Mumpeltrotz - Stella Siebenschläfer - ebook

Mumpeltrotz ebook

Stella Siebenschläfer

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Opis

Die Welt von Mumpeltrotz und seiner jungen Schwester Mumpeltrotzig ist in großer Gefahr! Das konnte erst passieren, weil viele Kinder der Menschenwelt schummeln, betrügen und lügen. Nun will Mumpeltrotz ausgerechnet dem Mädchen Melina das Lügen austreiben! Ob das wohl gelingen wird?

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Stella Siebenschläfer

Mumpeltrotz

Geschichten für große und kleine Enk(g)el

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2016

Dieses Buch widme ich

meinen Enkelkindern.

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Titelbild „folleto che semina fagioli“ © Silvano Rebai

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhalt

Cover

Titel

Widmung

Impressum

Der Sonnenuntergang schwimmt

Das Haus von Mumpeltrotz

Die Schlumperliese

Am Badetag

Das schwarze Loch

Die Kissenschlacht

Mumpeltrotzig

Der Entschluss

Eine neue Strategie

Alles auf Anfang

Eine lange Reise

Ein Tag hat 24 Stunden

Über sanfte, grüne Hügel

Wer hat schon Lust auf Schularbeiten?

Die Zeit drängt

Die Komplizinnen

Die Danksagung

DER SONNENUNTERGANG SCHWIMMT

Nichts geschieht zufällig.

Regen trommelt an die Fensterscheiben. Melina hält sich die Ohren zu. Das dumpfe Rauschen lässt keinen Zweifel daran: Sie ist wach. Gelangweilt sieht Melina zu, wie sich kleine und große Wassertropfen zu einem Rinnsal vereinen, um gemeinsam als Schwall auf dem Fensterbrett aufzuschlagen. Der Himmel hat kein Erbarmen. Seit Tagen schüttet es wie aus Eimern.

Langsam füllen sich Melinas Augen mit Tränen. Alles verschwimmt, und daran ist nicht nur der Regen schuld. Melina teilt sich das kleine Zimmer mit ihrer Schwester Klara, die heute Morgen pünktlich zur Schule gegangen ist. Die jüngeren Geschwister sind im Kindergarten. Nach der Geburt der Zwillinge war Mama über zwei Jahre zu Hause. Seit Kurzem geht sie wieder arbeiten.

„Wir brauchen das Geld, um uns all unsere Wünsche erfüllen zu können“, sagt Mama.

Melinas größter Wunsch ist es, bei Mama zu sein.

Das hat sie ihr auch gesagt, aber Mama hat gelacht und geantwortet: „Du wirst das verstehen, wenn du älter bist. Sei vernünftig und mach es mir nicht so schwer.“

Melina ist neun Jahre alt und für die drei Kleinen eine ältere Schwester. Darauf ist sie sehr stolz.

Mit dem Regen ist die Kälte gekommen. Melina zieht die Bettdecke über beide Ohren und kuschelt sich in ihr Federbett. Wie ein zusammengerollter Igel liegt sie jetzt in ihrem Bett und versucht, den letzten Traum einzufangen. Sie war eine stolze Elfenkönigin, die auf dem Rücken von Unicorn, dem weißen Einhorn, durch die Wolken schwebte. Melina blinzelt. Die Spur des Zauberpferdes verliert sich im Nichts. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.

Plötzlich ertönt ein dumpfer Knall.

Mit einem Satz springt das Mädchen aus dem Bett und steht barfuß mitten im Zimmer. Ängstlich sieht sie sich um. Sie kann nichts Ungewöhnliches entdecken, spürt aber, dass etwas anders ist als heute Morgen, als ihre Familie die Wohnung verließ.

Irgendetwas ist hier!

Melina legt sich auf den Bauch und schaut unter dem Bett nach. Nichts. Auf nackten Füßen schleicht sie über den kalten Boden zum Kleiderschrank hinüber. Knarrend öffnet sie die Schranktür. Ihre T-Shirts liegen, von Mama fein säuberlich zusammengelegt, im oberen Fach, darunter die Leggins.

Aber was ist das?

Melina traut ihren Augen nicht. Da sitzt im unteren Schubfach mitten in ihren Socken ein kleines grünes haariges Wesen, keine zehn Zentimeter groß.

Das Mädchen steht wie angewurzelt. Der Eindringling ist nicht minder überrascht und versucht sogleich zu entwischen, aber Melina ist schneller. Geistesgegenwärtig hat sie ihn gepackt und hält das zappelnde Etwas fest in ihrer Hand.

„Lass los, du dumme Nuss“, gebärdet sich der Wicht, „du wirst dir gleich wünschen, nie geboren worden zu sein, weil ich dich auf der Stelle verzaubern werde!“

Melina grinst ihn überlegen an: „Mach doch, ich bin sehr gespannt, wie du das anstellen willst.“

Erstaunt über ihren Mut lockert sie den Griff, sodass der vermeintliche Zauberer, aus dem Schwitzkasten erlöst, wieder leichter atmen kann. Langsam entweicht die dunkelblaue Farbe aus seinem Gesicht, die langen, gezwirbelten Barthaare vibrieren weniger stark, aber die wütenden Blicke aus den mandelförmigen gelben Augen treffen Melina umso heftiger.

„Bild dir bloß nicht ein, dass du mich überrumpelt hast. Du siehst mich nur, weil ich es so will. Wenn mein Barthaar wieder trocken ist, erlange ich meine Zauberkräfte zurück. Du wirst schon sehen, was dann passiert“, schnieft der Eindringling.

Erst jetzt bemerkt Melina, dass der Bart des grünen Wesens tropfnass ist. „Wer bist du und was suchst du in meinem Schrank, und überhaupt, was willst du von mir?“

„Papperlapapp, so viele Fragen auf einmal. Hast du vielleicht einen Föhn?“

Das Mädchen durchschaut die Absicht des Eindringlings sofort. Wenn es stimmt, dass der grüne Wicht mit einem trockenen Bart seine Zauberkräfte wieder benutzen kann, bleibt ihr nicht viel Zeit.

Im Zimmer ist es kühl; trotzdem, der Gedanke, dass Mister Grün sie doch noch verzaubern könnte, bereitet ihr Unbehagen.

Inzwischen ist es früher Nachmittag und Klara könnte jeden Moment aus der Schule zurückkommen. Was soll sie also tun? Melina schließt die Augen, um sie kurz darauf wieder zu öffnen. Es ist kein Traum, das grüne Wesen befindet sich noch immer in ihrer Hand. Inzwischen unternimmt es alle Anstrengungen, um sich aus der Umklammerung zu befreien.

„Okay, ich lass dich frei, wenn du mir meine Fragen beantwortest.“

Nebenan auf dem Schreibtisch steht ein Wasserglas mit Pinseln drin. Zum Glück hatte Melina das Wasser, nachdem sie gestern mit dem Malen des Bildes vom Sonnenuntergang fertig geworden war, noch nicht ausgegossen. Mama hatte zwar geschimpft und gesagt, sie solle mehr Ordnung halten, aber jetzt würde ihr das Wasserglas helfen, den Eindringling zu überlisten. Sie könnte ihn mit dem Wasser übergießen und so verhindern, dass er seine Zauberkräfte einsetzen kann.

Gesagt, getan. Melina löst die Umklammerung ihrer Hand und setzt Mister Grün sanft auf dem Schreibtisch ab.

Der schüttelt sich so gewaltig, dass die Wassertropfen von seinem Körper in hohem Bogen davonfliegen. Er hat zarte, hellblaue Flügel, die das Mädchen jetzt erst sehen kann. Mister Grün streicht den langen, gezwirbelten Bart glatt und sieht Melina herausfordernd an: „Ich weiß genau, was du planst, aber weil du dein Versprechen eingelöst hast, will ich nicht so sein und dir deine Fragen beantworten. Ich sehe ja, wie du vor Neugier gleich platzt. Ich bin grün, aber kein Frosch und ich bin klein, aber kein Zwerg. Meine Flügel gehören keinem Elfenkönig. Siehst du meinen langen, gezwirbelten Bart? Der ist so gedreht, weil du so ein Wirbelwind bist. Ich bin dein Freund. Ich trockne deine Tränen, wenn du traurig bist, und ich freue mich mit dir, wenn du glücklich bist. Ich denke mir mit dir gemeinsam Gemeinheiten aus, wenn du dich ungerecht behandelt fühlst, damit wir alle bestrafen können, die sich einbilden, dich kränken zu können. Das Wichtigste aber: Ich werde dir das Lügen austreiben!“

Schritte, die Tür geht auf: „Träumst du schon wieder?“, fragt Papa unsanft.

Erschrocken dreht sich Melina zur Tür und stößt dabei mit der Hand das Wasserglas um. Der schöne Sonnenuntergang schwimmt in einem Meer aus Pinselwasser.

„Ich möchte, dass du mir beim Decken des Tisches hilfst. Mama und die anderen sind noch schnell Einkaufen gefahren, aber sie werden gleich da sein, und dann können wir gemeinsam Abendbrot essen. Hörst du mir überhaupt zu? Und räum die Sauerei weg!“ Papas Stimme klingt eindrucksvoll, aber das Mädchen blickt ihn teilnahmslos an.

Sie quält nur die eine Frage: Wo ist Mister Grün?

Die Familie sitzt komplett am Küchentisch. Alle lassen sich das Abendessen schmecken, nur Melina bekommt keinen Bissen herunter, dabei gibt es frische Tomaten, Gurken und Paprika sowie ihre Lieblingswurst.

„Du gefällst mir gar nicht, und blass siehst du auch noch aus“, sagt Mama besorgt.

Die Zwillinge Mica und Antonia essen artig ihr Brot, sogar das Gemüse wandert heute ohne Umwege in den Mund.

Amalia erzählt von den Tieren im Zoo, denen sie heute gemeinsam mit ihrer Freundin Paula, und den anderen Kindern der Mäusegruppe, einen Besuch abgestattet hat.

Klara räumt mittlerweile die Geschirrspülmaschine ein, wischt den Tisch ab und stellt die übrig gebliebenen Lebensmittel in den Kühlschrank. Dann holt sie den Staubsauger aus der Kammer, um den Boden zu säubern. Das ist eigentlich Melinas Aufgabe, aber irgendwie hat Klara das Gefühl, ihre Schwester bedrückt etwas, und so erledigt sie heute Melinas Arbeit gleich mit, und das ganz ohne Aufforderung und freiwillig.

Mama ist begeistert. Die drei Kleinen sind im Bad verschwunden, was unschwer am Lärm zu erkennen ist. Das Zähneputzen klappt heute ohne Gezeter, und so sitzen wenige Minuten später alle im Schlafanzug im Wohnzimmer. Papa hat einen Trickfilm ausgesucht und schaltet den DVD-Player ein. Gespannt schauen die Geschwister den tanzenden Bildern auf der Leinwand zu und lauschen der aufregenden Geschichte.

Stille.

Melina hat, in den wenigen Minuten Zeit die ihr zur Verfügung standen, ihr Zimmer nach Mister Grün abgesucht. Er ist verschwunden. Hat sie sich alles nur eingebildet? Unsinn. Der Schreibtisch ist noch feucht vom umgefallenen Wasserglas. Das Bild hat sie zum Trocknen auf die Heizung gelegt. Im Kleiderschrank hat sie alle Schubfächer durchsucht, keine Spur von Mister Grün.

Klara ist zu Melina ins Zimmer geschlichen. Sie ist neugierig: „Was ist los?“

Melina schaut ihre große Schwester an und unternimmt erst gar nicht den Versuch, sie anzulügen. „Du darfst aber Mama und Papa nichts verraten, das musst du mir versprechen!“

Klara verspricht es. „Nun mach es doch nicht so spannend!“

Melina zögert, soll sie ihre Schwester wirklich einweihen? Sie windet sich, aber Klara lässt nicht locker, denn sie spürt den ganz besonderen Reiz des Ungewöhnlichen. „Papa hat ihn vertrieben!“

„Wen?“

„Na Mister Grün!“

Aufgeregt erzählt Melina von der ungewöhnlichen Begegnung mit dem haarigen grünen Wesen aus dem Kleiderschrank.

Klara hört aufmerksam zu, dann bricht sie in schallendes Gelächter aus: „Du spinnst, das hast du dir doch nur ausgedacht, damit Mama und Papa nicht merken, dass du heute die Schule geschwänzt hast.“

Beleidigt rümpft Melina die Nase. Sie hätte wissen müssen, dass Klara ihr kein Wort glaubt. Wie sollte sie auch? Melina hat in letzter Zeit nicht nur ihre Eltern angelogen. Jetzt bekommt sie die Quittung dafür.

Es ist wie verhext, wo mag sich Mister Grün nur versteckt halten? Vielleicht ist er ja verletzt und braucht Hilfe. Das Mädchen ist verzweifelt. Was soll sie tun?

Melina zermartert sich ihr kleines Hirn, kann aber keine Lösung finden.