

»Wir sind im Raum«, erklärte Anderson trocken. »Setz dich ans Radargerät, damit wir rechtzeitig merken, wenn uns die Raumpatrouille an den Kragen will«, ordnete er an, ohne sich weiter für den Zustand seiner Männer zu interessieren.

Diese folgten den weiteren Anweisungen zuerst nur widerwillig, doch der kalte Blick ihres Chefs machte ihnen deutlich, dass er Widerspruch nicht zuließ.

»Sie … hätten nicht ohne Erlaubnis starten dürfen«, warf Theo Cummings dennoch zögernd ein. »Selbst wenn wir der Raumpatrouille entwischen … bei unserer Rückkehr auf die Erde erwischt man uns doch!«

Anderson verzog die Lippen. »Bei unserer Rückkehr sieht alles ganz anders aus, Teddy. Dann sind wir so unermesslich reich, dass uns die Entschädigungssumme für die zerkratzten Raumschiffe und die Strafe nicht das Geringste ausmachen werden. Und sollten sie mir mein Kapitänspatent entziehen …«, er zuckte mit den Schultern. »Ich wollte mir sowieso eine Insel in der Südsee kaufen.«

Die Männer konnten selbst nicht sagen, ob es die Gelassenheit ihres Chefs war oder die Aussicht auf einen Reichtum, den sich keiner von ihnen auch nur ansatzweise vorstellen konnte.

»Achtung!«, rief Ringo Olsen nach einem Blick auf den Bildschirm. »Wir haben ein Raumschiff auf dem Radar. Es hat seinen Kurs auf unseren abgestimmt.«

Anderson knurrte. »Das wird das Schiff der Raumpatrouille sein, das diesen Sektor überwacht.«

Nun warfen sich die Männer doch einen besorgten Blick zu.

»Das ist das Ende unserer Eskapade, Chef!«, jammerte Frank Stone. »Ich sehe uns schon im Straflager auf der Venus landen statt auf dem zweiten Planeten im neu entdeckten System!«

»Mach die Strahlenkanone klar, Teddy«, wies Anderson seinen Untergebenen an, ohne auf Stones Äußerung einzugehen.

»Zu Befehl«, antwortete Cummings und warf seinem Kollegen einen scharfen Blick zu. Doch Frank Stone ließ sich nicht beirren.

»Sie wollen es auf einen Kampf ankommen lassen?«, überschlug sich seine Stimme fast. »Das ist doch aussichtslos! Die Patrouillenschiffe sind viel besser bewaffnet als wir!«

Anderson wandte sich nur kurz zu seinem aufmüpfigen Untergebenen um. »Und wir haben den Vorteil, dass uns die Patrouille erst zum Beidrehen auffordern muss, bevor sie ihre Geschütze einsetzen darf.«

»Achtung, ein zweites Patrouillenschiff nähert sich dem Sektor!«, warf Ringo ein.

Anderson brummte. »Sie wollen uns also jede Fluchtmöglichkeit abschneiden.«

Als er sah, wie Frank Stone den Mund öffnete, schnitt er ihm mit einer unwirschen Bewegung das Wort ab und überprüfte den Kurs des zuerst entdeckten Schiffes. »Ausgezeichnet!«, rief er aus und erhob sich aus seinem Sessel. »Lass mich an die Kanone, Teddy«, forderte er ihn auf. »Übernimm du die Kontrolle, Ringo.«

Dieser sah seinen Chef irritiert an. »Ich verstehe nicht …?«

Beide Männer folgten jedoch der Anweisung, und Anderson beugte sich über die Waffenkontrolle. Als nur wenig später der Befehl über Funk einging, das Schiff zu stoppen, setzte er ohne zu zögern seine Strahlenkanone ein.

Blitzend schlug der Strahl in das Heck des Patrouillenschiffs ein und löste es in Atome auf. Eine Explosion erschütterte das Schiff, und die Steuertriebwerke trudelten durchs All.

Anderson lachte auf. »Halte den Kurs, Ringo. Das Patrouillenschiff ist manövrierunfähig.«

»Aber das zweite Schiff?«, hakte dieser nach.

Vince Anderson winkte ab. »Keine Sorge. Das erste Schiff kann seine Flugbahn nicht ändern … mit diesem Kurs rauscht es auf die Sonne zu. Glaubst du, die Männer im zweiten Schiff lassen ihre Kameraden verglühen?«

Ringo Olsen lief bei der Kaltblütigkeit seines Chefs ein Schauder über den Rücken, dennoch ließ er sich nichts anmerken.

»Sie haben recht«, meinte Theo Cummings. »Das zweite Schiff hat seinen Kurs geändert!«

Anderson grinste zufrieden und stemmte die Arme in die Hüften.

»Der Weg in das fremde System ist frei, Jungens!«

Er wies Ringo an, den Pilotensitz wieder zu räumen und nahm selbst Platz. Seine Augen überflogen die Instrumente. »Jetzt kann uns nichts mehr aufhalten«, sagte er, nachdem er sich vergewissert hatte, dass sie sich wieder auf dem eingegebenen Kurs befanden. »Die Diamanten auf dem zweiten Planeten sind schon so gut wie in unseren Taschen!«

 

*

Zur gleichen Zeit wurde auf dem Versuchsgelände der Weltraum-Forschungsbehörde in der Wüste von Nevada an der Ausrüstung des Sternenschiffs gearbeitet.

Das einzigartige, kugelförmige Raumschiff ragte wie ein Berg in den stahlblauen Himmel und schimmerte matt im Licht der Sonne. Zahlreiche Kräne und Aufbauten rings um das Schiff nahmen letzte Reparaturarbeiten vor oder beförderten Zubehör in die Ladebucht.

Inmitten der Betriebsamkeit auf dem Landedeck standen Nick und Xutl und sahen wie gebannt auf den stählernen Koloss.

»Die Arbeiten schreiten planmäßig voran«, erklärte der Marsianer. »In drei Wochen können wir starten.«

»Gut. Ich …«, wollte Nick antworten, als ihn eine Lautsprecherdurchsage unterbrach.

»Achtung, Achtung! Nick, bitte zum Chef!«

Verwundert sahen sich die beiden Männer an.

»Am besten, du kommst mit«, meinte Nick zu seinem Freund, und der Marsianer stimmte zu.

Sie stiegen in einen bereitstehenden Turbowagen und fuhren das Landefeld entlang zum Hauptgebäude. Nach dem schweren Sabotageanschlag durch Diktator Dragos Leute war die Anlage wieder vollkommen instand gesetzt worden. Kurze Zeit darauf standen sie vor Murrays Büro und wurden durch den Sekretär des Chefs der Weltraumbehörde hereingebeten.

Murray erhob sich hinter seinem Schreibtisch und reichte den beiden Männern die Hand. Der ernste Blick seines Vorgesetzten machte Nick stutzig.

»Ich wollte mit Ihnen über Ihre Besatzung sprechen«, eröffnete Murray. »Aber vorher muss ich Ihnen noch mitteilen, dass Kapitän Anderson trotz strikten Startverbots abgeflogen ist.«

»Donnerwetter, das hätte ich ihm nicht zugetraut!«, stieß Nick verblüfft aus.

Murray schüttelte den Kopf.

»Der Kerl ist mit allen Wassern gewaschen. Er hat ein Schiff der Raumpatrouille mit seiner Strahlenkanone beschädigt und damit das zweite ihn verfolgende Schiff mehr oder weniger außer Gefecht gesetzt, weil die Jungs an Bord ihre Kameraden retten mussten.«

Nick schob das Kinn vor.

»Anderson scheint ein guter Taktiker zu sein«, musste er eingestehen. »Aber ich verstehe nicht, warum er ein solches Risiko auf sich nimmt. Gegen das Sternenschiff hat er doch keine Chance. Selbst wenn es ihm gelingt, vor uns den zweiten Planeten zu erreichen, dann hilft ihm das gar nichts! Das Medaillon hat Miss Lee.«

»Hm … vielleicht will er die Wilden mit Waffengewalt zwingen, ihm die Diamanten auszuhändigen?«, überlegte Murray.

Nick fuhr sich übers Kinn. »Ich kann nur nicht verstehen, dass Anderson das versuchen will, Sir. Er hat das Tagebuch von Miss Lees Vater gelesen, und daraus geht hervor, dass die Wilden in unzugänglichen, von Sümpfen umgebenen Schluchten leben. In solch einer Schlucht helfen moderne Waffen wenig. Das musste die Besatzung von Baltimore Lees Expedition ja am eigenen Leibe erfahren.« Er schüttelte den Kopf. »Nein, es ist undenkbar, dass Anderson das übersehen hat.«

Murray sah ihn eindringlich an.